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Full text of "Archivalische Zeitschrift N F 17 18yr 1910 11"

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ARCHIV ALISCHE 


ZEITSCHRIFT. 


HKRAUSGEGEBEN 


DURCH 


DAS BAYERISCHE ALLGEMEINE REICHSARCHIV 

IN MÜNCHEN. 


NEUE FOLGE. SIEBZEHNTER BAND. 


MÜNCHEN 

THEODOR ACKERMANN 

KÖNIGLICHER HOF-BUCHHÄNDLER 

1910. 


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Inhaltsanzeige. 


8eite 

Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. Von Archivrat Dr. 

E. Mummenhoff in Nürnberg. 1 

Berichte Dr. Erasums Toppiers, Fropstes von St. Sebald zu Nürnberg, 
vom kaiserlichen Hofe 1507—1512. Von Albert Gümbel, 
kgl. Kreisarchivassessor in Nürnberg. Fortsetzung von Band XVI 125 
Franconlca aus dem Tatikan, 1464—1492. Von Dr. Theodor J. Scherg, 

I. Seminar- und Religionslehrer am kgl. Lehrerseminar zu 


Freising. (Fortsetzung von Band XVI.231 

BUoherbesprechung.317 


Nachträge zu Band XVI, 190». Von 0. Rieder, kgl. Reiohsarchivrat 319 



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Die Nürnberger Ilatsbücher und ßatsmannale. 


Von 

Archivrat Dr. E. Mummen hoff. 


Wenn ich es im Nachstehenden versuche, die Verlässe des 
Rats und der engeren Ratskollegien der Reichsstadt Nürnberg 
' nach ihrer Entstehung und Entwicklung, nach Form und Be¬ 
deutung einer näheren Erörterung zu unterziehen, so kann sich 
diese nur auf jene Verlässe erstrecken, die entweder in den 
Ratssitzungen selbst oder unmittelbar darnach für den Rat auf¬ 
gezeichnet worden sind und dessen Tätigkeit nicht bloss nach 
einer bestimmten Richtung hin zum Ausdruck bringen. Aus¬ 
geschlossen sind damit alle jene Zusammenstellungen, die nicht 
unmittelbar in ihrer ganzen Niederschrift und Fassung aus der 
Ratsstube hervorgegangen sind, die vielmehr, zu bestimmten 
Zwecken zusammengestellt, der vorerwähnten Unmittelbarkeit 
entbehren. Dazu gehören die umfassende Sammlung der Polizei¬ 
gesetze, der Handwerksordnungen, der Aemterpflichtbücher, 
der Acht-, Straf- und Wandelbücher und andere Zusammen¬ 
stellungen, die zwar ihren Ursprung aus der Ratstube nicht ver¬ 
leugnen können, die aber andererseits in ihren einzelnen Be¬ 
standteilen die Form der Verlässe in der Regel abgestreift haben, 
deren Redaktion späteren Ursprungs und mit Rücksicht auf 
einen ganz bestimmten Zweck erfolgt ist. 

Die vorliegende Untersuchung befasst sich lediglich mit 
jenen unmittelbaren Aeusserungen des Ratswillens, wie sie sich 
in den Ratsbüchern und Ratsmanualen und in den Verlass¬ 
büchern der weiteren Ratskollegien niedergelegt finden. 

Arohivalische Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 1 


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Dr. E. Mummenhoff. 


Zum besseren Verständnis aber erscheint eine Darlegung 
der Zusammensetzung des Rats und seiner Kollegien, wenn auch 
nur in allgemeineren Umrissen und unter steter Berücksichtigung 
der Vorgesetzten Aufgabe durchaus erforderlich. 

Der Rat, von dem hier zunächst zu reden, ist der innere 
oder kleine, im Gegensatz zum grösseren Rat, welch letzterer 
früher an die 200 Mitglieder zählte, im 17. Jahrhundert aber 
sich auf 400 und darüber erweitert hatte. 

Der kleine Rat, oder einfach Rat genannt, stellt die eigent¬ 
liche souveräne Gewalt der Reichsstadt dar, sei es nun in seiner 
Gesamtheit oder in seinen vornehmsten Kollegien. Der Schwer¬ 
punkt seiner Bedeutung und Macht lag bei den Geschlechtern, 
dem Patriziat, das allein 34 von 42 Ratsgliedern stellte, während 
nur 8, deren Einfluss infolgedessen ganz untergeordnet war, das 
Handwerk und den Gewerbestand vertraten. 

Den Geschlechtern gehörten zunächst jene 26 Ratsherrn an, 
die die Würde der Bürgermeister bekleideten, 13 alte und 13 junge. 
Abwechselnd übernahmen sie sämtlich, jedesmal ein alter und * 
ein junger, im Verlaufe des Jahres das Bürgermeisteramt. 

Ausser den Bürgermeistern sassen noch die 8 alten Ge¬ 
nannten, die gleichfalls aus dem Patriziat genommen waren, im 
Rat. Wenn im Rat die Umfrage an sie kam, konnten sie vo¬ 
tieren oder sich des Votums enthalten, wie es ihnen beliebte. 
Aemter mit Ausnahme der Ratsbaumeisterstelle, die mit einem 
der ihrigen besetzt wurde, hatten sie nicht zu übernehmen. „Die 
acht alten genannten werden gleich geacht den alten kriegs- 
leuten, so in krieg zu ziehen gefreiet sein, also sein auch diese 
von allen verdriesshchen pürden gesichert. Sie verwalten kein 
ampt, so steigen sie auch nicht zu hohem wirden, dann das je 
zu Zeiten ainer zu eim jungem burgermaister gemacht würt. 
Kainer aber aus inen kann zum alten burgermaister körnen.“ 
Diese Darlegung des Ratskonsulenten Dr. Christoph Scheurl 1 ) 
trifft übrigens keineswegs in allen Punkten das Richtige. Wenn 
auch wohl die aus dem Stand der Bürgermeister ausscheidenden 
Ratsherrn unter die alten Genannten aufgenommen wurden, so 
gingen doch andererseits auch wieder aus den alten Genannten, 


*) Städteehr. Bd. 11 S. 781 ff. Christoph Schourls Epistel über die 
Verfassung der Reichsstadt Nürnberg von Dr. Job. Staupitz v. J. 1510. 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


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und zwar auch zu Scheurls Zeit, junge Bürgermeister hervor, 
die dann zu den höchsten Ratswürden aufrücken konnten. 
Nicht allein für die Invaliden des Rats hatte demnach das 
Kollegium der alten Genannten Platz, sondern es bildete auch 
die Durchgangsphase für die höchsten Ratsstellen. Es kam 
übrigens auch vereinzelt vor, dass ein alter Genannter, die Stufe 
des jüngeren Bürgermeisteramts überspringend, gleich alter 
Bürgermeister wurde, wie es auch Beispiele gibt, die dartun, 
dass die Aufnahme in den Rat unter Uebergehung der Würde 
eines alten Genannten erfolgte. 1 ) 

*) Wie sehr Christoph Scheurl Unrecht hat, wenn er behauptet, die 
alten Genannten hätten nur einen Ruheposten eingenommen und zu einem 
alten Bürgermeister nicht aufrücken können, mögen folgende Beispiele 
beweisen: 

Hieronymus Schürstab wurde 1474 alter Genannter, 1492 
gleich älterer Herr, 1502 zweiter und 1504 vorderster Losunger. 

Gabriel Holzschuher ist 1488 alter Genannter, 1499 junger 
Bürgermeister, 1490 alter Genannter, 1491 alter Bürgermeister, als welcher 
er 1493 mit Tod abgeht. 

Hans Harsdorf er wird 1501 alter Genannter, 1505 gleich alter 
Bürgermeister und stirbt als solcher 1510. 

Hans Ebner wird 1512 alter Genannter und bleibt es bis 1535. 
1538 erhält er gleich den Rang eines ältern Herrn, wird 1545 zum obersten 
Hauptmann ernannt und stirbt als solcher 1552. 

Hans Irnhof w'ird 1513 alter Genannter, 1519 alter Bürgermeister 
und stirbt als solcher 1522. 

Sigmund Pfinzing w'ird 1513 alter Genannter, 1515 junger Bürger¬ 
meister, muss aber noch in diesem Jahre ausgetreten oder mit Tod abgegangen 
sein, da er im Ratsverzeichnis des folgenden Jahres nicht mehr erscheint. 

Christoph Fürer wird 1513 alter Genannter, 1514 junger Bürger¬ 
meister, ist seit 1528 in den Ratsverzeichnissen nicht mehr aufgeführt. 

Hieronymus Baumgärtner wird 1525 alter Genannter, 1530 
junger Bürgermeister, 1533 altor Bürgermeister, 1550 älterer Herr, 1553 
oberster Hauptmann und stirbt als solcher 1565. 

Eine Anomalie ist es, wenn Gabriel Muffol von 1478—1497 fol¬ 
gende Posten im Rat einnimmt: 

Alter Genannter 1478 — 1481. 

Junger Bürgermeister 1482. 

Alter Genannter 1483. 

Junger Bürgermeister 1484. 

Alter Genannter 1485. 

Junger Bürgermeister 148(3. 

Alter Genannter 1487. 

Junger Bürgermeister 1488. 

1 * 



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Dr. E. Mummenhoff. 


Endlich sind noch die 8 Handwerker anzuführen, die nach 
dem Handwerkeraufstand in den Jahren 1348 und 1349, und 
zwar vermutlich erst viel später (1478) aus den Metzgern, 
Bäckern, Lederern, Schmieden, wozu auch die Goldschmiede 
gerechnet wurden, oder denen, die mit dem Hammer arbeite¬ 
ten, dann den Schneidern, Kürschnern, Tuchmachern und 
Bierbrauern in den Rat geschickt wurden. Sie bekleideten im 
allgemeinen keine Aemter und ihr Einfluss auf den Gang der 
Ratsverhandlungen war infolge des erdrückenden Uebergewichts 
der alten Geschlechter gleich null. Nach Scheurls Darstellung 
konnten sie in den Rat kommen oder ihm fernbleiben, abstimmen 
oder sich der Abstimmung enthalten, wie es ihnen beliebte. 
Doch ist Johannes Müllner, wie auch die Ratsverlässe es be¬ 
stätigen, besser unterrichtet, wenn er sagt, dass sie, wenn sie 
„beim Eid oder Rechten“ entboten waren, — in Kriminalsachen, 
bei Steueranlagen, Aemterbesetzungen oder wenn der grosse 
Rat erfordert werden sollte — zu erscheinen hatten. 

Das erste und höchste Ratsamt, dessen Repräsentanten aus 
der Zahl der älteren Bürgermeister hervorgingen, war das der 
Losunger. Die beiden Losunger 1 ) führten die Verwaltung des 

Alter Genannter 1491—1497, in welchem Jahie er starb. Ein solches 
Beispiel mag Scheurl vorgeschwebt haben, als er seine Epistel schrieb. 
Trotzdem ist seine Darstellung bezüglich der Stellung der alten Genannten 
ungenau, ja unrichtig. 

Das Amt der alten Genannten war auch nicht immer die Vorstufe 
zur Bürgermeisterwürde. So kamen 1499 Heinrich Wolf, Peter Hars- 
dorfer und Wolf Pömer und 1502 Hieronymus Haller, Wolf Löffelholz, 
Kaspar Nützel und Jakob Muffel gleich als junge Bürgermeister in den Rat. 

*) In der Zeit von 1647—1653 standen sogar — abgesehen von dem 
Handwerkerlosunger, der kaum in Betracht kommt — 3 Losunger an der 
Spitze des Nürnberger Regiments. Der im Aeltermanual (Bd. 47, Bl. 69) 
verzeichnete Ratsverlass vom 2. November 1647 bringt darüber folgonde 
interessante Mitteilung: „Damit auch inskünftig die schwere und mühe¬ 
selige Verwaltung des Aerarii Herren Christoff Fürers und Herren Grund¬ 
herrn Herrlichkeiten bei ihren mit Rhum und Ehren erlangten hohen 
Alter etwas erleuchtert werden möge, als ist Herrn Georg Abraham Pü- 
mers Herrlichkeit beeden Herren als der dritte Losunger adjungirt 
worden, jedoch unaufgehebt dessen, dass auch der andern Herrn Eltern 
Herrl. den Herrn Losungern mit ihren vernünftigen Einraten in begebenden 
Fällen zu assistirn ersucht werden“ etc. etc. Diese 3 Losunger starben 
kurz nacheinander, Christoph Fürer 1653, Ulrich Grundherr 1654 und Georg 
Abraham Pömer 1655. Zweiter Losunger wurde 1655 Job. Willi. Kress, 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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Staatsschatzes, waren, modern ausgedrückt, die Finanzminister. 
Ihren Namen hatten sie von der Losung, einer Einkommensteuer, 
die je nach Bedürfnis als hundertster Pfennig (einfache Losung) 
erhoben, zuweilen aber auch höher veranlagt wurde. Der von 
den Losungern bei der jährlichen Wahl zuerst Berufene, der 
vorderste Losunger, bekleidete die höchste Würde der Nürn¬ 
berger Republik. Aus den 8 im Rate sitzenden Handwerkern 
war ihnen zwar noch ein Amtsgenosse beigegeben, aber dieser 
trug — in unserer Zeit wenigstens — nur mehr den Titel einer 
Würde, die des Inhalts fast gänzlich ermangelte. Seine Ob¬ 
liegenheiten kennzeichnen ihn beinahe als den untergeordneten 
Diener der beiden höchsten Staatsbeamten, der, wie Scheurl be¬ 
merkt, die Türe der Losungsstube zu öffnen und zu schliessen 
und die Ein- und Ausgehenden zu empfangen und hinauszube¬ 
gleiten hatte. Die beiden Losunger bildeten zusammen mit 
einem dritten aus dem Kollegium der sieben älteren Herrn ge¬ 
wählten Ratsherrn jenes der drei obersten Hauptleute, der 
höchsten Sicherheitsbeamten der Stadt (capitanei). Ihnen waren 
die Schlüssel zum Heiligtum anvertraut, ihnen hatten die Gassen¬ 
hauptleute und Bürger zu schwören und sich bei Aufläufen und 
Kriegslärm zur Verfügung zu stellen. 

Aus den dreizehn älteren Bürgermeistern wurden ferner 
die sieben ältern Herrn ausgeschieden, zu denen stets die drei 
obersten Hauptleute gehörten. Sie waren im Besitz der eigent¬ 
lichen Regierungsgewalt: in ihrer Hand liefen alle geheimen 
Fäden zusammen und die wichtigsten Angelegenheiten unter¬ 
lagen ihrer Beschlussfassung oder doch ihrer engeren Beratung, 
bevor sie im Ratsplenum zur Verhandlung kamen. 

Es konnte indes zur Beratung wichtiger Angelegenheiten 
auch der Ratsausschuss zusammentreten. Er bestand aus den 
dreizehn alten Bürgermeistern und den vier vordersten der alten 
Genannten. 

Aus der Gesamtheit der 26 Bürgermeister gingen ferner 
hervor die 13 geschwornen Schöffen des Rats und die Fünfer¬ 
herrn. Jene hatten mit Ausnahme der ältern Herrn das pein¬ 
liche Recht zu zweien zu üben, allerdings keineswegs ohne 


der 1H56 zum vordersten aufrüekte und an dessen Stelle als zweiter nun 
Burkhard Lüffelholz trat. 


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6 Dr. E. Mummenhoff. 

Einwirkung und Kontrolle des Rats, der hier unausgesetzt 
in den Gang des Verfahrens eingriff. Nach einem Ratsver- 
lass vom Jahre 1444 war anch ein jeglicher Bürgermeister 
verpflichtet, mit dem Verbrecher im Loch gleich nach dessen 
gefänglicher Einziehung das Verhör zu beginnen, ohne erst den 
Zusammentritt des Rats abzuwarten. 1 ) 

Von den Gerichten ist an erster Stelle das Stadtgericht zu 
nennen, dem bei den Verlautbarungen der Akte der freiwilligen 
Gerichtsbarkeit dem Namen nach der Reichsschultheiss präsi¬ 
dierte, der auch das Stadtgerichtssiegel führte. Das Stadtgericht 
urteilte unter dem Stadtrichter als Kriminalinstanz über Leben 
und Tod. Aber dieser Akt war rein formeller Art. In Wirk¬ 
lichkeit bildete der Rat selbst das peinliche Gericht, wenn er 
sich als solches in seiner Cesamtheit konstituierte, was man vor¬ 
nehmlich „Rat beim Rechten“ nannte.*) 

Ursprünglich hatte der Schultheiss*) allein die peinliche Ge¬ 
richtsbarkeit geübt, aber schon seit 1320 in Konkurrenz mit dem 

*) Es ist erteilt, das nu fürbass ein iglicher burgermeister dos go- 
flissen und auch macht haben soll, wenn imands umb ubeltat ins locli 
körne, das er dann von stunden zu einem iglichen sollichen geben, den zu 
rede setzen und nicht uf ein rat harren sull. Ratsbuch 1441 — 1461, Bl. 121. 

Es steht zwar deutlich „geben“ da, was aber durchaus keinen Sinn 
gibt, sondern in „gehen“ emendiort werden muss. Es ist aber kaum an¬ 
zunehmen, dass sich eine solche Anordnung auf die Dauer halten konnte. 
Denn der ältere Bürgermeister war mit Amtsgeschäften joglicher Art so 
überhäuft, dass man ihm später kaum noch zumuten konnte, das erste 
Verhör der Gefangenen zu übernehmen. Wir hören dann auch sonst von 
einer solchen Funktion des älteren Bürgermeisters nichts mehr. 

*) Vgl. Christ. Scheurl a. a. 0. S. 796: Aber die dreizehn, so durch 
die churherrn zu goschwornen schöpfen erkiest werden, sein damit be¬ 
schwert, das allwegen etlich aus inen ausserhalb der, so in die zal der 
siben eitern gehorn, den peinlichen fragen en gegen und der übelteter 
urgicht bezeugen und zuletzt all miteinander über das plut richten müssen, 
wiewol sie nichts anders urtailen, dann was zuvor durch ein ganzen rat 
beschlossen ist. Dann ein jeder ratsherr muss ein leiblichen ait zu gott 
schweeren, das er der maisten stim, ungoacht, welcher mainung er bei 
ime selbs sei, nachvolgen wolle. 

s ) ln der älteren Zeit und nooh im 13. Jahrhundert staud der 
Schultheiss auch an der Spitze des Rats, wo er mit diesem und mit den 
zum Rat gehörigen Schöffen, zuweilen auch unter Zuziehung der [alten] 
Genannten Gericht hielt und besonders in polizeilichen Angelegenheiten 
Beschlüsse fasste, wie letzteres aus zahlreichen Stellen der älteren Polizei¬ 
ordnungen hervorgeht. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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Stadtgericht. 1 ) Die Befugnisse des Schultheissen schrumpften 
immer mehr zusammen. Die peinliche Gerichtsbarkeit ging dann 
vollständig an die Stadt über und es war schliesslich auch nicht 
mehr als reine Formsache, wenn der Schultheiss mit den Schöffen 
über die sämtlichen vor dem Stadtgericht verlautbarten Rechts¬ 
geschäfte die Urkunden ausstellte. Die Stadt bediente sich im 
15. Jahrhundert der aus dem fränkischen Adel genommenen 
Schultheissen auch häufig als Gesandter und Söldnerführer.*) 
Bis 1386 hatte man sie dem Patriziat, seitdem aber fast aus¬ 
schliesslich aus der fränkischen Reichsritterschaft entnommen. 
Nach dem Abgang des Joachim von Westhausen zu Anfang 
der 70er Jahre des 16. Jahrhunderts erscheint der vorderste 
Losunger Endres Imhof d. ä. als Schultheissenamtsverweser 
und seitdem war stets der vorderste Losunger auch Reichs- 
schultheiss, der als Kastellan der Reichsburg seinen Sitz auf 
derselben nahm. 

. 1497 wurde das Stadtgericht neuorganisiert. Als Zivilge¬ 
richt ist es nunmehr völlig vom Rat losgelöst. Seine Schöffen 
— 8 an der Zahl und gegen Ende des 16. Jahrhunderts und 
auch wohl schon früher 12 — wurden aus den Genannten des 
grösseren Rats genommen. Dazu kamen noch 2 Beisitzer aus 
dem kleinen Rat und 3 oder 4 Doktoren der Rechte, die dieser 
bestimmte. Das Stadtgericht verhandelte als Zivilinstanz an 
zwei Tischen, trat aber bei Verlesung der Akten und der Urteil¬ 
schöpfung in einer besonderen Stube zu einer gemeinsamen 
Sitzung zusammen. 

Das Fünfergericht — auch Fünferherrn oder einfach Fünfer 
genannt — wurde monatlich mit den beiden abtretenden, den 
beiden amtierenden Bürgermeistern und einem weiteren Rats¬ 
herrn — die Losunger ausgenommen — besetzt. Vor sein Forum 
gehörten Verbal- und Realinjurien, sowie die Uebertretungen 
der Polizeigesetze. Das Verfahren war mündlich. Advokaten 
wurden nie, Zeugen selten zugelassen. Die Entscheidung er¬ 
folgte auf Grund der abgelegten Eide. Appellation war unzu- 

') Urkunde K. Ludwigs yoin 24. Januar 1320. 

’l S. darüber wie über das Schulthoissenamt überhaupt: Paul Fander, 
der reiclisstädische Haushalt Nürnbergs. S. 42 [f. 

Chr. Wilh. Fried. Stromer, Geschichte und Gerechtsame des Reichs- 
schultheissenamts (1787). 


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Dr. E. Murnmenhoff. 


lässig, wichtige Fälle aber wurden dem Rat zur Entscheidung 
vorgelegt. 

Von den Fünferherrn wohl zu unterscheiden sind „die fünf 
Herrn ob dem Amtsbuch“, von denen vier aus den Bürgermeistern 
und der fünfte aus den alten Genannten genommen waren. Sie 
hatten die Beamten der Stadt — soweit sie nicht vor dem Rat 
selbst Pflicht leisteten — in Pflicht zu nehmen, die Aufsicht 
über die Handwerke zu führen und insbesondere die geschwo¬ 
renen Handwerksmeister zu vereidigen. Unter der Bezeichnung: 
Rugsamt bildeten sie jenes Organ, das anderswo in den Zunft¬ 
meistern gegeben war. Die Rugsherrn waren Abgeordnete des 
kleinen Rats, sie hiessen auch die Herren an der Rüg oder die 
Herrn beim Pfänder, weil auch dieser beizuziehen war und Vor¬ 
trag über die Verfehlungen zu erstatten hatte. Bis 1498 waren 
nur 2 Ratsherrn zur Rüge abgeordnet. Da sich aber „die Zu¬ 
fälle und gemeinen Ratssachen täglich mehrten“, so wurde die 
Rüge mit noch 2 weiteren Herrn des kleineren Rats besetzt. 
Seitdem bestand das Rugsamt aus 4 Ratspersonen und dem 
Pfänder, der dem grossen Rat oder, wie es gewöhnlich genannt 
wird, den Genannten des grösseren Rats angehörte. 

Von weiteren Ratsämtern, welche in den Ratsaufzeich¬ 
nungen öfter Erwähnung finden, seien noch genannt das Bau¬ 
amt, Waldamt, Vormundamt, Zinsmeisteramt, Almosenamt, Land¬ 
pflegamt, Kriegsamt, Zeugamt, Spitalamt, Zoll- und Wagamt, 
Waidamt u. a. Die Wirksamkeit dieser Aemter kennzeichnet sich 
schon in ihrem Namen. 

An der Spitze des Rats standen je für die Dauer von 
28 Tagen die jeweilig amtierenden Bürgermeister, ein alter und 
ein junger. Die Zeit dieser Amtsverwaltung nannte man eine 
Bürgermeisterfrage oder einfaoh Frage, die Bürgermeister selbst 
aber bis etwa gegen Ende des 14. Jahrhunderts die Frager, weil 
sie im Rat die Frage oder Umfrage vorzunehmen hatten. In 
der Regel kamen 13 Fragen auf das Jahr. 

Umfassten aber die das Geschäftsjahr abgrenzenden Ostern 
den Zeitraum von mehr als einem wirklichen Jahr, so kam noch 
eine weitere Frage dazu, die aber oft weniger als 4 Wochen 
betrug. War das Geschäftsjahr infolge eines späteren Eintritts 
des Osterfestes zu Anfang und eines frühen zum Schluss ein 
ungewöhnlich kurzes, so konnte es auch aus bloss 12 Fragen 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmauuale. 


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bestehen. In der Regel hatte der vorderste Losunger das Amt 
des alten Bürgermeisters in der ersten Frage inne. 

Die einzelnen Bürgermeisterpaare wurden schon bei der 
Ratswahl durch die fünf Wähler bestimmt, während die Reihen¬ 
folge, in der sie zu amtieren hatten, am Schluss jeder Frage für 
die folgende vom Rat fest gestellt wurde. 1 ) 

Zum Geschäftsgang in der Ratssitzung sei folgendes be¬ 
merkt. Die Ratsmitglieder wurden durch das Läuten der Rats¬ 
glocke, die auf dem östlichen Giebel des Saalbaues gleich bei der 
Ratsstube hing, zum Erscheinen im Rat aufgefordert. Nach dem 
Ausläuten kehrte der ältere oder der jüngere Bürgermeister die 
beiden Sandührlein, ein kleineres und ein grösseres, um. Nach 
dem Auslaufen des kleineren wurde durch das Ratsläuten der 
Beginn der Sitzung angezeigt, das grössere war zu den Rats¬ 
zeichen verordnet, d. h. wohl, es bezeichnete den Zeitpunkt, bis zu 
dem man noch das Ratszeichen erhielt, gegen das man die Sitzungs¬ 
sporteln ausbezahlt erhielt. Wer nach Auslaufen der ersten Sand¬ 
uhr kam, zahlte 1 Heller, und kam er nach Auslaufen der 
zweiten, so hatte er 2 Kreuzer Strafe zu entrichten. Erschien 
aber ein Ratsmitglied erst nach Chorläuten, so war er in eine 
Strafe von 2 Schilling Gold oder 6 Heller verfallen. Sobald der 
Rat sich gesetzt hatte und mit dem Lesen der Anfang gemacht 
worden war, wendete der ältere Ratschreiber die dreistündige 
Sanduhr um und erinnerte, wenn sie ausgelaufen war, worauf 
die Sitzung geschlossen wurde. 

Der ältere Bürgermeister eröffnete, leitete und schloss die 
Sitzung, wie er auch die Tagesordnung nach dem vorliegenden 
Material, das in der scatela, der Rats- oder Bürgermeisterlade, 
aufbewahrt wurde, vorher festsetzte. Ohne seine Erlaubnis 
durfte niemand reden, etwas entgegennehmen oder vorlegen. 
Zur Klarstellung der Ratsmeinung stellte er die Umfrage, die 
in ganz bestimmter Ordnung erfolgte. Wenn er die Diskussion 
eröffnet hatte, sollte jeder auf das merken, was vorgebracht 


') Ratsverlass vom 10. Januar 1497: Als dann bisher gewonheit ge¬ 
wesen, das die burgenneistor, so alle vier wochen erwelt werden, einmal 
umb das ander itz durch den rate, dann durch die schöpfen erwelt wor¬ 
den sein, also ist erteilt, das die burgermeister nu hinfur alle vier 
wochen durch rat und schöpfen versamctlich sollen gewelt werden. 
Actum tercia post. Erhardi. Ratsbuch VI, 208. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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wurde. Wiederholungen schon' gegebener Vota, weitläufige zur 
Beschlussfassung undienliche Erörterungen, Störungen der Sitzung 
dadurch, dass einer dem andern in Frage und Stimme fiel oder 
sich in Reden und Gebärden ungebührlich und freventlich er¬ 
zeigte, Unterhaltung und Lesen waren verboten und der ältere 
Bürgermeister hatte das zu rügen. Den Widersetzlichen aber, 
der die Rüge missachtete, hatte er austreten zu lassen, um 
wegen seiner Bestrafung die Frage zu stellen. Insbesondere 
waren weitläufige Auseinandersetzungen in der Ratstube nicht 
beliebt. Auf eine Erinnerung, dass „Lukas Welser im Votieren 
so gar kurz durchgehe“, beschlossen die älteren Herrn i. J. 1043 
(29. März), diesen Gegenstand auf sich beruhen zu lassen. Da¬ 
gegen sollte Nikolaus Albrecht Rieter den Jakob Welser a parte 
erinnern, „dass er sich des allzu weitläufigen Votierens und Re- 
kapitulierens, dardurch nur die gute Zeit verabsäumet wird, hin- 
füro mässigen und wann er bei einer und der andern Sach nichts 
mehrers oder sonsten, so von Importanz, zu erinnern habe, fein 
schieinig deutlich und sukzinkt durchzugellen und zu votiren“. 
Der Verlass rügt dann noch, dass das Aus- und Eingehen, auch 
Umspazieren auf dem Saal während der Ratzeit von den jüngern 
Herrn des Rats fast gemein sei und ordnet an, dass nach den 
Feiertagen das Quatemberbüchlein abgelesen und die Mängel 
ungescheut erinnert werden sollten. 

Die Umfrage durchlief aber in der Regel nicht den ganzen 
Kreis der Ratsherrn. Der Bürgermeister schloss sie, wenn er an¬ 
nehmen durfte, dass Einstimmigkeit erreicht werden würde, ln 
der Regel hörte er schon bei den ältorn Herrn oder doch den 
ältern Bürgermeistern zu fragen auf. Wenn die Umfrage sich 
auf alle Ratsmitglieder erstreckte, so wird das in der Regel im 
Protokoll bemerkt. Ein einzigesmal ist es mir begegnet, dass 
eine zweifache Umfrage erfolgte. Es war das in der Paul Albrecht 
Rieterschen Resignationssache, auf die später, wenn auch in 
aller Kürze, einzugehen sein wird. 

Die Abstimmung geschah durch Aufzeigen der Finger. Im 
18. Jahrhundert dachte man auch einmal daran, das Ballottieren 
einzuführen, um dadurch dem Bekanntwerden der Abstimmung 
im einzelnen vorzubeugen. 1 ) Die Beschlüsse wurden — nach 

') 1724 Juni 2. Boi Rat. Es ist orteilt, die Acta, worin von Ein¬ 
führung des Ballodiorens gehandelt worden, aufsuchen und hoi nechst 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale 


11 


der Ratsordnung von 1617 — von dem jüngeren Ratschreiber 
protokolliert und am Nachmittag — während der Sitzung sollte 
das Manual nicht aus der Ratstube entfernt werden — von ihm 
in dasselbe eingetragen. Darauf erhielt es der Registrator in 
der Kanzlei, der die einzelnen Beschlüsse auszuziehen und zu 
den Akten zu bringen hatte. Das Manual stellte er am folgen¬ 
den Morgen dem jüngeren Ratschreiber wieder zu, „damit das 
Manual in der Ratstuben bestendig vorhanden sei, darinnen 
bleib und auch die jungen Herrn der Ratstuben und fürgehenden 
Handlungen desto besser auswarten können“. — 

Die in den Ratsbüchern und Ratsmanualen verzeichneten 
Beschlüsse bilden die beiden ersten grossen Serien der zu be¬ 
sprechenden Ratsaufzeichnungen. Die frühest erhaltenen sind 
die Ratsbücher, womit wir daher unsere Besprechung beginnen. 

1. Die beiden ältesten Ratsbücher. 

Das kgl. Kreisarchiv Nürnberg besitzt zwei Handschriften, 
die Jahre 1400—1408 und 1407 — 1415 (1418) 1 ) umfassend, welche 
in fortschreitender Folge Beschlüsse des Rats und, darunter ver¬ 
streut, mancherlei Vermerke über Vorkommnisse und Verhand¬ 
lungen enthalten, die, weil sie zu jenen Ratsbeschlüssen in Be¬ 
ziehung standen und von Wichtigkeit erschienen, der Aufzeich¬ 
nung für wert erachtet wurden. 

Auf dem Rücken der ersten Handschrift steht, freilich von 
einer Hand aus dem Ende des 18. oder dem Beginn des 19. Jahr¬ 
hunderts, die Bezeichnung „Geleitbuch“, die ohne Zweifel ver¬ 
anlasst hat, dass der wahre Charakter des Buches so lange — 
bis in den Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts — 
verkannt werden konnte. 

Bei genauerer Einsichtnahme erkennt man indes gar bald, 
dass eine solche Bezeichnung dem Inhalte des Buches in keiner 

vorfallender Ersetzung einer Vacanz eine Probe machen zu lassen, ob 
nicht dasselbe würklich einzuführen und dadurch die fallende Vota in 
bessere Verschwiegenheit zu behalten sein mögen. 

Herrn Kanzleiherrn Herrlichkeiten. 

Aeit.-Man. 64, Bl. 276. 

') Das Jahr 1418 ist nur mit 2 Einträgen in der mit der feria 
quarta in vigilia purificationis Marie (1. Februar) beginnenden Frage ver¬ 
treten. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


Weise gerecht wird. Denn wenn auch viele der verzeichneten 
Beschlüsse die Gewährung, Erstreckung und Entziehung des 
Geleits betreffen und gleich auf dem Vorsetzblatt sich die Be¬ 
merkung findet: „Es mag kein gast dem andern geleit hie ver- 
pieten“, so wird doch mit jener Bezeichnung der Inhalt des 
Buches auch nicht im entferntesten erschöpft. Die das Geleit 
behandelnden Verlässe bilden vielmehr die verschwindende 
Minderzahl gegenüber den anderweitigen, welche die verschie¬ 
denartigsten Aufgaben und Geschäfte des Rais und damit die 
verschiedenartigsten Seiten und Bedürfnisse der emporblühenden 
Reichsstadt berühren. 

Wir haben eben nichs anderes als das älteste der uns er¬ 
haltenen Ratsbücher oder gar das älteste Ratsbuch selbst vor uns. 

Ein Vergleich mit den späteren Ratsbüchern und Rats¬ 
manualen (Ratsverlässen, Ratsprotokollen) wird uns hinsichtlich 
der Berechtigung der aufgestellten Behauptung nicht lange im 
Unklaren lassen. 

Anlage und Beschaffenheit der Ratsbücher stellen es ausser 
Zweifel, dass sie nicht in der Ratssitzung selbst, sondern erst 
nachträglich entstanden sind. Die im allgemeinen saubere, oft 
schöne Schrift, die häufig weitläufigere und sorgfältigere Fassung 
der einzelnen Beschlüsse unter näherer Darlegung der veran¬ 
lassenden Vorgänge und Motive, die Aufnahme von Notaten, 
die keine Ratsbeschlüsse darstellen, dann die öftere Durch¬ 
brechung der genauen chronologischen Ordnung — alles dies 
sind unzweifelhafte Merkzeichen, welche die Ratsbücher von 
den seit 1474 in ununterbrochener Folge fortlaufenden Rats¬ 
manualen unterscheiden und zugleich den Beweis liefern, dass 
sie in anderer Weise als diese, welche als die Beschlussproto¬ 
kolle des kleinen Rates anzusehen, nach den Sitzungen ausge¬ 
arbeitet worden sind. Wenngleich nun auch die beiden ange¬ 
führten Handschriften wegen ihrer ganzen äusseren Erscheinung 
und Einrichtung, ihres Formats, der im allgemeinen sorgfäl¬ 
tigeren Schrift, der öfteren Notate, die keine Ratsverlässe sind, 
endlich wegen der zuweilen weitläufigeren Fassung sich unver¬ 
kennbar als Ratsbücher darstellen: so kann man sich anderer¬ 
seits doch auch nicht verhehlen, dass hier das Ergebnis einer 
Einrichtung vorliegt, die das Stadium der ersten Anfänge noch 
nicht überschritten hat, die sich erst im Verlauf der Zeit zu 
höherer Durchbildung fortentwickeln sollte. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


13 


Um zunächst auf das rein Formelle einzugehen, so ver¬ 
merken beide Aufzeichnungen, wie es auch bei den späteren 
Ratsbüchern und Ratsmanualen geschieht, zu Beginn jeder Frage 
die beiden amtierenden Bürgermeister unter Angabe des Tages 
ihres Amtsantritts. Aber auch nur dieses Datum findet sich 
regelmässig notiert, während jenes der jedesmaligen Sitzung, 
aus der die einzelnen Beschlüsse hervorgegangen, das in den 
späteren Ratsbüchern und Manualen nie vergessen wird, in den 
meisten Fällen fehlt. 

Bei weiterem Zusehen ergibt sich, dass die Sitzungen ganzer 
Fragen einfach unberücksichtigt geblieben sind und in den ver- 
zeichneten oft nur wenige, zuweilen nur ein einziger Beschluss 
Aufnahme gefunden hat. Und doch war ganz gewiss um diese 
Zeit der Geschäftskreis des Rats längst ein weit umfassender. 

Dieser in hohem Masse auffallende Mangel ist wohl zum 
Teil dem Schreiber zur Last zu legen. Zuweilen empfängt man 
den Eindruck, als habe er sich erst auf die Verhandlung be¬ 
sinnen müssen oder überhaupt nicht recht mehr gewusst, was 
in der Sitzung verhandelt worden war. Ist es doch nicht selten, 
dass für spätere Nachträge Raum gelassen, gleich nach dem 
ersten Worte oder mitten im Satze abgebrochen oder auch ein 
Eintrag durch einen anderen, besser gefassten ersetzt worden ist. 

Aus den bemerkten Auslassungen könnte man auch folgern 
wollen, die in Rede stehenden Aufzeichnungen wären im Rate 
selbst während der Sitzung erfolgt. Man könnte meinen, der 
Schreiber hätte sie, weil er dem Gange der Verhandlungen nicht 
recht hätte folgen können, in der geschilderten Unfertigkeit und 
Mangelhaftigkeit zu Papier gebracht. Gegen eine solche Ver¬ 
mutung sprechen indes die ganze übrige Abfassungsweise und 
die Schrift, die durchaus nicht den Eindruck des Protokollierten 
hervorruft. 

Es wäre übrigens ungerecht, wenn man den Schreiber allein 
für die spärliche Verzeichnung der Beschlüsse in den einzelnen 
Fragen verantwortlich machen wollte. Man stand eben noch in 
den Anfängen einer neugeschaffenen Einrichtung. 

Diese Bücher waren zunächst doch nichts anderes als die 
Kontrollbiicher des Rats oder genauer der amtierenden Bürger¬ 
meister. Als solche sollten sie nur jene Beschlüsse in sich auf¬ 
nehmen, die, an den Rat im ganzen oder im einzelnen sich 


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Dr. E. Mummenhoff. 


wendend, die Erledigung von Geschäften betrafen, die bei be¬ 
stimmten Anlässen und zu bestimmten Zeiten zu besorgen waren 
oder rekurrent wurden. Nach dieser Seite hin nehmen die beiden 
ältesten Ratsbücher die Stelle von Rats- oder Bürgermeister- 
meinorialen ein. 

Der ganz bestimmten Absicht, die einem klar erkannten 
Bedürfnisse entsprach, die ins Amt tretenden Bürgermeister über 
den Stand der zu erledigenden Angelegenheiten zu unterrichten 
und auf dem Laufenden zu erhalten, verdankten sie aller Wahr¬ 
scheinlichkeit nach ihre Entstehung. Man könnte sie deshalb 
auch Bürgermeister- oder Rats- und Bürgermeisterbücher nennen. 

Aus dieser ihrer ursprünglichen Bestimmung erklärt sich 
denn auch zu einem guten Teile die Seltenheit der Einträge in 
manchen Fragen und das völlige Uebergehen derselben. Es 
lagen in solchen Fällen in der Regel Geschäfte, die der Erle¬ 
digung harrten, nur in geringer Zahl oder gar nicht vor und es 
waren auch nur wenige oder gar keine Beschlüsse, die einen 
bestimmten Termin in Aussicht nahmen, hinzugekommen. Zu 
anderen Zeiten war der Geschäftsgang nach dieser Richtung hin 
wieder ein ungleich lebhafterer, was in der Menge der Einträge 
seinen adäquaten Ausdruck findet. 

Immerhin lässt sich aus der nachlässigen und ursprüng¬ 
lichen Art der ganzen Aufzeichnung erkennen, dass eine sorg¬ 
fältige Beaufsichtigung des Schreibers nicht statthatte. 

In dem verhältnismässig langen Zeitraum von 1400—1415, 
den die beiden ältesten Ratsbücher umfassen, lässt sich im all¬ 
gemeinen eine und dieselbe Hand verfolgen, der auch die gleich¬ 
zeitigen Aufzeichnungen der Briefbücher der Reichstadt zuzu¬ 
schreiben sind. Es war wohl einer der Ratschreiber, dem die 
Besorgung der Einträge oblag, und wenn es erlaubt ist, von 
der Uebung einer allerdings viel späteren Zeit zurückzuschliessen, 
der jüngere Ratschreiber. Wie wir nämlich aus der Ratsord¬ 
nung vom Jahre 1617 und aus des Ratsschreibers Johannes 
Miillner Annalen wissen, gehörte die Eintragung der Ratsverlässe 
in die Ratsmanuale, die damals nach den Sitzungen zu erfolgen 
hatte, zu den Obliegenheiten des jüngeren Ratschreibers. Einer 
der beiden Ratschreiber war es auch deshalb wohl, weil nur 
diese von dem gesamten Kanzleipersonal die genügende Einsicht 
in die Verhandlungen des Rates besassen. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale- 


15 


An jenen Stellen aber, wo anstatt der Hand des Rat¬ 
schreibers eine andere begegnet, ist ohne Zweifel eine Stellver¬ 
tretung durch den ersten Ratschreiber oder einen Kanzlisten, 
der vom jüngeren Ratschreiber angewiesen und beaufsichtigt 
wurde, anzunehmen. 

Sogar Bemerkungen von der Hand der Bürgermeister sind 
unverkennbar. So z. B. wenn es heisst: „Item uns ist furkomen 
von der schadkeuf und gelcz auszupringen wegen“ (1407) oder 
deutlicher noch „sol unser frag ligen und dan noch ain ander 
frag sol man tun“ (1408), wobei wohl zu bemerken, dass solche 
Einträge zugleich auch einen anderen Schriftcharakter aufweisen. 

Die Form, in welche die Verlässe der beiden ältesten Rats¬ 
bücher gekleidet sind, ist so knapp und kurz, dass sie wohl 
kaum auf eine noch kürzere Fassung gebracht werden könnte. 
Im allgemeinen kommt nur der nackte Beschluss ohne Angabe 
der näheren Umstände und der Motive zum Ausdruck. 

Vorherrschend ist im Anfang der einfache Infinitiv und die 
imperative Konstruktion des Infinitivs mit „ist“ oder „sind“. 
Fast ebenso häufig begegnet die Konstruktion mit der ent¬ 
sprechenden Präsensform von „sollen“. Sind die Beschlüsse erst 
nach der Ausführung niedergeschrieben, so kommt auch das 
Perfektum zur Verwendung. 

Manchmal werden die Verlässe durch die Formeln: „Ez 
ist zu wissen“ oder: ,,Ez ist im im rat erteilt“ oder einfach: 
„Ez ist erteilt worden“ eingeleitet. Die letztere Form wird 
später neben der weiteren: „Ez ist verlassen“ — woher die 
Bezeichnung Ratsverlass — die gebräuchliche. Die Form: „Ez 
ist erteilt“ lässt übrigens noch erkennen, dass sich der Rat in 
früherer Zeit häutiger auch als Gericht konstituierte. 1 ) 


*) Dass sich der Rat auch später noch als „Rat zum Rechten“ kon¬ 
stituierte, wenn er als oberster Gerichtsherr Uber Leben und Tod urteilte, 
ist schon bemerkt worden. Es erging in diesem Falle sowohl, als auch 
wenn der Rat neue Steuern anzulegen beabsichtigte, wenn er Aemter 
besetzen wollte oder wenn die erste Sitzung zum neuen Rat stattfand, 
besondere Einladung an die sämtlichen Ratsmitglioder, auch an die Hand¬ 
werker, die in diesen Fällen zu erscheinen hatten. Aber auch in reinen 
bei ihm anhängig gemachten Zivilsachen verhandelte der Rat noch im 
14. und 15. Jahrhundert und das Stadtgericht verwies damals noch Fälle, 
die es nicht selbst ontsohoidon mochte, an den Rat als die höhere Instanz. 


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Weitläufiger heisst es dann: 

„Ez ist erteilt worden mit der merern meng schepfen, rats 
und der alten genannten“ oder 

„Ez ist erteilt worden von schepfen, rate und alten genann¬ 
ten“, Formeln, die häufig auch in den alten Polizeigesetzen Vor¬ 
kommen und deren Ursprung in der Ratstube erweisen. Es be¬ 
gegnet wohl auch der Zusatz: „und hat man das auch allen 
genannten gesagt“, ein Beleg für die übrigens auch anderweitig 
feststehende Tatsache, dass der Rat, wenn er sich an die Bürger¬ 
schaft wenden wollte, sich zuweilen der Vermittlung der Ge¬ 
nannten des grösseren Rats bediente. 

Im Ratsbuch von 1441 —1461 heisst es i. J. 1441 — was 
wir hier nicht unerwähnt lassen wollen — zweimal auch: 

„Item es ist erteilt worden mit inererer mennig schöpfen 
und rates“ ohne Anführung der alten Genannten. Man darf dar¬ 
aus wohl schliessen, dass die Ratsbeschlüsse von Rat, Schöffen 
und alten Genannten ohne die Mitwirkung der Genannten aus 
den Handwerkern, die in der Regel den Rat gar nicht besuchten, 
zu stände kamen, dass aber auch die alten Genannten bei der 
Beschlussfassung einen unentbehrlichen Faktor nicht ausmachten. 

Nicht selten sind die Aufzeichnungen infolge ihrer allzu¬ 
grossen, häufig bloss andeutenden Kürze oder auch infolge der 
dem Schreiber zur Last zu legenden Auslassungen und sonstigen 
Unvollkommenheit dunkel und unverständlich. 

Als eine höchste primitive Methode, die wie so manches 
andere für die Jugend des Instituts spricht, ist das häufige 
Durchstreichen fehlerhaft eingetragener, erledigter oder sonst 
gegenstandslos gewordener Beschlüsse zu bezeichnen. Ganze 
Seiten sind oft auf diese Weise entstellt. Zuweilen wird aller¬ 
dings in besonderer Bemerkung hervorgehoben, dass ein Be¬ 
schluss seine Erledigung gefunden habe, wie durch ein Faktum 
oder durch einen ganzen Satz. 

Eine besondere Eigentümlichkeit, die auch die späteren 
Ratsbücher und Ratsmanuale aufweisen, lässt sich hier in ihrer 
Entstehung beobachten: die besondere Verzeichnung derjenigen 
Ratsherrn nämlich, die mit der Ausführung der Beschlüsse be¬ 
traut worden waren oder sich doch zu deren Förderung irgend¬ 
welcher Mühewaltung zu unterziehen hatten. Sie gehörten fast 
ausnahmsweise dem Rate an und wurden die „verordneten“ oder 


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Die Nürnberger RatsbUoher und Ratsmanuale. 


17 


„deputierten Herrn“ genannt. Auch die Ratschreiber kommen 
später als,Deputierte vor. Ein einzigesmal wird Albrecht Dürer 
in den späteren Ratsverlässen als Deputierter genannt. Mit dem 
Baumeister und dem ältern Herrn Kaspar Nützel steht er als 
solcher unter einem Ratsverlass vom 8. Juli 1516, der verfügt, 
dass „die ratstuben sauber zu machen und in ain färb zu bringen 
sei“. Die Aufführung Dürers als Deputierter kann nichts anderes 
bedeuten, als dass er mit der Ausmalung der Ratstube betraut 
worden war oder doch zum wenigsten die Skizzen dazu zu ent¬ 
werfen und die Arbeit zu überwachen hatte. 1 ) 

Für jeden Beschluss wurden in der Regel mehrere Depu¬ 
tierte aufgestellt. Angelegenheiten von Wichtigkeit erforderten 
in ihrer Behandlung auch eine besondere Sorgfalt und Aufmerk¬ 
samkeit. Es empfahl sich, ihre Betreibung, wenn sie längere 
Zeit beanspruchte oder wenn die Sache zu anderen Geschäften 
in einem näheren Verhältnisse stand, also gewissermassen 
zu demselben Ressort gehörte, womöglich auch denjenigen 
aus dem Rat zu überweisen, die sieh nach dieser Richtung 
hin schon bewährt hatten. So bildeten sich behufs Ausführung 
der bestimmten Amtszweigen ungehörigen Geschäfte im Laufe 
der Zeit sog. Deputationen, die später zuweilen auch den 
Aemtern als eine Art Aufsichtsbehörde übergeordnet waren. 
Sehr häutig treffen wir die amtierenden Bürgermeister einzeln 
oder gemeinschaftlich als Deputierte, ferner die Losunger, die 
Rugsherrn oder die Herrn ob der Rüg, die Kriegsherrn, die 
Waldherrn, die Fünferherrn, die Schöffen, welche ihr Verfahren 
durchaus nach den vom Rat erteilten Vorschriften einzurichten 
hatten, die Herrn ob dem Stadtbuch, auch den Pfänder, später¬ 
hin die Mühlherrn, die man auch als die „Deputierten zum Mühl- 
und Beckenwerk“ oder „Mühl- und Beckenherrn“ bezeichnete, 
die Pegnitzherrn, die Herrn zu den springenden Wassern, die 
Herrn zum Markt, zum Schiessgraben und zur Herrentrinkstube, 
zum Losungsrestantenamt, zum Bräuamt, zur Eiche und zum 
Gewicht, zu den Schloten und Feuerstätten, zu den Hochzeiten 
und Hochzeitladern, zur Polizei, zum Münzvisitationsamt, zum 
Salzhandel, zum Getreideaufschlagamt, zum Ungeldamt, zum 
Revisionswerk, zu den verschiedenen Stiftungen u. s. f. 

‘) S. darüber meinen Aufsatz in den Mitt. des Vereins für Gesch. 
der Stadt Nürnberg XVI, 244 ff. t Dürers Anteil an den Gemälden des 
grossen Ratbaussaals und der Ratstube. 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 2 


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In den meisten Fällen bestand die Aufgabe der verord- 
neten oder deputierten Herrn darin, über die Ausführung des 
Beschlusses zu wachen, sie zu betreiben, Erkundigungen einzu- 
ziehen, die beteiligten Personen mit dem Willen des Rats be¬ 
kannt zu machen, über etwaige Zwischenfälle und, wenn nötig, 
über das Endergebnis an den Rat Bericht zu erstatten. Die 
Berichterstattung behufs erneuter Verhandlung findet sich zu¬ 
weilen in den Verlässen selbst vorgeschrieben, so oft es nämlich 
heisst: „und widerpringen“ oder „herwiderpringen“, 1 ) eine Wen¬ 
dung, die auch in den späteren Ratsbüchern und Ratsmanualen 
häufiger begegnet. 

Die deputierten Herrn finden sich in den verhältnismässig 
seltenen Fällen, in denen sie in den beiden ältesten Ratsbüchern 
genannt werden, zunächst im Texte des Ratsverlasses selbst auf¬ 
geführt, 2 ) dann werden sie auch am Schlüsse des Verlasses in 
einem besonderen Satze genannt, 3 ) zweimal endlich begegnet die 


*) 1401: Peter Haller und Weigel Graser sullen Philippen Grozzen 
red hören und werkleut und mullner zu im nemen und besehen von der 
mul wegen und herwidorpringen. 

1402: Peter Grozz, C. Mendel und Franz Ebner reden mit den 
Predigern und den zu sant Cathrein und die prechen [Gebrechen, Irrungenl 
verhören und herwiderpringen. Und weitere Beispiele. 

’) 1400: H. Geudor, C. Paumgartner sind geben zu Berchtolt Holl- 
schuhers, des alten Zenners und Hansen Ebners selgereteu eigentlich zu 
erfaren und das wider an den rat zu bringen. 

1403: Czum pau zu sant Laurenzen seind geben loco Herdegen 
Valczner Mertin Haller und Albrecht Ebner und sol das in ein puch 
schreiben, das man nichts mer do pau. 

1407: Item Martein Haller sol 6 puchsen aus dem alten zeuge machen 
[d. h. machen lassen], 

*) 1403: Item von der czeidler und der gebrechen wogen, als der 
burggraf hat beschribon geben, sol man Hansen Grolant, Peter Heydens 
Vormunde, umb verhorn. Darczu sind vor geben Peter Grozz, Mertein 
Haller und Jacob Groland. 

1404: Item es ist erteilt worden, daz der hirt vor frauentor die 
hätten, die er an der statmauer hat, abtün sol und sol si auf dem walde 
vor dem tor machen. Darzu ist geben Geholt Pfintzing und Hans Teufel. 

1405: Item man sol ein puchsen machen, die zwon zentner schiess. 
Ist Mertein Haller ompfolhen. 

1408: Item es ist erteilt worden, daz man den graben volfüren sol, 
als der jetzund begriffen ist zwischen Spitaler und Frauntor und darczu 
sind bescheiden Mertein und Peter die Haller, Weigel Graser, Herdegen 


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Die Nürnberger Katsbücher und Ratsmanuale. 


19 


seit Ende des 15. Jahrhunderts übliche Art der einfachen Ver- 
inerkung der Deputierten unterhalb des Verlasses. *) 

Inhaltlich können die beiden ältesten Ratsbücher mit den 
späteren Aufzeichnungen dieser Art einen Vergleich in keiner 
Weise aushalten. Sie sind auch nicht annähernd von dem Um¬ 
fang und der Bedeutung wie die späteren mit ausserordentlicher 
Umsicht und mit grossem Verständnis geführten grösseren Rats- 
bticher. Immerhin darf man ihren Wert nicht unterschätzen. 
Denn einmal gewähren sie ebenso anziehende als lehrreiche Ein¬ 
blicke in eine Einrichtung, die über ihre ersten Anfänge noch 
nicht hinaus gediehen ist. Und wenn auch das Material, das 
sie bieten, noch höchst lückenhaft erscheint, so ist es doch bei 
der Unmittelbarkeit, in der es geboten wird, ausserordentlich 
geeignet, uns in die Zeit, aus der es stammt, zu versetzen und 
sie uns nahe zu bringen. Streift es doch mehr oder weniger, 
was Wesen und Leben der Stadt im Innern wie in den Be¬ 
ziehungen nach aussen berührt und bewegt. Das Wichtige hat 
neben dem Unwichtigen seine Stelle gefunden und im ganzen 
genommen überrascht der Umfang der Angelegenheiten, auf die 
sich die Sorge der Väter der Stadt gleichmässig zu erstrecken hat. 

Im Beginn des 15. Jahrhunderts stehen als Beratungsgegen- 

Valczner, Wilhelm Mendel, Erhärt Schürstab, die dem paumeister sagen 
sullen, wie er damit umbgen sülle. 

1409: Es ist erteilt worden, daz man das rathaus reinklicheu machen 
sol mit tünchen, mit reimen und glasen etc. Und hat dem Prags (so!) 
empfohlen, umb scheiben zu Venedig darczu ze bestellen 6 czentner. 

Im letzten Falle kann übrigens wohl kaum von einem Deputierten 
die Rede sein, Prags oder Prager ist wohl ein Ulashändler. 

Ein Verlass aus dem ersten grösseren Ratsbuch möge deshalb hier 
oine Stelle finden, weil er den Deputierten, für den Fall sie ihres Rates 
bedürfen, noch 2 weitere Ratsherrn zuteilt: 

1444: Der stat tzeug in den tzwingern allenthalben zu richten, wo 
es not tut, und meister darzu bestellen, auch notdürftige peu umb die 
stat, die zu der were dienen. B. Holschuher, E. Schurstab, Ulrich Hegnein 
und, so es not tut, Karl Holzschuer und 8ebold Pomers rate darinnen 
haben. Ratsbuoh 1441 - Ö2, Bl. 177. 

l ) 1401: Item die fleischhacker vollen ausrichten von des gerichts 
wegen. 

C. Hofer. Heimperlein. 

1409: Item die perleiuen kroutz, die man gemachet hat, sol man 
herauf tragen und der rat beschauen und darnach ein frag darumb tun. 

H. Rumei. Erhärt Schürstab. 

2 * 


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stände auf der Tagesordnung des Rates, soweit die beiden ältesten 
Ratsbücher das ausweisen, der Aufenthalt in der Stadt und das 
Bürgerrecht, das Geleit, die Losung, das Ungeld sowie andere 
Steuern und Leistungen, die Erhebung der Zölle, die Bestim¬ 
mung der Taxen für Nahrungsmittel und Getränke, die Auf¬ 
sicht des Marktes, Handel und Wandel sowie das damit in 
engster Fühlung stehende Münzwesen, die Verhältnisse der 
Juden. Einen tiefgehenden Einfluss hatte sich der Rat auf die 
Stellung und Verfassung der sämtlichen Handwerke zu erwerben 
gewusst, in einem Masse, dass von einer Selbständigkeit und 
freien Bewegung, wie sie anderwärts den Zünften eigneten, in 
keiner Weise die Rede sein kann. Es ist gewiss, dass die Hand¬ 
werksordnungen vom Rugsamt durch den Rat gingen, dass sie 
hier noch, wenn es nötig erschien, Abänderungen und Ergän¬ 
zungen erfuhren, dass auch die geringste Modifikation, ohne dass 
der Rat sein Ja und Amen gesagt, nicht vorgenommen werden 
konnte und dass endlich ihre Einhaltung durch den Rat und 
seine Organe auf das peinlichste überwacht wurde. 

Weiterhin war die Tätigkeit der Ratsversammlung gerichtet 
auf die Sicherung der Stadt gegen äussere Angriffe, auf die 
Sorge für die vielen städtischen Gebäude, auf den bedeutenden 
Waldbesitz, dann die Organisation und Besetzung der Aemter 
und die Verpflichtung der Amtleute, die Beaufsichtigung der 
Geistlichen und Lehrer, die Handhabung der Polizei in ihren 
verschiedenen Abteilungen, wie Nahrungs- und Gesundheits-, 
Rüge- und Sittlichkeits-, Sicherheits- und Baupolizei usw. Dann 
bildeten auch Gegenstände der Beratung rein privatrechtliche 
Beziehungen der Bürger unter sich sowohl, als auch in ihrem 
Verhältnis zur Stadt. Selbst das Wohl der „armen Töchter des 
Frauenhauses“ lag dem Rat jetzt wie später am Herzen.’) So 
gestaltete sich im allgemeinen die Wirksamkeit des Rates auf 
dem Gebiete der inneren Politik. 

Die Beziehungen nach aussen treten nicht in gleichem Um¬ 
fänge zutage. Für ihre Erforschung strömt — abgesehen von 
den Urkunden, Korrespondenzen und Akten — eine andere 

l ) 1404: Item ez ist auoh erteilt worden, welche gemaine tochter 
aus dem fruuenhause sich frum seczen und halten w T il, die mag man wol 
halten biz auf den neuen rate. 

Actum 6abbato ante Egidii. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


21 


Quelle von einer schier unerschöpflichen Fülle, die Briefbücher 
der Reichsstadt. Immerhin gewähren aber die ältesten Rats¬ 
bücher auch nach dieser Seite mancherlei Anhaltspunkte und 
Aufschlüsse, die nicht zu übersehen sind, wenn sie auch gegen¬ 
über dem ungleich reicheren Inhalt der späteren Ratsbücher und 
Ratsmanuale vollends in den Hintergrund zu treten haben. 

Die Aufzeichnungen über Botschaften, die bis zum König 
hinauf ergehen, über Tagessatzungen, Richtungen und Sprüche, 
über Fehde- und Friedwesen, über Stellung vor fremden Ge¬ 
richten, Geleitsgewährung seitens des Rats an Auswärtige und 
durch Fürsten und Städte an Einheimische geben im grossen und 
ganzen ein Bild von dem Charakter der auswärtigen Beziehungen 
jener Zeit, wie er sich in den ältesten Ratsbüchern darstellt. 

Es muss übrigens hervorgehoben werden, dass die Mehr¬ 
zahl der Einträge politischer Natur zu den Ratsverlässen nicht 
zu rechnen ist. Ohne Zweifel waren die darin berührten 
Materien einmal Gegenstand der Beratung, in der Form aber, 
in der sie vorliegen, stellen sie bloss Vermerke dar über Gegen¬ 
stände, die man nicht aus den Augen verlieren wollte. Sogar 
eine Schwurformel, die den Feinden des Stiftes Mainz Güter zu¬ 
zuführen verbietet, findet sich verzeichnet. Ausserdem neben 
einigen Botschaften auch Briefe vom Jahre 1409, die, weil sie 
an König Ruprecht gerichtet sind, Beachtung verdienen, und 
das um so mehr, als sie in dem gleichzeitigen Briefbuch nicht 
enthalten sind. 

Aber auch unter den Aufzeichnungen, welche die inneren 
Verhältnisse der Stadt betreffen, finden sich neben den Rats Ver¬ 
lässen noch anderweitige Notate von Handlungen und Vorgängen, 
die sich allerdings in den meisten Fällen als zur Ausführung 
gekommene Ratsverlässe kundgeben. So ist mehrfach vermerkt, 
was den Genannten zur weiteren Eröffnung an die Bürgerschaft 
vermittelt worden, es sind Handlungen verzeichnet, wie z. B. 
vor dem Rate geleistete Schwüre, Gelöbnisse von Handwerkern 
und Gewerbetreibenden, von Bürgern, die Häuser vor der Stadt 
haben, „nicht darin zu sitzen, noch eigenen Rauch darin zu 
haben“. Nichts weniger als ein Ratsverlass ist der Vermerk, 
dass der Ritter dem Puttendorffer 2 Tuche gegeben, woran dieser 
gross Geld verloren [1407] oder dass der Grund an der Mauer 
beim Kornhause 7 Quader Tiefe habe. 


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Alle diese Bemerkungen aber gestatten noch am ehesten 
einen Blick in einen der Hauptunterschiede der Ratsbücher und 
der späteren Manuale: diese, die Ratsbeschlussprotokolle enthal¬ 
tend, sind, im 15. und 16. Jahrhundert wenigstens, in der Sitzung 
selbst niedergeschrieben, jene dagegen enthalten Einträge, deren 
Aufzeichnung nach der Sitzung, vermutlich erst am Ende der 
jedesmaligen Frage oder noch später erfolgt ist. 

War ein Beschluss, der auch für die Zukunft von Belang 
sein konnte, bis dahin schon zur Ausführung gekommen, so trug 
man lieber und besser einen kurzen Bericht statt des Ver¬ 
lasses ein. 

Keine Ratsverlässe sind ferner jene Einträge, welche die 
Uebertretungen der Polizeisatzungen vermerken. Sie erweisen 
sich, wenn auch auf Ratsverlässe, die eine Bestrafung vorsehen, 
zurückgehend, doch nur als Notate behufs Vornahme der Rüge. 
Verordnungen, welche durch Verhängung meist hoher Geld-, 
aber auch Leibesstrafen, Uebertretungen und Vergehen aller 
Art ahndeten, gab es von jeher und besonders häufig seit dem 
13. Jahrhundert. Sie wurden schon im 14. Jahrhundert kodi¬ 
fiziert und bildeten in dieser Form eine Art Polizeistrafgesetz¬ 
buch, auf Grund dessen man gegen die Vergehen vorging. Neue 
Auswüchse im sozialen und sittlichen Leben riefen aber immer 
wieder neue Gesetze hervor. Beide Seiten nun, die Erlassung 
neuer Gesetze zur Eindämmung irgendwelcher Ausschreitungen, 1 ) 
als auch die Verhängung der Strafen auf Grund schon vorhan¬ 
dener Gesetze werden in den ältesten Ratsbüchern ersichtlich. 

Die zuletzt erwähnten Einträge beziehen sich auf die Uebertre- 
tung der Satzungen der Handwerkerordnungen, 2 ) der Nahrungs-,®) 


‘) Z. B. 1402 in Seitz Pfinzings und Ulrich Grundherrs Frage: Ez 
sol niemant, frau noch man, auf keinen sliten mit pfeifern varen hioezwi- 
sohen dem neuen rat nacht noch tag, oder 8 tag auf ein turn oder 8 gülden. 

*) 1408: Item Flock, sneider bei sant Jacobsprunne, hat sich gesetzt 
und treibt meisterwerk an der burger [des Rats] wort, zu besendon. Si- 
militer F. Ratler, sneider, und sust auoh einer in der Schreinergass am 
eck bei der Molerin. 

*) 1400: Liepman gab neuen frankenwein 1 mazz umb 5 und um 
6 dn., er und sein gewalt, seozt trinkleut von einer mitternnoht zur an¬ 
dern. Ist gesohehen in vier tagen vor Lucie und in vier tagen dar¬ 
nach. U. a. 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


23 


der Sicherheits- 1 ) und der Sittenpolizei. 2 ) Auch Zuwiderhand¬ 
lungen gegen das Waldrecht 3 ) finden sich häufiger aufgezeichnet. 

Am meisten fand die Sittenpolizei und zwar jener Zweig, 
der der stets wieder hervortretenden Prunksucht und Verschwen¬ 
dung zu steuern bestimmt war, Anlass, ihre Satzungen zur An¬ 
wendung zu bringen. Die Aufzeichungen, die sie bringen, ent¬ 
behren zumeist vollständig des Charakters der Ratsverlässe. 

Es kam allerdings vor, dass trotz der bestehenden Verord¬ 
nungen noch weitere Beschlüsse gefasst wurden. Sie bezogen 
sich dann aber auf die Ausführung der Rüge oder finden in be¬ 
sonderen Umständen ihre Erklärung, wie in einer vom Rat be- 


‘) 1401: Trumelheinz hat einen weinknecht gewundt, hat der Körner 
gesprochen, er wöll in stellen. 

*) 1402: Ulrich Haller dor junger trug ein schwarcze coppen durch 
beslagen mit silber und schellen und einen silbreinen gurtel unten umb 
den leib an dem eritag vor Galli. 

Leupolt Haller trug eiu grozz horngevozz durch beslagen von silber 
und grozz schellen daran und ein silbrein gurtel an dem eritag vor Si¬ 
monis und Jude. 

Peter Teczel trug ein silbrein gurtel unten umb den leib mit 
grozzen glocken daran hangen an montag vor Martini. 

1408: Item Sigmund Stromeir czu der rosen trug an eritag vor 
Margarete einen rock angesteckt mit peumlein. 

1409: Jung Peter Haller fürt ain bereiten, ein silbrein keten mit 
glocken auf dem rathaus am tanoze und einen rot und weissen seidin 
krancz mit einem grozzen seidin vanen am suntag und der suntagen 
nacht nach Pauli. Was nit anheim. 

Lamprecht Grozz trug ein rot und weiss untercoppen, mit silber 
abgeneet, und ein silbrein keten glocken am suntag cze nacht nach Pauli 
auf dem rathaus czum tancz. Was auch nit anheim. 

Der Zusatz: „was nit anheim* lässt ersehen, dass der Pfänder be¬ 
reits den Versuch zur Einziehung der Rügegelder gemacht, aber infolge 
der Abwesenheit der Delinquenten zu keinem Ergebnis gekommen war. 

') 1403: Hanfs] vom Hannhof hat die mark verrückt, die man geseezt 
hat, und hat sich des reichs poden unterwunden, das man ausgemarkt 
hat, und hat des ausgereutt und paut das als vor. 

Mayr K. von Winkelheid hat die mark verrückt und hat die mark- 
stem ausgraben und sich des unterwunden on recht auf des reichs poden. 

Eglofsteiner czu Tanne vert mit 10 wegen in den walt und haut 
mit gewa't eitel schon iungs aichein holcz und wert sich pfandes. 

Dio von Schönenberg die hauen ezimerholcz und beslahen das in 
dem wald, und schön aiohen holcz und hauen, wez sie lust, mit gewall 
on allez urlaub und wem sich pfands. 


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24 


Dr. E. Mummenhoff. 


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absichtigten Begnadigung *) oder in Modalitäten, die in den 
Polizeigesetzen nicht vorgesehen waren und auch nicht vorge¬ 
sehen sein konnten 2 ). 

Rein geschäftlicher Natur ist dann eine ganze Reihe von 
Notizen, die eine moderne Kanzlei dem Reproduktions- oder 
Terminkalender zuweisen würde. Wiederholt kehrt der Satz 
wieder: ,,Man soll ein frag tun“ oder: „Man soll reden“, häufig 
unter Festsetzung eines bestimmten Termins, wie: „Man sol um 
siibenden [Sunnwenden] ein frag tun von der vastenmezz wegen“ 
oder: „Item sabbato zu reden einer potschaft wegen zu unserm 
herren dem kunig von des zolls wegen“ 3 .) 

*) 1408: Item mau sol die hernachgeschriben, wenn sie hereinkumon, 
zu rede setzen, als sie gerügt sind worden: 

Bei dem ersten. Ulrich Ortlieb trug ein silbrein haispant ain montag vor 
Margarete und einen klingelten gurtel und auch ein haispant am eritag 
vor Margarete. 

Hans von Locheim trug eine [so 1] silbrein haispant am montag vor 
Margarete. 

Item Sigmund Stromeir zu der rosen trug einen knierock, was ge¬ 
stickt mit peumlein am eritag vor Margarete. 

Item die alte Streberin het nach ires suns hochczeit einen hofe 
des pfincztags vor Marie Magdalene und gab 36 menschen zu essen und 
des freitags darnach gab sie 28 menschen zu essen. 

’) 1400: Reutheincz hat zwei vas bei halben fudern auf dem markt 
nidergelegt und darnach einem gaste verkauft unverungelt. Ist erteilt, 
puzz geben, als puch sagt, und darnach ein frag tun, oder er soll von 
hinnen geloben, alslang bis er gibt. 

Hieher gehören auch die folgenden Ratsverlässe: 

1402: Spilfrioz sol geben 5 neu uf gnad von messerzuckens wegen 
einem furman. Debet dare demselben für wundon, arczlon etc. und dem 
richter etc. debet dare die 5 in 14 tagen. Promisit. 

1408: Item dem Möstel zu besenden von der weine w'egen, die er 
zu Furt nidergelegt hat, und im das puch lesen und in das gelt herauf 
heissen geben. 

*) Weitere Beispiele: 1408: Item zum neuen rat fürczulegen, ob man 
an den pabst bringen wolle, daz er uns begnade und verspreche, daz wir 
von den heusern und gütern in der stat hie gelegen, die der teutscheu 
herren und ander geistlichen leute hie sein, Steuer und losung nemen 
mögen etc. und mit der stat leiden, als dann anderswo auch gewonlich 
ist, als oft des not geschohe. 

1408: Item biz pfinztag die siben [die sieben altern Herrn] ze reden 
von der ritterschaft wegen, waz man mit in reden woll und das darnach 
am freitag für den rate bringen. 

1408: Item sabbato zu reden, ob inan die werkleut bestellen wolle. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


25 


Hin und wieder könnte es den Anschein gewinnen, als ob 
lediglich Vormerkungen der Bürgermeister zur Anberaumung 
von Verhandlungen für eine weitere Sitzung vorlägen. Zuweilen 
mag es sein, dass die Bürgermeister einen Pall zu einer be¬ 
stimmten Zeit auf die Tagesordnung setzen wollten; im allge¬ 
meinen aber wird man wohl nicht irre gehen, wenn man an¬ 
nimmt, dass derartige Vormerkungen auf einen Beschluss des 
Rats zurückgingen, der, durch besondere Umstände veranlasst, 
Materien von der Tagesordnung absetzte, um sie zu einer ge¬ 
eigneteren Zeit im Rat zu behandeln. 

Für eine solche Vertagung von Beratungsgegenständen 
spricht die Passung mancher Ratsverlässe nur zu deutlich, z. B.: 

„Item zum neuen rat ein frag tun, ob man das puchlein 
iht kürzer wolt machen“, worauf dann unmittelbar der Eintrag 
folgt: 

„Item umb die weiten ermel ist auch geschoben biz auf 
den neuen rat“. 

„Item ez ist geschoben von eines hauptmanns wegen zu 
reden“ [1408]. 

Noch einer besonderen Art von Einträgen, die keine Rats¬ 
beschlüsse sind, ist noch Erwähnung zu tun. Zur Bequemlich¬ 
keit und besseren Orientierung vom Schreiber gemacht, kann 
man sie am füglichsten Registratur- oder Kanzleibernerkungen 
nennen. So die Hinweise auf Früheres oder Späteres, wie: 

„Ist davorn auch eingeschriben“ das 1403 unter einem 
durchstrichenen Ratsverlass steht, oder 1404: 

„Notandum, das findet man hernach in des Peter Hallers 
und Anthoni Derrers frag auch also geschrieben“. 

Dann aber finden sich häufiger Vermerke über den Lager¬ 
ort von Schriftstücken, welche zu den Beschlüssen des Rats in 
Beziehung stehen, den zugehörigen Akt bilden, eingeschrieben. 

1408: Item man sol ein frag tun auf Jacobi schierst, ob man das 
fleisch leuger um 2 dn erlauben wölleD. 

Ohne Terminangabe: 

1408: Item zu reden, wie man es fürbaz mit den juden hie halten 
wöll, ob man der iht minder machen wöll. 

1408: Item ein frag ze tun von der statkneoht und putel und auch 
des behüters wegen, die allewegen bei den funfen [Fünfherrn, Fünfer¬ 
gericht] nach tische in der stube steen. 

Und so Hesse sich noch eine Reihe weiterer Beispiele beibringen. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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Bemerkungen wie: „ligt Ordnung in scatela mea“, „ligt in der 
scatein“, „ligt in scatela“, kehren wiederholt wieder. Oder es 
heisst: „den brief haben die losunger in einer nidern, sinbeln 
[runden] scatein“, „den brief haben die losunger“ oder 

1402: „Umb Caspar Törringer ist ein fride gemachet biz auf 
sant Jacobstag, den tag und die nacht, ligt sein friedbrief in 
scatela mea. Item und ligt der von Sterzingen brief von des 
juden wegen darbei.“ 

1403: „Item von des Sticzels tochter und dem knaben ein 
frag tun, wenn die sache auf geistlichen rechten ein end nimt. 
Ligt sag in Peter Haller und Albrecht Schoppers scatein.“ 

1403: „Gärtner hat 18 gülden herauf geseczt von kriecht 
wegen, die liegen in der Schreibstuben in meinem vach “ 

1404: „Item von der ungewonlichen strazz wegen, die etlich 
furleut varen sind, ligt die czedel in der leczten scatein.“ 

1404: „Item der brief von Bamberg von der Stellung wegen 
gen den unsern und auch der brief, die Molerin [?] von Bam¬ 
berg von der pfarrer wegen bracht hat, die liegen in einer 
schatteln unten im gehalter in dem [sol] rotstuben.“ 

1408: „Item die czetteln von der hochczeit wegen fürczu- 
legen czum neuen rate, ligt in dem Schreibtische.“ 

Auch hier ist alles noch etwas ursprünglich, von einer ge¬ 
ordneten und entwickelten Registratur der Ratstube und des 
Bürgermeisteramts kann noch nicht die Rede sein. 

Jene Bemerkungen aber — in scatela mea — beziehen sich 
ohne Zweifel auf die Fraglade des betreffenden Bürgermeisters, 
wahrscheinlich des jüngeren, der sie entweder eigenhändig ein¬ 
trug oder durch den Ratschreiber eintragen liess. 

2. Erstes grösseres Katsbuch. 

Vom Jahre 1415 [1418] bis 1441 fehlen Aufzeichnungen 
jeglicher Art, die entweder als Protokolle der Ratstube oder als 
nachträgliche Notate im Interesse und zur Kontrolle der Rats- 
geschäfte angesehen werden können. Und doch kann kaum ein 
Zweifel obwalten, dass in diesem langen Zeitraum Ratsbeschlüsse 
und was sonst für die Amtsführung wichtig erscheinen mochte, 
gleichfalls aufgezeichnet worden sind. Gleich die erste Bemer¬ 
kung in dem damals amtlich schon so bezeichneten Ratsbuche 
von 1441 bis 1461 — „Bürgermeister zum neuen rate her Paulus 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


27 


Vorchtel und her Hans Tetzel feria quarta pasche anno doraini 
MCCCC quadragesimo primo. Nota, quod sub magistratu prae- 
missomm nichil ad presentam libruni scriptum est, sed singula 
eorum administratione peracta ad librum priorem rescripta sunt“ — 
zwingt zu der Annahme, dass ein weiteres Ratsbuch unmittelbar 
vorherging. Ob dies nun allein oder mit anderen die grosse 
Lücke bis 1415 zurück ausfüllte, lässt sich zwar nicht erweisen, 
aber doch vermuten. Es kann doch wohl kaum angenommen 
werden, dass man von einer für die ganze Amtsführung so för¬ 
derlichen Einrichtung, wie sie sich auch in den beiden ältesten 
Ratsbüchern darstellt, ohne weiteres wieder sollte abgegangen 
sein. Dann aber zeigt das eben genannte Ratsbuch gegenüber 
den ältesten in jeder Beziehung so unverkennbare und bedeu¬ 
tende Fortschritte, wie sie nur eine längere Erfahrung, die un¬ 
unterbrochene Amtspraxis, zeitigen konnten. 

Die Einträge sind nun fast durchweg klar und deutlich in 
Form und Fassung, Unordnung und Unvollständigkeit in ein¬ 
zelnen Sätzen sind nicht bemerkbar, das Durchstreichen gegen¬ 
standslos gewordener Aufzeichnungen ist fast völlig vermieden, 
Registraturbemerkungen auf ein bescheidenes Mass beschränkt. 
Als ein erheblicher und wertvoller Fortschritt ist die Vermer- 
kung der Sitzungstage zu bezeichnen, die mehr und mehr zur 
Durchführung kommt. Auf diesen Tag, und nicht etwa auf den 
Tag der Ausführung, bezieht sich das früher seltene durch ein 
,.actum“ eingeleitete Datum, wie das ein Vergleich der den Rats¬ 
büchern und Ratsmanualen gemeinsamen Verlässe ausser allen 
Zweifel stellt. 

Der Inhalt dieses Ratsbuches ist durch die vorhin versuchte 
Charakteristik der beiden ältesten im grossen und ganzen wenig¬ 
stens gleichfalls gekennzeichnet. Auch das erste grössere Rats¬ 
buch trägt vorwiegend den Charakter eines Ratsmemorialbuchs. 
Aber die Einträge sind hier doch weit reicher und eingehender. 
Wo es geeignet erschien, sind ganze Verhandlungen zu einem 
Bericht zusammengefasst. Es sind überhaupt grösserre Gesichts¬ 
punkte bei der Ausarbeitung des Buches massgebend gewesen. 

Damit soll aber keineswegs gesagt sein, dass nicht noch 
zahlreiche und wichtige Materien mit oder ohne Absicht ausge¬ 
lassen worden wären. Der Inhalt mancher Fragen ist von einer 
bedauerlichen Kümmerlichkeit und erklärt sich aus Charakter 
und Bestimmung des Buches hinreichend. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


An mehreren Stellen erscheinen die Auslassungen sogar 
als ausgesprochen beabsichtigt. So ist die Zeit vom 16. April 
1449 bis zum 1. Juli 1450 ganz übersprungen, aber nicht, ohne 
dass im Buche selbst auf diese Lücke wiederholt hingewiesen 
wäre. „Notandum“, heisst es nämlich gleich zu Anfang des 
diesem Ratsbuch zum erstenmal beigegebenen Registers, ,,das in 
diesem ratsbuch, was sich von mitwoch nach ostern an des 1449. 
jars bis uf mitwoch nach Petri und Pauli zugetragen, nit verleibt 
worden“, und am Orte der Lücke wird in besonderer Bemerkung 
noch auf sie aufmerksam gemacht: ,,Notandum, das von datum 
der obgemelten datum in diss puch nit geschriben ist von menig- 
veltiger geschefte wegen, die einem rate furgevallen etc., under- 
wegen bliben.“ 

Für das hier Ausgelassene bietet übrigens das weiter unten 
zu besprechende älteste Ratsmanual einen mehr als hinreichen¬ 
den Ersatz. 

Ausser dieser Lücke ist noch eine weitere grössere vom 
10. November 1451 bis zum 10. Mai 1452 zu bemerken. Auch 
sie ist wohl auf eine Ueberlastung des Ratschreibers-und Kanzlei¬ 
personals zurückzuführen, wenn auch dieser Grund im Buche 
nicht angegeben ist. Weitere kleinere Auslassungen erstrecken 
sich auf einige Bürgermeisterfragen, zweimal sind sie durch ein 
hergesetztes „nichil“ angedeutet. 

In dem vorliegenden und nächstfolgenden Ratsbuche, sowie 
in dem Ratsmanual von 1475 begegnet wiederholt am Schluss 
der Verlässe der Ausdruck relator oder relatores. Man möchte 
zunächst unter den so eingeführten Personen, die stets Rats¬ 
mitglieder sind, solche verstehen, welche die Verhandlung eines 
Gegenstandes im Rate angeregt oder, da das Recht, in der 
Sitzung etwas einzubringen, ausschliesslich dem älteren Bürger¬ 
meister als dem Vorsitzenden zustand, diesem Bericht erstattet 
hätten. Dass solche Berichte durch Ratspersonen sowohl als 
auch durch andere erfolgten, ist natürlich und nicht in Zweifel 
zu ziehen. Dass man aber diese Art Berichterstatter mit dem 
Ausdruck relatores bezeichnet und sie im Ratsverlass selbst so 
genannt haben sollte, ist wenig wahrscheinlich. Fasst man 
jenen Ausdruck im Zusammenhang auf und lässt nicht ausser 
acht, dass er mit den früher besprochenen Formen, die depu¬ 
tierten Herrn zu bezeichnen, unausgesetzt abwechselt und dass 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


29 


es auch nicht entfernt von derselben Wichtigkeit war, zu wissen, 
wer eine Sache angebracht und einen Beschluss hervorgerufen, 
als den zu kennen, dem die Ausführung oblag, so wird man 
wohl kaum anstehen, die als Relatores bezeichneten Herren mit 
den Deputierten als durchaus für identisch zu erachten. Es sind 
die deputierten Herren darunter zu verstehen, insofern der ihnen 
gewordene Auftrag eine Berichterstattung an den Rat in sich 
schloss. Der Relator war nichts anderes als der Referent. Und 
auch dieser Ausdruck kommt schon damals, wenn auch nur ein 
einzigesmal vor, 1 ) einmal auch praelocutor 2 ) zur Bezeichnung 
dessen, der mit der Kundgabe eines Beschlusses an die Bürger¬ 
schaft betraut worden war. Bei Verhandlungen endlich treten 
auch actores und Werber 3 ) auf und es werden auch, wie schon 
früher, wenn auch in äusserst seltenen Fällen die als Zeugen 
beteiligten Personen aufgeführt. 4 ) 

Die Bezeichnung der deputierten Herren durch den Aus¬ 
druck : Relator, relatores kommt gegenüber den früher bespro¬ 
chenen Formen verhältnismässig selten vor, 5 ) am häufigsten ist 


*) Item demselben Sigwein ist auch gesagt, das er sich von hinnen 
tun solt, er wer einem rate hie nit fügsame und auch herein in die 
stat nit körnen, dann mit eines rats willen und wissen. Referentes Lin- 
hart Groland, Hans Teczel. Actum tercia penthecostes 1460. 

’) Item ob imant icht erfüre, das notturft were einem burgermeister 
zu sagen und das ein iglicher sein harnisch habe und willig sein in dem, 
das einem iglichen bevolhen. Actum feria tercia post Kiliani. Praelo¬ 
cutor herr Paulus Grunther. 

') Item Anthony Stiober zu Vorchheim hat geantwort, er well die 
von Hausen noch ander mit neukeit nit beswern, die weil er amptman sei 
Relator Conrad Baumgartner, werber Hans Goldener. 1460 s. d. in der 
Frage der Bürgermeister Ruprecht Haller und Berthold Nützel. 

Item Albreoht Raczen ist von vorderung wegen etlicher scheden, 
die im und den seinen von den unsern gescheen sein sollen, ist im ge¬ 
antwort, in massen das 34ste register am vierden plat davon inhaltende 
ist, und ist im recht geboten uff die stete, darauf ein stat gefreiet ist. 
Actores Jobst Teczel, Rupprecht Haller, Ulrich Truohsses. Actum feria 
secunda ante Kiliani martyris 1460. 

4 ) entweder einfach durch testes oder durch Wendungen wie „dabei 
ist gewesen“ oder „in gegenwertikeit von . . .“ u. a. 

s ) Den früher angegebenen Formen sind noch einige ganz verwandte 
anzufügen wie: . . . „ist an B. Pfinzing geweist.“ 1460; ,,und das haben 
im von rats wegen gesagt her Karl Holsohuher und her Bertholt Volkamer.“ 
1444; „das auch den meisten durch Endres Tücher gesagt ist.“ 1469; „Got- 


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Dr. E. M um inen hoff. 


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jetzt schon die blosse Vermerkung der Namen der deputierten 
Herren am Schlüsse des Ratsverlasses. 

Im Verlauf einer und derselben Handlung fand auch, wenn 
es nicht zu umgehen war, eine Stellvertretung oder Ersetzung 
von deputierten Herren durch andere statt. 1 ) Viel später — 
durch Ratsbeschluss vom 10. Mai 1637 — wurde die Bestimmung 
getroffen, dass ein Ratsverlass in Abwesenheit der Deputierten 
ohne erhebliche Ursachen weder zurückgezogen noch geändert 
werden solle. Es war nämlich „vielfältig“ geschehen, dass in 
einer und derselben Sache sich ganz widersprechende Verlässe 
ergangen waren, die nicht allein den Parteien beschwerlich, 
sondern auch dem ganzen Rate schimpflich seien. 

Wurde im Rat übersehen, dass in einer Sache jemand schon 
als Deputierter aufgestellt worden war, so war dieser verpflichtet, 
sich selbst anzuzeigen. 2 ) 

lieb Volkaraer, in das zu vorkünden.“ 1460; „hat ein rate lassen abslaen 
durch Hanns Coler.“ 1460; „Hans Lemlein, Endres Geuder gehandelt“. 1458. 
Vgl. actores u. a. m. Statt relator kommt auch mehrmals relatum und 
retulit vor. 

') So treten bei einem an Sebalt Grolant d. ä. und seine Hausfrau 
wegen eines Hofes zu Heroldsberg vom Rat aus zu bestellenden Aufträge 
zunächst Hans Lemlein und Heinrich Meischner als relatores auf und als 
ultimus relator bürgermeister junior. Actum feria tertia post trinitatis 
1465. 

*) Die Ratsordnung vom Jahre 1635 bestimmt darüber folgendes: 

„Ingleichen sollen auch alle ratspersonen bei ihren pflichten schuldig 
sein, wenn Sachen in der ratstuben Vorgehen, darzu sie bevorn deputiert 
gewesen und man sich dessen nicht erinnern würde, sich selbsten anzu- 
melten, damit nicht durch neue deputation die Sachen mehr verhindert 
als befördert werden. Wenigers nicht“, heisst es weiter, „sollen alle de¬ 
putierte herrn erinnert sein, furohin den parteieu nicht zu sagen, dass 
ihre Sachen zu bedenken gegeben worden“ — nämlich den rechtskundigen 
Ratskonsulenten —, „weilen solches der ratstuben verklainerlioh, viel 
weniger aber sollen sie die consulenten selbsten benennen, auch fürohin 
denenselben alle händel und acta verpetschirt zuschicken, damit nicht die 
canzleipotten in denselben umbstreunen und den parteien die consu¬ 
lenten oder anders zu ihrem vorteil auskundschaften.“ 

Ueber die Ablieferung der Akten seitens der Deputierten nach Be¬ 
endigung ihrer Geschäfte handelt eine andere Stelle dieser Ordnung: 

„Wenn auch händel expedirt werden, sollen die herrn deputirte 
sohuldig sein, dieselbe dem registratori in der fördern kanzlei zuzustellen, 
solche in die fragladen in der canzlei zu legen, damit sie zu den registra- 
turn gebracht und verwahret werden. 


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Die Nürnberger Ratabücher und Ratsmauuale. 


31 


Es kann nicht wunder nehmen, dass bei der kurzen Dauer 
des Bürgermeisteramts nicht auch sämtliche Beschlüsse während 
dieser Zeit zur Ausführung gelangten. Was beim Amtswechsel 
nicht erledigt war, wurde den neu ins Amt tretenden Bürger¬ 
meistern zur Ausführung überwiesen. Unser Ratsbuch legt an 
zahlreichen Stellen zu Beginn einer neuen Frage die Ausführung 
der unerledigten Beschlüsse den neuen Bürgermeistern ans Herz. 

So heisst es gleich zu Anfang: 

,,Den ist gelassen alles, das in der vorgenanten her Paulus 
Vorchtels und her Hannsen Tetzeis frage unausgericht peliben 
und in dem dein ratspuchlein in derselben ir frage begriffen ist 
und dartzu ut infra“ oder: 

,,Item denselben ist gelassen alles, das hernachgeschrieben 
stett“ oder: 

„Den ist gelassen alles das, das in der nechsten frage vor 
vertzaichnet und dartzu, das in andern vorgenden fragen unaus¬ 
gericht beliben ist“ oder: 

„Was in den vergangen vragen vom neuen rate biss her 
nit ist aussgericht und darzu ut infra“. 

Dann findet sich auch: 

„Nota, dise nachgeschriben stuck sein etliche vergangen 
frage angestanden und unaussgericht beliben“ u. a. 

Derartige Geschäftsrückstände gingen zuweilen auf 12, 13 
und mehr Fragen zurück, also auf mehr als ein ganzes Geschäfts¬ 
jahr. Zuweilen finden sich die während der letzten Amtsführung 
unerledigt gebliebenen Stücke im einzelnen verzeichnet, in der 
Regel werden dann auch noch unausgeführte Sachen aus früheren 
Fragen beigesetzt, bisweilen begnügt man sich auch damit, auf 
das Unerledigte als auf etwas anderweit schon Bekanntes ein¬ 
fach hinzuweisen. 

Man würde übrigens irren, wollte man annehmen, die 
Bürgermeister hätten nun auch die Ausführung der unerledigten 
Beschlüsse selbst übernommen. Dies nur dann, wenn sie selbst 
in einer Sache deputiert waren. In allen übrigen Fällen be¬ 
schränkte sich ihre Tätigkeit darauf, die Ausführung der von 
den Deputierten zu besorgenden Geschäfte immer wieder von 
neuem anzuregen und zu überwachen. Es muss dies daraus 
geschlossen werden, dass bei den besonderen Zusammenstellungen 


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32 


Dr. E. Mummenhoff. 


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der „unverrichteten Sachen“ auch die Namen der einzelnen De¬ 
putierten stets beigefügt sind. 

Die Zusammenfassung der unverrichteten Sachen in be¬ 
sonderen Registern scheint erst aufgekommen zu sein, als deren 
Verzeichnung im Ratsbuch unterblieb. Man unterliess es, sie im 
Ratsbuch aufzuführen, weil es ohne Zweifel übersichtlicher und 
zweckmässiger war, sie in einem besonderen Register zusammen 
zu haben. Dass derartige Verzeichnisse in so geringer Zahl auf 
uns gekommen sind, findet wohl darin seine Erklärung, dass 
sie nach ihrer Ausführung zwecklos wurden und daher der 
Nichtachtung und Vernichtung anheimfielen. 

Das älteste dieser Verzeichnisse stammt aus dem Jahre 
1452. Was nach und nach zur Ausführung gekommen, ist ein¬ 
fach durchgestrichen. Bemerkenswert ist der Eintrag: 

,,ltem die stücklein in des raths buchlein, welche aussge- 
richt oder so alt sein, austun. 

Gruntherr. Derrer“. 

Aus den 50 er Jahren des 15. Jahrhunderts sind dann 
noch zwei weitere hieherzurechnende Verzeichnisse 1 ) auf uns 
gekommen. Eins mit der Ueberschrift: „Registrum, was iglichem 
des rats insunderheit bevolhen ist“, ein anderes, das gleichfalls 
die Deputierten unterhalb der Verlässe verzeichnet und dann 
noch unter dem Titel: „Ettliche merklich anliegend stuck itzunt 
vor äugen“ eine beträchtliche Zahl unausgeführter oder rekur¬ 
renter Ratsbeschlüsse verzeichnet. Auch ein Verzeichnis aus 
dem Jahre 1458 hat allem Anscheine nach dieselbe Bestimmung. 
Seine Einträge verfolgen durchaus den Zweck, die Aufmerk¬ 
samkeit auf noch auszuführende Stücke zu lenken, wie aus der 
stets wiederkehrenden einleitenden oder abschliessenden Phrase: 
„In acht haben“ klar hervorgehen dürfte. 

Für all diese Aufzeichnungen aber erscheint uns die Be¬ 
zeichnung Erinnerungsbüchlein oder Bürgermeistermemorial als 
die zutreffendste. Sie führen auch den Namen Manual unter 
näherer Angabe ihres Zweckes. 

*) Beide sind ohne Jahreszahl. Auf dem ersten steht von späterer 
Hand: „de anno ciroa 1458“. Aus dem Schriftstück selbst lässt sich dieses 
Jahr nicht erweisen, indes gohören die Schriftcharaktere ganz dieser Zeit 
an, im gleichzeitigen Ratsbuch begegnet sogar dieselbe Hand. Das zweite 
Verzeichnis ist in eine etwas frühere Zeit zu verweisen. Es spricht einmal 
von „Walburgis nechstvergaugon“ mit der Randbemerkung: „im XIX“ 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


33 


Auch in späterer Zeit begegnen derartige Memorialbüch¬ 
lein oder Manuale. Als solches darf auch angesehen werden 
das „Manual, das ein jeder burgermeister im anfang seiner frag 
lesen, auch die frag durchaus ime selbs zu gedechtnus bei sich 
behalten und alle viertel jars bei rat lesen lassen sollen“. Aber 
hier hatte sich das Memorial schon zu einer Art Bürgermeister¬ 
instruktion fortentwickelt, die jene für die Amtsführung zu be¬ 
achtenden rekurrenten Stücke in Erinnerung brachte. . 

Soweit sich ersehen lässt, gehen seine Einträge bis auf das 
Jahr 1496 zurück und schliessen mit 1548 ab. 

Es besteht aus drei Teilen, von denen der erste „unaus- 
gerichte stuck für ainen erbern rat gehörig“ überschrieben ist. 
Der zweite Teil wird als „Manual zum rat“ gekennzeichnet. 

Seine ersten Einträge, welche die Termine für die Ver¬ 
lesung des Manuals unausgerichteter Sachen, sowie des Rats¬ 
oder Quatemberbüchleins bestimmen, seien, weil für uns von 
Interesse, hier angeführt: 

„Item diese stuck sollen alle frag auch beim rat gelessen 
werden. Decretum 17. Mai 1517.“ Statt „frag“ ist von späterer 
Hand „quartal“ gesetzt. Aus dem Vierwochenmanual war so¬ 
mit ein Quatembermanual geworden. 

Dann heisst es weiter: 

„Item alle frag soll ain burgermeister das manual unaus- 
geriehter stuck und Sachen lassen verlessen, damit die herrn 
erinnert und gemailt werden, was aim jeden auszurichten be- 
volhen und soll darin nichts furnemen lassen, es sei dann rat 
beim rechten.“ 

Ueber die Verlesung der Ratsordnung handelt der folgende 
Eintrag: 

„Item zu den cattembern soll alwegen der burgermeister 
rat beim rechten pieten, so er das ratspuchlein will lessen 
lassen“. 

Die Einträge dieser Allteilung sind bis auf wenige durch 
öfteres Durchstreichen als erloschen gekennzeichnet, während 
die der ersten wie der letzten in weitaus überwiegender 
Mehrzahl noch zu Recht bestehen und auch in einem weiteren 
Manual desselben Titels mit noch neueren Verlässen wieder auf¬ 
geführt sind. 

Man liess eben die erledigten Stück beiseite, vereinigte die 

Archivalischu Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 3 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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noch gültigen mit den neuhinzugekomrnenen und erhielt so ein 
neues Memorial oder Manual. 

So bildeten sich aus den die Ratsgeschäfte und Amtsob¬ 
liegenheiten betreffenden Verlässen im Verlauf der Zeit das 
Vierwochenmanual, das Quatembermanual, die Bürgermeister¬ 
zettel und -Instruktionen, das Ratsbüchlein, das Quatemberbüch¬ 
lein oder die Ratsordnung. 

Zur näheren Erläuterung und Erhärtung sei noch folgendes 
hervorgehoben. 

Erst 1533 kam es in Uebung, das Ratsbüchlein viermal 
des Jahres zu verlesen, wie aus dem Ratsbeschluss vom 6. Juni 
des genannten Jahres hervorgeht: 

„Das ratspuchlein soll furohin zu der zeit der vier quo- 
tember, wie die in der losungstuben verordnet sein, nemlich den 
ersten tag Februarii, Maji, Augusti, Octobris im rate verlesen 
werden“. 

Das Manual unverrichteter Sachen und zwar das Quatember¬ 
manual ist ohne Zweifel unter den in nachfolgendem Verlasse 
angeführten Manual verstanden: 

„Uf Verlesung des ratsbüchleins, desgleichen des manuals 
ist denjhenen, so darin bevelh haben, aufgelegt, ire bevelh mit 
vleiss auszurichten“. 

„Darneben soll auch bedacht werden, wie ains rats frei- 
heiten jeder weil beim rat verlesen und also zu gedechtnus 
pracht werden mögen, wie solchs tiiglich und nach dem besten 
furzunemen sei, widerpringen.“ 1535 Mai 20. 

Oder: „Uf Verlesung des ratpiichleins und quatemberma- 
nuals ist jedem herrn bevolhen, sein bevelh auszurichten.“ 1536 
Dezember 20. 

Die Ausführung der im Vierwochenmanual verzeichneten 
Stücke wird gleichfalls aufs neue eingeschärft: 

„Uf- Verlesung des vierwochenmanuals soll jeder herr, dem 
etwas darin bevolhen, dasselbig auszurichten vleiss thun.“ 1535 
Mai 22. Die Ausführung hatten die Bürgermeister zu überwachen. 

Neue Stücke werden eingetragen, veraltete kassiert: 

„In das vierwochemnanual einschreiben, das hinfuro kein 
herr dos rats in Sachen sein selbs oder seiner freuntschaft in 
manualn, rats- oder ratschlagpüchern bei sein pflichten nichts 
mehr sehen oder suchen soll. Ratschreiber.“ 

1536 September 5. 


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Die Nürnberger Ratabücher und Ratsmanuale. 


35 


„In das vierwochenmanual einschreiben, so hinfüro ein 
doktor oder ratsperson abgen, das dan die hendl und Schriften 
von ime erfordert und in die cantzlei getan werden/' 1538 
Dezember 3. 

Der Ratschreiber hatte sich der Ausführung dieses Punktes 
anzunehmen. 

Hinsichtlich des Pfennigwechselns wurde um diese Zeit 
ein Beschluss gefasst, dass der Pfänder einige verdächtige Per¬ 
sonen mit „plinden rügen“ vornehmen, gute Kundschaft des¬ 
halb einziehen und niemand verschonen solle. Auch die Unter- 
käufel am Markt beschloss man zu beschicken und ihnen zu ver¬ 
bieten, Fremden oder Einheimischen ihre Pfennige in grobe 
Münze umzuwechseln. Wo nicht, werde man sie mit Rügen 
wie andere vornehmen und strafen. Dann ergeht noch die be¬ 
sondere Verfügung: „Ins vierwochenmanual auch einschreiben, 
das solche plinde rügen nit in vergessen gestellt werden“. 1540 
Mai 22. 

„Das quattembermanual übersehen und was für stuck dar¬ 
innen, die zuvor im ratspüchlein steen oder auf eins burger- 
meisters zeddel, diseiben als überflüssig auszeichen oder merken 
und beim rat wider anzeigen, ob mans durchstreichen soll oder 
nit.“ 1539 Februar. 

Wenn es sich demnach bei der Durchsicht des Quatember¬ 
manuals zeigte, dass etwas Aufnahme gefunden hatte, das schon 
im Ratsbüchlein oder auch auf dem Bürgermeisterzettel stand, 
so sollte es dort als überflüssig ausgezeichnet oder durchstrichen 
werden. 

Diese Beispiele lassen übrigens erkennen, wie sich an¬ 
schliessend an die älteren Ratsbücher und aus ihnen heraus 
neue für den Amtsgebrauch wichtige und für die lückenlose 
Erledigung der Amtsgeschäfte förderliche Aufzeichnungen, Re¬ 
gister, Memoriale und Instruktionen entstanden, die allerdings 
nur zu einem geringen Teile auf uns gekommen sind. 

3. Ratsprotokolle, Ratsverlässe oder Ratsmanuale. 

Für die Zeit vom 2. Januar 1449 [feria quinta circum- 
cisionis doinini] bis zum 22. Januar 1450 [feria quinta Vincentii] 
sind Aufzeichnungen erhalten, über deren Charakter man nicht 
lange in Zweifel sein kann. Man sieht es der überaus nach- 

3* 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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lässigen, schlechten und an Abkürzungen reichen Schrift auf den 
ersten Blick an, dass sie wie im Fluge auf das Papier geworfen 
wurde. Sämtliche Einträge sind ausserordentlich kurz gefasst, 
oft bloss andeutend und mangelhaft, und enthalten, einige wenige 
Ausnahmen abgerechnet, ausschliesslich Verlässe des kleinen 
Rats. Die ganze Form und Gestalt ist den später sich in un¬ 
unterbrochener Ordnung folgenden Ratsmanualen in einem Masse 
gleichartig, dass man auf ein und dieselbe Entstehungsweise zu 
schlossen berechtigt ist. Von den späteren Ratsmanualen unter¬ 
scheidet sich jenes von 1449 im allgemeinen nur dadurch, dass 
es formell um einige Stufen tiefer steht; dafür ist es aber auch 
das älteste. 

Vermerke und Protokolle über die im Rat gefassten Be¬ 
schlüsse, wonach dann auch die Einträge im Ratsbuch erfolgten, 
sind auch wohl schon vorher niedergeschrieben worden. Es 
musste doch höchst wünschenswert, ja der Kontrolle wegen so¬ 
gar notwendig erscheinen, protokollarische Aufzeichnungen der 
Ratsbeschlüsse, zum wenigsten der wichtigeren, schwarz auf weiss 
zu besitzen. Wie sie geführt worden sind, lässt sich nicht fest¬ 
stellen, aber es ist zu vermuten, dass sie in ihrer äusseren Form 
und Gestalt nicht erheblich von jenen des Manuals 1449 abge¬ 
wichen sind. 

Fragt man nun weiter nach dem Verbleib dieser älteren 
Ratsprotokolle, so erhält man leider eine Antwort, die sich wohl 
schon jeder, der sich eingehender in Archiven umgesehen, hat 
geben müssen. Sie sind nicht mehr, sind zugrunde gegangen, 
vielleicht schon in jener Zeit selbst. Ihr lag ein tiefgehendes 
historisches Interesse, ein ausgebildetes Bedürfnis, sich um der 
Sache selbst willen vor der Nachwelt zu dokumentieren und zu 
verantworten, viel ferner als einer späteren und insbesondere 
unserer modernen Zeit. So war auch wohl damals für den Rat 
der Reichstadt bei seinen amtlichen Aufzeichnungen und deren 
Aufbewahrung wohl das amtliche Interesse und praktische Be¬ 
dürfnis massgebend. Hatten aber jene Aufzeichnungen ihre Schul¬ 
digkeit getan, waren die Beschlüsse zur Ausführung gelangt 
und war auch nicht mehr abzusehen, dass man ihrer wieder einmal 
bedürfen könnte, so mochten sie getrost den Weg allen Fleisches 
wandeln! Es war ja gar nicht ihre Bestimmung, länger aufbe¬ 
wahrt zu werden, denn was zu wissen erforderlich, stand ja 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


37 


schon im Ratsbuch, im Manual der unverrichteten Sachen und 
anderswo. 

Anders war allerdings die Sachlage im Jahre 1449/50. In¬ 
folge der Ueberlast der Geschäfte während des 1. markgräflichen 
Kriegs unterblieb die Uebertragung der für die Amtsführung 
wichtigen Beschlüsse aus den Ratsprotokollen in das Ratsbuch, 
wie dieses es selbst bemerkt. 

Und doch hätte gerade damals, sollte man meinen, die 
Fortsetzung des Ratsbuchs wünschenswert, ja notwendig er¬ 
scheinen müssen angesichts der ausserordentlichen Bedeutung 
jener Zeitläufte, der ernsten Verwicklungen, die in dem Ver¬ 
hältnisse zu Markgraf Albrecht Achilles eintraten. Verhand¬ 
lungen wichtigster Art schwebten mit Fürsten und Städten, 
technische und organisatorische Vorbereitungen auf einen für 
jene Zeit höchst bedeutenden Krieg, dann die Kriegsereignisse 
selbst mit ihren weittragenden Folgen erhielten die sämtlichen 
Kräfte des städtischen Organismus unausgesetzt in Spannung, 
sie häuften insbesondere auf die Häupter der Stadt ein unge¬ 
wöhnliches Mass hoher Verantwortlichkeit. 

Der Rat selbst war damals in ganz ausserordentlicher Weise 
angestrengt. Kein Tag vergeht, an dem er nicht seine Sitzungen 
hält. Der Beratungsgegenstände sind oft so viele, dass Zeit und 
Kraft nicht auszureichen scheinen, sie in einer Sitzung zu be¬ 
wältigen. Diese wird dann unterbrochen, um „post prandium“ 
ihre Forsetzung zu finden. Ja, auf Nachmittags- und selbst 
Nachtsitzungen muss der Rat gefasst sein. 1 ) 

Und in einer solchen Lage sollte man sich des hergebrachten 
Mittels zu Nachweis und Kontrolle entschlagen haben, die jetzt 
notwendiger waren denn je zuvor? 

Aber man hatte es ja, wenn auch in anderer Form und 
freilich noch ungesichtet und wenig übersichtlich, in den Proto¬ 
kollen der Ratssitzungen. Sie hatten für die Zeit des 1. markgräf¬ 
lichen Krieges Ersatz zu bieten für das aus Mangel an Zeit nicht 


*) Item wenn ein burgermeister zum rat gepeut, tags oder nachts 
soll jedermann auf dieselbe zeit unverzogenlich kommen. 1449 Mai 21. 

Item all, die des rats sein, zum garauss heraufkommen und, als oft 
man das glas umbkort, das gelt von idermann nemeu und nimants schonen 
und wer gar auss beleibt, das gelt auch nemen on gnad. 1449 September 16. 


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geführte Ratsbuch. So wurde der erste Jahrgang der Rats¬ 
manuale erhalten. 

Und diese ersten Ratsprotokolle bieten mehr als einen Er¬ 
satz für das nicht vorhandene Ratsbuch. Wenn sie auch im 
einzelnen im knappsten Ausdruck nur das Allernotwendigste be¬ 
sagen, so gewähren sie andererseits den nicht hoch genug an¬ 
zuschlagenden Vorteil der Wiedergabe sämtlicher Beschlüsse. 
Zu bedauern ist nur, dass sie die Lücke im Ratsbuch nicht 
völlig ausfüllen, sie beginnen zwar früher, hören aber auch früher 
wieder auf. Sie umfassen die Zeit vom Beginn des Jahres 1449 
bis zum 22. Januar 1450, während die Lücke im Ratsbuch vom 
16. April 1449 bis zum 1. Juli 1450 reicht. 

Das Ratsmanual 1449/50 ist wie alle späteren so einge¬ 
richtet, dass jeder Bürgermeisterfrage ein Heft in Schmalfolio 
entspricht. Wie schon bemerkt, belief sich die Zeitdauer einer 
Frage auf vier Wochen, so dass demnach auf das Jahr in der 
Regel 13 oder 14 Fragen und Manualhefte kommen. 

Im ganzen liegen in den 337 erhaltenen Jahrgängen von 
1449, 1471 ') und dann von 1474 bis 1808 nach einer Schätzung, 
die von der Wirklichkeit nicht weit entfernt sein dürfte, gegen 
4400 einzelne Hefte vor. 

Die äussere Anordnung ist so getroffen, dass gleich oben 
auf der ersten Seite oder auch der ersten Seite des Umschlages 
die Namen der beiden regierenden Bürgermeister, nach denen 
die einzelnen Fragen benannt wurden, angegeben sind. Unter 
dem Vermerk des Sitzungstages, der ebensowenig vergessen 
wird, wie eine Angabe, falls an einem Tage mehrere Sitzungen 
stattgefunden, sind die Ratsverlässe chronologisch eingetragen, 
wie das bei Protokollen nicht anders möglich. 

Die Verzeichnung der verordneten oder deputierten Herren 
erfolgt in dem Manual von 1449 wie in jenen der 70er Jahre 

l ) Der Jahrgang 1471 umfasst in 13 Heftchen den Zeitraum von 
feria quinta circumcisionis [3. Januar] bis feria secunda ante nativitatis 
Christi [23. Dezember] 1471, also fast ein ganzes Kalenderjahr. Es gehören 
aber diese Heftchen zwei verschiedenen Geschäftsjahren an, die ersten 4 
bis Ostern 1471 dem von 1470/71, die übrigen 9 dem von 1471,'72. 
Die den Ratsmanualen sonst noch beiliegenden Hefte mit Ratsverlässon 
aus den Jahren 1452, 1458, 2 undatierten Heftchen und 1471 sind keine 
Ratsmanuale oder Teile von solchen, sondern Verzeichnisse oder Memo- 
riale unverrichteter odor unerledigter Sachen. 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


39 


des 15. Jahrhunderts bis in den Beginn des 16. in den früher 
festgestellten drei Formen, von denen allerdings die der ein¬ 
fachen Namensangabe unterhalb der Verlässe durchaus vor¬ 
herrscht. Anfangs werden freilich die Deputierten in der Mehr¬ 
zahl der Verlässe nicht erwähnt, aber noch in den 70er Jahren 
des 15. Jahrhunderts wird ihre Anführung immer mehr zur Regel, 
die um die Wende des Jahrhunderts nur wenige Ausnahmen 
mehr erleidet. Um diese Zeit bürgert sich auch die einfachste 
Form — fast ausschliesslich — ein. 

Einer wichtigen Neuerung muss noch gedacht werden, 
welche 1504 eingeführt wird, der Register nämlich. Für den 
Benützer von einst und jetzt sind sie von einer geradezu un¬ 
schätzbaren Wichtigkeit. Ohne sie wäre die ungeheure Masse 
des in den Manualen aufgespeicherten Stoffes geradezu ver¬ 
graben und verloren. Das fing man allem Anscheine nach auch 
bald im Rat an einzusehen und führte sie in kluger Würdigung 
der amtlichen Interessen bei. 

Jedes Heft hat sein Register, das in alphabetischer Folge 
Personen und Materien durcheinander verzeichnet. Merkwür¬ 
digerweise wird bei den Personen — wie es übrigens in ander¬ 
weitigen Aufzeichnungen jener Zeit gleichfalls gebräuchlich ist 
— nach den Vor- und nicht nach den Familiennamen zitiert, 
während in den Ratsbüchern das umgekehrte Verfahren beob¬ 
achtet wird. Dass diese Register nicht immer auf Vollständig¬ 
keit Anspruch machen können und dass besonders die Materien 
ganz ungenügend berücksichtigt sind, braucht wohl kaum be¬ 
merkt zu werden. 

Die Ratsverlässe spiegeln das ganze Wesen und Leben der 
Gemeinde wie des Staates getreulich wieder. Des Staates in 
seinen inneren Verhältnissen und seinen äusseren Beziehungen. 
Alles, was an den Rat kam und in diesem verhandelt wurde, 
ist in ihnen zu deutlichem Ausdruck gekommen. Die Aeusse- 
rungen des gesamten öffentlichen Lebens, zunächst die Verhält¬ 
nisse des Rats selbst, die Aemter und Beamten, das Finanz- 
und Steuerwesen, Gerichts- und Polizeiwesen, insbesondere die 
Sorge für die Sicherheit der Stadt nach jeder Richtung hin, 
weiter die unablässigen Beziehungen des Rats zu Bürgern wie 
Unbürgern, zu Untertanen und Hintersassen, zu den Kaufleuten, 
Handwerkern, Gewerbetreibenden und Künstlern, seine Stellung 


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zum Ordens- und weltlichen Klerus, seine Aufsicht über die 
vielfachen und reichen Stiftungen der Stadt und seine Tätigkeit 
auf dem Gebiete des Schulwesens treten in ihren Aufzeichnungen 
mehr oder weniger deutlich zutage. Dann aber auch die regen 
Wechselbeziehungen zu den äusseren Gewalten, zu Kaiser und 
Reich, zu Pürsten, Herren und Städten und der Ritterschaft, 
zu hoch und niedrig. Vielfach sind es die Beziehungen 
zu den Benachbarten und unter diesen zu den Markgrafen 
von Brandenburg-Ansbach in all den unaufhörlichen Irrungen 
und Kämpfen, aber auch in friedlichem Einvernehmen. Endlich 
ist es aber ganz besonders der Handel und Wandel der Reichs¬ 
stadt, die stete Sorge, ihn zu schützen, zu erweitern oder doch 
zu erhalten im Krieg wie im Frieden. So sind denn gerade die 
Ratsmanuale neben den Briefbüchern eine der hervorragendsten 
Quellen der reichsstädtischen Geschichte, die für den grossen 
Zeitraum, den sie umfassen, die wichtigsten Aufschlüsse zu geben 
vermögen, uns so häutig mit den letzten Absichten und eigent¬ 
lichen Motiven des Rats erst bekannt machen, ja in höchst zahl¬ 
reichen Fällen die einzig noch erhaltene Quelle bilden. 

Die späteren Ratsbücher geben ja in manchen Fällen, wie 
wir sehen werden, mehr, aber die Ratsmanuale geben — in der 
älteren Zeit wenigstens — alles, was im Rate verhandelt wurde. 
Dies gilt auch für die Beziehungen nach aussen. Auch hier 
sind die Manuale vollständig in der Wiedergabe der Ratsbe¬ 
schlüsse, während allerdings die Ratsbücher durch die Aufnahme 
und Verarbeitung des Aktenmaterials der Fragelade in einzelnen 
Fällen eine umfassendere, klarere und durchsichtigere Darstellung 
bieten. 

Im übrigen aber ist keineswegs alles, was das innere Leben 
der Stadt und ihre Beziehungen nach aussen betraf, in den Rats¬ 
manualen berührt, so im allgemeinen nicht jene Fragen, die 
in den Sitzungen der älteren Herren oder des geheimen Rats 
sowie der Losunger zur Sprache kamen, während sich die Be¬ 
schlüsse des Ratsausschusses hie und da vorgetragen finden. 
Letztere indes wohl nur bis ins Jahr 1543, mit welchem 
Zeitpunkt die Beschlüsse des Ratsausschusses mit denen der 
Herren Aeltern in einem besondern Manual verzeichnet wurden. 

Für die Wirksamkeit des ganzen Rats aber und für den 
Umfang seiner Tätigkeit sind die beredtesten und zuverlässigsten 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


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Zeugen die Ratsmanuale. Schon rein äusserlich gehen sie einen 
untrüglichen Gradmesser ab für die grössere oder geringere Be¬ 
deutung der Ratsgeschäfte in den verschiedenen Zeiten. Ob 
friedliche Zeiten den staatlichen Organismus in ruhiger und 
gleichmässiger Bewegung erhielten oder ob stürmische Zeitläufte, 
kriegerische Verwickelungen, ausserordentliche Anlässe die Tätig¬ 
keit des Rats und seiner zahlreichen Organe auf das straffste 
anspannten, das spiegelt sich auch in dem Umfang dieser Auf¬ 
zeichnungen deutlich wieder. 

In dem bewegten 16. Jahrhundert nehmen die Manuale 
merklich an Umfang zu. Vielleicht lag das zum Teil daran, 
dass man dieser Einrichtung, die sich mehr und mehr bewährte, 
auch eine grössere Sorgfalt zuwendefe. Man könnte auch daran 
denken wollen, dass der hochbedeutende und verdiente Lazarus 
Spengler, der 1506 oder 1507 jüngerer Ratschreiber wurde und 
es bis zum Jahre 15Ss7 blieb, der Führung der Ratsmanuale eine 
besondere Aufmerksamkeit zugewendet hätte. Gerade von ihm, 
sollte man meinen, wäre eine feinere Durchbildung der Einrich¬ 
tung zu erwarten gewesen. Aber es bleibt immerhin zu be¬ 
denken, dass einmal Protokolle vorliegen, die bei der Kürze der 
zur Aufzeichnung gebotenen Zeit über ein gewisses Mass des 
Umfanges und der Durchbildung sich nicht entwickeln konnten 
und dass der auch politisch sehr in Anspruch genommene 
Spengler jedenfalls keine Zeit fand, sich mehr als seine Vor¬ 
gänger um die Führung der Ratsprotokolle zu bekümmern. 
Ganz im Gegenteil, gerade jene Einträge, die wir ihm zuschreiben 
müssen, gehören mit zu den schwierigsten und nachlässigsten 
der Jahrhunderte umfassenden Serie der Ratsprotokolle. 

Werden die Manuale reichhaltiger und umfangreicher, so 
liegt das fast ausschliesslich an den bedeutenderen und beweg¬ 
teren Zeitläuften. So war zur Zeit des zweiten markgräflichen 
Krieges die Flut der Geschäfte so angewachsen, dass sich der 
Rat zur Anberaumung vieler ausserordentlicher Sitzungen ver¬ 
anlasst sah, ähnlich wie während des ersten markgräflichen 
Krieges im Jahre 1449 und 1450. Nicht selten wurden sogar 
an Sonn- und Feiertagen nach der Predigt besondere Sitzungen 
abgehalten.*) Auch die Ratschreiber sehen sich ausser stände, 

') Soferr nichts nötigers dann jetz fürfallen wirdet, sol man morgen 
erst nach der predig rat halten. 1554 Aug. 18. [Der 19. August war 
ein Sonntag]. 


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sich durch den massenhaften Stoff durchzuarbeiten. Es musste 
ihnen eine weitere Kraft zugeteilt werden, die sich vornehmlich 
der Eintragung der Ratsbeschlüsse anzunehmen hatte. 

Ein Rats verlass vom 14. August trifft in dieser Hinsicht 
folgende Bestimmung: 

„Dieweil die gescheft in diesen kümmerlichen, beschwer¬ 
lichen leufden so häufend fürfallen und so vil worden seien, 
das bede ratschreiber dieselben allein zu verrichten nimmer wol 
vermügen, ist bei meinen herrn den eitern für gut angesehen 
und bei einem erbern rate vermelt und beschlossen worden, inen 
noch ainen gehilfen zuzuordnen, der inen durch ain sonders 
manual allain zu den missifen und schriftlichen antwurten ge- 
richt, das er für sich halten und alweg zu ausgang ainer jeden 
burgennaistersfrag hinden zu dem rechten hauptmanual heften 
sol, mit den missiven und registratur ins ratspuch behilflich und 
beistendig sei, damit alle ding gefürdert werden und dester 
weniger hinderstellig pleiben mügen, wie im dann derwegen 
ain sondere pflicht gestelt worden und bei meinen herrn den 
eitern gerainigt ist. Also haben meine herrn Thobias Pantzer 
aus dem canzleiteil darzu verordnet und an sein stat Wolfen 
Hofman zu ainem canzleischreiber gemacht, darauf auch ge¬ 
nannter Pantzer dieselb Verwaltung auf die besonder besoldung, 
der sich meine herrn die eitern mit ime verglichen, auf sich ge- 
nomen und alspald in sitzendem rate pflicht getan. Welche 
pflicht auch ins aidpuch registriert werden sol.“ 

Seit dieser Zeit bis zum Ende des Geschäftsjahres 1611 
besteht jedes Manual aus einer grösseren und einer kleineren 
Abteilung, dem Haupt- und dem Nebenmanual. Bis ins Jahr 
1556 weist jede Abteilung — wenige Ausnahmen abgerechnet — 
auch eine verschiedene Handschrift auf. Dann aber übernimmt 


Morgen friie soll man, weil der gescheft noch sovil vorhanden seien, 
rat halten wie an einem Werktag. 1555 Aug. 24. 

Ob man morgen rat pieteu sol oder nit, das ist nach gelegonheit 
der gescheft, wie die fürfallen möchten, gestellt auf den eitern herrn 
bürgermeister. 1555 Mai 22. [Am folgenden Tag war Christi Himmelfahrt], 
Weil noch vil gescheft vorhanden, sol man morgen, wie an einem 
Werktag rat halten lassen. 1555 Juni 28. [Auf den folgenden Tag, einen 
Samstag, fiel Peter und Paul, am darauffolgenden Sonntage fand dann 
wiederum eine Sitzung statt]. 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


43 


Tobias Panzer fast ausschliesslich die Führung der beiden Ma¬ 
nuale. Ausnahmen sind lediglich auf Vertretungen zurückzu¬ 
führen. 

Es entsteht die Frage, ob das Nebenmanual als das Er¬ 
gebnis besonderer Ratssitzungen anzusehen ist. Die Kollegien 
der älteren Herren und des Ratsausschusses hatten schon seit 
1543 ihr eigenes Manual. Ob besondere Ratssitzungen zur Be¬ 
handlung der an den Rat gerichteten Briefe stattfanden, lässt 
sich nicht erkennen. Es wäre dies ja in der Zeit, als sich die 
Geschäfte in so erdrückender Weise häuften, recht wohl möglich 
gewesen. Aber ebensowohl konnte die Erledigung dieser An¬ 
gelegenheiten als zweiter Teil der Tagesordnung erfolgen. Und 
das dürfte wohl auch als das Wahrscheinlichere anzunehmen 
sein. Der zugeordnete Gehilfe oder Substitut löste alsdann den 
jüngern Ratschreiber ab und vertrat ihn schliesslich vollständig. 
Das war dann allerdings eine ganz ausserordentliche Entlastung 
des letzteren. 

Der jetzt in den Dienst der Ratstube einberufene Tobias 
Panzer übernahm demnach die Funktion eines Ratsschreibers, 
in den Aemterbüchern führt er den Titel „zugeordneter mitgehilf“. 

Die Berufung dieses diensttüchtigen und gewandten Be¬ 
amten, dessen Bedeutung der Rat schon vorher erkannt hatte, 
als er ihn wiederholt zu diplomatischen Sendungen verwandte, 
mochte wohl auch zum Teil durch die nicht mehr ausreichende 
Leistungsfähigkeit des damals schon seit 34 Jahren im Rats¬ 
schreiberdienste stehenden älteren Ratschreibers Stephan Bayr 
veranlasst worden sein. 

Mit dessen Abtreten im Jahre 1558 rückt Panzer in die 
zweite Ratschreiberstelle ein, die Funktion des zugeordneten 
Mitgehilfen aber wird dann geraume Zeit in den Aemterbüchern 
nicht mehr erwähnt. Tobias Panzers Einträge — und zwar gilt 
dies für die Ratsmanuale, die Aelternmanuale und die Rats¬ 
bücher — zeichnen sich durch ihre Sauberkeit, Gleichmässigkeit, 
ja Schönheit vorteilhaft aus. Von Anfang bis zu Ende trägt 
die Schrift fast den gleichen Charakter und erweckt oft fast 
den Eindruck, als sei sie gestochen. Der äusseren Eleganz ent¬ 
spricht aber auch der Gehalt. Im Kleinen spiegelt sich auch 
hier die amtliche Gediegenheit dieses Mannes wieder. Er führte 
die Manuale auch noch weiter, als er 1563 zum ersten Rat- 


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Schreiber befördert worden war, und es scheint durchaus, dass 
der Rat hier seiner erprobten Dienste nicht entraten mochte. 

Fast könnte es scheinen, als seien die Manuale schon in 
dieser Zeit nach der Sitzung mit Zeit und Müsse geführt worden. 
Für jetzt lässt sich indes eine solche Annahme kaum rechtfertigen, 
die Einträge können im allgemeinen jetzt wie später den 
Charakter von Protokollen nicht verleugnen. Und noch bis ins 
17. Jahrhundert hinein blieb ihnen dieser Charakter erhalten. 

Erst die Ratsordnung vom Jahre 1617 schreibt die Ein¬ 
tragung der Verlässe in das Manual nach der Sitzung vor. Die 
Stelle, welche die Führung des Manuals betrifft, ist für uns von 
besonderem Interesse, das deren unveränderte Wiedergabe recht¬ 
fertigt: 

„Und weil man des ratsmanuals im rat stettigs bedürftig, 
also soll kein herr dasselbige under wehrender ratszeit daraus 
tragen, sondern dem registratori vornen in der canzlei anbefohlen 
werden, sobalden der jünger ratschreiber die ratsverläss in das 
manual eingetragen — welches er dann nach mittag und nicht 
under wehrender ratssession tuen und darneben das samblen des 
mehrern in vleissige acht nehmen soll — noch denselben abent 
alle ratsverläss auszuschreiben und zu den händeln zu binden 
und volgenden morgens zu friie den herrn deputierten die händel, 
das manual aber dem jüngern ratschreiber und sonst niemand 
zuezustellen, damit das manual in der ratstuben bestendig vor¬ 
handen ist, darinnen bleib und auch die jungen herren der rat¬ 
stuben und fürgehenden handlungen desto besser auswarten 
können.“ 

Vielleicht ist die Vorschrift, welche die Eintragung der 
Beschlüsse erst nach der Sitzung anordnet, schon etwas älteren 
Ursprungs und wurde durch die Ratsordnung nur festgehalten. 
Andererseits ist mir ein Ratsbeschluss, der sie vorher schon ein¬ 
geführt hätte, nicht bekannt geworden, sondern nur die Bestim¬ 
mung, die das Hin- und Hertragen des Manuals unter währen¬ 
dem Rat und auch sonst verbietet. Sie stammt aus dem Jahre 1593. 

Als aber jene Anordnung der Eintragung der Verlässe nach 
der Sitzung in Kraft trat, blieb dem jüngeren Ratschreiber nichts 
anderes übrig, als in der Sitzung seine Notizen zu machen, um sie 
dann gleich am Nachmittage zu bearbeiten und in das Manual ein¬ 
zutragen, worauf dann der Kanzleiregistrator und sein Personal 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanualc. 


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die notwendigen Abschriften, Auszüge und Ausfertigungen für 
die Akten, die Parteien und Aemter daraus anzufertigen hatten. 

Die Ratsmanuale behielten auch in den folgenden Jahr¬ 
hunderten ihre ursprüngliche Form, Gestalt und Einrichtung bei. 
Nur in ihrem Umfang sind sie zu den verschiedenen Zeiten ver¬ 
schieden, je nach deren Bedeutung und je nach den Aufgaben, 
die sie dem Rat stellten, und es braucht wohl kaum bemerkt 
zu werden, dass sich Kriegszeiten — so z. B. der Dreissigjährige 
Krieg und insbesondere das Jahr 1632, in welchem der Kriegs¬ 
schauplatz monatelang in der Nähe der Stadt lag und die 
Kriegsnot an ihre Pforten klopfte — und Zeitläufte von beson¬ 
derer Bedeutung, sowie ausserordentliche Anlässe, wie Kaiser¬ 
besuche und andere festliche Gelegenheiten, auch in dem grös¬ 
seren Umfang der Manuale ihren Ausdruck finden. 

Hervorzuheben ist noch die Einwirkung, welche durch die 
Neuorganisation des Ratskollegiums zugleich mit einer solchen 
des ganzen Aemterwesens kurz vor dem Aufhören der politischen 
Selbständigkeit der Stadt auch auf die Ratsmanuale sich kundgab. 

Infolge der sich unaufhörlich steigernden Finanznot der 
Stadt war schon 1792 eine Oekonomieverbesserungskommission 
ins Leben gerufen worden. Die unüberwindlichen Schwierig¬ 
keiten aber, die sich ihrer erspriesslichen Tätigkeit entgegen¬ 
stellten, veranlassten jetzt den Rat zur Erwirkung einer beson¬ 
deren kaiserlichen Lokalkommission, die er früher abgelehnt 
hatte, der sog. Subdelegationskommission, die sich der schwie¬ 
rigen Aufgabe der Verbesserung des Finanzwesens durch Auf¬ 
hebung und Zusammenlegung von Aemtern, Reduktion der Be¬ 
amten und Einführung der grössten Sparsamkeit zu unterziehen 
hatte. 

Schon 1798 war durch Reichshofratsbeschluss das Losungs¬ 
amt aufgehoben und durch die Rentkammer und das Zahlungs¬ 
amt ersetzt worden. Andere Aemter wurden neugeschaffen, so 
das Polizeidepartement, das Genanntenkollegium, das gegen Aus¬ 
gang des Jahrhunderts dem kleinen Rat gegenüber eine immer 
schroffere und feindseligere Stellung eingenommen und durch seine 
Einflussnahme auf das Finanzwesen zu einer dominierenden Bedeu¬ 
tung gelangt war, wurde gleichfalls reorganisiert und auf 240 Mit¬ 
glieder beschränkt. 

Die neue Ratsverfassung trat mit dem 29. November 1805 


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ins Leben. An die Spitze des Rats trat jetzt der Ratsdirektor, 
deren es drei gab, die sich alle drei Monate ablösten. Ein 
Gleiches war der Fall bei den 3 Bürgermeistern, die an Stelle 
der 12 jüngeren Bürgermeister traten. Der ganze Rat, der bis 
dahin 42 Mitglieder umfasst hatte, schrumpfte auf 25 zusammen. 
Seine Tätigkeit, unter dem Druck der Verhältnisse auf allen 
Seiten eingeengt, konnte keine besonders hervorragende mehr 
sein, wie das die Manuale zur Genüge erkennen lassen. 

Auffallend erscheint es auf den ersten Blick, dass diese 
nicht schon mit dem Zeitpunkt des Uebergangs der Reichsstadt 
an die Krone Bayern, sondern erst im Jahre 1808 ihren Ab¬ 
schluss finden. 

Seit dem 15. September 1806 aber, an welchem Tage der 
gesamte Rat mit den beiden Ratssekretären und dem Ausschüsse 
des Genanntenkollegiums dem kgl. bayerischen Generallandes- 
koramissär Grafen v. Türheim den Eid der Treue leisteten, kann 
von Ratsmanualen der Reichsstadt nicht mehr die Rede sein, 
wenn auch der Rat wie die sämtlichen sonstigen Behörden vor¬ 
läufig noch in hergebrachter Weise weiterfunktionierten. Die 
seitdem ergangenen Verlässe des Rats liegen übrigens ausserhalb 
des Rahmens dieser Darstellung Sie beziehen sich, was noch 
bemerkt werden mag, zu einem grossen Teil auf die in Fluss 
gekommenen organisatorischen Aufgaben, die durch die Einver¬ 
leibung der Stadt in das Königreich bedingt wurden. 

4. Ratsmanuale und Ratsbücher in ihrem Verhältnis zueinander. 

Von nicht geringem Interesse ist es, dass die Aufzeichnungen 
des ältesten Ratsmanuals vom Jahre 1449 zum Teil neben denen 
des Ratsbuches einhergehen. Die Vergleichungen, wozu das 
erste gleichzeitige Auftreten dieser beiden Ratsaufzeichnungen 
unwillkürlich auffordert, fallen indes sehr zu ungunsten der 
älteren Aufzeichnung, des Ratsbuches, aus. Sind dessen Ein¬ 
träge im allgemeinen zwar durch eine bessere und erweiterte 
Fassung vor den Protokollen ausgezeichnet, so steht doch an¬ 
dererseits die geringe, ja verschwindende Zahl der im Ratsbuch 
enthaltenen Einträge zu dem massenhaften Stoff der Manuale 
in einem höchst auffallenden Missverhältnis. Von den mehr als 
200 Einträgen des ersten Manualheftes findet sich nämlich nur 
ein einziger im Ratsbuch wieder, von etwa 260 des zweiten 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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stehen nur 7, von 350 des dritten nur 4 und von den fast 400 
Einträgen des vierten wieder nur ein einziger im Ratsbuch. 

Der Grund dieser einigermassen befremdlichen Erscheinung 
liegt in der verschiedenartigen Bestimmung der beiden Ratsauf¬ 
zeichnungen. Die Ratsmanuale oder Protokolle mussten der ganzen 
Art ihrer Entstehung nach die sämtlichen Beschlüsse der Rats¬ 
versammlung enthalten. Anders verhielt es sich dagegen mit den 
Einträgen des Ratsbuchs. Sie sollten, wie schon früher ange¬ 
deutet, nur die wichtigsten Ratsvorgänge, denen man eine prak¬ 
tische Bedeutung für die Zukunft beimessen durfte, sollten ins¬ 
besondere auch die unerledigten und rekurrenten Sachen fest- 
halten. Diese ihre Bestimmung aber kam keineswegs mit dem 
Zeitpunkt, da die Manuale ins Leben traten, in Wegfall. Die 
in letzteren niedergelegte Unmenge von Beschlüssen stieg zu 
einer solchen Höhe an, dass irgendwelche Uebersicht, zumal bei 
der primitiven Art der Aufzeichnung, die anfangs auch noch 
des Vorzugs eines Registers entbehrte, kaum erreichbar sein 
konnte. 

Nun war aber die weitaus grössere Mehrzahl der Manual¬ 
einträge von einer bloss vorübergehenden Bedeutung. Einmal 
ausgeführt, entbehrten sie meist des weiteren Interesses und 
fielen dann bald der Vergessenheit anheim. 

Aber gleich ihnen hätte auch das gleiche Geschick all 
jenen Beschlüssen gedroht, welche, in dem Wust des angesam¬ 
melten Stoffes verborgen, irgendwelche Bedeutung beanspruchen 
durften, jenen Beschlüsse nämlich, die noch nicht zur Ausführung 
gelangt waren oder denen sonst ein dauernder Wert innewohnte. 
Sie musste man aus der unübersehbaren Folge von Beschlüssen 
ausheben und besonders verzeichnen, und die so zustande kom¬ 
mende Aufzeichnung nannte man eben das Ratsbuch. Es kamen 
hier zunächst und an erster Stelle solche Einträge in Betracht, 
welche das Verhältnis des Rats zu seinen Bürgern und Unter¬ 
tanen überhaupt und das Bürger- und Handwerksrecht insbe¬ 
sondere betrafen, ferner die auf die Polizei und ihre Handhabung, 
auf die Organisation und Besetzung der Aemter, die städtischen 
Besitzungen und Bauten bezüglichen Anordungen, endlich die 
Einträge politischer Natur. Alles dies schrieb man, im Anfang 
wenig, allmählich aber immer und mehr ausscheidend, in das 
Ratsbuch ein. Da stand denn an Entschliessungen des Rats, 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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zusammengedrängt und leichter zu übersehen, was für die Zu¬ 
kunft zu wissen gut oder notwendig erschien. Wenn freilich 
jetzt nach Jahrhunderten manche der aus den Manualen nicht 
in die Ratsbücher übergegangenen Aufzeichnungen die übertra¬ 
genen an Wert zu übertreffen scheinen, so darf doch nicht über¬ 
sehen werden, dass die Gesichtspunkte, die bei der Abschätzung 
der Wichtigkeit der Ratsentschliessungen entscheidend waren, 
heutzutage in vielen Fällen nicht mehr in ihrer Tragweite er¬ 
kannt werden können. Leider nur zu oft mangelt uns nach 
so langer Zeit jene klare Einsicht in die amtliche Tätigkeit des 
Rats in ihrem ganzen organischen Zusammenhang, welche zu 
einer untrüglichen Beurteilung eine unerlässliche Basis bildet. 

Die zur Aufnahme in das Ratsbuch bestimmten Verlässe 
sind schon im Manual von 1449 und dann in den weiteren von 
1471 und 1474 und den folgenden meist durch besondere Merk¬ 
zeichen gekennzeichnet. Es wird auch zuweilen in besonderer 
Registraturbemerkung hervorgehoben, dass sie eingeschrieben 
werden sollen. Wer die Auswahl traf, ist nicht zu ersehen. 
Vielleicht der jüngere Bürgermeister oder der jüngere Rat¬ 
schreiber. Nur in einzelnen seltenen Fällen mag auch der Rat 
in dieser Richtung eine Verfügung getroffen haben. Ixn allge¬ 
meinen aber fiel diese Funktion wohl in den Bereich der Ge¬ 
schäfte, die dem jüngeren Ratschreiber zugewiesen waren. 

Vereinzelt dünkte auch den ältern Herren ein von ihnen 
gefasster Beschluss wichtig .genug, um die Uebertragung beson¬ 
ders zu verfügen. Als sie am 26. Oktober 1517 dem Peter 
Totzier die Befreiung von der Losungsanlage für seine Erbstücke, 
jährlichen Zinse und Gülten auf Lebenszeit und auch von der 
Nachsteuer bewilligt hatten, beschlossen sie die Uebertragung 
dieses Verlasses, der mit den Worten beginnt: 

„Item bei meinen herren den eiteren ist verlassen und be- 
volhen, zu einem gedechtnuss in das ratspuch ze schreiben.“ 

Aus diesem Einträge sowie auch aus anderen geht hervor, 
dass wichtige Entschliessuugen der Herren Aelteren, wie es ja 
nur natürlich war, gleichfalls ins Ratsbuch übertragen wurden. 

Bezüglich der Menge der aufzunehmenden Beschlüsse 
herrschten zu verschiedenen Zeiten ganz verschiedene Auffas¬ 
sungen, die ja auch wohl von der subjektiven Meinung der 
Schreiber abhängig waren. Im grossen und ganzen aber kann 


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Die Nürnberger RatsbUcher und Ratsmanuale. 


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man sagen, dass das erste grössere Ratsbuch (1441 —1461), ab¬ 
gesehen von den Verlässen unverrichteter Sachen, seine Aus¬ 
wahl noch sehr enge begrenzt. Aber schon im folgenden Rats¬ 
buch (1461—1475) wächst die Menge der Einträge um ein Er¬ 
kleckliches und schwillt in den weiteren Bänden immer höher 
an. Seit 1525 erstreckt sich jeder der starken Quartbände nur 
mehr über zwei Jahre und seit 1538 wohl auch nur mehr über 
ein einziges. 

Sollten aber die Ratsbücher dem Vorgesetzten Zwecke in 
jeder Beziehung entsprechen, sollten sie beim Uebergang des 
Bürgermeisteramts an die neuen Bürgermeister den Stand der 
Geschäfte klar wiederspiegeln, sollten sie eine Art Gedenkbuch, 
ein Nachschlagebuch sein, das auf seinen zahlreichen Blättern 
Anhaltspunkte, Präzedenzfälle, Winke und Richtlinien an die 
Hand gab, so mussten bei der Abfassung und ganzen Einrich¬ 
tung Ordnung und Uebersichtlichkeit als oberstes Gesetz gelten. 

In den ältesten Ratsbüchern ergab sich die Uebersichtlich¬ 
keit infolge der geringen Zahl der eingetragenen Verlässe wie 
von selbst. Als aber in der Folge das Material mehr und mehr 
anschwoll, wurde auf verschiedene Weise eine leichtere Orien¬ 
tierung erstrebt. Man suchte sie einmal dadurch zu erreichen, 
dass man, wie in den Manualen seit 1521, seit 1522 die im 
Mittelalter allgemein übliche Datierung nach kirchlichen Festen 
und Heiligen durch jene nach Monaten und Tagen ersetzte. 
Dann fing man 1525 an, die Beschlüsse am Rande durch Schlag¬ 
worte kurz zu kennzeichnen, was vorher nur vereinzelt vor¬ 
kommt. Seit 1538 werden die Beschlüsse gleichen Betreffes 
innerhalb der einzelnen Fragen, soweit es angängig, in Gruppen 
zusammengestellt. Wurde dadurch auch die chronologische Ord¬ 
nung einigermassen durchbrochen, so konnte das bei der ver¬ 
hältnismässig so kurzen Dauer der Fragen von keinen nach¬ 
teiligen Folgen sein, während andererseits eine grosse Ueber¬ 
sichtlichkeit dadurch erreicht wurde. Die Zusammengehörigkeit 
der Beschlüsse suchte man in den Jahren 1544—1557 auch 
durch Registraturbemerkungen wie: „weiter wie folgt“ und durch 
das gleichbedeutende stereotype „verte“ ersichtlich zu machen. 

Die verschiedene Bestimmung der beiden Ratsaufzeich¬ 
nungen hat ihnen auch ein ganz verschiedenes Gepräge aufge¬ 
drückt. Die oft dürftigen und in ihrer knappen Fassung zu- 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 4 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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weilen schwer verständlichen Einträge der Manuale erscheinen 
in den Ratsbüchern oft in erweiterter Gestalt und sorgfältiger 
Bearbeitung wieder. Ihre Fassung ist eine klarere, durch viel¬ 
fache materielle Ergänzungen wird der innere Zusammen¬ 
hang dem Verständnis näher gerückt. Oft sind die Erweite¬ 
rungen so wesentlich, dass der ursprüngliche Ratsverlass nur 
noch als innerster Kern zu erkennen ist. Man fing eben an, ein 
besonderes Gewicht auf eine klare und vollständige Darlegung 
der wichtigeren Vorgänge zu legen. Der Schreiber erhielt für 
seine Darstellung das ganze Aktenmaterial zur Verfügung ge¬ 
stellt und hat sich seiner Aufgabe oft in der ausgiebigsten Weise 
erledigt. 

Dies gilt sowohl von der Darlegung wichtigerer innerer 
Vorkommnisse, als auch, und zwar in hervorragender Weise, 
der Beziehungen nach aussen, welche die ganze Leiter der ein¬ 
fachsten Verhältnisse, freischlicher Irrungen und Verwicklungen 
bis hinauf zu den wichtigsten politischen Verhandlungen um¬ 
fassten. Oft sind die einzelnen Stadien der Verhandlungen auf 
das sorgfältigste auseinandergehalten, es wird berichtet, was die 
Bevollmächtigten des Rats vorgetragen, was ihnen erwidert 
worden und in welcher Weise sich dann der Rat entschieden. 
Die Antworten des Rats finden sich zuweilen bis in die kleinsten 
Einzelheiten wiedergegeben, auch Instruktionen, Extrakte aus 
den Berichten der Gesandten, Briefe, Ratschläge und Bedenken 
der Rechtsgelehrten, Rezesse und anderes. 

Es wird zweckmässig sein, das Gesagte durch einige Bei¬ 
spiele näher zu erläutern. 

Bei dem grossen Sterben in Nürnberg im Jahre 1519 be¬ 
schloss der Rat eine Ordnung und liess sie gedruckt den Haupt¬ 
leuten sämtlicher Viertel zur weiteren Eröffnung an die ihnen 
unterstellten Bürger zugehen. Im Juli 1520 wurde sie abge¬ 
ändert und nochmals gedruckt. Das Ratsbuch führt diese Ord¬ 
nungen in ihren einzelnen Punkten wörtlich auf und verzeichnet 
auch jene Beamten, die während der Pestzeit in den Jahren 
1520 und 1521 die Stadt nicht verlassen durften; im Manual 
stehen zwar die Beschlüsse, welche jene Anordnungen vorsehen, 
es fehlen aber jene letzteren sowie die Namen der Beamten. 

Im Jahre 1522 enthält das Ratsbuch eine für die Zeit des 
Reichstags zu beobachtende Polizeiordnung, im gleichzeitigen 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsinanuale. 


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Manual ist sie nicht zu finden. Da damals der Geldwert merk¬ 
lich gestiegen war und sich bei der Entrichtung der Erb-, 
Gatter- und Hauszinse, sowie bei Kontrakten, Käufen und Hand¬ 
lungen allerlei Ungleichheit ergeben hatte, so führte er auch 
hier bezüglich der Wertverhältnisse eine feste Satzung ein, die 
am 4. Juni 1524 am Gericht, unterm Rathaus und am Stock 
verkündigt wurde. Sie sowohl, als auch die dem Ungelter be¬ 
hufs Erhebung des Ungelts erteilte Instruktion steht im Rats¬ 
buch, während man sie im Ratsmanual vergeblich sucht. 

Als 1524 nürnbergische Untertanen auf dem Lande Ver¬ 
sammlungen abhielten, um wegen Abschaffung der Zehnten, 
Renten, Zinse und Gülten, die sie von altersher von ihren 
Gütern gereicht hatten, unter Berufung auf das Evangelium 
Beschluss zu fassen, erliess der Rat dagegen eine eindringliche 
Warnung, die, in etlichen hundert Exemplaren gedruckt, sich 
an die ländliche Bevölkerung richtete. Der Wortlaut dieses 
Dekrets ist wohl aus dem Ratsbuch, nicht aber auch aus dem 
Ratsmanual zu entnehmen. 

Am Mittwoch nach Bonifazii, den 8. Juni desselben Jahres, 
richtete der Rat in voller Sitzung angesichts der in der Stadt 
hervorgetretenen Wühlereien, welche mit der Bauernbewegung 
im innigsten Zusammenhänge standen, an die Genannten des 
grösseren Rats durch den Mund des vordersten Losungers, des 
höchsten Beamten der Stadt, eine längere Ansprache, welche 
die Anschauungen und Massnahmen der Nürnberger Regierung 
zur Beschwichtigung der Erregung kundgibt und den Genannten 
ans Herz legt. 

Gegenüber den beschwerlichen Reden und Beschuldigungen, 
den Schmähzetteln und Schriften, welche heimlich in den 
Kirchen, an öffentlichen Plätzen und anderen Orten durch An¬ 
hänger der Bauern in der Stadt angeschlagen worden waren, 
weist der Rat darauf hin, wie väterlich, getreulich und gut¬ 
willig er sich bisher gegen gemeine Bürgerschaft, reich wie arm, 
erzeigt, dass er auch Leib und Gut nicht gespart, sie zum besten 
und soviel immer möglich gewesen, zu schirmen, schützen und 
zu handhaben, auch bei Recht und Billigkeit zu erhalten, wie er 
auch noch keines andern gesinnt, sondern der getreuen Mei¬ 
nung sei, ohne Rücksicht auf sein Leben und Gut bei ihnen allen 
das Beste zu tun. Wie unbillig es sei, dass sich diese Schreier 

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52 Dr. E. Mummenhoff. 

wider ihre bürgerliche Verpflichtung und Verwandtnis zu der¬ 
gleichen ungeschickten Handlungen fortreissen Hessen, das könnten 
die Genannten selbst unschwer einsehen. Denn das sei ja offen¬ 
bar und uinvidersprechlich, dass der gemeine Mann in dieser 
Stadt nicht minder ehrlich und nützlich sitze als in irgend einem 
Orte im Reich. Es sei auch die gewöhnliche bürgerliche Auf¬ 
lage, die ein jeder zur Erhaltung dieser ehrbaren Stadt und 
Polizei nicht unbillig trage, für keine sonderliche, hohe Be¬ 
schwerung und gegenüber den grossen täglichen Bürden und 
Auflagen, womit die Bürger, Untertanen und Gemeinen anderer 
Orte in vielerlei Weg beschwe r t seien, für gering zu achten. 
Dazu werde auch der gemeine Mann, wie sie wohl wüssten, zu 
Teuerungszeiten mit gutem Proviant und anderer Notdurft jedes¬ 
mal gar reichlich versehen, desgleichen der armen unvermög- 
lichen Bürgerschaft, die vielleicht dieses Geschreis und unge¬ 
schickten Vornehmens die hauptsächlichen Urheber seien, mit 
dem Spital, dem grossen neuaufgerichteten, dem reichen und 
anderen Almosen also geholfen und gehandreicht, dass sich je 
keiner eines Rats Bürger oder Verwandter einiger unerträglichen 
Bürden füglich zu beschweren, sondern vielmehr Ursach hätte, 
sich von einem Rat als seiner Obrigkeit, die es so treu, väter¬ 
lich und gut meine, aller Guttat zu berühmen. 

Da nun ein Rat zu ihnen, den Genannten, als seinen ge¬ 
horsamen und statthaften Bürgern, mit deren Hülfe er auch Haus 
halten müsse, sich aller bürgerlichen Treue und Wohltaten un¬ 
zweifelhaft versehe, so habe er sie in guter Meinung und aus 
Notdurft beschicken und dieses, wie gemeldet, anzeigen wollen. 
Und sei eines Rats freundlich und gütlich Ersuchen, wo sie der¬ 
gleichen unfügliche Reden und Unschicklichkeiten vernehmen 
oder sonst gewahren würden, dass eine oder mehrere Schriften, 
einein Rat und dieser Stadt Regierung zuwider, angeschlagen 
würden, dieselben ungeschickten Leute davon soviel möglich 
abzuweisen, einen Rat darin mit Wahrheit zu verantworten, die 
Schriften womöglich zu ihren Händen zu bringen und, wo sie 
etwas Beschwerliches erfahren sollten, das zu Aufruhr, Empö¬ 
rung und Widerwärtigkeit dienen oder sich wider einen Rat ziehen 
[richten] würde, solches, wie sie denn schon ohnedies aus ihrer 
Verwandtnis pflichtig wären, einem Bürgermeister oder andern 
Ratspersonen, dazu ein jeder Vertrauen trüge, förderlich zu 


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Die Nürnberger Katsbücher und Ruismanuale. 


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wissen zu tun und neben einem Rat das Beste und Getreuliehste 
bedenken zu helfen, das zur Wohlfahrt, Ehre und zum Gedeihen 
gemeiner Stadt gereichen möge. Das wolle sich ein Rat zu 
ihnen als getreuen Bürgern versehen und um sie alle und 
einen jeden insonders bedenken. 

Ausser dieser Eröffnung an die Genannten, die wir, um zu 
zeigen, mit welcher Ausführlichkeit und Genauigkeit das Rats¬ 
buch zuweilen wichtigere Geschehnisse festhiilt, weitläufiger mit¬ 
geteilt haben und die auch wegen des höchst vorsichtigen und 
diplomatischen Vorgehens des Rats unser Interesse in hohem 
Masse beansprucht, erliess er zur selben Zeit auch eine Instruk¬ 
tion an sämtliche Viertelmeister, welchen er auftrug, sich in 
gleichem Sinne mit den Hauptleuten ins Benehmen zu setzen. 
Diese Instruktion war zur Erleichterung des Geschäftsganges 
gedruckt worden. Ein besonderer Absatz bestimmte, die Haupt¬ 
leute sollten den Viertel meistern förderlich [tunlichst bald] ver¬ 
zeichnet geben, wie viel taugliche Bürger ein jeder, wenn es 
not tue, aufzubringen vermöge, die ungerechnet, die reiten 
könnten, und diejenigen, welche ein Rat unter den Rottmeistern 
mustere, sowie auch abgesehen von den Amtleuten. 

Ferner wurden noch besondere Herrn vom Rat verordnet, 
die mit etlichen Amtleuten und den geschwornen Meistern aller 
Handwerke zu verhandeln hatten. Ihre Instruktion steht nicht 
im Ratsbuch, sie war schon in der Kriegsstube verzeichnet und 
wird sich bis auf jene Abweichungen, die durch die verschiedene 
Bestimmung bedingt waren, kaum wesentlich von den vorge¬ 
nannten Schriftstücken unterschieden haben. 

Am folgenden Tage fand dann eine feierliche Berufung 
oder Verkündigung vom Rathaus herab bei ausgesteckten Fahnen 
an die gesamte Bevölkerung statt. Es wird darin zunächst 
jener Wühlereien gedacht, die im engsten Anschluss an die 
Bauernbewegung durch aufrührerische Reden, Schmähzettel und 
Schriften die Empörung in der Stadt selbst zum Ausbruch 
bringen sollten. Dann aber wendet sich der Aufruf an die 
Bürgerschaft , die Amtleute und Schutzverwandten, ihnen bei 
Eid und Pflicht gebietend, sich dergleichen widerwärtiger 
Reden und Handlungen bei ernstlichen Strafen an Leib und 
Leben völlig zu enthalten und andere dazu in keiner Weise zu 
bewegen. Wenn aber jemand einem Bürgermeister oder einer 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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anderen Ratsperson solche, die dergleichen ungeschickte Reden 
bisher geführt oder irgend etwas anderes, das zu Aufruhr, Wider¬ 
wärtigkeit und Empörung Anlass geben könnte, oder jene, die 
von den bösen Schriften und Zetteln einen oder mehrere ver¬ 
fasst, geschrieben oder gar angeschlagen hätten oder es in Zu¬ 
kunft tun sollten, mit Grund anzeigen würde, so solle ihm von 
jeder schuldigen Person 50 fl. rh. zur Verehrung gegeben und 
das unter Zusicherung der Geheimhaltung der Namen der An¬ 
geber. Und selbst im Fall diese an den aufrührerischen Reden 
und Handlungen in irgend einer Weise beteiligt gewesen, sollen 
sie ausser Sorge gelassen und gesichert sein, also dass sie sich 
deshalb keines Argen bei einem Rat zu versehen hätten. 

Man sieht, der Rat griff hier sogar zu keineswegs unbe¬ 
denklichen Mitteln, um der Rädelsführer und ihrer Helfer hab¬ 
haft zu werden. 

Im April 1525, als der Bauernaufruhr in anderer Herren 
Länder in hellen Flammen aufschlug, blieb das Gebiet der 
Reichsstadt von irgendwie beinerkensw r erten Ausbrüchen ver¬ 
schont, wenn auch das böse Beispiel, das den Untertanen von 
w’eit und breit in die Augen stach, nicht verfehlen konnte, Un¬ 
ruhe und Aufregung auch in der nürnbergischen Landschaft 
wachzurufen. Wiederum sah sich der Rat veranlasst, an die 
Ergebenheit und den guten Willen der Genannten zu appellieren, 
an alle Untertanen und Armenleute auf dem Lande „Verkün¬ 
digung, Gebot und Warnung“ zu erlassen und den Viertel¬ 
meistern und Hauptleuten Instruktionen zu erteilen. Wegen 
der Zehntreichungen Hess er eine Satzung ausarbeiten und in 
Druck ausgehen, erliess ferner eine Ordnung, die gleichfalls, 
damit sie lautmär und offenbar werde, durch den Druck ver¬ 
vielfältigt wurde, wodurch die Ablöslichkeit der Erbzinse und 
Weisaten von Eigengütern und Gatterschaften in der Stadt fest¬ 
gesetzt wurde. Bei dieser Gelegenheit bestimmte er auch neben 
der Höhe der Ablösungssummen das Wertverhältnis von rhei¬ 
nischen Gulden, Stadtwährungsgulden und Pfunden und ver¬ 
fügte die Abführung des Ungelts zur Hälfte in Münze und zur 
Hälfte in Gold statt der früheren Zahlung in Geld allein. 1 ) In 

l ) Die Abtragung anderer Verbindlichkeiten, wie z. B. der Boden¬ 
zinse, halb in Gold, halb in Münze, war schon vorher gebräuchlich. 
Die Pflichtigen beanspruchten sogar die Ableistung ausschliesslich in 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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dieser Ordnung wurde auch die Abschaffung des grossen Markt¬ 
geldes, die Beseitigung der sog. pfarrlichen Rechte, d. h. jener 
Abgaben, die für Spendung der Sakramente und andere geist¬ 
liche Verrichtungen geleistet werden mussten, sowie die Be¬ 
freiung eines Kapitals bis zu 100 fl. von der Losungsanlage 
verfügt. Diese Anordnungen verfolgten in erster Linie den 
Zweck, auf den gemeinen Mann zu wirken, ihn zufrieden und 
dem Rat geneigt zu machen. Ganz besonders aber galt das be¬ 
züglich der Aussichten, die der Rat für den Fall einer Teue¬ 
rung eröffnete. Dann wollte er die Gemeinde mit dem Vorräte 
des Getreides, den er mit grossen Kosten zu bestellen und zu 
erhalten pflege, versehen, wie er das in Zeiten solcher Teue¬ 
rungen bisher allwegen getreulich getan und den Vorrat allein 
den armen und unvermöglichen Handwerksleuten, so dessen be¬ 
dürftig gewesen, verbacken lassen und um einen Pfennig mit¬ 
geteilt habe, während es doch einen ganz anderen Wert ge¬ 
habt habe. 

Es ist hier nicht der Ort, die Massnahmen des Rats zur 
Beschwichtigung der Unruhen in seinem Hause weiter zu ver¬ 
folgen. Soviel aber geht aus dem Angeführten hervor, dass ein 
reiches Material, das zur Beurteilung der Stellung des Rats zu 
einer bestimmten sozialpolitischen Frage von hervorragender 
Wichtigkeit ist, in den Ratsbüchern aufgespeichert liegt. Wenn 
die Ratsmanuale auf alle diese Anordnungen und Satzungen, 
die bei der Beschlussfassung im Rat Vorlagen, nur ganz kurz 
Bezug nehmen, so ist die Erklärung dafür in dem Umstande zu 
suchen, dass sie eben nur Protokolle enthalten, ja nur die Be¬ 
schlüsse des Rats und nichts weiteres verzeichnen wollen und 
können und ihrer ganzen Natur und Bestimmung nach von der 
Aufnahme sonstigen Materials absehen mussten. Im Ratsbuche 
aber konnte noch so manches andere festgehalten werden und 
der Schreiber hatte dafür nach der Sitzung hinreichend Zeit 
und Müsse. 

Den Beispielen, welche die Art und Weise der Behand- 

Münze, was der Rat indes nicht zuliess, wie folgender Ratserlass beweist: 
„Item den gemainen waidgesten ist abgelaint, ire podenzins für vol mit 
münz und nemlich mit patzen zubezalen, sonder das sie den halben tail 
solchs zins mit gold und den andern halb tail mit genger guter münz 
bezalen. Per hem Jacob Muffet. Sabbato post cinerum.“ 1523 Febr. 21. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


lung wichtiger Ratsvorgänge auf dem Gebiete der inneren Politik 
zum Ausdruck bringen, sei der Vollständigkeit halber auch ein 
solches beigefügt, welches die Beziehungen der Reichsstadt nach 
aussen betrifft. Unter den politischen Verhandlungen mit anderen 
Staaten nehmen jene mit der benachbarten Markgrafschaft Branden¬ 
burg-Ansbach nach Umfang wie Bedeutung den ersten Rang ein. 
Unaufhörlich treten in dem Verhältnis zwischen Fürst und Stadt 
neue Irrungen und Gebrechen ein. Erwähnt sei hier die im Jahre 
1518 durch Markgraf Kasimir heraufbeschworene Differenz, die 
auf ein Haar einen verheerenden Krieg herbeigeführt hätte. Der 
Markgraf hatte die für die Stadt höchst beschwerlicheNeuerung ein¬ 
geführt, von einem jeden Fuder Wein, das durch sein Gebiet ge¬ 
bracht wurde, */* A- Zoll zu erheben. Die Stadt fühlte sich da¬ 
durch um so mehr beschwert, als einem solchen Vorgehen ein 
Privileg Kaiser Friedrichs III., sowie verschiedene Verträge und 
Sprüche entgegenstanden. Erst im Dezemker 1522 wurde die 
Differenz durch kaiserlichen Spruch zugunsten Nürnbergs bei¬ 
gelegt. Es kann hier nicht die ganze Streithandlung in ihren 
fortschreitenden Phasen dargestellt werden. Schon die am Rande 
verzeichneten Vermerke zeigen zur Genüge, mit welcher Ge¬ 
nauigkeit das Ratsbuch auch über derartige politische Ange¬ 
legenheiten berichtet. 

Auf die durch die Nürnberger Ratsgesandten Lienhard 
Groland und Christoph Tetzel bei Markgraf Kasimir vorgebrachte 
Beschwerde erfolgt des Markgrafen „antwurt des neuen wein- 
zolls halben“. Weiterhin findet sich mitgeteilt die Instruktion 
der an kaiserliche Majestät abzuordnenden Botschaft, „etlicher 
churfürsten und fürsten rathandlung und anbringen, wie sich 
markgraf Casimir'bei ihnen beklagt“, die Erwiderung des Rats 
an die fürstlichen Räte auf die markgräflichen Beschwerdeartikel, 
der Räte Ansuchen um gütliche, unverbundene Handlung. In 
seiner Antwort verlangt dann der Rat einen Stillstand in der 
Weinzollfrage. Sich auf weitere Verhandlungen einzulassen, 
wie der Rat will, sehen sich die Räte ausser stände, worauf 
abermals „der verordneten eines rats widerred und beschwerung“ 
erfolgt. Nürnberg sendet darauf eine Botschaft, mit einer um¬ 
fassenden Instruktion ausgerüstet, die an die Hand gibt, „was 
zu abpringung des beschwerlichen marggrevischen zolls bei der 
Versammlung zu Ulm zu handeln und zu bedenken ungeverlich 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale 


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not sein wirdet“, an den schwäbischen Bund und erlässt später 
noch eine weitere Instruktion der Handlung zu Ulm. 

Als alles nichts hilft, entschliesst sich Nürnberg zu einer 
Besitzstörung. Es fertigt Reisige ab, welche die Zöllner an den 
vier markgräflichen Zollstätten zu Ammerndorf, Bruck, Sack 
und Hohenstadt dahin in Pflicht nehmen sollen, den neuen Zoll, 
so lange die Irrungen nicht vertragen sind, von niemanden, wer 
er auch sei, einzufordern oder einzunehmen. Von dieser wich¬ 
tigen Entscheidung gab der Rat den im Rathaussaale versam¬ 
melten Genannten des grösseren Rates Kenntnis in einer An¬ 
rede, welche wieder der erste Losunger, diesmal Anthoni Tücher, 
an dieselben richtete. Von nun an sind die Aufschlüsse, welche 
das Ratsbuch über den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit 
darbietet, weniger reichlich und eingehend. Eine am 8. August 
1520 zwischen dem Rat und einer königlichen Gesandtschaft ge¬ 
pflogene Verhandlung, bei welcher diese die Eröffnung machte, 
dass der Zoll bis auf weiteres zu ruhen habe, zeigt wiederum 
eine wesentlich erweiterte Fassung. 

So Hessen sich noch eine Menge von Beispielen anführen, 
in denen der Unterschied zwischen den Ratsprotokollen und den 
Ratsbüchern nach dieser Richtung hin auf das deutlichste in die 
Augen springt. Aber nicht immer sind die Einträge in einer 
solchen Ausführlichkeit gehalten, sondern in der Regel nur dann, 
wenn der in Frage kommenden Angelegenheit eine besondere 
Wichtigkeit beigemessen werden musste. 

Erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts nehmen die Einträge 
im Ratsbuch, die übrigens schon in der früheren Zeit eine auf 
die Benützung des Aktenmaterials zurückzuführende Ausführ¬ 
lichkeit zeigen, eine wesentlich erweiterte Gestalt an, dehnen 
sich dann aber bald schon zum Teil zu jenem Umfange aus, 
wie wir ihn in den vorhin mitgeteilten Proben kennen gelernt 
haben. Diese so sorgsame Bearbeitung der Ratsbücher um diese 
Zeit dürfte wohl auf die Initiative des Ratschreibers Lazarus 
Spengler zurüokzuführen sein, dessen weitem Blick eine grössere 
Ausführlichkeit der Ratsbücher gegenüber den knappen Ein¬ 
trägen der Manuale wünschenswert erscheinen mochte. 

Es ist sehr zu bedauern, dass die Ratsprotokolle nur bis 
zum Jahre 1577 in die Ratsbücher in erweiterter Fassung über¬ 
gegangen sind, dann aber, von unbedeutenden formellen Ab- 


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Dr. E. Mummenhoff. 




weichungen abgesehen, ihre ursprüngliche Gestalt auch in den 
Ratsbüchern beibehalten. Seit 1578 unterlässt man es auch, 
die zu übertragenden Verlässe der Uebersichtlichkeit halber 
nach Materien zu ordnen, sondern trägt sie in rein chronologi¬ 
scher Folge ein. 

Alle diese Aenderungen, die einen grossen Rückschritt be¬ 
deuten, erklären sich aus dem Umstande, dass die Führung der 
Ratsbücher um diese Zeit immer mehr in die Hände der Kanzlei¬ 
schreiber geriet. Es geht dies deutlich hervor aus der Ver¬ 
schiedenheit der Handschriften, die beide Serien aufweisen. So 
war 1597 ein Kanzleisubstitut Philipp Dümmler mit der Auf¬ 
gabe der Führung des Ratsbuches betraut. Dümmler war übri¬ 
gens keineswegs ein Muster eines Kanzleischreibers. Alt und 
gebrechlich und dabei unordentlich und liederlich, kam er oft 
tagelang nicht auf die Kanzlei. Der Rat sperrte ihn deshalb 
eine Zeitlang auf einen Turm. Als dann im März 1597 die 
Kanzlisten wieder zu ihrem Dienst bestätigt wurden, Hess sie 
der Rat, wie das häufig vorkam, zum Fleiss ermahnen und ins¬ 
besondere dem Dümmler sagen, „werd er wider in sein voriges 
Unwesen geraten, so werd man ihne eins mit dem andern geben 
und weiln, wie mündlich für und angebracht, die canzlisten sich 
beschweren, das sie neben dem Diimbler in der canzlei seines 
leibsgebrechlichkeit halben sitzen sollen, soll man ihmDümbler hin¬ 
aus in das barbierstiiblein setzen und daselbsten schreiben lassen. “ 

Wegen seines „Unfleisses und heillosen liederlichen Lebens“ 
wurde er aber bald seines Dienstes entlassen. Die Zeit, die ihm 
noch vergönnt wurde, sollte er mit Abschreiben von Gerichts¬ 
und Appellationsakten verbringen, da ihm der Rat die Manuale 
nicht länger mehr anvertrauen wollte. Drei oder vier Manuale 
indes, die er noch ins Ratsbuch zu übertragen hatte, Hess man ihn 
doch noch nachträglich abschreiben, aber mit dem Bedinge, dass 
er diese Arbeit nicht in seiner Behausung, sondern im Barbier¬ 
oder Nebenstüblein verrichte und täglich alles, was er abge¬ 
schrieben, mit den Manualen selbst in der Kanzlei abliefere. 

Auf solche Weise konnte es allerdings kommen, dass die 
Ratsbücher, nicht mehr mit der alten Gewissenhaftigkeit ge¬ 
führt, ihrer ursprünglichen Bestimmung nach und nach entfremdet 
wurden und ihren unterscheidenden Charakter fast völlig ein- 
büssten. Sie näherten sich immer mehr nach Form und Inhalt den 



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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


59 


Ratsmanualen und zwar um so mehr, als die Menge der aufge¬ 
nommenen Ratsverlässe fortwährend anwuchs. In dieser völlig ver¬ 
änderten Gestalt mussten sie endlich ganz überflüssig erscheinen. 

Dass sie aber gerade zu dieser Zeit eingingen, hatte wohl 
noch einen ganz besonderen Grund. Johannes Müllner, dessen 
Name mit der reichsstädtischen Geschichtsschreibung auf das 
unzertrennlichste verbunden ist, war 1599 als Kanzleischreiber 
in den Dienst der Stadt getreten, 1602 zum jüngeren und 1628 
zum älteren Ratschreiber befördert worden. Seine Handschrift 
tritt uns bis zum Jahre 1625, in welchem der Rat den beiden 
Ratschreibern wieder einen dritten beiordnete, in den Manualen 
des Rats und des Aelternkollegiums entgegen, dieselbe Hand, 
die sich auch in dem von ihm geschriebenen Original seiner 
Annalen im kgl. Kreisarchiv Nürnberg wiederfindet. 

Johannes Müllner arbeitete seit seinem Eintritt in den 
Ratsdienst in dessen Auftrag an einem grossen, monumentalen 
Werk zur Nürnberger Geschichte, das er endlich nach fast 
25jähriger Arbeitszeit am 23. Oktober 1623 in die Hände des 
Rats legen konnte. Für dieses bedeutende, 5 mächtige Folianten 
umfassende Werk hatte er die reichen Schätze des reichsstädti¬ 
schen Archivs durchforscht und verwertet. Bei den ausseror¬ 
dentlichen Anforderungen, die ein solches Unternehmen an die 
Arbeitskraft Müllners stellte, traten zeitweilig wohl die amtlichen 
Geschäfte, die seiner harrten, etwas in den Hintergrund, und 
es darf auch wohl angenommen werden, dass auch das Kanzlei¬ 
personal, soweit es dazu verwendbar, ihm bei seinen Arbeiten 
an dem grossen Werke zur Hand zu gehen hatte. Was war da 
natürlicher, als solche Amtsarbeiten, die ihrer Bestimmung nicht 
mehr entsprachen, die sich völlig überlebt hatten, tunlichst ein¬ 
zuschränken, ja, wenn möglich, völlig eingehen zu lassen. Ganz 
überflüssig aber war die Uebertragung der Ratsprotokolle in ein 
besonderes Ratsbuch geworden. Es wurde damit nichts Neues, 
nichts Brauchbares mehr geschaffen, dasselbe leisteten auch die 
Ratsmanuale. Und so sah man denn zu des Ratschreibers Jo¬ 
hannes Müllners Zeiten von der Weiterführung des Ratsbuches 
ab. Der letzte Band — der 81. in der Reihe 1 ) — schliesst 


') Reohnet man noch die beiden ältesten Ratsbücher und das Rats¬ 
buch von 1441 — 1461 hinzu, so ergibt sich die Zahl 83. 


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Dr. E. Mummenhoö. 


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mit dem 16. Dezember 1619 mitten im Geschäftsjahre, das erst 
am 15. April 1620 geendigt hätte, ab. Die Ratsbücher gingen 
ohne allen Sang und Klang ein, keine Ratsverfügung ordnet ihr 
Eingehen an und auch im Ratsbuch selbst findet sich keine 
darauf bezügliche Bemerkung. 

5. Die Manuale der Herren Aeltern nnd des Ratsauschusses. 

Neben den Ratsbüchern und Ratsmanualen bestehen noch 
weitere Aufzeichnungen von Ratskollegien, die hier besprochen 
werden müssen. Zu bedauern ist, dass sie erheblich späteren 
Ursprungs sind, als die schon behandelten. 

An erster Stelle gilt dies von den Manualen der Herren 
Aeltern und des Ratsausschusses, die, mit dem Jahre 1543 be¬ 
ginnend, bis zum Jahre 1807 fortgeführt worden sind. Die Ver¬ 
lässe der älteren Herren sind vor 1543, wenn auch in ganz 
seltenen Fällen, in den Ratsmanualen verzeichnet und aus den¬ 
selben Gründen, welche bei der Uebertragung der Ratsprotokolle 
in die Ratsbücher massgebend waren, zum Teil in diese über¬ 
gegangen. Irgendwelche besondere Aufzeichnungen von Aeltern- 
und Ratsausschuss Verlässen vor dem Jahre 1543 sind weder er¬ 
halten, noch ist meines Wissens von ihnen die Rede. Und doch 
muss angenommen werden, dass auch das Kollegium der Aelteren 
Herrn und der Ratsausschuss über ihre Verhandlungen Buch 
geführt haben. Denn es ist in der Tat nicht abzusehen, in 
welcher Weise sonst ein so hervorragendes Kollegium wie das 
der Herrn Aelteren, dem vornehmlich das Ressort der äusseren 
Angelegenheiten unterstand, seine Geschäfte zu einem gedeih¬ 
lichen Ende hätte führen sollen. Und wäre es da möglich ge¬ 
wesen, bei den Beratungen über die äussere Politik, die eine 
unausgesetzte und verwickelte Korrespondenz hervorrief, einen 
sicheren Untergrund zu gewinnen, auf dem man fussen konnte! 
Wie wäre hier wie in wichtigen Fragen des inneren Staats¬ 
lebens die doch so notwendige Kontrolle zu erreichen gewesen! 
Die getroffenen Verfügungen, die den Deputierten und Betei¬ 
ligten mitzuteilen waren, erheischten unbedingt zum wenigsten 
kurze Vermerke. In welcher Weise diese letzteren abgefasst 
waren, entzieht sich völlig unserer Kenntnis. 

Wenn schon um die Mitte des 15. Jahrhunderts die älteren 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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Herrn wöchentlich zu einer Sitzung berufen werden sollten, 1 ) 
eine Verordnung, die im Anfang des 16. Jahrhunderts wieder¬ 
holt 2 ) wurde, so muss man doch wohl annehmen, dass schon um 
diese Zeit sich das Bedürfnis zur protokollarischen Aufzeichnung 
der Verhandlungen ergab. 

Vor 1543 sind die Aufzeichnungen über die Beratungen 
der älteren Herrn nicht durch den Ratschreiber, sondern durch 
einen Herrn des Kollegiums selbst besorgt worden. In dem ge¬ 
nannten Jahre aber wurde der jüngere Ratschreiber auch zu 
ihren Sitzungen als Protokollführer herangezogen. Gleich der 
erste Eintrag der Aelternmanuale gibt darüber den erwünschten 
Aufschluss: 

„Auf donnerstag den andern augusti hat Herr Paulus 
Gruntherr, damals elterer burgermeister, mir Ulrichen Vennden- 
heymer als jüngerm ratschreiber angesagt, das der eitern hern 
bevelch sei, wan füran an sie die eitern herrn brieve kommen, 
darauf zu antwurten von nöten, das ich dann bei Verlesung der¬ 
selben auch pleiben und was bei inen den eitern herrn widder 
zu schreiben verlassen, dasselbig in ein sonders manual verzeich¬ 
nen und einschreiben und darüber auch ein ordenlich register¬ 
lein machen und halten sollt. 3 ) 

Dem ist nun also volg geschehen, wie hernach zu sehen.“ 

Es könnte den Anschein gewinnen, als ob von nun an der 

') Es sullen alle burgermeister bei iren eiden gopunden sein, das 
sie alle wochen ein tag Sechsen oder siben herauf auf das hause, oder 
wohin sie gut dunket, zosamen pieten bei dem rechten, das sie zwu or ob 
der statt notturft sitzen. Were aber, das man soliche notlich Sache zu 
schaffen hett, das auf denselben tag rat were, so sollen sie dennoch sechsen 
oder siben zesamen pieten ein or, ee man anhobt rate ze leuton alles on- 
geverlioh. — Ratsordnung D 2061 im kgl. Kreisarchiv Nürnberg mit der 
Jahreszahl 1450, von später Hand auf den Umschlag geschrieben. Die 
Schrift des Manuskripts gehört etwa dem Anfang des 16. Jahrhunderts an. 
Inhaltlich mag es bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgehen, eine 
Annahme, die dadurch bestärkt wird, dass ein Nachtrag von einer Hand 
des 16. Jahrhunderts die Jahreszahl 1469 trägt. 

*) Item das ein jeder burgermeister alle wochen auf einen tag die 
eitern haben und desselben tags den rat feiern lassen soll. Und damit 
ein jeder dester geflissener und williger sei, den rat zu besuchen, sind die 
ratszeichen erhöhet auf vier Schilling in gold und soll auf nächsten mon- 
tag also angeen. 

Actum quinta post assumptionis 1514 [Aug. 17]. Ratsbuch 10, Bl. 151. 

’) Das angekündigte „Registerlein“ fehlt leider beim 1. Bande. 


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jüngere Ratschreiber stets den Sitzungen der älteren Herrn als 
Protokollführer beigewohnt hätte. In der Regel allerdings, aber 
nicht immer. In manchen Sitzungen sah man davon ab, den 
Ratschreiber beizuziehen, der zuweilen wohl auch am Erscheinen 
verhindert war. Am Schluss eines Aelternverlasses vom 9. Januar 
1696, wodurch Karl Benedikt Nützel gegen seinen Wunsch eine 
Reise zum Markgrafen nach Bayreuth anbefohlen wird, steht 
die Bemerkung: „Dieser Verlass ist in Ab wesen der Ratschreiber 
und also von des itzigen älteren Herrn Bürgermeisters Herrlich¬ 
keit in die Feder diktiert worden.“ Ein anderesmal heisst es 
bei einem Aelternbeschluss in der Rieterschen Resignationsan¬ 
gelegenheit: „Notandum. Dieser Verlass ist bei den in der 
Losungstube versammelten Herrn Eltern Herrlichkeiten vom 
Losungsamtmann S. E. Holzschuher verfasst und hereinzutragen 
übergeben worden.“ Man sieht zugleich daraus, dass die Sitzungen 
der ältern Herrn nicht immer in der Ratsstube, sondern auch 
in der Losungstube stattfanden. Oder es heisst auch um diese 
Zeit: „Dieser Verlass ist also von Herrn Joh. Friedr. Löffelholz 
angezeigt und hereinzutragen befohlen worden“ oder es hat ihn 
im Namen der Herrn Aeltern Herrlichkeiten E. S. Kress also 
angezeigt und ähnlich. Wenn der Losungsamtmann bei der 
Verhandlung zugegen war, konnte man von der Heranziehung 
des Ratsschreibers als Protokollführer sehr wohl absehen. Dass 
ein solches Verfahren in der Tat auch statthatte, geht aus einem 
Aelternverlass vom 12. Juli 1667, der die Besetzung der Rat¬ 
schreiberstelle und der erledigten Aemter in der Kanzlei zum 
Gegenstände hat, hervor. Am Schlosse steht nämlich die Be¬ 
merkung: „Dieser Verlass ist vom Losungsambtmann Oelhafens 
Hand gefertigt, Samstags den 13. Juli bei gesambten Rat bei¬ 
wesend der Herrn Losunger und Aeltern Wohledlen Herrlichkeit 
nach des Ratsschreibers und dessen, so die andere Stell ver¬ 
treten, Austreten von gedachtem Oelhafen abgelesen und nach 
aufgestandenem Rat von beder Kanzleiherrn Woledlen Herrlich¬ 
keit und Gestrengen noch selben Vormittag publiziert und in 
der Herrn Aeltern Manual also einzutragen befohlen worden.“ 
Dass die ältern Herrn oft genug allein sassen und dann das 
Protokoll dem Ratschreiber — es konnte auch der ältere sein — 
zur Eintragung in das Aelternmanual übergaben, geht aus einem 
Aelternverlass vom 27. Mai 1667 über die Verwendung des 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuaie. 


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Safranstübleins auf der Herrntrinkstube für die Handelsleute 
deutlich hervor. Zum Schluss heisst es da in einer besonderen 
Bemerkung: 

„Notandum. Dieser Verlass ist zwar unter obigem Dato, 
als der Herrn Aeltern Herrlichkeiten allein gesessen, also er¬ 
gangen, aber mir dem ältern Ratschreiber erst Mittwoch den 
24. Julii diesem Manual einzuverleiben und in beede Aerater — 
welches geschehen — Abschrift zu schicken befohlen worden.“ 
Die beiden Aemter waren das Zinsmeisteramt und Bauamt. 

Nach dem vorhin mitgeteilten ersten Eintrag des ältesten 
Manuals der älteren Herrn sollten darin nur jene Beschlüsse 
festgehalten werden, welche sich als das Ergebnis der Beratung 
der äusseren Angelegenheiten darstellten. Indes nur für die 
erste Zeit umfassen sie ausschliesslich die durch die Beziehungen 
nach aussen bedingten Beschlüsse. Bald schon kommen auch 
solche in beträchtlicher Anzahl hinzu, welche auf reine innere 
Angelegenheiten Bezug haben. 

Der Aufschrift: „Manual bei den herrn eitern und dem 
ausschuss“ entsprechend sind auch die Beschlüsse des letzteren 
verzeichnet. 

Das älteste Aelternmanual lässt zunächst ersehen, dass die 
alte Verfügung, wonach die ältern Herrn einmal in der Woche 
sitzen sollten, keineswegs eingehalten wurde. Anfangs fanden 
nach Ausweis dieses Manuals monatelang keine Sitzungen statt, 
zuweilen wurden sie auch wieder in kurzen Zwischenräumen, 
ja sogar an aufeinanderfolgenden Tagen abgehalten. Auch die 
Zahl der zur Verhandlung kommenden Gegenstände war eine 
äusserst geringe, ging meistens über einen einzigen nicht hin¬ 
aus. Man hielt eben jetzt wie später die Sitzungen ganz nach 
Bedürfnis ab. In der späteren Zeit schwoll der Stoff allerdings 
an und es fanden Sitzungen an mehreren Wochentagen statt, 
es traten aber auch da wieder Pausen ein, die über die Dauer 
einer Woche hinausgingen. 

Es würde ein schwieriges, kaum durchführbares Unter¬ 
nehmen sein, wollte man etwa ein eng umgrenztes Kompetenz¬ 
gebiet für die Verhandlungen des geheimen Rats oder der 
älteren Herrn, des Ratsausschusses und des kleineren Rats nach 
Materien festsetzen. Eine solche Abgrenzung des Stoffes zur 
Beratung durch die einzelnen Ratskörper fand nicht statt. 


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Soviel aber lässt sich wohl mit Sicherheit sagen, dass in 
die Zuständigkeit des geheimen Rats zunächst alle jene Ange¬ 
legenheiten fielen, die ihm schon durch den äusseren Geschäfts¬ 
gang zugewiesen wurden, die Behandlung aller an ihn gerich¬ 
teten Briefschaften, Anträge, Bittschriften u. a. Nach der In¬ 
struktion für den jüngeren Bürgermeister vom 17. April 1638 *) 
stand es diesem zu, die an den Rat gerichteten Schreiben zu 
eröffnen und zu lesen, um dem älteren Bürgermeister Bericht 
zu erstatten. Die an die Herrn Aeltern gerichteten Schreiben 
sollen, wie es die Instruktion vorschreibt, „von einem jungen 
Bürgermeister nicht eröffnet, noch erbrochen werden, soll 
sie auch nicht lesen, weil es geheime Brief seind, sondern 
sollen gleich alsbalden, es sei Tag oder Nacht, dem eitern Herrn 
Bürgermeister zugeschickt werden.“ Ohne Zweifel deshalb, um 
dem Rate der ältern Herrn vorgelegt zu werden. 

Sonst blieb dem geheimen Rat aber auch noch die Vorbe¬ 
ratung wichtigerer Angelegenheiten Vorbehalten, jener politi¬ 
schen Materien zumal, die sich besonders verwickelt, schwierig 
und bedenklich anliessen, die einen hohen Grad von Vorsicht, 
Diskretion und Reserve erheischten. Scheurl sagt in dem be¬ 
kannten Brief an Johann Staupitz von den älteren Herren: 
„Durch sie werden alle gehaimnuss gehandelt und alle schwere 
feil zuvor beratschlagt, ehe das mans an die andern ratherrn 
gelangen last, also das die höchste macht allein pei inen ist und 
die andern in Vergleichung dieser gar wenig wissen oder 
können.“ 

Scheurl zeigt sich hier sehr wohl unterrichtet. Die Praxis, 
wie sie sich aus den Aelternmanualen ergibt, entspricht durch¬ 
aus seiner Darlegung und wurde auch später befolgt. Zu An¬ 
fang des Jahres 1641 hatten es jüngere Herrn des Rats, um 
ein Beispiel anzuführen, ungleich aufgenommen, dass die ältern 
Herrn die von General Baner und Generalmajor von Taupadel 
eingelaufenen Schreiben nicht bei ganzem Rat vorgelegt, son¬ 
dern in guter Geheim gehalten und an sich gezogen, sodass es 
das Ansehen gewinnen wolle, als habe man sich mit der schwe¬ 
dischen und konförderierten Partei zu tief eingelassen. Infolge- 

*) „Instruktion, darnach die jungon Bürgermeister bei Andrettung 
und in ihrem wehrendem Burgermeisterambt sich reguliren und richten 
sollen.“ Kgl. Kreisarohiv Nürnberg. 


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Die Nürnberger Ratebücher und Ratsmanuale. 


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dessen sahen sich die Aelternherrn veranlasst, nicht allein jene 
Schreiben, sondern auch die deshalb von den Konsulenten er¬ 
teilten Gutachten und die darauf ergangenen Verlässe vorzu¬ 
legen, woraus abzunehmen, dass nichts Unverantwortliches 
zur Zeit sich zugetragen. Weiter aber Hessen sie bei Rat be- 
schliessen, diese Sachen auch ferner in bester Geheim und Ver¬ 
schwiegenheit zu halten, wozu die Herrn des Rats sich durch 
Handschlag verpflichten mussten. Dann solle untersucht wer¬ 
den, wer im besondern sich in dieser Weise habe vernehmen 
lassen und er, falls er es nicht wisse, dahin belehrt werden, wie 
es bei dieser Respublica mit Austeilung eines ehrbaren Rats 
mehr denn seit einhundert Jahren her bewandt und dass jedes¬ 
mal die geheimen Sachen, wie diese, von der Herrn Aeltern 
Herrlichkeiten anfänglich allein deliberiert worden, dabei es 
annoch billig in allweg verbleibe, und werde jeder seinen ge¬ 
leisteten Eid in acht haben und in ihre Herrlichkeiten kein 
Misstrauen setzen. Trug aber der geheime Rat irgendwie Be¬ 
denken, die Verantwortlichkeit für eine Entscheidung in irgend 
einer Angelegenheit allein zu übernehmen, so war er immer in 
der Lage, sich durch Zuziehung der übrigen 6 alten Bürger¬ 
meister und der 4 ersten alten Genannten zum Ratsausschuss zu 
erweitern. Beide Körperschaften standen in den nahesten Be¬ 
ziehungen zueinander, was schon aus der ganzen Zusammen¬ 
setzung hervorgeht und in dem weiteren Umstande seinen Aus¬ 
druck findet, dass sie sich ein- und desselben Manuals für ihre 
Beschlüsse bedienten. Der Ratsausschuss trat aber nur zu¬ 
sammen, wenn die altern Herrn es für notwendig erachteten, 
ihn mit Geschäften in Anspruch zu nehmen. Diese konnten 
dann allerdings von hervorragender Bedeutung sein, wie das 
Miillner bezeugt: „bei denen werden die wichtigsten Sachen 
tractirt, in denen sie entweder selbst schliessen oder dieselben für- 
ter an den kleinen Rat bringen“. 

Nach dem Jahre 1604 bringen die Manuale der Herrn 
Aeltern und des Ausschusses auch im vollen Rat gefasste Be¬ 
schlüsse. Es sind dies solche, die man durch Eintragung in 
das Aelternmanual den Augen der Kanzlisten und Schreiber und 
damit der Oeffentlichkeit entziehen wollte. 

Um ein Wesentliches wurde dann im Jahre 1628 der Um¬ 
fang der in das Aelternmanual einzutragenden Ratsbeschlüsse 

ArchivaliBube Zoitnobrift. Neue Folge. XVII. 5 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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erweitert. Der Grund dieser Massnahme ergab sich aus dem 
Missbrauch, der mit dem Ratsmanual getrieben wurde. Es wurde 
eben alles und jedes und natürlich am meisten und liebsten, 
was als Amtsgeheimnis hätte gehütet werden sollen, weil es in 
den Manualen von so manchen gelesen werden konnte, an die 
Oeffentlichkeit gebracht. Ein Ratsverlass vom 7. April 1628 
sucht den fortwährenden Verletzungen des Ratsgeheimnisses ein 
Ende zu machen: 

„Demnach Erinnerung geschehen, das in ettlichen fürnemen 
Sachen nicht allein, was bei Rat fürgehet und geschlossen wirdt, 
sondern auch der Herrn Konsulenten Namen etwan eher, dan 
sich gebürt, auskommen, als ist befohlen, alle Ratsverläss, so die 
Ratspersonen und derselben Zugetane betreffen, in der Herren 
Eltern Manual einzutragen und dasselbe jeder Zeit in guter Ver¬ 
wahrung zu haben“. 

Durch diesen Verlass wurden die auf die Personalsachen 
des Rats und der Beamten bezüglichen Beschlüsse dem Aeltern- 
manual zugewiesen. 

Eine Zuteilung von Beratungsgegenständen, die bis dahin 
zur Kompetenz des Rats gehört hatten, an das Aelternkollegium 
oder den Ratsausschuss erfolgte im Jahre 1631 und wurde 
ebenso, wie im eben erwähnten Falle, durch das fortwährende 
Bekanntwerden der Ratsverhandlungen bis in die weitesten 
Kreise hervorgerufen. Der Aelternverlass vom 23. Juni 1631, 
der diese notwendige Massregel anordnet, hat folgenden Wortlaut: 

„Herrn D. Fetzers an Herrn Philipp Jakob Tuchers Hl. ab¬ 
gegebenes Schreiben, darinnen er unter andern berichtet, das 
der Kompositionstag uff den 4. Augusti nechstkunftig ausge¬ 
schrieben, dass sogar alle Vota aus der Ratstuben verkund- 
schaftet und ihme die Personen sogar benennet worden, dass 
er auch bei kaiserlicher Majestät gnädigste Audienz gehabt und 
sich dieselbe erbotten, eine solche Resolution zu erteilen, die an 
ihr selbsten recht und meinen Herren annemlich sein solle, soll 
man beruhen lassen und zu Herrn D. Fetzers Widerkunft Be¬ 
richt erinnern, durch wene die Vota und andere Geheimnussen 
aus der Ratstuben so entdeckt werden, inzwischen aber und bei 
solcher Beschaffenheit soll man ingedenk sein, hinfüro wichtige 
und geheime Sachen nicht alsobalden bei Rat, sondern zuvor¬ 
derst bei den Herren Eltern oder beim Ausschuss vorzulegen 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmnnuale. 


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und alles in gebärender Geheim und Verschwiegenheit zu 
halten“. 

Das Kanzleipersonal scheint in bezug auf Amtsverschwie¬ 
genheit sehr unzuverlässig gewesen zu sein. Um der Indiskre¬ 
tion den Boden zu entziehen, verfügte ein Beschluss vom 19. Ok¬ 
tober 1635, der sich an die Deputierten zur Kanzlei wendet, 
folgendes: 

„ Damit aber inskünftig die Ratsverläss in besserer Ge¬ 
heim gehalten werden, als soll der jüngere Ratschreiber die 
manualia und sonderlich der Herren Eltern Manual in guter Ver¬ 
wahrung halten und die Verlass, so in der Herrn Eltern Manual 
getragen werden, durch niemand ausschreiben lassen, sondern 
selbe mit eigner Hand auszeichnen und den deputierten Herren 
zustellen. Dabei soll man auch einen gewiesen aus den Canz- 
listen verpflichten, welcher die Ratschreiber, so derer einer nit 
abkommen künde, vertrette und also die Manualien nicht in 
underschiedliche Hand körnen“. 

Aber nicht bloss das subalterne Personal der Kanzlei ver¬ 
letzte beinahe gewohnheitsmässig das Amtsgeheimnis, auch die 
Herrn des Rats selbst gaben die Verhandlungen der Ratstube 
preis und trugen ihre Geheimnisse auf die Gasse hinaus. 1 ) Be¬ 
weise dafür Hessen sich in Menge beibringen. 

Ein Aelternverlass vom 8. Oktober 1631 lässt uns hier 
Einblicke tun, die geradezu in Erstaunen setzen. Der Verlass 
bemerkt zum Schluss nämlich: 

„Und weilen aus Herrn Tetzeis Relation nicht on Be¬ 
schwerden zu vernemen, dass der königl. schwedische Gesandte 
Bernolf von Crailsheim!) sich zu Bayreuth verlauten [lassen], 
dass verdächtige Leut in der Ratstuben alliier sich befinden, 
deren Brief man intercipiret und mit nechsten derentwegen 
mehrere Bericht erstattet werden solle, ist mäniglich bei seinen 
geschwornen Aids- und Rats-, auch andern Pflichten hiemit er¬ 
innert, im Fall einen oder den andern dergleichen Untreu bekant 
oder davon etwas wissent sein solte, dasselbe bei jetzt ermelten 

*) Der Bruch des Amtsgeheimnisses war jetzt wie später an der 
Tagesordnung. Alle dagegen gerichteten Beschlüsse, so oft sie auch er¬ 
gingen, verfingen nichts. So interessant sie auch zum Teil zur Beurtei- 
teilung des damaligen Geschäftsganges sind, so kann doch hier nicht 
näher darauf eingogangen werden. 

5* 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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seinen Pflichten in Geheimb zu entdecken, damit die Gebür 
darwider in Zeiten vorgenomen und grösser Unheil verhütet 
werden möge . . .“ 

Dann aber ist hier auf einen Vorgang hinzuweisen, der 
sich im Jahre 1646 abspielte. Er zeigt ganz besonders, mit 
welcher Gewissenlosigkeit die Herren des Rats alles und jedes 
hinaustrugen, was in der Ratsstube vorging. Er ist aber auch 
deshalb von besonderem Interesse, weil er uns in die intimsten 
Ratsverhältnisse Einblicke gewährt und das Vorgehen des Rats 
in solchen Angelegenheiten kennzeichnet. 

Es waren damals die Ratsherrn Lukas Friedrich Behaim und 
Endres Georg Baumgartner wegen einer strittigen Bauernhochzeit 
zu Pettensiedel heftig aneinander geraten. Baumgartner hatte Be¬ 
haim in einiger Erhitzung vorgerückt, wie er sich habe vernehmen 
lassen, dass er gewillt sei, ihn und die Seinigen auf alle Weise 
und Wege niederzudrücken, was er um so mehr geschehen lassen 
müsse, als kein Herr des Rates sei, den er, Behaim, noch nicht 
injuriiert habe, was ihm zu beweisen er sich wohl getraue. 
Baumgartner hatte noch hinzugefiigt, wenn ihm keine Rettung 
durch den Rat werde, so müsse er selbst geeignete Mittel zu 
seinem Schutz ergreifen. Darauf hatte Behaim gebeten — die 
ganze Szene spielte sich nämlich im Rat ab —, man möge sich 
seiner annehmen und seiner Person Sicherheit verschaffen. Der 
Rat nahm nun beiden, insbesondere dem Baumgartner, das Hand- 
geltibde ab, sich aller Tätlichkeiten gegeneinander zu enthalten. 
Dem Baumgartner aber wurde noch bedeutet, dass ihm als 
einem jungen Herrn 1 ) nicht gebührt habe, Herrn Behaims Herr¬ 
lichkeit als einem aus dem Stand der Herrn Aeltern in einer 
Sache, worin ihm noch nichts abgesprochen sei, und dazu in 
sitzendem Rat so rauh anzufahren. Er hätte sich vielmehr des 
Respekts, so er gegen der Herrn Aeltern Herrlichkeit zu tragen 
schuldig, erinnern und also sich einer grösseren Moderation 
befleissigt haben sollen. Dieser Exzess sei einem ehrbaren Rat 
um so missfälliger, als es nicht das erstemal sei, dass er seinen 
unzeitigen fervorem von sich spüren lasse und andern Herrn 
des Rats, die ihm auch Vorsitzen, wenn sie nicht jederzeit seiner 
gefassten Meinung beipflichten wollten, mit ziemlich hitziger 

') d h. jüngerem Bürgermeister. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


69 


Unbescheidenheit sich zu widersetzen unterstanden. Wenn 
solches in früherer Zeit geschehen, so wäre es von den in Gott 
ruhenden Vorfahren empfindlich abgestraft worden. Baumgartner 
soll vernommen werden, ob Herr Behaims Herrlichkeit alle Herrn 
des Rats in genere oder jeden in specie injuriiert habe, wie diese 
Injurien gefallen seien und wie ers seinem Erbieten nach be¬ 
weisen könne. 

Damit er aber des Rats Missfallen um so mehr verspüre 
und dergleichen von anderen Herrn des Rats nicht nachgeahmt 
werde, wird ihm anbefohlen, sich des Ratsgangs bis auf seinen 
erstatteten Bericht und bis er durch einen Kanzlisten wieder 
in den Rat erfordert werden möchte, zu enthalten und zu 
Haus zu bleiben. , 

Und nun folgt eine Stelle, welche beweist, mit welcher 
Weitherzigkeit die Herrn des Rats selbst die Vorschrift der 
Amtsverschwiegenheit auffassten. 

„Nachdem hier auch erinnert worden“, heisst es wörtlich 
weiter, „dass bei dem allgemeinen Übeln Zustand dieser Statt 
auch grosse Unordnungen in der Ratstuben einreissen, sonder¬ 
lich in deine, dass die Herrn des Rats stetigs aus- und ein- 
gehen, daraus erfolge, dass alles, was bei Rat vorgehet, noch 
vor Erlassung desselben nicht nur auf dem Sal, sondern sogar 
auf dem Markft] als eine Zeitung herumb getragen, palesirt und 
unserer Herrn Actiones und Decreta allerorten sindiciret werden, 
als ist dem eitern Herrn Burgermaistern aufgetragen, nechst- 
kunftigen Mittwoch die Herrn des Rates bei einer gewiesen 
Straff zu erscheinen erfordern und das Quatemberbüchlein ab¬ 
lesen zu lassen, der Herrn Eltern Herrlichkeiten aber ersucht 
worden, das Stillsitzen und Abwartung des Rats, insonderheit 
aber das Silentium mit allem Eifer und Ernst beweglich zu in- 
culcirn, damit alle bishero verspürte incovenientia dardurch umb 
so viel möglich abgestellt w f erden möchten. 

B. Löffelholz, 

A. Pömer“ 

[Die deputierten Herrn]. 

Die Angelegenheit wurde am 5. November im Ratsausschuss 
weiter beraten. Lukas Friedrich Behaim verlangte der Kürze 
halber mündliche Verhandlung. Endres Georg Baumgartner 
aber brachte ein Memorial ein, in welchem er seinen Exzess- 


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zugab und sich erbot, das, was er zu viel getan, Herrn Behaims 
Herrlichkeit abzubitten, mit dem weiteren Ersuchen, diesmal die 
Gnade der Schärfe vorzuziehen und ihn wieder zum Ratsgang 
kommen zu lassen, weil zu besorgen, dass wenn er sich bis zu 
Austrag der Sache zu Haus halten müsse, diese Sache desto 
weniger verschwiegen bleiben dürfte, zumal er selbst gezwungen 
sein würde, andern den Grund zu eröffnen. Der Ratsausschuss 
beschloss, seiner Bitte zu willfahren und in der Sache, wie vor¬ 
geschlagen, vorzugehen. Es seien deshalb die Herrn Deputierten 
zu ersuchen, die Aussagen des einen wie des andern Teils ohne 
Zuziehung einiger Skribenten selbst ad notam zu nehmen. Dem 
Baumgartner aber sei anzuzeigen, dass der Rat diese Sache 
nicht also könne auf sich ersitzen lassen, sondern es sei ihm 
hoch daran gelegen zu wissen, wie die Injurien, so Behaim aus- 
gestossen haben solle, gefallen seien, auch welchergestalt er die¬ 
selben seinem Erbieten gemäss erweisen und beibringen könne, 
damit auf den Fall Befindens auch ihm gebührlicher Einhalt 
getan werden könne. Und solchen Beweis möge er selbst för¬ 
dern, unterdessen aber der Ratstube sich enthalten, während es 
ihm unbenommen sei, auf das Rathaus und zu anderen Zusam¬ 
menkünften zu kommen. 

Zwei Tage später — am 7. November — berichteten die 
Deputierten B. Löffelholz und A. Römer, dass Lukas Friedrich 
Behaim jetzt schriftliche Verhandlung begehre und zwar sollten 
die Schriften pari passu ausgewechselt werden. Weiter habe 
sich Baumgartner auf das höchste beklagt, dass in dieser Sache 
gegen ihn so scharf verfahren, der Prozess ab executione ange¬ 
fangen und ihm der Ratsgang versagt werde, während er sich 
doch keiner Untreue bewusst und er durch eine ihm in sitzen¬ 
dem Rat erteilte mentita lazessiert worden sei. Er sei auch er- 
bötig gewesen und sei es noch, ihm in dem, was vorgegangen, 
Abbitte zu leisten und in allem, was ihm auferlegt werde, zu 
pariern und sich zu submittieren. Er sei auch noch erbötig, 
alles, was er wider Beheim geredet, zu erweisen, auch deswegen 
unter Verpfändung seiner Hab und Güter zu kavieren, und es 
möchte ihn der Rat, falls es nicht geschehen sollte, nach Un¬ 
gnaden strafen, obwohl er wünschen wollte, dass solche Inqui¬ 
sition um des Respekts willen eines und des andern Herrn des 
Rats, welcher hierdurch nicht wenig violiert werden dürfte, unter¬ 
bliebe und alles in Geheim gehalten würde. 


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Die Nürnberger Ratsbücher uml Ratsmanuale. 


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Weil aber der Rat den Grund der Sache zu wissen be¬ 
gehre, solches aber sich eine geraume Zeit hinziehen dürfte in 
Anbetracht des Umstandes, dass die Hälfte der Herrn des Rats 
eidlich vernommen werden müssten, und weil er selbst diese 
ganze Zeit über sich der Ratstube enthalten müsste, was ihm 
und den Seinen zu einem unauslöschlichen Schimpf ausschlagen 
könnte, so wolle er gebeten haben, die Güte der Schärfe vorzu¬ 
ziehen und ihn bei Rat wieder zu admittieren. Dazu gab Lukas 
Friedrich Behaim die Erklärung ab, wie er niemals begehrt habe, 
dass Baumgartner des Rats müssig gehen solle, so sei er auch 
wohl zufrieden, dass er wieder admittiert werde. Wenn er eine 
mentita bekommen, so habe er das selbst verursacht, weil er 
vorgegeben, dass er wegen seiner prätendierten Hochzeitsge¬ 
rechtsame zu Pettensiedel von den Beamten im Almosen böslich 
hintergangen worden sei. Im übrigen stelle er es den Herren 
vom Rat anheim, wie sie den Prozess dirigieren lassen wollten. 
Daraufhin beschloss der Rat — denn diesmal fand die Verhand¬ 
lung im Rat statt —, weil Behaim gleich im Anfang die münd¬ 
liche Vernehmung zur Abschneidung schriftlicher Weitläufigkeit 
beliebt und selbst vorgeschlagen, der Rat auch diesen Modus 
durch einen Verlass approbiert, so lasse er es dabei bewenden. 
Die Vernehmung aber solle zu besserer Geheimhaltung durch 
einen von den beiden Ratschreibern vorgenommen werden, des¬ 
halb Behaim seine den Deputierten überreichte Klage wieder zu 
sich nehmen und des von Baumgartner angebotenen Beweises 
erwarten, worauf er wieder der Notdurft nach gehört werden 
solle. Inmittels aber solle er ersucht sein, in der Ratstube mit 
empfindlichen Reden auch etwas mehr an sich zu halten, weil 
durch die dem Baumgartner erteilte mentita, welche in der 
Ratstube nicht Herkommen, nicht wenig Ursach zu dieser 
schändlichen Widerwärtigkeit gegeben worden, da doch der 
Sache auf andere Weise hätte geholfen werden können. Baum¬ 
gartner aber solle man alsobald wieder in den Rat kommen 
lassen, ihm aber dabei anzeigen, dass er des Rats wegen seiner 
aus unzeitigem Eifer begangenen Unbescheidenheit getragene 
oberkenntliche Displizenz so übel aufzunehmen und sich deshalb, 
als ob der Sache zuviel geschehen und der Prozess ab exe- 
cutione angefangen, zu beklagen keine Ursache habe, sondern er 
solle billiger des löblichen Quatemberbüchleins, auch dass der- 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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gleichen hitzige Unbescheidenheit bei Rat nicht Herkommen, 
insbesondere aber, dass die jetzigen widerwärtigen Läufde eine 
aufrichtige Einmütigkeit und Zusammensetzung aller Ratsglieder 
erforderten, sich erinnern. Der Rat wolle seines angebotenen 
Beweises der gegen Behaim gerichteten Beschuldigungen, sowie 
dass er die Beamten des Almosens, deren Memorial ihm zuzu¬ 
stellen sei, des bezichtigten böslichen Hintergehens überführen 
könne, erwarten, sich aber dabei versehen, er werde mittler¬ 
weile sich einer grösseren Modestia in der Ratstube befleissen. 

Beide aber sollen noch angeloben, von dieser unliebsamen 
Widerwärtigkeit keinem Menschen etwas zu sagen, sich auch 
gegeneinander bis auf erfolgte Entscheidung schiedlich und 
friedlich zu erzeigen, damit nicht noch grösseres Aergernis dar¬ 
aus entstehe. Endlich aber werden alle Herrn des Rats ersucht, 
diese Sache, von welcher, wenn sie auskommen sollte, unter 
gemeiner Bürgerschaft, besonders aber den Malkontenten, übel 
würde geredet werden, bei ihren Eidespflichten in höchster Ver¬ 
schwiegenheit zu halten und gegen niemand das Geringste ver¬ 
nehmen zu lassen. 

Erst am 22. Dezember 1646 wurde in der Sache im Aeltern- 
kollegium weiter verhandelt. Nach Vernehmung des Berichts 
Georg Baumgartners, dass Lukas Friedrich Behaim die Herrn 
des Rats sowohl in genere, als auch zum Teil in specie inj li¬ 
niert und ihnen übel nachgeredet habe und auf die von Behaim 
darauf vorgebrachte Antwort, dass er keiner der ihm vorge¬ 
worfenen Handlungen geständig sei, sie würden ihm denn hin¬ 
reichend nachgewiesen, beschloss der Rat, den beiden folgendes 
zu eröffnen. Mit Beschwerden und Missfallen hätte er vernehmen 
müssen, dass beide Herrn aus ganz unzeitigem Eifer und beson¬ 
derer Präzipitanz sich übereilt und mit so scharfen Worten und 
zwar in sitzendem Rat gegen das bekannte Herkommen anein¬ 
ander geraten, und um so viel mehr hätte er gewünscht, dass 
kein Teil dem anderen Ursach dazu gegeben und so allerdings 
dieser Unwille hätte unterbleiben können, weil es, wenn es unter 
die Bürgerschaft kommen sollte, nichts denn grosses Aergernis, 
böse Nachrede und Verachtung verursachen könne. 

Weil es nun aber geschehen und von beiden Seiten exze¬ 
diert worden wäre, so müsste es der Rat dahin stellen und 
neben vielen andern Widerwärtigkeiten den jetzigen unglück- 


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Die Nürnberger Katsbücher und Ratsmanuale. 


73 


seligen Zeiten zusehreiben, könnte es aber nicht geschehen 
lassen, dass zu Veranlassung noch grösserer unliebsamer Weit¬ 
läufigkeit und schädlicher Verbitterung der Gemüter beide 
weiter noch gehört, noch ferner etwas in der Sache verhandelt 
werde^ sondern er wolle kraft dieses, dass diese ganze Handlung ab¬ 
getan, verpetschiert und an gehörigen Orten ausgelegt werde. Hin¬ 
gegen aber sollen Behaim und Baumgartner eidlich angeloben, fried¬ 
lich und schiedlich gegeneinander sich zu erweisen, einander weder 
mit Worten noch mit Werken auch nicht im geringsten zu belei¬ 
digen. dieser unliebsamen Weitläufigkeit nimmermehr, weder 
publice, sonderlich in der Ratstube, noch privatim gegenein¬ 
ander selbst oder gegen jemand anders nicht im geringsten 
ferner zu gedenken und sich besonders aller bösen Nach- und 
Stichreden gänzlich zu enthalten, alles bei 500 Reichstaler un¬ 
nachlässiger Strafe. Sie sollen vielmehr ermahnt sein, sich in 
ihren aotionibus des löblichen Quatemberbüchleins und ihrer 
darauf fundierten Ratspfiicht gebührlich zu erinnern und daher 
inskünftig einer mehreren! Moderation in der Ratstube und 
Einigkeit unter sich selbst, zumal bei jetzigen jämmerlichen 
Zeiten, wie auch des hohen Respekts, so den Herrn Aeltern ge¬ 
bührt, zu befleissigen und dabei in Reden und Diskursen von 
Regimentssachen, auch von ein und andern Herrn des Rats, 
sonderlich an solchen Orten, wo andere Leute dabei sich be¬ 
fänden, welche einen und andern Diskurs ungleich aufnehmen, 
übel deuten und weiter bringen, wodurch der Stadt und jedem 
Herrn des Rats vielerlei Nachteil und Schimpf zugezogen wer¬ 
den könne, so viel nur immer möglich sei, zu mässigen und zu 
allen Dingen, so aus Not nicht geändert werden könnten, das 
Beste zu reden. 

Behaim aber soll noch besonders zugesprochen werden, da¬ 
für zu sorgen, dass, wie Baumgartner vorgebracht, die von ihm 
dem Camerarius nach Groningen geschickten Manuskripte seinem 
Versprechen gemäss wieder nach Nürnberg oder doch nach Alt¬ 
dorf gebracht würden. Endlich aber will der Rat, dass Baum¬ 
gartner in seinem Erbieten, Behaim wegen dessen, so in der 
Sache zu viel geschehen sein möchte, Abbitte zu leisten, um 
gebührlichen Respekts willen gestärkt werde. Dieser Aeltern- 
verlass vom 10. Dezember wurde am 22. Dezember beim Rats¬ 
ausschuss abgehört und darauf verlassen, weil diese ganze Sache 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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bei Rat sich zugetragen, so sei er auch morgen bei ganzem Rat 
vorzulegen und es sei rätig zu werden, wie man ihn beiden 
Herrn publizieren lassen wolle. Aber nicht schon am folgen¬ 
den Tage, sondern erst am 4. Januar 1647 beschloss der Rat, 
dass es bei diesem Verlass verbleiben und er Behaim und Baum¬ 
gartner also publiziert werden solle. 

Das Aelternmanual liegt für die Jahre 1599 bis Ende 1604 
in zwei Exemplaren vor, dem Original der Sitzung und einer 
Abschrift, die vermutlich für den Gebrauch des Rats bestimmt 
war. Wegen der darin enthaltenen Beschlüsse des ganzen Rats¬ 
kollegiums war dieses auf den Mitgebrauch angewiesen. Ein 
Bedenken dagegen hat wohl auch nicht bestanden, da die ge¬ 
heimen Beschlüsse der Herrn Aeltern in ihnen keine Aufnahme 
fanden. Dafür wurde noch ein besonderes Manual geführt, das 
die Herrn Aeltern wohl nicht aus der Hand Hessen und von 
dessen Inhalt sonst wohl wenig oder nichts bekannt wurde. 

Diese Beschlüsse führen den Titel der „Geheimen Ver- 
läss der Herrn Aeltern Herrlichkeiten“. Ein Bändchen 
in Schmalfolio, Verlässe von 1549—1599 enthaltend, trägt zwar 
noch nicht diese Bezeichnung, wie die spätere Serie, die in 
15 Foliobänden den Zeitraum von 1688 — 1804 in unterbrochener 
Reihenfolge umschliesst, muss aber trotzdem ohne allen Zweifel 
den geheimen Aelternverlässen zugerechnet werden. Gerade über 
ein halbes Jahrhundert sich erstreckend, bilden diese Verlässe ein 
Manual für sich, dessen Einträge in den gleichzeitigen Aeltern- 
manualen nicht verzeichnet sind. Das allein lässt schon er¬ 
kennen, dass wir es hier mit ganz besonderen Verlässen zu tun 
haben, desen absolute Geheimhaltung in der Absicht des Kolle¬ 
giums der Herrn Aeltern gelegen sein musste. Es sind nämlich 
Verfügungen über Bestallungen und Besoldungen, Personalsachen, 
über die Fixierung der Losung bei solchen Personen, die auf 
eine gewisse Zeit aus dem Bürgerpflichtverhältnis ausgeschieden, 
über Nachlass oder Ermässigung der Losung usf. Bittstellern, 
welche bei der Losungsanlage irgendwelche Erleichterungen zu¬ 
gestanden worden waren, wird Verschwiegenheit auferlegt, ge¬ 
wiss ein Umstand, der für den geheimen Charakter dieser Ma¬ 
nuale spricht. Dann enthalten sie noch eine Reihe sonstiger 
Beschlüsse, die nicht zur Kenntnis des Rats, geschweige denn der 
weiteren Oeffentlichkeit gelangen sollten. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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Einige Beispiele werden die Richtigkeit dieser Ansicht noch 
weiter erhärten. 

Als Jakob Muffel im August 1552 sich klagend an die 
ältern Herrn wandte, wie beschwerlich es ihm falle, „teglichen 
von dem schloss der vesten alhie zum rat und auch vielmaln 
nach mittags in ains erbarn rats und gemainer stat gescheften 
herab und wider hinauf zu fuess zu geen, derhalben er dann 
verursacht, ain zeit her auf seinen Selbstkosten ain pferd zu 
halten, mit ganz dienstlicher bit, dieweil ime je solch auf- 
und abgeen zu schwer were, meine herren die geruechten, ime 
in ansehung desselben und auch, das er sonst vilfeltig, so 
frembde herren alher keinen und die vesten besehen, nit ainen 
klainen uncosten mit raichung aines eerdrunks und collation 
eerenthalben leiden mueste, das ime meine herren zu ergetzung 
desselben ain acht sumer haberns zu erhaltung seins pferds 
durch herrn Jobsten Tezeln als castenherrn geben lassen wolten“, 
wird seiner Bitte allerdings willfahrt, jedoch mit dem Anhänge, 
dass dadurch für die nachkommenden Pfleger oder Burggrafen 
keine Gerechtigkeit begründet, r wie dann auch er, herr Muffel, 
solchs bei ime verschwigen beieiben lassen solle . . und solle 
herr Jobst üetzel als eastenherr ime jerlichen gemelte acht 
sumer haberns mit einander geben lassen, damit es die casten- 
knecht auch nit merkten“. 

Einen weiteren Beleg gibt die Verhandlung des Rats mit dem 
Ratskonsulenten Johann Herei, der bei Ablauf seines mit dem 
Rat geschlossenen Dienstvertrags im Jahre 1580 nur unter gün¬ 
stigeren Bedingungen als bisher der Stadt weiter zu dienen ge¬ 
willt war. Dem Ratsherrn Baumgartner, der die Verhandlungen 
mit ihm führte, erklärte er unumwunden, dass, wenngleich auch 
sein Gehalt von 450 fl. ansehnlich erscheine, doch männiglich 
wisse, wie schwer die Zehrung in Nürnberg und was für ein 
heiss Pflaster er da habe. Hätte er auch noch Kinder, so würde 
er sich bei einer solchen Besoldung nicht zu erhalten wissen. 
Sein Nebenverdienst sei schlecht, während er auswärts ohne 
Dienst und Bestallung, auch wenn er nur ein schlechter [schlichter] 
Stadtschreiber in einem Städtlein gewesen, mehr, als seine Be¬ 
soldung ausmache, durch Kommissionen verdient haben würde. 
Er gibt sich weder für einen berühmten und gelehrten Juristen 
aus, noch hält er sich für einen solchen, wie er sich auch 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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Christoph Herdesheim nicht vergleichen, noch sich ihm gleich¬ 
gestellt wissen will. Aber andererseits weiss er auch, dass er 
trotzdem bisher gemeiner Stadt nach Pleiss und Verstand besser 
gedient, und wäre ihm mehr anbefohlen worden, so wollte er 
auch mehr ausgerichtet haben. Deswegen befremde! es ihn nicht 
wenig, dass er andern seiner Herrn Ratgeber, die von auswärts 
gekommen und von Anfang an eine höhere Besoldung gehabt, 
nicht gleichgehalten werden solle Das sei ihm nicht wenig 
verkleinerlich. Und wenn ein ehrbarer Rat etwa eine solche 
Opinion von ihm gefasst haben sollte, als wäre er ein so uner¬ 
fahrener Jurist, der andern und vornehmlich diesen, die allererst 
hergekommen, nicht gleich geachtet oder mit der Besoldung 
gleich gehalten werden solle, so wäre seine untertänige Bitte, 
ihm günstig zu erlauben, seine Gelegenheit anderswo zu suchen. 

Zweitens aber findet er sich dadurch beschwert, dass er 
beim Eintritt in der Stadt Dienst vor 14 Jahren sich zur Er¬ 
werbung des Bürgerrechts habe bereit finden lassen müssen, 
während doch fast alle seine Kollegen, die nach ihm gekommen, 
dadurch nicht beschwert worden wären. 

Zudem will er in gutem Vertrauen nicht verhalten, dass 
er, wie etwa andere mit andern, er mit dieser Opinion behaftet 
sei, dass ihm gar abscheulich und zum höchsten zuwider, zur Zeit, 
wenn von einem ehrbaren Rat eine Losung angelegt werde, die¬ 
selbe zu schwören und von seinen Gütern zu verrechnen und 
sich selbst alle Jahre gleichsam ein Inventarium seines Vermögens 
aufzurichten, wie er sich dann zum höchsten entsetze, wann er 
die Glocken, damit die Genannten zusammen gefordert würden, 
läuten höre, habe sich auch bei solcher Versammlung bisher 
nicht viel sehen oder finden lassen. Und dieweil auch sein Ver¬ 
mögen jedesmal gering gewesen und noch gering sei, er auch 
keine Kinder besitze noch deren zu gewarten habe, so sei 
seinen Herrn mit dem, so er zur Losung gebe, wenig beholfen. 

Dem allem nach wäre seine untertänige Bitte, ein ehrbarer 
Rat wolle ihn hinfür wie andere seines Standes gemeiner Stadt 
Diener halten und dann die Losung von seinem geringen Ver¬ 
mögen, die Zeit er in seiner Herrn Diensten sei, zu reichen ihm 
günstig erlassen oder aber, wo solches nicht sein könnte, doch 
ein benanntes Geld von ihm nehmen, allein, dass er des jähr¬ 
lichen Rechnens und Schwörens seines Vermögens überhoben 


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Die Nürnberger Ratsbüeher und Ratsmanuale. 


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sein möge. Seines Weibes Vermögen will er dagegen Verlo¬ 
sungen lassen. Auch ist er alle sonstigen bürgerlichen Lasten 
zu tragen bereit. Sollte die Stadt indes auf seine Bedingungen 
nicht eingehen, so will er weiter gehen usw. 

Obschon es nun den Herrn Aeltern schwer ankommen will, 
ihn von der Losung zu befreien, so beschlossen sie gleichwohl, 
weil er kein gemeiner Jurist, sondern ein solcher Mann, dessen 
man zur Zeit, zumal in den markgräflichen Streitsachen, nicht 
entraten könne, dem auch der Stadt geheime Angelegenheiten 
nicht wenig bekannt seien, und in der Erwägung, dass Dr. Chri¬ 
stoph Herdesheim auch nur seines Weibes Vermögen verlosunge, 
seinem Begehren zu willfahren. Aber alles unter der Voraus¬ 
setzung, dass er alle diese Vergünstigungen durchaus geheim 
und verschwiegen halten und niemand davon irgendwelche Er¬ 
öffnung und Anzeigung tun wolle. Und damit solches um so we¬ 
niger vermerkt werde, soll er sich in den Versammlungen, son¬ 
derlich zur österlichen Zeit der Ratswahl wie andere Genannte 
auch gehorsamlich erzeigen und finden lassen. 

Noch ein weiteres Protokoll beweist die Richtigkeit unserer 
Aufstellung und ist zugleich auch deshalb höchst bemerkens¬ 
wert, weil es auf die finanzielle Notlage der Stadt grelle Lichter 
wirft. Denn nicht etwa, wie man noch häufig anzunehmen ge¬ 
neigt ist, erst durch die unsägliche Not und die unerschwing¬ 
lichen Opfer, die der Stadt während des Dreissigjährigen Krieges 
auferlegt wurden, entstand ihr finanzielles Elend, das schliesslich 
zu ihrem Ruin führte. Es reicht weit in das 16. Jahrhundert 
zurück und ist im wesentlichen zurückzuführen auf den 
2. markgräflichen Krieg im Jahre 1552, in dem der grausame 
und gewalttätige Markgraf Albrecht Alzibiades den Grund zu 
dem jetzt einsetzenden finanziellen Niedergang der Stadt 
legte. 

Auch für den Gang der Beratungen der älteren Herrn, für 
die Art und Weise, wie sie Gegenstände, die im Ratsplenum zu 
verhandeln gewesen wären, an sich zogen, wenn sie die Oeffent- 
lichkeit nicht vertrugen und ihnen selbst das Gewissen schlug, 
erscheint dieses Protokoll wichtig und charakteristisch. 

Und was dann endlich noch der Merkwürdigkeit dieses 
Eintrags äusserlich die Krone aufsetzt, das ist der Umstand, 
dass es, über mehrere Blätter sich hinziehend, durch Verschnü- 


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rung und Anlegung von Amtssiegeln vor unberufenen Augen 
geschützt worden ist. 

Der Losunger Willibald Schlüsselfelder hatte am 3. April 
1582 um Enthebung von seinem Posten als Losunger und Rats¬ 
herr bei Rat nachgesucht, nachdem er seit 23 Jahren im Rat 
gesessen und vor 3 1 /* Jahren zum Losungsamt berufen worden 
war. Zur Begründung seines Gesuches führt er an, es kämen 
so hohe und wichtige Sachen, dass er sich in seinem Gewissen 
zum höchsten beschwert fühle, wenn er noch länger im Amte 
bleibe. Denn sollte durch ihn etwas verwahrlost oder sonst be¬ 
nachteiligt werden, so wüsste er das einstmals vor gemeiner 
Bürgerschaft nicht zu verantworten. 

Diese seine Supplikation hatte er dem älteren regierenden 
Bürgermeister Hans Riet er zur weiteren Beförderung an den ge¬ 
samten Rat übergeben. Ihm gegenüber hatte er sich auch noch 
mündlich des näheren über die Gründe ausgesprochen, welche 
einen solchen Einschluss in ihm zur Reife gebracht hatten. Es 
waren eben die finanziellen Schwierigkeiten, die damals schon 
in hohem Grade unbequem, ja unerquicklich zu werden anfingen. 
Wenn auch für das letzte Jahr keine weiteren Einbussen zu 
verzeichnen gewesen wären, so bliebe doch die Schuldenlast immer¬ 
hin so bedeutend, dass nicht zu ersehen sei, wie die Stadt 
einen solchen Zustand auf die Dauer ertragen solle. Schlüssel¬ 
felder erachtete es daher für höchst beschwerlich, dem Losungs¬ 
amt noch länger vorzustehen. Dabei stände heut oder morgen 
noch zu erwarten, dass er das, was andere vor ihm verhandelt, 
auch noch verantworten müsste. So fände er in seinem Ge¬ 
wissen weder bei Tag noch bei Nacht Fried und Ruhe. Er 
stellt daher ganz dienstlich die Bitte, seine Herrn wollten sich 
ihm bei einem ehrbaren Rat behilflich erzeigen, damit ihm seinem 
Begehren gemäss willfahrt werde. Er ist erbietig, das nach 
Vermögen zu verdienen und abzutragen. Er ist auch nicht ge¬ 
willt, sich aus der Stadt zu begeben oder sein Bürgerrecht auf¬ 
zusagen, solange ihm nicht Ursache dazu gegeben werde. Sollte 
er aber je dazu kommen, so will er sich erboten haben, nicht 
allein die gebührliche Nachsteuer von seinen Gütern, sondern 
auch eine doppelte Losung zu geben und im übrigen seinen 
Pflichten nach alle gemeiner Stadt geheime Sachen verschwiegen 
zu halten. 


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bie Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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Darauf und nach Austreten Willibald Schlüsselfelders be¬ 
rieten sich die Herrn Aeltern nnd Hessen ihm dann die Suppli¬ 
kation' durch Hans Rieter und Hieronymus Holzschuher wieder 
zustellen und vermelden, dass er zu einem solchen Begehren 
keine genügsame Ursache hätte. Diese Beschwerden wären 
nicht sein allein, sondern auch der andern Herrn Aeltern inge¬ 
mein. Denn wenn dieser Ursachen halber ein jeder ihm nach- 
folgen und sich des Regiments entziehen wollte, so würde das 
mit anderm nur zu gänzlichem Verderben und Untergang ge¬ 
meiner Stadt notwendig gereichen müssen. Denn was erstlich 
die hohen, wichtigen Sachen anlange, die ihm das Gewissen so 
hoch beschwerten, so hätte er als der Verständige zu ermessen, 
dass ein jeder, so erdenklicher Weise in ein Regiment gesetzt 
und verordnet, ebensowohl, wenn es übel, als wenn es wohl 
zuginge, seines Berufs zu gewarten schuldig wäre und die 
Sachen zu befördern hätte, wie er zum besten vermeinte. Weiter 
bemerken die Abgeordneten des Kollegiums in dessen Auftrag, 
dass er doch diese Schuldenlast nicht verursacht; andererseits 
aber wolle es sich gebühren, dass er, der an der Abgestorbenen 
Statt nunmehr getreten, das, so seine Vorfahren angefangen, 
gut und getreulich gemeint vertrete und zum Besten hinaus¬ 
führe. So wüsste er sich guter Massen zu erinnern, dass er vor 
einigen Jahren, ehe er dann zur Stellung der Aeltern oder zum 
Losungsamt verordnet 1 ) worden, ihm durch die altern Herrn 
Endres Imhoff und Jakob Pütterer die beschwerliche Schulden¬ 
last gemeiner Stadt eröffnet worden. Obwohl nun dieselbe seit¬ 
her um eine stattliche Summe gemehrt, nun aber gottlob seit 
etlichen Jahren ein wenig sich verringert, ihm aber diese Be¬ 
schwernis doch so viele Jahre unverborgen gewesen, so hätte 
er zu bedenken, ob ihm nicht füglich vorgeworfen werden könne, 
dass er, trotzdem er dies alles zuvor doch gewusst, sich doch 
zu so Hohem, wie insbesondere dem Losungsamt, hätte be¬ 
wegen lassen und sich dessen nicht entäussert habe. Zum 
dritten möge er noch folgendes bei sich wohl erwägen. Sollte 
ihm nämlich in seinem Begehren willfahrt werden, ob das nicht 
zu allerlei beschwerlicher, nachteiliger Weitläufigkeit geraten 
würde? Denn wenn seine Supplikation bei Rat verlesen und 

') Aelterer Herr war er 1576, zweiter Losunger 1580 geworden. 


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80 Dr. E. Mummenhoff. 

seine mündlich vorgewandten Motive vorgebracht werden sollten, 
so würde das hei den Handwerkern und andern im Rat un¬ 
zweifelhaft Nachgedanken erregen, es wäre nunmehr mit ge¬ 
meiner Stadt getan und wäre dem auch nicht ferner zu helfen, 
das dann alsbald ausbrechen und männiglich kündbar werden 
würde. Davon sei aber nichts anderes zu erwarten als das Da- 
hinschwinden von Treu und Glauben — die doch bisher bei 
gemeiner Stadt stets erhalten — und dann die höchste und 
äusserste Zerrüttung und Gefahr des ganzen Regiments und ge¬ 
meiner Stadt. Und obschon man wohl wisse, dass er weder 
diesen, noch einen andern Unfall gemeiner Stadt gönne, so 
könne er als der Verständige doch wohl erachten, wer, wenn 
sich dergleichen auf seine Veranlassung begeben sollte, deshalb 
würde angesprochon werden. 

Endlich wolle man nicht unterlassen, daran zu erinnern, 
welchen Ausgang jene genommen, so dergleichen vor ihm auch 
gesucht und verlangt hätten. Es wäre ihm selbst wohl bewusst 
und davon fernere Meldung zu tun nicht vonnöten. Dem allem 
nach wollte man ihm seine Supplikation wieder zugestellt und 
ihn ermahnt haben, der Sache anders und besser nachzudenken 
und von seinem Vorhaben abzustehen: des wollten sich die 
Herrn Aeltern also gänzlich zu ihm versehen. 

Als nun folgenden Tags nach aufstehendem Rat die beiden 
Abgeordneten Hans Rieter und Hieronymus Paumgartner Willi¬ 
bald Schlüsselfelder diesen Bescheid anzeigten, wiederholte ei¬ 
serne frühere Meinung und entgegnete, dass er sich zu den 
Herrn Aeltern einer solchen absohlägigten Antwort nicht ver¬ 
sehen, sondern gänzlich dafür gehalten hätte, es müsste seinem 
ihm notwendigen Begehren Folge gegeben werden, wie er denn 
auch die Supplikation nicht den Herrn Aeltern, sondern dem 
Herrn Bürgermeister zugestellt und von ihm begehrt hätte, sie 
bei einem Rat verlesen zu lassen. Wie aber dem allem, weil 
er erkenne, dass sein Begehren den Herrn Aeltern so höchlich 
zuwider, er auch wohl denken könnte, dass es zu einiger Be¬ 
schwerung gereichen möchte, so wolle er sich dahin erklärt 
haben, dass er, wenn man diese seine Supplikation in der Aeltern 
Manual in der Ratstube legen und sein Begehren in dasselbe 
Manual neben dem ihm jetzt erteilten Bescheid einzeichnen 
würde, für diesmal also damit zufrieden sein und beim Regiment 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


81 


und seinen bisher getragenen Aemtern bleiben und ferner, was 
sieh gebühre, mit allem getreuen Fleiss verrichten und handeln 
wolle. 

Die beiden Deputierten nahmen es dann auf sich, dieses 
Ansinnen Schlüsselfelders bei den Herrn Aeltern vorzutragen. 

Am folgenden Tag, den 5. April, früh und ehe man zur 
Abhörung der Rechnung in der Losungstube gegriffen, fährt 
der Bericht fort, hat Herr Willibald Schlüsselfelder Herrn Hansen 
Rieter und Jeronymum Paumgartner in die Ratstuben erfordert 
und ferner angezeigt, er hätte diese vergangene Nacht seinem 
Handel und dem ihm darauf erfolgten Bescheid weiter nachge¬ 
dacht, wäre auch willens gewesen, solches zu Papier zu bringen 
und zu überreichen. Es wäre ihm aber die Zeit dazu zu kurz 
geworden. Nun befände er einmal bei sich soviel, dass die 
Herrn Aeltern ihm sein Begehren, seine übergebene Supplika- 
kation bei einem ehrbaren Rat abhören und verlesen zu lassen, 
in keinem Weg füglich weigern könnten, wie er denn darum 
nochmals gebeten haben wollte. Wenn ihm aber gestrigen 
Tages unter anderm auch vorgeworfen worden, warum er sich 
denn, da ihm doch vor der Zeit der Stadt Schuldenlast unver¬ 
borgen gewesen, hernach zu noch Höherm und sonderlich zum 
Losungeramt habe gebrauchen lassen, so sei er geständig, dass 
ihm solches wohl bewusst gewesen. Als ihm aber diese Sache 
anvertraut worden, sei ermeldete Schuldenlast so gross wie jetzt 
nicht gewesen, sondern seit jener Zeit um etliche hunderttausend 
Gulden gewachsen. So wäre auch den altern Herrn noch wohl 
im Gedächtnis, dass er, als er in vergangenen Jahren zum Stand 
der Herrn Aeltern hätte erwählt werden sollen, vor und nach 
der Wahl auf das eindringlichste dazu gebeten worden, 1 ) wie 
denn Herr Joachim Tetzel selig damals von Ratswegen zu ihm 
beschieden worden sei, der ihm sein Bedenken 2 ) mit guten, 
freundlichen Worten — aber schwerlich — benommen hätte. 
Sonderlich aber hätte er, als er befunden, dass die Schuldenlast 
noch mehr gehäuft worden, sich dessen etliche Male zum höchsten 

’) Im Original steht: „das er vor und nach geschehener Wal zum 
stattlichsten darfür gebetten“ was wohl nur den obigen Sinn haben kann. 
Es kann kaum heissen sollen, dass er sioh auf das eindringlichste dafür 
bedankt, sich die Wahl verbeten habe. 

*) In der Vorlage: Furhaben. 

Arohivalische Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 3 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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beschwert. Wie wohl er nun nochmals guten Fug und Ursache 
hätte, auf seinem Vornehmen zu beharren, so wollte er doch 
hiemit wiederum erklärt und gebeten haben, erstlich diese seine 
Antwort den Herrn Aeltern nochmals vorzutragen und zu Ge¬ 
müt zu führen und nicht allein zu protokollieren und in das 
Manual einzuschreiben, sondern auch dahin zu trachten, wie 
ferner die Herrn Aeltern besser denn bisher zusammensitzen, 
einer dem andern Vorspannen, die Last und Bürde miteinander 
tragen, auch einander mit Treuen meinen sollten, so wäre er er- 
bötig, in seinem jetzigen Stand zu verharren und Leib, Gut und 
Blut bei gemeiner Stadt zuzusetzen. Sollte aber dieser seiner 
Erklärung nicht Folge gegeben werden, so würde man ihm nicht 
verargen, wenn je die Supplikation nicht angenommen und ver¬ 
lesen werden sollte, dass er dann sein Begehren und Beschwerde 
bei einem ehrbaren Rat vor- und anbringen und dessen Bescheid 
erwarten würde. 

Dieses alles wurde alsbald durch Rieter und Paumgartner 
bei den übrigen Herrn Aeltern referiert „und nach lengs ver- 
tneldet*‘. 

Darauf wurde nach langer Verhandlung verlassen, dem 
Herrn Schlüsselfelder anzuzeigen, dass man zwar seinem Be¬ 
gehren, dieses Ansuchen und Anbringen samt dem darauf er¬ 
gangenen Verlass und der Supplikation dem Manual einzuver¬ 
leiben, willfahren wolle; was aber den andern Punkt be¬ 
treffe, so erkannten sich die Herrn Aeltern, die jährlich und ein 
jeder insonderheit einem ehrbaren Rat Pflicht leisteten, worin 
ihnen auferlegt würde, gemeiner Stadt Nutzen und Bestes zu 
befördern, sich auch ohne seine Erinnerung diesem Folge zu tun 
für schuldig. 

Diese für die Erkenntnis der Nürnberger Finanzgeschichte 
und der intimeren Geschichte des Rats höchst wichtige Dar¬ 
stellung würde uns völlig unbekannt bleiben, wenn sie nicht in 
den geheimen Verlässen der Herrn Aeltern festgehalten worden 
wäre. Denn die Ratsmanuale und die Manuale der Herrn Aeltern 
schweigen völlig über diese Vorgänge, worüber auch sonst nichts 
bekannt wird. Man suchte es eben unter allen Umständen zu 
•vermeiden, dass Verhandlungen solcher Art an die Oeffentlich- 
keit gelangten, ja auch nur in der Ratstube bekannt wurden. 
Diese Blätter aber, welche man ganz besonders vor aller Augen 


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Die Nürnberger Rntsbücher und Ratsmanuale. Ö3 

hüten wollte, legte man sogar, obgleich sie doch im geheimen 
Manual standen, noch unter Siegel. 

Die geheimen Verlässe des Aelternkollegiums sind nicht 
ohne Lücken. So ist für die ganze Zeit vom 6. Mai 1697 bis zum 
31. Januar 1698 kein einziger Verlass eingetragen. Auf dem 
Vorsetzblatt zu der nun folgenden Frage aber steht ein „Ex¬ 
trakt der Herren Aeltern hochedlen Herrlichkeiten“ vom 13. Ja¬ 
nuar 1698 verzeichnet, der folgenden Wortlaut hat: 

„Der Herren Aeltern hochedlen Herrlichkeiten angehende 
Extraordinari-Verlass sollen in löblicher Losungstuben in ein 
besonderes Buch eingetragen werden, damit man solche auf be¬ 
dürfenden Fall jedesmal bei der Hand haben könne.“ 

Man sieht daraus, dass die Eintragung der geheimen Ver¬ 
lässe, und zwar nicht bloss dieses eine Mal, entweder völlig 
verabsäumt oder doch höchst unvollständig besorgt worden war. 

Wenig mehr als ein Jahrhundert nach der Schlüsselfelder¬ 
schen Resignationsangelegenheit versetzte ein ganz ähnlicher 
Fall den Nürnberger Rat in die höchste Bestürzung und rief unter 
der Bevölkerung eine tiefgehende Erregung hervor. Merkwür¬ 
digerweise wird darüber in den Chroniken nichts berichtet, son¬ 
dern nur die nackte Tatsache verzeichnet, obschon dunkle Ge¬ 
rüchte in der Bürgerschaft umliefen und der Rat kaum imstande 
war, die erhitzten Gemüter wieder zu beruhigen. Wieder lag 
der Grund des Rücktrittsgesuches — diesmal hatte der vorderste 
Losunger Paul Albrecht Rieter in einem Memorial seine Ent¬ 
lassung verlangt — in den unhaltbaren Finanzverhältnissen der 
Stadt, in der je länger je mehr anwachsenden Schuldenlast, der 
Abnahme des Kredits und der Einnahmen, sowie in den trotz 
aller Erinnerungen des Aelternkollegiums ungenügenden Vor¬ 
kehrungen zur Beseitigung der finanziellen Not, bei dessen Er¬ 
innerung man sogar, wie Rieter es erfahren, bedrohlich zur Rede 
gestellt wurde. Lange Verhandlungen entspannen sich zwischen 
dem Rat bezw. dem Aelternkollegium und dem unversöhnlichen 
Losunger. Trotz aller Zureden und Drohungen blieb Paul Albrecht 
Rieter bei seinem einmal gefassten Entschluss, ja er reiste sogar 
mit seinem Sohne Christoph Albrecht, der gleichfalls aus dem 
Rat ausgetreten war, nach Wien, um seine Sache bei Hofe zu 
führen. Nur der Vermittlung des Pfalzgrafen Philipp bei Rhein 
war es zu danken, dass Paul Albrecht Rieter auf einen Ver- 

6 * 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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gleich einging, der ihm den Rücktritt mit vollen Ehren, wie 
sie ihm als dem ersten Beamten der Stadt gebührten, und auch 
besondere Vorteile bezüglich der Auszahlung seiner Besoldung 
und der Entrichtung der Nachsteuer zusicherte, während der 
Rat sich zu wesentlichen Zugeständnissen bequemen musste. 
Als dieser nachher wegen der Nachsteuer und des Rieterschen 
Besitzes in Nürnberg Schwierigkeiten machte, da bedurfte es 
nur eines ernsten Wortes des Pfalzgrafen, um ihn schnell ge¬ 
fügig zu machen. Die Aelternmanuale bringen die höchst inter¬ 
essanten Verhandlungen, soweit sie sich im Rat und im Aeltern- 
kollegium abspielten, seine vielfachen Versuche, den widerstre¬ 
benden Losunger zu halten, sie unterrichten uns über die ge¬ 
reizte Stimmung der Bürgerschaft, die in den untern Schichten 
ganz auf Seiten des angesehenen und beliebten Losungers stand 
und nach dessen Rückkehr aus Wien an den Sonntagen nach 
dem Rieterschen Schlosse in Kornburg hinauszog, um dem 
Schlossherrn Ovationen darzubringen und den Grund seines 
Rücktritts zu erfahren. Ferner ersehen wir, wie der Rat, der 
in seiner nervösen Aufgeregtheit das Schlimmste befürchtete, 
Untersuchungen einleitete, verdächtigen Personen, von denen er 
ein Komplott besorgte, nachspionieren liess und Sicherheitsmass- 
regeln traf. Welches Gewicht er der ganzen Angelegenheit bei- 
mass, geht auch daraus hervor, dass er noch einen besonderen 
Akt anlegen liess, in drei starken Bänden alle Gutachten, Ver¬ 
lässe, Berichte aus Wien und sonstiges Material umfassend, 
um gegebenenfalls auf die Sache zurückkommen zu können. 

Es könnte nun auffallen, dass die Verhandlungen im Fall 
Schlüsselfelder ausschliesslich in den geheimen Verlässen der 
Herrn Aeltern verzeichnet sind, während die Beschlüsse in der 
Rieterschen Angelegenheit im Aelternmanual Aufnahme ge¬ 
funden haben, auch wenn sie vom ganzen Rat gefasst worden 
waren. Die Erklärung ist leicht. Die Schltisselfeldersche An¬ 
gelegenheit kam über die Instanz der ältern Herrn nicht hin¬ 
aus. Wenn es ihnen auch nicht gelang, ihm seine Bedenken 
völlig zu benehmen, so erreichten sie es doch endlich, ihn zu 
beschwichtigen, einzuschüchtern und festzuhalten. Sie konnten 
daher von einer Hinübergabe dieser heiklen und schwierigen 
Sache an den Rat völlig absehen und begruben die ganze Ver¬ 
handlung in ihrem geheimen Manual, das sie, wie schon be- 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale 


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merkt, an dieser Stelle durch Anlegung von Siegeln allen un¬ 
berufenen, neugierigen Blicken entzogen. 

Anders dagegen verhielt es sich im Falle Bieter. Dieser 
zeigte sich allen Beschwichtigungen, Zureden und Drohungen 
völlig unzugänglich. So musste sich denn das Aelternkollegium 
wohl oder übel entschliessen, diese Sache an den Rat zu bringen, 
der nun die letzte Entscheidung hatte. 

Sämtliche auf die Resignation bezüglichen Verlässe stehen 
übrigens, ob sie nun im Aelternkollegium oder im Rat gefasst 
worden sind, aus den früher schon erörterten Gründen im Aeltern- 
manual, während im Ratsmanual die ganze Angelegenheit bei 
der Wiederbesetzung der von den Rietern innegehabten Rats¬ 
ämtern nur ganz nebenbei erwähnt wird. 

Die geheimen Verlässe der Aeltern enthalten hier nur jene 
auf Amts-, Personal-, Vermögens- und sonstige Verhältnisse be¬ 
zügliche Beschlüsse, die man auch vor dem Gros des Rats ge¬ 
heimzuhalten allen Grund zu haben glaubte. 

Wie in den geschilderten Fällen enthalten die Aelternver- 
lässe auch sonst zahllose Einträge, die das intimere Leben des 
Rats in ganz unverhüllter Weise aufdecken und über Vorgänge 
in den verschiedenen Aemtern, über die wir sonst nicht unter¬ 
richtet sind, die genauesten Aufschlüsse gewähren. Es wäre 
in der Tat eine lohnende verfassungs- und kulturgeschichtliche 
Aufgabe, einmal auf Grund der Ratsordnungen, der Rats- und 
ganz besonders der Aelternmanuale eine treue und ungeschminkte 
Schilderung all dieser Verhältnisse zu geben. Hier ist darauf 
zu verzichten, und nur auf einiges kann kurz hingewiesen 
werden. 

Die Zeit des 30jährigen Krieges war eine in hohem Masse 
gewalttätige und zuchtlose und der Rat selbst war in einer 
Weise davon betroffen, dass die altern Herrn immer wieder mit 
ernsten Mahnungen und Rügen vorzugehen sich veranlasst sehen 
mussten. Dass gerade in dieser Zeit (1634) eine neue Ratsord¬ 
nung aufgerichtet wurde, hatte wohl seinen Grund in diesen 
aussergewöhnlichen Zeitverhältnissen. Der Geist der Widersetz¬ 
lichkeit und Zügellosigkeit griff immer weiter um sich. Die 
Alamodesucht machte auch vor dem Rat und den Aemtern 
nicht Halt und erfüllte die Herrn aus der alten Zeit mit Sorge 
und Unmut. So klagen die ältern Herrn in einem Verlass vom 


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29. Juli 1634, der auch insofern bemerkenswert erscheint, als er 
sich gegen die Zuwiderhandlungen gegen die Ratsordnung und 
die Unordnung in der Ratsstube wendet, dass die altherge¬ 
brachte Ratstracht der Ehrröcke von den Ratsherrn verachtet 
werde. Mit höchster und schmerzlicher Bestürzung haben sie 
bisher vielfältig in acht genommen, dass viele Ratspersonen die 
alte ehrbare Tracht der Ehrröcke ziemlich verlassen und da¬ 
gegen zu eines gesamten löblichen Magistrats, vornehmlich 
aber zu ihrer selbsteigenen Verschimpfung in Mänteln, vergol¬ 
deten Degen und anderm, den Ratspersonen übelanständigem 
Ilabit sowohl in der Ratstube, als auch in den Kirchen und 
auf dem Markt, sonderlich bei der Ankunft fremder fürstlicher 
und anderer Standespersonen, Botschaften und Gesandten, sowie 
in öffentlichen Versammlungen erscheinen und einhergehen. Es 
ist deshalb des Rats ernstlicher Wille und Meinung', dass auch 
solcher Uebelstand in Zukunft abgestellt, die alte ehrbare mit 
Ruhm und Ehren wohl hei’gebrachte Tracht oder Ehrröcke von 
allen Ratspersonen insgesamt in mehreren Respekt gezogen und 
nicht, wie bisher, verächtlich hintangesetzt, sondern vielmehr 
bei allen Amts-, Kirchen- und andern offenbaren Versammlungen, 
sonderlich aber bei den Deputationen zu fremden Personen und 
Gesandten dergestalt in acht genommen und gebraucht werde, 
dass eine Ratsperson von einem andern Bürger und gemeinen 
Mann erkannt und unterschieden werden möge. 

Auch den Losungsamtleuten wird tags darauf vom Rat 
befohlen, dieser Tracht dem Herkommen gemäss und nach dem 
Exempel ihrer Antezessoren sich zu befleissigen, besonders aber 
auf dem Rathaus und bei ihren Amtsverrichtungen die Ehrröcke 
zu gebrauchen, ihre Degen aber unterdes in ihren Amtsstuben 
zu belassen. 

Dagegen soll dem Landschreiber Konrad Sachs, der sich 
des Ehrrocks gar zu viel missbraucht und bei den Leichen und 
Hochzeiten sich zu den Handwerkern des Rats, den Geistlichen 
wie auch dem Geschlecht, den Pflegern und alten Kaufleuten 
wider das Herkommen vorzudrängen untersteht, solches unter- 
stossen und dabei angezeigt werden, dass er hinfür allen solchen 
Personen den Vortritt lasse und bei dergleichen öffentlichen Zu¬ 
sammenkünften sich zu den Gerichtschreibern, Spitalmeistern, 
den Bürger- und Vormundschreibern halten und ihnen gleich 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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gehen solle. Ein Ratsverlass vom 30. August 1638 befasst sich 
gleichfalls mit der Rats- und Kleiderordnung. Alle Mahnungen 
hatten nichts gefruchtet. Allgemein, besonders aber von dem 
grösseren Teil der Ratsherrn, Konsulenten und anderen, denen 
als Inhaber von Ratsämtern den Ehrrock zu tragen und sich auch 
vor anderen ehrbarer Kleidung zu bedienen gebührt, enthalten 
sich dessen ungescheut in der Kirche, auf dem Markt und bei 
andern öffentlichen Zusammenkünften, besonders aber bei Schen¬ 
kung fremder Herrschaften und wohl gar in den Aemtern selbst 
bei den Nachmittagsverhören und anderen Geschäften, wogegen 
sie in grossen Umschlag- und andern Krägen, goldenen Hut¬ 
schnüren und vergoldeten Degen gleich andern jungen, zum 
Teil ledigen Leuten ausserhalb des Ratsstandes, bei denen es 
allerdings auch nicht zu loben und zu gestatten sei, dahergehen, 
so dass sie schwerlich von andern Standespersonen unterschieden 
werden können. Deshalb lässt der Rat ausdrücklich erinnern 
und im einzelnen auch zusprechen, dass solches hinfür eingestellt 
und jeder in seinem Amt, wie von Alter Herkommen, sich dieser 
alten ehrbaren Tracht gebrauche, damit sie auf die Nachkommen 
gebracht und als eine sonderliche Zierde dieses Stadtregiments, 
die bei allen Ausländischen rühmlich bisher gehalten worden, 
fleissig beobachtet und observiert werde. 

Weiter stellt der Rat fest, dass die Hoffahrt bei Manns¬ 
und Weibspersonen je länger je mehr überhandnehme, weshalb 
die so langwierigen Landstreifen auch zunehmen müssten. 1 ) Auf 
das Pfänderamt soll bessere Aufsicht geschehen und beim Pfänder 
Massnahmen getroffen werden, damit das Gold- und Silbertragen, 
besonders aber der goldenen Haarhauben an allen Tagen bei 
der Konsulenten- und andern Weibern nicht so gemein, sondern 
gänzlich abgestellt werde. Ebenso soll bei den Mannspersonen, 
sie seien verheiratet oder ledigen Standes, das Gold- und Silber¬ 
tragen gänzlich abgestellt, ganz besonders aber denjenigen, 
welche ganz ärgerlich und wider die alte Ehrbarbeit sich unter¬ 
stehen, zur Kirche und auf der Strasse und auch auf dem Rat¬ 
haus ohne Mäntel einherzugehen, zugesprochen werden, sich 
dessen hinfür zu enthalten und sich dagegen aller Ehrbarkeit 
in Kleidung und sonst zu befleissigen, damit ein ehrbarer Rat 

*) Vorlage: dannenhero die so langwürige Landstraffon auch zu- 
nemen müssen. 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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nicht Ursache nehmen müsse, dergleichen Personen anderweitig 
zu begegnen und sie der Gebühr nach erinnern zu lassen. Noch 
im Jahre 1643 (15. Mai) sieht sich das Aelternkollegium veran¬ 
lasst, ganz energisch nach dieser Richtung vorzugehen. Bei 
vielen Ratspersonen, und zwar sowohl jungen als alten Bürger¬ 
meistern, ist der böse Gebrauch eingerissen, dass sie vor- wie 
nachmittags ohne Ehrröcke nur in Mänteln sich sehen lassen 
und so nicht allein ihre Amtsverrichtungen ausüben, sondern 
sogar so an Sonn- und Feiertagen in die Kirche gehen und auf 
dem Markt stehen, was dem Ratsstand nicht wenig schimpflich 
und disreputierlich sei. Die ältern Herrn wollen die Herrn des 
Rats samt und sonders auf das beweglichste erinnert haben, die 
mit Alter bei dieser Republik löblich hergebrachte und bisher 
erhaltene ehrbare Tracht der Ehrröcke sich bestmöglich ange¬ 
legen sein zu lassen und ohne sie in den Ratsämtern, am wenig¬ 
sten aber beim Gottesdienst oder auf dem Markt, nicht zu er¬ 
scheinen und so ihre Autorität und Existimation bei gemeiner 
Bürgerschaft eifrig nicht allein zu beobachten, sondern auch den 
Herrn Schöffen des Stadt-, Unter- und Bauerngerichts, als welche 
sich nach den Ratsherrn zu richten pflegten, mit gutem Exempel 
voranzugehen. Weil aber auch die Gerichtspersonen die Tracht 
der Ehrröcke nicht einhalten, sondern sogar in gefärbten Klei¬ 
dern, Kollern, Stiefeln und Sporen dahergehen, auch die Mäntel, 
Krägen und Wehren öffentlich in der Untergerichtsstube auf¬ 
hängen, was doch sowohl den Gerichten als auch ihnen selbst 
schimpflich und verkleinerlich, so lassen ihnen die ältern Herrn 
solches untersagen und ihr obrigkeitliches Missfallen deshalb zu 
erkennen geben, sie auch beweglich ermahnen, ihren Stand und 
die ehrbaren Kleidungen besser in acht zu nehmen, sich be¬ 
sonders aber der frechen gefärbten Kleider bei den Gerichten 
zu enthalten. 

Auch sonstige Uebelstände und Missbräuche im Rat und 
in der Kanzlei werden in diesem Verlass ernstlich gerügt. Unter 
anderm werden die Ratsherrn darin ermahnt, fleissig und zu 
rechter, früher Zeit bei Verlust des Ratszeichens im Rat zu er¬ 
scheinen, in der Sitzung beständig zu verharren und sich des 
Spazierens auf dem Rathausaal oft erinnerter Massen zu ent¬ 
halten. Falls aber der eine oder andere genügsame Ursachen 
zum Fernbleiben hätte, so solle er sich bei den Herrn Bürger- 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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meistern ordentlich anmelden und causam absentiae entdecken, 
vor allem aber die Aemter oder die Expedition der Ratsverlässe 
nicht unter währender Ratszeit anstellen, sondern sie bis nach 
aufgestandenem Rat oder auf den Nachmittag oder, falls der eine 
oder andere Herr zur gleichen Zeit in einem Amt zu tun hätte, 
bis nach aufgestandenem Amt zu verschieben. Um eine zeitigere 
Erledigung herbeizuführen, sind die ältern Herrn Bürgermeister 
erinnert worden, rechtzeitig niederzusitzen, die Sanduhr zu be¬ 
achten und nach Auslaufung derselben den Rat zu entlassen, 
es lägen denn solche Gegenstände vor, welche ihrer Wichtigkeit 
wegen keinen Aufschub erleiden könnten. Besonders aber soll 
man mit Fleiss darauf bedacht sein, dass die Akten nicht lange 
herumgetragen oder gar verlegt werden, sondern man soll die 
Verlässe schleunig expedieren und die ergangenen Bescheide, 
wenn nicht noch den selbigen Tag, so doch spätestens den Tag 
darauf in beider Teile Gegenwart publizieren, es wäre denn, dass 
der eine vorsätzlich ausbliebe . .’. 

Diesem Aelternverlass ist noch die Bemerkung angefügt, 
dass er bei den Herrn Aeltern nochmals abgehört und konfirmiert 
worden und dabei ferner verlassen worden sei, ihn morgen vor 
dem Quatemberbüchlein abzulesen, den Herrn des Rats aber 
andeuten zu lassen, sich unausgesetzt bei Rat einzustellen. 
Sollten aber etliche Herrn aus guten Gründen oder sonst aus- 
bleiben, so solle man sie nachher in eine besondere Stube er¬ 
fordern, ihnen diesen Verlass samt dem Quatemberbüchlein Vor¬ 
halten und dabei die Erinnerung tun, diese wohlgemeinte Ver¬ 
ordnung nicht übel aufzunehmen, sondern sich deren Inhalt ge¬ 
mäss zu verhalten. 

Wie hier für das innere Ratsleben so gewähren die Aeltern- 
manuale auf allen Gebieten die wichtigsten und anziehendsten 
Aufschlüsse. Bei Forschungen zur Nürnberger Geschichte, wel¬ 
cher Art sie auch seien, darf nie ausser acht gelassen werden, dass 
die Aelternmanuale später auch alle jene Rätsbeschlüsse enthalten, 
die man den Ratsmanualen nicht an vertrauen mochte, so alle 
geheimen Amtsangelegenheiten, besonders Finanz-, Schuld-, Ver¬ 
mögens-, Personal-, besonders aber die politischen Angelegen¬ 
heiten, wenn ihre Geheimhaltung aus irgend einem Grunde ge¬ 
boten erschien. Und damals gab es so manche Dinge, die man 
nicht gern an die Oeffentlichkeit brachte. 


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Es gibt übrigens so manche Beschlüsse, die man ebensogut 
in den Ratsmanualen suchen könnte, die aber doch in den 
Aelternmanualen als Rats- oder Aelternverlässe stehen. Es kam 
da auch viel auf die Auflassung des altern Bürgermeisters an, 
der den Stoff für die Sitzungen austeilte, oder auch auf den 
reinen Zufall, wie denn an die altern Herrn gerichtete Gesuche 
auch zunächst in deren Sitzungen, wenn oft auch nur in vor¬ 
beratender Instanz, behandelt wurden. 

Wer die Nürnberger Aemter- und Finanzgeschichte, die 
ganze traurige Verfassung und den Niedergang des kleinen 
Staates, der damals schon zuzeiten in allen Fugen krachte, stu¬ 
dieren will, darf an den Manualen der älteren Herrn nicht vor¬ 
übergehen, sie werden ihm so manches Intime verraten, was in 
den Akten nicht mehr zu finden ist. Und welch glänzendes 
Elend dieser immer noch so angesehenen Republick enthüllen 
diese Bücher in der fortwährenden Behandlung von Darlehens¬ 
gesuchen von Kaiser und Reich, von Fürsten und Herrn, die 
alle zu befriedigen der unter der trostlosen Zerrüttung des 
eigenen Finanzwesens dahinsiechende Staat sich in so vielen 
Fällen ganz ausser Stande sah! Und doch musste er nur zu 
oft gute Miene zum bösen Spiele machen und wenn auch nicht 
alles, so doch einen erheblichen Teil bewilligen, nur um die 
eigene Not nicht zu offenbaren und den alten guten Ruf nicht 
zu gefährden. 

Wer die Geschichte des Nürnberger Handels, der, in den 
letzten Jahrhunderten der Reichsstadt von allen Seiten einge¬ 
engt, seine weltumspannende Bedeutung verloren hatte, aber 
immer noch eine hervorragende Stellung einnahm, erforschen 
will, wird auch den Aelternmanualen eine besondere Aufmerk¬ 
samkeit schenken müssen, wie nicht minder der, der Handwerk 
und Gewerbe in ihrer ganzen Organisation, in ihrer Stellung 
zum Rat und ihrer eigentümlichen Entwicklung und Bedeutung 
untersucht, sowie endlich der, der der Kunst- und Baugeschichte 
ein eingehendes Studium widmet. Sie alle finden auch in den 
Aelternmanualen neue Beiträge, empfangen mancherlei Anre¬ 
gungen und werden sich über so manches unterrichten können, 
worüber die sonstigen Aufzeichnungen schweigen, entweder weil 
sie verloren gegangen sind oder ihrer Natur nach darüber nicht 
berichten können. 


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Die Nürnberger Ratsbücber und Ratsmanuale. 


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6. Die Verlässe der Losunger. 

Gehen auch die Verlässe der Losunger nicht so weit zu¬ 
rück und sind sie auch inhaltlich nicht von jener hervorragen¬ 
den geschichtlichen und insbesondere kulturgeschichtlichen Be¬ 
deutung wie die des Rats- und des Aelternkollegiums, so sind 
sie doch aus einem besonderen Grunde für uns höchst wertvoll. 
Sie ermöglichen es nämlich, die Amtsbefugnisse der Losunger 
gegenüber denen des Rats und der älteren Herrn enger abzu- 
grenzen und klarer auseinanderzuhalten. Neben diesem rein 
verfassungsgeschichtlichen Moment ist es aber auch die hohe 
Bedeutung des ersten und vornehmsten Ratskollegiums an sich, 
die ein näheres Eingehen auf die durch seine Beschlüsse be¬ 
zeugte Tätigkeit uns zur Pflicht macht. 

Es muss hier gleich im Eingang bemerkt werden, dass für 
die Jahre 1641 —1647 ein „Verlassbuch des Losungs-Ampts“ — 
ein Büchlein in Quart — vorliegt, das aber bei näherem Zu¬ 
sehen nicht das bietet, was der Titel zu versprechen scheint. Es 
enthält nämlich auch nicht einen einzigen Verlass, der von den 
Losungern selbst ausgegangen wäre, sondern nur solche des 
kleinen und geheimen Rats, die sich an die Adresse der Lo¬ 
sunger richteten, von ihnen auszuführen waren oder doch für 
sie bemerkenswert erschienen. Solche Verlassbücher bestanden 
ja auch bei anderen Aemtern, wie dem Bauamt, dem Almosen- 
amt, dem Spitalamt usf., und waren für sie von grosser Wich¬ 
tigkeit, weil sie einmal ersehen Hessen, was in einzelnen Fällen 
dem Amt vom Rat aufgetragen worden war und weiter auch 
die Kompetenzen des einzelnen Amtes klar vor Augen führen. 

In dem erwähnten Verlassbuch des Losungsamts sind es 
meist eigentliche Ratsverlässe, selten auch Verlässe der älteren 
Herrn, die aus den gleichzeitigen Rats- und Aelternmanualen 
vollständig oder im Auszug wiedergegeben sind. Sie beziehen 
sich auf ärariale Angelegenheiten, auf Losungs- und Steuer¬ 
wesen, Staatsvermögen und Schulden, Zinszahlungen und Geld¬ 
verleihungen, Besoldungen und Verehrungen usf. 

Besonders hervorzuheben ist ein Verlass vom 22. Sep¬ 
tember 1643 und die mit roter Tinte beigeschriebene Bemer¬ 
kung, die eine abfällige Kritik des Buches enthält: 

„Hieronyraum Ammon, Canzleiregistrator“, lautet der Verlass, 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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„Süll man ufftragen, alle Verläse, darinnen Geldstraffen, was 
es auch für delikta betreffen möge, gedacht wird, in ein son¬ 
derbar hierzu bestimbt Buch einzutragen, damit man jedes- 
mals dasselbe mit den Rechnungen, dahin solche Straffgelder 
gehörig und verrechnet werden sollen, seontrire und gesehen 
werden könne, ob die Straffen richtig eingebracht werden.“ 
Die Bemerkung fügt noch hinzu: 

„Aber nicht, wie in diesem Buche von ihme beschehen, mehrer- 
teils gehaime Verläss indifferenter einzutragen, welches dem 
jüngeren Ratschreiber allein gepüret, aus seinem der Herren 
Eltern Manual, absonderlich, uneingepunden, sondern verpet- 
schiert in jedes Ampt zu schicken.“ 

Losungerverlassbiicher, die diesen Namen in der Tat ver¬ 
dienen, beginnen erst mit dem Jahre 1677 und reichen in fünf 
Foliobänden und einem Konvolut bis zum 31. August 1799. 
Also auch hier wieder wurden die Verlässe des Amts noch fort¬ 
geführt, nachdem das Amt selbst schon aufgehoben worden war. 
Durch Reichshofratskonklusum vom 29. Oktober 1798 war näm¬ 
lich das Losungsamt eingezogen und an dessen Stelle die Rent- 
kammer und das Zahlamt getreten. Aber die noch laufenden 
Geschäfte des Amtes mussten erst noch abgewickelt werden 
und das dauerte beinahe noch ein Jahr. 

Die Verlassbüeher der Losunger enthalten übrigens keines¬ 
wegs ausschliesslich von diesen ausgegangene Beschlüsse, sondern 
sind mit weiteren des Rats, des Septemviratskollegiums, der drei 
Obristhauptleute, der Losunger und Rechnungsrevisoren, der 
Losunger und Deputierten zum Münzwesen, sowie endlich der 
Ratswähler untermengt. 

Ratsverlässe begegnen in ihnen nur in ganz vereinzelten 
Fällen, häufiger sind Aelternverlässe. Sie haben deshalb Auf¬ 
nahme gefunden, weil sie sich an die Adresse der Losunger 
richteten und diese an sie erinnert sein wollten. In der Regel 
stehen sie auch in den Ratsmanualen oder denen der Aeltern- 
herrn. Allerdings kommt es auch vor, dass sich Aelternverlässe 
in den Losungerverlassbüchern vorgetragen finden, die man in 
den Aelternmanualen vergebens sucht, so eine geraume Zeit 
alle diejenigen, welche die Austeilung und Ersetzung der Rats¬ 
deputationen verfügen. Der Grund dieser Erscheinung ist wohl 
ganz äusserlich. Wie ein in das Losungerverlassbuch einge- 


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Die Nürnberger Ratsbiicher und Ratsmanuale. 


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tragener Aelternverlass vom Jahre 1683 ersehen lässt, war das 
Austeilungsgeschäft in der Losungstube vor sich gegangen und 
man trug nun das Protokoll in das Manual ein, das gerade zur 
Hand war. Es mag auch sein, dass aus Mangel an Geschäfts¬ 
kenntnis des Schreibers zuweilen Aelternverlässe in dieses Ma¬ 
nual gerieten, die nicht hineingehörten. Es ist zum wenigsten 
auffallend, dass zu wiederholtenmalen sich bei durch- oder an¬ 
gestrichenen Einträgen am Rande die Bemerkung findet: „Ge¬ 
hörtin das Manuale der Herrn Aeitern“ oder „ V. Verläss der Herren 
Aeltern“ oder „Ist von der Herren Aeltern Herrlichkeiten er¬ 
gangen“. 

Dass auch Beschlüsse der drei Obristhauptleute, der Lo- 
sunger und Rechnungsrevisoren, der Losunger und Deputierten 
zum Münzwesen und endlich der Ratswähler begegnen, kann 
nicht besonders befremden. Es konnte unmöglich praktisch sein, 
für diese selten vorkommenden Verlässe noch besondere Manuale 
anzulegen. Dann aber — und das war wohl das Entscheidende 
— bildeten entweder die Losunger den Hauptbestandteil jener 
Kollegien oder waren doch an dem Zustandekommen der Be¬ 
schlüsse beteiligt. Bilden doch gleich in dem Kollegium der 
Obristhauptleute die beiden Losunger die Mehrheit. 

Die Obristhauptleute fassten einmal Beschlüsse als oberste 
Sicherheitsbehörde, so z. B., wenn sie die Besetzung der Viertel¬ 
meisterstellen verfügten. Wenn sie ein andermal beschliessen, 
von der bedeutenden Geldsumme, die sich im Weizenbräuamt 
zumeist an Scheidemünze angehäuft und deren Belassung man 
der Feuersgefahr und anderer zu befürchtender Zufalle wegen 
für bedenklich halte, den 30 bis 35000 fl. überschreitenden Teil 
in einem geheimen Gewölbe der Losungstube einstweilen unter 
der beiden Deputierten des Weizenbräuamts Verschluss unter¬ 
zubringen, so kann auch dieser Fall hierher gerechnet werden. 

Einzelne nicht als Verfügungen der Obristhauptleute aus¬ 
gezeichnete Beschlüsse sind doch wohl ihnen zuzuschreiben, da 
sie kaum als zur Kompetenz der Losunger gehörig angesehen wer¬ 
den können, sondern in das Gebiet der Obristhauptleute fällen. So 
wenn ein Verlass vom Jahre 1742 das Bauamt auffordert, auf 
den Türmen, bei den Stadttoren die Versperre der Türen und Ver¬ 
schlage besonders bei den Schossgattern zu besichtigen und wo sich 
.etwas als schadhaft oder mangelhaft ergeben sollte, es zu ver- 


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Dr. E. Muminenhoff. 


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bessern und sonst Vorsorge zu treffen, dass niemand unten durch¬ 
kriechen oder auf andere Weise sich durchschleichen könne. Um 
dieselbe Zeit brachte man in Erfahrung, dass die Konstabler, wenn 
sie zum Schiessen auf die Türme kommandiert wurden, nicht 
auf den angewiesenen Wegen und Stiegen, sondern auf Ab¬ 
wegen dahingingen und dadurch veranlassten, dass andere ihnen 
folgten, wenn sie dieselhen nicht gar selbst mitnähmen. Da¬ 
durch aber entstände allerlei Unfug, auch könnten sich gefähr¬ 
liche Leute auf die Türme schleichen. Deshalb sollen die Zeug¬ 
herrn die Konstabler an weisen, sich der ihnen angewiesenen 
Wege und Stiegen zu bedienen. 

In einem andern Falle wird es nicht recht klar, weshalb 
er gerade den Obristhauptleuten zur näheren Behandlung zuge¬ 
wiesen wurde. Die Stadt war nämlich 1715 wegen der Gerichts¬ 
barkeit über einen hinter das Waldamt Sebaldi verherrten Unter¬ 
tan zu Stettenberg, Hans Fahner, mit den Herrn von Geuder 
in Streit und Irrung geraten. Acht bewehrte Leute der letz¬ 
teren waren in Stettenberg eingefallen und hatten den genannten 
Fahner gefänglich nach Heroldsberg abgeführt. Die Obristhaupt¬ 
leute erholen nun zunächst von dem Ratskonsulenten Schreiber 
ein Gutachten, wie dem geschehenen Eingriff in der Stadt Ge¬ 
rechtsame zu kontradizieren und wie sich sonst in die Sache zu 
schicken sein möge. Sodann legt der Rat gegen das Vorgehen 
der Geuder Protest ein, wogegen diese in einer „in sehr spitzigen 
Expressionen“ abgefassten Antwort erwidern. Auf Veranlassung 
der Obristhauptleute geht diese an die Herrn Hochgelehrten, um 
sie „hinwiederum tapfer zu beantworten und die auf allhiesigen 
Wäldern und mithin auch zu Stettenberg wohlhergebrachten 
Gerechtsame zu vindizioren, insonderheit aber anbei überlegen 
zu lassen, ob in der . . . Replik nicht die allhiesige Geudere 
ihrer obhabenden Ratspflichten, nach welchen ihnen des gemeinen 
Wesens kompetierende Jura viel mehr mit zu besorgen als zu 
kränken zustehet, zu erinnern und dass man allenfalls, woferne 
man jenseits nicht bonam fidem agnoszieren würde, die Turbalion 
allerhöchster Orten anhängig zu machen sich bemiissigt befinde, 
mit einfliessen zu lassen“. 

Noch w r eitere Beschlüsse werden durch die Obristhaupt¬ 
leute in dieser Angelegenheit gefasst, die dann auch, soweit wir 
sehen, zu einem den Ansprüchen der Stadt gemässen Ende geführt 


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Die Nürnberger Katsbücher und Ratsmanuale. 


95 


wurde. Unterm 29. September treffen die Losunger die Anord¬ 
nung, dass die Ratskonsulenten Link und Finkler unter Zuzie¬ 
hung des Konsulenten Schreiber in engerer Beratung bestimmen 
sollen, was in der Rückantwort den Geudern zu schreiben und 
auch sonst bei der nun bevorstehenden Beendigung der Inqui¬ 
sition mit dem jungen Fahner vorzunehmen sein möchte. Man 
hatte hier wohl die Hilfe der Obristhauptleute in Anspruch ge¬ 
nommen, weil es sich auch um Anwendung von Waffengewalt 
und die eventuelle Ergreifung des Fahner handelte. 

Auffallend und durch nichts begründet will es im Anfang 
bediinken, wenn die Obristhauptleute durchweg in Sachen der 
Georg Hallerschen Stiftung Beschlüsse fassen, während sonst 
doch Stiftungsangelegenheiten in der Regel in die Zuständigkeit 
der Losunger gehörten. Erst klar wird hier der Zusammenhang, 
wenn man aus dem Stiftungsbrief des Georg Haller vom Jahre 
1502 ersieht, dass er zu Exekutoren der nach ihm benannten 
„Vorschickung“ eben die jeweiligen drei Obristhauptleute be¬ 
stimmt hatte. 

Zum Behuf der Revision der Aemterrechnungen waren da¬ 
mals den Losungern noch zwei Revisoren, die aus dem Aeltern- 
kollegiuin deputiert wurden, zugeteilt. Die Revision der Rechnungen 
des Almosenamts fand um Walburgis, die der übrigen Aemter, 
deren Zahl sich auf 20 und mehr belief, um Lichtmess oder später 
statt. Die durch das Revisionsgeschäft veranlassten Beschlüsse 
haben gleichfalls in den Losungsverlassbüchern ihre Stelle ge¬ 
funden. 

Die Verlässe der fünf Wähler des Rats, von denen zwei 
aus den sieben ältern Herrn und drei aus den alten Ge¬ 
nannten durch Wahl hervorgingen, betreffen die Rechnungs¬ 
revision im Spital zum h. Geist, die etwa vier Wochen nach 
Ostern durch die Wähler und die drei Losunger in Gegenwart 
des Pflegers und der Beamten des Spitals vorgenonnnen wurde. 
Die Visitation des neuen oder Heiligengeistspitals galt nämlich 
als eine Zugehörung oder Dependenz der Ratswahl. Die Wähler¬ 
verlässe sind übrigens, was hier noch bemerkt werden möge, 
von keiner besonderen Wichtigkeit. 

Als Ergebnis einer Beratung der Losunger und Deputierten 
zum Münzwesen begegnet auch ein Verlass („der Herren Lo¬ 
sunger und Herren Deputierten zum Münzwesen“) vom Jahre 


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Dr. G. MummenhofT. 


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1746. Er betrifft den Gehalt des Münzmeisters, den Ankauf 
der Häuser und des Münzprägzeugs des vormaligen Münzmeisters 
Nürnberger und die Beischaffung der deshalb angefallenen Akten, 
sowie die Wiederbesetzung der Münzmeisterstelle. 

In den bezeichneten Gruppen sind, soviel ich sehe, alle 
jene Verlässe erschöpft, die nicht ausschliesslich von den Lo- 
sungern ausgegangen, sondern unter deren Mitwirkung und Ein¬ 
fluss in einem durch Deputierte verstärkten oder auch beson¬ 
deren Kollegium gefasst worden sind. Sie bilden die verschwin¬ 
dende Minderzahl gegenüber jenen Beschlüssen, die den in Rede 
stehenden Manualen mit Recht den Namen gegeben haben. 

Was den Inhalt der eigentlichen Losungsverlässe anlangt, 
so lassen sie die Vorrechte und Befugnisse, die den Losungern 
gegenüber dem Rat und dem Aelternkollegium zustanden, auf 
das deutlichste erkennen. In ihren Händen lag die Verwaltung 
des ganzen Finanzwesens in Stadt und Land, die Oberaufsicht 
über die sämtlichen Einnahmen und Ausgaben, der ordent¬ 
lichen und ausserordentlichen Anlagen, des Aktiv- und Passiv¬ 
vermögens. 

Weil den Losungern von jeher die Revision der Rech¬ 
nungen sämtlicher reichsstädtischer Aemter zustand, so ent¬ 
wickelte sich daraus naturgemäss auch die Befugnis zur Beauf¬ 
sichtigung ihres ganzen finanziellen Gebarens. In ihrer Eigen¬ 
schaft als Aufsichtsbehörde erlassen sie denn auch Dekrete an 
alle Aemter und fertigen sie aus in eigenem Namen. Sie ziehen 
die Kassareste ein und zahlen Zuschüsse aus an jene Aemter, die 
mit den eigenen Einnahmen die Kosten der Verwaltung nicht 
zu decken vermögen. 

Ihre Befugnisse dem Rat gegenüber haben sich allem An¬ 
schein nach erst ganz allmählich zu jenem beinahe feststehenden 
Inhalt ausgebildet, wie wir ihn zur Zeit, welche unsere Bücher 
umfassen, zu erkennen vermögen. Ihre Stellung als Verwalter 
des Staatsschatzes hatte es mit sich gebracht, dass sie hervor¬ 
ragende Rechte zunächst auf dem Gebiete des Finanzwesens 
nach und nach an sich gezogen, so dass man sie als die Finanz- 
minister der Reichsstadt mit Fug bezeichnen könnte. Die Lo¬ 
sungsbücher belehren uns darüber auf das eingehendste. 

Ihnen gebührte die Initiative, wenn es sich um die Votie- 
rung direkter wie indirekter Steuern handelte, und sie waren in 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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alle Verhältnisse des städtischen Finanzwesens, das sich je länger 
desto misslicher gestaltete, so tief eingeweiht, dass man ihnen hier 
wie überall, wo das Geld mitsprach, die Initiative überlassen 
m usste. 

Wie sie für die Aufbringung der zum Staatshaushalt er¬ 
forderlichen Mittel die entsprechenden Massnahmen zu treffen 
hatten, so lag ihnen ebenso die Einziehung der Steuern und 
Steuerrückstände ob, welche in den beiden letzten Jahrhunderten 
der reichsstädtischen Selbständigkeit immer mehr anwuchsen. 
Die hauptsächlichste direkte Steuer war die Losung. Sie wurde 
in früher Zeit als einfache, aber auch als halbe Losung, d. h. 
in der Höhe von 1 oder 1 /s°/o vom Vermögen erhoben. Später 
— und das beginnt im 17. Jahrhundert — kannte man nur noch 
die doppelte Losung, die als ausserordentlich drückend emp¬ 
funden wurde und die in Verbindung mit den übrigen hohen 
Anlagen als Ungeld, Getreideaufschlag, dann der Türken- und 
der Kopfsteuer, der Kreissteuer die Entwicklung des Wohl¬ 
standes unterband, den Zuzug finanzieller und industrieller Kräfte 
behinderte und den Abzug vermögender und unternehmungs¬ 
lustiger Kaufloute und tüchtiger Handwerker beförderte. 

Es muss übrigens bemerkt werden, dass die Losunger dem 
kleinen Rat für ihr finanzielles Gebaren Rechenschaft abzu¬ 
legen hatten und eine Revision ihrer Verwaltung alljährlich vor- 
genomraen wurde. Die Rechnungslegung erfolgte vor einem 
aus dem Rat verordneten Ausschuss von 7 oder 8 Mitgliedern, 
zu denen stets der ältere Bürgermeister an der Frage gehörte. 

Aber nicht allein in der Rechnungskontrolle durch den 
Rat zeigt sich die Verantwortlichkeit des Losungsamts gegen¬ 
über dem Ratskollegium. Aus zahlreich >n Losungsverlässen geht 
weiter hervor, dass sich die Losunger der Verantwortung in 
einer Sache durch deren Verweisung an den Rat zu entheben 
oder sich doch durch nachträgliche Genehmigung den Rücken 
zu decken suchten. So verweisen sie durch Verlass vom 21. Ok¬ 
tober 1719 den ehemaligen Vikarier zu Lauf, Konrad Martin 
Limburger, von dem sie vermuten, dass er um völlige Erlassung 
der Losung nachsuchen wolle, an den Rat. 1727 halten sie es 
für bedenklich, „wegen Aufbauung der ABC-Briicke privative 
einen Entschluss zu fassen“, sie lassen vielmehr die vom Bau¬ 
amt schon im Jahre 1719 angefertigten Designationen der Bau- 

Aruhivaliscbu Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 7 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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kosten nebst den Akten den Herrn ad aedes — d. h. in ihre 
Wohnungen — mitteilen, um in nächster Sitzung weiter zu 
überlegen, was in der Sache zu beschliessen sei. 

Ein anderesmal handelt es sich in erster Linie um einen 
weiteren Beitrag zur Fortführung und Vollendung des kaiser¬ 
lichen Reichsrats- und Reichshofratskanzleibaus in Wien. Der 
Konsulent Scheurl soll ein Antwortschreiben an den Reichs¬ 
vizekanzler abfassen und darauf hinweisen, dass die durch die 
langwierigen Reichskriege auf über 6 Millionen fl. angewachsenen 
Geld- und Mannschaftsbeiträge die Kräfte des Aerars erschöpft 
hätten und nur ein Beitrag von 2600 fl. gezahlt werden könnte. 
Weiterhin aber soll in der Kreismatrikularangelegenheit für die 
Stadt jene Ermässigung platzgreifen, die schon Kaiser Leopold 
1678 für recht und billig erkannt und der regierende Kaiser 
Karl VI. in Uebereinstimmung mit dem fränkischen Kreis für 
begründet erklärt habe. In dem am 29. März 1719 an das 
fränkische Kreisausschreibamt erlassenen Reskript habe er die 
Vertröstung getan, dass dereinst allerhöchsten Ortes die Mittel 
und Wege beim gesamten Reich eröffnet werden sollten, um das, 
was über die 1678 festgesetzte Proportion der Stadt durch die 
Ungunst der Zeit zugewachsen, wieder abzuschreiben und die 
Beitragsquote in Zukunft auf einen beständigen Fuss zu setzen. 
Der vom Ratskonsulenten deshalb abzufassende Aufsatz, der üb¬ 
rigens noch weitere Punkte enthalten soll, wird nach dem Be¬ 
schluss der Losunger vom 31. März 1727 am folgenden Tage 
dem Aelternkollegium und am nächstfolgenden dem gesamten 
Rat vorgelegt, damit wegen Determinierung des eigentlichen 
Geldquanti weiter oberherrlich Verfügung getroffen werde. 

Der holländische Gesandte beim Reichstag zu Regensburg 
Msr. de Calliere hatte 1727 zur Vertretung des Nürnberger Vo¬ 
tums den Konsulenten Mylius empfohlen, der sich mit einem 
Salär von 200 fl. begnügen wollte. Mittlerweile hatte man sich 
indes erinnert, dass man aus verschiedenen Ursachen das Votum 
in suspenso gelassen und sich lediglich mit der Korrespondenz 
des Sekretärs Wolfsteiner begnügt habe. Deshalb beschliessen 
die Losunger am 9. August 1727, die Akten den übrigen fünf 
Aeltern ad aedes mitzuteilen und nachzusehen, wie man es bei 
andern dergleichen Interzessionen gehalten, dann aber bei der 
nächsten Sitzung der Herrn Aeltern ungesäumt vorzulegen und 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


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ferner schlüssig zu werden, wie etwa Herrn v. Calliöre zu ant¬ 
worten sei. 

Das Zeugamt hatte 1728 zur Auszahlung von Handwerks¬ 
leuten abermals um eine Geldzubusse nachgesucht. Aber das 
Losungsamt — Verlass vom 14. April 1728 — erachtet es bei 
so vielen schweren und unvermeidlichen Ausgaben und der be¬ 
deutenden Abnahme der öffentlichen Gefälle für notwendig, 
dieses Ansinnen sowohl als des Losungsamts erstatteten Bericht 
und Vorstellung beim Aelternkollegium „vorzulegen, um diese 
Sache in fernere Beratschlagung ziehen zu können“. 

Dem Schauamtmann Gr. Michael Mann, der wegen Kränk¬ 
lichkeit und Abnahme des Sehvermögens um Enthebung von 
der Spezial- und Münzwardeinstelle nachgesucht hatte, wurde 
von den Losungern willfahrt und an seine Stelle der darum 
nachsuchende Buchhalter Sigmund Schatz ernannt. Zugleich 
wurde aber beschlossen — 16. Januar 1760 —, einem gesamten 
Rat behörige Eröffnung zu tun und solches der Ordnung und 
Gewohnheit gemäss vorzutragen. 

Die Licenciati juris, welche wegen Beilegung des Prädikats : 
Herr im Bürgerbuch und beim Losungschwören ein Memorial 
eingereicht hatten, wurden mit ihrem bedenklich erscheinenden 
Gesuch an den Rat verwiesen. 

Auf der anderen Seite genehmigen die Losunger die vom 
Rat im Aelternkollegium gefassten Beschlüsse. So lassen sie es 
sich — 7. August 1689 — nicht entgegen sein, dass nach An¬ 
leitung des Ratsverlasses vom 23. Juli Johann Adam Günthers 
bisheriges Salarium, wofür er nicht das Geringste leiste, kassiert 
und nach Vorschlag der Deputierten verwendet werde. 

Wiederholt beschliessen sie in Uibereinstimmung mit den 
Verlässen der Herrn Aeltern, wenn es sich um Einziehung von 
Kassaresten bei den geistlichen Stiftungen und staatlichen 
Aemtern handelt. Sie entsprechen auch den vom Rat gegebenen 
Anregungen, unterstützen z. B. auf die vom Rat geschehene 
Empfehlung 1765 die Leipziger Boten, die vom kaiserlichen 
Oberpostamt sehr bedrängt werden, mit 300 fl., die sie aus 
der Botenbüchse vorsehiessen. Die Kassierstelle im Losungs¬ 
restantenamt überträgt der Rat 1770 dem seitherigen Kasten¬ 
amtsschreiber zu Hersbruck, die Bestimmung des Ranges und 
Gehalts aber überlässt er den Losungern. 

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Dr. E. Mummenhoff. 


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Als im Jahre 1765 bei der Umwechslung der unkonven- 
tionsmässigen Münzen in konventionsmässige die Münzstätte mit 
zum Umwechseln und Einschmelzen bestimmten Münzen über¬ 
flutet wurde, trugen die Losunger auf die vom Rat ausgegangene 
Anregung dem Spital zum h. Geist, dem Katharinen- und Klara¬ 
kloster und dem Weizenbräuamt auf, das entbehrliche konven¬ 
tionsmässige Geld in ihren Kassen an den Münzmeister gegen 
Bescheinigung abzuliefern. 

1756 hatte der Rat beschlossen, den neuen Rektorstuhl 
der Universität Altdorf auf seine Kosten zu übernehmen. 
Die Losunger verfügten darauf, mit dem Bildhauer Johann 
Martin Ramstöck vorher wegen des Preises zu traktieren und 
deshalb den Baumeister Christoph Andreas ImhofT zu ersuchen, 
mit ihm einen Akkord abzuschliessen, zu welchem Ende dem 
Baumeister der Riss mit dem Voranschlag zu übermitteln sei. 
Dies nur einige Beispiele, die sich leicht durch weitere ver¬ 
mehren Hessen. 

Eine ganze Reihe von Verlässen der Losunger führen sich 
ein mit der Formel: „In Konformität des Verlasses der Aeltern 
hochadeligen Herrlichkeiten“ oder „In Konformität des heut 
emanierten Verlasses der Herren Aeltern Herrlichkeiten“ oder 
„In Konformität des unterm vorgestrigen Dato emanierten ober¬ 
herrlichen Verlasses“ oder auch „In Konformität der geäusserten 
oberherrlichen Intention“ und in ariderer ähnlicher Fassung und 
dokumentieren sich damit als Vollzugsverlässe der vom Aeltern- 
kollegium oder auch vom Rat gefassten Beschlüsse, wobei ihnen 
allerdings die Bestimmung der näheren Modalitäten der Aus¬ 
führung überlassen blieb. 

Die Losunger hatten als die ersten des Rats und die höchsten 
Finanzbeamten ein Oberaufsichtsrecht über sämtliche Aemter. 

In erster Linie ünterstand ihnen die Verwaltung des „Amts 
der Vesten und Richteramts Wöhrd“ und des Oberrichteramts 
oder Pflegamts Gostenhof. 

Das Amt der Veste und das Richteramt Wöhrd war durch 
den Kauf vom 27. Juni 1427 von den Markgrafen von Branden¬ 
burg zugleich mit der Burg und den burggräflichen Rechten 
an den Wäldern an die Reichsstadt übergegangen. Das Amt 
der Veste umfasste ausser Wöhrd selbst und dem diesem gegen¬ 
überliegenden Dürrenhof auf der anderen Seite der Pegnitz noch 


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Die Nürnberger Ratebüoher und Ratsmanuale. 


101 


die vier Dörfer Schniegling, Buch, Schnepfenreuth und Höfles. 
Der andere Nürnberger Vorort, Gostenhof, war als burggräfliches 
Lehen seit 1342 im Besitz der Waldstromer. Trotz der Lehens¬ 
herrlichkeit der Burggrafen hatte der Rat sich in Gostenhof 
nicht unbedeutende Rechte zu erwerben gewusst. Im Jahre 
1379 vertrug er sich mit Hans Waldstromer in freundlicher 
Weise wegen der Zahl der von diesem zu haltenden Gewand¬ 
schneider, wegen der Entfestigung und Umzäunung des Ortes 
und der Handwerker daselbst. Nach der Beendigung des ersten 
markgräflichen Kriegs kaufte der Rat 1453 die Lehensherrlich¬ 
keit über den Gostenhof von Markgraf Albrecht Achilles, ein 
für die Stadt höchst wichtiger Erwerb. Von den Waldstromern 
kam das Dorf zur Hälfte an die Graser, dann einzelne Teile 
von den Waldstromern und Grasern an das Heiliggeistspital, 
das schliesslich den ganzen Gostenhof an sich brachte. Von 
ihm erwarb ihn der Rat im Jahre 1447 und machte ein beson¬ 
deres Amt daraus, das er einem Pfleger unterstellte, dem er seit 
1520 noch einen Unterpfleger beigab. Es darf wohl angenommen 
werden, dass Gostenhof wie Wöhrd nach ihrer Erwerbung 
dem Losungsamt direkt unterstellt wurden. Die Losunger 
nennen sich selbst die Oberrichter von Wöhrd und Gostenhof. 
Es gibt kaum etwas in der ganzen Verwaltung der beiden 
Aemter, worauf die Losunger nicht in irgend einer Weise ein¬ 
gewirkt hätten, soweit sie nicht ganz selbständig, was die Regel 
war, Verfügungen trafen. Die Besetzung des Richteramts Wöhrd, 
die Bestätigung des Ober- und Unterpflegers in Gostenhof, die 
Besetzung der Stellen der Gemeindemeister, der Kirchen- und 
Schulpfleger, sowie aller übrigen Aemter und Funktionen bis 
herab zum Torsperrer und Nachtwächter lag in ihrer Zuständig¬ 
keit. Die ganze Gerichtsbarkeit und Verwaltung stand unter 
ihrer Aufsicht. Ihre Oberaufsicht erstreckte sich wie über das 
Amts- oder Pfleggericht in den beiden Aemtern, deren Urteile 
sie zuweilen reformierten, so auch über das Fünfergericht zu 
Wöhrd, das über Händel und Injurien aburteilte. Nur das pein¬ 
liche Gerichtsverfahren gehörte zur Kompetenz des Stadtgerichts, 
beziehungsweise des Rats der Reichsstadt. 

Was insbesondere Wöhrd angeht, so wurde die jährliche 
feierliche Ratswahl unter Vorsitz der Losunger und unter Bei¬ 
sitz der Losungsräte vorgenommen, bei welcher Gelegenheit 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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auch der Richter des Amts der Veste, der in der Regel ein 
Patrizier war, bestätigt wurde. 

Der Richter des Amts der Veste oder Amtmann der Stadt 
Burgfriedens hatte seinen Sitz auf der Amtmannswohnung der 
Burggrafenburg, wo auch das Gericht des Amts der Veste ab¬ 
gehalten wurde. Die Stelle besetzten die Losunger. Es konnte 
allerdings auch Vorkommen, dass sie die Verantwortung für die 
Anstellung des Amtmanns nicht übernehmen wollten, sondern 
sie dem Aelternkollegium zuschoben. So 1728, als sie die Be¬ 
setzung der „ohnehin von ihnen privative vergebenen Amt¬ 
mannsstelle auf der Stadt Burgfrieden aus guten Ursachen, je¬ 
doch ohne fernere Konsequenz“ an die Herrn Aeltern verwiesen. 
1741 verliehen sie die Wohnung auf dem Burgfrieden, womit 
auch die Sperre des Sinwellturms verbunden war, dem Stadt¬ 
gerichtsassessor Veit Holzschuher und verfügten zugleich, dass 
dieser Akt im Amtsbuch vorgetragen werde, damit bei den öster¬ 
lichen Verpflichtungen darauf Bezug genommen werden könne. 

Ebenso besetzten sie die Konsulentenstelle am Amt der 
Veste und Richteramt Wöhrd in gerichtlichen wie aussergericht- 
lichen Angelegenheiten. 

Bemerkt sei hier, dass die beim Brand des Wöhrder Rat¬ 
hauses im Jahre 1719 geretteten Dokumente auf Befehl der 
Losunger auf die Burg und zwar wohl in die Amtmannswoh¬ 
nung verbracht wurden. 

Ein neues Salbuch des Richteramts Wöhrd und des Amts 
der Veste wurde noch im Jahre 1774 angelegt. Der Losunger- 
verlass vom 21. Mai dieses Jahres bestimmt, dass, um nach und 
nach das wichtige und nützliche Geschäft eines neu zu errich¬ 
tenden Salbuchs über die zum Richteramt Wöhrd und Amt der 
Veste gehörigen Lehen und Güter vollständig zustande zu 
bringen, mit der Revision der Güter der Anfang zu machen, 
die Ausmessung aber, sowie die Errichtung der Bücher noch 
zu umgehen und erst der Fortgang dieser Probe abzuwarten 
sei, worauf dann sowohl wegen einer Anlage zur Bestreitung 
der Kosten, als auch wegen Formierung der Bücher das Weitere 
zu bestimmen sein werde. 

Dass sie auch bezüglich der zum Amt der Veste gehörigen 
Orte Dürrenhof mit Vogelgarten und Flaschenhof, Feilhof, Buch, 
Schnepfenreut, Höfles und Schniegling Verfügungen trafen, ist 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


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wohl selbstverständlich und geht aus zahlreichen Losungerver- 
lässen hervor. Steinbühl wurde zum Pflegamt Gostenhof ge¬ 
rechnet. Kommen weitere Ortschaften vor, so handelt es sich 
wie bei Laufamholz, Mögeldorf, Rotenberg und Hartenstein u. a. 
um Steuern, Handlohn und besondere Geldausgaben oder um 
staatsrechtliche Akte, bei denen die Losunger beteiligt waren. 

Den Oberpfleger in Gostenhof ernannte der Rat, die Lo¬ 
sunger bestätigten und verpflichteten ihn und stellten ihn 
der Gemeinde vor. 1682 war die Stelle des Oberpflegers in 
Gostenhof, die durch die Ernennung des Gg. Andreas Hars- 
dörffer zum Richter in Wöhrd erledigt war, dem Andreas Imhoff 
übertragen worden. Das Losungerverlassbuch hat den Hergang 
der Einführung, der nicht ohne Interesse ist, festgehalten, ohne 
Zweifel, um Anhaltspunkte für die Zukunft zu geben. Am 
29. Mai des genannten Jahres fuhren die Losunger nach Gosten¬ 
hof hinaus in das Pfleghaus und erwarteten dort in der Tenne 
die Bürger, Einwohner und Beständner, die tags vorher durch 
den Amtsknecht erfordert worden waren. Darauf hielt der vor¬ 
derste Losunger Georg Paul Imhof eine Anrede mit ungefähr 
diesen Worten: „Liebe Freunde! Nachdem bei Ersetzung der 
in diesem Jahre erledigten Aemter diese Oberpflege von einem 
wohledlen, gestrengen und hoch weisen Rat gegenwärtigem dem 
auch wohledlen und gestrengen Andreas Imhoffetc. etc. an vertrauet 
worden, als habe man ihn jetzund einer ganzen Gemeine vor¬ 
stellen und sie zugleich vermahnen wollen, ihm allen schuldigen 
Respekt und Gehorsam zu erweisen, auf Sein Begehren jederzeit 
unverzüglich zu erscheinen und all demjenigen, so er im Namen 
eines woledelgedachten Rats sowohl ihnen insgesamt, als einem 
jeden absonderlich anbefohlen wird, fieissig und getreulich nach¬ 
zukommen, worauf einer nach dem andern dem neuen Ober¬ 
pfleger angelobet und hernach hinausgegangen, auch beede 
Herren Losunger Herrlichkeiten neben dem Losungsamtmann Jakob 
Wilhelm Löffelholz, so diesem Actui von Amtswegen beige¬ 
wohnet, ihm gratuliert und zugleich ihren Abschied genommen, 
damit denn auch diese Präsentation ihre Endschaft erreichet.“ 

Um es nochmals festzustellen, die Amtsbefugnisse der Lo¬ 
sunger in den beiden Vorstädten erstreckten sich gleichmässig 
auf Kirche und Schule, auf Gemeinde und Handwerk, auf Recht, 
Verwaltung und Polizei. Selbst der seinerzeit in der ganzen 


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Dr. E. Mummenhoff. 


Welt Aufsehen erregende Aeronaut Blanchard entging ihnen 
nicht. Als er 1787 auch von Gostenhof aus einen Aufflug unter¬ 
nehmen wollte, erhielt das Pflegamt die Anweisung, die von 
ihm gemachten Vorschläge zur Erhaltung guter und allgemeiner 
Sicherheit bei der Auffahrt des Luftseglers Blanchard durch¬ 
zuführen. 

Die Losunger übten über die Geschäftsführung der sämt¬ 
lichen Aemter, zumal nach der finanziellen Seite hin, eine Kon¬ 
trolle aus. Allein oder zusammen mit den Rechnungsrevisoren, 
mit denen sie die Rechnungen prüften, Hessen sie es an Mah¬ 
nungen zur Sparsamkeit nicht fehlen und bekümmerten sich hier 
um die kleinsten Dinge. So gaben sie 1682 der Kanzlei die 
Anweisung, bei der Reichutig der zur Schreiberei gehörigen 
Materialien den sowohl im laufenden als in den früheren Jahren 
hervorgetretenen grossen Verbrauch einzuschränken und be¬ 
sonders die Tinte nicht jedermann und nicht solchen Per¬ 
sonen, die zu dem Nürnberger Regiment weder auf dem Rat¬ 
haus noch sonst in einem Dienstverhältnis ständen, abzugeben, 
und einer gleiclnnässigen Sparsamkeit soll auch der über das 
Papier gesetzte Kanzlist beflissen sein. 1600 bestimmten sie, 
Kanzlei und Hausvogtei sollten fleissig aufzeichnen, was an 
Papier, Wachs, Tinte, Speise und Trank bei den Kreisversamm¬ 
lungen gereicht werde. Diese Unkosten aber sollte die Kreis¬ 
kasse wieder ersetzen. 1716 rügen sie und die Rechnungsrevi¬ 
soren, dass verschiedene Zimmer im Rathaus überheizt würden, 
so dass man darin nicht bleiben könne und die Fenster öffnen 
müsse. Daraus sei aber abzunehmen, wieviel Holz unnötiger¬ 
weise verbrannt werde, daher sei dem Hausvogt Müller zu be¬ 
deuten, in Zukunft die Ofenlöcher, wie ehedem gebräuchlich 
gewesen, wieder zu versperren, damit nicht jedermann nach 
seinem Gefallen einfeuern könne, auch bei dem Holz, soviel nur 
immer möglich und die Notdurft es nicht erfordere, der Spar¬ 
samkeit sich zu befleissigen. 

Bedenklicher erscheinen schon die übermässigen Ausgaben 
beim Zeugaint. Der Zeugmeister Kreuznacher verlangte 1730 
544 11. zur Befriedigung verschiedener Handwerksleute. Die 
Summe wurde ihm zwar bewilligt, zugleich aber verfügt, die 
Zeugherrn sollten den Zeugmeister anweisen, fernerhin und be¬ 
vor die Kreistagskasse wegen der verfallenen 11195 fl. nicht 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


105 


in etwas vergnügt und die Kriegsstube an ihrer Forderung von 
42549 fl. ein Namhaftes abgetragen, die Losungstube mit derlei 
starken Anforderungen zu verschonen und daran zu sein, 
dass bei dem demnächst erfolgenden Rechnungsabschluss die 
Handwerksleute von den aus der Landpflegstube wegen der 
Pulverlieferung zu erhoffenden Geldern befriedigt und das Lo¬ 
sungsamt mit fernerer Geldforderung nicht unnötig beschwert 
werde. 

Es kam auch vor, dass die Losunger die Entscheidung 
wegen übermässig erscheinender Inanspruchnahme der Losung¬ 
stube an die Herrn Aeltern verwiesen. Wieder war es das 
Zeugamt, das zwei Jahre vorher den Losungern Anlass zur Rüge 
gab. Auch diesmal verlangte es eine Zubusse zur Befriedigung 
der Forderungen einiger Handwerksleute in der Höhe von 284 fl. 
Die Losunger aber waren der Meinung, dass dergleichen Extra- 
ordinaria dem Losungsamt „bei so vielen auf dem Nacken haben¬ 
den schweren und unvermeidlichen Ausgaben“ bei der derma- 
ligen starken Abnahme der öffentlichen Gefälle unerschwinglich 
fielen. Sie hielten es deshalb für eine Notdurft, sow 7 ohl dieses 
Ansinnen als auch des Losungsamts erstatteten Bericht dem 
hochansehnlichen Kollegio der Herrn Aeltern hochedlen Herr¬ 
lichkeiten vorzulegen, um diese Sache in fernere Beratung zu 
ziehen. 

Von den Aemtern, die der besonderen Aufsicht der Losunger 
unterstanden, ist an erster Stelle das Schau- und Münzamt zu 
nennen. Der Verkehr zwischen Losungsamt und Schauamt war 
ein äusserst lebhafter. Das Schauamt hatte die Münzen auf 
ihren Gehalt und ihr Gewicht zu prüfen, es gab die neuge¬ 
prägten Münzen aus, zog die geringhaltigen Stücke und Sorten 
ein, wechselte das kleine Geld gegen grobe Sorten um und pro¬ 
bierte auch die von den Goldschmieden gefertigten Arbeiten auf 
ihre vorgeschriebene Legierung. Die Losung war an das Schauamt 
unter bestimmt vorgeschriebenen Modalitäten zu entrichten. Das 
Schauamt war gewissermassen das Depositorium des Losungsamts 
und zugleich eine Art Bank, die den Geldwechsel zuweilen in nicht 
unbedeutendem Masse betrieb und auch mit den ihm überge¬ 
benen Geldern Geschäfte machte. Es kam vor, dass Nürnberger 
Kaufleute und Juden auf den Messen oder bei einem sonstigen 
Aufenthalt zu Wien, Frankfurt, Wetzlar, Würzburg und anderswo 


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den dortigen Kaufleuten die verfallenen Zinsen von den auf 
der Nürnberger Losungstube angelegten Kapitalien zahlten 
und sie dann ohne alle Kosten und Provision gegen Vorzeigung 
der Quittungen vom Schauamt wieder ausbezahlt erhielten. Die 
Losunger, in der richtigen Erkenntnis dieses für das Losungs¬ 
amt so günstigen und bequemen Zahlungsmodus, wiesen das 
Schauamt im Jahre 1720 an, in Zukunft solche Forderungen vor 
allen anderen zu befriedigen. Sollten aber die Mittel dafür nicht 
sofort bereit sein, so hätte das Schauamt dies den Losungern 
anzuzeigen, damit man die erforderlichen Anstalten treffen könne. 
Die vorzügliche Abfertigung der fremden Forderungen soll aber 
geheim gehalten und im übrigen alle diejenigen, welche sonst 
Zinsen und andere Gelder einzunehmen haben, bei nicht gleich 
zur Verfügung stehender Barschaft auf eine kleine Zeit zur Ge¬ 
duld vertröstet werden. 

Von Interesse ist hier auch ein Losungerverlass vom 7. Sep¬ 
tember 1726. Im Jahre 1717 war ein Aelternverlass ergangen, 
wonach die bei den Deputationen und dem Stadtgericht „feiernd 
liegenden Gelder“ in die Schau geliefert und zu des Staates 
und der streitenden Parteien Besten bis zu Austrag der Sache 
jährlich zu 3°/o verzinst werden sollten. Diese Absicht, meinen 
die Losunger in einem Erlass vom 7. September 1726, sei nicht 
zu erreichen, wenn mit dem Losungsamt nicht wegen ander¬ 
weitiger Unterbringung und Employierung solcher Gelder zuvor 
eine behörige Kommunikation gepflogen oder wenn solche depo¬ 
nierte Posten verpetschiert in die Schau gegeben würden. Bei letz¬ 
terem Verfahren bestände dazu die Gefahr der Entwertung der 
Sorten zum Schaden der Beteiligten. Zur Vermeidung dieser 
und anderweitiger Unzuträglichkeiten wurde deshalb der Schau¬ 
amtmann angewiesen, in Zukunft von niemand mehr dergleichen 
hinterlegte versiegelte Gelder ohne Vorwissen und den ausdrück¬ 
lichen Befehl des Losungsamts anzunehmen und zu quittieren, 
sondern sich in jedem einzelnen Falle deshalb Bescheid zu 
erholen. 

Aus dem ständigen lebhaften Verkehr, den das Losungs- 
arnt mit dem Schauamt unterhielt, musste sich ganz von selbst 
ein Aufsichtsrecht der Losunger ausbilden. Die Losunger er¬ 
nannten auch den Schauamtmann bezw. den Miinzwardein. Als 
der Schauamtmann Gr. Michael Mann 1760 wegen Kränklichkeit 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


107 


und Gesichtsabnahme um Enthebung von der Miinzwardeinstelle 
einkam, wurde an seiner Statt der Buchhalter im Losungsamt 
Sigmund Schatz ernannt, zugleich aber beschlossen, „von diesem 
allen einem gesamten Rat behörige Eröffnung zu tun und solches 
der Ordnung und Gewohnheit gemäss zur Bestätigung vorzu¬ 
legen“. 

Aus den Losungerverlässen geht auch hervor, dass in 
Nürnberg ein Tontinenamt bestand. Es war das eine zuerst 
in Frankreich 1689 aufgekomraene Versicherungsanstalt, die 
Einzahlungen mit der Verpflichtung annahm, sie nach bestimmter 
Zeit den Einlegern, die noch am Leben, als Kapital oder Rente 
zurückzuzahlen. Soweit Renten in Betracht kamen, waren die 
Einleger nach Massgabe des Alters in verschiedene Klassen ein¬ 
geteilt, deren Ueberlebende die Renten der Verstorbenen erbten, 
bis der letzte die sämtlichen Renten seiner Klasse erhielt, die 
nach seinem Tode der Tontine zufielen. Das Tontinenamt unter¬ 
stand der direkten Aufsicht der Losunger, die auch die Be¬ 
amten anstellten. 1793 kam der Buchhalter im Tontinenamt 
Peter Gottlieb Pflüger bei den Losungern darum ein, ihm bei 
der grossen Abnahme seiner Kräfte einen Adjunkten beizugeben. 
Von zwei Kandidaten erhielt Valentin Bischof die Stelle mit 
der Auflage, nicht nur den Pflüger auf Lebenszeit unentgelt¬ 
lich zu vertreten, sondern auch nach dessen Tode der Witwe 
über den gewöhnlichen Nachsitz noch zwei Jahre lang viertel¬ 
jährlich 25 fl. abzugeben. Dafür wurde er als der künf¬ 
tige Nachfolger Pflügers designiert. 1795 erhielt die Konsulent 
Peyersche Stiftungsexekution die Anweisung, an den Adjunkten 
des immer schwächer werdenden Tontinenbuchhalters Pflüger 
— Bischof — solange jährlich 25 fl. abzugeben, bis er in das 
gewöhnliche Salär würde eintreten können. 

F'erner war es das Weg- und Stegamt, das seine Weisungen 
oft direkt von den Losungern empfing, so z. B. 1727, als es 
sich um die Reparatur des Brückleins am Hirschsprung auf der 
Heroldsbergerstrasse oder später (1728 und 1740) um die Pflaste¬ 
rung der Strasse bei Thon, die schon zuZeiten des Baumeisters 
Endres Tücher die Eigenschaft hatte, „bös“, d. h. unwegsam, zu 
sein, oder um den Bau der Brücke zu Rückersdorf (1731), die 
Reparatur des Pflasters bei St. Leonhard (1736) oder des Brück¬ 
leins bei St. Peter über den Landgraben (1737) oder um das so 


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oft schadhafte Pflaster am Geschaidter Berg (1740, 1767) und 
andere Wege und Strassen handelte. Die Losunger bewilligten 
hier im ausserordentlichen Wege die erforderlichen Mittel oder 
deckten zuweilen mit kaum verhehlter Unzufriedenheit die 
wiederholt nicht geringen Ueberschreitungen. 

In direkten Beziehungen stand das Losungsamt zu allen 
Zahl- und Steuerämtern, zu dem Losungsrestantenamt, dem 
schon erwähnten Ungeldamt, das die auf Getränke, Getreide 
und Nahrungsmittel gelegten Aufschläge erhob, zum Nachsteuer¬ 
amt, zum Zoll- und Wagamt, zum Zinsmeisteramt, zum Ochsen- 
und Unschlittamt, Weizenbräuamt und anderen Aemtern, dann 
zu den sämtlichen kirchlichen Stiftungsverwaltungen, kurz zu 
allen Aemtern, die mit Ueberschüssen, zuweilen aber auch mit 
Fehlbeträgen, zu rechnen hatten. Es mag hier noch bemerkt 
werden, dass die Losunger auch wegen der Ziehung des kleinen 
und grossen Lottos, die auf dem grossen Rathaussaal stattfand, 
Verfügungen trafen. 171B befürchteten sie bei der Ziehung des 
kleinen Lottos einen grossen Volksandrang. Zur Verhütung von 
Unordnung wurden auf Vorschlag der Kriegsräte zwei Feldwebel 
zum Gänglein bei der Ratsstube und ein Korporal mit zwei 
Grenadieren zur andern Saaltür kommandiert mit der Order, durch 
das Gänglein niemand anders als die Herrn des Rats und die, 
die sonst beim Lotto von Arntswegen zu tun hätten, und durch 
die Saaltiire ausser ehrbaren Leuten nur solche, die sich durch 
Vorweisung ihrer Zettel legitimieren könnten, passieren zu lassen 
und insbesondere Kinder fernzuhalten. Im Jahre 1716 sollte 
am 25. Mai mit Ziehung des grösseren Lottos, soweit bis dahin 
hatte kollektiert werden können, auf dem Rathaussaal der An¬ 
fang gemacht werden. Die Losunger verfügten nun — 15. Mai —, 
das, was durch die Kollektion bis dahin an dem numerus ro- 
tundus nicht erreicht wäre, zur Beförderung des Werks aus dem 
Gewinn oder dem zehnten Pfennig, den der Fiskus davon ein- 
nahrn, zu ergänzen. Im Jahre 1750 hatte der Bankier Hut 
wegen Einrichtung einer Lotterie ein Gutachten abgegeben. Die 
Losunger stellten es dann dem Ermessen der Deputierten an¬ 
heim, ob noch jemand vom Handelsstande zu Rate gezogen und 
dann je eher je lieber das Projekt mit ihren Vorschlägen wegen 
Einrichtung dieses Lotteriewerks bei Rat vor gelegt werden solle, 
damit der Plan durch den Druck dem Publikum bekannt gemacht 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanuale. 


109 


werden könne. Den bei der Durchführung der Lotterie betei¬ 
ligten Beamten wurden nicht unbedeutende Remunerationen 
gewährt. So verfügten die Losunger am 6. April 1770, dass 
den bei der Ziehung der zweiten Lotterie tätig gewesenen De¬ 
putierten, wie bei der ersten, wieder je 100 fl. Kurrent und 
den Abgeordneten des Handelsplatzes je 80 fl. Kurrent, dem 
Losungsrat J. C. S. Kress für die wieder besorgten Unter¬ 
schriften der Lose 75 fl., dem Schauamtmann 40 fl., dem Banko- 
buchhalter Baumann endlich wegen der für das Aerarium publi¬ 
cum gefallenen Gewinnste und anderweitige Bemühungen 50 fl. 
in Münze zugestellt werden sollten. 

Ein besonderes Aufsichtsrecht stand den Losungern über 
das Archiv und die Bibliothek sowie die Registratur zu. Das 
ältere reichsstädtische Archiv war in den Losungsstuben unter¬ 
gebracht, die Repertorien waren hier bearbeitet worden, eines 
der ältesten unter der Aufsicht des vordersten Losungers Niko¬ 
laus Muffel, der 1469 bekanntlich wegen Veruntreuung staat¬ 
licher Gelder durch den Strang gerichtet wurde. 

Die Ordnung im Archiv scheint nicht immer die muster¬ 
hafteste gewesen zu sein. 1710 hatten die Losunger aus des 
Losungsamts geheimen Repertorium ersehen, dass verschiedene 
Originaldokumente, die in das Archiv gehörten, ehemals von ver¬ 
schiedenen Aemtern in ein oder anderer Angelegenheit erholt, 
aber nicht wieder zurückgegeben worden waren. Insbesondere 
hatte das Landalmosenamt unterschiedliche in einem besonderen 
Verzeichnis aufgeführte Stücke nicht wieder abgeliefert. Die 
Losunger verfügen daher „aus obliegender Sorgfalt“, dass diese 
Dokumente „ohnbeschwert förderlich zusammengesucht“, davon 
vidimierte Abschriften bei Amt zurückbehalten, die Originale 
aber zur gehörigen Aufbewahrung wieder an das Losungsamt 
zurückgegeben werden sollen. Tn alten Akten und Repertorien 
der grösseren Registratur war wiederholt wegen des Ebracher 
Hofs und der mit dem Kloster Ebrach deshalb geschlossenen 
Verträge auf ein braunes Buch Bezug genommen. Dieses Buch 
war in der Registatur nicht zu finden, dagegen dem Vernehmen 
nach ein authentisches altes sog. braunes Bortenbuch im Kloster 
St. Klara vorhanden. Ein Losungerverlass vom 13. Februar 
1740 verfügt nun, besagtes Amt solle es auf ein paar Tage ins 
Losungsamt hinübergeben, damit dort festgestellt werden könne, 


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Dr. E. Mummenhoff. 


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ob die angegebenen Folien übereinstirnmten. Wiederholt geben 
uns die Losungerverlässe Aufschluss über den Ankauf wichtiger 
„Manuskripte und Skripturen“. So kauften die Losunger 1765 
Handschriften, die der Registrator Christoph Jakob Imhoff ange- 
boten hatte. Mit der verwitweten Frau Konsulent Hüls pflogen 
sie 1766 Unterhandlungen wegen der Ausantwortung der von 
ihrem verstorbenen Mann zu seinem Gebrauch gesammelten ge¬ 
heimen Skripturen. Man liess ihr durch den Obersten Imhoff 
ein Douceur von sechs Konventionstalern überreichen und dabei 
eröffnen, dass man sich gewiss zu ihr versehe, dass, falls sich 
noch weitere dem Publico zuständige Pifecen finden sollten, sie 
dieselben ebenfalls der Behörde ausliefern würde. Im Nachlass 
des verstorbenen Wöhrder Gerichtsschreibers Leukam batten sich 
1772 Norica vorgefunden, auf die Georg Nikolaus v. Merz An¬ 
sprüche erhob. Die Losunger halten es aber für allzu bedenk¬ 
lich, sie ihm seinem Ansuchen gemäss verabfolgen zu lassen. 
Sollte er aber darauf bestehen, so sei es ihm zu überlassen, ob 
er sich an das Kollegium der Aeltern oder den gesamten Rat 
wenden wolle. 

Auch die auswärts an die Oeffentlichkeit tretenden Hand¬ 
schriften und Archivalien suchten sich die Losunger zu sichern. 
Im Jahre 1730 fand die Versteigerung der Uffenbachschen Bi¬ 
bliothek zu Frankfurt a. M. statt, die auch Nürnberger Chroniken 
und andere auf verschiedene Nürnberger Klöster und Stiftungen 
bezügliche Handschriften enthielt. Die Losunger beschlossen 
den Ankauf dieser Stücke. Der Kirchenpfleger soll deshalb mit 
Professor Schwarz von Altdorf reden, ihm das aus dem Katalog 
ausgezogene Verzeichnis in Abschrift behändigen und sondieren, 
ob er jene Manuskripte um einen billigen Preis sich zu erwerben 
getraue. Falls er hiezu erbötig sein würde, solle die weitere 
Behandlung der Sache ihm übertragen und wegen des Preises 
berichtet werden. 

Besonders liebte man es damals, sog. Kuriositäten, ins Auge 
fallende Naturspiele und Aehnliches zu sammeln und damit die 
Bibliothekräume und andere Gemächer auszustatten. In der 
Stadtbibliothek befinden sich heute noch verschiedene Merkwür¬ 
digkeiten solcher Art aus reichsstädtischer Zeit, z. B. die grosse 
Agave, die im Jahre 1726 zu Gostenhof in dem Garten des be¬ 
rühmten Botanikers und Hortologen, des Herausgebers der 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsnianuale. 


111 


Hesperiden Joh. Georg Volckamer zur Blüte gekommen war, 
oder merkwürdige Versteinerungen, Baumbildungen, Schildkröten¬ 
schalen, ja sogar ein junger Haifisch, der in getrocknetem Zu¬ 
stande an der Decke hängt. Im Jahre 1725 war die auf dem 
Kaiserbild der Ehrenpforte hervorgesprosste, in einen silberver¬ 
goldeten Rahmen gefasste Kornähre vom Konsulenten Walther 
aus Wien an den Rat oder die Losunger gesandt worden. Sie 
war schon im Jahre 1712 auf der Triumphpforte Kaiser Karls VI., 
der am 15. Januar seinen feierlichen Einzug in Nürnberg ge¬ 
halten, an jener bevorzugten Stelle gewachsen und hatte bis 
zum Mai, als die Ehrenpforte abgebrochen wurde, Zeit zu ihrer 
Entwicklung gefunden. Als gute Vorbedeutung, gewissermassen 
als Ankündigung fetter Jahre unter dem neuen Regiment, war 
sie dann eingerahmt nach Wien gesandt worden und nun nach 
so langer Zeit wieder an den Ort ihres Ursprungs zurückgekehrt. 
Die Losunger trafen jetzt die Anordnung, dass sie durch den 
Kirchenpfleger mit dem darüber ausgestellten, auf Pergament 
geschriebenen Kanzleiattest in die Bibliothek an der Prediger¬ 
kirche eingeliefert und dort verwahrlich aufbehalten werden 
solle. Diese glücklichere Zeiten verkündende Kornähre in ihrem 
silbervergoldeten Renaissancerahmen mit der darüber in der 
Kanzlei ausgestellten Pergamenturkunde vom 28. Juni 1712 
wird noch heute unter den Kuriositäten der Stadtbibliothek 
gezeigt. 

Von einer Archivbenutzung in unserem Sinne kann für 
jene Zeit in keiner Weise die Rede sein. Man hielt mit den 
Zeugnissen der Vergangenheit möglichst zurück, weil man be¬ 
fürchtete, es könnten daraus von gegnerischer Seite Waffen 
gegen Besitz und Gerechtsame der Stadt geschmiedet werden. 
Hütete man doch sogar die bekannten Müllnerschen Annalen 
wie ein Buch mit sieben Siegeln. 1726 hatte man in Erfahrung 
gebracht, dass sie Johann Martin Grössmann und Michael Lenz 
für einen auswärtigen Ort gegen Honorar abschrieben. Darauf¬ 
hin wiesen die Losunger die Schöffen an, durch den Registrator 
Müllner unter Beiziehung einiger anderer Personen bei der Licht¬ 
zieherin Wild auf dem Steig und dem Zuckerbäcker Dill nach- 
sehen zu lassen, ob man die Beschuldigten nicht in flagranti 
betreten könne. Man solle ihnen dann die Annalen sofort ab¬ 
nehmen und sie ins Schöffenamt abfiihren, um ein Verhör über 


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die ihnen vorzulegenden Interrogatorien mit ihnen anzustellen. 
Sollte man aber die Verdächtigen nicht mehr in der Wildin Be¬ 
hausung antreffen, so sei der Wild unverzüglich vorzuladen, 
über die gestellten Interrogatorien zu vernehmen und, falls er 
sich verdächtig zeigen sollte, „in custodiam auf einen versperrten 
Turm“ zu verbringen. Wenn man eine leichtere Zugänglich¬ 
machung von Handschriften durch Anlegung von Indizes her¬ 
beizuführen suchte, so geschah das nur zu rein amtlichen 
Zwecken. So auch im Jahre 1759, als die Losunger verfügten, 
dass dem Losungsakzessisten J. C. Kress sowohl wegen der 
Protokollführung bei der Untersuchungsdeputation, als auch 
wegen der mühsamen Anfertigung von Indizes zu verschiedenen 
alten Skripturen eine Verehrung von 100 fl. zu behändigen sei. 

Ebenso wie zum Archiv und der Stadtbibliothek hatten 
die Losunger, wie sich beinahe von selbst versteht, ununter¬ 
brochene Beziehungen zu den verschiedenen Registraturen, so der 
grösseren und der oberen Registratur, und trafen Verfügungen, 
die sich auf deren Ordnung und zuweilen auch auf die Besol¬ 
dung der angestellten Beamten bezogen. Direkt unterstellt war 
ihnen die Testamentsregistratur. 

In der Losungstube wurden zeitweilig auch die Reichs¬ 
heiligtümer und Insignien aufbewahrt, zumal wenn sie einer Aus¬ 
besserung vor ihrer Ueberführung zur Kaiserkrönung nach Frank¬ 
furt bedurften. 1089 zeigte sich das Bedürfnis zur Ausbesse¬ 
rung des kaiserlichen Ornats, wozu man Perlen benötigte. Man 
Hess, nach dem Losungerverlass vom 4. September des ge¬ 
nannten Jahrs, die alten Kronen vom Klarakloster heraufschaffen, 
um sich ihrer dazu zu bedienen. Von den 6 Kronen und 
2 Krönlein wurde 1 Krone verwendet, die übrigen 5 Kronen 
und 2 Krönlein, eine von vergoldetem Metall und die übrigen 
sechs von Perlen, wurden dem Kloster wieder zugestellt. Im 
Jahre 1711, als die Krönung Karls VI. bevorstand, hielten die 
Losunger es für erforderlich, die Kleinodien und Ornamente, wie 
es in ihrem Verlass heisst, die von dem kurfürstlichen Hof¬ 
kollegium bald requiriert werden würden, bei Zeiten durchzu¬ 
sehen und das Nötigste daran auszubessern. Besonders am 
kaiserlichen Mantel war ein ziemlicher Abgang von Borten be¬ 
merkbar. Die Losunger Hessen deshalb an den Pfleger von 
St. Klara Christoph Leonhard Fiirer die Weisung ergehen, die 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


113 


schon erwähnten Kronen und Krönlein ins Losungsamt zu ver¬ 
bringen, damit man sich ihrer zur Ausbesserung des kaiser¬ 
lichen Habits, soviel sich tun lasse, bedienen könne. 

Auch wegen der Weisung der Reichskleinodien und 
Heiligtümer in der Heiliggeistkirche trafen die Losunger beson¬ 
dere fürsorgliche Anordnungen. Durch unverschämtes und un¬ 
gestümes Eindringen des Pöbels und andern fremden Gesinds 
waren, wie der Losungerverlass vom 28. August 1709 berichtet, 
bisher grosse Unordnungen und unbescheidene Exzesse zutage 
getreten, so dass sogar die fürstlichen und Hofpersonen kaum 
Platz zur Beschauung dieser Zimelien hätten finden oder dem 
Gedränge ausweichen können. An diesem ärgerlichen Wesen 
aber trage der Mesner im Spital nicht wenig Schuld, da er die 
Türe allzu früh öffne und die Leute nach Gefällen in die Kirche 
einlasse. Daher wollen die Losunger bessere Vorsehung tun. 
Insbesondere soll der Spitalpfleger Anstalt treffen, dass künftig¬ 
hin bei solchem Akt der Spitalmeister, dem es vom Losungs¬ 
amt zeitig anzuzeigen sei, dem Mesner vorher die Schlüssel 
abfordere und bis es Zeit, die Kirche zu öffnen, in Händen be¬ 
halte. Niemand bis auf diejenigen, die etwas anzuordnen und 
Hand anzulegen hätten, soll vorher eingelassen, das zulaufende 
Volk aber durch die Garde abgehalten werden. Der Baumeister 
aber soll den Peuntleuten davon Nachricht geben und anord¬ 
nen, dass sie in Zukunft am Kircheneingang bis zur Oeffnung 
warten, dann aber niemand mit hineinlassen. 

Auch über die Reliquien in den Kirchen führten die Lo¬ 
sunger die Aufsicht. Am 31. Juli 1720 beschliessen sie, es solle 
wegen der Visitation der Pontifikalien und Reliquien bei 
unserer Frau und in den Kirchen St. Sebald und Lorenz in den 
nächsten 14 Tagen wieder Erinnerung geschehen, um sich dann 
nach einiger Milderung der gegenwärtigen grossen Sommerhitze 
wegen Festsetzung eines Tages zu entschliessen. Bei dieser 
Gelegenheit solle dann auch das heimliche Gewölbe der Losung¬ 
stube besucht werden. 

Als die höchsten Beamten der Stadt und gestützt auf ihre 
prävalierende Stellung als Verwalter der städtischen Finanzen 
hatten sieh die Losunger in vielen Fällen auch einen nicht ge¬ 
ringen Einfluss auf die Besetzung von Aemtern und die Be¬ 
stimmung der Besoldungen zu verschaffen gewusst. Versehie- 

Archivalischu Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 


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[14 


Dr. E. Mummenhoff. 


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dene Aemter besetzten sie, ohne überhaupt den Rat zu fragen, 
bei anderen suchten sie wieder die Bestätigung des Rates nach 
oder aber sie bestätigten die von ihm vorgenommenen Anstel¬ 
lungen. So bestätigten sie am 17. Januar 1711 den Oberpfleg¬ 
amtsverweser in Gostenhof Johann Joachim Haller, nahmen ihn 
in der unteren Losungsstube in Pflicht und stellten ihn dem 
Unterpfleger und den Hauptleuten vor. Die Kassierstelle im 
Losungsrestantenamt war 1770 dem bisherigen Schreiber beim 
Kastenamt Hersbruck durch die Aelternherrn übertragen worden, 
die Bestimmung seines Gehalts und seiner Emolumente blieb 
dem Ermessen der Losunger Vorbehalten. Die Aufwarterstelle 
vor der Ratsstube besetzten sie und bestätigten den Hausvogt. 
Zuweilen ernannten sie auch die Torsperrer. Ferner nahmen 
sie Gehaltserhöhungen von Beamten ihres Ressorts vor, so 1687 
die Besoldung des Münzmeisters Friedrich Nürnberger auf 300 fl. 
In Uebereinstimmung mit dem Rat verfügten sie wohl auch die 
Einziehung eines Bezugs. So bestimmten sie am 7. August 
1689, dass nach Anleitung des voraufgegangenen Ratsverlasses 
Joh. Adam Günthers bisheriges Salarium von 10 Reichstalern, 
wofür er auch nicht das Geringste verrichte, eingezogen und 
nach dem Vorschlag der Deputierten verwendet werden solle. 
Auch bezüglich der Auszahlung der Nachmonate an die Hinter¬ 
bliebenen von Beamten trafen sie selbständig Verfügungen. Den 
Hinterbliebenen des Losungsbeamten Christ. Andreas Harsdörfl'er 
wurde 1686 nicht allein das Quartal Walburgis, sondern auch 
Lorenzi nachbezahlt. Die Witwe des Unterpflegers in Gostenhof 
Andreas Paul Gammersfelder wurde nach altem Herkommen 1688 
der Nachsitz im Amtshaus zu Gostenhof und der Genuss der Be¬ 
soldung und Akzidentien auf ein weiteres Vierteljahr bewilligt. 
Auch die Gehalte der Kanzlisten beim Regensburger Reichstag 
setzten sie fest. Sie verfügten 1721, dass der Kanzlist beim 
Regensburger Reichstag Joh. Andreas Wolfsteiner jährlich 100 fl. 
in vierteljährigen Raten zahlbar zur Bestallung erhalten und 
ausserdem noch besonders wegen der Reichstagskorrespondenz 
dem Bogen nach bezahlt werden solle. Dem fränkischen Kreis¬ 
tagskassier zahlten sie gleichfalls bis ins Jahr 1793 im Auftrag 
des Kreistags die Besoldung, die von da an der Kreiskassier 
Karl Christoph Wilhelm unmittelbar von der Kreiskasse ausbe¬ 
zahlt erhielt. Auch sonst ist aus den Losungsverlässen des 


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Die Nürnberger Ratsbüeher und Ratsmanuale. 


115 


, öfteren zu ersehen, dass sie Remunerationen für besondere Ver¬ 
richtungen an Beamte und Schreiber in eigener Zuständigkeit 
anwiesen. 

Weiter hatten sie sich die Besetzung von Aemtern, von 
denen man annehmen sollte, dass sie nicht zu ihrem Ressort in 
näherer Beziehung standen, Vorbehalten. 1688 besetzten sie die 
Stelle des Stadtarztes und ernannten 1726 auch den Stadtbader, 
den sie durch den Rat bestätigen Hessen. Es war Michael Gott¬ 
fried Witwer, eine in Nürnberg bekannte Chirurgenfamilie, den 
sie ausersehen hatten. Die Stadtbader hatten auch das Fran¬ 
zosenhaus zu versehen. Jetzt wollte man, dass dieses einem 
von zwei Aerzten und einem Chirurgen examinierten Subjekto, 
das zu den innerlichen Kuren tüchtig sei, anvertraut werde. 
Man hatte auch schon wegen der Bader Georg Konrad Schau- 
pert und Jakob Kaspar Hartlieb Erkundigungen eingezogen. 
Die Losunger erachteten es allerdings für erforderlich, den vor 
andern renommierten Schaupert zu examinieren und auf die 
Probe zu stellen, damit von den infizierten Personen durch un¬ 
behutsamen Gebrauch von Merkurialien, die ohnehin gefährlich 
zu traktieren und worauf die Bader nicht ordentlich gelernt 
hätten, niemand möge verwahrlost, die aus der Spitalapotheke 
abgegebenen Medikamente nicht unschicklich appliziert und 
das für solche Kuren aus der Losungstube angewiesene Geld 
nicht unnötig verausgabt werde. Dabei wurde noch erinnert, 
ob nicht bei dieser Gelegenheit neue Pflichten von einigen 
Aerzten zu verfassen und zur RatiHkation vorzulegen seien. 

Die Kompetenz der Losunger bei der Besetzung dieser 
Stellen erklärt sich wohl daraus, dass sie aus Stiftungsgeldern 
dotiert wurden und das Franzosenhaus selbst eine Stiftung war. 

Auch einzelne Institute auf dem Gebiete der Wissenschaft 
und Kunst unterstanden ihrer Aufsicht. Sie stellten sogar die 
Direktoren an, bestimmten ihren Gehalt und setzten sie wohl 
auch ab. 1710 war der bekannte Herausgeber des vielbenutzten 
und auch heute noch immer unentbehrlichen Werks: Historische 
Nachricht von Nürnbergischen Mathernaticis und Künstlern (1730) 
Johann Gabriel Doppelmayr an Stelle des Prof. Müller zum Di¬ 
rektor des Observatoriums ernannt worden. Auf seine Bitte 
setzten die Losunger ihm eine jährliche Remuneration von 50 fl. 
aus. Zehn Jahre später kam ihnen das allgemeine Gerücht zu 

8 * 


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116 


Dr. E. MummenhofT. 


Ohren, dass Prof. Doppelmayr weder Kollegien halte, noch sonst 
etwas dem Staat zu Nutzen für die ihm aus der Schnödischen 
Stiftung anstatt eines Gehalts zugewiesenen 50 fl. leiste. Es 
wurde daher dem Vormundamt von den Losungern aufgetragen, 
sichere Nachricht einzuziehen und gegebenenfalls zu überlegen, 
ob dieses Stipendium nicht besser einem Studiosus — denn für 
solche war es gestiftet — zu verleihen sei. 

Georg Martin Preisler, der zweite Sohn des berühmten 
Johann Daniel Preisler, war nach dessen Tode im Jahre 1737 
vom Baumeister Karl Welser zum Direktor und Aufseher der 
Zeichnungsschule denominiert, d. h. vorgeschlagen worden, wor¬ 
auf die Losunger am 9. November 1737 beschlossen, ihn in dieser 
Station zu bestätigen und ihm dasjenige, was sein Vater pro 
studio et labore an Emolumenten genossen, gleichergestalt an¬ 
gedeihen zu lassen. Nach seinem Tode im Jahre 1754 trat sein 
älterer Bruder Johann Justin Preisler unter denselben Bedin¬ 
gungen an dessen Stelle, gleichfalls vom Baumeister vorge¬ 
schlagen und von den Losungern ernannt. 

Auch in reine Handwerksangelegenheiten griffen die Lo¬ 
sunger ein. Zuweilen hing das damit zusammen, dass sie über 
die zugunsten der Handwerker errichteten Stiftungen verfügten. 
Bezüglich der Maler brachten sie nach dem Tode des Stadt¬ 
malers Johann Andreas Gebhard im Jahre 1726 in Erfahrung, 
dass sie nicht mehr wie vor Alters besondere Vorgeher und 
Geschwornehätten, welchen die Austeilung der Arnoldschen 
Stiftung laut des Fundationsbriefs zustehen würde. Sie be¬ 
stimmten daher, dass die 15 fl., welche nach dem Willen des 
Stifters den armen Witwen und Töchtern der Profession Zu¬ 
ständen, dem Job. Daniel Preisler in Anbetracht der ihm über¬ 
tragenen Inspektion der Maler- und Zeichenschule zur Austei¬ 
lung übergeben würden. 

Die vielfachen Beziehungen der Losunger zu dem Gold¬ 
schmiedhandwerk waren durch verschiedene Umstände bedingt. 
Einmal handelte es sich auch hier um Regelung von Stiftungs¬ 
angelegenheiten und um Austeilung von Stiftungen. Dann aber 
standen die Goldschmiede wegen der besonderen Schau ihrer 

‘) Es ist das ein Irrtum im Verlass. Die Aetz- und Flachmaler, 
ein freies Handwerk im letzten Stadium hatten nur Vorgeher und keine 
Geschworne. 


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Die Nürnberger Ratsbüoher und Ratsmanunle. 


117 


Arbeiten zu dem Schauamt und damit auch zu dem Losungs¬ 
amt in einem grösseren Abhängigkeitsverhältnis als alle andern 
Handwerke. Aber die Losunger entschieden hier auch in rein 
inneren Handwerksangelegenheiten, wie Zulassung zum Meister- 
, recht, Abstellung von Stümpelei, Ordnung des Handwerks u. a. 
Aehnliche Fälle treten auch beim Tuchmachergewerbe zutage, 
aber hier besonders deshalb, weil die Tuchmacher hauptsächlich 
in Wöhrd — auch in Gostenhof — ihr Handwerk betrieben. 
Auffallend erscheint es auch, dass die Losunger den Hand¬ 
werkern zuweilen besondere Vergünstigungen gewährten, von 
denen man annehmen sollte, dass sie zur Zuständigkeit des Rats 
gehört hätten. Dem Hüter Hans Pfeifer gestatteten sie 1698 
auf sein Ansuchen, dass er gleich dem Stadtaltmachermeister 
Jak. Friedr. Ammon ein Täfelein mit dem Stadtwappen als 
Stadthuter an seinem Haus oder Kram aushängen möge. Sie 
waren wohl der Ansicht, dass sie ein solches Gesuch, das direkt 
an sie gerichtet worden war, nicht noch an den Rat zu ver¬ 
weisen hätten. Es waren das, wie so manches andere, Ange¬ 
legenheiten von geringerer Bedeutung, womit sie nicht auch 
noch den Rat behelligen wollten. So gewährten sie auch Unter¬ 
stützungen und Remunerationen, womit sie wohl ihre Kompe¬ 
tenz nicht überschritten. Den Schützenmeistern des Stahl¬ 
schiessens gaben sie 1700 auf, schriftlich anzuzeigen, ob und 
welche ausserordentlichen Unkosten sie wegen des bei Bewir¬ 
tung der fürstlichen Gesandtschaften auf der Hallerwiese ge¬ 
haltenen Schiessens aufgewendet, um ihnen nach Lage der 
Sache mit einer ausserordentlichen Beihilfe an die Hand gehen 
zu können. Den Deputierten zum Schiessgraben aber stellten 
sie anheim, ob von den Schützenmeistern die Rechnung über 
die von der Losungsstube seit 1685 empfangenen Zuschüsse im 
Betrage von 700 H. sollten abgefordert und ob Erkundigung 
eingezogen worden sei wegen der früheren nicht abgeführten 
Schulden, um das erschöpfte Aerarium von dergleichen ausser¬ 
ordentlichen Ausgaben erleichtern zu können. 1.768 bewilligten 
sie der Gesellschaft der Stahlschützen zur Bestreitung der Un¬ 
kosten des Silberschiessens auf der Hallerwiese einen Beitrag von 
75 fl. 

Auch für die Erhaltung des städtischen Musikchors zeigten 
sie Interesse. 1722 nahmen sie die Besetzung einer Tenoristen- 


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118 


Dr. E. Mummenhoff. 


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stelle vor. Wie wir aus späteren Verlässen ersehen, gab die 
Stadt wohl auch sog. Musikkränze, wobei der städtische Musik¬ 
chor mitwirkte. Als 1734 die fränkische, schwäbische und rhei¬ 
nische Ritterschaft in Nürnberg tagte, veranstaltete man ihr zu 
Ehren zu drei verschiedenen Malen einen Musikkranz auf der 
Herrentrinkstube, worüber ein Losungerverlass berichtet, der 
die Kosten mit 23 fl. 20 Kr. verzeichnet. Ebenso übernahm die 
Losungstube die Kosten des Musikkranzes im Jahre 1737, als 
die Ritterschaft abermals in Nürnberg weilte. 

Ueber die Austeilung von Geschenken beschloss in erster 
Linie der Rat. Den ankommenden Fürsten, Gesandten und 
hohen Personen liess er bei ihrer Ankunft Geschenke über¬ 
reichen, Wein, Haber für die Pferde, Becher und Pokale. In 
der Regel löste er sie auch aus der Herberge. Aber auch die 
Losunger sehen wir Beschlüsse fassen, die die Abreichung von 
Geschenken, Präsenten, Douceurs, Verehrungen und Remune¬ 
rationen an hochgestellte und andere Personen bezweckten. 
1711 verehrten sie dem Statthalter und Hofmarschall zu Bam¬ 
berg silberne Medaillen auf die Vermählung Kaiser Karls VI. 
Dem Kaiser Joseph II. Hessen sie 1700 durch den kaiserlichen 
Faktor und Buchhändler Georg Bauer zu Nürnberg, der darum 
gebeten, allerdings gegen Bezahlung die aus der Nürnberger 
Münzstätte hervorgegangenen Münzen neuen Gepräges in einigen 
Stücken zukommen, ebenso die Fortsetzung der in das kaiser¬ 
liche Naturalienkabinet verehrten, in Nürnberg erschienenen 
Werke, die die Losunger zu kaufen und wie jene Werke dem 
Buchhändler Bauer einzuhändigen beschlossen. Um die poli¬ 
tischen Geschäfte des Rats beim Reichshofrat in besseren Fluss 
zu bringen, liess man es an klingenden Ermunterungen nicht 
fehlen. Hohe Wiener Patrone wurden zeitweilig mit nicht un¬ 
bedeutenden Geldgeschenken bedacht. Ein bekannter vornehmer 
Patron — sein Name wird nicht genannt — erhielt 1753 wegen 
verschiedener dem Gemeinwesen geleisteter guter und erspriess- 
licher Dienste nicht weniger als 150 Dukaten durch den Ab¬ 
legaten von Kress präsentiert. Wie der Verlass bemerkt, w T ar 
dieses Geschenk durch die Notdurft geboten. Die Losungsstube 
aber liess sich den Betrag durch das Spitalamt wieder ersetzen. 
1705 wurden mehreren Wiener Patronen durch die Losunger 
Remunerationen, deren Höhe nicht genannt wird, zugewiesen. 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Ratsmanuale. 


119 


Zuweilen erhielten sie auch andere Präsente, Bücher, Wein, 
Nürnberger Lebkuchen. Der Gemahlin des kaiserlichen Feld¬ 
marschalls Graf von Welsegg Hessen die Losunger bei ihrer An¬ 
wesenheit in Nürnberg im Jahre 1735 eine silberne Schale mit 
Lebkuchen und eingemachten Früchten im Wert von 125 bis 
135 fl. präsentieren und sie aus ihrer Herberge lösen und defrai- 
ieren. Zu einem Hochzeitsgeschenk, das anscheinend für den 
braunschweigischen Hof bestimmt war, hatten die Losunger 
1737 100 Dukaten ausgesetzt. Nachträglich beschlossen sie, den 
Betrag auf 150 Dukaten zu erhöhen und dem wolfenbüttelschen 
Geheimrat von Mollen wegen seiner guten Dienste 100 fl. statt 
eines Buches zu verehren und sie dem Konsulenten Peyer mit¬ 
zugeben. 

Auch bei den Nürnberger Konsulenten, Agenten und den 
hohen Beamten fremder Regierungen, die sich um die Förderung 
Nürnberger Staatsangelegenheiten besondere Verdienste erworben 
hatten oder auf die man in dieser Beziehung Hoffnungen setzte, 
sparte man nicht mit zuweilen bedeutenden Geschenken. Die 
bambergischen Direktorialgesandten Geheimrat v. Hebetanz 
und Hofrat Dietz erhielten wegen des Matrikulargeschäfts im 
Jahre 1730, dieser 200, jener 150 11. in groben Kurrentsorten im 
Auftrag der Losunger durch den Konsulenten Marperger ver¬ 
ehrt, der Konsulent Peyer 1737 ein Fässlein Mosel durch den 
Wirt zum silbernen Fisch, ein anderesmal Lebkuchen, der Kon¬ 
sulent von Marperger, dem ein Stück Wein angenehm war, 1765 
wegen Uebernahme der Kreisgeschäfte auf Anordnung der Lo¬ 
sunger ein Stück Rheinwein und ein Stück Haslacher, jedes zu 
sechs Eimer, durch den Hausvogt zugestellt. Um die guten Ge¬ 
sinnungen des Regierungsrats Kollmann zu Amberg der Stadt 
zu erhalten, beschlossen die Losunger 1771, zwei Spiegelgläser 
auf Rechnung des Losungsamts anfertigen zu lassen. . Und so 
Hessen sich noch weitere Beispiele anführen. 

Zuweilen glaubten die Losunger allerdings auch mit einer 
einfachen Bekomplimentierung ihrer Pflicht Genüge getan zu 
haben. Als der markgräflich ansbachische Hofratspräsident 
v. Förster im Sommer 1707 nach Nürnberg kam, um eine Bade¬ 
oder Sauerbrunnenkur — wohl im Wildbad — zu gebrauchen, 
beschlossen sie, ihn zur Erhaltung der öfters lür die Republik 
kontestierten guten Neigung von Ratswegen durch Dr. Hofmann 


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120 


Dr. E. MummenhofT. 


bekomplimentieren und ihm Glück wünschen zu lassen. Zu¬ 
weilen begnügten sie sich auch mit einem einfachen Schreiben. 
1720 war der kaiserliche Plenipotentiarius Graf Windischgrätz 
zu Cambray zum Obersthofmarschall ernannt worden. Da er 
sich nun gegenüber dem vordersten Losunger und den diesem 
beigegebenen Deputierten zu allen guten Diensten angeboten, 
so verfügten die Losunger, Bericht einzuziehen, ob diese Zeitung 
einigen Grund habe, inzwischen aber dem Losungsratsadjunkten 
Kress aufzutragen, ein höfliches und obligeantes Gratulations¬ 
schreiben zu begreifen, worin der guten Vertröstungen besonders 
seines Bruders, des Reichshofratspräsidenten, Erinnerung zu tun 
und ihm der Stadt gekränkte Gerechtsame zu beständigem Pa- 
trozinio bestens zu rekommandieren sein würden. 

Für dem Rat verehrte Bücher und andere Zuwendungen 
wurden den Schenkern, wenn sie nicht gerade abgewiesen wur¬ 
den, was auch vorkam, Geldgeschenke gewährt, die oft den 
Wert des Geschenks weit überschritten. Der Zeugmeister 
Leonhard Stephan Kreuznaeher erhielt für sein in Kupfer ge¬ 
stochenes und bei Rat ausgeteiltes Stückschiessen, das schon 
1783 erschienen war, nach Losungerbeschluss vom Februar 1735 
100 fl. verehrt, Joh. Hieronymus Lochner für den den drei 
obersten Hauptleuten verehrten 1. Bd. seiner Medaillensammlung 
1738 18 11., der bekannte Kunstkenner, Historiker und Polyhistor 
Christoph Gottlieb von Murr 1779 für die Dedikation seiner vor¬ 
nehmsten Merkwürdigkeiten der Stadt Nürnberg an das Lo¬ 
sungsamt einen Dukaten und ebensoviel im .Jahre 1789, als er 
ihnen die Beschreibung der Reichskleinodien verehrt hatte. 

Noch ein Vorfall sei hier erwähnt. 1789 hatte der Buch¬ 
händler Christian Friedr. Cotta in Tübingen, der durch den 
Brand daselbst betroffen worden war, 12 Exemplare der Dr. Merk- 
linschen Brandpredigt an den Rat geschickt, worauf die Losunger 
beschlossen, ihm durch das Vormundamt drei Konventionstaler 
zukommen zu lassen. 

Auch für eine würdige Repräsentation seiner Gesandten 
waren die Losunger besorgt. 1710 ersuchten sie das Bauamt, 
für den Abgeordneten zum Reichskonvent statt der abgenützten 
Chaise eine neue bauen zu lassen. 

Eine Tätigkeit der Losunger auf dem Gebiete der äusseren 
Politik tritt nur wenig hervor. Und das ist nicht gerade ver- 


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Die Nürnberger Ratsbücher und Fiatsmanuale. 


121 


wunderlich. Das Ressort der äusseren Angelegenheiten gehörte 
in erster Linie zur Kompetenz der sieben altern Herrn, in dessen 
Kollegium sie ja schon vertreten waren und als die ersten Be¬ 
amten des Staats ihren hervorragenden Einfluss geltend machen 
konnten, und soweit die älteren Herrn hier nicht entschieden, 
zur Kompetenz des Rats. Wenn ja die Losunger nach dieser 
Richtung hin Beschlüsse fassten, so betrafen sie lediglich Geld¬ 
zahlungen, waren zum Teil Ausführungsbeschlüsse zugunsten 
des Reichs und des fränkischen Kreises. So bewilligen sie 1710 
einen Beitrag zur Fortführung und Vollendung des kaiserlichen 
Reichsrats- und Reichshofratskanzleibaus in Wien oder 1726 die 
Auszahlung von Römermonaten zur Verpflegung der Reichs¬ 
festungen Philippsburg und Kehl. Hier handelt es sich ledig¬ 
lich um Vollzugsverlässe. 

Auch wo wir die Losunger mit dem fränkischen Kreis in 
Beziehung treten sehen, betreffen ihre Beschlüsse — abgesehen 
von der Ernennung des Kreiskassiers, wo doch schliesslich auch 
die Geldfrage eine Rolle spielt — Geldbewilligungen und An¬ 
weisungen. 1715 beschliessen sie auf Ansuchen des Oberkom¬ 
missars Fritzen, ihm zur Bezahlung des Wechsels wegen der 
vom fränkischen Kreis nach Venedig auf die Galeeren geschickten 
Delinquenten einiges Geld zu assignieren, und ersuchen die De¬ 
putierten des Weizenbräuamts aus dessen Gewinn 600 fl zu 
verabfolgen. 

Mit dem fränkischen Kreis war das Losungsamt übrigens 
durch vielfache und nahe Beziehungen verbunden. Die Losungs¬ 
räte waren auch Kreiskassaeinnehmer und der von den Losun- 
gern angestellte Kreiskassieramtsekretär hatte im Rathaus seinen 
Amtssitz. 1728 hatten die Losunger ganz unvermutet in Er¬ 
fahrung gebracht, dass der Kreiskassieramtssekretär Justus Jakob 
Hagen einen ausführlichen Bericht über den Kassazuständ nebst 
einer spezifizierten Designation der Kassaverlagsunkosten dem 
damals in Nürnberg versammelten Kreiskonvent, ohne vorher 
mit dem Losungsamt und den Losungsräten als Kreiseinnehmern 
ins Benehmen getreten zu sein, übergeben hatte. Die Losunger 
verfügten jetzt, man solle ihn in das Losungsamt erfordern und 
ihn vernehmen, ob und inwiefern diese Sache Grund habe, und 
wenn dem also, ihm der Losunger daraus geschöpftes sonder¬ 
bares Missfallen zu erkennen geben. Beim Eintritt in den Dienst 


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122 


Dr. E. Mummenhoff. 


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im Jahre 1726 habe er sich eigenhändig zu Protokoll und ebenso 
bei seiner Verpflichtung durch den Magistrat verbindlich ge¬ 
macht, von allen an die Kreiskasse 1 ) ergehenden Dekreten dem 
Losungsamt Nachricht zu geben, ebenso von allen an den Kreis¬ 
konvent gerichteten Vorstellungen und Berichten und den jähr¬ 
lichen Rechnungen. Man habe sich deshalb dergleichen eigen¬ 
mächtigen Verfahrens zu ihm keineswegs versehen, ln Zukunft 
solle er sich seinen Pflichten gemäss verhalten, nebstdem aber der 
Vorlage der monatlichen oder zweimonatlichen Bilanz eingedenk 
und seine Kreissekretariatsexpeditionen auf dem Rathaus in der 
ihm angewiesenen Stube zu verrichten allen Ernstes erinnert 
sein. Darüber sei seine Exkulpation und Erklärung zu gewär¬ 
tigen und solche zum ferneren Entschluss wieder vorzulegen. 

Aus den Losungerverlässen wird es auch zuweilen ersicht¬ 
lich, mit welchen unerschwinglichen Summen die Stadt der frän¬ 
kischen Kreiskasse gegenüber im Rückstände war. Die Schuld 
der Stadt war in der Restantenliste 1715 mit 107973 fl. 42'/* Kr. 
berechnet. Die Losunger verfügten nun, der Oberkommissar 
Fritzen solle die Liste so einrichten, dass die Stadt mit nicht 
mehr als 97 oder 98000 fl. in Retardat gesetzt werde, mit der 
Versicherung, „dass ehestens entweder durch Abschreiben oder 
mittelst der ersten eingehenden Vorleben oder anderer Gelder 
7 bis 8000 11. zur löblichen fränkischen Kreiskassa abgetragen 
werden sollen.“ 

Zuweilen sind es bedeutende Interessen der Reichsstadt in 
ihren Beziehungen zu anderen Staaten, die in den Losunger¬ 
verlässen hervortreten. So in der kursächsischen Schuldsache. 
Von dieser Schuld war 1726 noch ein Kapitalrest von 27 685 Reichs¬ 
talern abzutragen. Man war deshab Nürnbergerseits mit dem 
Oberhofprediger Marperger in Dresden, der vorher Pfarrer bei 
St. Egidien in Nürnberg gewesen war, in Beziehung getreten. 
Die Losunger liessen sich von dem mit der Behandlung dieser 
Angelegenheit betrauten Ratskonsulenten ein Gutachten für die 
Beantwortung dahin bearbeiten, dass „wie ein hochlöblicher 
Magistrat sich am Ende überwinden wolle, ein Uebriges zu tun“, 
man andererseits „der zuversichtlichen Hoffnung lebe, S. kgl. 
Majestät von Polen und kurfürstliche Durchlaucht von Sachsen 


') ad cassam eirculi ergehenden Dekrete heisst es im Verlass. 


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Die Nürnberger Ratsbüeher und Rutsmnminle. 


123 


werde dero reichsbekannter Aequianimität und selbsteigenem 
höchstem Respekt zuwider keineswegs gemeint sein, an dem auf 
27 685 Reichstaler sich belaufenden Kapitalrest einigen Nachlass 
zu verlangen, sondern vielmehr gnädigst geruhen, die Abfüh¬ 
rung erwähnter Hauptsumme zu veranstalten, und sich übrigens 
begnügen lassen“, falls von Seiten der Stadt von den über 
200000 Reichstaler angeschwollenen Interessen abgestanden 
werden sollte. Wie aus einem Losungerverlas.se vom Jahre 1730 
hervorgeht, war trotz der Remunerationsverschreibungen von 
3000 Reichstaler, die schon zwei Jahre vorher Marperger zu¬ 
gefertigt worden, diese Angelegenheit ins Stocken geraten. 
Die Losut\ger verfügten jetzt, der Konsulent Finkler solle im 
Namen des vordersten Losungers Christoph Fiirer ein konvenables 
Schreiben an Marperger aufsetzen und da allenfalls in dieser 
Schuldsache nicht weiter fortzukommen sein sollte, auf die Zu¬ 
rückforderung jener Assekuration und der übrigen Piecen an¬ 
tragen ... Von jenem Kapitalrest aber und den hochange- 
laufenen Zinsen haben die Losunger wohl nie mehr etwas ge¬ 
sehen, wie in so manchen anderen Fällen, in denen Kaiser und 
Fürsten an die Rückzahlung hoher Summen nicht dachten. 

Treten nun auch in den Losungerverlässen die Beziehungen 
der Stadt nach aussen beinahe völlig in den Hintergrund, so ist 
diese Wahrnehmung doch immerhin und zwar negativ von 
Wert, als sie nämlich erkennen lässt, dass das Ressort der äus¬ 
seren Angelegenheiten nicht zu ihrer Kompetenz gehörte. 

Aus meinen Darlegungen und insbesondere auch aus den 
beigebrachten Beispielen dürfte hervorgehen, dass auch den Ver¬ 
lässen der Losunger eine nicht geringe Bedeutung beizumessen 
ist. Ich konnte aus ihrem reichen Inhalt nur einiges Bemer¬ 
kenswerte herausgreifen, ohne ihn auch nur im entferntesten 
auszuschöpfen. Auch bezüglich der Amtsführung und der Kom¬ 
petenzen der Losunger wäre das Bild wohl noch nach mehr als 
einer Seite hin zu ergänzen, noch so mancher Zug hinzuzu¬ 
setzen, auf den ich hier verzichten musste. 

Immerhin aber glaube ich gezeigt zu haben — und darauf 
kam es mir wesentlich an —, dass die Losungermanuale uns 
einen klareren und vollständigeren Einblick in die reiche Amts¬ 
tätigkeit des Losunger gewähren als alle anderweitigen Auf¬ 
zeichnungen. Sie geben uns aber auch wertvolle Beiträge zur 


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124 


Dr. E. Mummenhoff. 


Nürnberger Rats-, Verfassungs-, Aemter- und Finanzgeschichte 
und bringen endlich mancherlei kulturhistorisch Bemerkenswerte. 
Zwar sind sie nicht von jener hervorragenden Bedeutung wie 
die Verlässe des Rats und die der Herrn Aeltern, aber sie er¬ 
gänzen diese nach verschiedenen Seiten. Wer sich aber eine 
klarere Vorstellung machen will von dem ganzen Wesen und 
dem innern Leben der Nürnberger Republik in den letzten Jahr¬ 
hunderten ihres Bestehens, der wird gut tun, sich auch in den 
Losungermanualen etwas umzusehen. 


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Berichte I)r. Erasmus Toppiers, Propsts von St. Sebald 
zu Nürnberg, vom kaiserlichen Hofe 1507—1512. 

Von 

Albert Gümbel, K. Kreisarchivassessor in Nürnberg. 

17. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Innsbruck. 1507. 

13. Oktober. 

Fursichtigen und günstigen lieben herrenl mein ganz willig 
dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben herren I ich holl, 
ir habt mein schreiben aus Schongaw vernummen und daraus, 
wie ich euer schreiben bei Ratler und Erlein, eueren boten, emp¬ 
fangen und irs inhalts vernummen, auch das ich mich auf das 
furderlichst zu k. mt. fugen solt, wie ich dann geton hab und 
ir mt. unterwegen zwischen Insbruck und Czirl gefunden und ir 
gesagt, das ir aus untertenigem willen auf ir mt. schreiben 
1760 fl., den anslag des gelts zu Costnicz, gen Augspurg ge¬ 
schickt und mir geschriben, solches ir k. mt. selbst zu behen- 
digen, das ich geren geton hett'e; hab aber gefunden zu Costnicz, 
das die hofcamer grossen mangel an gelt geliden, daraus ir k. 
mt. schimpf enlsteen mocht und dadurch die hofkamer mich ver¬ 
mögt zu furkummung solchs Schimpfs, das ich bewilligt hab, den 
halben tail der ganzen summa der hofkammern zu uberliveren, 
das die hofkamer also zu dank angenummen und solchen tail 
darauf zu Augspurg empfangen, den andern halben teil hab ich 

l ) Adresse: Meinen günstigen lieben herren den eiteren des radts czu 
nurenberg. Darunter: F|eria] 4a post Galli [= 20. Oktober]; vgl. Brief 1, 
Anm. 3) 1507. per p. Leupolt Sabato galli [= 16. Oktober]. 



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126 


A. Gümbel. 


ir mt. zugefurt, auch sunderlich aus der ursach, das ir beschriben 
seit gewesen solch gelt zu Augspurg zu hinterlegen; aber die qui- 
tanzen seien gen Augspurg darum nicht geschickt gewest, sunder 
gen Franckenfurdt, vileicht aus ubersehen der canzlei. und als 
ich gen Parthenkirchen kummen, sei mir ein schriftlicher be- 
felhe von ir k. mt. zukummen, die ganz summa in die hof- 
kamern zu überantworten, das ich dann auch gern geton hette; 
aber dieweil ich so nahent bei ir k. rat. gewest were, hette ich 
solchs ir k. mt. selbst wollen überantworten in Zuversicht, ir 
k. mt. wurden solchs von euch und mir zu gnedigem gefallen 
versteen, dann ir je nicht anders begeret, dann seiner k. mt. 
untertenig gefallen und dienst zu erzaigen. darauf mir ir k. mt. 
selbst antwort, ich hette recht geton und ir mt. dorft auch selbst 
wol geiz und ich wer zu rechter zeit kummen. 1 ) ‘darauf ich 
widerum ir k. mt. saget, ich bäte ir k. mt., sie wolte euch in 
gnedig[em] befelhe haben und, ob jemands euch bei ir mt. ver¬ 
unglimpfen wollett, den, euer unverhoret, kein glauben geben t 
dann ir vil neids und hass leiden und dulden müst von euer 
treuen dienst wegen, so ir alzeit girlich weret ir k. mt. zu er¬ 
zaigen. darneben hub ich an zu reden von der confirmacion 
der beharnischen belehenung, da kom herre Jacob von Landaw 
und vilen mir in die rede, also das mich k. mt. nit ganz aus- 
horen mocht. aber dannoch antwort mir k. mt., sie wolt euer 
gnediger herre sein und euch niemands versagen, auch euer un- 
verhort [nichts] ausgeen lassen, aber der confirmacion halben müst 
ich mit dem Sernteiner, dem canzler, reden, das mir aus merg- 
lichen Ursachen noch nit gemaint ist, dadurch ich die sach nit 
verpletter. also nam ich mein abschid für das mal. also blib 
der kung auf dem gegaid. darnach hab ich mit dem canzler 
geredt, ich wolt geren wissen, wie irs halten solt mit euerem 
ausziehen, dann ir je geron ein gnedigen kung behilt, ob ir ver¬ 
ziehen solt. sagt er mir, ir mocht wol verziehen, dann es were 
nit eilwerk. also hab ich verzogen bis auf Zukunft des kungs 
und auf mein anhalten, nachdem sich der kung ser verspert, 
hat mir der Sernteiner gestern gesagt, der k. mt. mainung sei, 


') Von dieser Ueborgabo dos Konstanzor Anschlags an den König 
durch T. berichten auch schon die älteren nürnberger Autoren z. B. 
Will, a. a. O. 



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Berichte Toppiers. 


127 


das ir mit euerm volk verziehen solt bis auf ir mt. weitern be- 
schaid. dieweil aber ich das von k. mt. nit selbst gehört hab 
und ich auf blosse wort zu bauen nit acht und doch mit k. mt. 
fueglich persönlich nit reden mocht, hab ich solchs erzelt herren 
Mathessen Langen, bischoven zu Gurck, der heut mit mir gangen 
ist zu k. mt. aber ich kont in ir mt. stublein nit kummen und 
hat mir von k. mt. geantwort, ir mt. wil sei, das ir furderlich aus¬ 
ziehet, wo ir nit auszogen seit, und ziehet auf Memigen. das 
hab ich euch nit verhalten wollen, aber mein rat ist, wo ir 
noch nit auszogen werend, das ir furderlich gen Costnicz zu den 
andern stenden des reichs ziihet und hieltet euch gleichförmig 
denselben, bis ir ein schriftlichen beschaid von k. mt.‘mit irem 
hantzeichen habt, dann man geet auf selzainen bractiken und 
finanzen um, daran ir euch dannoch nit keren dürft; ir solt euch 
nit bekümmern, ob man euch vil anmuett, dann das anmueten 
brengt wenig schaden; es ist auch wol abzubrengen. ich weiss 
auch, das man euch aus etlicher bractica um ein pferd ge¬ 
schahen hat; dürft sein euch nit bekümmern, wenn ir dem 
geilen albeg wilfaren wolt, ir hette[t] nummer rue. 

item Thoma Pugss und der Wisbeck haben hie in raten, 
auch bei k. mt., von wegen des pfalzgraven und herzog Fried¬ 
richen von Baieren anbracht, wie sie kein recht gegen den 
Behamen furtrag und darauf k. mt., als den obersten Vormund, 
angerueft, die Behaim in die acht zu ercleren. aber sie haben 
zu dieser zeit nicht erlangen mögen, dann der kung must eins 
landskriegs gewertig sein, darum so ist geschahen worden an 
die lantafel gen Beham und, ob da nicht ausgericht wiird, so 
sol man auch dem kung von Vngern schreiben, es sind auch 
etlich der mainung, woe nit mandat an Bamberg, Wirczburg, 
margraven, Aistedt und euch ausgangen sind, das sie ausgeen 
solen, das ir dem pfalzgraven helfet, aber ir dürfet euch solcher 
mandat nit bekümmeren, dann ich waiss sie wol zu verant¬ 
worten; ir dürft in auch nit volg tun, dieweil ir vil guts und 
schuld in Beham und Vngern habt, auch von der krön von 
Behaim lehen. aber ich halt, das das der Francken anslag ge¬ 
west ist, wo die Beham in die acht erklert weren und sie vil 
gewerb bei euch haben, das sie euch als echter angriffen wolten 
haben, dann womit man euch zusetzen mag, das geschieht. 

item gestern hat euch herzog Jerig von Braunswig bei dem 


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128 


A. Gümbel. 


kung verklagt, ir haltet im sein abgesagt feind in euer stadt 
und gebt im glaid und er hab euer feind, sunderlich den 
Heincz Baumen, 1 ) nicht wollen enthalten, die k. mt. solle im 
erlauben oder nicht zürnen, so er euer feinde auch enthalt, und 
das ir euch viel Übermuts niedt; 2 ) er sei vor ein guter Nuren- 
berger gewest etc. da ich sein nit übrig sein mochte, hab ich 
sein gii. geantwort, ich sei nit hie, euch zu verantworten, aber 
mir zweifei nit, woe er euch beschreib, ir werendt es wol wissen 
zu verantworten; das wiss ich, das ir genaigt seit albeg gewesen, 
sein gn. dienstlichen willen zu erzaigen; darum kuen ich solchs 
nit wol glauben, aber es mochten etwa leut sein, die sein gn. 
gern zu ungnad bewegten, darin sich doch sein gn. wol westen 
zu halten, mit vil anderen Worten, also das nit mere daraus wure, 
dann das s. gn. euch darum beschreiben solt; aber ich halt, er 
were sein nicht tun. nicht dester minder wurde sein gn. zum 
lezten ganz gut. 

item als ich auf dem feld von k. mt. vor 8 tagen rit, fragt 
mich ir mt., was neues um Nurenberg were. hab ich ir mt. die 
handlung der blackerei halber zu Bamberg erzelt und wie darauf 
etlich zu Ratelstorf in herzog Fridrichs glait berau|b|t und die 
Waltstromer zu Nurenberg hinweg gefurt und herre Erckinger 
von Sausheim gefangen sind und wie die Tunfelder, von des 


‘) Heinz Baum, ein langjähriger und hartnäckiger Befehder der Stadt. 
Ursprünglich ein Kaufmann zu Nürnberg war er in den Schuldturm ge¬ 
kommen, daraus aber mit Hilfe der Tochter des Stadtknechts Fuchs ent¬ 
sprungen. Er hatte sodann der Stadt Fehde angesagt und seit 1503 zahl¬ 
reiche Nürnberger gefangen und geschätzt. Auch fand er viele adelige 
Helfershelfer, wie den unten noch öfter erwähnten Heinrich von Gutten- 
stein, Lienhard Birckaimer u. a. Erst im Jahre 1511 wurde die Fehde von 
Horzog Wilhelm von Bayern auf einem Tago zu München beigelegt. Der 
Rat liess alle in dieser Angelegenheit gewechselten Schriftstücke in einen 
heute im K. Kreisarchive Nürnberg befindlichen, umfangreichen Codex 
(Ms. 245) Zusammentragen unter dom Titel: Hointzeun Bawmen ains erbern 
Rats vngeledigten ausgetretten burgers hanndlung vnnd vedhlich Zugriff, 
So er nach beschehner seiner erledigung des thurns gegen einem erbern 
Rate vnnd den irn durch sich selbe auch herrenn Hainrichen vom Gutenn¬ 
stein zur Schwartzenburg, Albrechtenn von Winsperg zu Stockennfels vnnd 
Tboman Fuchssen zu Wallennburg vnnd anndere seine hellffer furgenomon 
vnd geübt hat. Das Titelblatt ist reich verziert. 

’) Zu mhd. nieten mit. Gen. = sich einer Sache befieisson, etw. üben. 
Lexer, Mittelhochdeutsch, Wörterbuch 1876, II, Spalte 79. 


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Berichte Toppiers. 


129 


Sausheimers freundschaft beschriben, geantwort haben, der land- 
frid sei in nit verkundt; 1 ) dess hat k. mt. kein gefallen getragen; 
aber etlich edelleut haben mir gesagt und mich gestraft, herr 
Erkinger von Sausheim sei vor einem halben jar tot.*) das hab 
ich euch nit wollen verhalten, mich euch befehlende, geben 
mit eilen zu Insbruck am 13. tag octobr[is] 1507. 

18. 

An die Aelteren Herren. 8 ) Aus Landeck 1507, 

2. November. 

Fursichtigen, günstigen, lieben herren! mein ganz geflissen 
und willig dienst sind e. f. bevoran berait! ich hab euer schreiben 
bei Radtlern, euerm boten, des dato was am donerstag sant 
Calixten tag, 4 ) mit etlich eingeslossen copien, wie euch des 
margraven Statthalter von wegen der Teczel geschriben und ir 
darauf geantwort habt, empfangen am 20. tagoctobrfis] unddiesselb 
handlung, sovil die dieTeczeln betrifft, k. mt. erzelt, die aber der leng 
meiner erzelung vor meng der gescheft nit auswarten inocht und 
deshalben kein ander antwort [gab], dann das ir mt. euer unver- 
hort nicht ausgeen wol lassen; aber der mandat halben muss in 
einem rat gehandelt werden, darauf hab ich auch geredt mit 

') Vgl. Brief 16, Ratsbrief vom 23. September 1507 am Schluss. 

’) lu einem anderen Ratsschreiben (Briefbücher Nr. 60, fol. 40a) wird 
von einem Sohne Erkingers von Sainsheim als Gefangenen gesprochen. 
Vielleicht ist der Zwiespalt so zu erklären. 

*) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eitern dess 
radts zu nurenberg. Darunter: FleriaJ 4a post Galli (= 20. Oktober; vgl. 
Brief 1, Anm. 3) 1507. presentat. per Peter leupolten dominica post leon. 
hardi 7. Novembr. 1507. 

4 ) Briefbücher, Nr. 60, fol. 78 a ff. Inhalt: Der Rat teilt mit, nach¬ 
dem die Tetzel ein königliches Mandat an Markgraf Friedrich von 
Brandenburg ausgebracht haben, sie und ihre Stadt Gräfenberg in Schutz 
und Schirm zu nehmen, habe er (der Rat) Gräfenberg besetzen und Michael 
Tetzel festnehmen lassen. Falls die Sache bei Hofe zur Sprache käme, 
solle T. dahin wirken, dass der König in dei Sache nichts weiter ausgehen 
lasse, ohne die Verantwortung der Stadt gehört zu haben Der An¬ 
schwärzung Nürnbergs beim Bischof von Bamberg, als ob Nürnberg 
die Böhmen gegen die Pfalz unterstütze und ihnen ihre Flecken öffne, 
solle er beim König zur Sprache bringen. Die Windsheimer möge er 
in Sachen ihres Romzugskontingentes (das Markgraf Friedrich ihm zuzu¬ 
schicken begehrt hatte) unterstützen. Dat. donerstag Calixti (= 14. Ok¬ 
tober) anno etc. septimo. 

ArohivaliBche Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 0 


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130 


A. Gümbel. 


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dem von Gurck, der jezund bei k. mt. das höchst ansehen hat, 
der mir geantwort, er sei albeg bei k. mt., er wol daselbent wol 
darvor sein, darnach hab ich auch mit dem von Sertein ge- 
redt, der mir geantwort, es sei die mainung nit, das margrave 
die Teczel aus euerm erbschuz nemen solle, sunder woe in ge- 
walt, geschehe, sie vor gewalt verhüten, dann Wolf Teczel were 
ir hofgesind und dafür geachtet, also ist sieder kein hofrat 
gewest den[n]einer, dann der canzler ist albeg bei dem kung zum 
Fragenstein 1 ) gewest, nachmals ist der Holczschuher hie ge¬ 
west, dem ich alle sach erzelt, auch der leuft halben hieum; hoff 
ich, werd euch solchs nit verhalten, dann vil sach besser zu 
reden sind, dann zu schreiben. aber nichtdesterminder, so 
were mein rat, das ir euch nit vil auf unsern rat verliest und 
bei uns einflecht, dann wir sunst albeg gedenken, wie wir eurem 
gelt zukummen mochten und so wir dannoch solchs schusselvol 
hetten, wurde es dannoch nit vil furtragen und, sobald sich das 
geben, endiget auch die hilf, dann ir mechtig genüg seit, euch 
bei euern bürgerlichen rechten zu hanthaben; so ist euer handlung 
dem rechten nit ungemess; so ist es auch frue genüg an unserm 
hof zu handeln, wenn ir sunst gar kein andere hilf hette. und 
obschon mandat von uns ausgiengen, dess ich mich doch aus 
vorangezeigten [Ursachen?] nit versihe, so mögt ir doch albeg 
wol euer beschwerde k. mt. berichten oder, ob es je so be¬ 
schwerlich were, an das kamergericht appelliren, davon man 
euch nicht geziehen mocht, da ir meins gedunken dem rechten 
gemesern entschied dann vor uns erlangen mocht; aber mein 
rat were, das ir euch des handeis sunst abhülft, doch nicht, 
desterminder veste über euern bürgerlichen rechten hüte und 
der kein einbruch liedette. ich kann dannoch nit merken, wie 
die Teczel die guter Grevenberg dem margraven zuwenden 
mögen, die doch euern bürgern, den sie ewiggelt zu geben 
schuldig, sind verpflicht, die damit auch verendert wurdefn], 
dann je einem burger schwerer were unter dem margraven das 
sein zu ersuchen dann bei euch; darzu so haben die Schwester, 
euer burgerin, auch gut recht zu den gutem; were nit billich, 


l ) Schloss Fragenstein hoi Zirl in Tirol. Davon sind noch heute aus¬ 
gedehnte Ruinen vorhanden; in der Nähe hetindet sich die berühmte 
Martinswand. 


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Berichte Toppiers. 


131 


das dieselb erbrechtvertigung unter ein andör gerieht gezogen 
wurde. 

item weiter als ir begert die von Winsheim, woe es furfil, 
zu entschuldigen, das sie zu dem margraven ir anzal nicht ge¬ 
schickt haben, ist an not, dann ich tue es gern; es haben 
auch diean deren stette niergenz dann nach Ordnung, zu Costnicz 
aufgericht, wollen schicken. 

mere so hab ich bei Petter Leipolden, euerm boten, aber 
ein schreiben am 29. tag octobris zu Insbruck empfangen, dess 
dato was am 24. tag desselben monats,*) daraus vernummen die 
Verantwortung gegen dem von Braunschwig, die ich also bei 
ime geton hab; aber von ime zu antwort empfangen, er 2 ) beger 
ausser rechts nichtz gegen euch, aber einer Vergleichung möge 
er nicht gescholten werden; er hab jezund einen in des 
kungs gefengknus, der sei etwa euer solner gewesen und auf 
diss zeit des von Slenicz diener; der hab frei bekant, das euer 
burger einer dem Malticz geholfen haben, auch etlich euer 
solner; das soll aus Nurenberg geschehen sein, darum wer es 
gut, woe dem also were, das dieselben sich fursehen, dann ich 
besorg, er mocht mandat, das ir strengs recht wider sie liest 
geen, erlangen; doch ist noch nicht bei k. mt. furgenummen. 
mere so habt ir mir geschickt ein schreiben an den von Gurck, 8 ) 
das hab ich im überantwort, als er von dem kung ritte: hab 
auch widerum der sach halben mit im geredt und, wiewol er 
vor eil den brief nit lesen mocht, doch hat er sich gutwillig 
erboten. 

■) Briefbücher Nr. 60, fol. 95b ff. Inhalt: Der Rat teilt mit, dass das 
Nürnberger Romzugskontingent (alle in gleiche Farben gekleidet) 
am nächsten Mittwoch (27. Oktober) nach Konstanz ausziehen werde. 
Bei Herzog Erich von Braunschweig möge der Propst die Stadt 
gegen die Anschuldigung in Schutz nehmen, als ob des Herzogs Feind, 
Kaspar von Maltitz, samt einem Gefangenen, Dietrich von Starschedel, 
Unterschlupf in den nürnbergischen Flecken Betzenstein und Hohen¬ 
stein fiude. In der Totzeischen Angelegenheit soll er besonders eifrig 
gemäss seiner früheren Instruktion bei Hofe arbeiten, da der Stadt 
sehr viel an der Sache liege. Dat. samstag nach XIM virginum 
(= 23. Oktober, nicht 24., wie T. sagt) anno septimo. 

*) Im Orig. „es“. 

•) Briefbücher Nr. 60, fol. 97 b. Der Rat bittet unter Darlegung des 
Sachverhalts in der Tetzelschen Angelegenheit für die Stadt tätig zu sein. 
Dat. samstags nach XIM virginum (= 23. Oktober) [16]07. 

9 * 


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132 


A. Gümbel. 


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item auf denselben tag hat mir k. mt. zu empoten, ich solle 
eilenz zu ime kummen gen Fragenstein, das hab ich geton 
und sovil dester lieber, das ich weste, das margrave Casmirus 
zu ime denselben tag kummen was, auch zu erfaren, ob er etwas 
wider euch handelt, hab aber nicht erfinden mögen; und ist 
mit dem margraven Sandei von Lüchaw gew r est, der geren 
sein hon mit mir getriben, aber der margrave untersagt ims, 
das er mein musig gieng. das war am lezten tag octobr[is] und 
hiess mich der kung mit ime reiten und ritte denselben tag bis 
gen Stams, schicket meniglich von ime, den Serteiner, den von 
Gurck, den Renner, herren Paulus von Lichtenstein, behilt allein 
dr. Heiden und mich, und frue an aller heiligen tage sagt sein mt. 
zu mir, ich must zu den Schweizern gen Bernn reiten, daran 
lag seiner mt. ser vil. und wiewol ich mich auf höchst ent¬ 
schuldigt der geul Unschicklichkeit und auch zerung halben, 
auch das ir euch versehet auf mich, ich wurde hei ir k. mt. 
die vorangezeigt handlung ausrichten, doch wolt mich sein mt. 
solchs nit erlassen, ich must eilenz von statten reiten, also das 
ich auf den nechsten suntag zu Bernn müss sein, sunst mocht sein, 
das die schweizer in das veld wider Burgund ziehen wurden, dann 
sie ein slos eingenummen haben, heist Gui, 1 ) ist eins von Or- 
liens, des kungs von Franckreichs vetteren, gewest, der hat es 
ingehabt, der ist burger zu Bernn ; das slos ist ser gut und un- 
gewünlich. got geb, das es gut werel der kung schickt 4000 man 
in Burgundi den burgundiern zu hilf; ich versihe mich, er zihe 
hernach, ich versihe, in 14 tagen oder auf das lengst in 3 
wochen wider bei k. mt. zu sein und, wo ir nit werent, so mocht 
ich des dinst wol mussig sein; ich zeuhe ganz ungern; es reiten 
etliche burgundier mit mir und wenn ich nit ungnad euer und 
meinthalben gesorgt hette, solt mich niemant vermögt haben; 
ich wolt ee anheims gezogen sein; es geet unordenlich genueg, 
aber man sagt mir, unser herre kung hab ein neue Ordnung ge¬ 
macht, wie [die] ist, waiss ich nit; herr Paulus vom Lichtenstein, 
der von Gurck und Sernteiner sollen die obersten sein, damit 
wil ich mich euch befolhen haben, bitend, wollet euch euer[n] 
patron, saut Sebolt, auch befolhen lassen sein, der euch um got 

') Schloss Joux in der Franche-ComtA Es gehörte Louis d’Orl4ans ) 
inarquis de Hothelin. Vgl. Le Glay. Correspondance de l’emporeur 
Maximilien 1. et de Marguerite d’Autriche 1, Nr. 89. 


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Berichte Topplera. 


133 


besser, dann menschlich vernu[n]ft begreifen mag, gemeiner stadt 
und euch zu nuz erwerben mag. geben zu Landeck. an aller 
seien tag [= 2. November] 1507. 

[Eingelegter Zettel] 

Günstigen, lieben herrenl ich schick euch hiemit ein quitanz 
und gescheit um 80 fl., so ich aus gescheft, so mir ir mt. ganz 
ernstlich getan hat, herren Danielen Rawhe von dem au[s]stand 
des rests zu Collen angelegt, gezalt und ausgericht hab. 1 ) und 
die quitung der ganzen suma des colnischen anslags ist ge- 
schaft an die hofcammer; so ich widerkumme zu k. mt., wil 
ichs ausrichten; so werdent ir den andern rest, das sind 95 fl., 
auch ausrichten. ich hette es geren umgangen, das ich nichtz 
herausgeben hette, es were dann die quitung für die ganz summa 
dagewest; so ist die hofkamer zu Costnicz, also das sie jezund 
nit gemacht mocht werden. 

item ir habt mir etlich nomen 2 ) geschickt, darunter ich die 
nachbestimten nomen nit finde und sind doch notdürftig: 
tachs .... Sernteiner 
junckher . . der von Gurck 

kind .... Paulus vom Lichtenstein. 

19. 

An die Aelteren Herren.*) Aus Mindelheim. 

1507, 1. Dezember. 

Fursichtigen und günstigen, lieben herrenl mein ganz willig 
dienst sind e. f. bevoran beraitl günstigen, lieben herren! mir 
ist ungezweifelt, ir habt durch herren Jorgen Holczschuher, da¬ 
bei ich zu Ulm an sant Katerinatag gewest bin, vernummen, 

') Am 28 Oktober 1507. Toppier vermerkt diese Ausgabe in seiner 
Rechnungsablago mit den Worten: adi 28 octobr. hab ich gezalt von k. 
Mt. wegen auss derselben gesehefTt herren Daniel Raube, k. Mt. Solioitator 
zu Rom, von dem Rest dess anschlags zu Cülenn, denn Ein Radt k. Mt. 
noch schuldig wass, und habenn mein herren dass kfoniglich) geschafft 
auch ein quitt[ung] vonn dem gedachten herren Daniell, ... fl. 80. 

’) d. h. Decknamen. Vgl. auch Brief 46. 

*( Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eitern dess 
radts czu nureuberg. Darunter: F[eria] 4a post Lucie (= 15. Dezember; 
vgl. Brief 1, Anin. 3i 1509. Präsentierungvermerk: per peter Leupolt 
Sabato Barbare 4 decembr. 1507. 


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134 


A. GUmbel. 


wie ich die handlung, das slos Ju, so unser herr kung in Bur- 
gundi eingenommen hat, [betreffend], wol ausgericht und, das 
die schweizer dem kung von Franckroich zugeloffen sind, auch 
ein gewisen krieg furkummen hab, 1 ) dann dieselbig sach durch 
die aidgenossen angestelt ist bis auf den ersten tag des maien 
und mitler zeit sollen mittel furgeslagen werden, ob die sach 
gericht mog werden oder zum wenigsten auf den austrag des 
rechten, inhalt des frids und vertrag, im schweizer krieg zu Basel 
aufgericht. auch habt ir vernummen, das mich Holczschuher ge¬ 
beten hat, zu erlernen, nachdem er vernummen hat, das der mar- 
grave k. mt, flelichen angehalten hat; was aber solchs sei, zu er- 
faren, das hab ich mit allem fleis geton und befinde, das er k. mt. auf 
das höchst wider euch angerueft hat und ir ganz veste ange¬ 
halten, also das ir k. mt. sein geren mit fueg abgewest were 
und die handlung an die hofrete gewisen, da der dechant von 
Anspach 2 ) euch hoch muntlich verklagt und nachmals solche 
klag mit seiner hantschrift überantwort, die da ruet auf dem 
neuen gebeu und auf der handlung, die ungehorsamen Teczel 
betreffend, wie ir ab derselben hantschrift vernemen mögt, die 
ich euch hiemit schicke; 3 ) und als ich gen Memingen kummen 
bin, hab ich befunden, dass die rete beslossen betten ein ver¬ 
böte der neuen beue halben ausgeen zu lassen aber die teczlisch 
handlung an das kamer[ge]richt zu weisen, und haben mir darauf 
die geinelt hantschrift als einem rate behendigt, deshalben ich 
sie bericht habe, das mein herre margrave seines verklagens 
ganz kein füg habe, dann so sei der gebeu halben nach not- 
durft vor dem schwebischen bund verhört, da ir gn. noch zu 
Zeiten kein fug irs klagens erlangt hab. es haben auch die 
büntischen etlich verordnet, solch beue zu besichtigen, dabei 
mein herre margrave sein leut auch gehabt hat, die im solches 
seines klagen nit vil glimpf geben werden; 4 ) darzu so treffe 

*) Jörg Holzschuher war zur Versammlung des Schwäbischen Bundes 
nach Ulm abgeordnet. 

’) Dr. Jodocus Lorcher. 

’) Ich habe diese Klageschrift des Dechanten als Beilage III abge- 
druckt, da sie über die Tetzelsche Sache gute Aufklärung bietet. 

4 ) Auf den Bericht seiner Kommissäre hin, dass sie die „beue“ be¬ 
sichtigt und zu keiner Befestigung, sondern als ein Spital und Kapelle 
befunden hätten, erklärte der Bund zu Ulm am Freitag nach Judica 1508, 
dass er dem Markgrafou in dieser Sache Hilfe zu leisten nicht schuldig sei. 


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Berichte Toppiers. 


135 


euch solche gebeue nit an, sunder mein vettern und mich, 
dann durch mein vettern, Cunradt Topler, sei ein merklich 
narung gelassen, damit furgenummen ist durch sein ge- 
scheftiger, das ein haus zu ewigen Zeiten vor der stadt zu 
enthaltung der pestilenzischen menschen gebauet wurde. 1 ) 
zum andern so hette ich mit meinen kirchenpflegern aus not 
des Sterbens furgenummen den kirchhove zum Kraftshove in 
meiner pfarre 2 ) zu erweitern, wie 8 ) wir gut macht hetten, also 
das solch gebeu mich mere dann ein rat betreffe und ich mere 
sacher were dann ein rate, und begert darauf, das man kein 
verbot aus liess geen; ich were auch erbutig zu merer Sicher¬ 
heit caucion zu tun, woe der baue für ein unbau erkent wurde 
mit recht, in abzutun. aber des Teczels halben liess ich den 
entschied ruen, dann die Teczel weren euer geboren burger und 
hetten ihr burgerpflicht geton, deshalben in nit gezimet uner¬ 
laubt sich anderst verherren und ungezweifelt, woe sie ir pflicht 
bedacht, hetten sie solchs umgangen, darum hilt ich, ir mocht 
das recht wol leiden, dann ir hettet mit Grevenberg nicht neues 
furgenummen, sunder euch euers schuzs und schirms, des ir in 
ruiger beses lenger dann menschengedenken gewest, an recht 
zu entsetzen furkummen, darauf die von Grevenberg in pflicht 
genummen und nit zu abbruch den Teczlischen irer rechten, auch 
den Michel Teczel aus ir bürgerlichen obrikeit um seiner unge¬ 
horsam wegen fenglich angenummen, mit ime zu handeln, was 
recht sein wurd. darzu so haben spruch und recht zu Greven¬ 
berg euer burgerin, der Teczel zwue Schwester und schwester- 
kind, 4 ) zu gleichem teil, auch andere euer burger und burgerin 
Verschreibung ewigs gelts, darauf die nit leiden mochten, das 
Grevenberg irer rechtvertigung zu beschwerung unter fremde 
herschaft verendert wurde etc. und hab darnach mit k. mt. 
ganz allein euernthalben hie zu Mindelheim geredt und k. mt. 
ganz geschickt und gnedig gegen euch erfünden mit dergleichen 
Worten: ir mt. hab ganz kein zweifei an euch, wolle euch auch 
in gnedigem befelhe haben, und hat sich darnach bedacht und 

•) Vgl. Brief 11. 

’) T. war als Propst von St. Sebald auch Pfarrer zu Poppenreuth, 
wozu damals Kraftshof noch gehörte. 

*) Geschrieben ist ich. 

*) Barbara, Tochter der Barbara Ketzel. Vgl. Brief 14. 


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136 


A. Gümbel. 


gesagt, ir falle zu der aufslag zu Engelhartszell und ich solle 
euch schreiben, das ir ein schreiben an ir mt. tetto unter euerm 
sigel, was euch auf demselben aufslag verschriben were und ir 
daraufe mpfangen hette und, wenn solchs geschehen were, dann 
sein mt. dorft solchs zu seiner rechnung. 1 ) darauf hab ich ge¬ 
sagt, ich wolt solchs euch zuschreiben und were des stucks 
halben mein rat, ir schicket mir solch schreiben zu auf das fur- 
derlichst, wolt ich solchs k. mt. selbst behendigen, und das ir 
ein anders dergleichen an das regiment in k. mt. nomen gen 
Insbruck schicket, hoffet ich, soll euch zu gnaden raichen. nach¬ 
mals hat margrave Casmirus und der techant widerum k. mt. 
so hart angehalten, das sich k. mt. dannoch mit den reten heut 
entslossen hat, kein verbot aus lassen zu geen, sunder die sache alle 
beleihen allein gütlich zu verhören herren Ernst von Welda und 
dem brobst von Stockarten 2 ) und noch einen, so zu Augspurg 
sein werden, die Sachen gütlich zu vertragen und k. mt. zu be¬ 
richten, wo die sach nit gütlich vertragen wird, als ich mich 
dann versihe, und darnach so halt ich, das die Sachen an das 
camergericht gewisen werden, nachmals, als ich bei dem eanzler 
und vil andern reten vor seiner ture sase, kome der techant von 
Onspach an mich und erzelet mir öffentlich in gehör der andern 
rete, ir bauet irem herren zu gevere in seinem furstentum etc. 
darauf ich ime mit lachendem rnünd antwort, ich weste kein 
furstentum der enden, es hette doch sein gn. kein furstentum 
der ende, so were der bau auch nit durch euch geschehen sun- 
dei etc., wie ir vormals vernummen habt, darauf er antwort 
mit vil honischer erzelung, wie sein herre euch dahin gebracht 
hette in kraft seins furstentums, das ir die blockheuslein und 
stuzen niderwerfen muste; so hetten sie gut kaiserlich brieve, 
darinen das burgravtum ein furstentum genent, wurde, sagt ich, 
die blockheuser weren aus derselben ursach nit nidergeworfen, 
desgleichen die stuzen; das aber das wäre were, so mochten 
sie die stuzen wider aufrichten ungeverlich als weit als der galg 
steet um die stadt, seines herren unbegrusset, dabei abzunemen 


’) Der Rat übersandte in der Tat eine solche Uebersicht. Vgl. den 
nächsten Brief. 

») Ludwig Vergenhannss, Propst zu Stuttgart und Domherr zu 
Worms, kaiserlicher Rat. 


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Berichte Toppiers. 


137 


were, das die obrikeit euch zugesprochen; ich weste auch um 
den, so trugen die kaiserlichen brieve nicht auf in[!], dann es 
weren verba enuncciativa. es gestünde auch kein edelmann, 
der unter seinem herren saesse, das er unter seinem Fürsten¬ 
tum saesse; sie mochten solchs auch nit leiden, aber was 
gieng mich die sach an? er wer von seins herren wegen 
hie; ich aber were der beu halben urbutig caucion zu 
tun etc. mainet er, es were der caucion halb nicht genug, 
das man bauen mocht, dann das were wider seiner gn. Fürsten¬ 
tum, dem kein caucion vergleichen mocht, er bekennte, wenn es 
kein ander bau were, dann den er gesehen hette, so were es 
kein unbau; er hette kein zwei fei, wo ich sein herren nur be- 
grusset, hette er solchs geren zugeben, darauf ich sagt, es were 
an not seinen herren darum zu begrussen, dann er hette der end 
kein obrikeit, darzu so were es nie gehört, das man je ein mar- 
graven darum begrust hette und were doch der end vil geben 
geschehen, der türm zu Poppenreut und ander mere, das sich 
doch zu befestigung zuhe. darzu so erbute ich die caucion nit 
zu Vergleichung des furstentums, sunder, ob sich erfunde, das 
der baue ein unbaue were, den widerabzubrechen, das dann 
leichtlich geschehen mocht. nachmals zohe er des Teczels handel 
auch an, mocht nit geschweigen und zeiget an den handel nach 
der leng, wie ir mir dann vormals zugeschriben habt, da sprueng 
der Wolf Theczel herfur mit schmehelichen Worten wider mich, 
die ich got dem herren befilhe, und sagt uberlaut, er hette euch kein 
pflicht geton. das hab ich euch im besten alles nicht wollen 
verhalten, dann furware Wolf Teczel ganz frevel und ein ver¬ 
loren man ist, deshalben ir mit ernst in die handlung und wol 
mit rat darein sehen und herte darüber halten muest, dann sunst 
gab ich nit ein du. um euer polizei. ir werdet nummer sicher 
sein: haben die Teczel hinter die vierteilfmeister] geschworen 
und heit die burgerpflicht inn, das sich niemant ungeurlaubt in 
andern schuz und schirm geben sol, kan ich nit sehen, wie 
solchs verantwort wurd. damit wil ich mich euch befolhen 
haben, geben mit eilen am 1. tag decembr[is] 1507 zu Mindel- 
heim. 

[Eingelegter Zettel] 

was ich in dem hauptbrief geschriben hab, mag ich lassen lesen 
in einem rate versamet, damit sie sehen, wie es ein gestalt hab. 


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138 


A. Giimbel. 


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auf heut ist k. mt. von hinnen geschiden und ich mitsamt 
Schenck Christofei von Limpurg, herrn Jorgen vom Thum, herren 
Hansen von Landaw etc. weren salsibent auf das treffenlichst 
gen Czuerch, nachmals gen Enesheim, da wurd ich auf lucie 
sein; versihe mich, k. mt. werde auch dahin oder in der nehe 
sein, dahin mögt ir wider antwort schreiben, ich mocht wol 
leiden, das ich persönlich bei euch were, aber dieweil die leuft 
sich so selzam anlassen und ich kein erlaubnus von euch hab, 
wil ich mich euers willens fleisen. 

item euers volks halben ist an not, das ich euch schreib; 
ir habt deshalben von anderen eueren beschid; sie warden erst¬ 
lich unter den margraven beschiden; wir haben solchs beim 
kung abgebracht. 

item euer beharnischen belehenung halben und der freihaiten 
halben der appellacion, hoffe ich, solle bald fuglikeit sich schicken, 
wo nit zu beden, doch zu wenigstem zu der confirmacion. ich 
müss solchs höflichen zu wegen brengen, damit ich die sach 
nit ganz verpletter. 

item in dem anslag, die keufleut betreffend, 1 ) befinde ich, 
das ir im rechten gegrundt seit, dieweil k. mt. nit vormals ir 
lehenman, die im in noten zu helfen schuldig sind, angreifen. 

[Zweiter eingelegter Zettel] 

Item ob etwas wider euch ausgieng, dess ich mich doch 
nit versihe, dürft ir nicht achten, sunder euer antwort mir zu¬ 
schicken; waiss ich albeg rat zu finden. 

20 . 

An die Aelteren Herren.*) Aus Konstanz. 

1507, 27. Dezember. 

Fursichtigen und günstigen, lieben herren! mein geflissen 
und gutwillig dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben 
herren! auf dem tag zu Czurch sind gewest am eretag nach 

*) Ueber die Bestrebungen Maximilians die grossen Kaufmannsge- 
8ell8chaften des Reichs zu finanziellen Hilfeleistungen für den Romzug zu 
zwingen, vgl den nächsten Brief. 

*) Adresse: Meinen sunder günstigen, lieben herren den elternn dess 
radts czu Nurenberg. Darunter: Fferia] 4a post Lucie (= 15. Dezembor, 
vgl. Brief 1, Anm. 3) 1507. 


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Berichte Toppiers. 


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nicolai von wegen k. mt. Schenck Cristofel von Limburg, herre 
Jorg vom Tiirnn, Philipp Loit, hofmaister in Burgundi, der 
brobst von Nurenberg, 1 ) herr Hanss von Lauda, doctor Schad, 
Hanss von Landenberg, und haben den acht orten erzelt, wie 
k. mt. ir antwort, zu Kaufbewernn gegeben, dazumal gefallen 
gehabt, aber nachdem solch antwort leuterung bedorft, denselben 
tag begert zu setzen und darauf ir obgemelt rate geschickt mit 
allem fleis zu begeren, das sie ir k. mt. den romzug wider me- 
niglich, niemand ausgenummen, helfen tun und ir k. mt., dem 
heiligen reich der teuczschen nacion, auch in selbst, als 
glider des heiligen reichs, die kaiserlichen ere und wirde helfen 
hanthaben. der kung von Franckreich understee, ir k. mt. 
daran zu hindern, auch den babst von dem babstum zu dringen 
und babst und kaiser zu werden etc. darauf die schweizer und 
aidgenossen geantwordt: sie haben kurzverschinnen tagen zu 
Kaufbeueren k. mt. ein antwort geben, der hab ir k. mt. ge¬ 
fallen gehabt, dabei sie es noch lassen bleiben; sie wollen ir 
k. mt. den romzug helfen tun wider menniglich, so sie daran 
verhindern, aber sunst wollen sie niemand das sein nemen. 
darauf haben die k. rete ein bedacht genummen und geantwordt: 
k. mt. hette solche antwort vormals vernummen, aber [sei] der 
nit lauter verstendig; und solten sie kein andere leuterung 
hinter sich brengen, so were ir darkumen ganz unfruchtbar; 
sie glaubten, das sie als die frummen vermainten wenig zu 
sagen und vil zu laisten; dannoch erhaist k. mt. notdurft aus 
etlichen Ursachen zu wissen, wess sie bei in vermöge und des 
ein leuterung, dann ro. kunge gebure den romzug zu tun als 
einem kung und auch die gehorsame des reichs in ltalia an- 
nemen, dann vil furstentum und herschaft darin sind, die das 
heilig reich erkennen und ime zugehoren, der dann etwa vil 
genennt wurden und sunderlich Mailant; were je billich, das 
k. mt. die gehorsam anneme; es were auch k. mt. gemuet 
nit, jemand das sein zu nemen, sunder allein des reichs gerech- 
tikeit nit zu begeben und, wo in solchs je beschwerlich sein 
wolt, so were doch k. mt. begeren und Zuversicht, sie wurden 
stilsizen und weder ir mt. oder dem kung von Franckreich zu- 


') Toppier meint sich hier selbst, wie gleioh weiter unten mit „euer 
brobst.“ 


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A. Gümbel. 


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ziehen, darneben erzalten die rate als für sich selbst an be- 
felhe (aber doch so wäre solehs ir beleihe von k. mt.), die ve- 
nediger verhinderten ir mt. am romzug und hezten den kung 
von Franckreich wider den babst; so ir mt. den krieg mit den 
venediger anfieng, wess sie sich zu in versehen solt, ob sie ir 
mt. die venediger zu bekrigen, dem heiligen ro. reich sein ge- 
rechtikeit, auch der heiligen ro. kirchen, den sie das wider recht 
vorhielten, wolten helfen etc.; das sahen sie für ein mittel weg 
für gut an. darauf die aidgenossen: die handlung weren schwere; 
ir jeder wolten solehs auf das fleisigst an sein ort brengen und 
wolten die andern ort auch beruefen, ir k. mt. ein antwort zu 
geben, der sie, als sie sich versahen, gefallen tragen wurde, ent- 
sliessen, und nachmals solehs ir k. mt. verkünden auf das fur- 
derlichst. und ist der tag auf trium regum gen Lucernn gesezt. 
got geh, das es gut were! die aidgenossen zaigen sich ganz 
gutwillig; die ro. rate betten teglichs bei 24 tischen, meniglich 
lief in zu und des franzosen botschaft Rockobertin dorft nit 
aufgeen. aber nachmals, ee die aidgenossen abzogen, be- 
gerte er auch ein verhöre und hat in vil lugen vorgebre- 
digt, sunderlich er 1 ) hat) die franzosen in das niderlant des 
kungs tochter zu hilf geschickt etc. es ist war, das er den 
niderlendern zugeschriben hat, sie sollen in zu vormund annemen, 
so wolle er den jungen princip 2 ) wider menniglich schirmen und 
schützen, nachmals ist herre Jorg vom Thurnn, herre Hans 
von Gilgenberg in k. mt. botschaft zu dem bischof von Walles 
geritten und reiten nachmals in Savoi zu dem herzogen. herre 
Hans von Landa als schazmaister zeucht gen Costnitz; da ist er 
noch mit herren Albrechten von Wolfstein verlieft, doctor Schad 
und Hanss von Landenberg anhaims, herre Philipp Loit. auch 
anhaiins gen Burgundi, dahin der kung von Franckreich ein 
grossen zeug schickt, nemlich 3000 zu ross, herre Schenck 
Cristoffel von Limburg und euer brobst sind gen Ensheim ge¬ 
zogen in Zuversicht, k mt. wurde dahin oder gen Freiburg selbst 
klimmen, aber da haben sie ein beschaid gefunden und die ganz 
landschaft aus dem Elsas, Sunckaw, Breiskaw und Schwarczwald 
versambelt, von ine begert, von k. mt. wegen, ein monat auf ir 


*) d. h. der König von Frankreich. 
’) Karl V. 


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Berichte Toppiers. 


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selbst costen zu halten 200 zu ross raisig und 4000 zu 
fuess; haben sie die halb zugesagt; aber ich glaub wol, es bleib 
bei dem nit. und ist Schenck Cristofel beschiden anheims gen 
Nellenburg und sich zu rüsten auf weitern beschaid daselbend 
zu warten und der brobst zu dem kung zu kumen, woe er in 
dann funden werde, dann ir k. mt. sei ir mainung durch der 
Venediger furnemen gegen den iren gewent, das sie zu der zeit 
nit persönlich gen Freiburg kummen möge. der herzog von 
Wirtenberg, grave Sigmund von Lupf sollen in Burgundi ziehen; 
grave Sigmund hat 1000 knecht aufgenununen , hat der schon 
400 in Burgundi geschickt; darauf ist der brobst zu Ensheim 
abgeschiden und zeucht zu dem kung. 

günstigen, lieben lierren 1 als ich zwischen Schaffhausen 
und Costnitz bin kummen, hab ich bei Petter Leupolden, euerm 
boten, ein schreiben, an mich lautend, empfangen mit etlichen 
eingeslossen copien und auch ein schreiben an k. mt., 1 ) das ich 
ir selbst behendigen wil, euerm befelhe nach, und nicht, das zu 
euer und gemeiner stadt er, nutz und furderung dient, vergessen, 
wie ich dann auch vormals geton hab. und aus dem schreiben, 
so ir an mich geton habt, des dato steet am samstag nach 
concepcionis marie, 2 ) vernimm ich, das euch nit lieb ist, das ich 


') Vom 11. Dezember 1507. Briefbücher Nr. 60, fol. 149b. Der Rat 
(eilt auf Ersuchen des Königs mit, dass er Verschreibungen über 
11500 fl. rh. habe; daran habe er bisher 3900 fl. von dem königlichen Auf¬ 
sehlageinnehmer zu Engelhartszell, Rupprecht Tettenhaimer, empfangen. 
Dat. samstag nach concepcionis Marie (— 11. Dezember) 1507. 

*) Briefbücher Nr. 60, fol. 150a. Inhalt: Die markgräfliche 
Sache solle bis auf Weiteres beruhen Der Rat drückt sein Bedauern über 
Wolf Tetzeis Benehmen aus. Dieser habe hinter seinen Viertelmeister 
geschworen und sei unzweifelhaftNürnbererBürger; Michael Tetzel, der seine 
Iiaftstrafe angenommen habe, sei auf Urfehde entlassen worden. (Das Origina 
dieser Urfohde vom 2. Dezember 1507 im Kreisarchiv VI ,01 /i Nr. 2209.) 
Der Rat iiborschickt weiter auf königlichen Wunsch eine Uebersicht der 
vom König der Stadt geschuldeten Gelder und der aus dem Engel¬ 
hartszeller Zoll empfangenen Posten. Falls der Markgraf die Stadt wegen 
des neuen Brückenzolles bei Röthenbach beim König verklage, 
solle T. erklären, dass Nürnberg den Zoll nur bis zur Deckung der Bau¬ 
kosten der neuen Brücke daselbst einnehmen und dann wieder abstellen 
wolle. Der Bischof von Bamberg habe Kloster Weissenohe, dessen 
Schutz und Schirm dio Stadt im bayerischen Erbfolgekriege an sich ge¬ 
bracht, zur Huldigung zwingen wollen, worauf Nürnberg das Kloster durch 


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A. Gümbel. 


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dermasen verächtlich, wie ich euch geschriben hab, durch euern 
ungehorsamen burger Wolfen Teczel angetast bin; trag ich solchs 
kein zweifei, aber dannoch muess ich fursorg tragen, das mir 

Bewaffnete besetzt habe. Die oftmals besprochene Sache der auszubrin¬ 
genden königlichen Briefe über die Rechtsprechung und Appellation 
in Kaufmannshändeln und über die böhmischen Lehen solle der 
Propst bei der jetzigen Geldnot des Hofes eifrig betreiben. Die Frage 
der Kaufmannshändel sei besonders brennend geworden, da der König 
abermals die Bevollmächtigten der Kaufmannsgesellschaften nach Ulm 
entboten habe. Dat. samstag nach concepcionis Marie (=11. Dezember) 1507. 

[Maximilian hatte nämlich damals, gestützt auf eine angebliche, 
ihm zu Constanz erteilte Vollmaoht der Reichsstände, die grossen Kauf¬ 
mannsgesellschaften der Städte Nürnberg, Augsburg, Memmingen und 
Ravensburg aufgefordert, mit Paul von Lichtenstein in Unterhandlungen 
wegen eines Anlehens zum Romzug im Betrage von 80000 fl. zu treten; 
dabei ging er von dem wiederholt betonten Grundsatz aus, dass die grossen 
Gesellschaften Kaiser und Reich unmittelbar unterworfen seien. Demge¬ 
mäss hatte er eine Zeit lang mit Klagen des königlichen Fiscals gegen 
die Widerspenstigen gedroht, später aber den Weg der Unterhandlung 
betreten. Als Sicherung versprach sein Unterhändler den Kaufleuten 
20000 Zentner Kupfer (den Zentner zu 4 fl.) zu liefern. Die letztgenannten 
drei Städte gingen aut dem Städtetage zu Speyer darauf ein, nicht so 
aber Nürnberg. Dies befand sich freilich in einer eigentümlichen Lage, 
da grosse Gesellschaften von Kaufleuten nicht bestanden, sondern, wie 
der Rat behauptete, ein jeder für sich allein mit Hilfe seiner Brüder und 
nächsten Gesippten don Handel treibe. Der Rat wies T. (wie aus meh¬ 
reren weiteren Schreiben im gleichen Briefbuch hervorgeht, während die 
Antwortberichte T. seit dem 27. Dezember 1507 leider fehlen) an, mit dem 
Kaiser dahin zu handeln, dass diesem 8000 fl. frei, nicht anlehensweise, 
gezahlt werden sollten, wenn Nürnberg dafür folgende Freiheiten erlange : 
erstens die Versicherung, dass die Nürnberger Kaufleute mit weiteren 
Anlehen verschont bleiben sollen, zweitens die lang angestrebte Frei¬ 
heit wegen dei Kaufmannshändel, drittens die gleichfalls seit langem 
betriebene Bestätigung des böhmischen Lehensbriefes vom 21. September 
1506. Ferner solle das Nürnberger Romzugskontingent heimziehen dürfen. 
Letzteres vermochte der Rat nicht durchzusetzen, dagegen erhielt er, wie 
wir gesehen haben (vgl. Brief 6 Anmerkungen), unter dem 14. und 
15. März 1508 die beiden gewünschten Privilegienbriefe über die Kauf¬ 
mannshändel und die böhmischen Lehen, ebenso die begehrte Versiche¬ 
rung. Unter dem 16. März 1508 erklärte nämlich der Kaiser, dass, nach¬ 
dem Bürgermeister und Rat an Stelle der dort sitzenden Kaufleute an 
dem auf dem jüngsten Reichstag zu Constanz für don Romzug beschlos¬ 
senen Anlehen sich zu beteiligen bereit wären, er die genannten Kauf¬ 
leute mit solchen Anlehen fürderhin unangelangt lassen wolle. (Geben 
in Kawfpewrn am 16. tag des monots Marcii 1508. Or. im Kreisarchive 


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Berichte Toppiers. 


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durch ine und seinen anhang, die margrevischen, etwas wider- 
wertigs mere, dann ich schreib, zugedrenckt mocht werden mit 
der täte; aber das und anders wil ich gern dulden, so es nuer 
gemainer stadt zu gut kummen mocht und mich dester basser 
hüten und fursehen, dann er schemt sich nicht und ist ein ver¬ 
dorben man; es ist ime auch keiner lugen zu viel, item ich 
hab auch die Verschreibung, so Michel Teczel über sich gegen 
euch geben hat, gelesen und steet recht; ist ime auch selbst 
nuetz, dann ich halt, woe ir mit der streng gegen ime gehan¬ 
delt wollet haben, es were ime beschwerlich gewest, und, woe 
er schon unter den margraven kummen, wäre er in grund 
verdorben und ime auch kein glauben gehalten worden 
und sein aigner bruder Wolf hette in verderbt; also bleibt 
er bei dem sein und wurd dabei geschüzt; zu solchem seinem 
nuez wurd er gedrungen wie sant Paulus zu dem christen- 
lichen glauben, ich trag auch kein zweifei, woe die handlung 
des Wolfen halben zu verhoer kummen, wurd er sein ere nit 
verantworten mugen und ir euer handlung gerecht erfunden, 
ich halt auch das man ime als einem ungehorsamen burger, der 
trunnig ist, auf den gläubiger anruefen sein gult mocht ver¬ 
bieten, das dienet darzu, das er niemant finden wuere, der ime 
gelt lihe, dadurch er in sein selbst erbarmung gebracht und zu 
erkantnus, was in der margravisch schueze furtrüge. mere so 
hab ich auch vernummen, wes sich anmassen die margravischen 
rate des bruckengelts halben und die copi des Schreibens, so ir 
an sie geton habt; und woe solchs bei k. mt. oder den raten 
meldung geschehen, wurde ich solchs wol wissen zu verant- 


Niirnberg, Kaiserpriv. FFB3.) Zum glücklichen Abschluss der Verhand¬ 
lungen mag wohl die persönliche Anwesenheit Ts. in Nürnberg, wo 
er nach Ausweis seiner Rechnungslegung am 11. Februar 1508 wieder 
eintraf und, wie die Briefbücher ergeben, bis etwa 9. März verweilte, 
vieles boigetragen haben. Ueber seine Rückkehr nach Nürnberg, die ihm 
der Rat mit Schreiben vom 1. Januar 1508 (Briefbücher Nr. 60, fol. 195b) 
erlaubt hatte, vermerkt T. in seiner Rechnungsalllage: adi 2 februari pin 
Ich zu potzenn ausgerittenn in meiner herren geschefft auss k. Mt. be- 
velhe vnd allein mit 3 pferden — dann k. Mt. wollt nicht, dass ich mer 
neme, dodurch ich dester Eor wider zu Ir kome, die anderen Hess Ich 
vntterwegenn — verzertt mitt denn 3 piss genn Nur., auch zu zeitten für 
Einen mittreitter, vnd pin am 11 tag Febr. genn Nur. kummen . . . fl. 19 
cfreutzer] 25.] 


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Worten, aber ir muest euch versehen alles unlust, so euch durch 
sie zugefuegt mag werden; der werdent ir auch mit vernuenft 
wol wissen zu begegen. dann gedenkent, das ir nit zu vil 
waich seient; man wurd vil selzam neuikeit gegen euch fur- 
nemen. 

item so hab ich auch des bischoves von Bamberg handlung, 
mit Weisenaoh begangen, mitsamt dem schreiben, so ir an in 
getan habt, 1 ) vernummen und ist zu befremden, das er solchs 
hat dürfen lassen handlen und ir seit zu vil lass in solcher 
handlung gewest, ir sollet die teter billich gen Nurenberg haben 
lassen [furen], dardurch ir [euch] ein foreht gemacht hette. euer 
voreitern hetten solches kaum unterlassen, es wurden auch dar¬ 
nach die edelleut nit willig gewest aut eines fürsten gehaiss so¬ 
bald wider euch zu frevelen; aber also gedenkt einer, was leit 
mir daran; ob ich wider die von Nurenberg tue, so straft man 
mich doch nit; ich waiss wol, wo ir ein solchs dem bischove 
geton, hette man den euern so vil zucht nit erzaigt; der bischove 
von Bamberg wurd gegen euch nit feiern; gedenket an mich, 
wie er euch eins versezen mag, dann er hat ungeruig leut bei 
ime. ich hab hie erfaren in der herbrig, da er gelegen ist, das 
alle handlung, so die Eglofsteiner hie wider euch geübt, sind 
in seiner herbrig, mit seinem wissen und wil gerat.slagt, da aus¬ 
gangen, darbei ich abnim, das er kein gut herz gegen euch 
tregt. aber das weis ich wol, solt er ein solchs anderswoe fur- 
genummen haben, es were im anderst ausgangen; er hette ims 
nit dürfen gedenken, es hette sein vicztüm in Kernten einem 
edehnann, der haist der Räuber, 1 ) ein slos eingenummen, das des 

b Briofbiicher Nr. 60, fol. 147 a von Samstag nach Mariae Empfängnis 
(11. Dezember) 1507. Abt Eukarius von Kloster Weissenohe hatte den 
Bischof von Bamberg gebeten sich eine Zeit lang in das Kloster Michels¬ 
berg ob Bamberg zurückziehen zu dürfen, da er wegen hohen Alters und 
Leibesschwäche dem Kloster nicht mehr vorslehen könne. Bischof Georg 
erteilte die Genehmigung und sandte Georg von Redorn nach Weissenohe, 
um einstweilen die Verwaltung des Klosters zu (Uhren. Die Nürnberger 
nahmen aber als ßesitznachfolgor der bayerischen Fürsten und kraft könig¬ 
licher Verleihung Schutz- und Schirmgerechtigkeit über Weissenohe für 
sich in Anspruch uud zwangen den Abgesandten des Bischofs, ihnen das 
Kloster wieder zu übergeben. Archivalisches Material zur Geschichte 
dieses Konfliktes enthält der Akt des Kreisarchives, Akten der D. Laden 
Nr. 1787 (III2/2). 

*) Linhart Rawber war nach Looshorn, Geschichte des Bistums Bam- 


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bischoves warde und der Räuber allein ein vogt darauf ein zeit 
lang, und die zeit war aus, bette auch der bischov r e gut Ver¬ 
schreibung, das sein viztum solch slos selber einnemen mocht. 
nicht desterminder wolt die ganz landschaft in Kerntten auf sein 
gewest und im Villach angenommen haben, woe der ro. kung' 
hie zu Costnicz nit so hohe durch die andern bischove ersucht 
und gebeten were worden allein aus der Ursachen, das der viz- 
dum solch slos an recht, aus aigem gewalt, eingenummen hette. 
solchs sind frenkische stückle 1 ) und, woe ir euch hinfur nit ernst¬ 
lich halten, werdent ir der vil mere erfaren. ich wil euch auch 
nit verhalten, das Schenck Cristofel, als ich nechst bei im ge¬ 
west bin, mit mir geredt hat, sein vetter, der bischove, hab 
meinthalben mit ime geredt, woe ich mich zu ime tun, wolte er 
mir ein guten sold schaffen, auch das ich zu Bamberg mit goz- 
gaben versehen wurde, hette ich mere rue, dann an des kungs 
hofe etc. mit vil andern reden, darauf ich antwordt, es wurde 
mir ein ungnad bei k. mt., der mir gnedig were, als er selbst 
wol weste, brengen, das ich von ir unter einen, der in meinem 
stand des rats gewest, kummen wurde und iren dienst waigeren, 
darum west ich nicht darauf zu antworten und Hess es also 
bleiben, ich furcht die margravischen und bambergischen tichten 
tag und nacht, wie sie euch etwas abbrechen mochten; aber 
ich hoff, got der herre und euer patron, sant Sebolt, werde[n] 
euch behüten und euch Vernunft und hilf wider solches teglichs 
ertichten verleihen, dem bischove vor sein leben nemen; zwar 
sant kaiser Hainrich straft in selber mit teglicher krankheit. 

item zum lezten so begert ir, das ich fleis ankere in er- 
langung euer freihat, der copi ich hab, auch der beharnischen 
confirmacion, nachdem der wedel’) jezund sein solt, auch aus 
Ursachen, das euch k. mt. abermals euer kaufleut halben, als 
solten die ir mt. an mittel unterworfen sein, geschriben hat etc., 
kann ich nit wol versteen, was dieselb freihait zu solchem ge- 


berg, Band IV. S. 478, im Jahre 150t bischöflich bambergischer Pfleger in 
Fridaun. Uebor die hier erwähnten Vorfälle sagt Looshorn nichts. 

’) Nämlich solche bambergische Uobergrifle. Aehnlich oben: aber 
ich halt, das [das] der Francken auslag gewest ist (Brief 17). 

wedel = Zeit, geeignete Zeit. Vgl. Schmeller, Bayerisches 
Wörterbuch, II, Spalte 848. 

Archivalische Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 10 


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A. Gümbel. 


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dienen mocht; 1 ) doch so hab ich bishere kein fleis gespart, wil noch 
kein fleis sparen, aber ich muss dannoch seuberlioh mit den Sachen 
umgeen, damit ich euch nit alsbald schaden als nuz zufuegt. 
das gelt, so ir darum geben wölt, ist wenig; so müss ich furchten 
albeg, das man uns einziehe und hintenach anmiiten mochte ein 
grosse summe geiz, dann wenig kleckt nit, und, so ir solchs 
abslugt, das es eines unlust walten mocht, dann wir sind hungerig 
und sind etlich an unserm hof, die nit anders gedenken, dann 
die stet zu verunglimpfen, und man wil es dafür halten, als 
wachs das golt bei euch; ich hab mich bishere gehuet, wie ich 
hab gemogt, das euch nit zu vil überlast angemuet wurde; ich 
hab auch verhuet, so vil mir möglich gewest ist, das ich den 
slafenden hund nit wecke, es werden bald penalmandat aus- 
geen, das jederman den colnischen anslag zale; der steet wol 
mere dann halbsch noch aussen, desgleichen den anslag, so hie 
zu Costnitz aufgelegt ist, und auf die, so ir volk nit geschickt 
haben, so vil geiz, als das volk zu erhalten machen mocht, trift 
etlich 100000 fl.; mögt ir dannoch vermerken, das uns die gelz- 
not so ser nit dringt; mocht aber solchs durch ein procurei zu 
wegen gebracht werden, were auch nit boes; kein fleis ist bis¬ 
here durch mich nit gespart, sol auch 2 ) hinfur nit gespart wer¬ 
den. ich mocht wol leiden, woe es euers fuegs were, und ich 
solchs mit fueg bei k. mt. erlangen mochte, das ich 8 oder 14 tag 
bei euch were. damit wil ich mich euch befohlen haben, mir 
ist hie durch herren Hansen von Landaw gesagt worden, unser 
herre lcung ziehe gen Boczen auf ein lanttag, so auf trium regum 
sein wurd. geben mit eilen zu Costnicz am dritten cristag 
[= 27. Dezember] 1508. 


') In seinem Antwortbrief vom l.Jan. 1508 (Briefbüoher Nr. GOfol. 194a) 
weist der Kat diesen Einwurf Ts. zurück, indem er bemerkt: wenn der 
König bewillige, dass alle Kaufmannshändel in Nürnberg selbst rechtlich 
entschieden würden, wie das angestrebte Privileg vorsehe, entfielen die 
Ansprüche, dass die Kaufmannsgosellsohaften dom Reiche unmittelbar 
unterworfen seien und ihren Gerichtsstand vor dem Kammergericht hätten, 
von selbst. 

’) Im Or. wohl irrtümlich: euch. 


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Berichte Toppiers. 


147 


21 . 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Mainz. 1508, 24. Mai. 2 ) 

Fursichtigen und günstigen lieben Herren! mein ganz gut¬ 
willig dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben herren! 
euer schreiben bei Peter Leipolden, euerm boten, dess dato 
stunde am samstag nach Pangraci, 3 ) hab ich am 16. tag diss 
monats empfangen und vernummen, das ir durch herren Casparnn 
Nuczel, auch mein schreiben, bericht seit, das ich der zweier monat 
halben bei k. int. nicht hab erlangen mögen, 4 ) auch aus einer 
zugeschickten und eingeslossen copi eines Schreibens, an euer 

*) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Cantate [= 24. Mai; vgl. - 
Brief 1, Anm. 3) 1508. 

*) Ueber die Lücke in den Berichten vgl. den vorausgehenden Brief. 
Doch fehlen auch Schreiben Toppiers seit seiuer Abreise von Nürnberg 
(c. 9. März). 

Dass wir T. in Mainz finden, erklärt sich aus einer ihm gemeinsam 
mit anderen kaiserlichen Räten aufgetragenen Kommission: er sollte mit 
den dort versammelten Kurfürsten über eine Reichshilfe zur Rettung 
Tirols vor der venetianischen Uebermacht verhandeln. Vgl. Ulmann II, 

S. 354, Anm. 2. 

8 ) Briefbücher Nr. 61, fol. 147a: Der Rat überschickt eine Kopie der 
an die Haupt leute des nürnbergischen Romzugskontingentes ergan¬ 
genen Instruktion und ersucht weitere Schritte beim Kaiser wegen dessen 
Heimsendung nicht mehr zu tun. Die Annahme Toppiers, als ob der Rat 
über spärliche Berichterstattung ungehalten sei, treffe nicht zu. Er wisse 
wohl, dass T. auch mit Geschäften im Dienste des Kaisers beladen sei. 
Der Rat erzählt die Gefangennahme von sechs Nürnberger 
Bürgern in sächsischem Geleite, angeblich durch Helfershelfer des Heinz 
Baum uud ersucht den Kaiser hievon zu unterrichten. Als Kommissäre 
in der [ungenannten] Sache, den Abt von St. Aegydien betreffend, 
sei ihm der Propst von U- L. Frau und T. selbst genehm. Datum samstag 
nach Pangiaci [= 13. Mai] anno octavo. 

4 ) Maximilian hatte im Februar 1508 an Nürnberg (wie an andere 
Reichsstädte) das Ersuchen gerichtet, das Romzugskontingent noch weitere 
2 Monate über die vom Konstanzer Tage festgesetzte Frist beim könig¬ 
lichen Heere zu belassen Darauf hatte der Rat unseren Propst (der, wie 
erwähnt, seit 11. Februar bis c. 9. März 1508 in Nürnberg weilto) und 
Kaspar Nützel zu Unterhandlungen mit Maximilian bevollmächtigt, wo¬ 
nach dieser anstatt dessen Geld von der Stadt zur Unterhaltung einer 
eigenen Mannschaft während zweier Monate nehmen sollte. Der Kaiser 
ging aber darauf nicht ein. Nützel kehrte Ende April wieder nach Nürn¬ 
berg zurück. 

10 * 


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148 


A. Giimbel. 


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haubtleut bei Trient geton, was euers gemüts und willens sei, 1 ) 
das auch meinem schreiben an euch nicht ungleich ist, das ich 
nach gelegenhait der Sachen auch nit baser verstee und des¬ 
halben beruen las, dann ich die slafenden nit geren zu weiterm 
begeren Ursachen wolt, mich dess albeg, als ir selbst wol wist, ge- 
flissen hab, wie ich euch dann zu merer malen vorlangst angezaigt 
hab die art diss hofes, auf finanzen gewidembt. mag auch euch 
in vertrauen anzeigen, das der kamermeister zu dem margraven 
geschickt, in zu bewegen, das er eilents seinem volk hinein¬ 
schreib, das sie nach ausgang der zweien monat dannoch ver¬ 
harren und bei margrave Casmirus bleiben; so wolle sie k. mt. 
dinnen versehen, darüber so zeit, ir k. mt. in frei des anlegens, 
so ime k. mt. zu hilf im bund aufgelegt wurde, darzu so sol 
der camermaister mitsamt dem margraven sein lantschaft be¬ 
rufen und ein landsteuer begeren, die soll er im auch bevor 
haben; mere so sol er in bewegen, in Ostereich mit ime zu ziehen 
mit 50 pferden und 1000 zu fiiss; solch volk soll er auf sein 
costen bis gen Ostereich furen, da sol er für das verzert auch 
zukünftig gelt finden, und k. mt. wolle im da ein fürstlichen 
stand halten etc. mit vil erbieten, darbei mögen e. f. abnemen, 
was practica auf euch, der ich noch nit weiss, gemacht werden; 
diesen instruction hab ich mit meinen äugen gesehen, aber ob 
ir etwas ungereimts angemüt wurdet, lasset es euch nit an¬ 
fechten, entschuldiget euch höflich auf mich, nachdem k. mt. 
bishere in den dapferen handlungen albegen durch mich mit 
euch gehandelt und aber jezund in ander gestalt, so wolt ir 
euer antwort durch mich oder euer potschaft k. mt. geben etc., 
wie ir bas ermessen mocht, dann ich zu schreiben waiss, dann 
sunst werdent ir nummer rue haben; teglich werden fund auf 
euch *) erdacht. 

item so hab ich auch mit beschwertem gemuet vernummen 
den angriff, so euer burger halber beschehen ist bei dem Juden- 


') Briefbiicher Nr. 61, fol. 143 a: Der Rat erteilt den Führern seines 
Kontingentes, dem Schultheissen Hanns von Obernitz und Jörg Füterer, 
den Befehl, falls eine Heimsendung nicht zu erreichen wäre, noch bis 
Sonnwend 1508 beim Heere zu bleiben, sidann aber die Knechte unter 
allen Umständen abzulohnen. Dat. donerstag nach misericordia domini 
(= 11. Mai) 1508. 

*) „euch“ im Text wiederholt. 


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Berichte Toppiers. 


149 


bach, 1 ) und furwar, wo ir euch nit in die Sachen schicken 
werdent und euch ein forcht machen, so wird es nummer gut 
tuen, nemt euch doch ein wenig ein herz! ich wils zu fug 
und zeit k. mt. entdecken, die doch von natur den heckenreuter 
feind ist. ich zeuhe auf erfordern k. mt. heut von hinnen gen 
Colen, daumb sie sein wird, die kaiserlichen rete haben die kur- 
fursten, fürsten und die potschaft anhaims zu ziehen erlaubt, doch 
also, das sie persönlich, auch der potschaft herren, auf einen 
gemainen reichstag, den ir k. mt. ausschreiben wird, auf das 
fuderlichst [kummen], doch ist der tag noch malstat nit benent. 
darauf so ziehen die k. rete auch heute gen Colen und zu k. 
mt. das hab ich euch in eile nit wollen verhalten, mich den¬ 
selben befehlende, geben zu Maincz am 24. tag may 1508. 

22 . 

An Anton Tetzel*). [Aus Mainz]. 1508, 24. Mai. 

Mein freuntlichen dienst, lieber herre Antoni! ich hab, euer 
schreiben bei Peter Leupolden, des dato stunde am 13. tag diss 
monats, am 16. tag des abents empfangen und des abts von 
St. Diligen halben mit dem Cardinal 3 ) gehandelt, den von Gurck 
zu hilf genummen, aber so eilents nicht bei im mögen erlangen; 
dieweil ir mir dann das ziel gesetzt habt auf den 20. tag, der 
hinfur ist, und er oder dieser ein merklich gelt haben wolten, 
hab ich gefurcht, es wurd ein vergebene arbet; und sunderlich 
auf mein schaffer 4 ) sezt man die commission, nit aber auf mich; 


') Judenbach, ein Flecken in Sachsen-Meiningen. 

*) Adresse: Meinem sunder liehen herren Antoni Telzeil, losung 
herren dess ratds czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Cantate 
(= 24. Mai; vgl. Brief 1, Anm. 3) 1508. Tetzel hatte dem Ratsbriefe vom 13. Mai 
1508 (vgl. Nr. 21) nooh eine besondere, das Aegidienkloster betreffende 
Mitteilung beigelegt, auf welche T. antwortet. 

*) Bernardino Carvajal, Kardinal von S. Croce, der vom Herbst 1507 
bis August 1508 in Deutschland weilte. 

4 ) Mit „Schaffer“ wurde bei den Nürnberger Hauptkirchen der älteste 
Diakon bezeichnet, welcher alle gottesdienstlichen Verrichtungen anzu- 
ordnen hatte. Schmeller-Frommann, Wörterbuch II, Spalte 380. Ausser¬ 
dem oblag ihm die ökonomische Verwaltung des grossen in den Pfarr- 
höfen von St. Sebald und St, Lorenz sich zusammendrängenden Haus¬ 
haltes. Denn dort wohnten nicht nur der Propst, sondern auoh seine 
Kapläne, der Kornschreiber, der Schulmeister mit seinen Ghorsohülern, 


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150 


A. Giimbel. 


wolt. ers wol tun; so kan ich nit daheimen sein, also das ich 
euch oder einen des rats zu mir neme desgleichen den brobst 
zu unser frauen. darum so hab ich in rat gefunden, das besser 
were, das die munchen und ir oder ir allein appelliert; woe die 
handlung nit nach euerm willen gehandelt ist, so brengt man 
liderlich ein Commission aus, die euch dannoch zu euer mainung 
dienet; der mögt ir darnach, ob es euch wolgefelt, nachkummen 
oder gar lassen fallen, und so es euch gefalt, von neu lassen 
visitiren; dann ob ir schon jezund ein commission nach allem 
euerm gefallen hette, so mocht dannoch der abt appelliren und 
erwuchs nür mue und arbet daraus; dardurch aber der abt die 
munch nit mittler zeit nit unkristlich hilt, so mocht man mit 
der täte widerstand tun. 

item des kaisers wesens halben steet es laider, das es besser 
sein mochte in der graveschaft Tirol, aber das land zu Gellern 
holfen wir kürzlich in unser hand zu breiigen. 

item es ist einer hie gewest gestern von dem kung von 
Franckreich, der hat brief gehabt an alle kurfursten, der 2 über¬ 
antwort dem von Maincz und Trier, 1 ) des inhalts in einer summa: 
er sei ein freund des ro. reichs und das aus alter verbuntnus, 
darum, wenn der ro. kung gen Rom um sein cronung bettet 
wollen ziehen, unbelezet sein und seiner mitverwonten, so hette er 
im wollen helfen, aber er were gezogen wider sein confederaten oder 
verwonten, in zu schaden; betten sie sichs solchs müssen aufhalten, 
dardurch er geursacht seinen confederaten zu helfen und hette in 
als ein herzogen von Ostereich zwirnt geslagen; nuen vernome 
er, das der ro. kung das reich und die fürsten gen Ulm wider 
sich zu samlen vermainet; nuen hette er bishere wider das reich 
nit wollen handeln; so dann etwas wider in beslossen solt wer¬ 
den, wurde er auch geursacht wider das reich zu handelen etc. 
solch brief sind dem kaiser zugeschickt und haben uns übel gemuet. 

welche alle hier gespeist wurden. (Mayer, Kirche des h. Sebald, S. 38 
und Hilpert, Kirche des h. Laurentius S. 46.) 

Die Vorgänge, um welcho es sich hier handelt, hängen wohl mit der 
von Würfel, Diptycha ecclesiae Egydianae, Nürnberg, 1737, S. 18, beim 
Abt Wolfgang Summer erwähnten Visitation dos Klosters durch den Abt 
von Münchaurach und die „üble Haushaltung der Achte“ zusammen, 
wegen welcher der Rat eine Rechnungsablage in Gegenwart seiner De¬ 
putierten verlangte. 

l ) Ueber diese Mainzer Episode hat Ulmann nichts. 


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Berichte Tupplers. 


151 


item der kamermeister solle doben bei euch ein rotmeister 
aufnemen und bei 1000 man mit ime gen Ostereich brengen; 
mocht eben alsbald nicht daraus werden; ich furcht, das [das] ei», 
praclika sei, das er vom hove geschoben werde, das hab ich 
euch ganz in guter mainung nit wollen verhalten und wünsch 
euch vil guter zeit, geben mit eilen am 24. maii 1508. 

item die weltlichen k. mt. rate haben an den bischoven von 
Maincz begert, den franzosen auf recht anzunemen bis auf weiter 
k. mt. beschaid, aber nicht erlangt, der französisch bot ist auf 
den Rein gesessein und zeucht zu dem bischove von Colen. ist 
zu gedenken, er were hinauf zu herzog Fridrich bei euch, und, 
so er alda gefunden, wurde desgleichen an euch begert werden j 1 ) 
was fügs und unfügs solchs euch, ob ir nit wilfurt oder wilfurt, 
brengen wurde, habt ir selbst zu ermessen, sunderlich gegen k. 
mt. oder der cron von Franckreich, nachdem ir vil kaufleut auf 
Franckreich habt. 


23. 

An Anton Tetzel.*) Aus Köln. 1508. 24. August. 

Mein ganz freuntlichen dienst znvoran, lieber herre Antoni! 
alsbald ich gen Maincz kummen bin, hab. ich gefunden, das 
margrave Casmirus bei dem herzogen von Wirtenberg gewest 
und den tag, als ich zu Maincz in das schiff gen Collen ge¬ 
treten, das er und pfalzgrave Fridrich auch ins schiff zu Vppen- 
heiin gesessen sind und faren zu dem kaiser; herzog Fridrich 
hat bei 30 geruste pferd, margrave Casmirus bei 14 ungeruste; 
dabei mögt ir merken, das alle euer kuntschaft fei sind, das 


‘) Ein solcher Verhaftungsbefehl wäre nicht ohne Vorgang gewesen, 
denn schon einmal, im Jahre 1506, hatte Maximilian während des unga¬ 
rischen Feldzugs von Eisenstadt aus am 15. Juni dem Rat befohlen, 
einen zur Aufwiegelung Ungarns bestimmten Sendling König Ludwigs 
von Frankreich in seinem Gebiet anzuhalten und vor die Wahl zu stellen, 
entweder zuvor an den königlichen Hof zu ziehen oder an dem Orte der 
Sistierung zu bleiben (Mandat im Kreisarchiv, Saal I, L. 77, Nr. 20). 

*) Adresse: Meinem sunder lieben herren Antoni teczel, losungherren 
dess radts zu nurenberg. Darunter: Fferia] 4 a post Assumpt. Marie 
(= 23. August; vgl. Brief 1, Anm. 3) 1508. Präsentierungsvermerk: per 
Leupolt 4 a poRt Augustini, 29. Augusti. (Dies stimmt nicht, denn für 
1508 fällt der Mittwoch nach Augustin auf den 30. August.) 


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152 


A. Gümbel. 


margrave Casmirus schon zum kaiser sei; 1 ) man macht euch 
nür augenschein, das man euch um gelt brenge. zu Maincz 
hat mich ein nomhafter grave gebeten, auf sein anzaigen k. mt. 
zu entdecken, das der herzog zu Mechelberg, langrave von 
Hessen, herzog Jorg von Saxen mit einem bund umgeen, darein 
solle margrave auch gezogen werden, dergestalt, ob halt der 
kaiser etwas mit in schaffen wolt, das in nit gefiel, das sie nicht 
darum geben wolten, auch ein verstentnus mit dem kung von 
Franck[reich] in demselben fal zu haben; und ob der kung 
von Franckreich ein vertrag mit k. mt. machen wurde, so 
wurde er doch sein anhenger aus wollen nemen; unter dem 
solten dieselben verstanden werden; das sei demselben ent¬ 
deckt worden; ich darf den graven in dem schreiben nit 
nennen, das im nit unrat daraus entstee. zu Maincz sind 
versamblt die reingraven schier alle, die von Nassaw, Honaw, 
Kungstein, Eisenburg und vil ander mere bei dreizehen, auch 
Sulms, in mainung, ein Ordnung furzunemen der fürsten gewalt 
widerstant zu tun, auch zu besehen, nachdem der bischove von 
Maincz*) ser schwach sei, das er ein graven aufneme, dann ge- 
arbet wurd [für] ein herzogen von Saxen, der teuczschen herren 
hohmeister, 3 ) der in 8 tagen noch mit herzog Jorgen von Saxen 
im wilpad zu Ems sein wurd. und ist herr Cesar Pflug izund 
zu Maincz, als geacht wurd, zu arbeten in bischove zu machen, 
mere so ist auch gearbet für herzog Albrecht von München sun, 
herzog Ludwig; mere so wurd gearbet für ein jungen pfalz- 
graven, 4 ) den tumbrobst des stifts zu Maincz, und in der höch¬ 
sten gehaim für ein jungen margraven; mainen etlich graven, 
es sei auch ein ursach, das margrave Casmirus zu dem kaiser 
eil. der kaiser wurd in der handlung hoch angesehen werden, 
aber ich halt, das es ein junger grave von Sulms 5 ), der ser ge- 

') Dem Rate war damals durch ein „trefflich person“ die Nachricht 
zugegangen, Markgraf Friedrich von Brandenburg plane vor seinem Ende 
noch einen Hauptschlag gegen Nürnberg. Sein Sohn Casimir sei an den 
Hof geritten, um den Kaiser für diesen Plan zu gewinnen. (Briefbücher, 
Nr. 62, fol. 49 a.) 

*) Jacob von Liebenstein, gest. 15. September 150S. Sein Nachfolger 
wurde Uriel von Gemmingen. 

’) Herzog Friedrich von Sachsen. 

4 ) Philipp, Bischof von Freising, seit 1491 Dompropst zu Mainz. 

s ) Wohl Markgraf Johann von Brandenburg. 


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Beriohte Toppiers. 


153 


schickt ist und grave Adolfen von Nassau Schwester sun, 1 ) auch 
zu Maincz tumherre, werden sol. margrave Casmirus und phalz- 
grave Pridrich sind hie bis in den 4. tag und weren geren weg 
gewest, aber sie haben geferlikeit halben des wegs hie ver¬ 
zogen und werden morgen von hinnen schaiden, der Nicklas 
Ziegler und ich auch mit, und wurd der herzog von Gülch *) auch 
mit uns mit 150 geruster pferden. got geb uns gluck I 

item ich hab Peter Leopolden, euern boten, hie gefunden 
und etlich tag aufgehalten auch gesehen herren Hansen Ren¬ 
ners s ) schreiben an euern brobst zu sant Sebolt und ein schreiben 
von k. mt. an euch, daraus ir vernemen werdent, das k. mt. 
nicht wider euch unverhort ausgeen wurd lassen, darum ir euch 
auch in die leuft ein wenig geherzter schicken mocht. und ich 
hab mich auf das fleisigst erkundigt und funde, das margrave 
Casmirus aus aigner hoffart, was er gehandelt hat, geton, auch 
kein heimlich verhenknus weder er weder der pfalzgrave haben 
von k. mt., dann margrave Casmirus wurd dannoch auch nit 
aller handlung, bei den Venedigern ergangen, 4 ) gelobt. 

item euer bot ist unterwegen beraubt worden; hat im herr 
Johann Renner 3 fl. gelihen; wil ich ime mit zimlicher dank- 
sagung widergeben. 

item gestern hab ich ein Schrift von k. mt. an Ziegler ge¬ 
sehen, darin geschrieben wurd, das sich k. mt. nit versieht, das 
die franzosen mere kumen, 5 ) wiewol der bischove Collen, Trier, 
Munster, Gulch k. mt. zugesagt haben, woe die franzosen komen, 
so wölten sie mit ganzer macht aufsein wider sie, item das ir 
mt. zu Amsterdam am suntag gewest ist und das drit bloekhaus 
hat lassen aufrichten, dadurch Wesck in Holland, 8 ) darin die 
besten leut des herzog von Gelhren sind, auf das hertest be- 
legert wurdt, das man sich nit versieht, das si 4 tag provand 

') Adolfs Schwester Anna war mit Otto, Grafen von Solms-Braunfels, 
vermählt. 

Wilhelm von Jülich. 

*) Kaiserlicher Sekretär, vgl. Ulmann I, S. 817. 

*) Er war neben Erich von Braunschweig kaiserlicher Feldhaupt¬ 
mann im venetianisohen Kriege. 

5 ) Zur Unterstützung Karls von Geldern, gegen welchen damals 
Maximilian mit geringem Erfolg kämpfte. Auf diesen Feldzug beziehen 
sich auch die folgenden Mitteilungen. 

6 ) heute Weesp. 


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154 


A. Gtiinbel. 


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dainnen haben mögen, auch niemant aus- oder einkunnnen 
mag. und nachdem der herzog von Uelhren die zu retten ver- 
maint und den graven von Anhalt abzutreiben, so wil im k. mt 
selbst helfen, und haben die Hollender zugesagt, k. mt. zu dem 
krieg 40000 fl. zu geben, desgleichen Seelant und Bravant, also 
das uns gelt wurd. 

item am samstag nechst vergangen hat der herzog von 
Klefe 40 pferd guter leut verloren, sind durch den bastard von 
Gelherrn gefangen worden; ist ein edelman unter dem helmlin 
durch das haubt zu tod gereut; aber der bastart ist ser wund, 
also das die leuft geschwind genueg sind. 

ich versihe mich, der herzog von Gulch werde ein taidings- 
man werden und wurd gen Franckreich geschickt, aber es ist 
ser gehaim; wir werden auch handeln mit dem bischove 1 ) von 
Lüttich; das dient alles auf ein vertrag bei dem franzosen. 

item, lieber herre Antoni, mich hat Wolf Haller 8 ) gebeten, 
euch zu bitten, bei den eitern anzubrengen: nachdem er nie 
kein burgerecht geton hab und albeg in k. mt. dienst gewesen, 
euch auch kein losung und Steuer nie gezalt, so wolt er geren 
sein sach anrichten, das er nuen hinfure anheimsblibe, das ir 
in mit euch gütlich um verfallen losung und Steuer lisset ab- 
kummen und durch das boglein mit im furet, 3 ) nachdem er nit 
vil gehalt hat; das wolt er verdienen, mocht es auch wol ver¬ 
dienen, und das es nit nach der hert mit im ausgericht wurd; 
darum bit ich euch, wollet mir ein antwort darauf schreiben, 
im wissen ein antwort darauf zu geben. 

item mere, lieber herre Antoni, als ich von Nurenberg ge¬ 
zogen bin, hab ich mich mit keinem gelt versehen aus Ursachen, 
das ir mit samt den eitern mir vormals geschriben habt in einem 
brief, des dato ist gewest am montag nach Johannis baptiste, 4 ) 
das ir Jacoben Welser 200 fl., so ich von seinem factor Endressen 
im Hoff entnommen hab, zu Collen habet entrichten lassen und 
darzu noch 200 fl. eingeslagen, die solle ich bei demselben 


*) Erard. 

*) Kaiserlicher Küchenmeister. 

*) Wohl sprichwörtlich mit der Bedeutung glimpflich davonkommen 
lassen. Ob zu „bogelin“ = Schlinge (Lexer, Wörterbuch I, Sp. 322 aus 
den Nürnberger Polizeiordnungen) gehörig? 

*) Nürnberger Briefbüoher, Nr. 61, fol. 216 b. 


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156 


A. GUmbel. 


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in dreien tagen abzufertigen mit notturftigen mandaten; und ist 
mir ser sauer worden von unsers umsehwaifendens wesens wegen, 
so der kaiser tuet, ich hab nach notturft mit dem kaiser ganz 
allein geredt, hat mir verzaichend gehabt drei mandat, eins an 
den abt und convent zu Weissennaw, das ander an den bischove 
und tumbrobst zu Wurczburg, das dritt an euch selbst, euch zu 
einer entschuldigung und einem behelf, sind alle nach notturft 
begriffen; ist die maist arbet ubef mich gangen, dann unser 
canzlei ganz wegig 1 ) und nit fleissig ist. hette wol mögen leiden, 
das ir den bossen bei euch hettet begreifen lassen und hinfure, 
so ir etwas haben wolt, so last den bossen bei euch begreifen 
und schickt mir in zu. aber ich waiss nit, was glucks ich hab; 
die mandat, also gezaichent, sind bede in der canzlei in einer 
eil verzückt 2 ) und verloren worden, also das kein copi darvon 
hat gefunden mögen werden, darum haben ich und Ziegler 
widerum ein ander copi begriffen und ander mandat lassen 
schreiben, die, hoff ich, heint lassen ünterzaiehen mit k. mt. 
hantzaichen und wils euch bei euerem boten fuderlich zu¬ 
schicken. 3 ) 

‘) Wohl zu wegen, bewegen, movere (Schmeller - Fromann II, 
Spalte 873) gehörig, also „beweglich* 1 , nicht an einem Orte verweilend. 
Dies würde zu dem oben beklagten „umschweifenden Wesen“ des Kaisers 
passen. Das gleich folgende „bossen“ ist zu ,,possein“ = kleine Arbeit 
machen, also bossen = kleine Arbeit, zu ziehen. Vgl. Schmeller l, 
Spalte 410. Der Ausdruck wird Nürnbergerisch auf für kleine plastische 
Arbeit gebraucht; so werden z. B. die kleinen Relieffiguren auf dem be¬ 
kannten Schieyerschen Grabmal von St. Sebald von Schreyer selbst mit 
„possen“ bezeichnet (vgl. GUmbel, Einige neue Notizen über das Adam 
Kraftsche Schreyergrab, Rep. für Kunstwissenschaft, Bd. XXV). 

’) Zu „zucken“ — wegreissen, rapere (vgl. Schmeller. a. a. O. II, 
1083) gehörig. Hier wohl nur „in der Eile verräumt“. 

*) Die drei Mandate, datiert aus Mecheln in Brabant, den 5. November 
1508, sind in dem obenerwähnten D: Act des Kreisarchivs Nr. 1787 im 
Original erhalten. Der Kaiser befiehlt unter der Motivierung, dass die 
Streitfrage des Reichs Regale antroffe und vor kein geistliches Gericht 
gehöre, dem Kloster, von weiteren Schritten beim päpstlichen Hofe zur 
Ausbringung eines Kommissoriums auf den Bischof zu Würzburg und den 
Dornpropst daselbst abzustehon, dem Bischöfe und Dompropst ein solches 
Kommissorium nicht zu übernehmen, endlich der Stadt sich auf keine 
andere Rechtfertigung als vor dom Hofgeiicht einzulassen. 

Auch die hior erwähnten zweiten Entwürfe Toppiers mit Dr. Zieglers 
Verbesserungen befinden sich beim Akte. Dass auch die Mandate an 


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Berichte Toppiers. 


157 


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item der krieg in Gellern geet widerum an. der herzog hat 
den anstand aufgeschriben aus ursach, das man im nit profaud 
zugeen hat wollen lassen; es ist allein um den armen kaufman 
zu tun; ich kan euch der bösen handlung, die ich sihe, nit alle 
schreiben. 

item herre Sigmund Pflug mit herre Johann vom Berg sind 
ser costlich in Engellant und auf heut zu Callis. 

item fraue Margarita und der von Gurck sind auf Camerach 
auch ser costlich mit etlichen herren. den frid mit dem kung 
von Franckreich zu beslissen 1 ) und ich halt, der frid werde ein 
furgang gewinnen, dann die land wollen frid haben und Franck¬ 
reich wurd ein*) krieg mit den Venedigern anfahen. 

item der jung margrave Cas[mirus] ist ser hizig hie gewest; 
kan noch nit aigentlich erfaren, ob solchs wider den von Bam¬ 
berg gewest sei. 

Item der bischove von Maincz ist einer von Gemmingen 
und gut pfälzisch; hat sich auf das höchst gegen k. mt. ver¬ 
pflicht durch sein botschaft, also das k. mt. sein ganz mechtig 
ist, desgleichen hat er den pfalzgraven auch in seinen handen. 

item k. mt. hette geren den bischove von Munster bischove 
zu Collen gemacht, dafür an das capitel geschriben und, dadurch 
der techant daselbent nit bischove wurde, ine hoch vor dem 
capitel beschuldigt, aber so k. mt. so hoch von des techants 
wegen ersuecht ist worden, hat sich k. mt. gleich lassen auf sein 
seiten bewegen und die wale wurd auf inontag [?[*) geschehen 
und er wurd gewelt. und derselb techant hat sich mit seiner 
aigener haut gegen k. mt., wider sie zu ewigen Zeiten nit zu 
tun, verschriben, auch alles, das k. mt. begeren wurd, zu for¬ 
dern und leib und gut zu ir zu setzen; damit ein gnedigen kaiser 
bekummen. also hat der kaiser zu allen seinem gefallen Trier, 
die Pfalz, Maincz und Collen (was das nach im ziehen wurd, 
mögt ir selbst bedenken), ich gedenk euern Sachen nach, das 
ir iergenz ein andern wege, dann ir bishere gewandert habt, 
furnemen muest, sollen anderst euer sach gut werden; ich wolt 

Würzburg und Weissenohe dort noch liegen, beweist, dass die Stadt 
keinen Gebrauch von diesen machte (vgl. Brief 27). 

') Ueber die Liga von Cambray vgl. Ulmann, Band II, Kapitel VII. 
’) Geschrieben ist: in. 

*) Loch im Papier. 


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158 


A. Gümbel. 


etwas gros darum geben, das ich nur ein stund bei euch 
mocht sein. 

der kaiser wurd ein neuen hilf gewislich wider die Venediger 
erlangen, so er auf den reichstag kumt, aber er wurd vor der 
ausgeschickten botschaft ausrichtung erwarten, euer brobst 1 ) 
bleibt noch bei k. mt. auf euern bevelhe, kumt auch nit weit 
vom ime. damit wil ich mich euch befolhen haben, geben mit 
eilen 10. tag novembrfis] 1508. 

lieber herre Antoni! die cost ist furware hie ser schwere 
und teuer und geet fil auf mich und kleckt kein gelt; der wein 
gibt gros schmiczen. 2 ) 

[Eingelegter Zettel] 

Item mit der handlung, den Reickarter 3 ) betreffend, were 
mein rat, das ir ernstlich herren Hansen vom Wolfstein schribt, 
desgleichen dem Reickarter und sie ermonet ires zusagens, dann 
ir ietlicher ist herren Wilhelms wol mechtig. herre Wilhelm ist 
ser rauhe und verhoft vileicht gelt aus den Sachen zu brengen; 
der kaiser gilt im nit vil, so wolt, er leclit gern gelt von euch 
schätzen, wie er dem bischove von Aistedt geton bat; er wil 
gar nit um mein reden geben; er hat ein grossen anhang; so 
seit ir sonst von jederman gefeint, last mich antwort wissen, 

item der kaiser hat kein brief für die ritterschaft zu Francken 
ausgeen lassen auf offnung zu Winsheim, Rottenburg oder 
Schweinfurt. 4 ) das weiss ich aigentlich, dann ich michs in allen 
eanzleien erkundigt hab. 

l ) Toppier meint sich seihst. Dor Rat hatte ihn wiodorholt geboten, 
sich nicht vom Hofe zu entfernen. 

! ) Wohl zu clor oder die Schmitzen (von schmeissen) — Hieb. Streich, 
Sehmeller ..Frommann, Wörtorbuch II, Sp. 561. Der Sinn ist also vielleicht: 
die Ausgaben für den Wein versetzen dem Geldbeutel hüso Stösso. 

*) Der Rat batte den Wolfstoinschen Flieger zu Sulzbiirg, Christoph 
Roikarter, in Pyrbnum gefangen nehmen lassen, weil er einigen Feinden 
dor Stadt Untorschlupf und Gelegenheit zur Schatzung nürnbergischor 
Untertanen gegeben hatte. Im Gefängnis war er der Folter unterworfen, 
dann aber auf Verwendung Toppiers und der Wolfsteiner, insbesondere 
des eichstättischen Dompropsts Johann von Wolfstein, der sich für ihn 
verbürgte, ohne Entgelt und auf schlichte Urfehde entlassen worden. 
Trotz seines Versprechens, gegen die Stadt nichts im Unguten vorzu- 
nehmen, boklagte sich Wilhelm von Wolfstein bitter bei Maximilian über 
die Nürnberger. (Nach den Nürnberger Briefbüchern. Vgl. auch Brief 27.) 

4 ) In Nürnberg war die Nachricht verbreitet, dass die fränkische 
Ritterschaft beim Kaiser dahin arbeite, es möchten ihr für ihre Verhand- 


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Berichte Toppiers. 


159 


25. 

Au die AeltercMi Herren. 1 ) Aus Antwerpen. 

1508. 16. Dezember. 

Fursichtigen und günstigen lieben herrenl mein ganz ge¬ 
wissen dienst sind e. f. bevoran berait. günstigen lieben herren! 
ich hab euch in kurz verschinnen tagen bei Ratteler, euerm 
boten, geschriben und euch et lieh mandat, den abt von Weissen- 
naw betreffend, zugeschickt; hoff ich, sind euch numals worden 
und ir werdent gefallens daran haben, dann ich sie euch in an¬ 
dern euern Sachen furderlich acht; sie sind je swerlich von 
statten gangen; ich waiss nit wol, wem ich die schuld geben 
sol. so hab ich auch ein schreiben *) von euch bei Petern Leu- 
polden am 13. tag decembris zu Pergen empfangen mit samt 
etlichen eingeleibten copien, euer kaufleut und inwoner betref¬ 
fend; dem wil ich also nachkummen, inhalt derselben, und kein 
fleis sparen und alle mainung widerum bei demselben euern 
boten zuschreiben, den ich also zu verharren verschaff hab aus 
Ursachen, das der kaiser ein ausschreiben eines erstrecken des 
reichstags zu Wurmbs von new bis auf 14 tag nach ostern hat 

lungen und Tage die Städte Dinkelsbühl, Rothenburg und Windsheini 
(später wurde auch noch Schweinfurt genannt) frei geöffnet werden, 
damit sie nicht genötigt sei, in fürstlichen Städten zusammonzukommen. 
(Briefbücher Nr. 62, fol. 48 a und 101a.) Ueber die damalige Bewegung 
innerhalb der fränkischen Ritterschaft zum Zusammenschluss gegon die 
Fürstenmacht vgl. Ulmann, a. a. O. II, S. 501 und Looshorn, a. a. 0. IV 
S. 456. 

') Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den elteron dess 
radts czu nurenherg. Darunter: Fferia] 4a post circumcisionis domin, 
(=3- Januar; vgl. Brief 1 Anm. 3) 1509. 

*) Briefbücher Nr, 62, fol. 212a. Inhalt: Bezüglich der kaiserlichen 
An leben von Nürnberger Bürgern und Innwohnern solle der Propst 
zum mindesten die Froiheit der Augsburger erlangen [Nürnberg suchte 
nämlich damals heim Kaiser oine Generalversicherung für sich und 
alle künftigen Kaiser zu erhalten, dass sie keine Anleihen bei Nürnberger 
Kaufleuton aufnehmen wollten. Vgl. unten Brief 26]. Wegen Kloster 
Weissenohe seien auf einem Tage zu Hassfurt Würzburg und Sachsen zu 
Schiedsrichtern zwischen dor Stadt und Bamberg bestimmt worden. (Es 
folgt ein Bericht über einen freundschaftlichen Besuch Markgraf 
Friedrichs in Nürnberg.) Wegen ihrer gefangenen Bürger habe 
die Stadt die Hilfe des schwäbischen Bundes und Herzog Wilhelms von 
Bayern erlangt. Datum montag nach Katherine (= 27. November) 1508. 


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160 


A. Giimbel. 


begreifen lassen; ist aber noch nit ausgangen aus Ursachen, das 
dem kaiser an demselben 13. tag decembris von seiner tochter, 
frauen Margarita, von Camerach ist zukummen, das ein frid 
zwischen unser und dem kung von Franckreich beslossen und 
am suntag davor, das ist am 10. tag decembr[is], zu Camerach aus- 
gerueft, ist, ganz nach willen k. mt. und, das sie ir mt. besser 
maere persönlich breiigen woeile, dann sie je geton hab und das 
sie iren abscheid von Camerach nerne am eretag, das ist der 
12. tag diss monats, und werde auf Brussel iren weg neinen. 
da, halt ich, werde der kaiser und wir die heiligen zeit sein 
und ich glaub, woe dieselben maere so ganz guei sein werden, 
so wurdet der reichstag eer furgenummen, das ich euch alsdann 
auch zu wissen tun wil, dann k. mt. daselbst alle ding mit 
seiner tochter beslissen wurd. die capitel waiss der kaiser aigent- 
lich noch nit, aber also vil verniem ich, das dem kaiser von 
Franckreich auch Engelland ein grosse summa gelts wurdet, das 
hab ich euch in eil nit wollen verhalten, mich denselben e. f. 
befehlende, geben zu AntorfF am 16. tag decembr[is] 1508. 

Fursichtigen und günstigen lieben herrenl mir hat Jacob 
Baners diener zu Bergen überantwort fünfhundert gülden, die 
seinem herren Jacoben Bauer zu Nurenberg [zu] überantworten, 
die hab ich also von ime zu meiner zerung und notturft, nach¬ 
dem wir oft an selzamen orten sein muessen, da an gelt mangel 
ist, angenummen; die wissen ime e. f. widerum zu entrichten, 
dann ich mich versihe, dass ime sein kneclit solchs auch zuge- 
schriben hab. damit wil ich mich euch befolhen haben, datum 
zu Antorff ut s[upra]. 


26. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Mecheln. 1508. 

27. Dezember. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz ge- 
flissen dienst sind e. f. zuvoran berait. günstigen lieben herren! 
ich [hab] e. f. in kurzverschinen tagen bei Casparen, der kauf- 


') Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eiteren, 
des radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Circumcisionis doinini 
(= 3. Januar; vgl. Brief 1, Anrn. 3) 1609. Präsontierungsvermerk: per 
peter leupolt dominica post epipbanie (— 7. Januur). 


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Berichte Toppiers. 


161 


leut von Antorf boten, geschriben, wie Petter Leupold, euer bot, 
mit eueren brifen zu Bergen, da auch k. mt. was, zu mir kummen 
sei; zweifelt mir nit, ir habet solch mein schreiben vernummen 
und, nachdem euer begeren gewest ist, bei kaiserlicher mt. zu 
erlangen ein freihait, euer kaufleut 1 ) und inwoner betreffend, 
contractsweis oder freihaitweis, so hab ich solchs auf das fleisigst 
und mit fueg allein in gegenwertikeit Nicklas Zieglers angebracht, 
dann ich ganz verdienstlich angesehen hab oder maister Johann 
Renner oder den canzler darum lassen zu wissen, dann es dem 
einen ganz widergewest, dem anderen voran durch k. mt. ab- 
geslagen was. also hat mir k. mt. geantwort, ir mt. hab mir 
vormals gesagt, wie sie die von Auspurg gefreit hab, dergleichen 
wolle sie euch auch freihait geben etc. darauf ich auf das unter- 
tenigst ir mt. euer dienste vor andern stetten und stenden ge¬ 
west sein mit gross gier auch anders gestalt sein mit euch dann 
mit den von Augspurg etc. mit vil Worten, die an not sind zu 
repliciren, 2 ) darauf mir k. mt. antwort, ir mt. were euch albeg 
gnedig gewest und noch, aber ich zohe ir mt. mit einer zu vil 
hohen freihait an und gieng also von mir. ich volgt ir mt. 
nichtdesterminder in der kamer nach und wolt ir mt. noch 
hoher angezogen haben, da winket mir der Ziegler, ich solt 
schweigen; ich waiss noch nit, ob k. mt. vileicht ein verdriess 
meines horten anhaltens hette, aber ich enthielte mich also und 
redete nit mere. nachmals hete ich rate mit dem Ziegler, der 
saget mir, ich solte solche sach die kemerling und ine nochein- 
mal in meiner gegen Wertigkeit zu fuglicher zeit und sunderlich 
iergenz in einem aufbruch, dann albeg um dieselben zeit geltsmangel 
erschin, anbringen (1) und [wenn] ir dann etwas darlihet und ich 
mit gelt gefast were, hoft er die sach zu erlangen, also hab 
ich die sach lassen ruen und verhoff die freihait contractsweis 
zu erlangen ; allein hab ich die narracion ein wenig verendert, 
wie ir in dieser copien vernemen werdent. und wiewol diese 
copi nit contractsweis laut, so ist doch der haubtbrief ganz nach 
euer copi, mir zugeschickt, begriffen, allein das verendert, so 
hierinnen ausgestrichen ist, das mere der handlung gemess und 
dem contract dienstlich ist, dann i r das gelt und nit euer kauf- 

') Vgl. den nächsten Brief, worin T. die Erlangung des Privilegs mitteilt. 

’) Die Konstruktion ist nicht ganz klar; es fehlt nach repliciren noch 
ein Begriff wie erinnert oder dgl. 

Arohivaliaohe Zeitschrift, Neue Folge. XV1L 11 


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162 


A. Gümbel. 


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leut ausgeben habt, ich bin in guter Hoffnung, die freihait zu 
erlangen; ich hab der von Auspurg freihait nit wollen nemen 
aus Ursachen, das ich die ander darnach nit hette sollicitiren 
dürfen, auch das vorhin alle reichstette darin begriffen sind, 
auch das ich sie nit für furtreglich ansihe und sunderlich, das 
mich gedeuch[t] und hab sein rede gehört, man gee widerum 
mit den alten griffen um und wolle nit allein an den kaufleuten 
sunder auch an den gesessen mannen, die narung haben gelt zu 
leihen, auf ein neuen romzueg zu entlehen und die auf dem 
reich zu versichern, wenn wir die freihait, wie ir begert habt, 
contractsweis betten, hoffet ich, solte euer kindskinder furtragen 
und helfen, das hab ich euch in eil nit wollen verhalten, geben 
an dem dritten cristag [= 27. Dezember] [zu] *) Mechellen 1509. 2 ) 

[Erste Anlage.] 

item günstigen, lieben Herren, kaiserlich mt. hat ein frid 
und ewige verpuntnus gemacht mit dem babst, kung von Franck¬ 
reich, Engellant, Arragona und Navarra, solchen frid hat k. mt. 
hie zu Meehei in der grossen kirchen auf das heilig creuz in 
gegenwertikeit des sacraments geschworen stette zu halten in 
allen sein puncten, wie er zu Camerach beslossen ist, 3 ) des¬ 
gleichen des kung von Franckreichs botschaft, sind gewest der 
bischove von Paris und ein grave von Carpen, in gegenwerti¬ 
keit des kungs von Engellandt trefflich botschaft, auch dess 
von Aragona und Novarra auch unsers princeps Herzog Karls 1 ) 
und frauen Margretten, pfalzgraf Fridriehen, des fürsten von 
Anhalt, am andern cristag; und wurd kürzlich von hinnen ein 
anderen botschaft gen Franckreich ausziehen, auch ein solchen 
aid von dem kung daselbst persönlich zu empfahen. 5 ) die ar- 
tikel des frids hab ich noch nit mögen haben, wiewol mir (!) etlich 
entworfen, sind etlich die werden nit geoffendt, sind auch menig- 
lich verborgen, dann allein, das Mailand der kaiser dem kung 
von Franckreich leihen soll, für in, sein tochter, iren man und 
ires leibs menlich erben, dargegen sollen sie dem reich wie 

‘) Loch im Papier. 

*) = 1503 unserer Rechnung. Die Nürnberger begannon ihr neues 
Jahr mit dem 25. Dezember. 

s ) von wie — beslossen ist am Rande. 

*) Der Enkel Maximilians war damals nahezu 9 Jahre alt. 

6 ) von am andern cristag — empfahen am Rande. 


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Berichte Topplers. 


163 


ander fürsten des reiclis dienen; mit Gellern sollen alle gefangen 
ledig gezelt werden auf beden tailen und frid sein und die Sachen 
rechtlich steen auf dem babst, kung von Franckreich, Engelland 
und Aragona, die sollen in einem jar sprechen und, woe der 
herzog von Gelleren solchen frid nit anniemt und welcher den 
frid nit heit, solle[n] die andern wider denselben sein und der 
von Gelleren solle alles, was er gewunnen hat, widergeben. 

item mit Flandern, ob es dem pariament zu Paris gehorsam 
sein, sollen die Sachen in rue steen, bis herzog Karel zu seinen 
tagen kuramen wurdet, alsdann solle auch gütlich mit in ge¬ 
handelt werden, ander artikel sind mere; sobald sie mir werden, 
wil ich sie euch zuschicken und etlich gar in grosser gehaim, 
die werden nicht geoffendt bis zu der täte. 

item k. mt. lest den reichstag ausschreiben gen Wurmbs 
auf katedra Petri und wurd gewislich doben seifn] und 8 tag 
nach puriticacionis wurd ir mt. zu Collen sein; dahin hat sie 
etlich fürsten beschriben, die werden alsdann mit ir furter hin¬ 
auf ziehen. 

item so ist am cristag zu abent herr Andre von Liechten¬ 
stein zum kaiser hie in sein kamer kummen; hat im der von 
Serntein sein wort geton; hat im der kaiser die hant geboten 
und lassen sagen, er wolle fürsten und graven und andern sein 
reten befelhen, das sie sein verantworiung 1 ) hören, ist hie eine 
grosse rede davon; aber herre Paulus von Liechtenstein und der 
canzler vermögen grossers. das hab ich euch auch in eil nit 
wollen verhalten. 

[Zweite Anlage] 

Günstigen, lieben herren, ich hab euch nechst geschriben, 
das mir Jacob Boners diener zu Bergen auf dem 13. tag diss 
monats 500 fl., von euch widerum zu Nurenberg zu empfahen, 
mir zu zerung und ander meiner notdurft gelihen hat. bin ich 
guter Zuversicht, ee dieser brief euch überantwort werde, ir 
habette demselben Jacob Boner solch 500 fl. entricht ; woe aber 
solchs nit geschehen were, ist mein fleisig bitte, wollet noch¬ 
mals solch 500 fl. an Verzug entrichten, dann ich auf diesem 
ertrich nichz dann den glauben hab. 


*) Wegen der Uebergabe von Schloss Görz an die 
22. April 1608. [?] 


Venetiani-r 

11 * 


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164 


A. Gürabel. 


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item so hat k. mt. neulich befolhen ernstlich mandat wider 
alle, die ir mt. noch von dem colnischen anslag oder dem zu 
Costnicz etwas zu tuen [schuldig] sind; darunter ist euer auch 
gedacht worden, hab ich angezaigt, das ir mere costung geton 
habt, dann kein stadt im reich, darzu so sei man euch noch 
ein grosse anzal schuldig auf Engelhartsczell, und gebeten nicht 
wider euch also auf ein wan auslassen zu geen. ist mir zur 
antwort gefallen, die schuld zu Engelhartczell treffe nit dahere; 
sie halten wol, das dem anslag zu Costnicz genüg geschehen 
sei, aber dem ungerischen sei nit genüg geschehen, so zu 
Collen aufgelegt ist. und haben mir angezaigt euer zu¬ 
schreiben und zugeschickte rechnung, darinnen ir anzeigt ein 
rest schuldig bleiben, nemlich 175 fl. 49 dn., der ir euch er¬ 
bietend zu entrichten, darauf ich in geantwort und ist mir auch 
noch wol ingedecht gewesen, das ir mir lang darum auch geschriben 
habt und ich darauf auf ein k. gescheft herren Daniel Ruhe, 
dechant zu sant Andre zu Colen, 80 fl. gezalt hab, 1 ) also das 
pro resto noch allein bleiben steen 95 fl., die hab ich mich erboten 
zu entrichten, doch das ich ein ganze quitanz um den ganzen 
collnischen anslag habe, also hab ich das mandat verhindert 
und ruet die sach; also dann, wann mir ein völlige quitanz 
wurdet, so wurde ich in den resto auch zalen. das hab ich euch 
auch in eil nit wollen verhalten, mich euch befelhende. 

27. 

An die Aelteren Herren. 2 ) Aus Antwerpen. 

1509, 2. Januar. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren. mein ganz ge¬ 
wissen dienst sind e. f. bevoran beraitl günstigen, lieben herren 1 
euer schreiben, dess dato gewest ist am eretag nach concep- 
cionis, 3 ) hab ich mitsamt etlichen eingeslossen copien der missive, 

') Vgl. oben Brief 18 am Schluss. 

’) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben Herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Circumcisionis domini 
(= 3. Januar; vgl. Brief 1, Anm. 3) 1509. Präsentierungsvermerk: pntat. 
4 a Anthony (= 17. Januar) 1509. 

*) Briefbücher Nr. 63, fol. 6 b. Inhalt: Der Rat bestätigt den Empfang 
dreier königlicher Mandate wegen des Schutzes Uber Weissenohe, von 
welchen er aber einstweilen keinen Gebrauch maohen will. Uebersohickt 


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Berichte Toppiers. 


165 


von euch, herre Antoni Teczell, an herren Johansen vom Wolf¬ 
stein und von herren Johansen an euch, Teczell, ausgangen, 
durch euern boten, den Ratteler, am 29. tag des verschinnen 
monats hie empfangen und daraus vernummen, wie unpillich 
derselb herre Johans euch antwort. aber es ist gut zu merken 
und den man in einem solchen zu erkennen und hinfure kein 
vertrauen auf in zu sezen, dann mir ist ingedecht, dass er von 
sein selbst und auch beder seiner bruder wegen euch auf das 
höchst ersucht hat, den Reickarter gütlich von euch kummen 
zu lassen, ob er halt etwas mishandelt hette, so weren doch ir 
vorderen in solchem ansehen und diensten gewest, er auch mit¬ 
samt seinen solchs um euch zu verdienen geflissen sein wolten 
und, woe er so gut were, so wolt er mit leib und gut für sein 
bruder und auch den Reickarter versprechen. 1 ) darauf hab ich 
auch gebeten; 2 ) solch unser bitten und erbieten habt ir an- 
genummen und nit, als der Wolfstainer schreibt, nit ange- 
nummen, und uns, auch seinem brudern zu eren, auf ein siechte 
urfede ergeben, dess solte ir in also auf sein getone antwort 
ersuchen und erinneren und, woe das zu tagen kumt, so wil ich 
euch dess gestendig sein, ich waiss, das ich noch als vil glaubens 
hab, als herre Hanss vom Wolfstain; ich waiss aigentlich, dass 
er von sein und seiner bruder wegen gebeten hat und für sie 
versprochen, darum so ist er schuldig herren Wilhelm in rue 
zu stellen; ich hoff dannoch, herre Wilhelm solte sich zehenmal 
bedenken, wenn ir herren Hansen auf eine solche mainung er¬ 
sucht. aber wie dem allen, last sie sein, wie sie wollen, so habt 
ir der Sachen guten fueg gehabt, er maint, er hab den von 
Aistet mit dem kaiser gedrungen, er wolle euch auch also tun; 
aber ir dürft euch furwar nit vor im besorgen, dann ir seit im 
rechten ser wol gegrundt, so ist dem kaiser mere an euch dann 
an ime gelegen, darzu so hat er zu verlieren, das hab ich e. f. 
in eil nit wollen verhalten. 


eine Abschrift des Briefes Hanns von Wolfsteins in Sachen des Reick- 
harters. Dat. eritag nach concepoionis Marie (= 12. Dezember) 1508. 

*) Geschrieben ist versperchen. 

*) Toppier war neben dem genannten Johann von Wolfstein, Dom¬ 
propst von Eichstädt, vor dem Rate erschienen und hatte um Freigebung 
des Reickharters gebeten. Der Rat verfügte diese am 12. Februar 1508. 
(Ratsbuoh Nr. 8 fol. 422 a.) 


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166 


A. Gümbel. 


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item ich hab euch nechst in den vergangen feiertagen bei 
Petter Leupolden geschähen, das k. mt. auf 8 tag nach licht- 
mess zu Collen sein wird und nachmals auf katedra Petri zu 
Wurmbs; wurd k. mt. hilf begeren wider die türken, die haben 
die Wallachei innen und wollen den kung von Ungern uber¬ 
ziehen; der begert hilf; darauf ist der frid mit dem kung von 
Pranckreich gemacht, der wil halten 6000 schweizer und 400 lanzen, 
der kung von Arragon auch ein grosse anzal, desgleichen der 
babst und ander kung mere. In 14 tag wurdt alle landschaft her- 
niden zu Mechel zusamenkummen sich mit der hilf auch verainen. 

item so hab ich euch auch geschähen der frcihait halben, 
das anlehen euer burger und inwoner betreffend, wie schwerlich 
das zu erlangen ist und was mir deshalben begegent ist. nuen 
hat sich zugetragen, das ich gar durch ein selzamen wege solche 
Verschreibung contractsweis, wie ich euch vormals ein copi 
zugeschickt, hab erlangt, 1 ) aber es kost 50 fl. mere, dann ir mir 
befelhe geben habt, das ist 250 fl. und ich hab je von 50 fl. 
wegen nit wollen erligen aus vil Ursachen, die ir einsmals von 
mir selbst vernemen werdent, dann ich halt, wenn ich die stunde 
nit erhärt hette, sie solte in zehen jaren kaum widerkurnmen. 
ich bin der hoffnung, es solle nit ein jar ausgeen, ir solt nit 
tausent gülden dafür nemen. aber k. mt. hat mir befolhen, 
solche begnadung den andern stetten nit zu publiciren, sunder 
euch und den euern allein zu gut behalten, zu seinen Zeiten ge¬ 
brauchen; das hab ich ir mt. zugesagt. 

item so hab ich den rest des collnischen anslags, 95 fl., 
auch entricht und dargegen ein generalquitanz für den ganzen 
anslag in bergamen mit anhangendem sigel empfangen, also das 
solch mein ausgeben bei virthalbhundert gülden macht. 

*) Dus (jetzt im K. Kreisarchiv Nürnberg befindliche) Privileg Kaiser 
Maximilians ist ausgestellt zu „Pergen am Sannd, den 13. tag des monats 
Decembris etc. 1508.“ Darin verpflichtet sich der Kaiser vertrags- 
mässig (in der Urkunde „contractsweise“) dass, nachdem Bürgermeister 
und Rat von Nürnberg ihm von wegen der in ihrer Stadt gesessenen 
Kaufleute mit einer bestimmten Summe Geldes zu seinem und des Reiches 
Bedürfnis Willfahrung getan, weder sie noch ihre Bürger, Gesellschaften, 
Kaufleute, Innwohner oder Zugewandte schuldig sein sollen, ihm oder 
seinen Nachkommen am Reiche fürderhin wider ihren Willen ein Anlehen 
zu tun oder Käufe, Contracte oder andere Ansuchen oinzugehen. Or* 
Das Siegel hängt au schwarz-gelber Seidensohnur an. 


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Beriohte Toppiers. 


167 


darauf hab ich auf heut zu Wechsel aufbracht von den 
jungen Hansen im Hoff solch 350 fl., die sollendt ir zu dank 
dem alten Hanss im Hoff bei euch entrichten, darum ist mein 
bette, ir wollet in fuderlich beschicken und ime solch 350 fl. 
entrichten, dann er mir ganz zu rechtem statten hie kummen 
ist nnd, woe er nit gewest were, furcht ich, hette hinach nit 
kunnen ausrichten. damit wil ich mich euch befohlen haben, 
geben mit eilen am andern tag Januarii zu Antorff 1509.*) 

28. 

An die Aelteren Herren.*) Aus Bassano. 3 ) 

1509, 6. August. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz ge- 
flissen dienst sind e. f. bevoran berait! 

lieben herren 1 ich hab vier euer schreiben am vordem tag 

*) Es ist dieser Brief aus Antwerpen die letzte Nachricht, welche 
wir von T. aus den Niederlanden erhalten. Der nächste^Berieht gehört 
schon dem italienischen Feldzug au. 

In die Zwischenzeit fällt eine abermalige Anwesenheit Toppiers in 
Nürnberg vom Januar (?) bis April 1509. Am 23. April verliess er nach 
Ausweis seiner Rechnungsablage Nürnberg und begab sich auf den Reichs¬ 
tag nach Worms, wo am 21. der Kaiser eingetroffon war, um die Reichs¬ 
stände zu neuen Hilfeleistungen gegen Venedig zu bewegen, bekanntlich 
ohne Erfolg. Aus Worms besitzen wir keine Berichte. Am 13. Juui 
verliess er diese Stadt und zog Uber die Schweiz nach Italien, wo in¬ 
zwischen Maximilian seine Truppen gegen die Republik von St. Marco 
in Bewegung gosetzt hatte. Am 10. Juli ist T. in Mailand, am 28. in 
Bassano, wo ihn die Nürnberger Briefe seit dem Juni endlich erreichten; 
von dort (1509, 6. August) ist der nächste Bericht datiert. 

J ) Adresse: Meiuen sundergunstigen lieben herren des eitern dess 
radts czu nurenberg. Darunter F[eria] 4a post Jacobi (— 1. August: vgl. 
Brf. 1, Anm.3). Präsentierungsvermerk: per Ratlergeannt[wortet] 16. augusti. 

’) Am 23. April 1509 hatte T. Nürnberg wieder verlassen und sich 
zu den für Maximilian so ungünstig verlaufenden Verhandlungen des 
Reichstages nach Worms begeben, wo er bis zum 10. Mai verblieb. Dann 
hatte ihn ein Auftrag des Kaisers, den widerstrebenden Kurfürsten von 
Sachsen zum persönlichen Besuch des Reichstages und zur Uebernahme 
der ihm zugedachten Stellung eines obersten Feldhauptmanns oder ev. 
eines Statthalters des Reiches zu bewegen (vgl. Schönherr, Der Krieg 
Maximilians mit Venedig 1509, Ges. Werke II, S. 89) nach Eisenach ge¬ 
führt, von wo er nach Worms zurückkehrte. Am 13. Juni war er von 
dort nach Italien an das kaiserliche Feldlager aufgebrochen und Uber 


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168 


A. Gümbel. 


zu abents hie, als k. mt. herekuramen 1 ) ist, empfangen bei 
dreien eueren boten, dess ersten dato steet am donerstag nach 
Viti, 2 ) das ander am donerstag nach Vdalrici 3 ,) das dritt am 
mittichen nach Johannis Baptiste, 4 ) das virt und jungst am 
montag nach Marie Madalene, 5 ) alle mit eingeslossen zettelen, 


StraBsburg, Basel, den Bodensee und Comersee am 10. Juli nach Mailand 
gelangt. Nach einem kurzen Aufenthalt in Vicenza war er am 28. Juli 
in Bassano (BasBaun) eingetroffen. 

Ueber den italienischen Feldzug Maximilians gegen Venedig vgl. 
ausser Schönherr (a. o.) Ulmann S. 359 ff. und die dort angegebene 
Literatur. 

l ) Nach Schönherr (S. 129) langte Maximilian, welchem erst Herzog 
Erich von Braunschweig durch Eroberung von Belluno und Feltre den 
Weg hatte sichern müssen, vom Val Sugana vorbrechend, am 5. August 
in Bassano an. 

’) Briefbücher Nr. 64, fol. 67b. Inhalt: Mit dem Wormser Reiohs- 
tagsabschied sei der Rat nicht einverstanden. Falls dem Kaiser, wie zu 
vermuten, hinterbracht würde, dass die Nürnberger den abschlägigen Be¬ 
scheid verursacht hätten, solle T. diese Verdächtigungen mit dem Hin¬ 
weis auf die von der Stadt dem Kaiser stets über ihre Pflicht hinaus ge¬ 
leisteten Dienste entkräften. Bezüglich der im bayerischen Kriege er¬ 
oberten pfälzischen Flecken wäre die Stadt bereit, einen „zimlichen* 
Flecken käuflich zu erwerben, wenn die Pfalz auf alle anderen verziohte. 
Gegen Heinrich von Guttenstein und Adam von Freudenberg möge der 
Propst einen Acht brief ausbringen. Bitte um öftere Nachrichten, datum 
donerstag nach Viti [= 21. Juni] anno etc. nono. 

*) Ebenda, fol. 93b. Inhalt: T. möge beim Kaiser ein Mandat an 
den Schwäbischen Bund auswirken, die bewilligte Exekution gegen Hein¬ 
rich von Guttenstein schleunigst zu vollziehen, datum donerstag naoh 
Vdabrioi [= 5. Juli] 1509. 

*) Ebenda, fol. 78a. Der Rat übersendet Abschrift des Sohreibens 
von 21. Juni (s. o.) und bittet am Hofe zu bleiben, datum mitwoch nach 
Johannis Bab. [= 27. Juni] 1509. 

6 ) Ebenda, fol. 130b. Der Rat beriohtet, dass sieh die Exekutions¬ 
truppen des Schwäbischen Bundes gegen den Guttensteiner um Aegydien 
zu Regensburg sammeln werden. Falls der Kaiser wegen des Krieges 
gegen Venedig die auf ihn (als Mitglied des Bundes) treffende Anzahl 
nicht schicken könne, sei Nürnberg bereit, Knechte in seinem Namen zu 
bestellen und zu „verlegen“, datum am montag nach s. Marien-Magda- 
lenatag [— 23. Juli] 1509. 

Auf eingelegtem Zettel: Wolf Stromer habe sich bei seiner Haft¬ 
entlassung gegenüber dem Guttensteiner erboten, zugunsten des Heinz 
Baum beim Kaiser tätig zu sein. T. möge dem entgegenarbeiten und 
insbesondere eine etwaige Tagsatzung zu gütliohem Austrag verhindern. 


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Berichte TopplerB. 


169 


darauf ich jezund in eil e. f. schreib und, so ich mere zeit haben 
mag, auch auf die anderen, sovil es die notturft erhaist. und 
wil mich erstlich entschuldigen, das ich e. f. so lang nit ge- 
schriben hab; ist ursach, das ich unterwegen gewest und kein 
boten gehabt, dann aus Costnicz hab ich herren Antoni Teczellen, 
auch aus Mailant, da ich auf zehen tag 1 ) zu verharren ver- 
schaft bin durch k. mt., die franzosen in k. rat. hilf zu bewegen» 
geschriben; hoff ich, sind im worden, so ist der weg ser lang 
und auch ser hizig gewest, haben die geul auch der erbait teg- 
lich so eilants nit vermögt, ich hab auch allerlei anslege, so 
auf mich gemacht sind, müssen verkuramen, aus Ursachen, das 
Guttenstein und Baum ein anslag gehabt haben, durch mich 
bei k. mt. versonung zu erlangen und e. f. auch darzu zu bringen, 
got hab lob, ir anslag ist feil nachmals ist Padua umgeslagen*) 
und, wo die franzosen mit mir nit kummen weren den nechsten 
tag darnach, so were auch Beren und Vinczencz umgeslagen, 
deshalben sich k. mt. gen Ifon geton hette. hab ich zu Vinczencz 
und Bassaun bei 16 tagen müssen verziehen, dann der kaiser 
nit herein, ich auch nit zu ir, auch die boten nit haben klimmen 
kunnen, und doch mir k. mt. befolhen, hie ir zu warten, dann 
die Laiter 8 ) mit den Venedigeren belegt wäre und Feiters 
Civita, Sperual alles umgeslagen und venedigsch worden, also 
hat k. mt. am vordergesteren Felters lassen gewinnen und alles, 
was von mannen darinnen gewest ist, erwürgen und blundern; 
,ist erschrocklich genueg gewest, es sind auch auf dem Tobel 4 ) 
vil baueren erwürgt und die heuser ausgebrent, also das der 
weg wider offen ist; und ist der krieg mere mit den baueren, 


Wegen der Nachrede von einem Streite, ja sogar Schlägerei, zwischen 
Nutzet und dem Bürgermeister Arzt von Augsburg auf dem Wormser 
Reichstag solle er den Kaiser aufklären. Bitte um Nachrichten, da solche 
seit 4 Wochen fehlen. 

•) Vom 10.—20. Juli. 

’) Am 17. Juli nahmen die Venetianor Padua wieder ein. 

*) Italienisch La Soala,eine venetianische Festung an der Brentastrasse, 
welche den Weg ins Val Sugana deckte; vgl. Ulmann, Aus deutschen 
Feldlagern während der Liga von Cambray (Deutsche Zeitschr. f. Ge- 
schichtsw., Bd. I, S. 353). 

4 ) Gemeint ist vielleicht der für den Uebergang ins Val Sugana 
wichtige Covelopass (deutsch der Kofel), welchen die Bergfeste Covelo 
(bei Primolano), deutsch Kofel, deckte. 


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170 


A. üümbel. 


dann mit den rechten venedigeren 1 .) es haben auch die fran- 
zosen Asula und Castell Francko und der kungin von Cziperen 
tiergarten und Castel sant Petro, so alles umgeslagen wäre, 
wirderum mit den unsern zu gnaden eingenummen, aber bei 
tausent baueren erwürgt, die anderen verjagt, die sich zu were 
gestelt. und wurd k. mt. auf morgen in das höre ziehen, da 
mit ainigen und versuchen, Padua, Terviss und Maisters zu er¬ 
obern. die venediger sollen vil Volks in Padua haben; wir 
haben ein unmenslichen grossen zeug, über zehentausent zu 
ross, burgundi, franzosen, walhen und teuczschen, furwar wol 
gerust, und über 1600 zu fuess; und ist dannoch der herzog 
von Braunschwig noch nit bei uns und auch des babsts und 
des herzogen von Ferrers, des margraven von Mantua volk, 
das allein ein here machet, got fug es alles zu[m] besten! ich 
hab mir nie mere gefurcht; solt es mislingen, werden wir von 
den unseren verkauft, ich mocht leiden, ich were in meiner 
kirchen, aber mich soll dannoch nit taueren, wo ich nur etwas 
nuzes für gemaine Stadt auszurichten weste, ob ich schon mit 
eren mein leben verliren solt. k. mt. wil, ich solle hinfure bei 
ir person bleiben, versihe mich nit, das ich mere wege geschickt 
were, es were dann in der nehe um 3 oder 4 tag zu tun. darum 
bit ich, e. f. wollen mich entschuldigt haben, ob ir nit so vil 
schrift von mir empfangen habt, als ir geren gesehen hettet. 

aber so vil e. f. jungst schreiben betrift, die zugesagt hilf 
des bunts, so vil die k. mt. beruert, zu furdern, das sie nit ver¬ 
zogen werde, wil ich allen möglichen fleis eueren schreiben nit 
sparen; und hat sich ganz recht begeben, das gleich gestern ein 
bot mit dem buntischen brief an kaiser und von Caspai; Nuczel 
an mich geantwort; hat (1) ich k. mt. iren selbst geben, der in 
aber nit gelesen, sunder dem canzler behendigt, da 2 ) ich auch 
arbett, etwas fruchtbars auszurichten, got geh gluck! aber 
bei uns ist grosser mangel an gelt und wurd dem bund ser ge- 


‘) Vgl. hiezu die Bemerkung bei Schönherr, S. 144: Niemand wird 
aber nach den gegebenen urkundlichen Daten in Abrede stellen können, 
dass der Schwerpunkt dieses Krieges in der Landbevölkerung Venetiens 
zu suchen ist, ohne deren verzweifelte Anstrengung nicht bloss die Be¬ 
hauptung Paduas, sondern des venetianischeu Festlandes überhaupt un¬ 
möglich gewesen wäre. 

*) ? Der letzte Buchstabe ist ausgeflossen. 


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Berichte Toppiers. 


171 


ergert, das er k. mt. nit, sunder da helfen wil. k. rat. geet die 
abgeslagen hilf des reichs ser zu herzen und ir seit überall aus- 
gebrait, als solt ir ursach sein gewest der Verhinderung, solehs 
auszureuten, mache ich mir vil fe[i]ntschaft; so hat der raar- 
grave uberal sein discipell. und soll margrave Fridrich mit 
Casimiro mit 150 pferden kuramen; so tuet ir gar nicht, be¬ 
denkt die handlung selbst! man macht hie vil finanz auf euch 
und geschehen mere durch die eueren, dann jemants anderst; 
sie hetten einen anslag gemacht, ich solt von Wurmbs zu euch 
geritten sein um ein anlehen 10000 fl.; darum das ich nit auf 
Nurenberg geritten bin, waiss ich nit, ob es unterwegen ge- 
bliben ist; die Fucker solten bürgen sein geworden. 

Caspar Nuczel ist hie uberal angeben, als solt er sich mit 
dem Arczett, burgermaister zu Augspurg, gezwaiet haben von 
wegen der hilf zu Wurmbs und das burgermaister von Augs¬ 
purg auf des kaisers teil gewest sei, der Nuczel derwider. ge¬ 
denk ich, die Auspurger Schwaben sind subtil, ob sie solehs aus¬ 
geben hetten, inen ein glimpf, zu schöpfen, darum were gut, 
das Nuczel dem Arczett schrieb, solehs langet in an von hofe; 
nun weste er wol, das solehs nit geschehen were, wolte auch 
nit glauben, das solehs von im ausging, darum begerte er dess 
von im sein schriftliche antwort. so er im dann darauf ant- 
wordt und mir solche Schrift zugeschickt wurde, wolte ich solche 
erdichten am hof gar ausreuten, dann ich bin zu Wurmbs teglich 
bei in gewest und waiss, das solehs nit war ist. hab das auch 
hie öffentlich gesagt und das ir zu Nurenberg nit anderst an 
meinem ausziehen gewist auch verhoft habt, dann das k. mt. 
hilf darauf zugesagt wurde, und mich gebeten bei k. mt. zu 
arbeten, das ir mt. von euch das gelt neme und selbst leute 
bestellte, ich hab auch solehs vor und, ee die stende des reichs 
die hilf abgeslagen haben, dem canzler in gehaim zugesehriben, 
dess er noch gut wissen tregt. es haben auch e. f. k. mt. al- 
begen williglich gedient, da ir sein nit schuldig seit gewesen 
und niemant aus dem reich schickett vor Kopfstein; J ) da bei albeg 
euer geflissen und dienstlich gemuet gespurt mag werden etc. 

item man zeuhet in des kais. kammern den Lidwacher 2 ) 

') Gemeint ist die berühmte Belagerung von Kufstein, Oktober^l504. 

’) Fritz von Lidwach war am Freitag nach Lucie 1508 bei seinem 
Schlosse Dettelsau überfallen und samt zwei Knechten weggeschleppt 


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172 


A. Gümbel. 


oft herfur, in massen als solt ir sein ursach sein, doch werdent 
ir nit offen gemelt. darauf ich antwordt, man sol das kint 
taufen, werde man antwort finden, were hab des margraven 
canzler auch hinweggefurt und 'sei ein zeit verloren gewest, 
niemand gewist wue; jezund wiss man solchs; es sei zu er¬ 
barmen], 1 ) das solchs wesen geliden werde, damit wil ich mich 
euch bevolhen haben, geschriben in eil zu Bassaun 6. augusti 
1509. 

ich hab noch zwen boten bei mir; wil alle drei tag einen 
abfertigen. 

JEingelegter Zettel) 

kais. mt. ist zu rat worden, morgen hie zu bleiben und des 
geschuz von Felters zu warten. 

ich schick e. f. hiemit die Verantwortung k. mt. gegen den 
stenden des reichs. 2 ) 


29. 

An die Herren Aelteren. 8 ) Aus Bassano. 

1509, 8. August. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz ge- 
flissen dienst sind e. f. bevoran beraitl günstigen, lieben herren! 
ich hab mit hilf des kammermaisters, der jezund nit in kleinem 
ansehen ist, bei k. mt. angebracht der hilf halben, so sein 
mt. betrift in dem bund zu tun, inhalt euers Schreibens, darin 
sich ir mt. ganz gnedig erzaigt und von stundan den haubt- 
leuten des bunds, solches ires beflissens gefallen zu haben, an¬ 


worden. Niemand wusste wohin. Die Tat wurde den NUrnbergern zu¬ 
geschrieben und Lidwach sollte auf einer ihrer Vesten gefangen gehalten 
werden, insbesondere suchte der Guttensteinsche Anhang dieses Gerücht 
zu verbreiten. Später bekannte sich ein gewisser Hanns Kalbersberger, 
der bis vor 2 Jahren im Dienste der Stadt gestanden hatte, als Täter. 

') Loch im Papier. 

’) Gemeint ist wohl die bei Ulmann, S. 374, charakterisierte .Straf¬ 
predigt“ vom 26. Juni 1509 für die Reichsstände nach dem wormser Fehl¬ 
schlag, die T. dem Rate mit erster Gelegenheit schiokte. Sie liegt nicht 
mehr bei den Briefen. 

’) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eiteren des 
radts czu nurenberg. F[eria] 4 a Post Jacobi (1. August; vgl. Brief 1, 
Anm. 3) 1509. Präsentierungsvermerk: pntat. per Spensetzer 20 augusti 
zu mittag. 


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Berichte Toppiers. 


173 


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gezaigt und zugeschriben, ich auch solche brief dem boten von 
Vlm zugeschickt hab, der auf morgen von hinnen auslauft, hab 
auch angehalten, das k. mt. solchs auch dem regiment zu Ins¬ 
bruck ernstlich befolhen und bei der post zugeschickt, also zu 
verfugen, das seiner mt. folk auf rechte zeit zu Regenspurg sei. 
aber ich vermerk darneben, das daselb regiment von Insbruck 
ein anlehen von euch, auch andern stetten, auf genuglich Ver¬ 
sicherung begert oder darnach begeren wurd; furcht ich, werde 
euch schwere sein, ganz abzuslagen nach gelegenhait der Sachen 
und ungnad auf euch zu laden, dann man in vil weg solchs 
sücht; aber ir wist euch in dem wol zu halten, ich hab dem 
kaiser gesagt, man sei euch noch über-8000 fl. schuldig auf dem 
aufslag zu Engelhartczell und man zal euch nicht; ist mir vom 
kaiser zu antwort, das regiment von Insbruck das beger solchs, 
und ir werdent wol versichert; hat mir aber nit befolhen, euch 
davon zu schreiben, das hab ich euch nit wollen verhalten, 
wo ir zu willen wurdet, k. mt. das anlehen oder eins teils zu 
tun, were mein rate, das ir mir solchs zuschubt, dardurch ich 
auch damit das lehen, 1 ) davon ir mir befolhen habt, gnediglich 
erlanget, sunst wurd es langsam von statten geen. k. mt. sagt 
auch, ir gemuet sei die heckenreuterei auszureuten und sie las 
darum den margraven zu ir kummen, dardurch in mitler zeit 
10 oder 12 die köpf kurzer werden mögen. 

ich hab auch euch entschuldigt des erdichten zumessen, so 
zu Wurmbss zwischen euerm gesanten und dem burgermaister 
von Augspurg geschehen sollen sein mit vil anzeigen, das an 
not ist nach der leng zu erzelen. aber solchs ist so ganz in 
den kaiser gebild, das ichs ime nit ganz entledigen kann; er 
sagt, es sei ein zwitracht zwischen euerem burgermaister und 
dem auspurgischen gewest, das wiss er wol; und der auspurgisch 
hab sein tail gehalten, hab ich zu der zeit also Stil müssen 
schweigen, aber mein rat were, das ir an burgermaister Arczt 
zu Augspurg schribt, wie euch durch mich zugeschriben were, 
das ir bei k. mt. dargeben werdt, das sich euer burgermaister 
zu Wurmbs mit ime eingelegt oder gezwaiet soll haben der hilf 
halben, so k. mt. geschehen solt, und der deshalben wider in 


*) Nämlich das Recht, innerhalb eines Umkreises von 20 Meilen um 
die Stadt auf Strassenräuber zu fahnden. Vgl. unten. 


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174 


A. Glimbel. 


gewest und wider k. rat. wo dem also, were euch nit lieb, 
darum so begerte ir dess ein wissen vom im zu haben etc., wie 
ir bass wist zu tun, und schickt mir darnach solche antwort, 
damit ich die wiss dem kaiser anzuzaigen, dann es ist so hart 
in den kaiser und das ganz hofgesind gebild, das zu fil ist; der 
kaiser sagt mir, wie ich redet, sie sind wider ains wrarden. 

item des Wolf Stromers halben, der ist bei euch; ich halt, 
ob er schon bei dem kaiser were, wurd er dannoch den zog*) 
nit wenden mögen; ich wil allen fleis furkeren. 

item sider ich euch bei Rattler, euerm boten, geschriben, 
ist nichz neues furgefallen; bei dem habt ir ursach meines lang¬ 
samen zukummens am hof vernummen; ist on not zu verneuen. 
k. mt. ist heut zu mittag von hinnen in das veld wolgerust mit 
seinem volk gezogen zwischen Kastei Franco und Blummbin; 
wurd morgen sich gen Padua nehen. so kumme ich morgen 
auch zu im; ich hab im veld nit zu bleiben und trag an har¬ 
nisch gevers genueg; es ist ein wesen, da nit von zu schreiben 
ist. got geb uns gluck und das wir untereinander eins bleiben! 
unorden [!] und ungehorsam ist genueg unter uns, aber ich hoff, 
des kaisers gegenwertikeit soll solchs verkommen. Civita haben 
wir wider eingenommen, das muess uns gelt geben; so gibt uns 
Florencz, Luca, Sena auch ein grosse summa gelts; so schickt 
uns der kung noch 400 lanzen, sind bei 1500 pferd. item so 
haben wir Sperual auch wider innen, das geblundert. damit 
wil ich mich euch befolhen haben, geben eilents [am 8. tag 
augusti 1509 zu Bassan. 

30. 

An die Aelteren Herren.*) Aus Vicenza. 

1509, 10. September. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz willig 
und geflissen dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben 

‘) Vgl. den vorausgehenden Brief. Im K. Kroisarchiv, Belege zur 
Nürnberger Stadtrechnung, Bund 2, 1509, findet sieh eine Zusammen¬ 
stellung der für die Auslösung Wolf Stromers der Stadt erwachsenen Kosten 
bezw. Auslagen. 

’) Gegen den Guttensteiner. 

9 ) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eitern dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Augustini (29. August; 
vgl. Brief 1, Anm. 3) 1609. 


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Berichte Toppiers. 


175 


herren! ich hab am 8. tag augusti e. f. bei euerem boten, dem 
Ratteller, und nachmals am 9. tag desselben monats bei Spen- 
siczer aus Bassaun geschriben, 1 ) wie k. mt. genaigt sei gewest 
zu dem zueg wider die vom Guttenstain, darauf auch bei einem 
ulmischen boten den buntischen haubtleuten ein schreiben von 
k. mt. desselben iren gefallens zugeschickt, wie mir nit zweifelt 
numals langst e. f. vernummen haben mit anderm inbalt, darauf 
ich nochmals bishere kein antwort von euch empfangen hab, 
und kan mir nit anders gedenken, dann das euer boten einer 
nidergelegt sei; es sind auch gestern mere herekummen, es sei 
ein nurenbergischer bot nidergelegt. darnach als sich der kaiser 
lur Padua legeren wolt, hat er mir und dem bischofe von Triest a ) 
huch etlicher welischer fürsten botschaft befolhen zu Citadella 
zu bleiben s ) und nach notturft zu ir k. mt. in das here zu 
reiten, als ich geton hab. und darnach auf den 13. tag augusti 
bin ich in das here geritten, hab da gefunden Linhart Gralant, 
der mir euern befelhe entdeckt hat, dess ich dann sundern ge¬ 
fallen empfangen hab, durch sein person hilf und leichterung 
zu empfahen. 4 ) hab im darauf entdeckt, was durch mich ge¬ 
handelt ist und wie er sich nit ganz emplosen solle, wiewol ich 
wiss, das er sunder gehaim sei dem kamermaister, und wie ich 
mich las gedunken, das man finanz sueche, das er sich wisse zu 
halten und traue an dem hofe nit zu vil, das er auch mit meinem rate 
handel und auch, wenn er euch schreibe, das wir miteinander 
einmutig sind, das nit, was einer gut mach, der ander verderb, 
und im angezaigt, das ich noch ein boten bei mir hab und, das 
er schreib, so wollen wir den boten abfertigen, sind also von 
einander abgeschiden in der Zuversicht, er hette im also geton, 
wie er mir dann zusagt, und nachdem in dem here gebrechen 
an wein und brot wäre, ich für mein person kein gezelt haben 
mocht bleiblich, der gezelt in einem solchen grossen here auch 
ganz wenig warden, und auf der erden zu ligen mir ein krank- 


') Muss heissen 6. und 8. August. 

*) Pietro Buonomo. 

’) T. blieb dort vom 9.—21. August. Dann begab er sich nach Vicenza. 

*) Leonhart Grolands Rechnungsablage für den Rat über diese Sen¬ 
dung befindet sich gleichfalls bei den Belegen zur Nürnberger Stadtrech¬ 
nung (1609 Bund 2). Er hatte am 27. Juli Nürnberg verlassen und war 
am 10. August im königlichen Heerlager vor Padua eiDgetroffeu. 


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176 


A. Gümbel. 


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heit Ursachen mocht, wie andern geschehen, auch k. mt. befelhe 
was zu Citadella zu warten und von dannen ab und zu zu 
reiten, bin ich wider gen Citadella geritten, das nur zwue ineil von 
dem here was, hab da auf des Gralants schreiben gewart; mir ist 
aber kein schreiben zukummen. ist darnach furgefallen, das des 
kaisers here hintersich geruckt ist für ander flecken, Limina ; 
Este und Monte Silicj und die gewunneu, also das die stra- 
diotten der venediger für Citadella teglich straiften, also das 
man in das here nit sicher kumraen mocht, dardurch ich mit¬ 
samt den anderen geursacht bin gen Vincencz zu ziehen, das 
ich dem Gralant zu wissen geton, aber kein Schrift von im 
empfangen und dess nit unbillich befremden getragen, den boten 
darum am ersten tag diss monats zu dem Gralant in das here 
geschickt, im geschriben, das es nit gut sei, euch so lang an 
schrift zu lassen und das ich bishere auf sein schreiben gewart 
hab. darauf er solchen boten 9 tag im here aufgehalten, mir 
gar nicht zu wissen geton, das mir ein wenig ein unlust ge¬ 
macht hat, dann ich furchtet, der bote were gefangen oder er¬ 
würgt, nachdem es ser unsicher wäre, und deshalben des gemiiets 
selbst in das here zu reiten, wiewol ich vormals in dem reiten 
der Venediger stradiotten zwirendt entwichen bin, dann es nit 
allein unterwegen, sunder auch in dem here selbst unsicher ist; 
hab müssen sorgen, das euer feind jergenz haimlioh alt schuld 
rechen mochten, darauf hab ich mein knecht Jorgen in das 
here zu im geschickt, hat er sich entschuldigt, wie e. f. aus 
disera brief vernemen werden, den ich euch hiemit schick. 1 ) 
ich mocht leiden, das er die sach, gleichwol ein lain, ausrichtet, 
aber ich furcht, er sei der man noch nit; er muess noch mere 
zu schul geen; es darf vernueft an dem hof und das man nit 
aigen nutz und ere suech, auch kein geticht mach, damit man 
die affen schuhe, der kamermaister hat mir gesagt, er wolle im 
helfen, das er in ein ansehen bei euch kum; mocht ich wol 
leiden gemainer stadt zu gut, wenn es nür mit grund geschehe 
und nit mit gedieht, dann der kamermaister ist ime zu ver- 
slagen und zu behend; so traut er und ist im zu hoch verwondt. 
das schreib ich e. f. furware im nicht zu nachteil, sunder allein 
zu meiner entschuldigung, das ir sollet wissen, das ich so lang 

') Liegt nioht mehr beim Akt. 


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Berichte Toppiers. 


177 


nit säumig were gewesen mit meinem schreiben, wo ich mich 
auf den Gralant nit vertröst hette. 

mere tue ich euch zu wissen, das der vom Guttenstein ein 
boten hie lang bei dem von Gurck gehabt hat, aber langsam 
abfertigung gehabt; der sagt öffentlich, das der pfalzgrave sein 
herren in das spil gebracht hat und verlasse in jezund. 

item so ist margrave Fridrich und Casmirus bei dem kaiser 
teglich und haben zwen vom Guttenstein bei in; bredigen auch ■ 
k. mt. vor, das einer von Guttenstein in Vergaul zu Civital im 
sturm der erst in der stad gewest sei und von k. mt. wegen 
umkummen, auch das die krön von Bekam mit den andern von 
Guttenstein gericht sei und, wo der blind ausziehe, so werde er 
mit schimpf widerum heimziehen müssen. 

item so ist grave Eitel Fridrich von Czolleren, sein sune 
und aidem, der grave von Holoch, 1 ) grave Albrecht, margrave 
Christofei von Baden, sein sune Ernst, [hie], die verhoffen alle 
den kaiser zu besezen; sind der merer teil bös nurenbergisch. 
doch haben sie nit 100 ross, aber der margrave von Baden 
brengt 500 fuesknecht. 

item es hat der tirolisch canzler, doctor Kun, mit mir von 
des kaisers handlung allerlei mainung geredt, unter anderm mir 
angezaigt, das die graveschaft von Tirol ein ainung getroffen 
haben mit Augspurg, Ulm, Strasburg und den schwebischen 
stetten nach ausgang des jezigen bunds. darauf ich ime geant- 
wort, auch zu entschuldigung des geschrais, das auf euch ge¬ 
macht ist, das sich euer burgermaister mit dem auspurgischen 
geunaint sol haben wider k. mt. am reichstag zu Wurmbs, es 
sei kein stadt im reich nie gewest, die sich als hilflich bei dem 
haus von Ostereich und der graveschaft von Tirol gehalten hab 
als Nurenberg; im angezaigt, das ir im nechsten krieg merklich 
cost, mere dann ander stette, geton habt; item vor Kopfstein 
habt ir geschickt in zu hilf, da kein furst im reich oder reich¬ 
stad huelf, dabei der von Nurenberg guter wil gespuert mocht 
werden, wie es dann zugieng, das ir in solcher ainung nit be¬ 
griffen werendt? antwordt er, es were wäre, aber ir werendt 
der graveschaft von Tirol entlegen, darzu so hetten Auspurg, 


*) Graf Albrecht von Hohenlohe-Neuenstein, vermählt seit 1607 mit 
Wandelbar, Tochter Eitelfriedrichs von Zollern. 

Archiyalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 12 


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• 178 


A. Gttmbel. 


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Strasburg und Memmingen solchs nit wollen haben, das hab 
ich euch nit wollen verhalten, wiewol es mich von Augspurg 
ser befremdt. 

mere so vernimm ich, das pfalzgrave und herzog Wilhelm 
von Baieren miteinander gericht sind; vnd der pfalzgrave nimt 
herzog Wilhelms Schwester 1 ) zu einem gemahel; hoff ich, ir wer- 
dendt in eueren Sachen dermassen Zusehen, das ir bei herzog 
Wilhelmen nit vergessen werdent. 

was neue zeitung im here sind, schreibt euch der Gralandt. 
auf heut sind hie 150 wegen mit buxen, bulver, kugel und 
grossem geschoss hie ausgangen in des kaisers here und man 
zeuhet den weiteren wege von Unsicherheit wegen; sie kumen 
in zweien tagen kaum in das here. vor dreien tagen sind bei 
200 wagen auch ausgangen; es ist also ein unmenslich geschoss, 
das nit genueg davon zu sagen ist. solt aber weriger regen 
für 6 oder 7 tag anfallen, so mocht man weder hintersich oder 
fursich kummen. got geb uns gluck! es ist wenig Ordnung 
bei uns. damit wil ich mich euch befolhen haben, geben mit 
eilen am 10. tag septembris 1509 zu Yinczencz. 

item so e. f. hinfur sicher in das here schicken wollen, 
sollen sie sie haissen laufen auf Beren, Yinczencz in das here, 
dann auf Bassaun ist es nit sicher. 

item übermorgen so reit ich in das here. 

31. 

An die Aelteren Herren. 2 ) Aus Trient. 1509, 

30. September. 

Pursichtigen und günstigen, lieben herren! mein ganz ge- 
flissen dienst sind euch bevoran berait! günstigen, lieben herren! 
auf heint hab ich ein schreiben, den Lidwacher betreffend, von 
euch hie mitsamt der copi des Kalberspergers schreiben, an euch 
geton, und einer vermainten bekantnus, durch Paulus Summer etc. 


') Sibylla, vermählt zu Heidelberg am 23. Februar 1511 mit Kurfürst 
Ludwig V. von der Pfalz. 

*) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben herren den eitern dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a Post Mauritii (26. September; 
vgl. Brf. 1, Anm. 3) 1509. Präsontierungsvermerk: per Peter Leupolt. 
6. octobris. 


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Berichte Toppiers. 


179 


geschehen, vernummen *) und durch einen auspurger poten emp¬ 
fangen, auch vormals ein schreiben 2 ) auch deshalben von euch 
bei Spensiczer und nachmals ein ander schreiben 3 ) bei Erlein, 
euren boten, empfangen mit entdeckung, k. mt. ein vererung 
4000 fl. mitsamt euer entschuldigung zu tun. darauf ich mit 
k. mt. gehandelt und sie euernthalben recht geschaffen gefunden, 
wie ir durch Radtier, euerm boten, der mir auch solch 4000 fl. 
überantwort hat, in dreien tagen nach dato diss briefs verneinen 
werdendt. und dürft kein fursorg tragen der unglimpf halben, 
so euch zugelegt werden, auch des Lidwachers halben, dann 
ich nach der leng mit k. mt. davon geredt hab und ir mt. 
wurd euch zu nachteil nicht ausgeen lassen; ob aber je etwas 


0 Briefbücher Nr. 64, fol. 231 b. Inhalt: Der Rat Uberschickt die von 
Heinrich von Guttenstein dem gefangenen Nürnberger Diener Paul 
Summer abgepresste Aussage bezüglich der Nürnberg zugeschobenen Ge¬ 
fangennahme Fritz von Lidwachs und eino Zuschrift des früheren Nbg. 
Dieners Hans Kalberspergers, wie es bei dieser Gefangennahme eigentlich 
zugegangen sei, und bittet den Kaiser in dieser Sache unter Vorlage der 
Schriftstücke wahrheitsgemäss zu unterrichten. Lienhart Groland solle 
öfter als bisher an den Rat schreiben. Die 4000 „Nägel“ (d. h. Gulden) 
für den Kaiser (s. u.) seien nach Augsburg unterwegs. Datum montag 
nach crucis exaltacionis [= 17. September] 1509. 

’) Briefbücher Nr. 64, fol. 203b. Inhalt: Wenn Markgraf Kasimir auf 
Veranlassung des Guttensteiners beim Kaiser einen Befehl an die Stadt 
ausbringe, in ihren festen Schlössern nach dom angeblich dort gefangen 
gehaltenen Fritz von Lidwach suchen zu lnssen, solle T. dies verhin¬ 
dern. Datum sambstags Egidii [= 1. September] 1509. 

(Ein weiterer ausführlicher Ratsbrief in gleicher Sache, insbes. die 
Fehdeansage Linhart Pirkhamers und die Niederwerfung des kais. Kammer¬ 
gerichtsprokurators Dr. Wilprecht berührend (Briefbücher 64. f. 206a', 
vom 3. September scheint nicht in Ts. Hände gekommen zu sein; wenig¬ 
stens nimmt er nirgendswo Bezug darauf.) 

*) Briefbücher Nr. 64, fol. 208 ff. Inhalt: Nürnberg hat einen Mo¬ 
natssold für die Bestallung des kaiserl. Kontingents zum Zug eg egen den 
G u tt en s te i n er auf Bitte des kaiserl. Hauptmanns Schenk Christoph 
und des Regiments zu Innsbruck vorgeschossen. Hoinr. von Guttenstein 
habe nunmehr die Veimittlung Herzog Wilhelms von Bayern angorufen 
und sich erboten, alle Gefangenen loszugeben und sich von Heinz Baum 
zu trennen. Infolgedessen sei ein neuer Bundestag nach Regensburg 
ausgeschrieben worden. T. erhält Auftrag zur Abschneidung des Ge¬ 
rüchts von der Haltung der Nürnberger auf dem wormser Reichstag dem 
Kaiser 4000 11. zu verehren. Den Groland solle er dabei nach Gutdünken 
zuziehen. Datum eritag nach Egidii [— 3. September] 1509. 

12 * 


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180 


A. Gtimbel. 


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hinter dem licht ausgieng, mögt ir solchs aufschieben und an 
mich gelangen lassen. 

item ich schick euch auch hiemit ein brief eines gnedigen 
erbieten k. mt., daraus ir vermerken mögt mein handlung und, 
wiewol darin kein anregen geschieht des Lidwachers halben, so 
habt ir doch ein ausgedruckten artikel „und ander unbillichs 
zulegens“, damit der Lidwacher verstanden wurdt, dann ich 
ganz lauter mit dem kaiser davon geredt hab. 1 ) 

item dem kaiser ist das gelt ganz zu statten und nuz ge- 
kummen, dann die lantsknecht wolten im veld von im weichen 
vor Padua, hab ich da einstails gelts auf mein glauben auf 
müssen brengen und selbst darnach here müssen, nit an gefere, 
ziehen ; ich hab auch erlangt ein Zusagen von k. mt. der lehen- 
schaft, so ir geren hettendt, 8 ) aber ich muess noch 1000 fl. 
zalen zu Augspurg in dreien wochen, darum so wollent solch 
1000 fl. zuschicken gen Augspurg auf weiterm, meinem be- 
schaiden, das sie bei Jeronimus im Hoff gefunden werden, ich 
hette geren die handlung ausgericht, das es bei 4000 fl. ge- 
bliben were, aber es hat nit mögen sein, und wiewol k. mt. an 
euch ein anlehen auf mein hart widerstreben allein auf 3000 fl. 
geton hat und ich euch nit geraten hette, wo ir um kein an¬ 
lehen angemuet werendt gewesen, das ir euch etwas begeben 
hette, doch dieweil ich eueren befelhe gehabt, hab ich solchs 
an k. mt. wollen brengen zu anzaigen euer treue, das auch bei 
k. mt. wol ersprossen ist. und furware, es moclit darzu kum- 

') Der kaiserliche Brief befindet sieb im Kreißarchiv S. 1 L. 79, Nr. 17. 
Er hat folgenden Wortlaut: Ersamen, lieben getreuen 1 nachdem euern 
burgermeistern, so ir auf den jungst gehalten reichstag gen Wormbs ge¬ 
schickt, bei uns zugelegt worden, als solten sich dieselben uns zuwider 
mit dem burgermeister von Augspurg, der auch auf bestirntem reichstag 
gewesen, gezwaiet haben, hat darauf der ersam gelert, unser lieber an- 
dechtiger Erasnn Toppier, doctor und brobst zu Sant Sebolt zu Nurmberg, 
unser rate, ew und die gedachten burgermeister der berurten auch an¬ 
derer unbillichen zulegens halben bei uns genugsamlich und dermassen 
entschuldigt, daran wir gnodigs gevallen tragen, wellen auch darauf ew 
und gemaine stat allezeit in gnedigom bevelhe, schütz und schirme tragen, 
das wolten wir ew gnediger mainung nicht verhalten, geben in unserm 
veldheer vor Padua am 27. tag des monats septembris eto. 1509. Papier 
mit Verschlusssiegel. 

’) Nämlich das Recht auf Uebeltäter in der Umgebung der Stadt zu 
fahnden. 


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Berichte Toppiers. 


181 


men, ir solt nit 10000 fl. dafür nemen. ir seit wol des Lid- 
wachers halben uberal so hoch befleckt und in jederman ge¬ 
tragen, ich hab teglich zu kempfen von euerntwegen; ich mocht 
leiden, ir schickt den brobst Laurenti here an meiner stat, 
westet lecht höflicher zu handlen und mere glimpfs zu schöpfen, 
aber es sei, wie es woll, und unser widerwilligen tichten, was 
sie wollen, wir haben den kaiser und auch glimpfs genueg. 
hab die sach dahin gebracht, das man vor den hohen stenden 
nit mere so unschidlich davon reden darf. 

item ir werden ander neue zeitung aus des Gralants brief 
hiemit 1 ) vernemen. ich bin in feld von im geritten, hab aber 
diesen boten hie abgefertigt heint in der nacht und dem Gra- 
landt den Erlein im here gelassen, so etwas in meinem abbesen 
furfiel oder neue zeitung, euch das zu wissen zu tun, dann ich 
versihe mich, man werde Padua in zweien tagen sturmen, so 
wurde ich in 4 tagen, wills got, wider bei dem kaiser sein, der 
Spensitzer ist zu Vinczencz, den Radteler wil ich hie über¬ 
morgen abfertigen und bei demselben die handlung lauter an- 
zaigen. ich hab in dem here nicht wissen zu schreiben, dann 
es auf alle ort unsicher ist; ein brister auf dem elter erschossen, 
sonst zwen frum briester nit weit, als man in des kaisers hof 
geet, auch erschossen mit einer grosen puchsen mit einer eisen 
kugel; mir sind über zwaimal eisen kugel nit zwue oder drei 
spann über dem haubt hingeschossen; es kumen vil in unserra 
here um mit geschoss; dem Gralant ist sein hengst erschossen 
im here; mir hat ein eise[n] kugel den rigel zwischen meinen 
zweien geulen zuschossen, aber kein gaul beschedigt. ich hab 
meine leger müssen enderen; es ist niemand leibs oder lebens 
sicher, der kaiser selbst nit; glaubt, ging es übel mit dem kaiser, 
es were um uns alle geton. 

item margraf Fridrich und sein sune Casmirus sind zweich 
miteinder, jederman zu schimpf; ich halt, es solt margrave Frid¬ 
rich gut nurenbergisch machen, herzog Fridrich von Baieren 
ist here kommen; heit sich ser zu margrave Casmirus. am vorder- 
gester ist ein ungarische potschaft zum kaiser kummen, den der 
kaiser gen Vinczencz beschiden hat; der hat mir gesagt, das 
pfalzgrave um belehenung bei dem kung von Behem*) handel 

l ) Der Brief liegt nicht mehr bei den Akten. 

3 ) Geschrieben ist Hehem. 


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182 


A. Gümbel. 


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und sie sei im zugesagt, aber der canzler hinder solehs zu Be- 
ham aus Ursachen, das er für die belehenung 14000 fl. haben 
wil und ein slos um 6000 fl., das aber pfalzgrave nit tun wil; 
und er wolle bei k. mt. auch kuniglicher wird erbaten, das er 
seinen willen erlang, ich wil den Sachen fleisig nachgeen, ob 
ich auf ein rechten grund kummen möge, ich hoff je, er werde 
bei uns nicht ausrichten. 

item der buntisch bote hat bei dem kaiser nicht aus mögen 
richten als lang, bis ich in gefertigt hab. brengt brief an die 
buntischen im besten form, an kung von Vngeren, pfalzgrave 
Ludwig, Fridrich, Bamberg, Wirczburg, Hennberg, den Gutten- 
stainerischen kein hilf zu gestatten. 

item ich hab nach notdurft mit dem Gralandt geredt und 
er wurd hinfur fleisiger sein; was er bis[her] nit nach gefallen 
gehandelt hat, ist aus unlal und, das ers nit verstanden hat, 
geschehen; ich hoff, werde sich hinfur recht halten und gemainer 
stadt ein nuzer man werden, damit wil ich mich euch befolhen 
haben, geben mit eilen zu Trient, am lezten tag septembr[is] 1509. 

32. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Trient. 1509, 

4. Oktober. 

Fursichtigen und günstigen, lieben herren! mein ganz ge- 
flissen dienst sind e. f. bevoran berait I günstigen, lieben herren! 
ich hab e. f. bei Petter Leupolden, euerem poten, vor dreien 
tagen in eil geschriben in hoffnung, es sei euch vor empfahung 
diss briefs zukummen und angezaigt euch nach der leng zu 
schreiben, das ich, alsbald mir euer schreiben bei Spensitczer und 
ein anders bei Erlein, euerem boten, in handlungen, den Lid¬ 
wacher betreffend, zukummen, mich persönlich zu k. mt. in das 
here bei Padua gefuegt und derselben ansagen lassen, wie ich 
mit ir mt. von gelts wegen in der höchsten gehaim bei ir allein 
von euerentwegen zu handelen hab. darauf mir ir mt. kein 
heimlich verhöre bis auf den zehenden tag hat geben mögen; 

") Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eiteren dess 
radt.s czu nurenberg. Darunter: Fferia] 4a Post Mauritii (= 26. September; 
vgl. Brief 1, Anin. 3) 1509. Präsentierungsvermerk: per Endressen Rattler 
12. Oktobris 1509. 


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Bericht« Topplors. 


188 


darneben hab ich mancherlei bos rede, euch und der Lidwacher 
betreffend, allenthalben vernummen, die mir schossweiss furge- 
worfen wurden, und etwa vil brief, so von den frenkischen 
edelleuten an den hof geschriben, furgehalten, das ich alles nach 
dem besten und meinem vermögen verantwordt und angezaigt, 
man werde noch wol geware, wie es ein gestalt mit dem Lid¬ 
wacher habe; aber das wisse ich, das ein erber rat solcher hand- 
lung unschuldig sei; das were sich also erfinden, und wiewol 
E. T., 1 ) als der soldner haubtman, beschuldigt were, so mog ich 
doch solchs nit glauben aus vil Ursachen, die an not sind nach 
der leng anzuzaigen, damit ich mir vil unlust geschöpft, doch 
albeg mich lassen hören, ich sei nit da, euch zu verantworten; 
das hab ich geton aus Ursachen, mich hinach, ob die sach zu 
verhöre kome, nit verdechtlich zu machen; ich hab auch sol¬ 
cher handlung kein wissen, aber mir zweifei nit, ir wisset euch 
solches als unschuldig wol zu verantworten, und darneben er- 
zelt, wie man mit euch umgee teglichen, auch wie des mar- 
graven canzler auch gefangen sei worden und von ersten auch 
nit gewist, woe er hinkummen wäre, nachmals durch margrave 
Pridrichs hohes anhalten erfunden, das die margravischen [es] 
selbst geton betten, nachmals hab ich euerem ratsfreund, dem 
Gralant, solches alles angezaigt, auch das ich in befelhe hette, 
dem kai[ser] ein merklich vererung zu tün und, wo ichs für gut 
ansehe, in zu Überantwortung desselben auch zu nemen, abei 
ich truege die fursorg, wo er bei mir sein solte, so mocht sich 
k. mt. nit so ganz offnen als gegen mir allein, und sunderlich, 
dieweil jederman so ganz wider uns were; so dorft ich auch 
basser k. mt. einreden, das auch sein mt. ee gedulden wurde 
gegen mir allein, dann so er oder jemands anders dabei were; 
doch so sezte ichs ime haim; da gefiele es im wol, das ich auf das 
fieisigst auf den dienst wartet und mit k. mt. rette, darauf 
k. mt. auf heut acht tag, als sie solches fueg und, das es am 
allerunvermerklichesten was, ersähe, winket ir mt. mir, das ich 
allein in ir kamer zu ir gieng, als ich tete, und ir k. mt. an- 

') Endres Tücher. Er wurde durch die wahrscheinlich auf der Folter 
erpresste Aussage des von dem Guttensteiner gefangen genommenen 
Nürnberger Söldners Paul Sommer angeschuldigt, als ob er einigen Nürn¬ 
berger Söldnern Aul trag gegeben hätte, Fritz von Lid wach niederzu¬ 
werfen. Vgl. den vorangehenden Brief. 


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A. Giimbel. 


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zaiget, ich weste wol, das sie mit hoher handlung der krieg 
belestigt were, deshalben ich auf das kürzt euer untertenigst er- 
zaigen bei ir mt. angebracht wolt haben, wie ir an mich aus 
sunderm vertrauen, so ir zu mir als irem brobst trügt, auch das 
ir weste, das ich ir mt. verpflichtet were und ir euch auch vi- 
leicht versaehet, das ich in hoherm ansehen bei ir mt. were, 
geschriben hette und mich gebeten, etwa langst euch bei ir mt. 
zu entschuldigen, das ir auch der abschlagung der hilf zu Wurmbs 
ein befremden getragen und euch dess gar nit versehen het- 
tendt. das mochte ich auch bei meiner pflicht ir k. mt. an- 
zaigen, das ir mich gebeten hettend, als ich auf den reichstag 
gen Wurmbs ritte, bei ir k. mt. zu handelen, das sie für euer 
anzal, so euch betreffen wurde, das gelt nerae, wie ich dann 
dem von Serntein, da ich selbst zu ir mt. nit kummen mocht, 
zugeschriben hette, des er ungezweifelt noch an laugen were; 
und solches were vor der abslagung der hilf auf dem tag zu 
Wurmbs geschehen, daraus mochte ir mt. lauter verneinen, das 
ir euch des abslags der hilf nit versehen hette; darzu so hetten 
mir euer burgermaister, so zu Wurmbss warden, alle möglich 
Warnung in gehaim geton, dadurch ir k. mt. iren willen erlangen 
mochte, aber ich hette bishere euer entschuldigung bei ir 
mt. nit angebracht und befunden, das ir hoch in ir mt. von 
euern misgunneren getragen werdent wider die warheit, als 
solten sich euer burgermaister zu Wurmbs mit dem von Augs- 
purg der hilf halben zutragen haben und dawider gewest, darauf 
ir mir widerum geschriben und euer Unschuld dargeton, auch 
der burgermaister von Auspurg selbst an ir mt. zu euer burger¬ 
maister entschuldigung geschriben, welchen brief ich ir mt. 
läse *) und euer entschuldigung nach der leng inhalt euers 

l ) Das unserem Brief im Original anliegende Schreiben Arzte lautet: 
Allerdurchleuchtigister, grossmechtigister kaiser, allergnedigister herrel 
eur k. mt. soin mein gehorsam schuldig dienst in aller undertenigkait 
allzeit zuvor bereit! allergnedigister herrel mir hat Caspar Nutzei, des 
rats zu Nürmberg, schriftlich zu erkennen geben, wie das vor e. k. mt. 
verlaut, als ob ich mich mit dem genannten Nutzei auf dem nechstge- 
halten reichstage zu Wormbs von wegen e. k. mt. in ain Widerwillen und 
gezonk begeben haben solt und mich hierauf gebeten, ine bei e. k. gn. 
zu verantworten, dieweil aber sollichs nit beschehen ist, sonder wir beide 
die zeit, und wir an ainander gekonnt, allwegen guten willen und freunt- 
schaft zusameu getragen, e. k. mt. mit aller undertenigkait bitte, die 
wollen den genannten Nutzei egeruerter Sachen halbon gnediglich ent- 


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Beriohte Toppiers. 


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schreiben tete und darauf anzaiget, das ir zu anzaigen euer 
untertenig mainung und geflisne hilf ir rat. 4000 fl. nit anlehens- 
weis, sunder als ein hilf zugeschickt hette, die durch mich zu 
antworten, wiewol ir sunst vil beschwerde lidett und numraer 
kein wochen were, man fing euer burger einen oder zwen und 
furet sie hinwege. und bäte darauf ir k. mt., sie wolte euer 
gnediger herre sein und eueren misgunneren kein glauben geben, 
ich wolte auch darneben ir k. mt. angezaigt haben, das in aller 
mass, wie mit dem burgermaisteren ein gedieht wider euch, wie 
jezund ir mt. klerlichen befinden gemacht, sei dergleichen ein 
ander gedieht zulegen auf euch erfunden, den Lid wacher be¬ 
treffend. hab das gedieht nach der leng k. mt. erzelt und dar¬ 
auf ir mt. gepeten dem kein glauben zu geben und nicht wider 
euch, euer un verhört, auszugeen lassen, dieweil ir je kein trost 
zu niemant auf diesem ertrich habendt, dann zu ir k. mt., mit 
erzelung vil erzaigens euers untertenigens willens; darauf auch 
gebeten euch lehensweis zuzustellen die freihait zu straifen in- 
halt der copi, mir durch euch befolhen. darauf mir ir mt. ge- 
antwordt, das ir schwerlich in ir mt. getragen seit, aber er finde, 
das euch unrecht geschehen sei und er hab euch albeg treu 
und hilflich erfunden und sunderlich jezund; er wol euer gne¬ 
diger schutzher sei[n] und ich muess nach dem gelt reiten, dann 
ir mt. sei sein ser notdürftig, und ob es war sei, das euch sovil 
burger weggefurt weren und were solchs tue; und darauf sagt 
sein mt.: lieber, mag man nit wissen, wo doch der Lidwacher 
hinkummen ist? darauf ich saget ir mt., ir hettendt mir be¬ 
folhen, solch gelt auf das heimlichst iren mt. anzusagen, dadurch 
ir mt. solchs zu nuz kummen mocht und ir werent willig auch 
schuldig ir mt. gehorsam zu sein und ich weste das furware 
ir mt. zuzusagen, das kein stadt im reich ir mt. lieber hette 
dann Nurenberg, und sie sezten allen iren trost auf ir mt., darum 
solt ir mt. auch euch vor andern stetten gnedig sein, ich mocht 
ir mt. auch warlich sagen, das so vil burger von Nurenberg 
weggefurt wurden und man dorft es nit sagen, aber die mar- 
gravischen und die pfalgrave Fridrichischen tettens und schickten 

sohuldiget haben, der ich mich daneben zu iren diensten in aller under- 
tenigkait diernuetiglich bevelhen tun. datum aftermontags nach Bar¬ 
tholomei apostoli anno etc. nono. e. k. mt gehorsamer uudertan Vlrich 
Arczt alter burgermeister zu Augspurg. 


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A. Giimbel. 


sie zur Schwarczenburg. 1 ) das sagt ich also für mich selbst; 
aber des Lidwachers halben hette ich hohen fleis geton zu er¬ 
lernen, wo er hinkummen were, hette aber nie etwas anzeiglich 
kunnen erlernen, aber der belehenung halben, betreffend das 
straifen, wolt ich geren beschaid von ir mt. haben; darauf ir 
mt., ich solt dem Sernteiner von den 4000 fl. sagen und der be- 
lehung halben auch redt halten; ir mt. versehe sich, es wurde 
kein irr gewinnen, das ich alsbald geton, doch sagt mir k. mt., 
es must in gehaim ein weilendt gehalten werden, dann es were 
dem margraven und umsteenden fürsten zuwider, darauf ich 
mit dem Sernteiner gehandelt und nach vil handlung und be- 
schwerde die sach dahingebracht, das ich verfuegen solle, das 
noch 1000 fl. zu Augspurg gelegt wurden; von solchen 1000 fl. 
werden dem Sernteiner 300 fl. für sein tax und 100 fl. in die 
canzlei und kamer; darum so erhaist die notdurft, das die 1000 fl. 
gelegt werden zu Augspurg bei Jeronimus im Hoff. 

item des Linhart Birckamers halben wurd guter fleis an- 
gekert, das die acht zuwegen gebracht werde, wiewol es schwer¬ 
lich von statten geet. 

item neue zeitung, das am suntag Max Sittig 2 ) gewundt 
ist, als man sagt todtlich, der Wenkmuilner in ein arm. 

item so soll des von Gurcks bruder, Lienhardt Lang, zu 
Bassan gestorm sein und steet die handlung mit Padua ser 
zweifei. damit will ich mich euch bef'olhen [haben], geben zu 
Triendt, 4 octobrfis] 1509. 

auf drei tag wil ich wider bei dem kaiser sein in dem here 
oder wuer er ist. 

33. 

An Anton Tetzel. 8 ) Aus Vicenza. 1509, 16. October. 

Mein ganz geflissen dienst zuvoran, lieber herre Antonil ich 
hab mein herren den eiteren vormals bei 4 ) Fetter Leupolden 

*) Guttensteinisches Schloss boi Rotz in der Oberpfalz, seit 1505 im 
Besitze Heinrichs von Guttenstein. 

’) Marx Sittich von Ems, kaiserlicher Landsknechtshauptmann. 

5 ) Adresse: Herren Antoni Teczell losung herren des radts czu nuren- 
berg. Darunter: F[eria] 4a post XI M virginum (21. October; vgl. Brief 1, 
Anm. 3) 1509. Präsentierungsvermerk : durch Jerfonimjus I[m}hof bey der 
belehnung. 

4 ) Nach bei steht nochmals pei. 


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Berichte Toppiers. 


187 


und Radtelleren alle sache und sunderlich, das ir noch 1000 fl. 
hei Jeronimus im Hoff zu Augspurg auf weiteren mein beschaid 
erlegen [solt], geschriben; hoff ich, sei geschehen, woe es aber 
nit geschehen were, so wolt daran sein, das es furderlich ge¬ 
schehen, dann ich solch gelt hie im liere aufbracht hab und 
auf in beschiden, schick euch auch hiemit meiner herren lehen- 
brief, 1 ) in dem besten form gefertigt und ganz mit schwerer 
arbett erobert, dermassen, das ich furcht, wo ich in jezund nit 
erhebt, hette ich in nummer mere zuwegen gebracht; mir ist 
kein sach mein lebtag nie sauerer worden, von dem brief weiss 
kein mensch, dann der kaiser, der Schreiber, canzler und ich; 
der kaiser hat mir selbst verboten, ich sulle in den kamer- 
maister nit lassen sehen; aus was Ursachen, waiss ich nit; ob 
er vileicht. margravisch sein mocht? er zaigt sich aber doch 
gegen mir gut nurenbergisch. der alt margrave und Casmirus 
sind ser unbillig untereinander; ich halt, man werde im*) das 
regiment nemen und der kaiser wurd regenten setzen; ob es 
für euch gut sein wurd, waiss ich nit. der kaiser ist zu Vin- 
czencz am mittichen gewest und nit dabliben sunder ein meil 
weiter geruckt auf Beren. damit wil ich mich euch in eil be¬ 
fohlen haben, das wesen steet wild genueg und ist grosser 
mangel an gelt, geschriben mit eilen 10. octobris 1509. [Am 
Rande: zu Vinczencz.J 

[Eingelegter Zettel] 

von dem gelt allen hette mir k. mt. 300 fl. zugesagt, aber 
nicht gehalten; ich hab es alles hinaus müssen geben; ich sihe 
wol, das mein dienst alle verloren sein, damit wil ich mich 
euch befolhen hoben. 


') Nämlich wegen des Streifens. Vgl. den vorausgehenden Brief. 
Die Urkunde Kaiser Maximilians (Original im K. Kreisarchiv, Pergament 
mit anh. kais. Siegel, ist datiert vom 28 September 1509 („geben in unserm 
veldleger zu sanndt Helena vor Padua am 28. tag des monets Septembris“). 
Der Kaiser verleiht darin dem Rate die Verfolgung und Bestrafung der 
Strassenräuber und anderer Landfiiedensbrecher sowie ihrer Helfer inner¬ 
halb eines Umkreises von 20 Meilen um die Stadt zu rechtem Mannlehen. 
T. bemerkt in seiner Rechnungsablage über die Kosten: ausgebenn kaiser¬ 
licher maiestat für die belehnung dess straiffenns fl. 1000. Ueber die Vor- 
sichtsmassregeln, welohe T. für die Beförderung des kaiserlichen Briefes 
traf, vgl. sein nächstes Schreiben. 

’) d. h. dem alten Markgrafen. 


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A. Gümbel. 


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ich schick euch hiemit des kaisers brife, 1 ) moget ir wol 
mein herren zaigen, dabei sie merken, das ich nicht finanzen 
kan; aber behalt mir in dannoch, dann er ist mir zu andern 
dingen nuz. 

34. 

An die Aelteren Herren.*) Aus Trient. 1509, 

23. October. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz ge- 
fiissen dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben herren! 
euer schreiben bei Linharten Egerer, euerm boten, dess dato ist 
gewest an sant Michels tag,*) hab ich am 12. tag octobrfis] zu 
Vinczencz mitsamt eingeslossenen zettel des buntischen Ver¬ 
trags, 4 ) die vom Guttenstein betreffend, vernummen, welcher 
vertrag darvor bei 6 tagen k. mt. durch das regiment zu 
Insbruck zugeschickt warde, und wir des Wissens trugen, und 
so vil daraus vermerkt, das sich die k. wird von Yngeren vil 
ernstlicher dann die buntischen gehalten haben, aber man muess 
es got befelhen, dann es wurd an unserem hof dafür angesehen, 
das herzog Wilhelm sein nuz schafFen werd und ir mereren 
schimpf erlangen, so lass ich mich gedunken, das sich pfalz- 
grave Fridrich und margrave Casmirus ser zusamen tuen; got 
wolle, das sie nit etwas wider euch dichten; sie hangen k. mt. stets 
an und wurd des Lidwachers handlung in jederman wider euch 
gebild und, was wider euch gehandelt wurd, ganz vergessen, da¬ 
von ich e. f. vormals oft geschriben hab; ist an not zu verneuen. 

') Gemeint ist wohl der Brief, in welchem der Kaiser T. die 300 fl. 
zugesagt hat. Kr liegt nicht beim Akt. 

*) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eitern dess 
radts czu nurenberg. Darunter F[eria] 4 a post XI M virginum (24. Oct.; 
vgl. Briof 1, Anm. 3) 1509. Präsentierungsvermerk: presentat. per Erhärten 
Göler Sexta animaruin (= 2. November) 1509. 

’) Das Nürnberger Briefbuch vom 26. September 1509 bis 11. April 
1510 ist im Kreisarchiv nicht erhalten. 

*) Gemeint ist der am 21. September 1509 von den Vormündern 
Herzog Wilhelms von Bayern im Auftrag des Schwäbischen Bundes in 
Regensburg aufgerichtete Vertrag zwischen Nürnberg, Augsburg, Ulm und 
Isen einer- und deren Befehdern, Heinrich von Guttenstein und Heinz 
Baum, andererseits. Kopie in Ms. des Kreisarchivs Nr. 245, fol. 211b. Die 
Verhandlungen am Münchner Hofe wegen der Entschädigungsgelder für 
die Städte zogen sioh aber noch bis zum Jahre 1512 hin. 


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Berichte Toppiers. 


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item desgleichen der 4000 negel *) halben, die [ich] k. mt. 
zu grosser ir notturft behendigt und darzu noch 1000 aufge¬ 
bracht, wie ich dann vormals bei euern boten, Petter Leupolden 
und Rattelern, euch zugeschriben hab, in hoffnung, ir habt solch 
1000 negel bei Jeronimus im Hoff zu Augspurg erlegt, der wird 
von k. mt. oder mir weiteren beschaid darum finden. 

item so ist mir durch k. mt. gefertigt worden die belehung, 
so ir mir befolhen habt zu erlangen, und ist solch gelt alles in 
kaiserlicher mt. hand in iren grossen noten kummen und gar 
nichtz darauf finanzt, dann dem canzler sind 300 fl. worden für 
sein taxa und sunst in die canzlei und kameren 100 fl. von dem¬ 
selben gelt; und wiewol ich ein Zusagen hette von k. mt., das 
mir 300 fl. solten davon worden sein, so ist doch die not so 
gros gewest, das ich nicht hab mögen behalten; und wiewol 
mir k. mt. zugeschriben hat solch 300 fl. auf dem nechsten gelt, 
so ir werden sol, so weiss ich doch wol, das es wort sind. 

item von dem brief waiss kein mensch, dann der kaiser, 
canzler und ein secretari, der in geschriben hat, und ich, wiewol 
euer widerwertig ser fleisig sind und vil sollicitatores haben, 
ob dann etwas wider euch, mein an wissen, ausgieng, were wol 
muglich; dann wenn es der kaiser tuen wil, mag es wol ge¬ 
schehen, das ich darbei bin und dannoch nicht wissen mocht; 
doch so scheuhet man mich ser in eueren Sachen, wiewol man 
mich nicht verdechtlich heit ganz, aus Ursachen, das ich nicht 
an grund des rechten handel, aber furwar, ich kann den kaiser 
nicht anders dann gerecht vermerken; das aber ein comission 
für die vom Guttenstein hinter mir ausgangen sei, ist wol 
muglich; es hat mich auch wol geantett, das habt ir wol in 
meinem schreiben mögen merken; aber es ist euch nicht zu 
nachteil ausgangen, das mögt ir merken, das die vom Gutten¬ 
stein nit gebraucht haben, dann were es etwas guts für sie ge¬ 
west, sie hetten es wol gebraucht; darzu hat darnach k. mt. 
widerum an den bunt geschriben, auch den fürsten allenthalben 
gepoten, solchen zug nit zu verhinderen. 

item den haubtbrief hab ich Jeronimus im Hoff gen Augs¬ 
purg von mere sicherhait wegen durch Cunradt Fuchsen, k. mt. 
zalschreiber, zugeschickt und selbst gen Trient gefurt, dann an 


1 ) d. h. Gulden. 


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A. Gümbel. 


solchem brief vil gelegen sein wil und mir schwerer ist worden 
in form und sigel zu brengen, dann kein sach nie; und furcht, 
wo er nit heraus were, er kome numraer heraus aus vil Ur¬ 
sachen, so ir zu seiner zeit vernemen werdent. got hab lob, er 
ist in guter hand, er kumt sicher gen Augspurg; so hab ich 
Jeronimus im Hoff auch geschriben, das er solchen brief sicher 
herren Antoni Teczell zuschicke, dann an solchem brieve viel 
gelegen sei, doch ime die Substanz nit entdeckt, auch ange- 
zaigt, ob es gut were, das er in zu gueteren einslüge, das er 
dester sicherer zukome; ich hab in auch selbst here gefuret, 
dann man den boten zusezt; es ist auch dieser euer bot im her¬ 
ausziehen beraubt worden; wiewol im sein dinglich 1 ) wider wor¬ 
den, ist doch gluck gewest, 

item der handlung, mit doctor Kun mich nit weiter einzu¬ 
lassen, ist an not gewest mir zu schreiben, dann ich solchs an 
sunderen eueren befelhe nit tete; weste auch solchs nit zu raten, 
als sich die sach anlassen; darzu Hess ich mich nicht leichtlich 
merken, das ich so vil ansehens bei euch hette, aber das ich 
euch solchs zugeschriben, hab ich geton warnungweiss und, das 
ir daraus nemet, was euch gelibet, das ir auch wissen traget, 
was allenthalben gehandelt wurde, euer pestes zu brufen. 

weiter als ir mir anzeigt die eingriff, so die margravischen 
rete tun, ist zumal gut, das ichs wiss, aber ir wist euch in 
demselben wol zu halten, und ist besser, ir segelt nach der zeit, 
so vil möglich ist, dann der margrave kann nicht bleiben, so 
sind sein rete ser uneins, so haben wir in kein gelt zu geben, 
so hat er selbst nit vil, so ist der vater und sune ser uneins 
und Casmirus der regiret geren; wie es geen wurd, steet in 
grossem zweifei; der kaiser vermainet das regiment zu besezen 
und das sie im gelobt sein solten; was das auf im tregt, mögt 
ir selbst abnemen. das hab ich e. f. in eil nit wollen verhalten, 
mich denselben befelhende. aus Triendt, am 23. tag octobrfis] 1509. 

ich wil auch trachten, so vil mir möglich ist, bei k. mt. 
zu sein. 

item so sähe ich für gut an, das ir an herren Balthasaren 
Wolfen schribet, wie ir von Lienharten Gralant und mir ver¬ 
nummen hettend, das er sich gutwillig erzaigt hette und, so vil 

*) Eine fränkische Deminutivform von ding in collectiver Bedeutung, 
Lexer, Mhd. Handwörterbuch, unter dinglich. 


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Berichte Toppiers. 


191 


zu euer Verantwortung vil unpillichens zulegens gedient hetle, 
das bei k. mt. gefudert und ime des dank saget mit bitte, solcbs 
auch hinfure zu tun, als ir euch zu im versecht etc., wie ir bas 
wist zu tun, dann ich schreiben kann; hoffett ich, were nit 
unütz und ob er (!) nit nuzet, so tete im der rauche sanft; das 
schreib ich euch im besten, dann er ist ser um den kaiser; man 
muess dannoch den teufel auch zu Zeiten feieren, dadurch er 
minder schade etc. 

item günstigen, lieben herren! Hanss Rott von Nurenberg, 
ein beck und burger zu Lauf, hat mir im here 80 fl. gegeben, 
darum mein hantschrift empfangen, das ir ime oder seiner haus- 
frauen Margretten solch 80 fl. widerum geben wollet, die wollen 
ime e. f. widerum zalen; sollen durch mich in rechnung gelegt 
werden; ich versihe mich, er kumme vor fasennacht kaum haim; 
ich hab solch gelt im zu gut angeuummen, er mocht sunst 
darum kummen sein; so dorft der Gralant auch gelt, dem ich 
auch gelt geben hab. 

[Eingelegter Zettel] 

günstigen, lieben herren! ich solt euch vil neuer zeitung 
schreiben, so sind die leuft so selzam, das es zu vil ist; der 
Gralant hat euch geschriben. der kaiser ist am 17. tag zu 
Vinczencz eingeritten nach mittag, die pflicht von dem adel auf 
dem rathaus genuramen, die gelaut hat: wir schweren treu 
und gewar zu sein der k. mt., iren erben und nachkummen des 
haus Österreichs und der graveschaft. Tirol, und ist denselben 
tag noch aus der Stadt geritten 1 ) auf Beren ein teuczsche meil 
und den 18. tag geruckt noch zwei me[i]l, heist Schuave, und 
den 19. tag zu Beren eingeritten und am 20. tag von in die 
pflicht genuramen und denselben tag wider von Beren geschiden 
auf halben wege zwischen Vinczencz und Beren und solle here- 
kummen; wo das nit geschieht, so reit ich von stund zu im; 
ich bin here gen Trient vorangeritten, dardurch euer brieve 
dester sicherer herekome und ich auch; ich suech allen vorteil, 
der mir möglich ist, aber ich furcht, man werde mir einsmals 
uberzwerchs ziehen. 


l ) Als Gouverneur der Stadt liess er einen wenig zuverlässigen 
Mann, Fracasso Sanseverino, zurück. Ulmann, Aus deutschen Feldlagern, 
S. 362. 


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192 


A. Gümbel. 


35. 

An Anton Tücher und Anton Tetzel. 1 ) Aus Trient. 
1509, 23. October. 

Mein ganz freuntlich dienst zuvoran I günstigen, lieben 
herren! meine herren und ir habt mir in vergangen jaren 600 fl. 
in meinen hohen anligen gelihen, die mir zu grossem nuz ge- 
raicht, und euch allen darum hoch dankbar bin. nachdem aber 
ich mich verpflicht hab, solch 600 fl. in 6 jaren, den nechsten, 
die auf Katerine ausgeen werden, zu zalen und dess bürgen und 
selbstschuld meinen oheim, Jacob Hübner, meinen bruder Hansen 
Stromer, meinen vetteren Paulus Topler gesezt hab, auch wol 
billich were dem nachkome[n], dieweil ich aber bishere ge- 
mainer stadt handlung halben das merer tail abwesend gewest 
bin und zu meinen selbst Sachen daheimen nach notdurft nit 
hab sehen mögen und deshalben kein bar gelt für mich sparen 
oder legen, dann allein mein körn aufgeschut hab, das bei 
1000 summere laufen mag und aber bishere ich solch körn mit 
rat nit hab verkaufen mögen, dann es nicht gölten hat, darum 
ich keins hab verkaufen lassen wollen, so ist mein ganz fleisig 
bitte, ir wollet mir bei meinen herren noch 3 oder 4 jar frist 
erlangen, das sie mir und meinen bürgen und selbstschulden aus 
dem weg halten; ob ich in mittler zeit mein körn ein wenig 
mit rate verkaufe[n] mocht und, ob es eer geschähe, so wolt ich 
sie von stund an erberlich zalen und solches auch zu verdienen 
geflossen sein, dann sunst muest ich meinen merglichen schaden 
tun; ir mögt selbst wol merken, wo ich anheins were, das ich 
basser zu meinen Sachen sehen mocht; woe aber je mein herren 
solches Verzugs hohen beschwerde tragen wolten, so ist mein 
bitte, mir solchs furderlich wissen zu lassen, so wil ich besehen, 
wie ich das gelt aufbreng, solt ich halt meinen merglichen 
schaden tun, damit ich solchs zale. und hiemit wil ich mich 
euch befolhen haben, geben mit eilen zu Trient am 23. tag 
octobr[is] 1509. 


') Meinen sunder günstigen lieben herren Antonien tucher vnd 
Teczell losungherren dess radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a 
XI M virginum (= 24. Oktober; vgl. Brief 1, Anm.3) 1509. Präsentierungs¬ 
vermerk: present, per Erhärten golor Sexta animarum (= 2. November) 1509. 


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Beriobte Toppiers. 


19Ö 


36. 

An Anton Tetzel. 1 ) Aus Rovereto. 1509. 8. November. 

Mein ganz freuntlichen dienst zuvoran, lieber herre Antoni! 
es ist bei uns grosser mangel an gelt und fertigt sich jederman 
mit finanzen ab. herre Wilhelm und Albrecht von Wolfstain 
haben ein comission auf herren Adam von Freuntschperg und 
Ernst von Welda wider euch ausgebracht; hat mir heut der 
canzler angezaigt und ich hab dem Gralant derselben copi geben, 
euch zuzuschicken; sie ist haimlich gefertigt worden, aber der 
canzler hat mirs geoffent; ich hab mich nit parteiisch dürfen 
machen aus Ursachen, das ich ein zeug in den Sachen sein 
wuerde. aber mein rat ist, das ir euch ganz in die habtsach 
vor in nit einlast, auch kein meldung tuet, sunder allein anzaigt 
mit protestacion, in sie als comissari zu rechtlicher handlung nit 
zu bewilligen und das an solchen klagen vil gelegen sein wil, 
deshalben ir das recht vor k. mt. selbst oder irem kamergericht 
und niergenz anderst zu nemen schuldig seit, dann die hand¬ 
lung gros und schwer ist, auch holich und schwerlich durch die 
Wolfstainer furgenummen wuerd, und ir vormals auf dem reichs- 
tag gen Wurmbs furbeschiden seit, da der Wolfsteiner keiner 
gewest, wiewol ir dem tag ausgewart habt und durch sie in 
kosten gebracht; darzu so sei die k. mt. zu Vlm persönlich 
gewest, da die Wolfsteiner ir klag furgebracht und ir auch in 
gewertikait (!) k. mt. und der Wolfstainer, deshalben die k. mt. 
aller handlung bericht ist und ir wolt euch rechtlich nit weiter 
einlassen; ir solt euch auch gütlich in der haubtsach, das es 
aufgeschriben mocht werden und der k. mt. zugeschickt, nit 
lassen hören; dann ich sorg, es mocht euch sunst jergenz be- 
gegen, wie vormals dem bischove von Aistett geschehen ist, 
das man gelt daraus finanzen mocht. wir haben nit gelt, 
muessen die leut mit Schriften setigen; sie sind ganz muelich 
und halten k. mt. an, hat in k. mt. wilfaren müssen, sie zu ge- 
schwaigen; was euer mainung darin sein wurdt, mögt ir mich 

‘) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben herren Antoni Teczell 
losungherren dess radts ozu nurenberg, Darunter: F[eria] 4a post XI M 
virginum (24. Oktober; vgl. Brief 1, Anm. 3). Präsentierungsvermerk: 
per p. leupolt 13 novembr. 1509. 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVU. 13 


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194 


A. Gümbel. 


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wissen lassen eilends, k. mt. wurd gen Insbruck und da auf 
weihennachten einen landtag halten, darnach mit dem reich auf 
trium regum zu Augspurg oder Memmingen; ! ) wir hoffen grosse 
hilf zu erlangen, ist allein um die stette zu tun; den fürsten 
muess man gelt zugeben; ich las mich gedunken, man mach 
selzam bractica. 

item der margrave Priderich ist am vordergesteren hiefur ge¬ 
ritten, das es niemand gewist hat, aber ich halt, der kai[ser| 
hab sein gut wissen gehabt, und der bot, dabei euer Schrift, 
seiner stathalter eingriff betreffend, ime zugeschickt, ist sein zu 
Beren verfelt, also das ich ime den brief bei Petern Leupolden 
hab nach müssen schicken; wo er in erlauft, so wurd er im in 
antworten, wo nit, so brengt er in euch zu; wist ir euch auch 
wol zu halten, dann noch zu zeit bei k. mt. zu klagen und sun- 
ders nicht zu begeren, ist nit wol zu tun, so er aus dem land 
ist und villeicht auch nit vil gnaden bei dem kaiser erlangt 
hat; ist zu besorgen eben alsbald, das es für margrave Casmirus, 
der uns nicht holt ist, were; man müss in den Sachen schick¬ 
lich handlen; ir werdent euch wol darein wissen zu schicken, 
doch was meiner herren willen ist, das geschehe, margrave Cas¬ 
mirus ist zu Vinczenz; ich solt bei im sein gewest; ich hab 
aber solchs nit tun wollen; er sol bald wider an hof klimmen, 
item herzog Pridrich ist rate, sizt stets in reten, da ich, wo ich 
siz; ich hoff, er solt sein miid werden, damit wil ich mich in 
eil euch befohlen haben, geben zu Roverewt, 8. novembr[is] 1509. 

die kaiserin sol heut gen Vinczencz. ich halt, das et lieh 
rete solche beschwerde wider euch fumemen, dardurch vil klag 
wider den alten kommen und Kasmirus in das regiment. 

bedenkt alle sach und vergest des gemainen nuz nit dabei. 

[Eingelegter Zettel] 

item der adel geet darauf um, das sie das reich bei dem 
kaiser auf das zukünftig jare besolden, also wurde es allein auf 
die armen stette. es sind selzam leuft vor äugen. 

dem Petter Leupolden hab ich vollen Ion haimzulaffen zu¬ 
gesagt, das er eil. 


'} Der IteidhstBg wurde erst im März 1510 zu Augsburg eröffnet. 


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Berichte Toppiers. 


195 


37. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Freiburg im Breisgau. 

1510, 27. Dezember.*) 

Fursichtigen und günstigen, lieben herren ! mein ganz gut¬ 
willig und geflissen dienst sind e. f. bevoran berait! lieben 
herren I ich bin guter Zuversicht, e. f. haben numals aus Maincz 
mein schreiben und antwort auf euer schreiben 3 ) bei Erla, 
euerem boten, empfangen und vernummen, deshalben solchs zu 
verneuen an not ist. dann als der von Falkenstein und euer 
brobst iren abschid bei dem bisehove von Maincz nach dato 
derselben brief namen, sagt er inen, das er noch nicht der 

*) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben horren den eiteren dess 
radts czu nuronberg. Präsentierungsvermerk: per S. Rauschfer]. 

’) Zwischen dem vorliegenden und dem vorausgehenden Brief klafft 
eine zeitliche Lücke von über einem Jahre. T. war am 25. Januar 1510 
aus Italien bezw. Tirol wieder in Nürnberg eingetroffen, nahm dann, wie 
aus den Briefbüchern ersichtlich, im Frühjahr neben Kaspar Nützel an 
den Verhandlungen des Augsburger Reichstages teil, im Sommer treffen 
wir ihn in München und seit Ende Juni in Worms und Mainz. 

*) Das Schreiben Ts. aus Mainz liegt nooh nicht wieder bei unserem 
Akt. Der Ratsbrief, auf welchen er sich bezieht, muss der vom 21. No¬ 
vember 1510 (Briefbüoher Nr. 66, fol. 51 b) gewesen sein. Der Rat teilte 
ihm darin die Plünderung Nürnberger Bürger durch Hanns von Geislingen 
und Jörg Trümmer mit und ersuchte ihn dem Kaiser davon Mitteilung zu 
machen. (Hanns von Geislingen hatte der Stadt abgesagt, weil einer 
ihrer Söldner seiuen Bruder Georg bei Allersberg erschossen hatte. Er 
nahm darauf bei Oettingen die Nürnberger Kaufleute Hans Vischer, Georg 
Volkamer und einen jungen Schlüsselfelder gefangen. Am 23. Dezember 
1510 wurde er von Maximilian in die Reichsacht erklärt. (Achtbrief im 
K. Kreisarohiv, Kaiserpriv. Nr. 591.) Unter seinen Helfershelfern erscheint 
auch Götz von Berlichingen. Der Rat liess wieder, wie bei der Baum- 
schen Fehde (vgl. o.), alle auf diesen Handel bezüglichen Aktenstücke in 
einen, heute gleichfalls im Kreisarcbiv befindlichen Codex (Ms. Nr. 246) 
zusammenstellen, Er führt den Titel: Die Vehd vnd thattlichenn Zu¬ 
griff Hannsen vonn Gaislings vnnd seiner helffer wider einen Rate vnnd 
die irn geübt Vnnd was sich in zeit solcher Vehd durch gütlich tag- 
leistung vnnd in ander wege begebenn, wio auch dieselb vehd nachmaln 
enndlich vertragen vnd bericht worden ist. Das Titelblatt und das erste 
Blatt ist von Nikolaus Glookendons Hand verziert, der hiefür, zwischen 
4. Juli und 1. August 1520, 1 U neu und 10 Schillinge erhielt. Der be¬ 
treffende Eintrag der Stadtrechnungen lautet: item 1 8( n. 10 sh. Niclas 
Glockendon vmb ein Illuminierung des puchs Hannsen von Geissling an¬ 
treffend.) 

13* 


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196 


A. Gümbel. 


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grossen hilf halben gemess dem abschid zu Augspurg hette 
handelen mögen, angesehen, das er hett handelen müssen mit 
seiner landschaft vor (I) seiner selbst hilf halben wider die her- 
zogen von Sachsen. 1 ) aber er hett im furgenummen zu wil- 
faren k. mt. und achtet, er wurd ir auf dem tag jar und tag 
auswarten müssen, wolt er anders etwas fruchtbars für sie aus- 
richten. das verstee ich , das er verhoft, die canzlei in sein 
hant zu bringen und dadurch dem herzogen von Saxen wider¬ 
stand zu tun. und obgleich das furnemen, laut des abschids zu 
Augspurg, nit stat haben wurde, so stunde dannoch seiner mt. 
der schwebisch bund wol an, darum so mocht er raten, das der er¬ 
streckt wurde, wiewol er und sein stift dess über 100000 fl. kosten 2 ) 
trügen; er und sein stift hetten den bund nie in kleinen Sachen 
gemuet, als jezund geschehe; obschon drei oder 4 edel sein stifts 
feind werden oder auch ein grave, so hette er dannoch den 
bund nicht gemuet, sunder sich der selbst aufgehalten; das verstee 
ich auf euch, ob er im sin hab, in der erstreckung solchs zu 
furkummen. weiter zaigt er auch an, das vor zeiten kaiser 
Sigmund gearbet hette, nuer ein pfening auf jede person im 
reich zu slagen, aber er hette solchs nit erlangen mögen, aber 
er weste, das die Pucker durch das reich aus mere dann 2 dn. 
durchaus von jeder person hetten, darum so solt man in solches 
sehen, alle stedthendel, und der fürsten untertan, die verdürben 
dabei; es mocht sein, die von Nurenberg und Augspurg mochten 
solchs dulden, den kome es zu nuz, die hetten gros hendel, aber 
es were dannoch darein zu sehen, was er damit mainet, kan 
ich nit wol versteen; ich furcht, er sehe durch die flnger mit 
den strasrauberen, dann er ist landsfurst, ganerb, der oberst zu 
Lindtach, und Jobst Freund, der etwa der von Franckfurdt feind 
gewest, ist oft ganz allein bei im und hat vil gehairas mit im; 
ich furcht, er sei kein guter stadtfreund; das hab ich euch 
warnungweis nit wollen verhalten, dann mich langt an, das er 
euch nit gnedig sei aus Ursachen, das ir zu wol mit den her¬ 
zogen von Saxen verwont seit, auch euer puntsrat in reten den 

•) Ueber die langjährigen, erbitterten Kämpfe zwischen dem Erzstift 
Mainz und dem Kurfürsten von Sachsen um die Stadt Erfurt vgl. Burk¬ 
hardt, Das tolle Jahr zu Erfurt und seine F’olgen (Arohiv f. sächsische 
Geschichte, Bd. XII). 

’) corr. aus schaden. 


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Berichte Toppiere. 


197 


seinen nit zufalle; er hat sein rete hei k. mt. gehabt und sähe 
geren den reichstag zu Wurmbs; was aber daraus wurdt, steet 
zu got; dann ir dürfet auf kein reichstag schicken, so lang bis 
ich euch schreib, es were dann, das ich sturb, da mich noch 
got vor behüt. 

lieben herren I als ich gen Freiburg am nechsten suntag 
kummen bin, da hat euer brobst ein gnedig verhör bei k. mt. 
gehabt und ist ime angezaigt, doch in gehaim zu halten, das 
sich ir k. mt. nit versehen hetten, das er sobald widerkumen 
were, darum ime ein postpoten nachgeschickt, der sein verfelt 
hette. und were das die mainung, das, nachdem die churfursten 
alle,' auch Wurczburg und Bamberg, ir mt. zugeschriben hetten 
here gen Freiburg zu kummen, das er 1 ) mitsamt dem von Falken¬ 
stein widerum gehandelt und mit inen den bischoven von Trier 
und Collen gen Wurmbs auf der heiligen drei kung tag ge¬ 
bracht solten haben, da ir mt. gewislich sein wurdt und hie 
auf nechsten sant Thomas von Kandelberg tag ausreiten; es 
wurde der bischofe von Maincz auch kummen. das solt ich in 
geheim halten, als er tuet, dann hie wissen nit 6 person davon; 
und vermaint k. mt. zu Wurmbs mit den kurfursten und etlichen 
fürsten allein etwas austreglichs zu handelen, aber ich mag nit 
glauben, das die fürsten allein handeln werden, dann sie je 
vormals desgleichen zu Maincz nicht sich begeben wolten; ist 
wol wäre, das um dieselben zeit k. mt. nit selbst entgegen wäre, 
als die Venediger mit k. mt. den anstand machten. 

item an demselben suntag ist mir von Casparn Nuczellen 
ein grosser puschel brief bei einem Vlmer boten überantwort, 
der dato ist gewest zu Ulm am eretag nach Lucie, daraus ich 
nach der leng die handlung Hainrichen vom Guttenstein und 
Heinczen Baumen [betreffend] und was zu München gehandelt 
ist, auch durch die eueren, mit fleis aufgezaichent und dermassen 
gehandelt, das ich solchs nit zu verpessern weste, vernummen 
habe, das auch in solcher handlung nachmals euerm brobst in 
furderung der Sachen nit wenig ersprieslich gewest ist, dann 
man sich in die Sachen gar nit hette wissen zu richten allein 
aus den buntischen Schriften; so wist ir sunst wol, wee es an 
diesem hove zugeet. dann von kurz wegen: alsbald denselben 


') Nämlich der Propst, womit T. sich selbst bezeichnet. 


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198 


A. Giimbel. 


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tag ist die Handlung k. mt. furgetragen, dess k. rat. ein grossen 
unlust auf den von Guttenstein empfangen und befolhen ein 
befelhe auf herzog Wilhelm von Baieren und ein instruction auf 
herren Wilhelm vom Wolfstein zu stellen, zu handelen bei dem 
von Guttenstein, wie ich hiemit euch copi zuschick, 1 ) daraus ir 
vernemen werdent, was fleis euer brobst gehabt und die Sachen 
weiter dann in der vorigen comission bedacht, in der Zuversicht. 
w r ere die vorder comission recht gestelt gewest, herzog Wilhelm 
hette wol procedirt, ob schon Guttenstain ausserbliben were, 
aber solche comission und instruction ist von k. mt. noch nit 
gezaichent; versihe mich, sie werden dermassen in 2 oder 3 tagen 
gefertigt, dann kein fleis gespart wuerd. 

item so hab ich weiter aus des Nuczells Schriften vernummen, 
wie sich Schenk Kristoffel hab lassen hören, befelhe haben, ein 
einigung wider helfen aufzurichten und darum die alt nit er¬ 
strecken, das vileicht k. mt. etlicher, so jezund in bund sind, 
widerum darein zu nemen nit gefallen were, sollet ir wissen, 
das ich mich aigentlich erfaren hab, das k. mt. des willens ist» 
den bund oder aingung nit allein wider aufzurichten sunder auch 
zu erstrecken, doch etlich endrung darin zu machen, dann sein 
mt. irer rechtfertigung beschwerd tregt als mit dem abt zu Wein¬ 
garten und etlichen graven und hat geordent, das 2 aus dem 
regiment zu Insbruck darzu geschickt werden, und ist nit die 
mainung, das der bund gemindert sunder genieret werde und 
das die landvogtei Hagenaw und Ortnaw auch dareinkummen, 
das ich dann euernthalben auch geren sihe, dann ich verstee 
es dafure, das ir k. mt. solchs tun werde, damit sie dieselb land¬ 
vogtei dester baser behalt, wol ist vor äugen, den margraven 
heraussen zu lassen, aber so er darein begeren, wurd ime nicht 
abgeslagen, doch so wurd gleich darein gesehen, also das es nit 
zugee, als vormals mit euch und dem margraven, der da wil, 
das ir nit im bund seit, so er mit euch zu tim hat; darauf ist 
dannoch achtung zu haben. 

item so hat Nuczell auch geschriben, fleiss anzukeren, die 
achtbrief wider Hansen von Geisling zu erlangen; versihe ich 

*) Kopien noch bei den Briefen Die Instruction ist betitelt: Maximilian] 
Instruction was vnser Rat vnd des Reichs lieber getrewer Wilhelm vom 
Wolffstein mit dem Edeln vnnsrem lieben getrewen Heinrichen Hern zw 
Guiteusleiu von vnnseren wegen Reden vnd handlen soll. 


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Berichte Toppiers. 


199 


mich, wiewol mit beschwerd, in 3 tagen zukünftig zu erlangen; 
so wil ichs euch von stund an zuschicken. 

item so ist mir bei Spensiczer, euerm boten, ein schreiben 
von euch am 24. tag diss monats am cristabent zubracht, dess 
dato steet am freitag Lucie, 1 ) daraus ich erstlich vernummen 
hab die handlung mit Wirtenberg, die ich lob, und hab kein 
zweifei, die Sachen werden recht tun. 

item mere des Hansen von Geisling handlung, die mir ganz 
misfelt und furware auch k. mt., und ist gut zu merken die 
sehuel, von dannen solch gedieht kummen, aber es ist wol zu 
verwundern, das ir bei 20 bei seiner name gewest sind und 
ir keinen begreifen und zu straf brengen mögt, ir must euch 
furware ein wenig ein herz nemen; man sagt hie am hof dar- 
von, das ir kein forcht mere habt und euer schwerd schneid nit 
mere. ich schreib euch seinthalben nit mere, dann ich versihe 
mich, der achtbrief werde in dreien tagen fertig und das dato 
steet auf montag vergangen, lieben herren, man wurd euch vil 
gaukel vormachen, ob man euch in abfal brengen mog, aber ir 
must got und sant Sebold und euer vernueft und ein wenig ein 
herz bevornemen und fassen; hoff ich, alle ding werden in kurz 
besser. 

item des thungischen handeis halben nimt mich wunder, 
wie ir darhinter komendt, das ir dem bischof von Bamberg 

') Nürnberger Briefbücher Nr. 66, fol. 76a. Tnhali: Der Rat berichtet 
über die Sendung Kaspar Niitzels an den Herzog von Württemberg, 
um gemeinsam mit den übrigen Bundesständen die für den nächsten 
Reichstag festgesetzte Belehnung der Pfalz mit den Regalien zu verhin¬ 
dern, falls die eroberten Flecken hievon nioht ausgenommen würden. 
Gegen Hans von Geisslingen solle ein Achtbrief ausgebraoht werden. 
Der Rat drückt seine Befriedigung darüber aus, dass die Fehde der von 
Thüngen gegen Bamberg beigelegt und dadurch die kaiserliche Auffor¬ 
derung zur Teilnahme an den Zug vor den Reussenberg gegenstandslos 
geworden sei. In der Sache des Hanns von Gutten stein möge T. da¬ 
hin wirken, dass der kaiserliche Auftrag an Herzog Wilhelm von Bayern 
zur weiteren gütlichen Handlung in dieser Sache auf eine Zeit laute, 
während der auch wegen Haintz Baums beiin Münchener Hofe verhandelt 
werde; auch sollo ein entsprechender kaiserlicher Befehl zur Teilnahme 
an Nürnberg ergehen, worein aber die Klausel zu setzen wäre, dass alle 
kaiserliche Befehle, welche auf heftiges Anhalten der Gegenpartei ausge- 
gaugen seien, kraftlos sein sollen. Dat. freitags sant Lucien tag [= 13. De¬ 
zember] 1510. 


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200 


A. Gümbel. 


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helfen must die echter zu uberziehen und er euch doch nit hilft; 
ich hab nit gesehen, das er euch vil wider den Haintz Baumen 
geholfen hat, wiewol er in der echt warde. im leit nit vil daran, 
das er euch vil feind macht; er waiss wol, wie er mit euern 
leuten zu Bretfeld umgangen ist, ganz unkristlich etc., 1 ) aber ir 
mögt es aisleiden und, wer mere wider euch tuet, wurd der best. 

item wenn ich am hof jetzund nit were, halt ich furware, 
die buntischen wurden langsam ausgericht, man frag nuer den 
ulmischen boten darum; ir findet meinen fleiss aus ingeslossen 
copien auch die klausel förmlich inserirt, davon ir mir geschriben 
habt, daraus bei euch merers nachgedenken dann bei den bun¬ 
tischen gespurt mag werden, damit wil ich mich euch in eil 
befohlen haben, geben zu Freiburg im Bristkaw an sant Johans 
evangelisten tag 1511.*) 

item diesen briefe lasset den Nuczell auch lesen, damit ich 
im in sunder nit schreiben durf. 

item gesteren nach der vesper hat k. mt. auf den span des 
heiligen creuz bei den predigern geschworen, den neuen vertrag, 
so der von Gurk beslossen hat in Franckreich, 3 ) zu halten. 

item den Spensitzer, boten, hab ich bei mir behalten, dann 
ich mein brief nit jederman vertrauen darf. 


38. 

An die Aelteren Herren. 4 ) Aus Worms. 1511, 

3. Februar. 

Fursichtigen und günstigen, lieben herren! mein ganz ge- 
flissen und gutwillig dienst sind euch bevoran berait! günstigen, 

*) Pretzfeld, bambergisohes Dorf bei Ebermannstadt in Oberfranken. 
Weil die Bauern von Pretzfeld sich geweigert batten einen Metzger, der 
räudige Schafe geschlachtet hatte, an den bambergisohen Pfleger, Jörg 
Neustetter, auszuliefern mit der Begründung, dass sie das Recht hätten, 
den Metzger selbst zu strafen, überfiel der Pfleger mit 1000 Mann das 
Dorf und liess dort sein Volk wie in einem eroberten Flecken hausen und 
plündern (u. a. auoh die Kirohenschätze). Aoten der A: Laden im K. 
Kreisarchive, S. 1, L 36, Nr. 7. 

*) = 1510; vgl. oben. 

*) Gemeint ist der Vertrag von Blois; vgl. Ulmann II, S. 419. 

*) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben Herren den eiteren dess 
radts zu nurenberg. Präsentierungsvermerk: per S. Rauscher. Appolonie 
= 9. Februar] 1511. 


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Beriohte Toppiers. 


201 


lieben herrenl euer schreiben aus Nurenberg, am mittichen nach 
Agnetjis], 1 ) bei Sebolten Rauscher hab ich am 29. tag januarii 
hie empfangen und daraus vernummen, das ir mir auf mein vorig 
schreiben bei Pettern Leupolden, auch euerm boten, geantwort 
habt, die ich hie von im empfangen und in widerum zu euch 
verfertigt in hoffnung, sei numals bei euch, auch das euch und 
herren Antoni alle mein schreiben zukummen sind, und als ir 
mir in einer eingeslossen zettel schreibt herzog Fridrich halben 
auch das schreiben k. mt., die landvogtei betreffend, habt ir un- 
gezweifelt wol aus dem schreiben, so der canzler an mich tuet, 
und ich euch bei Petteren Leupolden zugeschickt, vermerkt, das 
ich nit gefeiert hab, aber ir habt recht geton und vortrechtiglich, 
das ir den von Wirtenberg gewarnt habt; ich hoff, die Sachen 
werden recht tun. der von Wirtenberg ist persönlich bei k. rat. 
gewest und sie geladen auf die hochzeit *) und alle notdurft auch 
mit im gehandelt, versihe mich, wurd in aigner person mit k. 
mt. mit 200 pferden gerust in welische land; dieweil dann k. 
mt. sein notdürftig ist, wurd sie sich auch mit im halten müssen; 
die pfalzgraven haben das vermögen nicht, es ist alle handlung 
auch durch die Pfalz bis zum reichstag, der nit wurd sein, auf- 
geslagen; aber sie wais dess nit. damit wuerd aus solcher hand¬ 
lung auch nit; ich lass mich gedunken, die Pfalz sei nit genaigt, 
k. mt. der landvogtei zu entweichen. 

item so begeren e. f. auch euch zu verstendigen, ob ir ein 
aigne botschaft zu k. mt. schicken solt, sie zu klagen, wie ir 
vernemt die von Augspurg geton haben, darauf ist mein rate, 
das ir solchs Unterlast, dann es tuet solchs kein furst, auch 
seiner aigner stette kaine; das aber die von Augspurg geschickt 

*) Briefbücher Nr. 66, fol. 121a. Inhalt: T. solle den Propst von 
St. Lorenz anhalten sich in Worms um einen tüohtigen Prokurator 
am kaiserlichen Kammergericht für die Stadt an Stelle des abgehenden 
Dr. Johann Rehlinger umzusehen. Da dem Vernehmen nach Herzog 
Friedrich und die pfälzischen Räte beim Kaiser wegen der Landvogtei 
neuerlich unterhandelten, solle er den Propst veranlassen, sich nach Worms 
an den Hof zu verfügen, um die Interessen Nürnbergs zu wahren. Der 
Rat fragt an, ob Nürnberg nach dem Vorgang Augsburgs eine Kondo- 
enzgesandschaft an den Kaiser anlässlich des Todes der Kaiserin 
Maria Blanka abschicken solle. Datum mitwoch nach Agnetis [22. Ja¬ 
nuar] 1511. 

’) Mit Sabina, Tochter Herzog Albrechts von Bayern. Die Hoohzeit 
wurde am 3. März zu Stuttgart gefeiert. 


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202 


A. Gümbel. 


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haben, ist nit allein von des klagens wegen, sundern das sie k. int. 
geren gen Augspurg brächten, auch das man sie für das kamer- 
gericht furgenummen hat von wegen des anslags, etliche jare 
an das kamergericht geordent, der in von k. mt. zu abslag irer 
schuld nachgelassen ist. es hört auch k. mt nit geren vil von 
ir 1 ) reden, darzu schickt ir, so wurd man euch anmueten, das 
euch vileicht nit füglich zu tun wurd sein; solt ir dann abslagen, 
so walt es Ungnaden, also das euch mere Ungnaden auf dem 
schicken steet, dann so ir nit schicket, aber das ist mein rat, 
so euch k. mt. iren tod verkündet schriftlich, 2 ) das ir ir mt. 
schriftlich klaget und sie bei euch begeen lasset, ir mt. das zu¬ 
schreibet verordent haben; also tuen im kurfursten und ander 
fürsten, so wil ich dem canzler auch für mich selbst auf der 
post zuschreiben, das ir des gemiits seit gewesen, ir ratspotschaft 
zu ir mt. neben mir zu schicken, aber ich hab solches wentich 
gemacht und das er euch k. mt. in sunderhait befehle, ich wil 
euch auch nit verhalten, das mich k. mt. unter 24 für einen 
der seinen in die klag geklaidet mit schwarzen, grobem tüchrok 
und brait cappen, wie dann ir mt. selbst tregt. und sind unser 
6 graven mit dem canzler, 6 rate und 6 aus der camer und 6 
von seiner mt. officier, also das die 24 und der kaiser ir klag- 
kleider altag tragen und haben also je ein capitel, wenn wir bei 
k. mt. sind miteinander; wenn wir nür gele ringle trugen, macheten 
wir ein judenschul,*) wie dann, ee ich von FYeiburg auszogen 
bin, des kaisers marschalk, dem Räuber, und dem canzler und 
mir durch doctor Sturczels tochter, Wolfen von Andlo weib, 
geschähe und auf ein zeit aufgeneet wurde, daraus vil gelech- 
ters entschunde. 

item ich sag e. f. auch sundern hohen dank, das ir in be- 

') Gemeint ist wohl die Kaiserin. 

*) Das war bereits geschehen. Unter dem 5. Januar 1511 hatte Maxi¬ 
milian aus Freiburg den am 31. Dezember 1510 erfolgten Tod seinor Ge¬ 
mahlin Blanka Maria der Stadt angezeigt und gebeten, seiner „lieben ge- 
mahel seel Bey euoh zu begeen vnd etwas gritz (1) nach zu tun“. (Or. 
im Kreisarchive, S. I, L. 79, Nr. 37.) Ein Kondolenzschreiben scheint der 
Rat nicht an den Kaiser gerichtet zu haben, doch liess er die Kaiserin 
an Freitag nach Pauli Bekehrung bei Hlg. Geist unter Aufrichtung eines 
wappengeschmückten Tabernakels und Aussetzung von St. Karlskrono 
„begeen“. Vgl. die Beschreibung der Feier im „Begencknusspuchlein“, 
des Kreisarchivs, S- 57 b ff. 

*) Die Juden mussten gelbe Ringe auf ihren Kleidern tragen. 


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Berichte Toppiers. 


203 


trachtuiig sant Sebolts und auf mein begeren jungfrau Teschin 
pfründ auf ein predicatur zu sant Sebolt gewentet habt, 1 ) erbeut 
mich solchs zu verdienen nach allem vermögen. 

item mere als ir mir schreibt mich zu erkundigen eines pro- 
eurator halben an des Rohlingers stat, hat noch wol zeit, bis 
ich zu euch kumme, dann Rohlinger hie ist; versihe mich auch 
nit, das er bald abziehe, aber eins doctor halben, so euch zu 
gebrauchen were, waiss ich furwar nit; ich find wenig geschickt 
leut und dieselben mag man nicht erzalen; die gelertsten, die 
ich für die geschicksten acht hie, sind doctor Priess, der ist auch 
alt 2 ) und unvermöglich, und doctor Diterich Risicheus darnach, 
der were wol zu gebrauchen; hat lang zu Ingoldstad gelesen;®) 
die von Strasburg stellen nach im; halt, werd sich daselbent 
lassen bestellen, dann geschickt, gelert und frum, getreu doctor 
sind schwer zu finden und zu erheben, damit wil ich mich 
e. f. befolhen haben, geben zu Wurmbs am 3. tag februarii 1511. 

39. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus St. Wolfgang. 

1511. 15. Dezember. 

Pursichtigen und günstigen lieben herren 1 mein ganz willig 
dienst sind euch bevoran beraitl günstigen, lieben herren! ich 

■) Die Testamentsvollstrecker der Dorothea Teschin, Bürgerin zu 
Nürnberg, hatten beabsichtigt, eine Movendelpfründe inLiohtenau zu stiften, 
hatten aber dann, als die Stiftung infolge Widerspruchs des Pfarrers zu 
Sachsen nicht zustande kam, auf Ersuchen des Rates das Geld der Se- 
balder Kirche zum Unterhalt eines Predigers zugewendet (Ratsverlässe 
vom 11. und 17. Januar 1511 im Ratsbuch Nr. 8, fol. 200a und 201 a). Am 
12. März 1511 verkaufte ihnen der Rat zu diesem Zwecke 40 fl. Ewiggelds 
aus der Losungstube (Stadtrechnungsbelege, Lade 10, Bund 2). 

*) Wie der im Ratsschreiben erwähnte Dr. Johann Letscher. 

“) Dietrich Reisach, auch Risicheus oder Risch genannt, wurde im 
Jahre 1498 auf Bitten der Herzoge Albrecht und Rupprecht von Bayern 
in die juristische Fakultät der Universität Ingolstadt aufgenommen, 1509 
kam er als Rat des Reichskammergerichts nach Speyer. Aus seiner Be¬ 
rufung nach Strassburg scheint nichts geworden zu sein, denn im Jahre 
1512 musste er sich in Speyer gegen schlimme Anklagen rechtfertigen. 
Prantl, Geschichte der Ludwig Maximilians-Universität in Ingolstadt- 
Landshut-Müuchen, Bd. I, S. 117 und Anm. 56. 

*) Adresse: Meinen sunder guenstigen herren den eitern dess radts 
czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Andree (3. Dezember; vgl. 
Brief 1, Anm. 3) 1511. 


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A. Gümbel. 


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hab k. mt. die grossen drangsal, so euch teglichs geschehen, 
entdeckt, darauf sie mir zu mererm malen geantwort: awe, das 
ist boess. darauf ich begert, an euch zu schreiben, wie ir dann 
mir geschriben habt und euch in gnedigem befelhe zu haben, 
dann wo ir mt. sie verlass, so werdt ir ganz verdruckt, darauf mir 
ir mt. geantwort, ich soll ein copi des briefs lassen stellen, so 
wolle sie solche hören, aber es sei nit stilus cancellarie. darauf 
hab ich die copi ganz inhalts, wie ir mir dann geschriben habt, 
gesielt und hat sie ir mt. gesteren gehört und gefeit ir also; 
und glaub genzlich, das ir mt. wol leiden mag, das ir den aben¬ 
teueren auch eins versezt und nit so ganz waichmutig seit, dann, 
wo ir nit anderst darzu tun, werdet irs nit wol endern. ich 
hab den Erla, poten, bei mir behalten und wurd der brief heut 
gewislich gefertigt. 1 ) das hab ich euch nit wollen verhalten, das 
ir einmal ein guts tätlein doch tun mocht. 

item so hab ich Jeronimus Imhoff geschriben, das er in 
meinem nomen 300 fl. Ulrichen Kussinger zu Augspurg entricht, 
bit ich, wollet daran sein, das im solch 300 fl. forderlich werden; 
ich hab meinem bruder auch darum geschriben. damit wil ich 
mich euch befolhen haben, geben [mit] eil zu Ischell 2 meil von 
sant Wolfgang am 15. tag dezembrfis] 1511. 

Erasmus Topler doctor vnd brobst etc. 

k. mt. reit heut zu sant Wolfgang und kumt noch heindt 
wider here; solle die heiligen zeit zu Lincz sein und darnach 
gen Augspurg auf den reichstag. ich halt, wir warten zu sehen, 
wie es mit dem babst und kung von Franckreich geen wurd, 
auch wie Mailand sich halten werde und die schweizer. 

*) Dieses Schreiben befindet sich heute im K. Kreisarchive (S. 1 L 79 
Nr. 10) und lautet: Ersam, lieben getreuen 1 uns langen tegliohn an 
inanicherlai beschedigüng und vergweltigung, so gegen euch und den 
eurn wider uusern und des reiohs landfriden gebraucht und furgenomen 
werden; dieweil wir aber genaigt sein, euch als unser und dos reiche ge¬ 
horsamen uudertanen vor solchn gwaltigen taten und vechtiehen be- 
schedigüngen gnediglich zu schirmen und bei recht und pillichait zu hand¬ 
haben, emphelchen wir euch ernstlich gebietund und wellen, das ir bis 
auf negchstkünftigen reichstag, so wir zu Augspurg halten werden, wio 
ir mögt, gegen solchn beschwerlichn zufeilen [euch] aufhaltet und uns 
alsdann solich eur beschwerung auf denselben reichstag furbringt, so 
wellen wir darinn wendüng tüen. wolten wir euch nit verhalten, geben 
zu Ysohl am XV. tag decembris anno etc. undeoimo, unseres reiohs im 
XXVI jar. (Auf Papier mit Verschlusssiegel.) 


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Berichte Toppiers. 


205 


40. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Linz. 1611, 

23. Dezember. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren! mein ganz gut¬ 
willig dienst sind euch bevoran berait! günstigen, lieben herren ! 
euer schreiben mit eingeschlossner copi, kai[ser] Fridrichs frei- 
hait zu erstrecken auf drei jar, hab ich bei euerm boten, Petter 
Leupolden, am 20. tag diss monats hie empfangen, dess dato 
ist gewest aus Nurenberg am eretag nach concepcionis, 2 ) und 
daraus vernummen, das ir mein schreiben aus Insbruck durch 
den Spansitzer empfangen habt und vermerk, das ir zu ganz 
vil sorgfeltig seit und, da ir nicht sorgen dorft, sorg tragt, dann 
ich hab k. mt. der drangsal, so euch teglich geschehen, lauter 
bericht, so schick ich auch euch hiemit den brief von k. mt. 
lauter von wort zu wort, wie ir in begert habt, daraus ir ein Siche¬ 
rung findet euers furnemens, 3 ) aber dannoch, so ist mein rat, das 
ir den Beringer machet und nit durch ein rat lasset geen, auch 
so vil es muglich were, wenig des rats darum westen; ob auch 
die kriegsherren auch nit alle darum westen, damit were un- 

l ) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eria] 4a post Andree (=3. Dezember, 
vgl. Brf. 1, Anm. 3) 1511. Am Rande: her L. Gruntherr, 4a post Andree. 

*) Briefbuch Nr. 67, fol. 240a. Inhalt: Der Rat wiederholt 6eine 
früher (am 22. November, vgl. Briefbücher Nr. 67. fol. 219) ausgesprochene 
Bitte, beim Kaiser dahin zu wirken, dass dieser ein Schreiben an die Stadt 
richte, worin sie zu kräftiger Abwehr der Placker aufgefordert wird, oder 
der Propst möge wenigstens eine „verwenung“ zu erhalten suchen, dass 
es der Stadt nicht zur Ungnade gereichen solle, wenn sie sich bei solober 
Gegenwehr einmal gegen den Landfrieden „vergriffe“. Ferner solle T. 
angesichts der wahrscheinlich bevorstehenden Achtserklärung des Be¬ 
ringer (der sich im nürnberger Gebiet aufhielt) beim Kaiser eine Ver¬ 
längerung des Privilegs Kaiser Friedrichs, seines Vaters, auswirken, wo¬ 
nach die Stadt nicht verpflichtet sein solle, Personen, welche mit ihr 
Handel trieben, wegen irgendwelcher gegen sie erlangten Rechte, Acht 
und Aberacht zu „bekümmern“ (= verhaften), datum eritag nach con¬ 
cepcionis Marie (= 9. Dezember) 1511. 

*) Gemeint ist der oben mitgeteilte kaiserliche Brief vom 15. De- 
zomber. Doch behielt der Rat die Sache der gewünschten „verwenung“ 
weiter im Auge und erlungte auch ein Privileg Maximilians, in welchem 
dieser unter dem 10. Juli 1512 den Rat von allen etwa begangenen Ueber- 
griffen und Verschuldungen wider den gemeinen Landfrieden, soferne sie 
sich doren in Abwehr mutwilliger Fehden und Feindschaften schuldig 


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A. Gümbel. 


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möglich, das ganzer stadt ein unrat daraus ensteen, wie ich auch 
lauter im rechten zu verantworten waiss, wie ich dann vormals 
mit dem richter zu Felden, dem Kergell, der sich in eueren 
flecken, wiewol ein erklerter achter, hielt, darum dorft ir so vil 
sorgfeltigkeit nit haben, dann so ir ein (!) Peringer machen last, 
wurd er darum dannoch so bald nit in die acht mit recht ge¬ 
sprochen, dann das kainergericht langsam mit dem sprechen ist, 
und, so er ein gewalt zu dem rechten schickt, mag sich der 
selbig jar und tag und gar vil lenger aufhalten; so wil ich auch 
daran sein, das vom hof kein acht ausgee. das ir aber vor dem 
harnen fischen, wolt geren haben ein erstreckung der freihait 
kaiser Fridrichs, das ir aechter hausen und hofen mocht, 1 ) acht 
ich für ganz unfruchtbar, dann ob ir die freihait schon hette, 
trug sie euch nicht fure aus zweien Ursachen, das der kaiser nit 
soll wider den landfriden und des reichs Ordnung ausgeben 
(wurde euch auch schwere zu erhalten), zum andern (das ich 
höher achte), das in den achturteilen mit einer sunder klausel 
solch freihait gegen denselben personen für dasselbig mal ab¬ 
gesprochen und derogirt wurd, deshalben ir solcher freihait 
halben wenig hilf haben wurdet, darum so hat solchs euer weiser 
Salamon nit wol betracht, aber also, halt ich, sei es besser, 
das, ob sich begäb, das der Peringer in die acht gesprochen 
wurde und sich darnach die handlung so ganz am tag erschunen, 
das wir der behausung und hofung halben keinen beschonen 
oder Verantwortung haben mochten, das wir alsdann ein solche 
freihait bei k. mt. (da ichs dann zu erlangen w r aiss) erlangten 
und das datum zwischen dem dato des ergangen achturteils, 

gemacht, ledig spricht. Geben in Masstricht am 10. tag des moneds Julii 
1512. (Or. im Kreisarchiv, Kaiserpr. Nr. 596.) 

*) Unter dem 28. Juli 1451 hatte König Friedrich III. dem Rate der 
Stadt Nürnberg das Privileg erteilt, dass dieser nicht verpflichtet sein 
solle, Gäste oder solche, die des Reiches Strassen zu oder von ihnen be¬ 
suchen, wegen erlangter oder erstandener Acht oder Aberacht zu meiden, 
sondern sie sicher und unbekümmert zu lassen. Dieses zuerst auf ein 
Jahr erteilte Privileg wurde vom Kaiser wiederholt verlängert. 

Der dem Propste zugeschickte Entwurf zu dom gewünschten Gnaden¬ 
briefe Kaiser Maximilians befindet sioh im K. Kreisarchive. Acten der 
A: Laden, S. 1, L. 74, Nr. 7. Er trägt auf der Rückseite den Vermerk: 
Copi ainer Erstreckung der begnadigung kaiser Fridrichs, das ein Rate 
cum bannitfis] mog comunicir[en] und gemeinsohafft haben vff 3 Jar, so 
der Brobst erlangen sol. Ist im zugeschickt concepcionis marie 1511. 


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Berichte Toppiers. 


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und der täte, so euch zugemessen mochten werden, in der frei- 
hait stellen Hessen, das were alsdann euch furtreglich; wo aber 
der Peringer in kain acht gesprochen wurde, so dorft ir der 
sorg nit; darum so nemt nit als vil fursorg und dret in die fues- 
stapfen euer eitern und seit nit als kleinmutig und verforchtet 
oder verlieret nit, das sie mit grosser arbet erlangt haben; sie 
sind furwar auch leut gewest, last euch nit irren, das die leuft 
jezund geschwind sein sollen, sie sind davor auch geschwind 
gewest, aber euer vorforderen haben mere herz und gotforcht 
auch vortrachtung dann ir gehabt; das, bit ich, wollet ganz herz¬ 
lich und guter mainung von mir verneinen, lasset nit hinder 
euch, das man sagen möge, das ir bei dem vorrate euch und 
gemainer stadt verforchtet oder verklaimüttet habet, das euer 
vorforderen bei minderm vermögen mit irem bluet und vermögen 
erarnt 1 ) haben und eins tags bei euern kinderen und nach- 
kummen bewainet mocht werden, ich bit euch, wollet solch 
mein schreiben] ganz guter mainung vernemen, dann ichs es 
je aus getreuen herzen schreib und mein gemuet ganz nit ist 
euch anderst, dann ich für gut ansihe, zu raten, und wollet 
solch mein schreiben bei euch ermessen; ich bin auch des sins 
nit, k. mt. um solch freihait anzuhalten, damit ich sie nit ver¬ 
drossen mache, so lang [bis] ich euer antwort verniem. k. mt.. 
versihe mich, wurdt heindt gewislich hie sein, als sie mir zuge- 
schriben hat, und widerum iergenz in den feiertagen von hinnen, 
ich mit ir auf München gen Augspurg, da wil ich auch alle 
notdurft mit euerrn gesanten reden, ich hab euch auch aus 
Ischell bei sant Wolfgangen geschriben, hoff ich, sei euch worden, 
damit wil ich mich euch befolhen haben, geben mit eilen zu 
Lincz, am 23. tag decembr[is] 1511. 

ich halt, wir werden um der heiligen drei kung tag zu 
Augspurg seien. 

4L 

An die Aelteren Herren.*) Aus Steyr. 1512. 23. Januar. 

Fursichtigen und günstigen, lieben herren ! mein ganz gut¬ 
willig und gewissen dienst sind e. f. bevoran! günstigen, lieben 

*) erarnen = einernten, erwerben. Lexer, Mlid. Handwörterbuch. 

*) Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F|eria| 4a post Convers. Pauli (= 28. Ja¬ 
nuar; vgl. Brief 1, Anin. 3) 1512. 


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208 


A. Gümbel. 


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herren! ich hab am 21. tag januarii zu Lincz ein schreiben von 
euch mit etlichen eingeslossen copien, betreffend ein ratslag, so 
durch doctor Letscher in den handlungen und sazungen, be- 
rurent die erben des Marschalks, dess dato was am eretag nach 
Erhardi, empfangen 1 ) und daraus vernummen erstlich, das ir 
befelhe Caspar Nuczell geben werdent auf den reichstag in 
handlungen, margrave Casmiro betreffend, die sich nit alle lassen 
schreiben, das ich auch also lass beruen. 

aber als ir von mir begert auf zugeschickten ratslag, durch 
doctor Letscher*) geschöpft, auch mein rat zu eröffnen, 
wiewol mir nit wol möglich ist, also über land von hendelen 

*) Nürnberger Briefbücher Nr. 68, fol. 14a. Inhalt: Der Rat über¬ 
sendet ein Gutaohten der „golerten“ in Sachen der Ansprüche der Erben 
Heinrich Marschalks von Raveneck gegen die Stadt wegen des Pfand- 
schillings auf Stadt und Amt Lauf. (Herzog Otto von Neumarkt 
hatte im Jahre 1480 Alexander vod Wildenstein die Hälfte des Schlosses, 
der Stadt und des Amtes Lauf um 1608 fl. Rh. versetzt. Diese Verpfän¬ 
dung war im Erbgang an Christine von Lentersheim und schliesslich auf 
genannten Marschalk übergegangen. Er und dann dessen Erben machten 
ihre Einlösungsforderung gegen den Besitznachfolger der Pfalzgrafen, 
den Nürnberger Rat, der Lauf im bayerischen Erbfolgekriege an sioh ge¬ 
bracht hatte, geltend, wobei die Frage zur Entscheidung stand, ob die 
Nutzungen, welche die Pfandinhaber bisher bezogen hatten, von der Ein¬ 
lösungssumme in Abzug gebracht werden sollten. Der hier erwähnte 
Ratschlag Dr. Letschers findet sich im Ratschlagbuch Nr. 1 des K. Kreis- 
archives, fol. 24 b ff.) Toppier möge sich gutaohtlich äussern. 

Den von den Hochstettern in Augsburg zu Gunsten Hans Wolframs 
ausgebrachten kaiserlichen Geleitbrief nach Nürnberg möge Toppier 
wieder „abbringen“. (Die Kaufleute Jörg, Ambrosius und Hanns die Hooh- 
stetter in Augsburg hatten im Sommer des Jahres 1511 versucht, einige 
Nürnberger Messingschläger zur Auswanderung nach Augsburg und zur 
Verpflichtung für ihren Messinghandel an der Etsch zu verführen. Die 
Nürnberger Meister, welche für dieses Handwerk ein Monopol bean¬ 
spruchten, wandten sioh klagend an den Rat, der die Auswanderung ver¬ 
bot. Die Hochstetter hatten gegen dieses Verbot ein kaiserliches Mandat 
an Nürnberg ausgebracht, sowie für den Messingschläger Hanns Wolfram, 
der dem Befehl des Rates getrotzt hatte, einen Geleitsbrief und Straf¬ 
freiheit erwirkt.) 

Nachdem der Baumeister Michael Beheim gestorben sei, möge Toppier 
versuchen, ob die Reichslehen, die er bisher als Pfleger der Findel¬ 
kinder getragen habe, zu Eigen gemacht werden könnten. Datum eritag 
nach Erhardi (= 13. Januar) 1512. 

’) Im Orig, unterstrichen, wie auch eine Reihe folgender Stellen, die 
eine starke Animosität gegen Dr. Letscher verraten. 


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Berichte Toppiers. 


209 


zu schreiben, doch so ist solcher ratslag und der grund des 
rechten vormals, ee wann Heinrich Marschalk tod ist, durch 
mich erstlich und nachmals durch den herren von sant Lorenczen 
angezaigt in gegenwertikeit aller euer doctor in euer canzlei 
und nit ursprünglich durch doctor Letscher, dann 
er vor a 1 beg den M ar schal k isch en zu[ge]legt hat, und 
darum lass ich solchen ratschlag ruen auf dem grund des rech¬ 
tens. es ist auch desselbenmals also vil mere durch mich ange¬ 
zaigt, das, wiewol dawider angezaigt werden wil, als solt der 
gebrauch allenthalben im reich gehalten sein, das denjenigen, so 
pfantschaft innen hetten, die nuzung nit abgezogen von der 
haubtsumma werden, das dem also nit sei, dann herzog Albreclit 
von München hab zu meiner zeit, da ich im gedient hab, die 
von Regenspurg gemuesigt, das sie ime ein grosse summa golts 
geben haben, allein aus der ursach, das sein eiteren ine das 
schulthaissamt versezt hetten und [sie] solchs genossen, des¬ 
halben er ine solchs nachmals in gestalt eines kaufs auf wider¬ 
kauf zugestelt hat, 1 ) dardurch die nutzung nit für wucherlieh 
geacht mochten werden; desgleichen hat bischof Philips von Bam¬ 
berg zu meinen Zeiten von den von Thann in ablosung des 
amts Cronach auch ein grosse nachlasung erlangt; der exempel 
west ich noch vil anzuzaigen; darum mag nit gesagt werden, 
das es ein brauch im reich sei; aber diejenigen, so ein sach 
beblumen wollen oder einer partei zulegen, mögen 
albeg wol ein färb finden, dannoch bleibt recht recht, 
aber so ich euch raten soll, ob ir euch von dem ordenliehen 
rechten dringen solt lassen, finde ich bei mir vil beschwerde, 


‘) Nach Striedinger (vgl. o.) war der Verlauf der Sache dieser, dass 
Herzog Albrecbt von Bayern-München zunächst im Jahre 1470 den Ver¬ 
such machte, das von seinen Vorfahren den Regensburgern verpfändete 
Schultheissenamt (nebst anderen ihnen versetzten Herrlichkeiten) ohne 
Entschädigung an sich zu bringen, indem er vorgab, die Pfandsumme sei 
längst durch die aus den verpfändeten Aemtern und Rechten gezogenen 
Nutzungen amortisiert worden. Darauf liess sich die Stadt aber nicht 
ein. Im Jahre 1479 wurde sodann die Verpfändung in einen Verkauf (auf 
Wiederkaufj verwandelt und bestimmt, dass die Wiederkaufssumme 11000 
Ungar, und 7700 rhein. Gulden betragen solle. Schliesslich, als Regens¬ 
burg den Schutz des Herzogs bereits angenommen hatte, gingen die Pfand- 
schaften gegen eine geringe Anzahlung an Lichtmess 1486 tatsächlich in 
herzoglichen Besitz über. 

ArchiyaUsche Zeitschrift. Noue Folge. XVII. 14 


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210 


A. GÜmbel. 


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das ir durch einen man so ganz sorgfeltig gemacht 
solt werden, als werdent ir nit mere in macht und 
must von haus lassen, und, wenn es damit ein ende nemen 
solt, das ir darnach rue gewunt, ob ir zwirent als vil tete, were 
ratlich ; wiewol, so ir gemainer stadt etwas begebt, nummer mit 
glimpf, so es auf ein scharpfe Verantwortung kummen solt, sich 
verantworten liess, dann ir der stadt vorgeer seit und dem 
rechten grund nach wider recht nicht begeben solt; ir habt 
vormals gemainer stadt sovil durch rat des Lecz- 
schers begeben, das euer nachk ummen in hundert 
jaren nicht bekummen werden, davon ich jezund 
nicht schreiben wil, aber solchs bis zu meiner Zu¬ 
kunft sparen und euch allerlei euer notdurft ent¬ 
decken, darein ir nach notdurft zu sehen geursacht 
werdent. 

beslislich kan ich euch nit raten, das ir einigerlein vertrauen 
auf den bischove von Bamberg setzt, dann er ist ganz wankel 
und wurd euch schedlicher sein, dann der margrave; das wolt 
ir nit mit gesellenden äugen merken; darzu solt ir euch von 
Ordnung des reichs nit dringen lassen, tuet ir es aber darüber, 
so rat ich euch solchs nit, aus merglichen Ursachen, die ich der 
federen nit vertrauen wil. wie mögt ir nuer so wankel und 
kleinmutig sein! ir habt mir geschriben, 1 ) ich soll bei k. mt. 
darvor.sein, das sein mt. nicht zu entledigung des Seckendorfers *) 
ausgeen liess; ich halt, das ir jezund geren sähet, das ir sein 
mit eren ledig werendt; die ganz weit spurt, das ir kein herz 
mere habt; wenn euer sach so ganz übel steet, so last uns nach 
anderen wegen gedenken, dann furware es wurd kein aufhoeren 
damit sein. 

item ir habt mir auch geschriben Hansen Wolframs wegen, 
der ein glait von k. mt. erlangt hat wider euer policei, des¬ 
gleichen der findelkinder halben, der pfleger Michel Pehaira mit 
tod verschiden ist, die lehen aigen zu machen; ist k. mt. von 
Lincz geruckt gen Wels und hat mich mitsamt den reten gen 
Steier beschiden, aber als ich dahin kummen bin, sind uns 

*) Unter dem 22. November 1611. Nürnberger Briefbücher Nr. 67, 
f. 221 a. 

’) Sebastian von Seckendorf, ein adeliger Plaoker. Der Rat liess ihn 
am 22. Januar 1512 mit dem Schwerte hinriohten. 


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Berichte Toppiers. 


211 


mere zukuramen, das sein mt. weiter und auf Salczburg und 
Augspurg ziehen, deshalben wir im nachziehen und, sobald ich 
zu im kumrae, so wil ich mit seiner mt. davon handelen, aber 
der lehen halben, aigen zu machen, kann ich euch nicht ver¬ 
trösten. k. mt. hat herzog Fridrich und etlich fürsten gen 
Nurenberg beschriben zu kummen, ist die mainung gewest, ich 
solt auch dahin kummen, hat auch herren Eitelwolf vom Stein 
dahin beschiden, was aber daraus wurd, waiss ich nit, dann die 
sag ist, wir haben ein guten frid und ich werde in euch zu 
Nurenberg verkünden, mocht auch sein, das der kaiser unge- 
warnt selbst dahin kummen mocht, darum so warn ich euch, 
aber ich kon euch noch nicht gewiss schreiben; 1 ) die handlung 
halten sich so wankel zu hof, das nicht darauf zu bauen ist. 
damit wil ich mich euch befolhen haben, geben mit eilen zu 
Steier am 23. tag Januarii 1512. 

item als ir begert, euch der leuft zu berichten, tete ich vil 
lieber, dann ir sehen mocht, aber ich schreib nit geren mere. 

lieben herren, sehet zu eueren selbst Sachen und last den 
heimlichen neid und ubermut, so ir untereinander tragen mocht, 
fallen und sezet euer gemuet zu got und euerm patron sant 
Sebolt und nemt euch ein herz wider euer feind, seit nit so zag, 
werlich got wurd euch helfen; euer feind und eintails euer 
widerwertigen nemen ein grossen müt von eurer klei[n]mutikeit; 

*) In einem (nicht erhaltenen) Schreiben an Anton Tetzel kam der 
Propst nochmals auf die vermutliche Ankunft des Kaisers in Nürnberg 
zu sprechen, worauf der Rat ihn unter dem 1. Februar 1512 um nähere 
Auskunft über die Zeit der Ankunft und, ob dem Kaiser eine Einholung 
in feierlioher Prozession genehm sei, bat (Briefbücher Nr. 68, fol. 32b). 
T. fand in der Tat nochmals Gelegenheit den Rat von der gewiss bevor¬ 
stehenden Ankunft Maximilians zu unterrichten (Ratsbücher Nr. 9 
fol. 268 b). Nach Ausweis der Stadtrechnungen ritt der Kaiser schon am 
3. Februar 1612 in Nürnberg ein und es wurde ihm vom Rate eine silberne, 
vergoldete „knorrete sohewren“ verehrt. Er verweilte dort ca. 3 Wochen. 
(Nach Le Glay, Correspondance de l’empereur Maximilien Ier et de Mar- 
guerite d’Autriche, Paris 1839, Bd. I, Nr. 366, befand er sich am 22. Februar 
schon in Windsheim („Vintzen“). Wie die Nr. 363 dieser Korrespondenz 
besagt, wollte er in Nürnberg vor allem die Differenzen zwischen Mainz 
und Saohsen wegen Erfurt beilegen.) Für die Kunstgeschichte ist Maxi¬ 
milians damaliger Aufenthalt deswegen bedeutungsvoll, weil der Kaiser 
Dürer für seine künstlerischen Pläne gewann. Toppier befand sich da¬ 
mals mit in Nürnberg. 

14* 


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212 


A. Gümbel. 


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glaubt mir, man sagt mer von euerem forchtsamen und nach- 
lesigem wesen, dann ir glauben mocht. 

günstigen, lieben herren, wollet solch mein schreiben ver¬ 
merken allein meiner treu nach und nit anderst, dann ich doctor 
Leczscher so feint nit bin, das ich seinen unlust, und er wol 
um mich verdient hat, gemainem nüz nachsezen wolt.. damit 
wil ich mich euch befolhen haben und, was ich in meinem 
herzen trag, bis mir got zu euch hilft, also bei mir tragen. 

42. 

An Hieronymus Ebner und Kaspar Nützel. 1 ) Aus 
Frankfurt. Vor 4. März 1512. 2 ) 

Mein ganz willig dienst sind 3 ) euch bevoran beraitl lieben 
herren! als ich here gen Franckfurt um 2ore nach mittag 
kummen, bin ich von stund an zu k. mt. gangen und hab mich 
lassen sehen; hat mir ir mt. zugesprochen und gefragt, ob ich 
icht von euch wiss; darauf ich ir mt. angezaigt in gehaim: als 
ich gen Wurczburg kumen bin, hab ich da verzogen, dahin ir 

') Adresse: Herren Jeronimus ebner altem herren vnd Casparen nuczol 
burgermaister dess radts czu nurenberg meinen sunderu freunden. 

’) Zum Verständnis dieses und der folgenden Briefe sei vorausge- 
scbickt, dass Maximilian bald nach seinem Absohied von Nürnberg (vgl. 
oben) die Aufforderung an den Rat gerichtet batte, eine Botschaft zu ihm 
nach Würzburg zu entsenden, um die nachbarlichen Irrungen mit Mark¬ 
graf Friedrich von Brandenburg und dessen Sohn Kasimir beizulegen. 
Der Rat beschloss unter dem 22. Februar 1512 Hieronymus Ebner und 
Kaspar Nützel (nebst dem Ratsschreiber Lazarus Spengler) abzuordnen. 
(Ihre Instruktion vgl. Ratsbücher Nr. 9, fol. 231 a f.). Sie fanden den 
Kaiser nicht mehr in Würzburg vor und ebensowenig in Gelnhausen; 
nachdem sie vollends erfahren hatten, dass keiner der Markgrafen beim 
Kaiser sei, kehrten sie nach Hause zurück. Unser Brief Nr. 42 aus Frank¬ 
furt war für die Gesandten, die in Gelnhausen zurückgeblieben waren, 
bestimmt, kam aber nioht in deren Hände und wutde von T. dann mit 
anderen Briefschaften direkt nach Nürnberg nachgeschickt. (Vgl. Brief 43.) 

Nachdem dieser Versuch an dem Nichterscheinen der Markgrafen 
gescheitert war, setzte Maximilian einen neuen Tag auf Oculi (!4. März) 
fest. Diesmal weigerten sich die Nürnberger ihn zu beschicken, weil die 
Aufforderung zu spät in ihre Hände kam, auch wegen der weiten Ent¬ 
fernung — die neuen Verhandlungen sollten in Trier stattfinden — und 
wegen der Erkrankung Markgraf Friedriohs, welche dessen abermalige 
persönliche Abwesenheit voraussehen Hess. (Vgl. Brief 45.) 

*) Im Or. wiederholt. 


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Berichte Topplera. 


213 


klimmen seit., als ich durch euch bericht bin, auf forderung ir 
mt. und, nachdem ir ein gewis wissen habt, das margrave Kas- 
mirus nit kummen werde und ir k. mt auch da nit gefunden 
habt, seit ir des gemuets gewest, wider anheims zu ziehen, sun¬ 
derlich aus Ursachen, das ir allein auf Wurczburg, inhalt k. mt. 
schreiben, abgefertigt seit; aber aus ansagen des bischove von 
Wurczburg seit ir vollent gen Gaillenhausen geruckt, in hoff- 
nung k. mt. da zu finden, und nachdem ir dieselben nit da 
gefunden und durch ir k. mt. schreiben, so sie an einen von 
Stams, den botschaften zugegeben, bericht seit, das ir mt. heut 
verruken werde, dermassen das sie ir mt. nit füglich betreffen 
wissen, auch Nuczell sunderlich zu den buntsreten verordent sei 
und in an gegenwertikeit des margrave Casmirus nicht ausrichten 
mögt, so habt ir mich gepeten, sie pei ir mt. zu entschuldigen, 
darauf sich ir mt. liess erkundigen, was die ursach were, das 
margrave Casmirus nit come, und gefunden, das der alt mar¬ 
grave in (1) ursach ist, darum das im k. mt. geschriben hat, 
[zu] im in aigner person nit zu kummen, deshalben im k. [mt.] 
widerum schreibt, zu kummen. und ist k. mt. des trost, euer 
Sachen werden recht von statten geen, und darum ist ir will, 
wie in mt. euch schreiben, das ir herekummt und ir mt. nach¬ 
folget, auch befelhen erlangt und gewalt auf den reichstag, so 
zukünftig ist, und wurd vileicht zu Wesell, Coblencz oder Trier, 
ir k. mt. schickt euch auch hiemit zu ein schreiben, so ir here¬ 
ziehen werdent, das ir ein tag zuvor der frauen von Hanaw zu¬ 
schicken sollet, dadurch ir mit sicherem glait versehen werdent, 
dann k. mt. ist gewarnt, das Hanss von Geisling um Franckfurt 
in der ordt sein solle; darum tuet euch aufsehens not. aber wie 
dem allen, so west ir ungezweifelt, was euch zu tun und lassen 
sei, und ich halt ganz unnortdurftig, das ir dem hof nachziehet, 
bis ir anders wissen habet, dann euch vil gefere darauf steet 
und were mein rat, wo ir je nit miteinander hinziehen werdent, 
das zum wenigsten der Nuczel heimzuhe, damit, er auf den 
pundstag kome, dann ich halt, der bundstag und der bund wird 
ein furgang haben. 

item gleich in der stund hat der grave von Czorn nach mir 
geschickt und mir angezaigt des margraven schreiben, der k. 
mt. schreibt, er muess ein tag laisten mit dem von Wurczburg 
und Bamberg auf reminiscere, auch sein rete auf den puntstag 


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214 


A. Gümbel. 


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schicken und zaigt ein ort an, wue, auch das er plod sei und 
nit kummen möge; wist ir wol daraus nemen, was er damit 
maint. und hat mir befolhen, das ich euch die brief, davon ich 
euch schreib, nit zuschick, bis wir morgen mit k. mt. um 7 or 
reden, und maint, man sol euch ein anderen tag setzen, des¬ 
gleichen dem margraven auf 14 tag, denn der reichstag wurd 
gewislich anfahen ganz bald, dann die kurfursten haben dem 
kaiser und vil fürsten zugesagt. 

item k. mt. hat den von Wirtenwerg und doctor Lamparter 1 ) 
ganz in gehaim in gegenwertikeit des von Czolleren gehört; ist 
ganz kurz gewest; ich stund von weitem, wolt nit zuhin dringen, 
aber der kaiser sagt mir darnach, das er mocht leiden, das euer 
einer auf den bundstag ziehe, dabei ich vermerke, das der bund 
für sich gee. 

item der kaiser zeucht morgen von hinnen auf Wisbaden 
und alle andere ding gen Wesell auf dem wasser. damit wil ich 
mich euch in grosser eil befolhen haben, geben zu Franckfurt 
um ailf or 1512. 

item was weiter furfelt, wil ich euch mit einem aigen boten 
zuschreiben und, ob ir anheims ziehen wurdet, das euch solcher 
bot anheims betreffe; wist ir wol euer entschuldigung zu tun. 

item, lieben herren, in euerm raisen sehet euch wol für und 
traut nicht, bewjaret]*) euch wol, dann ich schreib euch aus 
treu; ir wist wol, das ich mir nit liderlich furcht. 

43. 

An die Aelteren Herren. 3 ) Aus Wesel. 1512, 

4. und 5. März. 

Fursichtigen und günstigen lieben herren I mein ganz gut¬ 
willig dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, lieben herren! 
ich hab aus Frankenfurt herren Jeronimus Ebner und Casparen 
Nuczell geschriben, wie k. mt. des willens gewest., sie [zu] be- 

') Wiirttembergischer Kanzler. 

*) Loch im Papiei. 

*) Adresse: Meinen sundergunstigen lieben herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg. Darunter: F[eriaJ 4a Michael[is]. [Das wäre der 
29. September. Michaelis ist wohl verschrieben statt Matthie, 24. Februar.] 
Vgl. Brief 1, Anm. 3) 1512. Präsentierungsvermerk: presentat. perTanöffel [?] 
Sontag Oouli [14. März] 1512. 


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Breichte Toppiers. 


215 


rufen aus Gaillenhausen, das sie ir mt. nachriten, die hrief dann 
dasselbigen mals verhalten wurden mitsamt einem schreiben an 
die von Hanaw, sie zu glaiten, die ich euch hiemit zuschick 
und ir wol oeffen und lesen mögt (aber auf dasselbig mal ich 
ine riete anhaims zu reiten aus vil Ursachen, [die] ir ungezweifelt 
von ine mitsamt meinem schreiben vernumen habt) und nach¬ 
mals ir mt. ein ander schreiben, an die margraven getone, auf 
oculi bei ir k. mt. in eueren irrungen, auch geschickt auf den 
reichstag [zu] erscheinen, das der margraven boten ungezweifelt 
dem margraven überantwort und um die zeit, als euer botschaft 
von Gailenhausen abgeschiden ist, der bot in sein handen ge¬ 
habt; aber diese gegen wertige[n] brieve mitsamft] dem kaiser¬ 
lichen] glait, so ich euch auch hiemit zuschick und erst hie mir 
überantwort sein, hat der bot nit wollen annemen, euch gen 
Nurenberg zu fertigen, wiewol die in ein copert eingemacht 
warden und ein Überschrift darauf gemacht durch den graven 
von Mansfeldt mitsamt einem schreiben an margrave Fridrichen, 
dess gfnaden] sie an den Furer gen Nurenberg schicken solt, 
der euch sie nachmals hette überantwort, nuen mag ich wol 
glauben, das euch schwere genueg sein wurd so weit zu 
schicken und nachzuraisen, sunderlich dieweil der tag steet auf 
oculi und diese brive euch so spet zukummen, auch k. mt. auf 
heut von hinnen gen Coblencz zeucht und da nit verharren 
wurd, sunder stracks gen Trier, da der reichstag sein solle; 
darum so mögt ir euer aufmerken haben, wenn der margrave 
auf sein wurd, so euch anderst geliben wolt auch zu ziehen; 
wo nit, so solt ir allerding an k. mt schreiben, wie spat euch 
solch schreiben überantwort und wie geferlich und unsicher 
euch so weit zu wanderen sei, auch von eueren widerwertigen 
die kaiserlichen schreiben veracht, auch das ir gewiss Warnung 
gehabt, wo euer botschaft gen Franckfurdt von Gaillenhausen 
verrückt were auf ir k. mt. berufen, das sie zwischen Gailen- 
ahusen und Franckfurt nidergelegt werden (dann k. mt. hat 
dess auch selbst ein Warnung gehabt), also solt ir euer abwesen 
bei k. mt. entschuldigen, das ir vil baser, dann ich schreiben 
kan, tun mögt; ir mögt auch euer aufsehen haben auf Bamberg 
und Wurczburg mit irem ziehen oder schicken, ich furcht, k. 
mt. werde vileicht zu Trier auch nit lang bleiben, sunder auf 
Mecze; ich verstee der leuft je lenger je minder, ich mag wol 


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A. Gümbel. 


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leiden, das ir euer boten oft auf mich last laufen, dann die der 
enden nit wol zu bekummen sind und ich nit wol vertrauen 
mog jederman. item der von Wirtenberg, plalzgrave Fridrich 
volgen k. int. nach und sind stets bei ir und Wirtenberg weret 
sich des bunds, am maisten aus der Ursachen, das er Eslingen 
geren untersichbraecht und alle sein rate fallen im zue ausge- 
nummen der von Nippenberg.M item k. mt. hat ein misfallen 
getragen, das der margrave nit gen Gailenhausen gekummen 
ist; hat im auch das zugeschriben, und ist kein andere hinde- 
rung gewest, dann das der alt margrave das gelt haben wolt 
und furcht, wo die sach gericht werden, so mochten sein sune 
wider seinen willen regiren; es hat auch % der alt den sune bei 
k. mt. verklagt und gesagt, die von Nurenberg sein frum leut; 
das hab ich euch nit wollen verhalten, darzu so finde ich kein 
mensch an dem hof, das (!) nit wol von euch rede und wurdet oft 
vor k. mt. gemeldet von inenniglich, das sie im ganzen reich 
nie baser, dann bei euch gehalten sind worden, damit wil ich 
mich euch befolhen haben, geben mit eilen zu Wesel am Kein 
oben am donerstag den 4. marcii 1512. 

item am 5. tag marcii sind wir zu Coblencz gebliben und, 
darum der bot vom hof nit abgefertigt wurde, hab ich den briet 
müssen verhalten, und hat k. mt. die von Collen abgefertigt 
hie, das sie anheims ziehen und gewislich ir botschaft in 10 
oder aufs maist in 14 tagen zu Trier haben auf dem reichstag 
und zeuhet k. mt. auf morgen auf des von Triers schiff die 
die Musell aufhin auf Trier und kumt in 5 tagen nit dahin, 
dann zu wasser 32 meil dahin ist. damit wil ich mich euch 
befolhen haben, aus Coblencz am 5. tag marcii in mitternacht 
1512. 

item heint sind k. mt. die brieve, die Hochstetter betref¬ 
fend überantwort und ob sie, ee wann ich euch zuschreib, aus 
procureien widerum schreiben zu[weg]brachten, so nemt ein be¬ 
denken darauf und zaigt in an, das ir deshalben k. mt. auch 
mir darum geschriben habt und wart antwort und last euch nit 
also liderlich schrecken. 


’) Sebastian von Nippenberg, Haushofmeister Herzog Ulriehs. 


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218 


A. Gümbel. 


goren, so mögt ir dannoch, wir ir wolt, tun, dann rogatus rogo. 
darnach so hat gesteren Melchior Pfinczinz k. mt. euer schreiben 
nach der leng gelesen, so ir deshalben an ir mt. geschriben habt, 
darauf ir mt. gantwordt, es sei gut und im solchs schreiben zu 
sein hauten haisen geben; also ruet derselb handel und ir dürft 
solchem schreiben kein volg tun, dann es ist ein finanz; wir 
wollen es albeg wol verantworten, aber gut were, das ir mir 
zuschickt abschrift der kaiserlichen schreiben auch euers Schrei¬ 
bens an k. mt., damit ich, ob man etwas mere handlen wurde, 
in zu begegen west, ir solt auch wissen, das der Gabler, 1 ) euer 
burger, in aigner person zu Winsheim das erst heftig schreiben 
erlangt hat, darum er billich zu strafen were, dann er schuldig 
ist seiner burgerpflicht nach euer pollicei zu halten und nit ent¬ 
gegen zu arbeiten, das hab ich e. f. nit wollen verhalten. 

item hieher gen Trier sind wir kuinmen am 10. tag diss 
raonats und mit uns der herzog von Wirtenberg und von Brawn- 
schwig, so mit im ist, und pfalzgrave Fridrich von Baiern. item 
so ist der von Trier gestern auch herekummen, sunst ist kein 
furst hie, ich kan euch nit schreiben, wer mere kumt; wir lassen 
uns nit anderst merken, dann als gee der reichtag für sich, 
aber gestern ist der furrir gen Luczelburg geritten und sol 
besehen, wie fil man da unterbringen mag; die leuft sind selzam. 
so ir, mein herren, schicken wurdent, so seit darauf gedacht, 
das ir ein abschrift der Zustellung der baierischen flecken halben 
mit euch brengt oder die zum wenigsten mir zuschickt, ob die 
pfelzischen etwas üben wurden, das man in widerstand tun 
mocht; ich waiss nit, wie sovil hie unterkummen mögen; gut 
herbrig sind teuer und alle narung auf das teuerst. 

item die gewaltbrief auf den bundstag sind vor 5 tagen erst 
gen Augspurg auf der post geschickt und Wirtenberg weret sich 
darein zu kummen, aber k. mt. heit sich recht, damit wil ich 
mich euch befolhen haben, geben zu Trier, 13. marcii, samstag 
vor oculi 1512. 

k. mt. wil aller ding der kurfursten hie erwarten; er ist 
heut auf das waidwerk ausgeriten und heint widerkummen. 

‘) Stephan Gabler, ein Diener der Höchstetter (vgl. oben). 


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Berichte Toppler6. 


219 


45. 

An die Aelteren Herren. 1 ) Aus Trier. 1512, 26. März. 

Fursichtigen und günstigen lieben Herren! mein ganz ge- 
flissen und gutwillig dienst sind e. f. bevoran berait! günstigen, 
lieben herren! euer schreiben bei Peter Leupolden, euerem 
boten, von euch am eretag nach reminiscere ausgangen, 2 ) hab 
ich hie am mittichen vor letare empfangen und vernummen und 
darauf diesen boten hie behalten, ob etwas eilents furfil, euch das 
zu berichten, also ist auf freitag darnach der Kleindienst, des 
margraven boten, mit briefen an k. mt. kummen, die ange- 
zaigt haben sein krankheit dermassen, das er das heilig sacra- 
ment empfangen hab, und sich darauf entschuldigt, das er nit 
kummen mag und euer irr halben, dieselben hinzulegen, ver- 
maint er, ir habt kein ursach, euch zu beklagen; wo ir aber je 
klagen wolt, das er vil mere ursach hette dann ir etc.; und 
sich damit seines aussenbleibens entschuldigt ; solch sein schreiben 
verstee ich euch zu nachtail, das er euch geren kleger machet, 
darauf hat im k. mt. geantwordt, ir mt. trag im seiner blodikeit 
mitleiden mit begere, so es bald besser wurde, das er here auch 
auf den reichstag klimme, woe nit, das er sein treffenlich und 
volmechtig botschaft schick; und ist markgrave Casmirus darum 
nit genent worden, zu vermeiden den argwon, so er hat, das im 
margrave C[asmirus] das regiment zu benemen vermaint; also 
ist Klaindienst, der bot, denselben tag abgefertigt, darnach hat 
k. mt. in gehaim selbst mit mir geredt, ob ir nit kummt oder 
auf dem weg seit; hab ich ir mt. angezaigt, das euch euer brief 
noch nit wol überantwort mögen sein, dann sie lang weg zu 
schicken verhalten sind, desshalben ich kein wissen haben mog; 
aber ich trag die fursorg, so mein herre der margrave nit kumme, 
darauf ir ein aufsehen haben werd, so werdent ir auch verziehen, 

') Adresse: Meinen sunder günstigen lieben herren den eiteren dess 
radts czu nurenberg in ir handt. Darunter: F|eria] 4 a post Letare 
(— 24. März; vgl. Brief 1, Anm. 3) 1512. Präsentierungsvermerk: per 
Peter Leupold 5a post Judica (= 1. April) 1512. 

’) Briefbiioher Nr. 68, Seite 80b ff. Inhalt: Nachdem Markgraf Fried¬ 
rich von Brandenburg schwer krank sei, möge T. beim Kaiser dahin 
wirken, dass für die Verhandlungen zwischen Brandenburg und Nürnberg 
einstweilen kein weiterer Tag angesetzt werde. Datum eritag naoh Re- 
miuisoere [= 9. März] 1512. 


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220 


A. (jümbel- 


dann an ine were unfruchtbar zu handlen; aber mir zweifelt nit, 
ir werdent euch albeg fleissen k. mt. willen in allem dem euch 
tuelich sei; ist k. mt. von mir gangen und kein antwort darauf 
geben, darnach ist Villinger zu mir kummen und hat sich ganz 
freuntlich erboten und gesagt, im sei zu Nurenberg ere erboten 
und kund er euch furderen, das sei er genaigt. bei dem Villinger 
ist Vlrich Pfinczing, 1 ) den er aushelt am hof, darauf ich aus vil 
Ursachen, die ich nit schreibe, wenig glaubens seze, dann er 
gross zerung tuet und das aufheben nit hat und mit seinem 
herren vil finanz suecht, also das ich furcht, es geschehe auf 
etlich finanz auf euch und vileicht in den Sachen, dann sie 
haben vil griff, die ich nit aller denken kann, darnach zu abent 
ist pfalzgrave Ludwig hie eingeritten und k. mt. im persönlich 
entgegen, darnach am samstag hat k. mt. befohlen und ein 
aigen boten abgefertigt an Bamberg, Wurczburg, Aistet, die 
drei bischove, und ine geschriben, wie vil fürsten ankummen 
sind und das sie sich furderen auch auf den reichstag. hat wol 
der bischove von Bamberg sein boten hie gehabt und gebeten, 
ine solchs zu erlassen, aber k. mt. hat solclis nit wollen tun. 
item in sunderhait ist bei demselben boten widerum an bede 
margraven geschriben, das sie bede oder ir ainer herefuegen 
soll, aber hie ist niemand, dann die fürsten, davon ich euch vor 
und jetzund geschriben hab; also hab ich furkummen, das nit 
weiter an euch geschriben ist, aber dannoch, solt Bamberg, 
Aistet, Wurczburg in aigner person kummen, mocht ich raten, 
das ir auch schickt; ich furcht, schickt, wen ir wolt, man werd 
wenig dank verdienen, dann man schemt sich an unserm hof 
nicht anmuetens; so man dann nit gleich tuet, was man wil, 
so gilt es als nit. auf denselben samstag ist k. mt. von hinnen 
einzlich geritten und alle sein rete und secretari hie gelassen 
und am montag darnach 4 meil von Mecz gewesen, dahin 
geschickt und um ein anlehen auch etliche raisige pferd, 
damit ir k. mt. sicher daumb wanderen mocht, [gebeten], das 
sie aber bedes k. mt. abgeslagen aus der Ursachen, das sie ein 
freie Stadt haben; also hat k. rat. widerum keret und ist auf 
heut zu Luczelburg, der herzog von Wirttenberg mit ir mt., 

') Ein Bruder Melchior Pfinzings. In Nürnberger Katskorrespondenzen 
wird er gleichfalls kaiserlicher Sekretär genannt. Toppler scheint ihm 
nicht geneigt gewesen zu sein. Vgl. unten. 


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Berichte Topplera. 


221 


der dann ir k. mt. anhelt um ein guldenzoll auf die neckerwein 
und, als ich mich versihe, wurd er, was er wil, behaben, des¬ 
halben zu hanthaben, ich glaub, das er des bunts noch 
wol bedürfen wurd. darnach hat mir euer bot, der Spen- 
sictzer, auch ein schreiben von euch am donerstag unser liben 
frauen verkundung tag zugebracht, dess dato was am eretag 
vor letare, 1 ) das ich also vernummen mitsamt den eingeslossen 
copien der brieve von Casparen Nuczelen, auch einer eingelegten 
zettel, betreffend Simon im Hoff, seines burgerechten halben 
und die bestallung doctor Wilhelm Reichenpach. und erstlich, 
als ir mir schreibt zufurkummen, das nicht ausgee des slos 
halben Haimsburg für Jacoben Brantner, solt ir ungezweifelt 
[sein], ich wil kein fleis sparen, damit euer wil geschehe; ich 
kann euch auch keinsweg geraten, das ir euch mit ichten ein¬ 
last, und, ob euch k. mt. schon schreibt, muest ir darum nit 
gehorsam sein und das euer begeben; k. mt. kan niemant ver¬ 
sagen ; so sind der procurator so vil, das dannoch zu Zeiten uber¬ 
zwerch brief ausgeen; ir dürft euch darum nit ungnad besorgen; 
k. mt. antwordt numals in eueren Sachen mit den Hochstetteren, 
er bette zu begeren und ir zu tun und zu lassen; darum wenn 
[euch] etwas deshalben zukome, so dürft ir im kein volg tun 
und entschuldigt euch frei auf mich, dieweil ich euch selbst 
nicht zuschreib. 

item auf k. mt. erfordern in den margrevischen hendelen 
hab ich euer entschuldigung vernummen mitsamt dem schreiben 
an ir mt.;*} solchs wil ich auch bei ir muntlich tun; habt ir 

') Nürnberger Briefbuch Nr. 68, fol. 89 tf. Inhalt: Falls der pfälziseho 
Hofmeister Jacob Pranndtnor beim Kaiser Ansprüche auf Schloss Hoim- 
burg geltend mache, solle T. dem entgegenarbeiten. Der Rat iibor- 
schicktein Entschuldigungsschreiben für den Kaiser wegen Nicht beschiekung 
des zur Beilegung der Streitigkeiten mit Brandenburg angesetzten 
weiteren Tages, da keiner der Markgrafen persönlich am kaiserlichen Hofe 
sei. Uebersendet Bericht Kaspar Nützels über die Vorgänge auf dem 
Augsburger Bundestag und ersucht den markgräflichen Bestre¬ 
bungen wegen Eintritts in den Bund unter besonderen Bedingungen ent¬ 
gegenzuarbeiten. Falls Simon Imhof sein Bürgerrecht nach Vorschrift 
aufgebe, solle ihm das gestattet sein. Uober Dr. Wilhelm von Rei¬ 
chenbach, welchen der Rat in seine Dienste nehmen wolle, solle T. 
Erkundigungen einziehen. Datum eritag nach oculi (= 16. März) 1512. 
(Das von T. angegebene Datum ist mit diesem identisch.) 

’) Abschrift in Nürnberger Briefbücher Nr. 68, fol. 88a ff. 


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222 


A. Gtimbel. 


auch hievor vernummen von mir, wie es um den margraven ge¬ 
stalt ist; on not zu repetiren, dann allein, das in eueren Sachen 
vortrechtig gehandelt muess werden und sunderlich, so etwas 
bei k. mt. gehandelt sol werden, dann, ee euch solch schreiben, 
darauf ir mir jezund antwordt, von k. mt. zugeschickt warde, 
wolte Melchior Pfinczing, der furwar euer Sachen meines Ver¬ 
stands gut maint und ich in für aufricht acht, vil eins anders 
wesens dann sein bruder Vlrich, je bei k. mt. anbringen, das 
euch in demselben schreiben ein stilstant geboten were worden 
mittler zeit, das ich euch weste unleidlich sein und verkome[n], 
das davon kein meldung geschähe; er vermainet, es were sere 
gut für euch, aber ich bedacht den vorteil, so margrave damit 
erlangt oder ir zum wenigsten in euerm rechten mocht verhin¬ 
dert werden, das zaig ich euch darum an, das ser wol zu be¬ 
denken ist, wie und durch wen ein sach bei k. mt. angebracht 
oder gehandelt sol werden lind wohin sich die Sachen ziehen 
mögen, dann jederman an dem hof sein vorteil suecht. item so 
hab ich aus euerm und auch des Nuczells schreiben vernummen, 
was Vorteils margrave sucht in den bunt zu kummen, auch wie 
rechtgeschaffen sich herre Paulus in denselben handelen heit; 
und ich wil in denselben Sachen wol furderlich sein ; es solle 
auch der von Serntein und Gurck noch in 8 tagen bei uns sein; 
wurd Sernteiner auch helfen, dann er herren Paulus vom Lichten- 
steins vndterhembd *) ist. 

item auf heut umb mittag ist k. mt. widerum herekummen 
und hat der bischove von Collen bei ir mt. lassen erlernen, so 
sie [wol], wol er in 3 tagen bei ir mt. sein; hat k. mt. seinem 
diener geantwordt, er durf im noch nit schreiben, dann er mues 
noch warten auf herzog Fridrich von Saxen. 

item so vernim ich auch, das der bischove von Maincz vor 
osteren nicht kumme. item so ist heut des bischoven von 
Wurczburgs boten herekummen, der ime auch ein herbrig ein- 
nimt; darauf wist ir euch auch wol zu halten mit euerm 
schicken, item so schreibt ir euch zu berichten des wesens 
und schicklikeit doctor Wilhelmen von Reichenpach; kan ich 
euch nit wol berichten, dieweil er nit stettes um uns ist, aber 


*) Ich habe das Wort absichtlich in der Schreibung des Originals 
wiedergegeben. 


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Berichte Toppiers. 


223 


ich hab in lange zeit gekent und hat im regiment zu Österreich 
sechshundert gülden jerlichen gehabt und ist beredt, aber nach 
meinem Unverstand in seinen Sachen nit gegrundt und ser ge- 
ferlich; muess auch etwas auf im tragen, das er das regiment 
lassen wil, dann ich wol waiss, das ir keinem doctor 600 fl. 
gebt, darzu so wais ich nit, ob er euch in euer Stadt mit seinem 
wesen leidlich sei; vil ursach mag ich nit schreiben, dann be- 
slislich, ich mag euch nit raten, das ir in zu euch aufnemet in 
keinem weg, dann sunst guten willen bei im zu behalten mag 
ich euch wol raten, das hab ich euch in hoher treu nit wollen 
verhalten und wil mich hiemit e. f. befolhen haben, geben mit 
eilen am freitag nach letare zu Trier 1512. 

item von neuen Zeitungen waiss ich euch nicht zu schrei¬ 
ben, dann dass der kung von Franckreich alle sach des frids 
oder kriegs zu seinen handen gestellt, das ist k. mt. 

item ich wil euch bitten, ir wollet solch mein schreiben in 
niemands handen dann euer selbst lassen kummen. 

46. 

An Anton Tetzel. 1 ) Aus Trier. 1512, 1. April. 

Mein ganz freuntlichen dienst zuvoran, lieber herre Antoni 1 
ich hab curzlichen bei Peter Leupolden meinen herren, den 
eiteren, und euch geschriben, wie es ein gestalt hie hab und 
das k. mt. wider herekummen ist, desgleichen was für fürsten 
hie sein, also das ich jezund nicht sunders zu schreiben waiss, 
dann das gesteren k. mt. von hinnen geschiden und sein rate 
und secretari alle hie gelassen und nit wil, das man wiss, wo¬ 
hin er zihe; er hat allein die raisigen mit im lassen reiten und 
solle vor der heiligen zeit widerkummen. aber kein furst ist") 
mere kummen, dann wie ich euch vormals angezaigt hab und 
k. mt. lest widerum schrift ausgeen, das sie furderlich kummen 
und das k. mt. mit denen, so hie sein werden, nach osteren den 
reichstag anfahen woll; und solle Maincz und Collen alsbald 
nach osteren hiehere kummen; es hat auch k. mt. an Augspurg 

‘) Adresse: Meinem sunder lieben herren Antoni Teczell losungherren 
des radts czu Nurenberg. Darunter: [Feria] 4a post Letare (vgl. Brief 1, 
Anm, 3) 1512. 

*) Geschrieben ist ich. 


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224 


A. Gümbel. 


und euch [geschrieben] als denen, dazu ir rat. ir vertrauen hat, 
das ir ir rat. den abschid des reichstags, so vor dem nechsten 
zu Augspurg gewest ist; 1 ) ich glaub, das ir mt. auf denselben 
anslag handeln wolle, item ich glaub, das k. rat. allein von 
hinnen gezogen ist, damit sie begegen dem canzler und dem 
von Gurk, die an willen ir mt. herekummen, und hat k. rat. 
selzara fantasei; er hat weg vor im gehabt, dadurch herre Paulus 
vom Lichtenstein um sein glauben hette kumraen mögen, aber 
er ist im zu vortrechtig gewest und ist kein gelt an unserem 
hof und sind geschwind practiken nach gelt. 

item so ist margrave Hannss*) aus dem Niderlandt kummen 
und hat bei k. mt. begert, ime sein Provision bei lierzog Karl 
zu meren und zeucht haim zu seinem vater, margrave Fridrich, 
der ine vor den anderen lib hat; soll sich rüsten und wider 
gerüst hereab kummmen. got geh, das er sich nit mit euerm 
kosten rüste; anderst ist jezund nicht vor äugen, damit wil ich 
mich euch befohlen haben, geben zu Trier am donerstag vor 
palmarum (= 1. April) 1512. 

[Eingelegter Zettel] 

item k. rat. ist etwas unlustig, das herzog Fridrich von 
S]aehsen] nit kuinmt, sunder erst auf Wittenberg zeucht, also 
das ich nit glaub, das er kumme, dann er über 100 meil here¬ 
haben wurd; er hat heimlich alle sein sach bei k. mt. erlangt 
und ausgericht wider Erdfurdt, aber er soll stil steen bis auf 
saut Johans tag; das weiss Maincz noch nit und wurd nicht guts 
daraus und nach meinem versteen mags der sperber 8 ) nit mit 


*) Es fehlt hier noch ein Wort wie „bowilliget“ oder dgl 

*) Fünfter Sohn Markgrnf Friedrichs, geboren 9. Januar 1493, der 
spätere Vizekönig von Valenzia und Gemahl der Witwe König Ferdinands 
des Katholischen, Germaine de Foix. Vgl. Hofier, Const. v., Der Hohen- 
zollor Johann Markgraf von Brandenburg, Ritter dos goldenen Vliesses, 
Capitangeneral des Königreichs Valencia, etc. Abh. der hist. CI der K. 
B. Akad. d. W., 19. Bd. 

Was untor der „Provision“ zu verstehen sei, ist nicht klar. Der 
„herzog Karl“ ist der junge Karl V., der in den Niederlanden (gemeinsam 
mit dem Markgrafen?, vgl. Höfler, S. 311) erzogen wurde. 

*) „Sperber“ und das folgende „waltfogel“ sind Decknamen für den 
Kaiser und Kurfürst Friedrich von Sachsen. So schon in nürnberger 
Actenstücken des J. 1500. Vgl. Wagner, Nürnbergische Geheimschrift im 
15. und zu Anfang des 10. Jabrh. (Archiv. Zeitschrift, Bd. IX, 1884 zur 


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Berichte Toppiers. 


225 


fug verantworten, aber er hatte gelts gedurft, das hat im der 
waltfogel geben; an dem hof ist weder trauen oder glauben, 
nur gelt. 


Beilagen. 

I. 

Revers Dr. E. Toppiers bei seiner Bestallung als 
Nürnberger Ratskonsulent. 1496. 1. Februar. 1 ) 

Ich, Erasmus Toppler, doctor und probst zu sant Seboldt 
zu Nurenberg, bekenne öffentlich mit dieser meiner hantschrift, 
dass ich mich mit den erberen und fursichtigen herren den 
eiteren und purgermeister der stat Nurenberg vereinigt und ver¬ 
pflicht habe, das ich einem erberen purgermeister und rate der 
stat Nurenberg mit meinen diensten, reten und hilfen, sovil ich 
der vermage, getreulich, gehorsam und gewertig sein wil von 
dato diess priefs pis auf das nechstkunftig quotember nach ab- 
gang meines vorfaren, doctor Marxen Hiersfogel, als goet über 
ine gepoet. wil auch iren nütz und frummen werben, schaden 
warnen und alle ir heimlikeit zu ewigen Zeiten verschwigen 
halten, inen auch in allen und jetlichen Sachen, so mir durch 
sie befolhen wurden und darzu sie mich geprauchen wolten, in 
oder auswendig der stat, auf iren kost und zerung, sunder 
purger oder gemeine stat betreffend, retlich, hilflich oder bei¬ 
stendig mit allem meinem vermögen ungeverlich w'ider mennig- 
lich die obbestimt zeit aus willig und dienstlich sein, auch wider 
sie, ir purger, inwoner oder die iren, auswendigen oder fremden, zu 
hilf nicht sein, raten noch reden in kein weiss, auch keinem purger 
oder purgerin wider ander purger oder purgerin daselbst wissentlich 
nit raten, hilf oder beistand tün, es were dann, das mir das von einem 
burgermeister sunderlich zugeben und vergünnet wurde oder das 
meine gesipt freunde, geswisteret kind weren oder in hendlen, dainnen 

Sache vgl. oben bei Brief 37). Von diesem geheimen Vertrage scheint 
Burkhardt keine Kenntnis gehebt zu haben. Nach dessen Darstellung 
(a. a. 0, Seite 3 l J6) hätte gerade auf dem Trierer Reichstag die Mainzer 
Partei wegen der Abwesenheit Kurfürst Friedrichs von Sachsen das Ueber- 
gewicht gehabt. 

l ) Urkunden der 35 Laden der unteren Losungstube Lade 17, V 
Nr. 1585. 1 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 15 


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226 


A. Gürabel. 


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ich jezundm it reten begriffen were. dagegen sollen mir mein 
herren die obgestimt zeit aus der losungstuben hie, die sich 
enden soell auf das nechst quotember, nachdem doctor Marx 
Hiersfogel (wenn das goz willen sein wirde) mit tod verschiden 
ist, zu jetlicher quotemberen fünfzig gülden reinisch raichen, 
zalen und ausrichten und sol solcher mein sold auf das nechst- 
kunftig quotember auf pfingsten mit der zalung angeen und das 
nechst quotember nach dem tod doctor Marxen, wie verlaut 
hat, mitsamt meiner Verpflichtung ein end nemen. solches alles 
und jetlichs, wie oben verlaut hat, gerede und verspriche ich 
pei meinen eren und treuen genzlich zu halten und dawider 
nicht zu tun oder schaffen heimlich noch öffentlich noch sunst 
in kein weise, als ich dann das alles einem erberen purger- 
meister mit hantgebenden treuen an eines aids stat angelobt 
habe, alle arg list und geverde hindan gesezt und ausgeslossen. 
des alles zu merer urkund hab ich mein sigel hierunter getruckt 
an diese mein hantgeschrift, die geben ist an dem ersten tag des 
februarj, als man zalt nach unsers herren gepurt tausent vier¬ 
hundert und sex und neunzig jare. 

Or. Papier mit aufgedrücktem, rotem, etwas verletztem 
Siegel. Dieses zeigt den hlg. S. Sebald mit der Kirche in 
der Hand und Toppiers Wappen (zwei Würfel). 

II. 

Instruction, was der erwirdig, hochgelert herr Erasm 
Toppier, brobst SantSebalds pfarrkirchen zuNurm- 
berg, von wegen ains erbern rats daselbst beyRo. ko. 

Mt. handeln soll. 1 ) 

Erstlich soll sein er wird königlicher mt. anzaigen und zu 
erkennen geben dise mainung: als unser gjnediger] herr marg- 
graf Friderich und ein erber rat der statt Nurmberg irer geprechen 
halben, die uff drey artikel sind gestellt gewest, vor gemainen 
hauptleuten und raten der verain im land zu Swaben erschinen 
und dieselben nach beder tail verhörung zwischen inen ge¬ 
sprochen, der gestalt etc., damit ain erber rat und gemaine statt 
Nürnberg merklich ist beswert, auch sich desselben kein ver- 
stendiger menseh versehen, haben ain erber rat ir Zuflucht genz- 

') K. Kreisarchiv., S. I L. 96 Nr. 26. 


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Beriohte Toppiers. 


227 


lieh gekert zu seiner königlichen mt. als irem rechten und aller- 
gnedigsten herrn und von demselben beschaid an ir ko. mt. sich 
berufen und appellirt, die appelacion aller orts verkundt, appo- 
stolos gebeten und alles das lassen handeln, das zu ausfurung 
solcher appelacion nach des heiligen reichs Ordnung notdürftig 
gewest ist und in sonders bei irer mt. canzlei gearbait ain 
inhibition an die Versammlung des punds und der parteien zu 
erlangen, aber ainen erbern rat hab glaublich und stattlich an¬ 
gelangt, das gemaine Versammlung in solchen und dergleichen 
Sachen für die appelacion von irer k. mt. seien versehen, also 
was der hilf halben für si komm und von inen erkannt werd, 
das demselben von allen pundsverwandten one waigerung söll 
volg beschehen. wiewol nun ain erber rate ungezweifelt ver¬ 
hol!“, wo si zu ausfurung irer appelacion sollten körnen, die be- 
swarung zu lainen oder zum wenigsten in träglich und leidlich 
weg zu bringen, so aber die versamlung des punds, als ain rat 
sorgfeltig sei, ungeachtet der appelacion und inhibition der 
Sachen nit Stillstand geben sonder mit verrer hilf furfarn werden, 
daraus nit klaine aufrur und vil beswerung möchten erwachsen, 
dem ain erber rate in betrachtung der kon. mt. furnemens und 
Vorhabens nit bewilligt sei ursach zu geben, und auch ein erber 
rate gar vil genaigter seie uf der königlichen mt. gepot und 
mandat dem obgedachten beschid gehorsam ze laisten, dann uff“ 
der Versammlung des punds aussprechen, das auch ains erbern 
rats halben bei meniglich vil mer glimpfs und entschuldigung 
uff sich tragen mag, 

so soll er die königlichen mt. darauf zum underteniglichsten 
ersuchen ainem erbern rat ain ernstlichs mandat nach irer mt. 
canzlei form und Ordnung zuzuschicken und in sonders bei irn 
pflichten zu gepieten dem obvermelten abschid der pundischen 
volg zu tun, doch gemainer stat an allem irem recht, gerecht i- 
kaiten, geprauch und gewere, die sie der ende haben, in allweg 
unschedlich und Vorbehalten, als auch die pundischen solch vor- 
. behaltung haben getan, und solchs der versamlung des punds 
auch unserm g[nedigem] herrn dem marggrafen zu schreiben und 
zu verkünden, dess werden die pundsverwandten und unser g. 
herr der marggraf nit beswerd haben, nachdem desterminder 
nit der beschid in seinem wesen bleibet, und doch ain erber rat, 
als davor ist gesetzt, solichen beschid uf ir k. mt. gestellt hat. 

15* 


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228 


A. Gümbel. 


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und solche Handlung soll sein erwird in der höchsten gehaim 
furnemen bei k. mt. und die kon. schrift an den pund und inarg- 
grafen nach der erlangung nil überantworten bis uf weitern 
ains rats bevelhe. 

nachvolgend soll sein erwird die k. rnt. berichten zu gelegner 
zeit der gestalt: ir k. mt. hette einem erbern rate in dem ver¬ 
gangen beirischen krieg zu erstattung irs merklichs darlegens 
und costens in demselben krieg erlitten und das sich ain erber 
rate mit unverspartem darstrecken irs leibs und guts so gehor- 
samlich hett gehalten, etlioh flecken, die ain erber rate in solchem 
krieg erobert, gnädiglich zugestellt, die auch ain erber rat bis- 
here inngehabt. aber kürzlich darnach were ain erber rate 
solcher flecken halb durch etlich verwandten aus der cron zu 
Behaim in Schriften und sonst zu mermal stattlich angelangt um 
ablosung derselben, die inen von der königlichen wirde zu Be¬ 
haim gestatt worden were, nachdem die königlich wird die ab¬ 
losung uf vermelten flecken hett gehabt, darum auch ain erber 
rate durch kainen anderen vvege dabei het wissen zu beieiben, 
dann die von der kon. wird zu lehen zu empfahen, wie dann 
were beschehen, und darum ir k. mt. zu bitten, solche lehen- 
schaft gegen der cron zu Behaim zu bestetten und zu confirmirn 
durch ir briefe etc. 

item von wegen der Suspension der acht des Steinmetzen 
ain solicitator zu sein. 

item die privilegia mercatorum und andere, wie die ver- 
zaichnus deshalben steet, zu erlangen. 

III. 

Bericht von wegen mins g[nedigen] h[errn] markgrave 
Friederichs zu Brandenburg etc. 1 ) 

Min g. herr m[arkgrave] F[riedrich] hat ro. ko. mt. fur- 
bringen lassen, wie das sein f. g. manigfaltig ingriff und gwalt- 
same von denen von Nürnberg geschee als nämlich, so sein g. 
h. [inj k. mt. diensten und ausserthalb irer furstentum si, griffen 
sie sein g. in ir fraisch und oberkait, machen auch jetz etliche 
bwe usserhalb der statt, sinen g. nit lidlich und dem fursten¬ 
tum nachtailig. begeret sin g., k. mt. woll solchs bi in ab- 

■) Vgl. Brief 19. 


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Berichte Toppiers. 


229 


schaffen, und in sonderhait so tundt sie itzünd sein g. ein ingriff, 
der gar onlidlich und onzimlich ist, wie nachvolgt: 

es haben die Tetzeil, Wolff, Gabriel und Michael, bi k. 
int. etc. erlangt ein goneralmandat an alle churfursten, fürsten 
und stend des riehs, das sie dieselben mit irem sitz und stat 
oder markt Grefenberg in schütz, schirm und bevelh etc. von 
ro. ko. mt. wegen haben sollen; solch mandat hat YVollff Tetzel 
ietz nülich, als er hat in k. mt. dienst usserthalb lands ritten, 
min g. h. insinüert, sein g. gebeten als sein landsfursten, sein 
brüdere, in und Grefenberg in gnädigen schütz, schirm und be¬ 
velh [zu] haben, alsdann hat min g. h., als gehorsamen, k. mt. 
mandat angenommen, dem gewilligt, die Tetzell befridet, beglait, 
auch Grefenberg in sein schütz und schirm genommen. 

allda haben die von Nürnberg ueber etlich tag Micheln 
Tetzein gefangen, damit mim g. h. ingriff in sein furstentum, 
schütz, schirm und glait geton, das sein g. ganz nit erliden 
moegen. 

item ee sein g. solchs erfaren, hat er in geschriben, sie der 
schütz, schirm und glait erinnert, damit sie wissen zue ver¬ 
schonen. sind sie von stund an uffgewesen zue ross und zue 
fues und in der nacht Grefenberg überzogen, morgens, als die 
tor uffgangen, sich hinin geton, den flecken ingenommen, die 
armen luet genötigt inen pflicht zu tuen und sie für ir herren 
zu haben und den margrafen gar nichts noch sonst imants an¬ 
ders. und halten den gedachten Tetzel also noch gefangen, 
das alles min g. h. schwer und onlidlich ist, auch den ko. man- 
daten ganz widerwertig etc., desgleichen der k. reformacion und 
dem lantfriden. 

ist an k. mt. mins g. h. vlissig und undertanig bitt, zue 
erclären, das sie in acht und aberfacht] durch solchs sien ge¬ 
fallen und ir mayestat, mit in erstlich verschaffe, das sie den 
Tetzell von stund an ledig geben on all entgelt, auch die von 
Grefenberg und die Tetzell daselbst widerum on verzueg in¬ 
setzen, wann es publicum und manifestum spolium si und s. 
gn. um solchen ingriff und gwalt abtrag tueen und hinfiir ine 
der Tetzell und auch Grefenbergs halb ewigs schwigen uffgelegt 
werdt, das alles iuxta tenorem legis si quis in tantam c. unde vi. 

das will min g. h. um ir ko. mt. zusamt der billikait unter- 
taniglich und williglich verdienen. 


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Franconica aus dem Vatikan. 

1464-1492. 

VOD 

Dr. Theodor J. Scherg, 

1. Seminar- und Religionslehrer am kgl. Lehrerseminar zu 

Freising. 

(Fortsetzung.*) 

II. 

Sixtus IT. 

Wahl 1471, August 9. — Krönung 1471, August 25. 

Tod 1484, August 12. 

1471. 

353. Aug. 25. — *) confirraans litteras a Paulo II praedecessore 
concessas sed non confectas, mandat abbati monasterii Fon- 
tissalutis Eysteten. dioec., ut perpetuam vicariam ad altare 
b. Mariae situm in ecclesia s. Gumperti Onoltzpacen. (4 m. a.) 
per obitum Johannis Hownolt*) vacantem Michaeli Copel 
pbro Bambergen, dioec. conferat. 

„Dign. arb.“ D. R. P. 1471 VIII. Kl. Sept. anno 1. — 
XXIV. — Exp. V. Non. Jul. anno 2. (Lat. 715 f. 133.*) 

') Vergleiohe die Anmerkung bei Regest Nr. 1 a. a. 0. XVI, 37. 
*) = Hawolt Vgl. Regest Nr. 332. a. a. 0. XVI, 133. 

*) S. Arch. Zeitschrift, N. F. Band XVI, I—166. Auch hier kommen 
die dort S. 35—36 verzeichneten Abkürzungen zur Anwendung, ebenso 
die in der dortigen Einleitung besprochenen Grundsätze. — Nicht ver¬ 
gessen sei auch die besondere Pflicht des Dankes für Mithilfe bei der 
Durchsicht der vorliegenden, wie der vorausgegangenen Drucklegung, 
welche ich Herrn P. Dr. Eubel-Scbönau und Herrn Pfarrer Dr. Amrhein- 
Easfeld schulde und ergebenst auch hier zum Ausdrucke bringe. 


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232 


Dr. Theodor J. Soherg. 


Sixtus IV. 

&»4. Sept. 14. — Albertus Cock, canonieus ßremensis, decr. doctor, lit. apli- 
carum abbreviator, obl. so pro anu. paroch. eccl. in Heilprunn (10 m. a.) 
vacantis per obitutn Job. Uemminger. Promiait solvere infra 6 rnen- 
sos. — In meliori forma. — 1472 Mai 11 dictua Albertus habuit 
unam bullam „perindo valere“, in qua fuerunt expressi fructus eccl. 
ad. 18 m. a., et obl. se pro ann. horum fructuuin solvenda. 1473 
Mart. 13 habuit unam bullam super hac ecclesia. (Ann. d. d.) 

355. Oct. 7. — mandat officiali Herbipolen., ut perpetuum bene- 
ficiura „primissariam“ nuncupatum ad altare s. Catharinae 
situra in parochiali ecclesia in Hobach 1 ) Herbipolen. dioec. 
(3 m. a.) per liberarn resignationem Andreae Hamer*) clerici 
dictae dioec., cui ipsa primissaria die 21 Mart. 1471 a 
Paulo papa II collata erat, hodie in manibus suis faetarn 
vacantem Johanni Vetter*) clerico eiusdem dioec. conferat. 

„Dign. arb.“ D. R. P. 1471 Non. Oct. anno 1. — 
XX’ - Exp. XI. Kl. Nov. anno 1. (Lat. 715 f. 262.) 

*) Hobach=Hohenbach im Kapitel Künzelsau. — ’) Vgl. Nr. 80. 
Johannes Vetter war noch 16. Dez. 1504 Frühmesser daselbst. (A. B. 
0 W. Urk.-Abt. A.) 

356. Dec. 4. — mandat epo Urbinat. 1 ) et Gabrieli Romero can. 
Majoricen. ac officiali Bambergen., ut perpetuum beneficium 
„primissariarn“ nuncupatum in parochiali ecclesia in Munch¬ 
berg*) Bambergen, dioec. (4 m. a.) per .obitum Henrici Sun 
vacantem Danieli Ferschter de Munchberg clerico Bam¬ 
bergen. dioec. conferant. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1471 pridie Non. Dec. anno 1. 
— X. — Exp. XIII. KI. Januar, anno 3. (Lat. 721 f. 23U.) 

') Joh. de Castilliono 1465—76, später Kardinal tit. s. Clemontis. 
Vgl. Nr. 462a. 588. 782. — ’J Münchberg. 

357. Dec. 8. — mandat praeposito et decano Bambergen, ac 
Henrico Lebenter canon. Wratislavien. eccliarum, ut per- 
petuam vicariam eccl. s. Petri in Papenreyt 1 ) (3 m. a.), 
quam per obitum Conradi Kemeter vacantem Johannes 
Schimel pber Bambergen, cum parochiali eccl. s. Sebaldi 
Nurembergen., cui est aplic.a autoritate unita, per octo 
circiter annos simul jam possidet, — obtinuit enim illam 
per Fridericum imperatorem auctoritate aplica suffultum —, 
quum dubitet, num ipsa possessio illius vicariae viribus 
subsistat, de novo eidem Johanni Schimel auctoritate aplica 
conferant. 


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Franconica aus dom Vatikan. 233 

1471. 

„V. ac m. li.“ D. R. P. 1471 VI. Id. Dec. anno 1. — 
XX. — Exp. Non. Jul. anno 1. (Lat. 721 f. 289.) 

') Poppenreuth hoi Furth mit alter Pfarrkirche s. Petri, zu welcher 
dio Pfarrei s. Sobaldi in Nürnberg als Filial gehörte, das erst 1386 
davon getrennt wurde (Bundschuh, Lexikon v. Franken, IV. 385). 
Vgl. Reg. Nr. 732. 

358. s. d. — concedit 35 personis, pro quibus Alphonsus rex 
Portugalliae supplicavit, inter quas Eberhardus de Raben¬ 
stein der. Bambergen., quasdain gratias. *) 

(Suppl. Sixt. IV. ann. I. tom. I. 1'. 28.) 

') Diese Gnaden sind Reservationen von Benefizieu. Vgl. Nr. 365, 
459, 630. Gef. Mitt. dos Herrn Prof. Dr. Schlecht, der gelegentlich 
anderer arehivaiischer Arbeiten die ihm hiebei auffallenden auf 
bayerisoho Diözesen bezügliche Persönlichkeiten notierte, sich dabei 
aber mit kurzer Namensangabe der Personen begnügte. Diese und 
die folg, mit ,1471 s. d.* bezeichneten Suppliken dürften grössten¬ 
teils zum 1. Jan. 1472 anzusetzen sein. Vgl. Nr. 473. 

359. s. d. — item 86 familiaribus Bessarionis’) epi Tusculan. 

pro eis supplicantis, inter quos Henrieus Beurlein Herbi- 
polen. dioec. (1. c. f. 40.) 

‘) Vorher Card, presb. XII. Apostolorum 1439 Dec. 18, eps Sabi¬ 
nen. 1449 Mart. 5 bis April 23 und 1468 Oct. 141 bis 472 Nov. 18. 

360. s. d. item nonnullis supplicantibus nationis Teutonicae, 

inter quos Theodoricus Moring. 1 ) (1. c. f. 53.) 

') Vgl unten Reg. Nr. 588. 778. 791. 

361. s. d. — item nonnullis supplicantibus, inter quos Kilianus 

Horn, Augustinus Horn, 1 ) Conradus Horn, Albertus Horn, 
Benedictus Horn et Georgius Kolb. (1. c. f. 54.) 

l ) Augustinus Horn war 1469 bei der Juristenfakultät in Wien 
immatrikuliert. (Braun, Gesch. d. Heranbildung des Klerus in der 
Diöz. Würzburg 1, 189.) Diese Horn stammten aus Dettelbach a. Main. 

362. s. d. — item nonnullis supplicantibus nationis Teutonicae, 

inter quos Georgius Wernolt decret. doctor Bambergen, 
dioec. (1. c. f. 56.) 

363. s. d. — item nonnullis supplicantibus nationis Teutonicae, 
inter quos Nicolaus Jaeger *) decret. licentiatus, Martinus 
Schülein, Simon Ratgeber, omnes Eysteten. dioec. 

(1. c. f. 56.) 

‘) Nikolaus Jeger (Venator) aus Oeting, Pfarrer in Wemding 
(Suttner S. 46), 1463 Sept. 28 lic. in di er. in Bologna. Kanonikus in 
Eliwangen (Knod, Deutsche Studenten in Bologna S. 595). 


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234 


Dr. Theodor J. Schorg. 


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Sixtus IV. 

364. s. d. — item 46 familiaribus Theodori s. Theodori diac. car- 

dinalis de Monteferrato (creati 1467 Sept. 18, f 1484 
Jan. 21) pro eis supplicantis, inter quos Melchior Truch¬ 
sess 1 ), canonicus Herbipolen., Petrus Truchsess, 2 ) Michael 
Truchsess*) canonicus Bambergen., Georgius de Rossbach, 4 ) 
Theodoricus Spiess, Bartholomaeus de Kere 5 ) et Johannes 
Gluenspiess. 8 ) (1. c. f. 101.) 

l ) v. Pommersfelden. — *) v. Poinmorsfelden. — *) v. Wetz- 
hausen. — 4 ) v. Rosenbach. — *) Domherr zu Würzburg. — 8 ) Vgl. 
Reg. Nr. 897 „Glespies,“ Nr. 417 „Kluebenprisch“. 

365. s. d. — item 47 scribis causarum sacri palatii, inter quos 
Conradus Schad 1 ) der. Bambergen, dioec. decr. doctor. 

■) Vgl. Nr. 459. (1. C. f. 108.) 

366. s. d. — item 53 clientibus Sigismundi ducis Tirolis pro 

eis supplicantis, inter quos Benedictus Fugger ipsius ducis 
cancellarius Augusten, dioec., Johannes Lochner utriusqqe 
juris doctor et eiusdem ducis consiliarius Bambergen, dioec., 
Eberardus de Rabenstein Bambergen, dioec., Marcus Fugger 
Augusten, dioec. (1. c. f. 111.) 

367. s. d. — item 44 personis, pro quibus Ulricus comes de 
Wirtemberg supplicavit, inter quos Henricus e comitibus 
de Wirtemberg praepositus eccl. Eysteten. 

(1. c. f. 112.) 

1472 . 

368. Jan. 1. — dispensat cum Eberardo de Rabenstein der. 
Bambergen. 1 ) dioec., ita nt duo beneficia invicem incom- 
patibilia recipere valeat, quorum fructus annui insimul ultra 
24 H. auri de camera non ascendant. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1471 Kl. Jan. anno 1. 

(Vat. 669 f. 186.) 

. ') Wurde 1471 Domherr zu Bamberg und Cantor, f 6. Febr. 1505. 

Seine Ahnen im 31. Ber. d. Hist. Ver. zu Bamberg (S. 87) stimmen 
nicht überein mit der Chronologie bei Biedermann, Gebürg tab. 358. 

369. Januar 1. — reservat Petro Ketnpchin der. Wormatien. 
dioec., familiari suo, duo beneficia ... ad collationem epi 
et capli Wormatien necnon abbatis et conventus monasterii 
Fulden. pertinentia. 


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1472 


Franconica aus dem Vatikan. 


235 


„Grata familiaritatis.“ D. R. P. a. 1471 Kl. Jan. anno 1. 
— Gratis de mandato dni. n. pp. (Vat. 681 f. 4.) 

370. Januar 1. — Laurentio Schlemming 1 ) familiari suo et ser- 
vitiis Nicolai ac Liberati bullatorum apostol. insistenti cano- 
nicatum eccl. s. Johannis in Haugis extra muros Herbipolen. 
cum reservatione praebendae confert necnon alterum bene- 
ficium ad collationem epi et capituli Herbipolen. pertinens 
reservat. — Exec.: Eps Savonen.*) et monasteriorum s. Ste¬ 
phani intra et s. Jacobi extra muros Herbipolen. abbates. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1471 Kl. Januar, anno 1. 

(Vat. 681 f. 101.) 

*) Wahrscheinlich „Scheuring“ Lor. Vgl. Nr. 553. — s ) Savona: 
Cibo Johannes (1466—72) später Papst Innooenz VIII. 

371. Januar 9. — reservat Johanni Brotreich alias Hupp pri- 
missariam in eccl. paroch. Lautershausen, 1 ) Herbipolen. dioec. 
(4 m. a.) vacaturam ex eo, quod Paulus Wolff illud bene- 
ficium obtinens ad laicalia Vota aspirans matrimonium cum 
quadarn muliere per verba legitima de futuro contraxit. — 
Exec.: Praepositus Trident. etHenricus Lebenther canonicus 
Vratislavien. eccl. ac officialis Herbipolen. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. a. 1471 V. Id. Jan. anno 1. — 
Gratis pro Deo. Juravit. (Vat. 563 f. 112.) 

*) Leutershausen, Kap. Windsheim. 

372. Febr. 19. — confert Hertnido de Lapide decano eccl. Bam¬ 
bergen. legum doctori, Alberti marchionis Brandenburgern 1 ) 
oratori ad ipsum papara destinato, canonicatum et prae- 
bendam in ecclesia Herbipolen., quos Johannes de Henne¬ 
berg 2 ), cupiens in monasterio s. Bonifatii Fulden. 0. S. B. 
Herbipolen. dioec. Romanae ecclesiae immediate subjecto 
sub regulari habitu Domino famulari, possidet, postquam 
ipsi canonicatus et praebenda per ipsius Johannis professi- 
onem religiosam vacaverint. — Exec.: Archieps Arelaten. s ) 
et eps Eysteten. ac praepos. eccl. s. Gumberti Onolspacen. 
Herbipolen. dioec. 

„Nob. gen. litt, scient.“ D. R. P. 1471 XI. Kl. Mart, anno 1. 

(Lat. 713 f. 167.) 

*) Albrecht Achilles, Kurfürst v. Brandenburg, f 1486. — ’) Johan¬ 
nes, Graf v. Henneberg-Schleusingon; vgl. unten Nr. 379 ff. — *) Phi¬ 
lippus Lewis de Gu61us promotus 1463, f 1475 Nov. 6 apud sedem 
apostolicam. 


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236 


Pr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

373. Febr. 19. — Johanni Horn ') decano s. Stephani Bambergen., 
familiari et abbreviatori suo, quem Albertus marehio Branden¬ 
burgern et s. Romani imperii elector per Hertnidum de 
Lapide, decanum ecclesiae Bambergen., oratorem suum ad 
ipsurn papam destinatum ad praeposituram ecclesiae B. M. V. 
in Feuchtwangen, dioec. Augusten, praesentavit, ipsam 
praeposituram confert. 

D. R. P. 1471 XI. Kl. Mart, anno 1. (Vat. 660 f. 49.) 

*) Ueber Johann Horn vgl. Schlecht, päpstl. Urkunden v. 1471 
bis 1488 in „Zeitschrift des Hist. Ver. für Schwaben und Neuburg“ 
24. Jahrg. S. 45—100. Ussermann ep. Bbg. p. 269: Kilian Horn. 
Dagegen Dr. Jakobi, Gesch. von Feuohtwangen 1833 S. 212: Pröpste 
des Stifts: Johann Horn 1472/77. 

374. Febr. 19. — confirmat Alberto marchioni Brandenburgen. 
et 8. Romani imperii electori jus patronalus ecclesiae s. 
Gumberti Onolzpacen. Herbipolen. dioec. cum archidiaconatu 
,,Rangaw“ eidem ecclesiae annexo necnon duorum canoni- 
catuum cum totidem praebendis in ecclesia s. Gumberti 
Onolzpacen. necnon duorum canonicatuum cum totidem 
praebendis in ecclesia B. M. V. in Feuchtwangen Augusten, 
dioec. ab Eugenio papa IV propter bona servitia ipsi 
praestita et Pio papa II eiconcessum, quo jure idem marehio 
unacum jure patronatus praepositurae Feuchtwangen, usque 
ad pontificatum Pauli papae II illud denegantis utebatur. 

„Dum intra nostrae.“ D. R. P. 1471. XI. Kl. Mart, anno 1. 

(Vat. 660 f. 48.) 

375. Febr. 19. — litem inter Henricum Leubing notarium suum, 1 ) 
qui se gerit pro decano Misnen. eccl., et Johannem Loohner 
rectorem ecclesiae paroch. s. Sebaldi Norimbergen. Bam¬ 
bergen. dioec., quae annis duobus et ultra, citra tarnen 
triennium, in curia pendebat, ad se advmcat et extinguit; 
ille enim Henricus paroch. ecclesiam praedictam in manibus 
Pii II per procuratorem resignavit, reservata pensione 
140 fl. per hunc Johannem, cui idem Pius II eam sic va- 
cantem contulit, solvenda; quamquam ipsi Johannes ad 
illam pensionem solvendam semper promptus erat, ille llen- 
ricus nihilominus, asserens ipsam solutionem sibi denegari, 
litem movit in curia Romana a Paulo II Berardo tit. s. Sa- 
binae presb. card. commissam, quam nunc, ut praemittitur, 



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1472. 


Franconica aus dem Vatikan. 


237 


Sixtus IV extinguit, eo quod ab illo Henrico Laurentius 
eps Ferrarien., tune collector apost. in partibus Germaniae, 
impediebatur, quominus non parvam suinmam pecuniae pro 
cruciata exactam et conservatam recipere posset, et insuper 
eundem Henricum, qui, licet propterea excommunicatus, 
non desistebat divinis se immiscere, quare etiam irregulari- 
tatem contraxit, omnibus beneficiis ab ipso possessis, seil, 
decanatu Misnen., praepositura s. Martini in Forchheim 
Bambergen, dioec. neenon eiusdem Misnen. et b. Mariae 
Erfordert, eccl. canonicatibus (21, 14, 10, 6 m. a.), et pen- 
sione praedicta privat. ,,Ad fut. rei mein. Romanus ponti- 
fex.“ D. R. P. XI. Kl. Mart, anno 1. — Gratis de mand. 
dni n. pp. (Vat. 553 f. 145). Cfr. Cod. diplom. Saxoniae 
et infra n. 376 et 384 ac supra 298 et 306. 

*) Heinrich Leubing, 1436 und 1437 in Bologna, wo er 1436 Liceutiat 
und später Dr. decr, wurde, war Propst in Naumburg, Canon, in 
Meissen und besass noch viele andere Pfründen, starb 8. Aug. 1472, 
begraben im Dom zu Meissen, wo er Domdechant war (Knod, D. 
Stud. in Bologna 300 ff, wo seine Pfründen, auch obiger Rechts¬ 
streit und die Literatur angegeben sind). 

376. Febr. 19. — Johanni Lochner utriusque juris doctori et 
Friderici imperatoris Rom. atque Alberti marcliionis Branden¬ 
burgern consiliario decanatum et alia beneficia ecclesiastica, 
quibus Henricus Leubing privatus est, *) confert atque pen- 
sionem super fructibus ecelesiae parochialis s. Sebaldi 
Nurembergen., cuius rector existit, olirn Henrico Leubing 
assignatam remittit. 

„Litt. sc. v. ac m. h.“ D. R. P. 1471 XI. Kl. Mart, 
anno 1.— Gratis de mandato dni n. p. (Vat. 553 f. 146.) 

*) Vgl. No. 298, 375, 377. 

377. Mart. 2. — Dominus Job. Lochner decanus eccl. Misnen. utriusque 

juris doctor obl. se pro ann. canonicatus et praebendae Misnen. 
(20 m. a.) et praepositurae s. Martini Forchem (14 m. a) ac otiam 
canonicatus eccl. B. M. Erfordern (6 m. a.) vacantium per privatiouem 
domini Leubing sedis apostolicae protonotarii Romae XI. Kl. Mart, 
anno 1 (1472 Febr. 19) sibi collatorum. (Ann. d. d.) 

Prom solvere annatam hic in curia infra 6 menses. 1473 Febr. 14 
solvit dictus Johannes pro cornpositione annatae praepositurae 
s. Martini 25 fl. per manus de Bonis de Bardis. 

(Quidd. 1471/74 f. 158.) 


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238 


Dr. Theodor J. Soherg. 


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Sixtus IV. 

378. März 3. — concedit Hertnido de Lapide decano ecclesiae 
Bambergen, et Sifrido eius fratri/) laico Herbipolen. dioec., 
facultatem habendi altare portatile. 

„Dev. t.“ D. R. P. anno 1471. V. Non. Mart, anno 1. 

(Vat. 660 f. 186.) 

*) Beide Brüder stifteten 1454 eine Frühmesse in die Pfarrkirche 
zu Ostheim vor der Rhön, wo die Stein von Ostheim ihren Sitz 
hatten. (Franconia sacra, Landkapitel Mellrichstadt S. 346.) — 
31. Band d. H. V. Bbg. S. 84. 

379. Mart. 6. — Johanni de Henneberg canonico Herbipolen. 
scribit se plurimorum principuin instantia motum de ejus 
persona monasterio Fulden. ’) percessionem Reinhardi tune 
abbatis vacanti providere ea potissime causa, quia intellexit, 
eum veile deinceps vitain salubriorem instituere et perpetuo 
sub regulari habitu virtuturn Domino in eodem monasterio 
famulari, et quia spem sibi pollicetur, fore ut ipsum mona- 
sterium multis antea jacturis afTectum et fere disciplina 
omni monastica destitutum per ejus Studium fructuosum 
non modo debite reformetur, verum etiam tarn in spiritualibus 
quam temporalibus instauretur et augmentetur; quare eum 
monet, ut statiin vitain suam religiöse instituat et ordinis 
praecepta et regulam observet et ab aliis ordinis professori- 
bus eidem monasterio subjectis observari faciat etc. 

„D. R. P. X. Id. Mart. 1472 anno 1.“ „Dilecte fili etc. 
Ex cessione . . . Reynhardi abbatis.“ (Brev. 14 f. 175.) 

*) cf. Nr. 372 und 380 ff. 

380. Mart. 6. — Reynhardo monacho mon. Fulden. 0. S. B. 
Herbipolen. dioec. scribit, se ad ejus petitionom et preces 
magna instantia et multiplicibus litteris sibi porrectas tan- 
dem motum ejus cessionein tamquam abbatis ipsius rao- 
nasterii admittere eidemque de persona Johannis de Henne¬ 
berg providere, reservatis ipsi Reynhardo ad vitain pensione 
et aliis, quae inter eum et dictum Johannem fuerant con- 
vonta, eumque monet, ut eidem Johanni reverentiam et 
oranem, quem potest et etiam debet, favorem impendat etc. 
Dat. u. s. 

„Dilecte fili etc. Ad tuae devotionis petitionem.“ 

(1. c. f. 177.) 


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Franconica aus dem Vatikan. 


239 


1472. 

381. Mart. 6. — Henrico lantgravio Hassiae scribit, se monasterio 
Fulden. 0. S. B. per liberam cessionem Reynhardi tune 
abbatis vacanti Johannem de Henneberg praefecisse in 
abbatern, adjungens, se eonfidere, fore ut ipse lantgravius, 
cujus dominiis possessiones et dorainia ejusdem monasterii 
contigua esse dicuntur, prout hactenus commendabiliter cum 
magna laude fecisse dicitur, ita etiam deinceps studiosius 
curet pacifico statui et bono.regimini illius monasterii favo- 
ribus et praesidiis suis adesse etc. 

„Dilecte fili etc. Pridem monasterio Fulden.“ (1. e. f. 177.) 

Simili modo scribit Wilhelmo duci Saxoniae. 

(1. c. f. 179.) 

3H2. Mart. 6. — Conventui mon. Fulden. 0. S. B. Herbipolen. 
dioec. scribit, se cessionem Reynhardi abbatis ejusdem 
mon., per quam ipsi conventuales litteris suis tarn ad Paulum 
pp II quam ad se ipsum missis eidem monasterio multa 
commoda esse pro Ventura asseruerunt, admisisse et ipsi 
monasterio de persona Johannis de Henneberg providisse 
eique mandasse, ut vita sua primo religiöse instituta mo- 
nasticae disciplinae incumberet et sua exemplari vita sub- 
jectos sibi religiosos pariter religiöse vivere induceret: quare 
eosdem monet, ut ipsius Johannis salubria monita et man- 
data suscipiant humiliter et cum debita reverentia efficaciter 
adimpleant etc. Dat. u. s. 

„ Dilecti filii etc. Ex multis successive et ad nos et ad 
fei. rec. Paulum pp. II.“ (1. c. f. 178.) 

388. Mart. 6. — Hartnidus de Lapide deeaDus eccl. Bambergen., legum 
doctor, obl. se super ann. canonicatus et praeb. ecol. Herbipolen. 
(10 m. a.) vacantium per promotionem Johannis Henneberg canonici 
Herbipolen. 1 ) ad monasterium s. Bonifatii Fulden. et per ingressum 
religionis. (Ann. d. d.) 

Mart. 5. — solvit 23 flor. (Quidd. 1471/4 f. 63.) 

Mart. 6. — Unum par bullarum pro Reynhardo de Voglnawe monacho 
monasterii s. Bonifatii Fulden. (Intr. et exit. Sixti IV Nr. 487 p. 52.) 

') Vgl. oben Nr. 372. 

384. Mart. 11.— consulibus et proconsulibus oppidi Nurembergen. 
Bambergen, dioec. scribit: Johannem Lochner utriusque 
iuris doctorem rectorem parochialis ecclesiae s. Sebaldi, 
curialem suum plurima laude dignum, negotia illorum apud 
se magna cum fide et diligentia procuravisse et eorum sin- 


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240 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

gularem in sedem apostolicam devolionem et reverentiam 
multis laudibus extulisse ; cuius devotionis commemoratione 
se plurimum delectatura eos. propterea laudare et, ut de 
bono in melius perseverent, paterna caritate hortari, omnia, 
quae cum Deo licebit, pro eorum honore et commodo semper 
libenterse esse facturum; denique dictum Johannem eiusque 
ecclesiam et clerutn eis commendare. 

„Dilecti filii etc. . . . Dilectus filius Job. Lochner.“ 
D. R. P. V. Id. Mart. 1472 anno 1. 

Simili modo episcopo Bambergen. (Brev. 14 f. 182.) 

385. Mart. 15. — dispensat cum Hertnido de Lapide decano 
ecclesiae Bambergen, legum doctore, oratore Alberti marchi- 
onis Brandenburgen. ad ipsurn papam destinato, 1 ) ita ut 
tria benelicia invicem incompatibilia accipere et retinere 
voleat. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1471. Id. Mart, anno 1. — XXXV. 

(Vat. 670 f. 8O0.) 

') Ueber «eine Stellung zum Markgr. Albroclit s. Priebatsch II, 
90 N. 30; über seine Personalien und Pfründeu s. Knod, D. Stud. 
i. Bologna S. 549. 

386. Mart. 19. — Henrico de Wirtemberg praeposito eccl. Ey- 
steten., qui, ut asserit, de ducum et comitum geilere pro- 
creatus est, facultatem concedit eligendi confessorem, qui ei 
semel dumtaxat in mortis articulo plenam remissionem 
concedere valeat, neenon utendi altari portatili. 

„Sincera fervensque tua devotio. D. R. P. anno 1471 
XIV. Kl. Apr. anno 1. - L. (Vat. 660 f. 294.) 

387. Mai 1. — mandat magistro Petro de Ferrara, eapellano suo 
ot causarum palatii aplici auditori, ut cantoriam eccl. Spiren., 
quam per obitum Sigfridi de Venningen vacantem Paulus 
papa II Petro Antonio de Clapis contulit, opponentibus se 
Petro de Lapide neenon Philippo de Gernstein et Petro 
Swam, ipsi Petro Antonio de Clapis de novo conferat, 
quum ille Petrus Swam interim mortuus et Petrus de 
Lapide et Philippus de Gernstein rejecti sint, cum eodem 
autem Petro Antonio, qui lite pendente praeposituram eccl. 
s. Andreae Wormatien. obtinuit, super duobus beneficiis 
invicem incompatibilibus dispensatum sit. 


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1472. 


Franconica aus dem Vatikan. 


241 


„Litt, sc., v. ac m. h.“ D. R. P. Kl. Mai. anno 1. — 
XXV. 1 ) (Vat. 565 f. 50.) 

') Die 22. martii 1478 iu Camera apost lectum est mandatum 
Sixti IV., ut illi Antonio terminus solvendi annatas pro supradictis 
beneficiis ad 6 menses prorogaretur (Div. cam. 39 f. 92). 

388. Mai 22. — confert Sixto Waler parochialem ecclesiatn in 
Langendorf 1 ) Herbipolen. dioec. (24 fl. auri de cainera) va- 
cantein per liberatn resignationem Melchioris Truchsess, 
familiaris Theodori 2 ) tit. s. Theodori diaconi cardinalis, in 
manibus suis factam.— Exec.: Praepositus Bambergen, et 
decanus ac Henricus de Redwitz canonieus Herbipolen. 
ecclesiarum. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1472 XI. Kl. Jun. anno 1. — 
XIII. XI —Exp. XVI. Kl. Jul. anno 1. (Lat. 619 f. 304.) 

‘) Pfarrei Langender!' bei Hammelhurg. — *) de Montel’errato. 

389. Juni 8. — cum Johanne Rotteling clerico Herbipolen. dioec., 
qui utpote de pbro genitus et soluta dispensatione super 
defectu natalium jam obtenta clericali caractere insigniri 
se f’ecit, ulterius dispensat, ita ut beneficia ecclesiastica 
recipere valeat. 

„V. ac rn. h.“ D. R. P. 1472 VI. Id. Jun. anno 2. 1 ) — 
XXXVI. (Lat. 722 f. 23.) 

‘) Im Datum liegt ein Versehen des Schreibers vor. Entweder 
muss es heissen 1472 (anno 1) oder 1478 (anno 2). Im Hinblick auf 
die Bandnummer 722 ist das orstero Datum das wahrscheinlichere. 

390. Jun. 17. — mandat epo Herbipolen., ut cum Simone de 
Lubesteyn ') et Agatha de Keldendal Spiren. et Herbipolen. 
dioec. et in ipsa Herbipolen. dioec. cominorantibus, qui non 
ignorantes se secundo affinitatis gradu esse coniunctos 
(ipsa enim Agatha quondam Petri de Lubesteyn patrui 
illius Simonis uxor exstitit) matrimonium inter se per verba 
legitima de praesenti contraxerunt, absolutione impensa 
dispenset, ita ut matrimonium de novo libere et lioite con¬ 
tra here possint. 

„Oblatae nobis.“ D. R. P. 1472 XV. Kl. Jul. anno 1. — L. 

(Lat. 722 f. 263.) 

*) Simon v. Löwenstoin zu Randeck und Agatha v. Kaltenthal. 
Dio Löwenstoin zu Randock standen in Speierischen Diensten. 
(Biedermann, Odenwald tah. 3(i7.) Die v. Kaltenthal sind ein frän¬ 
kisches (jeschlecht. Burkard v. Kaltenthal war Domherr zu Wiirzburg. 

Archivalischü Zeitschrift. Neue Folge. XVII. ll> 


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242 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

391 . Jun. 17. — petit salvum conductum pro Conrado Mettel- 
bach clerico Herbipolen., 1 ) familiari et tabellario suo, eiusque 
socio vel famulo. 

„Universis etc. . . . Cum dilectum filium Conradurn.“ 
D. R. P. 1472 XV. Kl. Jul. anno 1. — Gratis de mandato. 

(Vat. 660 f. 315.) 

') Ein Neffo des späteren Kard. Georg Hessler. 

392. Juli 13. — ad instantiam abbatissae et monialium ord. 
s. Clarae observantiae regularis in Nurimberga exponentium, 
quod, quamvis a 40 annis et ultra solitae sint habere missas 
a sacerdotibus saecularibus, nihilomiminus rector parochialis 
ecclesiae, in cujus parochia ipsarum monasterium situm est, 
non permittit, quod illi sacerdotes ipsis monialibus missas 
dicant, nisi pro suae libito voluntatis, ob quod spiritualis 
consolatio monialibus ipsis eripitur, abbati s. Aegidii in 
Norimberga mandat, ut, si habita de praemissis sufficienti 
inlormatione ita esse reppererit, illum rectorem sub excom- 
mun. poena moneat, ne in bis vel similibus ipsas abbatissam 
et moniales molestet. 

„Dilecte fili etc. Nuper nobis exponi curarunt.“ D. R. 
P. die 13. Jul. anno 1472 pont. anno 1. (ßrev. 14/322.) 

393. Juli 27. — ratum et gratum babel, ut monasterium S. Bur- 
cardi extra muros Herbipolen. 0. S. B. in ecclesiam colle- 
giatam transformetur, 1 ) cui transformationi iam Johannes 
eps Herbipolen. necnon Pius papa 11. operam dederant. 

„Romanus Pontifex pacis et justitiae praecipuus conser- 
vator.“ D. R. P. VI. Kl. Atig. anno 1. — CCLX. 

(Vat. 554 f. 249.) 

‘) Wieland, Arcli U. Fr. XVI. 2, 8. 5. 

394. Aug. 19. — mandat deeano eccl. Eysteten., ut Johanni 
Vogt 1 ) der. Eysteten. dioec., de presbytero genito et soluta, 
qui super hoc natalium defectu dispensatione obtenta paro- 
chialem eccl. in Stircz eiusdem dioec. assecutus est, postea 
autem ea dirnissa et alia super illo defectu dispensatione 
minime obtenta perpetuam vicariam ad altare ss. Petri et 
Pauli apustolorum situm in ecclesia Eysteten. (5 m. a.), cui 
officium praedicaturae est annexum, per liberam resignati- 
onem Ludovici Meyesterlin in manibus capituli eccl. Ey¬ 
steten. factam vaeantem et ab ipso capitulo sibi collatam 


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Franconica aus dem Vatikan. 


243 


1472. 

obtinuit et iam per 7 menses vel circa possidet, ipsam 
vicariam, quae sine cura est, aplica auctoritate assignet. 

„Aplicae sedis clementia.“ D. R. P. 1472. XIV. Kl. 
Sept. anno 1. — LX. — Exp. VIII. Id. Febr. anno 2. 

(Lat. 715 f. 301.) 

') Ein Johannes Vogt ist Cauonieus im St. Willibaldschor zu 
Eiohstädt. bischöflicher Notar, ein gleichzeitiger Johannes Vogt war 
Pfarrer zu Lubeustat. (Suttner, IV. VII. X. u. S. 28.) 

395 . Aug. 24. — ad instantiam Andreae de Bonis, Alexandrique 
de Landis et sociorum mercatorum Florentin. curiam Ro- 
manam sequentium cives opidi Nurimbergen. hortatur, ut 
procuratoribus ipsorum mercatorum favore, consilio, auxilio 
velint adesse ad exequendum litteras camerae apost. contra 
Guilelmum et Henricum Rumei mercatores Nurimbergen. 

„Dilecti filii etc. Mercatoribus Rom. curiam sequentibus.“ 
D. R. P. die 24. Aug. anno 1472 pont. a. 1. Simili modo 
,Jo. Loncher (Locbner) plebano Nurimbergen., juris utr. 
doctori. (Brev. 147. 360.) 

396 . Aug. 24. — mandat epo Asten. 1 ) et archipresbytero ßono- 
nien. ac officiali Salzburgen., ut parochialem ecclesiam in 
Rewt 2 ) Eysteten. dioec. (30 m. a.) per obitum Michaelis 
Ruderer, quondam Petri 3 ) tit. s. Vitalis cardinalis jam de- 
functi familiaris, vacantem Tilmano Mor clerico Treviren. 
dioec., familiari suo, qui vigore litterarum de 2 beneficiis 
ad eollationem epporum et caplorum Eysteten. et Salz¬ 
burgen. illam parochiam obtinuit, sed dubitat provisionem 
huiusmodi ex certis causis viribus non subsistere, aplica 
auctoritate assignent. 

„Grata famil.“ Ü. R. P. IX. Kal. Sept. anno 1. Gratis 
de mandato dni. n. pp. (Vat. 569 f. 215.) 

‘) Scipio Damiani 0. S. H. promotus 1469 Doz. 18, f 1473 Jul. 17. 
*) Wahrscheinlich Rott, Dck. Eschcnbach. — ’) Peter von Schaum- 
berg (Bisch, v. Augsburg) creatus 1439 Deo. 18, f 1469 Apr. 14. 

397 . Aug. 25. — confert Kiliano Horn, 1 ) deer. doctori, fratri 
Johannis Horn decani eccl. Bambergen., canonicatum et 
praebendam eccl. s. Stephani Bambergen. (8 tn. a.), vacantes 
per liberam resignalionem eiusdem Johannis in manibus 
suis (papae) factam. — Exec.: Eps Urbinat. et Bambergen, 
ac Herbipolen. eccliar. decani. 

16* 


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244 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

^Litt, sc., v. ac m. h.“ D. R. P. 1472 VIII. Kl. Sept. 
anno 2. - XII. X. - Exp. Non. Dec. anno 2. 

(Lat. 1730 f 185.) 

') Kilian Horn ist doeanns s. Stephani 1495 -1502; vgl. Jack, 
Buchdruckerkunst S. lc’8. 

398 . Aug. 27. — cum Kiliano Horn decr. doctori, in universitate 
studii Viennen. in facultate juris canonici ordinarie legenti, 1 ) 
cuiiam de canonicatu s. Stephani Bambergen., det]ua prinium 
vacante aplica auctoritate fuit provisum, dispensat, ita nt 
unacum illo canonicatu, alterum beneficium curatum vel 
alias incompatibile recipere valeat. 

„Litt, sc., v. ac m.“ 1). li. P. 1472 VI. Kl. Sept. anno 2. 
— XXX. (Lat. 735 f. 302.) 

') 1452 an der Universität Wien immatrikuliert; 14(58 als Doktor 
decrotorum in Pavia in die juristische Fakultät zu Wien autgenom- 
men, 1484 Rektor der Universität. (Braun, Gesell, der Heranbildung 
des Klerus in der Diüz. Würzburg. I. S. 188, 189.) 

399 . Sept. 4. — mandat epo Urbinat. et decano eccl. Aurien. 1 ) 
ac officiali Bambergen., ut perpetuam vicariam ad altare 

s. - Pauli situm in eccl. Bambergen. (4 m. a.) per obitum 
Henrici Niebier vacantem Martino Ahauser famiiiari Amici*) 

t. it. s. Mariae trans Tiberitn pbri cardinalis, clerico Bam¬ 
bergen. diooc., cpii vigore litterarum apostoliearum de ob- 
tinendis duobus beneficiis ad collationem epporum et capi- 
tulorum Bambergen, et Herbipolen. perlinentibus sibi con- 
cessarum iam illam vicariam nactus est, sed dubitat pro- 
visionem huiusmodi ex certis causis viribus non subsistere, 
apostolica auctoritate assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1472 pridie Non. Sept. anno 2. 
— XX. —- Exp. IX. Kl. Jun. anno 3. (Lat. 724 1’. 49.) 

l ) ln Wogest Nr. 701 wird Petrus de Ferrara als Docanus Aurionsis 
(Orense in Spanien) aufgeführt. — Bischof daselbst war Antoniottus 
Pallavioini, promotus 148(5 Jan. 27, Card. 1489 Mart 9, t 1507 Sept 11. 
*) Agnilili croatus 14(57 Sept. 18, bis 1469 Oct 13 Card. tit. s Bal- 
binae, f 1476 Nov. 9. 

100. Sept. 9. — .Jacobe Raw clerico Bambergen, dioec. 50. aetatis 
annum attingenti, qui canonicatum et praebendam eccl. s. 
Stephani Bambergen, in manibus Pauli 11 papae resignavit 
subsequenter ab eodetn papa Henrico Lebenther collatos, 
assignat annuatn pensionem 34 II. rhen. (5 marcas argenti 


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1472. 


Franconioa aus dem Vatikan. 


245 


vel circa coiistituenium) super fructibus parochialis ecclesiae 
in Rordorff Saltzeburgen. dioec. (16 m. a.), quam idem 
Henricus obtinet, cuius ad id expressus accedit assensus. 
— Exec.: Archieps Antibaren. 1 ) et Salczeburgen. ac Bam¬ 
bergen. officiales. 

„V. a. m. h.“ D. R. P. 1472 V. Id. Sept. anno 2. — 
XIII. XI. (Lat. 729 f. 77.) 

') Simon de Montona Vosich, doctor utriusque jur.; promotus 
1461 Oet. 26, translatus ad Justinopolitan. (Capo d’(stria) 1473 Nov. 26. 

401 . Oet. 7. — confert Conrado Lebenther in universitate studii 
Parisien. in jure studenti canonicatum et praebendam eccl. 
s. (iumperti opidi Onolspach Herbipolen. dioec. (8 m. a.) 
vacantes per liberam resignationem Pangratii de Redwitz') 
per Nicolaum Gleywicz can. eccl. YVratislavien in manibus 
suis factam. — Exec.: Praepos. Bambergen, et Bernardus 
Mercklinger can. Curien. ecclesiarum ac officialis Herbipolen. 

„V. ac m. h. u Ü. R. P. 1472 Non. Oct. anno 2. — 
XIII. XI. — Exp. III. Kl. Febr. anno 2. (Lat.730f. 102.) 

') Domherr zu Bamberg 1468—14<S3, schon seit 1454 Domherr zu 
Würzburg, f 10. Marz 1498. (31. Bericht des H. V. Bamberg S. 87 
und 91, Amrhein Reihenfolge, Archiv dos H. V. f. Ufr. 33, 81.) 

402 . Nov. 20. — cum Andrea Not halft monacho monasterii in 
Murhart 0. S. B. Herbipolen dioec. in 50. vel circa anno 
aetatis constituto, „dilecto“ Sigismundi ducis Austriae, qua- 
dam infirmitate, quam pro defensione iurium monasterii in 
Murhart incurrit, plurimum oppresso, dispensat ita, ut bene- 
ficium eoclesiasticum sine eura per clericos saeculares teneri 
solitum, recipere et retinere valeat. 

„Religionis zelus.“ D. R. P. 1472. XII. Kl. Dec. anno 2. 
- XXVI. (Lat. 728 f. 5.) 

403 . Nov. 2. — confert Eberhardo de Rabenstein litterarum 
apostolicarum abbreviatori, de militari genere ex utroque 
parente proereato, capellatn s. Cunegundis extra muros opidi 
Botestein ') Bambergen, dioec. (3 m. a.) vacantem per obitum 
Pancratii de Aufsess*) apud sedem aplicain defuncti. — 
Exec : Archieps Antibaren, et archidiaconus eccl. Bambergen, 
ac oflicialis Bambergen. 


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Dr. Theodor J. Sctaerg. 


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Sixtus IV. 

„Nob. gen.“ ü. R. P. 1472 IV. Non. Nov. anno 2. — 
Gratis pro deo. — Exp. Non. Nov. anno 2. 

(Lat. 728 f. 85.) 

l ) Pottenstein. — ’) Findet sich nicht verzeichnet in der Genea¬ 
logie bei Biedermann, Gebürg tab. 4, 5, 9, 10, 12, 14, 15, 16, wo er 
eingereiht sein könnte. 

404 . Dec. 8. mandat abbati s. Egidii Nurembergen. Bam¬ 
bergen. dioec. et praeposito Bambergen, ac Henrico Lebenther 
canonieo Wratislavien. ecclesiarum, ut Lucam Armbaurer 
clericum Bambergen, dioec., qui ad paroehialem ecclesiam in 
Kirchensittenpach Bambergen, dioec. (7 m. a.) per obitum 
Frederici Suntagi vacantem obtinendam cum Stephano 
Schero clerico Herbipolen. dioec. convenit, ut ipsi Stephano 
vel eius procuratori Henrico Ninter (aut Winter) clerico 
Herbipolen. dioec., annuain pensionem 10 fl. rhen. super 
fructibus illius parochialis eccl. solveret, quam quidem pen¬ 
sionem eidern Henrico per complures annos solvit, a simoniae 
labe absolvant eique praefatam paroehialem ecclesiam apo- 
stolica auctoritate conferant. 

„Solet aplicae sedis indefessa clementia.“ L). R. P. 
1472 III. Non. Dec. anno 2. — XXXVI. Exp. IX. Kl. 
Jan. anno 2. (Lat. 736 f. 54.) 

405 . Dec. 24. — confert Petro Mittag capellam s. Cunegundis 
in Botestein 1 ) Bambergen, dioec. (4 m. a.), quam quondam 
Pancratius de Aufsess familiaris Baptistae 2 ) s. Mariae in 
porticu diac. card. apud sedom aplicam defunctus possidebat 
et deinde Baltasar Zindel der. Herbipolen. dioec. dicti 
cardinalis etiam familiaris vigore litterarum apostolicarum 
XVIII. Kl. Januar, pontif. sui anno 2. (1472 Dec. 15) da- 
tarum sed litteris non confectis obtinuit et resignavit. — 
Exec: Archieps Antibaren, et decanus ac Joh. Stiber 3 ) 
canonicus eccl. Bambergen. 

„V. ac. m. h.“ D. R. P. 1472 IX. Kl. Januar, anno 2. 
— XIII. XI. Exp. X. Kl. Febr. anno 2. (Lat. 729 f. 318.) 

*) Vgl. oben Nr. 403. — 0 Zeno, crentus 1468 Nov. 21, presb. tit. 
s. Anastasiae 1470, eps Tusculan. 1 >79, f 150i Mai 7. — ’) Johannes 
Stiebar v. Buttenheim. 

1473 . 

406 . Jan. 13. — confert Johanni Kraenfuss pbro paroehialem 
ecclesiam s. Kiliani in Emskirchen ’) Herbipolen. dioec. 


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1473. 


Franconica aus dem Vatikan. 


247 


(12 m. a.) vacantem per liberam resignationem Georgii 
Klawenpach 2 ) a Johanne Schönleben prpcuratore in mani- 
bus suis factam. — Exec.: Praepos. Bambergen, et decanus 
s. Johannis in Haugis extra muros Herbipolen. ac Henricus 
Lebenther can. Wratislawien. ecclesiarum. 

„V. ac in. h.“ D. R. P. 1472 Id. Januar, anno 2. — 
XIII. XI. — Exp. Id. Febr. anno 2. (Lat. 728 f. 259.) 

■) Pfarrei Emskirohen im Kapitel Zenn in Mittelfranken. — 
s ) Unten Nr. 417 „Kluebenprisoh“; Nr. 797 „Claweupuseh“. 

407. Januar. 15. — mandat praeposito Bambergen, «et decano 
s. Johannis in Haugis extra muros Herbipolen ac Henrico 
Lebenther canonico Wratislawien., ut perpetuum beneficium 
„primissariam“ nuncupatum in parochiali eccl. ss. Kiliani 
et sociorum opidi Marchereibach 1 ) Herbipolen. dioec. (3 m. a.) 
per liberam resignationem Johannis Eberardi coram Johanne 
Düring der. Herbipolen. dioec. et publico imperiali auctori- 
tate notario factam vacans Johanni Kraenfuss de Marcherei¬ 
bach conferant. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1472 XVIII. Kl. Febr. anno 2. 
XXVI. — Exp. V. Id. Mart, anno 2. (Lat. 728 f. 133.) 

') Markterlbaeh im Kapitel Windsheim. 

408. Fehr. 1. — Venerabilis vir dominus Lueas de Armberwor l ) pro com- 
positione annntne paroohialis eec-1. s. Viti de Kirchensitenbach Ham¬ 
bergen. dioec. solvit lfj fl. auri de camera per manus suas specta- 
bilibus viris Laurontio et Juliano de Medicis. 

(Quidd XVI 1471/74 p. 133.) 

l ) Vgl. oben Nr. 404. 

409 . Febr. 5. — conf'ert Conrado Hering perpetuam vicariam 
ad altare s. Elizabeth situm in eccl. Eysteten. (6 tn. a.) 
vacantem per liberam resignationem Conradi Windisch ab 
Henrico Lebenther procuratore in manibus suis factam. 

„Vac. m. h.“ D. R. P. 1472 Non. Febr. anno 2. XII. 
X. — Exp. Kl. Jul. anno 2. (Lat. 726 f. 237.) 

410 . Febr. 5. — reservat Conrado Windisch der. Eysteten. dioec., 
qui eodem die per Henricum Lebenther canonicum Wratis- 
lavien. procuratorem suum perpetuam vicariam ad altare 
s. Elizabeth situm in eccl. Eysteten., exinde Conrado Hering 
collatam, resignavit. annuam pensionem 22 fl. rhen. super 


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248 


Dr. Theodor J Scherg. 


Sixtus IV. 

fructibus parochialis eccl. s. Bartholomae in Niesselbach,*) 
Herbipolen. dioec., solvendam per Johannem de Secken- 
dorff*) ipsius eccl. rectorein. — Exec.: Praepositus Bam¬ 
bergen. et decanus Ratisponen eccliarum ac officialis Eysteten. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1472 Non. Febr. anno 2. — 
XII. X. - (Lat. 726 f. 329.) 

*) Nesselbach bei Windsheim. — ’) Johannes v. Seckendorff-Nold, 
Domherr zu Eichstädt. Passau und Regensburg (Biedermann, Steiger¬ 
wald tab. 104). 

411 . Febr.19. — dispensat cum Henrico vom Lichtenstein,') 
rectore rectoriae eccl. Herbipolen., ita ut una cum ipsa 
rectoria aliud beneficium incoinpatibile recipere et quoad 
vixerit, retinere possit, dummodo amborum fructus annui 
insimul ultra valorem 24 fl. auri de eamera non excedant. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1472. XI. Kl. Martii anno 2. — XL. 

(Lat. 726 f. 90.) 

') Heinrich v. Lichtonstein, Domherr und Dompfnrrer in Würz¬ 
burg, f 4. März 1484 (Amrhein, Aich. UF. 32, 1:77 ) 

412 . Mart. 13. — Melchiori Truchsess familiari Theodori s. Theo- 
dori diaconi cardinalis, de militari generi procreato, cui iam 
I. Januar. 1472 de canonicatu cum reservatione praebendae 
eccl. Spiren. necnon de altern beneficio ad collationem epi 
et capli Herbipolen. pertinente providit, 1 ) indulget, ut in 
assecutione illins praebendae eisdem concessionibus et favo- 
ribus gaudere possit, ac si unus ex fainiliaribus suis existeret. 

„Nob. gen.“ D. R, P. 1472. III. Id. Mart, anno 2. — XXV. 

(Lat. 735 f. 287.) 

Vgl. oben Nr. 364. 

413 . Mart. 13. — mandat decano ecclesiae Eysteten., ut prae- 
posituram s. Solae in Sulnhofen eiusdem dioec. (100 fl. 
rhen.) O. S. B. per obitutn Conradi de Wonnecken vacantem 
atque a Reynhardo 1 ) tune abbate et conventu monasterii 
Fulden., ad quos collatio ipsius praepositurae pertinet, Fran- 
coni Morle alias Beheim*) monacho monasterii Fulden. 
collatam eidem Franconi de militari geilere procreato, dubi- 
tanti illam provisionem ex certis causis viribus non sub- 
sistere, apostolica auctoritate, si eum per examinationem 
idoneuin reppererit, assignet. 


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Franconica aus dem Vatikan. 249 

1473. 

„Exhibita siquidem nobis.“ D. R. P. 1472 III Id. Mart, 
anno 2. — XXVI. — Exp. IX. Kl. Jul. anno 2. 

(Lat. 723 f. 206.) 

') Vgl. oben Nr. 37t). — ’) Kranz von Mörlach, genannt Böhm. 
(Biedermann, Rhön-Werra 410), Kapitular in Fulda. 

414 . Apr. 4. — Styber Job., clor. Bambergen., solvit pro compositiono 

ann. canonicatus et praeb eccl. Herbipolen. 17 flor. per manus Joh. 
Alfonsi. (Quidd. 1471/4 f. 159.) 

415 . Mai 13. — supplicationibus YVilhelmi epi Eysteten. inclina- 
tus raturn et gratum habet, ut ex canonicatibus et prae- 
bendis eccl. Eysteten, ad quos adhuc nullus admittebatur, 
nisi de militari geilere ex 4 avis proereatus esset et nobili- 
tatem suam ante receptionem per quattuor viros nobiles 
seu inilitares probaret, etiam graduati, qui nobiles non sint, 
videlicet doctores aut saitein bacalaurei formati in theo- 
logia, qui inagistri in artibus studiorum ultramontanorum 
sint vel doctores seu licentiati in utroque seu altero iurium, 
sex dumtaxat canonicatus et praebendas et non plures reci- 
pere possint. 

„Ad perpetuam rei memoriam. Supernae dispositionis 
arbitrio.“ D. R. apud s. Petrum ad vincula 1473 111. Id. 
Mai. anno 2. — L. (Lat. 135 1. 344.) 

41W. Mai 22. — Henricus Lebenter, notarius causaruin palatii aplici coram 
Fantino auditore obl. se nomine Conradi Lebenter super ann. canoni¬ 
catus et praeb. eccl. s. Gumperti Onolzpacen. (8 m a.) vacantium 
per resignationem Pancratii de Redwicz, clerici eccl. Horbipolen., 
apud sodem aplicam factam. 1 ) 

Mai 21 solvit 18 flor. (Quidd. 1471/4 f. 165.) (Ann. d. d.) 

') Vgl. oben Nr. 401. 

417 . Mai. 29. — Joh. Kraenfuss, rector paroch. eccl. in Emskirchen 

(s. Kiliani) obl. se super ann. dictae paroch. eccl. (12 m. a.) vacantis 
per resignationem Georgii Kluebenprisch. 1 ) Promisit solvere infra 
sex menses. (Ann. d. d.) 

l ) Oben Nr. 406 Klawenpach (vielleicht „Klübenspies“), Nr. 797 
„Clawenpusch“. 

418 . .Jun. 4. — Georgius Busal der. Bambergen., nomine Georgi Eben- 
hoch, perpotui capellani ad altare omnium sanctorum in ambitu 
eccl. Ratisponen., obl. so super ann. paroch. eccl. in Burgebrach 
(5 m. a.) vacantis per obitum Conradi Fuber extra curium dofuncti 

1473 Jun. 4 solvit 12 flor. (Quidd. 1471/4 f. 169.) (Ann. d. d.) 

419 . Jun. 11. — mandat Lehotiardo 1 ) epo Microcomien. in civi- 
tate Eysteten. residenti et priori monasterii in Rebdorff 


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250 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

Eysteten. dioec. ac praeposito eccl. s. Crucis extra rauros 
Eysteten., ut Petrum Altzhower perpetuum vicarium ad 
altare s. Crucis situm in eccl. Eysteten., qui laicum quen- 
dam rnanibus propriis inhumaniter interfecisse dicitur, si 
eum huius sceleris reurn invenerint, ab illa vicaria amoveant 
eamque (6 m. a.) Jacobo Raschawer, rectori parochialis 
eccl. in Weyssenburg Eysteten. dioec., qui de hac re ad 
aplicam sedem rettulit, conferant. 

„V. ac in. h.“ D. R. P. 1473. III. Id. Junii anno 2. — 
XXV. — Exp. IX. Kl. Jul. anno 2. (Lat. 72(3 f. 235.) 

') PilImmer, Weihbisehof von Eichstätt. 

420 . Jun. 16. — rnandat officiali Herbipolen., ut parocb. eccle- 
siam s. Mathiae 1 ) in Rudershausen 2 ) Herbipolen. dioec. 
(24 fl. auri de carnera) vacantem per liberarn resignationem 
Thomae Grunwalt a Martino Inderclingen der. eiusdem 
dioec. in manibus suis factam Henrico Sturnkop pbro illius 
dioec., si eum per examinationem idoneum reppererit, assignet. 

„Dignuin arbitramur.“ D. R. P. 1473 XVI. Kl. Jul. 
anno 2. — XXIV. Exp. VII. Id. Oct. anno 3. 

(Lat. 729 f. 273.) 

') Wohl „Matthäus“ zu lesen. — ’) Vielleicht Rittershausen hei 
Ochsenfurt, woselbst „Matthäus“ Kirchenpatron ist. 

421 . Jun. 16. — reservat Thomae Grunwalt pbro Herbipolen. 
dioec., qui adeo contractus et manuum exercitio privat ns 
est, ut divinum officium peragere et animarum parochia- 
norum curam exercere non possit, et eapropter parochialem 
ecclesiam s. Mathiae in Rudershausen in manibus suis per 
Martinum Inderclingen der. Herbipolen. dioec. resignavit, 
annuam pensionem 10 fl. rhen. super fructibus ipsius eccle- 
siae (24 fl. auri de carnera) solvendam ab Henrico Sturnkop 
pbro eiusdem dioec., cui per alias litteras illa ecclesia est 
collata. — Exec.: Praepositus s. Burchardi extra muros 
Herbipolen. et Kilianus de Bibra Herbipolen. ac Gaspar 
Smidhauser Frisingen canonici ecclesiarum. 

» V. ac m. h.“ D. R. P. 1473 XVI. Kl. Jul. anno 2. 

(Lat. 726 f. 301.) 

422 . Jan. 29. — concedit Barbarae Aberdar de Seckendorf 1 ) 
mulieri Eysteten. dioec. facultatem habendi altare portatile. 


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1473. 


Franconica aus dem Vatikan. 


251 


„Sincera et.“ D. R. P. 1473 III. Kl. Jul. anno 2. VI. 

(Lat. 776 f. 271.) 

') Barbara v. Leonrod, Witwe des 1461 f Hans v. Seckendorf- 
Aberdar zu Möhren (Biedermann, Steigerwald tab. 116). 

423 . Jun. 30. — dispensat cum Martino de Kere custode eccl. 
Herbipolen., de militari genere ex utroque p. procr., ita ut 
duo beneficia invicem incompatibilia recipere et quoad 
vixerit retinere possit, dummodo illorum fructus insimul 
ultra valorem 24 fl. auri de camera annuatim non ascendant. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1473 pridie Kl. Julii anno 2.—-XL. 

(Lat. 729 f. 53.) 


424 . Jul. 3. — Unum par bullarum fuit redditum sine obl. pro Conrado 
Windisoh, der. Eysteten., super peusione annua 22 flor. assign. super 
fructibus paroch. eccl. s. Bartholomaei in Nesselbach occasione resi- 
gnatiouis perpetuae vieariae ad altare s. Elisabeth in eccl. Eysteten. 1 ) 
Reddit. de mandato, quia soluta est annata dictae vieariae. 

(Ann. d. d.) 

') Vgl. oben Nr. 410. 


425 . Aug. 24. — mandat Melchiori de Meckau') Brixinen, et 
Gaspari Schmidhauser Frisingen. ecclesiarum canonicis ac 
officiali Herbipolen., ut perpetuara vicariam ad altare s. Eli¬ 
zabeth siturn in eccl. Herbipolen. (4 m. a.) per obitum 
Johannis Schutz vacantem Johanni Meyer 2 ) clerico Lubicen., 
familiari suo, studiis incumbenti assignent. 

„Grat. fam. obs.“ D. Tibure 1473 IX. Kl. Sept. anno 2. 
Gratis de mandato. Exp. VII. Kl. Sept. anno 3. 

(Lat. 729 f. 170.) 

') Später Bischof von Brixen und Kardinal. — *) Ein Hans Meyer 
war 1405 Sehlosskaplan zu Waldmannshofen. (Arch. d. b. Ordinariates 
Würzburg Urk.-Abt. A) 

426 . Sept. 3. — mandat abbati monasterii s. Savini Placentin. 
et praeposito Bambergen ac decano Spiren., ut perpetuam 
vicariam in eccl. Herbipolen (4 m. a.) per obitum Johannis 
Schutz vacantem magistro Augustino de Collis clerico Ale- 
xandrin. de nobili genere procreato et utriusque iuris doc- 
tori, seriptori et familiari suo, qui adhuc studiis impendere 
curam non desistit, assignent. 

„Grat. fam. obs.“ D. R. P. 1473 III. Non. Sept. anno 3. 
— Gratis pro Deo. — Exp. IV. Id. Sept. anno 3. 

(Lat. 731 f. 85.) 


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Dr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

427 . Sept. 3. — item . . . eidem Augustino de Collis perpetuum 
benefioium ad altare s. Elizabeth situm in eccl. hospitalis 
eiusdem sanctae Bambergen 1 ) (21 fl. auri de caraera) per 
obitum eiusdem Johannis Schuz vacantem. 

„Grat. fam. obs. Ü. R. P. 1473 III. Non. Sept. anno 3. 
Gratis pro Deo. — Exp. IV. Id. Sept. anno 3. 

(Lat. 731 f. 112.) 

') Die Elisabethkirche am Ende der oberen Sandstrasse in Bamberg. 

428 . Oct. 6 . — Fredericmn Mulich clerieum Eysteten. dioec. in 
24. aetatis anno constitutum, qui perpetuam vicariam ad 
altare s. Viti situm in eccl. Herrieden, eiusdem dioec. 
(4 in. a.) per obitum Johannis Storzilpach alias Schuercker 
vacantem nulla super defectu aetatis dispensatione obtenta 
nullaque institutione canonica praecedente, sed potius teme- 
raritate propria per 8 menses vel circa indebite occupatam 
tenebat et fructus ipsius vicariae (8 fl. rhen.) percepit, a 
censuris hinc inde contractis absolvens decanis eccl. Onoltz- 
pacen. et Feuchtwangen. Herbipolen. et Augusten, dioec. 
ac Fatio de Galleranis canonico Beneventan. mandat, ut 
illam vicariam eidem Frederico assignent. 

„Sedes apostolica pia mater.“ D. R. P. 1473 pridie Non. 
Oct. anno 3. — XXXV. — Exp. VIII. Id. Nov. anno 3. 

(Lat. 731 f. 5.) 

429. Okt. 21. — confert Melchiori Truchsess, de militari geliere 
ex utroque parente procreato, Theodori s. Theodori diac. 
cardinalis familiari, Rudolfi epi Herbipolen. in Romana curia 
negotiorum gestori, praeposituram s. Crucis in Hunfelt Herbi¬ 
polen. dioec. (4 m. a.), vacantem per obitum Petri Hunt. 
— Exec.: Abbas monasterii s. Savini Placentin. et prae- 
positus eccl. Bambergen, ac of'ficialis Herbipolen. 

„Nob. gen.“ I). R. P. XII. Kl. Nov. anno 3. — XIV. XII. 

(Vat. 5U0 f. 128.) 

430. Oct. 22. — Henrieus Dimor der. Herbipolen. obl. so super nun. 
cauonicatus et praeb. eccl. s. Johannis in Haugis Herbipolen. vaoan- 
tium per resignationetn Johannis Epbenfelmant’) in manibus or- 
dinarii factam. Promisit solvere infra 6 menses. (In meliori forma.) 

(Ann. d. d.; Intr. et exit. Sixti IV, S. 480 p. 33.) 

‘) Vielleicht Flachsenlant vgl. Nr. 141, 168 (Bd. XVi), 435. 


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253 


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1473. 

481 . Oct. 25. indulget Ulrico ahbati et monachis monasterii 
b. Mariae in Planckesteten 0. S. B. Eysteten. dioec. per 
Victorem papam II ') fundati, ut propter piscium penuriam 
tribus diebus in hebdomada carnibus vesci eis liceat ex- 
ceptis diebus quadragesimalibus et. adventus Domini ae 
aliis, quibus esus earnium de eonsuetudine vel de jure est 
interdictus. 

„Ad perpetuam rei memoriam. Apostolicae mansuetu- 
dinis consuetudo.“ D. R. F. 1473 VIII Kl. Nov. anno 3. 
LXXX. (Lat. 736 f. 138.) 

') Papst Viktor II. (1056 — 1057), früher Bischof Gebhard von 
Eichstätt. 

432. Nov. 19. — mandat Vito Truchsess praeposito eccl. Bam¬ 
bergen. in Romana curia residenti, ut Johannem Krontal 
clericum Herbipolen. dioec. a quibusdam excessibus absol- 
vat et cum eo super irregularitate dispenset; ipse enim 
Johannes obsequiis cuisdam militis insistens et ab eo iusstts 
obsidioni cuiusdam opidi, ubi certae villae et una parochialis 
ecclesia ignis incendio combustae ac aliqui homines ita 
vulnerati et mutilati sunt, ut mors exinde sequeretur, arma- 
tus interfuit et deinde tamquam simplex et iuris ignarus 
(credens id sibi licere) de mandato eiusdem militis quasdam 
litteras diffidatorias contra certos laicos manu propria scripsit, 
post quarum intimationem expugnationi cuiusdam villae 
postmodum simili incendio concrematae herum armatus per 
ipsum militem iussus interfuit nesciens, si ex vulneratione 
illorum, qui interfuerant, mors sit subsecuta, quibus quidem 
in pugnis ipse Johannis manu propria neminem percussit. 1 ) 

„Apostolicae sedis indefessa clementia.“ D. R. P. 1473 
XIII Kl. Dec. anno 3. — XX. (Lat. 7 4 f. 298.) 

') Vielleicht der Feldzug im Juni 1470 gegen die Brüder v. Roson- 
berg, welche die Kirchhöfe von Schwaigern und Unterschüpf be¬ 
setzt hatten (Fries, Chronik l 809). Vgl. unten Nr. 446. 

433. Deo. 3. — Frater Job. Landeies monasterii s. Sixti in Holzkirchen 

O. S. B. procurator ad infrascripta legitime constitutus a praeposito 
et oonveutu, ut constat publico instrumento acto in monasterio 
2 Sept. 1473, ohl. se nomine conventus et totius monasterii super 
aun. paroch. eeclesiarum in Erlembach (20 m. a.) et in Helmstat 
(10 m. a) uniendarum dicto monasterio cedentibus vel decentibus 
simul vel successive eeclesiarum rectoribus. Promisit solvere hic in 
curia infra 6 menses. (In meliori forma.) (Ann. d. d.) 


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2 54 

Sixtus IV. 

434. Dec. 11.— Kilianus de Bibra praepositus eccl. s. Joh. Novimonasterii 
Herbipolen. decretorum doctor solvit per munus Henrici Dimer der. 
Herbipole» 90 flor. pro ann. dictae praopositurae. 

(Quidd. 1471/4 f. 210.) 

435. Deo. 14. — Henricus Dimer clor. Herbipolen. obl. se nomine Kiliani 
de Bibra 1 ) praepositi eccl. s. Joh. Novimonasterii Herbipolen., decre- 
torum doctoris, pro annata dictae praepositurae (40 m. a.), super 
cuius fructibus annua pensio 60 flor. cuidam Joh. Flacsenlant *) reser- 
vata erat, vacantis per obitum Ludovici de Weyers.*) 

(Ann. d. d.; Intr. et ex. Sixti IV. N. 489 p. 33.) 

‘i Amrhein, Arch. d. hist. Vereins f. Ufr. Bd. 33 S. 21. — ’) Joh. 
Werner v. Flachslant Domdecau zu Basel. Vgl. 141, 168(Bd. XVI),430. 
*) Amrhein a. a. O. Bd 32 S. 270. 

1474 . 

43f>. Januar. 31. — Bernhero (W.) abbati et conventui monasterii 
s. Johannis Evangelistae in Michelfeit O. S. B. Bambergen, 
dioec., qui circa confines Boemorum et haereticorum consi- 
stentes saepe nobiles et militares bona et iura eiusdem 
monasterii pro maiori parte defendentes ad hospitandum 
recipere debent, indulget, ut carnibus vesci valeant. 

„Sacrae religionis.“ D. R. P. 1473. pridie Kl. Febr. 
anno 3. — LXX. (Lat. 735 f. 230.) 

437. Febr. 8. — cum Johanne Greussing 1 ) de militari genere 
procreato rectore parochialis ecclesiae in „durun* (!) 2 ) Herbi- 
polen. dioec. dispensat ita, ut unaeum hac ecclesia aliud 
beneficium cum cura recipere et quoad vixerit retinere 
valeat, dutnmodo amborum fructus insimul ultra valorem 
24 fl. auri de camera annuatim non ascendant. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1474. VI. Id. Febr. anno 4. - XXXX. 

(Lat. 750 f. 228.) 

‘) Joh. Groussing war zugleich Domherr in Würzburg (Amrh. 

• Arch. d. hist. V. f. Unterfr 32, 276.) — *) Pfarrei Durun = Walldürn. 

438 . Febr. 9. — mandat magistro Johanni de Caesariis capellano 
suo et causarutn palatii aplici auditori, ul canonicatum et 
praebendam eccl. Brixinen. (10 in. a.), quos per obitum 
Conradi Judenfress vacantes .Tacobus Raw der. Bambergen, 
dioec. vigore quarumdam litterarum sibi per Paulum papam II 
concessarum recepit et super quibus contra Gasparum Spauer 


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1474. 


Franconica aus dem Vatikan. 


255 


coram magistro Bartholomeo de Belencinis capellano suo 
eausarum aplici palatii auditore litigat, eidera Jaeobo assignet. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1473. V. Id. Pebr. anno 3. — 
XXV.— Exp. XVI. Kl. Mart, anno 4. (Lat. 738 f. 219.) 

439. Mart. 3. — mandat Nicolao de Ubaldis capellano suo et 
eausarum palatii apostolici auditori, ut scolasteriam ecclesiae 
Brixinen., de qua per obitum Jacobi Lotter vacante ipse 
papa Johanni Horn familiari suo providit opponentibus se 
Ulrico von der Alben et Stephano Steinhorn, si invenerit, 
nulli eorum jus ad eam competere, illi Johanni Horn conferat. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1473 V. Non. Mart, anno 3. - XX. 

(Vat. 572, f. 203.) 

440. Mart. 10. — episeopum Bambergen, et abbatem monasterii 
Scotorum extra Herbipolen. ac praepositum eccl. b. Mariae 
in Tewerstat extra Bambergen, moros constituit eonserva- 
tores et arbitros in controversiis, quae inter Vitum Truch¬ 
sess 1 ) praepositum ex una et decanum ac capitulum eccle¬ 
siae Bambergen, ex altera parte super quibusdain emolu- 
mentis ab illo his quotannis assignandis et aliis in certis 
statutis ipsius ecclesiae contentis observandis, ad quae 
quidem ipse Vitus praepositus, sicut iuravit, semper promp- 
tum se declarat, forsan orirentur. 

„Super gregem üominicum.“ D. R. P. 1473. VI. id. 
Mart, anno 3. — XX. (Vat. 606 f. 494.) 

') v. Pommersfelden. 

441. Mart. 13. — mandat abbati monasterii in Coinburg Herbi¬ 
polen. dioec., ut perpetuas vicarias s. Martini in Bottwar 
(55 fl. auri rhen.) et s. Laurentii Rothenwester (62 fl. auri 
rhen.) Spiren. et Herbipolen. dioec. ad praesentationem 
abbatis et conventus monasterii s. Januarii in Murhart 0. S. B. 
Herbipolen. dioec. pertinentes simul vel successive supprimat 
et exstinguat praefatisque abbati et conventui, qui guerris, 
incendiis et rapinis annis retroactis plurimum afflicti fuerunt 
et pro quibus Ulricus comes de Wirtemberg supplicavit, 
concedat, ut illis ecclesiis per presbyteros idoneos saeculares 
vel sui ordinis et monasterii reguläres ad nutum amovibiles 
deserviri facere possint. 

„Romanum decet pontificem.“ D. R. P. 1473 III. Id. 
Mart, anno 3. — XXV. (Lat. 755 f. 122.) 


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Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

442 . Apr. 7. — Joh. Arsen obl. se pro arm. canonicatus et praeb. ecel. 

s. Joh. Novimonnsterii Herbipolen. (8 m. a.) vacantis per obitum 
Joh. Markart extra curiam defuncti. Promisit solvere infra (j menses. 
In meliori formal (Ann. d. d.) 

443 . Apr. 11. — mandat decanis I). Mariae in Thewerslat et 
s. Jacobi extra Bambergen, ac s. Johannis in Haugis extra 
Heibipolen. muros, ut in causa Hermanni Reynsperger 
elerici Bambergen. 1 ) dioec. legmn doctoris contra Predericum 
praepositum et conventum monasterii opidi Langenczenn 
0. S. A. Herbipolen. dioec., qui, ut asserit ille Hermannus, 
quandam curiam in villagio Hawsen *) prope Langenczenn 
ad ipsum Hermannum legitime pertinentem indebite oceu- 
patam detinent, decernant. 

„Humilibus supplicum votis.‘‘ D. R. P. 1474. III. Id. 
Apr. anno 3. — X. (Lat. 732 f. 178.) 

') Vgl. unten Nr. 444 und 478. - 2 Weiler Hausen bei Langenzcnn 

444 . s. d. — cum Hermanno Reinsperger *) rectore parochialis 
ecclesiae s. Bartholomaei in Kirchenehrenbach Bambergen, 
dioec. legum doctore dispensat itu, ut u-que ad septennium 
obsequio alicuius principis aut litterarum studio insistendo 
aut in Romana curia apt in altero beneliciorum suorum 
residendo minime teneatur ad sacros ordines se promoveri 
facere, iluminodo inlra primum annum ipsius septennii ad 
subdiaconatus ordinem rite promotus sit. 2 ) 

„Litt. sc. v. ac m. h.“ (Lat. 760 f. 187.) 

'j Hermann Reynsberg, siehe Looshorn 4, 833 — 4 ) Das Akten¬ 
stück ist ohne Datum und ohne weitere Ausfertigung, weshalb auch 
seine Aushändigung fraglich ist. 

445 . Apr. 23. — Johanni de Oettingen, qui ex nobili comitum 
geilere procreatus et 17. anrmm agens „dilectus“ regis 
Danorum existit, canonicatum cum reservat ione praebendae 
in eccl. Herbipolen. confert. 1 ) — Exec.: Praepositus eccl. 
in Feuchtwangen et Eberhardus de Rabenstein canonicus 
Bambergen, ac officialis Herbipolen. 

„Nob. gen.“ D. R. P. IX. Kl. Mai anno 3. — Gratis 
de mandato dni n pp. (Vat. 663 f. 88.) 

*) Kr kam nicht in den Besitz der Pfründe. 

446 . A] ir. 26. — mandat epo Eysteten., ut cum Laurentio Menger 
clerico Eysteten. dioec. super irregidaritate dispenset; hie 
enim taniquam iuris ignarus, credens id sibi licere, mandanie 


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257 


1474. 

Alberto marchione Brandenburger)., in cuius cancellaria 
tune scriba existebat, diffidatorias et nonnullas alias litteras, 
per quas idem marchio nonnullis ofticialibus potestatem 
commisit iudicandi de aliquibus personis tune propter delic- 
tum carcere mancipatis etiam in casibus, quibus ultimo 
supplicio tradendi erant, et Confessiones malefactorum etiam 
forsan ultimo supplicio traditorum seripsit. 1 ) 

„Apostolieae sedis indefessa clementia.“ D. R. P. 1474 
VI. Kl. Mai anno 3. — XXXVIII. (Lat. 739 f. 11.) 

*) Vgl. oben Nr. 432. 

447 . Mai. 12. — Eberardo de Rabenstein canonico Bambergen, 
abbreviatori suo, cum illius canonicatus fructus tarn parvi 
sint, ut sibi in curia Romana residenti vix sufficiant, ad 
instantiam Martini Heyden utriusque iuris doctoris et im- 
peratoris Priederici ambassadoris pro eo affini suo suppli- 
cantis concedit, ut dum ipse Eberardus vivit, illi canonicatui 
ecclesia parochialis s. Martini Bambergen. (8 m. a.) incor- 
poretur. 

„Ad futurum rei memoriam. Romanum decet pontificem.“ 
D. R. P. IV. Id. Mai. anno 3. — X. Residuum gratis. 

(Vat. 563 f. 43.) 

448 . Mai. 25. — eonfert Johanni de Petra 1 ) decanatum ecclesiae 
s. Petri et Alexandri Asohaffenburgen. Maguntin. dioee. 
cum praebenda (30 m. a.), quos Johannes Ryff 2 ) coram 
Johanne CzentgrafT clerico Herbipolen. et notario publico 
libere resignavit. — Exec.: Decanus Rhemen. et Rure- 
munden. ac s. Cuniberti Colonien. ecclesiarum praepositi. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1474 VIII. Kl. Jun. anno 3. 
— XXV. (Vat. 573 f. 316.) 

') Amrhein, Archiv des H. Ver. f. Untorfr. 26,92. (Die Prälaten 
und Kanoniker des ehemaligen Kollogiatstiftes St. Peter und Ale¬ 
xander zu Aschaffenburg ) — Reiff (Amrhein a. a. 0. 91). 

449 . Mai. 29. — inandat praeposito b. Mariae in Feuchtwangen 
Augusten, dioec. et Eberhardo de Rabenstein can. Bam¬ 
bergen. ecclesiarum ac officiali Herbipolen., ut capellam 
s. Gothardi in ponte Herbipolen. (4 m. a.) per obitum 
Andreae Seitz vacantem Valentine Hafflein der. Herbipolen. 
dioec. assignent. 

Arohivalische Zeitschrift. Neue Folge. XV. 17 


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Sixtus IV. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1474. IV. Kl. Jun. anno 3.- 
XIV. — Exp. IX. Kl. Januar, anno 4. 

(Lat. 739 f. 163.) 

450 . J uni. lü. — Joh. Mennchen der. Maguntin. dioec. in Romanu curia 

soilic.itator causarum obligat se pro nun. perpetuae vicariae in eccl. 
Horbipolen. ((> in. a.) vacantis per obitum Joh. Schultz extra curiam 
defuncti. Promisit solvere infra <> menses a die habitae possessionis. 
In meliori formal (Ann. d. d.) 

451 . Jul. 11. — dispensat cum Friderico Eltlein clerico Herbi- 
polen. dioec., familiari suo, ita, ut duas ecclesias parochiales 
vel superiores dignitates cum praebendis (exceptis episco- 
palibus) recipere et retinere valeat, dummodo eorum fructus 
anni 24 flor. auri valorem non excedant. 

„Grata fam. a D. R. P. V. Id. Jul. anno 3. - Gratis 
de mandato dni. n. pp. (Vat. 663 f. 463.) 

452. Juli. 31. — Mathias Kint der. Herbipolen. dioec., familiaris papae, 
obl. se super ann. perpetuarurn capellaniarum, unius ad altaro 
s. Catharinae in eccl. Herbipolen. et alterius ad altare trium regum 
in eccl. b. Mariae virginis in Hbersbach (cuislibot fructus 5 m. a.), 
vacantium per obitum Andreae Seitz. In meliori formal 

1477 Apr. 2 habuit prorogationem ad unuin mensom. 1479 Mart. 4 . 
solvit 11 Hör. (Ann. d. d.) 

453 . Aug. 29. — mandat magistro Johanni Francisco de Pa- 
vinis capellano suo et causarum apostolici palatii auditori, 
ut eapellatn s. Kunigundis extra muros opidi Botenstein 
(8 m. a.) per obitum Pangratii de Aufses, quondam Bap- 
tistae ‘) tit. s. Anastasiae pbri (tune s. Mariae in Porticu 
diaconi) cardinalis familiaris, apud sedem apostolioam de¬ 
functi vacantem, super cuius possessione Eberhardus de 
Rabenstein der. Bambergen dioec., cui de ipsa eapella 
apostolica auctoritate rite provisum erat, contra Petrum 
Mittag clericum coratn magistro Gabriele de Cancarelis 
causarum palatii aplici auditore aliquamdiu litigabat, eidem 
Eberhardo auctoritate aplica conferat. 

„V. ac m. h.“ I). R. P. 1474. IV. Kl. Sept. anno 4. — 

XVI. — Exp. Id. Apr. anno 4. (Lat. 744 f. 212.) 

■) Zono. Vgl. oben Nr. 405. — *) Peter Mittag, 9. Juli 1494 Friih- 
messer in Kleinochsenfurt. (Arcb. d. b. Ordin. Wzbg. Urk.-Abtlg. A ) 

154. Oct. 1. — confirmat abbati et conveutui monasterii s. Wuni- 
baldi in Heydenbeim 0. S. B. Eysteten. dioec. supplican- 
tibus decimas quasdam, (pias ipsi abbates et conventus a 


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259 


1474. 

tanto tempore citra, de cuius contrario hominum memoria 
non existit, perceperunt i. e. in Rocking, 1 ) Geylsheym,*) 
Meyersheyn et Ostheym tertiam ac in PHaunfeld, Titen- 
heym, 3 ) Meinheym, 4 ) Winsuelt 5 ) et Alesheym 6 ) mediam 
necnon in Wolfprun, Hochentruchending, 7 ) Peroltheym 8 ) et 
Spilberg locorum Eysteten. dioec. paroch. ecclesiis fructu- 
um decimarum partes unam necnon quoddatn praedium 
villicale et tres mansiones in loco de Hinsing eiusdem dioec. 
consistentia et ad ipsum monasterium pleno iure spectantia. 

„Piis et humilibus supplicum votis.“ D. R. P. 1474. Kl. 
Oct. anno 4. — XX. (Lat. 744 f. 63.) 

') Rückingen. — *) Geilsheim. — *) Dittenheim. — 4 ) Meinheim. 
*) Windsfeld. — °) Alesheim. — 7 ) Hohentrüdingen. — 8 ) Berolzheim. 

455 . Oct. 16. — reservat Mathiae Carnificis clerico Herbipolensi 
20. annum agenti, familiari suo, unum vel duo beneficia 
ad collationem capitulorum ecclesiarum s Johannis in Haugis 
et s. Burcardi extra muros Herbipolen. sitarum spectantia. 1 ) 

„Grat, fam.“ I). R. P. 1474. Pridie Non. Oct. anno 4. — 
Gratis de mandato dni. n. pp. (Vat. 678 f. 236.) 

l ) Cfr. Nr. 630. 

456 . Nov. 12. — confert Gasparo de Spaur clerico de militari 
geilere ex utroque parente procreato, utriusque iuris doctori, 
hodie per Johannen) Horn clericum Augusten, canonicatum 
et praebendam eccl. Augusten, perrnutationis causa resi- 
gnanti quoddam perpetuurn beneficium ecclesiasticum ad 
altare s. Johannis Evangelistae situm in parochiali eccl. 
Hainsfurt 1 ) Eysteten. dioec. (9 m. a.), quod eadem de causa 
Laurentius Ruperti licentiatus in decretis resignat. — Exec.: 
Augusten, et Constantien. ecclesiarum praepositi ac officialis 
Constantien. 

„Apostolicae sedis circumspecta benignitas.“ D. R. P. 
1474 pridie. Id. Nov. anno 4. — XII. XI. — Exp. XI. 
Kl. Dec. anno 4. (Lat. 748 f. 188.) 

') Huinsfahrt hei Oettingen. 

457 . Nov. 18. — reservat Johanni Meyersbach') pbro Herbi¬ 
polen., qui aliquamdiu super parochiali eccl. s. Kiliani in 
Wersach 2 ) (5 in. a.) contra Johannem Krelis 3 ) litigabat, 
annuain pensionem 9 (1. per eundem Johannem, cui de 

17 * 


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Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

ipsa ecclesia aplica auctoritate prov'isum est, solvendam. — 
Exec.: Praepositus ecol. ss. Petri et Pauli Bardewicen. 
Verden, dioec. et Herbipolen. ac Bambergen, officiales. 

„V. ac in. h.“ D. R. P. 1474. XIV. Kl. Dec. anno 4. — 
XII. X. (Lat. 745 f. 80) 

*) Joh. Meyersbach aus Mellrichstadt bezog im Wintersemester 1464 
die Universität Heidelberg als clericus Herbipolen. (Toepko I 814) 
und war später Kanonikus an St. Burkard in Wiirzburg (Wieland, 
Arch. d. H. Ver. f. Unterfr. In. (I. 2. S. 143). — *) Wahrscheinlich 
Orlach im Kapitel Kütizelsau, wo eine Pfarrkirche s. Kiliaui bestand. 
") Wohl Krebs zu lesen. 

458 . Nov. 21. — Conrado Schad *) decretoruin doctori, cui iam 
litteris Kl. Januar. 1472 datis de canonicatu cum reser- 
vatione praebendae eccl. Ratisponen. neenon de beneficio 
ecclesiastico ad collationem epi et capli Bambergen, perti¬ 
nente provisum est et qui vigore harum litterarum canoni- 
catum et praebendam ecclesiae Ratisponen. neenon quan- 
dam perpetuam sine enra vicariam in ecclesia Bambergen, 
obtinuit, quam quidem vicariam postea germano suo cessit, 
licentiam concedit recipiendi aliud beneficium ecclesiasticum 
ad collationem epi et oapli Ratisponen. pertinens, dummodo 
parochialis ecclesia vel eins perpetua vicaria non oxistat 
et eins ac illitis praebendae fructus 24 m. a. annuum valorem 
non exeedant. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1474. XI. Kl. Dec. anno 4. - 
XX. — Exp. III. Non. Dec. anno 4. (Lat. 749 f. 105.) 

') Bericht d. Hist. Ver. Bamberg 7, 108. Vgl. oben Nr. 365 und 
unten Nr. 459. 

459 . Dec. 19. — concedit Conrado Schad der. Bambergen, dioec., 
decr. doctori, cui nuper beneficium cum cura ad collationem 
epi et capli Ratisponen. pertinens reservavit, ut in ipsius 
beneficii asseoutione similibus antelationum praerogativis 
et favoribus gaudeat, quibus nonnulli familiäres sui utuntur. 

„Litt, sc., v. ac m. h. fa D. R P. 1474 XIV. Kl. Januar, 
anno 4. — XXV. — Exp. pridie Non. Nov. anno 5. 

(Lat. 757 f. 222.) 

460 . Deo. 23. — Dominus Stephanus de Cuoiis Vercell., cardinalis Man- 
tuani 1 ) familiaris, nomine Frederici de Rawenecke clerici Bambergen, 
obl. se pro nun. canonicatus et praebendae eccl. Bambergen. (12 m. a.), 


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Franconica aus dem Vatikan. 


261 


1474. 

qui vacantes per obitum Alberti de Eybe extra cur. Rom. defuncti 
eidom Frederico collati sunt Romao Non. Aug. anno 4 (1475 Aug. 5). 
— Solvit annatam 27 fl. (Ann. d. d.) 

•) Gonzaga Franz. Card. tit. s. Mariae novae, creatus 1465 III 16, 
f 1483 Oct. 21. 

461 . Dec. 31. — confirmans privilegia ecclesiis parochialibus 
s. Sebaldi et s. Laurentii opidi Nürnberg Bambergen, dioec. 
ab Urbano VI „in sua obedientia nuncupato“ coneessa 
(sc. ut in illa saltera 4 cum nota et 18 sine nota, in hac 
autem 3 cum nota et 9 sine nota rnissae diebus singulis 
per rectores, vicarios et ministros ipsarum ecclesiarum cele- 
brarentur, ut ipsae per sufficientes et venerabiles personas 
gubernarentur, ut rectores in ipsis ecclesiis residentiam 
facerent personalem, ut fructus earum nullis aliis usibus 
quam ad ipsarum gubernationem debitam applicarentur, ut 
ipsae ecclesiae nonnisi sacerdotibus aut aetatem suscipiendi 
sacerdotium habentibus et alias sufficientibus et idoneis 
conferri possent), temporum adversante malitia magis ma- 
gisque perversa, cum nonnulli parum experti et minus 
litterati ac non qualificati, asserentes de ipsis ecclesiis 
vigore litt.erarum apostolicae gratiae exspectativae sibi con- 
cessarum et alias auct.oritate apostolica sibi provisum esse, 
de illis privilegiis Urbani VI nulla facta mentione: eadem 
privilegia stricte observari iubet. 

„Ad perpetuatn rei memoriam. Inter curas innumeras.“ 
D. R. P. 1474 pridie Kl. Januar, anno 4. — C. — 

(Vat. 666 f. 549.) 

462 , Januar. 13. — confert Johanni Saler alias Seratoris clerico 
Bambergen, dioec. paroehialem ecclesiam in Kirchsitten¬ 
bach (6 m. a.) 

Ü. R. P. Id. Jan. anno 4. — Gratis pro Deo; iuravit. 

(Vat. 619 f. 135.) 

463a. Febr. 17. — Nicolao Hessler pbro Herbipolen., Johannis 1 ) 
tit. s. Clementis pbri ac Francisci 2 ) tit. s. Eustachii diaconi 
cardinalium successive familiari, eoncedit licentiam et facul- 
tatem omnia beneficia, quae obtinet et in posterum obtinebit, 
cuiusvis alterius super hoc Iicentia minime requisita resi- 
gnandi et cum aliis beneliciis perinutandi. 3 ) 


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262 


Dr. Theodor J. Sclierg. 


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Sixtus 1Y. 

V. ac m. h. D. R. P. 1474 XIII. Kl. Mart, anno 4. — XL. 

(Lat. 745 f. 32.) 

') de Castillione, creatus 1456 Dec. 15, f 1460 Apr. 14. — ’) Picco¬ 
lomini, creatus 1460 Mart. 5 (= Papst Pius III. 1503 Sept. 22 — Oct 18). 
— 8 ) Am 13. Sept. 1474 hatte Melchior Truchsess von Pommersfelden 
Kanonikus von Speyer in Wurzburg (St. Burkard) als päpstl. Kollek¬ 
tor in der Kirchenprovinz Mainz bestätigt, dass Nikolaus Hessler, 
Kustos von Neumünster in Würzburg, die Annaten der Pfarrei 
Kitzingen an diesem Tage im Betrage von 5 m. a. bezahlt habe. 
Sein Bruder Georg Hessler, Propst von St. Martin in Worms und 
späterer Kardinal, hatte Bürgschaft geleistet. (Div. Cam. 40 f. 131.) 

463 . Mart. 5. — ad instantiam decani et capituli ecclesiae colle- 
giatae, in quam per Piurn II. monasterium s. Burchardi 
0. S. B. Herbipolen. transformatum est, illos canonicatum 
et praebendam in ipsa ecclesia, qui per resignationein Mel- 
ehioris Truchsess de Pommersfelden eodem die factam 
vacant, supprimit. 

„Ad perp. rei mem. Debitum pastoralis officii.“ D. R. P. 
1474 III. Non. Mart, anno 4. — XXX. (Vat. 616 f. 66.) 

464 . Mart. 5. — reservat Melchiori Truchsess canonico Spiren. 
acolytho suo annuam pensionem 40 fl. super fructibus cano- 
nicatus ef praebendae ecclesiae s. ßurcardi extra muros 
Herbipolen., quos is eodem die resignavit. — Exec.: Auri- 
ensis et s. Johannis Maguntin. ac s. Pauli Wormatien eccle- 
siarum decani. 

„Grat, dev.“ D. R. P. III. Non. Mart. 1474 anno 4. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 607 f. 30.) 

465 . Apr. 12. — confert Conrado Cobrink clerico Osnabrugen. 
dioec., familiari Juliani 1 ) tit. s. Petri in vinculis cardinalis, 
canonicatum et praebendam ecclesiae Herbipolen. vacautes 
ex eo, quod Philippus*) eorum possessor in episcopatum 
Bambergen, promotus est. 3 ) — Exec.: Decanus ecclesiae 
s. Johannis Osnabrugen. et Colonien. ac Maguntinen. officiales. 

„Nob. gen.“ D. R. P. pridie Id. Apr. anno 4. 

(Vat. 568 f. 203.) 

’) della Rovere, creatus 1471 Dec. 15, eps Sabinen. 1479 Apr. 19, 
Ostien 1483 Jan. 31 (= Papst Julius II. 1503 Nov. 1 — 1513 Febr. 20). 
*) de Henneberg. — 3 ) Conrad Cobrink war 1479 auf der Universität 
Bologna als Kanonikus der Domkirche zu Osnabrück (Knod 259). 


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263 


1475. 

466 . April. 29. — coneedit Wilhelmo comiti de Hennenberg 1 ) 
Herbipolen. dioec. eiusque uxori Margarelae facultatem ha¬ 
bendi altare portatile. 

„Dev. v.“ D. R. P. 1475 III Kl. Mai. anno 4. — VI. 

(Lat. 758 f. 205.) 

') Graf Wilhelm IV. von Henneborg-Schleusingon, f 1480 Freitag 
nach Pfingsten (Mai 20), seine Gemahlin Margaretha von Braun- 
sohweig starb 13. Febr. 1509. (Schultes, G. d. H. Hennoberg II., 
S. 129 u. 130.) Graf Wilhelm ist der Bruder des Fürstabtes Johannes 
zu Fulda und des Bertbold v. H., Domherr zu Bamberg und an anderen 
Stiftskirchen. 

467 . Mai. 5. — mandat epo Nucerino 1 ) et Bambergen, ac Herbi¬ 
polen. oflieialibus, ut perpetuam capellaniam ad altare Cor¬ 
poris Christi situm in ecclesia parochiali in Meiningen Herbi¬ 
polen. dioec., vacantem ex eo quod Philippus, eins possessor, 
in episco])um Bambergen, promotus est, Henrico Bartholomaei, 
familiari Jtdiani tit. s. Petri in vinculis cardinalis, assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475. III. Non. Mai. anno 4. 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 582 f. 233.) 

*) Minutoli Jac. 1472—76. 

408. Mai. 11. — Dominus Thesaurarius habuit ab Henrico ex comitibus 
de Hennebergh 22 fl. 36 sei. pro compositione annatae canonicatus 
et praebendae ecclesiae Bambergen, per manus Eborardi de Rabe¬ 
stein. 1472 in die nat. dni solvit med. duc. (Iutr. et exit. 491 p. 72.) 

469 . Mai. 16 . — cum Hawtone 1 ) Marschalk de Pappenheitn 
canonico Eysteten. et Ratisponen ecclesiarum — exponente 
se iam subdiaeonum existentem (piadam nocte ab aliquibus 
laicis sibi obvenientibus et sectiin rixantibus, non tarnen 
sine aliqua sua culpa, media parte indicis manus sinistrae 
privatum super hoc autem a Pio II. habilitationem episcopo 
Eysteten. commissam impetrasse, postmodum vero ad paro- 
chialem ecclesiam s. Michaelis in Gnotzheim Eysteten. dioec. 
per resignationem Conradi Schenk *) vacantem a genitore 
suo Henrico Marschalk milite tamquam eius patrono prae- 
sentationem et ab episcopo Eysteten. institutionem ob- 
tinuisse, — dispensat ita, tit ad septennium ad diaconatus 
et presbyteratus ordines ratione illius ecclesiae promoveri 
minime teneatur. 


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Sixtus IV. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1475 XVII. Kl. Jun. anno 4. — 
XXV. (Vat. 576 f. 260.) 

') = „Haupt“, ein Vornahme in der Familie Pappenheim. Ge¬ 
nannter Haupt Marschall v. Pappenheim ist verwandt, vielleicht 
identisch mit Gaspar Marschall. Vgl. Nr. 014. — *) wahrscheinlich 
Conrad Schenk v. Limpurg, Domherr zu Hamberg. 

470. Mai. 21. — dispensat cum Conrado Weygandt 1 ) rectore 
paroch. eccl. in Eysfelt Herbipolen. dioec. ita, ut una cum 
ipsa paroch. ecclesia alterum beneficium curatum seu alias 
invicem incompatibile recipere et quoad vixerit retinere 
valeat. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475 XII. Kl. Jun. anno 5. — 
XXXVIiI. (Lat. 761 f. 220.) 

') Ein Conrad Weygandt, Kleriker der Mainzer Diözese, ist 
25. Juni 1494 und 15. März 1507 in Königshofen an der Tauber 
Pfarrer. Der gleiche Name kommt 18. Juni 1479 als Cantor in Neu- 
mlinster zu Würzburg vor und am 15. April 1505 als Pfarrer von 
Wolfsmünster (Arch. d. bischöll. Ordin. Würzburg Urk.-Abt. A). 

471. Mai. 22. — Johanni Alendorf!'') praeposito ecclesiae s. Bur- 
chardi extra muros Herbipolen., de militari genere ex utroque 
parente procreato ac Rudolfi epi Herbipolen. cancellario, 
cui ipse papa iam antea litteras de duobus beneficiis invi¬ 
cem incompatibilibus recipiendis concessit, in quibus ipse 
Johannes falso „decretorum doctor“ appellatus est, concedit, 
ut illae litterae valeant ac si in eis minime hoc expressum 
esset, et insuper cum eodem Johanne dispensat ita, ut 
quodcumque tertium beneficium ecclesiasticum curatum seu 
alias incompatibile recipere et quoad vixerit retinere valeat, 
dummodo inter ipsa tria beneficia non duo parochiales eccle¬ 
siae fuerint vel earum perpetuae vicariae. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1475 XI. Kl. Jan. anno 4. — LXX. 

(Lat. 747 f. 224.) 

Der letzte Abt und erste Propst zu St. Burkard in Wilrzhurg; 
s. Wieland, Histor. Darstellung dos Stiftes St. Burkard z. Wzbg. 
(Archiv d. histor. Ver. f. Unterfr. Bd. 15 H. 2 S. 1 ff.) Auch: Würz¬ 
burger Chronik (Bonitas Bauer 1848). Bd. 1 S. 842 Anmkg. 

472 . Jan. 27. — privilegia civibus opidi Nurenberg. Bambergen, 
dioec. a Carolo (IV 7 .) et Frederico (III.) imperatoribus Rom. 
concessa, vigore quorutn ipsi in quavis causa profana nullibi 
in jus vocari nisi coram eorum sculteto in ipso oppido ab 


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Franconica aus dem Vatikan. 


265 


1475. 

ipsis imperatoribus deputato, quae quidem privilegia inprimis 
of'ficiales et judicesin ducatu Bavariae infringere eonabantur, 
neque ad judicia provincialia burggraviae in Nurenberg., 
Bavariae, Franconiae vel ad alia eiusmodi iudicia citari 
debebant, confirmans eadem ab omnibus stricte observari iubet. 

„Ad perp. rei mem. Hiis quae.“ D. R. P. 1475 V. Kl. 
Jul. anno 4. — LX. (Vat. 666 f. 159.) 

473. Jul. 21. — confert Hermanno Bamberger') familiari Phi- 
lippi*) cardinalis epi Portuen. canonicatum cum reservatione 
praebendae in eccl. B. M. V. in Tewerstadt extra muros 
Bambergen, eique alterum beneficium ad collationem decani 
et capituli ecclesiae s. Johannis in Haugis extra muros 
Herbipolen. pertinens reservat necnon concedit, ut ipsae 
litterae sic valeant, ac si Kl. Januar, pontif. sui anno 1 3 ) 
concessae essent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475 XII. Kl. Aug. anno 4. 

(Vat. 678 f. 835.) 

') Wahrseh. identisch mit Hermann Roynsperger cler. Bamberg., 
s. oben Nr. 413. — s i Calandrini presb. card. tit. s Susannac, creatus 
1448 Oec. 20. tit. s. Laurentii in Lucina 1451 Nov. 24. eps Albanen. 
1408 Oct. 14. eps Rortueu. 1471 Aug. 30, f 1476 Juli 24. — *i 1472. 

474. Jul. 27. — ratum et gratum haltet, ut Martinus Tumbeck 
presbyter Herbipolen. dioec., qui parochialem ecclesiam in 
Kreuses') Bambergen, dioec. (36 fl. aur.) in manus epi 
Bambergeni olim resignavit, annuam pensionem 12 fl. super 
fructibus ipsius ecclesiae recipiat solvendam per Stephanum 
Scheel, <iui ab Alberto marchione Brandenburgen. illius 
ecclesiae patrono ad eandem praesentatus est. — Exec.: 
Johannes Stiber Bambergen, et Henricus Lebenther Wratis- 
lavien. canonici ac officialis Bambergen. 

„V. ac m. h.“ U. R. P. VI. Kl. Aug. anno 4. — XII. X. 

(Vat. 574 f. 147.) 

’) Kreusen (Weher, Bistum Bamberg S. 247). 

475. Aug. 5. — mandat decano eccl. s. Jacobi extra muros 
Bambergen., ut canonicatum et praebendam eccl. Bamb. 
(12 m. a.), per obitum Alberti de Eybe vacantes et a 
decano atque capitulo Bamb. Frederico d. Rawenecker') 
cler. Bambergen, dioec. eollatos, eidem Frederico.quondain 


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266 


Dr. Theodor J. Soherg. 


Sixtus IV. 

Pauli papae 11. cubieulario, dubitanti ipsain collationera 
viribus non subsistere, aplica auctoritate conferat et insuper 
dispenset cum eo super defectu aetatis. 

„Laudabilia .. . Frederici d. Rawenecker der. Bambergen, 
dioec. puerilitatis indicia.“ D. R. P. 1475. Non. Aug. anno 4. 
— XXX. — Exp. pridie Id. Dec. anno 5. 

(Lat. 756 f. 148.) 

') 31. Bericht d. H. V- Bbg. S. 90. Fridericus de Raweneck, ad- 
missus ad praebendam anno 1475 post obitum Alberti de Eyb, iuris 
utriusque doctoris. 

476 . Aug. 11. — reservat Johanni ex ducibus Bavariae 1 ) clerico 
Eysteten. dioec., qui canonicatum et praebendam Eysteten. ac 
praeposituram s. Viti in Herriden. Eysteten. dioec. per quen- 
dam procuratorem in manibus suis resignavit, annuam pen- 
sionem 60 fl. rben. super fructibus ipsius praepositurae 
solvendam a Bernardo Artzt, cui de eisdem beneliciis resi- 
gnatis per alias litteras apostolicas provisum est. — Exec.: 
Aurien. et s. Mauritii Augusten, ecclesiarum decani ac olfi- 
cialis Augusten. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1475. III. Id. Aug. anno 4. — 
XIII. XI. (Lat. 750 f. 92.) 

*) Aus der pfälzischen Nebenlinie in Mosbach. Johann, geb. 
1. Aug. 1443, Domherr zu Regensburg (1460), Augsburg u. Bamberg 
(1472 April 15). 

477 . Aug. 11. — concedit Johanni Stnmppff canonico ecclesiae 
s. Johannis Novimonasterii Herbipolen., familiari sno, ut 
aliqua parochialis ecclesia ad collationem decani et capituli 
ipsius ecclesiae pertinens canonieatui et praebendae prae- 
dictis (8 m. a.), dum vivit, incorporetur. 

„Romanum decet pontificem.“ D. R. P. III. Id. Aug. 
anno 4. — Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 572 f. 81.) 

478 . Aug. 18. — mandat decanis maioris Constantien. et s. Pa- 
trocli in Soest ecclesiarum ac officiali Herbipolen., ut Petro 
Moer clerico Herbipolen. dioec. canonicatum et praebendam 
ecclesiae s. Nicolai in Marckdorff Constantien. dioec. (50 fl. 
rhen.) per obitum Conradi Bicheli vacantes assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. XV. Kl. Sept. anno 4. — Gratis 
pro Deo; juravit. 1 ) (Vat. 573 f. 54.) 

l ) Das juravit dürfte hier nicht die Bedeutung haben, dass Moer 
päpstl. Angestellter war; denn sonst wäre dies ausdrücklich angegeben. 


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Franconica aus dem Vatikan. 


267 


1475. 

und die Befreiung von der Taxgebühr wäre erfolgt de mandato dni 
papae. Das Gratis pro Deo lässt auf Mittellosigkeit sohliessen und 
diese dürfte durch das juravit bekräftigt worden sein. (Vgl. Otten- 
thal, Bullenregister Martin V. und Eugen IV. Mitteilungen des 
Instituts für Österreich. Geschichtsforschung, I, Ergänzungsband 
1. Heft S. 458.) 

479 . Aug. 21. — magistro Fantino de Valle capellano suo et 
causarura palatii apostolici auditori mandat, ut Eberardum 
de Rabenstein clericum Bambergen., oommensalein suum 
continuum et ex utroque parente de militari genere pro- 
creatum, in omni iure et ad omne ius ad capellam s. Georgii 
in Staffelstein Bambergen, dioec., quod Albertus de Eybe *) 
nunc defunctus in ipsa capella habebat, substituat; qui 
Albertus vigore litterarum a Paulo II sibi concessarum 
illam capellam quidem obtinuit, impeditus vero est ab 
Hermanno de Aufsess 4 ) pro clerico Bambergen, se gereute, 
quominus pacificam ipsius capellae possessionem adipisci 
posset, quare lis super ea mota est coram praedicto auditore. 

„Grat. fam.“ D. R. P. XII. Kl. Sept. anno 4. — Gratis 
de mandato. (Vat. 586 f. 101.) 

l ) Domherr zu Bamberg, Eichstätt und Wiirzburg. f 24. Juli 1475, 
Sohn des Ludwig v. Eyb und der Marg. v. Wolmarsbausen (Bieder¬ 
mann, Altmühl, 18. Bericht d. Hist. Ver. Bamberg, Bd. 81 S. 80 
und 90). — *) Sohn des Georg v. Aufsess und der Agnes v. Giech 
(Biedermann, Coburg 16). 

480 . Aug. 22. — confert Johanni Rone, familiari Juliani tit. 
s. Petri in vinculis cardinalis, canonicatum et praebendam 
ecclesiae s. Johannis Novimonasterii Herbipolen. (7 m. a.) 
per obiturn Henrici Beurlen vacantes. — Exec.: Episcopus 
Nucerin. et Bambergen, ac Herbipolen. officiales. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. XI. KI. Sept. 1475 anno 4. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 570 f. 91.) 

481 . Aug. 26. — confert Henrico Bartholomaei canonicatum et 
praebendam ecclesiae s. Stephani Bambergen. (7 m. a.) per 
obitum Henrici Beurlen 1 ) quondam Bessarionis, deindo 
Juliani tit. s. Petri in vinculis cardinalium familiaris va¬ 
cantes. — Exec.: Eps Nucerin. et Herbipolen. ac Bam¬ 
bergen. officiales. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. VII. Kl. Sept. anno 5. — Gratis 
pro Reverendissimo dno cardinali. (Vat. 570 f. 277.) 

•) Beuerlin Vgl. Nr. 480 und 541. 


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268 


Dr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

482. Sept. 9. — eppos Augusten, et Eysteten. ac praepositum 
eccl. Eysteten. tutores seu conservatores universitatis studii 
Ingolstat. Eysteten. dioec. instituit. 

„In supremae dignitatis aplicae specula.“ D. R. P. 1475 
V. Kl. Sept. anno 5. — CLX. (Lat. 760 f. 83.) 

483. Sept. 9. — supplicationibus Ludovici J ) ducis ßavariae in- 
clinatus indulget, ut personae in sacerdotio constitutae seu 
dignitates ccclesiasticas, etiamsi eis cura imininet animarum, 
obtinentes, quibus alias leges audire et legere a iure est 
prohibitum, „iuris civilis Studio“ in studio opidi Ingolstat 
Eysteten. dioec. insistendo leges huiusmodi audire et legere 
et in ipsis legibus licentiatus et doctoratus gradus recipere 
valeant. 2 ) 

„Ad perpetuum rei memoriam. Inter alia. quae frequenter 
nobis incumbunt.“ D. R. P. 1475 V. Id. Sept. anno 5. — LX. 

(Lat. 760 f. 83.) 

') Ludwig d. Reiche, Stifter der Universität Ingolstadt 1472 — 
! ) Die Narratio der Urkunde enthält: Dudum siquidem fei. record. 
Pius pp. II ad Ludovici ducis Bavariae et comitis palatini Rheni 
instantiam auctoritate aplicn statuit, ut in opido Ingolstat . . . 
esset Studium generale tarn in theologia et iure canonico ac civili, 
in medicina et artibus, quam in qualibet alia licita facultate ... ad 
laudem divini nominis et fidei oithodoxae propagationem . . .“ 

484. Sept. 15. — mandat praeposito ecclesiae b. Mariae in Feucht¬ 
wangen. Augusten, dioec. et Eysteten. ac Augusten, offi- 
cialibus, ut canonicatum et unam ex quattuor pbralibus 
praebendis eccl. Eysteten. (7 m. a.) Mathiae Kint 1 ) der. 
Herbipolen., familiari suo, assignent. Super praedictis cano- 
nicatu et praebenda per obitum .Tosephi Schönstetter vacan- 
tibus Michael de Seckendortf '*) der. Eysteten. contra Mel- 
chiorem de Schauinberg 3 ) der. eiusdem dioec. et post illius 
mortem contra Ulrieuin Smidlin der. Augusten, familiärem 
papae in curia Rom. litigavit, sed eos, cum Ulricus quoque 
obiisset et ipse papa eosdem (15. Jan. 1474) praefato Mathiae 
contulisset, per Henricum Smichen, canonicum Frisingen. 
procuratorem hodie resignavit. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1475 XVII. Kl. Oct. anno 5. — 
XX. — Exp. IV. Kl. Dec. anno 5. (Lat. 758 f. 78.) 

9 Dr. Mathias Kindt 30. April 1512 Altarist im neuen Spital zu 
Hall, 10. Mai 1512 Pfarrer in Kreglingon (Arch. d. bischöfl. Ordin. 


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1475. 


Franconica aus dem Vatikan. 


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Würzburg, Urk.-Abt. A). — s ) Michael v. Seckcndorff-Aberdar 
f 1476 als Domherr zu Freising (Biedermann Steigerwald tab. 116;. 
s j Wahrscheinlich ein Neffe des Bamherger Bischofs Georg von 
Schauinberg. 

485. Sept. 20. — confert ecclesiam parochialem Wolfershausen 
Herbipolen. dioee. (12 m. a.) per obitum Henrici Beurlen 
clerici Herbipolen. dioec., farailiaris Juliani tit. s. Petri in 
vineulis cardinalis, vacantem Jasoni de Paganis, quocum 
dispensatur super decrelo a se ipso renovato, secuudum 
quod nemo parochialem quandam ecclesiam accipere valeat, 
nisi linguam parochianorum intelligat. — Exec.: Eps Tira- 
sonen. et decanus ecclesiae s. Johannis Osnabrugen. ao offi- 
cialis Herbipolen. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. XIII. Kl. Oct. anno 5. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 571 f. 84.) 

486. Sept. 80. — reservat Johanni Stumpff clerico Herbipolen. 
dioec., familiari suo, qui aliquamdiu super praepositura 
s. Leodegarii in Werd') dioec. Constantien. apud sedem 
apost. contra quendam competitorem frustra litigabat, duo 
beneficia (etiam incompatibilia), quorum fructus annui 18 m. 
a. valorem non excedunt, ad collationem epporum et caplo- 
rum Herbipolen. et Bambergen, spectantia. Exec.: praepos. 
eccl. Ruremonden. dioec. Leodien, et officiales Herbipolen. 
ac Bambergen. 

„Grata famil.“ D. R. P. pridie Kal. Oct. anno 5. — 
Gratis de inand. dni. n. pp. (Vat. 664 f. 266 et 268.) 

') Sehönonwerd im Kanton Solothurn. 

487. Oct. 3. — mandat archiepo Patracen. 1 ) et Eberhardo de 
Rabenstein canonico Bambergen, ac officiali Bambergen., 
ut altare s. Ypoliti situm in curia Christophori de Thun- 
felt a ) canonici Bambergen. (10 fl. rhen.) per obitum Johannis 
Crach vacantem Johanni Schesslitzer clerico Bambergen, 
assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475 V. Non. Oct. anno 5. — 
Gratis pro Deo. Exp. VIT. Kl. Jul. anno 5. 

(Lat. 763 f. 181.) 

‘) Vosich Simon (eps Justinapolitan), vorh. Antibaren. (1473 - 84). 
f 11- Dez. 1510 (Bericht d. Hist. Ver. Bamberg 31, 79). 


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Sixtus IV. 

488 . Oct. 3. — confert Johanni Dürr de Awe 1 ) clerico Herbi- 
polen. dioec. parochialem eeclesiam B. M. V. in Enheyra.*) 
Herbipolen. dioec. (3 rn. a.) per obitum Johannis Dur va- 
cantern. — Exec.: Archieps Patracen. et Kilianus de Bibra 
Herbipolen. ac Eberhardus de Rabenstein Bambergen eccle- 
siarum canonici. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475. V. Non. Oct. anno 5, — 
Gratis pro Deo; juravit. 3 ) (Vat. 584 f. 137.) 

') Aub im Ochsenfurter (lau. — ’) Pf. fclhenheim Kap. Ochsen- 
furt. — *) Cfr. Nr. 478. 

489 . Oct. 7. — Wolfgango Stockei pbro Eysteten. dioec. per- 
petuarn vicariam parochialis eccl. s. Petri apostoli in Walt¬ 
kirchen Eysteten. dioec. per certum procuratorem resignanti 
assignat annuam pensionem 20 fl. rhen. super fructibus 
eiusdem vicariae solvendain a Johanne Swarm, 1 ) cui de 
praefata vicaria per alias litteras apost. est provisuin. — 
Exec.: Praepos. eccl. ss. Petri et Pauli Bardewicen. Verden, 
dioec. et Eysteten. ac Augusten, of'ficiales. 

„V. acm. h.“ D. R. P. 1475 Non. Oct. anno 5. — XIII. XI. 

(Lat. 755 f. 212.) 

’) 1480 Plebanus in Waldkirehen, Dek. Berching, und zugleich 
Frübmesser in Praitenfurt, Dok. Ingolstadt (Suttner, Eichstätt 15,35). 

490 . Oct. 2. — mandat abbati monasterii in Vilhausen 1 ) Herbi¬ 
polen. dioec., ut parochialem eccl. b. Mariae Virginis in 
Mittelstreu Herbipolen dioec. (24 fl. auri de camera) per 
obitum Johannis Braun vacantem Martino Crester pbro 
Herbipolen. dioec., si praevia examinatione idoneus repper- 
tus sit, conferat. 3 ) 

„Dign. arb.“ D. R. P. 1475 IV. Id. Oct. anno 5. — 
XX. — Exp. XII. Kl. Mai. anno 5. (Lat. 759 f. 102.) 

’) Bildhausen O. C. — *) Die Namen der beiden Pfarrer sind zu 
ergänzen in „Franconia saora Landkapitel Mellrichstadt S. 204.“ 

491 . Oct. 16. — mandat epo Bambergen., ut custodiam eccl. 
s. Stephani Bambergen. (4 m. a.) per obitum Johannis 
Hefener vacantem Georgio Scheffer pbro Herbipolen., si 
praevia examinatione eum idoneum reppererit, cönferat. 

„Dign. arb.“ D. R. P. 1475 XVII. Kl. Nov. anno 5. — 
XX. — Exp. XV. Kl. Jun. anno 5. (Lat. 763 f. 175.) 


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1475. 

492 . Oct. IG. — confert Johanni Müller 1 ) canonicatum ecelesiae 
s. Johannis Novimonasterii cum reservatione praebendae. 
— Exec.: Eps Tirasonen. et decanus ecelesiae s. Johannis 
in Haugis extra muros Herbipolen. ac officialis Bambergen. 

,,V. ac m. h.“ D. R. P. XVIII. Kl. Nov. anno 5. — 
Gratis de mand. dni pp. (Vat. 664 f. 231 et 234.) 

') Aus Königsberg in Franken (Regiomontanus). 

493 . N ov. 9. — Ulrico de Fruntspergk ‘) in iure civili pluribus 
annis studenti, cui litteris Kl. Dec. 1472 motu proprio datis 
de uno Augusten, et altero Frisingen. ecclesiarum canoni- 
catibus cum reservatione totidem inibi praebendarum pro- 
vidit et per alias litteras indulsit, ut illae litterae valerent, 
ac si Kl. Januar. 1472 coneessae essent, qui tarnen propter 
reservationum multitudinem de canonicatu et praebenda 
eccl. Augusten, ullum fructum se habiturum non credit, 
concedit, ut ipsae litterae valeant, ac si sibi in eis non de 
Augusten, sed de Eysteten. ecelesiae canonicatu cum reser¬ 
vatione praebendae provisum esset. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1475 V. Id. Novembr. anno 5. — XX. 

(Lat. 755 f. 40.) 

*) Wurde Bischof von Trient 1486—1493. 

494 . Nov. 9. — mandat epo Nucerin. et paeposito maioris ac 
decano s. Jacobi extra muuos Bambergen, ecclesiarum, ul 
arehidiaeonatum eccl. Herbipolen (24 m. a.) per obitum 
Henrici de Henneberg 1 ) vacantein Egidio Truchsess 2 ) der. 
Herbipolen. dioec., de nobili genere ex utroque parente 
procreato, assignent. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1475. V. Id. Nov. anno 5/ — 
XXVI. — Exp. V 7 . Kl. Mart, anno 8. (Lat. 790 f. 173.) 

*) Heinrich Graf v. Henneberg-Schleusingen, f 19. Sept. 1475. 
Amrhein Reihenfolge. (Arch. f. Ufr. 32, 275.)—’) Kgidius Truchsess 
von Wetzhausen, a. a. 0 . 33, 272. 

495 . Nov. 15. — mandat officiali Eysteten., ut parochialem 
ecelesiam s. Bartholomaei in Altfelt 1 ) Eysteten. dioec. (34 fl. 
rhen.), vacantem per liberam resignationem Conradi Linde- 
minit per Jacobum de Rizonibus, litterarum apostolicarum 
de maiori praesidentia abbreviatorem, procuratorem factam, 
Georgio Mauer*) de Sulzbach pbro Ratisponen. dioec., si 
per praeviam examinationem idoneus sit reppertus, conferat. 


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Sixtus IV. 

„Dign. arbitr.“ D. R. P. 1475 XVII. Kl. Dec. anno 5. 
— XX. — Exp. VIII. Kl. Jun. anno 5. (Lat. 763 f. 42.) 

‘) Im Dekanat Altorff. — ! J 1480 Pfarrer in Alfeld (Suttner, 
Schematismus des Bistums Eichstätt S. I). 

49(>. Nov. 20. — Conradus Rone canunicus eecl. Novimonastrrii Herbi- 
polen., familiaria cardinalis tit. s. Petri ad viucula, 1 ) obl. se super 
ann. canonicatus et praebendae dictae ecclesiae (7 m. a.) vac. per 
obitum Henrici Beurlein. — Promisit solvere infra 6 menses. 

(Ann. d. d.) 

') Vgl. oben Nr. 480, wo er Johann heisst. — *) Julian della Rovere. 

497. Nov. 21. — Jason de Paganis, reotor paroeh. eocl. in Wolfershausen, 1 ) 

sive illius vicarius, familiaris cardinalis tit. s Petri ad vincula, obl. 
se pro ann. dictae eccl. (12 m. a.J vac. per obitum Henrici Beuerlein. 
1476 Juni l. solvit 37 tlor. (Ann. d. d) 

‘) Vgl. oben Nr. 485. 

498 . Nov. 22. — mandat decano eccl. Bambergen., ut parochi- 
alem eccl. in Erlengen. 1 ) Bambergen, dioec. (4 m. a.) per 
liberam resignationern Conradi Schad canonici Ratisponen., 
per Fridericum Putner eiusdem dioec. procuratorem in 
manibus suis factam, vacantem Johanni Erbe der. illius 
dioec.. si praevia examinatione idoneus reppertus est, conferat. 

„Dignum arb.“ D. R. P. 1475 X. Kl. Dec. anno 5. — 
XXII. Exp. IX. Jan. anno 5. (Lat. 756 f. 10.) 

*) Erlangen. 

499 . Nov. 22. — ratum et gratum habens, quod Johannes Tri- 
felser parochialem ecclesiain in Ottensas *) Eysteten. dioec. 
et Jodocus Crebs parochialem eccl. in Memmelstorff Bam¬ 
bergen. dioec. (4 m. a.) per Eberhardum de Rabenstein 
procuratorem resignant, illi ecclesiam parochialem in Mem- 
melstorf, lniic eccl. paroeh. in Ottensas 2 ) confert. — Exec.: 
Praepositus b. Mariae in Feuchtwangen. Augusten, dioec. 
et Bambergen, ac Eysteten. officiales. 

„Apostolieae sedis circumspecta benignitas.“ D. R. P. 
1475. X. Kl. Dec. anno 5. — XII. X. XII. X. - Exp. VI. 
Kl. Mart, anno 5. (Lat. 768 f. 113 et 114.) 

‘) Dekanat Altorff. — 1480 war Leonhard Pfaffonhofer Plebauus 

in Ottensas. (Suttnor Bistum Eichstätt 6.) 

500. Nov. 25. — Johanni Stumpf! der. Herbipolen. dioec. fami- 
liari suo, cui iam litteris pridie Kl. Oct. pont. sui anno 5 
(1475) datis de duobus beneficiis ad collationem epporum 
et caploruin Bambergen, et Herbipolen. pertinentibus providit 


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1475. 

et per alias litteras indulsit, ut illae litterae valerent, ac si 
Kl. Januar. 1472 concessae essent, motu proprio ac mera 
liberalitate indulget, ut ipsae litterae valeant ac si motu 
simili concessae essent. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1475 VII. Kl. Dec. anno 5. — 
X. — Exp. V. Id. Dec. anno 5. (Lat. 757 f. 251.) 

501 . Dec. 6. — mandat epo Eysteten., ut cum Georgio Rostaler 
et Helena Sigerstorferin laicis, qui non ignorante se secundo 
affinitatis gradu (ipsius enim Georgii prima uxor et praefata 
Helena secundo consanguinitatis gradu se attingebant) esse 
coniunctos, tamquam simplices et iuris ignari, non credentes 
aliquod obstare. quominus invicem matrimonialiter copulari 
possent, matrimonium inter se per verba legitima de prae- 
senti contraxerunt illudque carnali copula consummarunt 
ac prolem exinde perceperunt, super huius affinitatis ira- 
pedimento dispenset, eosque inter se de novo matrimonium 
contrahere iubeat et susceptum usque adhuc prolem legi- 
timum declaret. 

„Üblatae nobis . . . petitionis.“ D. R. P. 1475. VIII. Id. 
Dec. anno 5. — XX. (Lat. 761 f. 73.) 

502. Dec. 6. — Stephano Clingner 1 ) clerico Herbipolen. dioec., 
familiari suo, cui litteris Kl. Januar. 1472 datis duo bene- 
ficia ad collationem epporum et caplorum Herbipolen. et 
Eysteten. pertinentia reservavit et qui vigore illarum litte- 
rarum canonicatum cum praebenda in eccl. B. M. V. Ey- 
stetten. per obitum Petri Cerrer vacantem obtinuit, indul¬ 
get, ut hac obtentione non obstante illis litteris minime 
praejudicetur. 

„Grat, fam.“ D. R. P. VIII. Id. Dec. anno 5. Gratis de 
mand. dni n. pp. (Vat. 664 f. 344.) 

') Klinger, vgl. Reg.-Ar. 831. 

503. Dec. 6. — confert Henrico de Redwitz') illos canonicatum 
et praebendam Eysteten. (70 flor. auri), quos Melchior 
Truchsess, postquam aliquamdiu super eis contra adver- 
sarium quendam in Romana curia litigavit, in manibus 
suis, concessa ei super illius praebendae fructibus annua 
pensione 21 flor. auri, resignavit. 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. XVII. 18 


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I)r. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

„Nob. gen., v. <ae rn. h.“ D. R. P. VIII. Id. Dec. anno 5. 

(Vat. 608 f. 45.) 

') Suttner, Bistum Eichstädt, S. VIII. 

504. Dec. 15. — cum Johanne de Urlein (Uilein?) clerico Bam¬ 
bergen. dioec. familiari suo dispensat, ita ut quaecunque 
duo curata vel alias invicem incompatibilia beneficia eccl. 
recipere et quoad vixerit retinere valeat. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1475 XVIII. Kl. Januar, anno 5. 
— Gratis de mand. dni n. pp. (Vat. 572 f. 305.) 

605. Dec. 23. — Joh. Stumff, canonicus Novimonasterii Herbipolen., fami- 
liaris papae, obl. se pro ann. unius paroch. eccl. vel illius perpetuae 
vicariae ad collationem capituli eiusdem eccl. (12 m. a.) pertinentis, 
uniendae canonicatui et praebeudae suis cedente vel decedente 
aliquo ex rectoribus. Promisit solvere infra 6 menses a die, qua 
dicta bulla sortietur effectum. (Ann. d. d.) 

506. Deo. 23. — Venerabilis dns Fredericus de Rauenecke pro composi- 
tione anuatae canonicatus et praebeudae eccl. Bambergen, solvit 
27 fl. auri de camera tempore debito per manus dni Stephani de 
Cazis canonici Vereellen. 

(Quidd. XIX. p. 125; Intr. et exit. 492:1475 XII 23.) 

1476. 

507. Januar. 9. — mandat decanis ecclesiarum maioris et s. Petri 
Argentinen. ac Eberhardo de Rabenstein canonico Bam¬ 
bergen., ut beneficium ad altare s. Theclae (4 m. a.) in eccl. 
Constantien., per obitum Johannis Surhebel vacans, Erasmo 
Schütz, clerico Herbipolen. dioec., quocum utpote de pres- 
bytero et conjugata genito super defectu natalium dispen- 
satum est, apostolica auctoritate assignent. 

„V. ac m h.“ D. R. P. 1475 V. Id. Jan. anno 5. — 
Gratis pro Deo. (Vat. 574 f. 23.) 

508. Januar. 11. — concedit. Johanni de Allendorf 1 ) archidiacono 
Herbipolen., ut litterae apost., quarum vigore ei de ipso 
archidiaconatti, per resignationem Georgii de Rynhofen 2 ) 
vacante, provisum est et in quibus illius archidiaconatus 
fructus annui, qui 130 flor. auri sunt, 24 florenorum auri 
valorem non excedere dicebantur, valeant., ac si horum 
maiorum fructuum valor expressus esset. 


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1476. 


Franconica aus dem Vatikan. 


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„Nob. gen.“ D. R. P. 1475 III. Id. Jan. anno 5. — XX. 

(Vat. 548 f. 210.) 

l ) Johannes v. Allendorf, letzter Abt des Klosters St. Burkard 
und erster Propst des Ritterstiftes St. Burkard, auch Domherr in 
Würzburg (Amrhein, Arch. U.-Fr. 33, 175). — *) Georg v. Secken- 
dorff-Rynhofen, Domherr in Würzburg (a. a. 0. XXXIII. 57). 

509 . Januar. 16. — Henrico de Bierstadt 1 ) clerico Maguntin. 
dioec. familiari suo, qui vigore litterarum apost. Kl. Januar. 
1472 sibi concessarum de obtinendis uno vel duobus bene- 
ficiis eccl. ad coli, archiepi et capli Maguntin. atque abbatis 
et monasterii Fulden. Herbipolen. dioec. pertinentibus paro- 
chialem ecclesiarn in Kirchlauder ä ) Maguntin. dioec. ob- 
tinuit, 3 ) motu proprio indulget, ut illae litterae perinde 
valeant, ac si iam tune simili motu concessae essent. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1475 XVII. Kl. Febr. anno 5. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 665 f. 174.) 

') Bürstadt a. d. Bergstrasse in Hessen. — J ) Kirchlauter. — 
*) Wahrscheinlich hatte er diese Pfarrkirche wieder resigniert, und 
erbat sich nun die Unberührtheit seiner früheren doppelten Expek- 
tanz. Vgl. Nr. 651. 

510 . Jan. 29. — ad instantiam consulum et eommunitatis opidi 
Nuremberg Bambergen, dioec. conquerentium, nonnullos 
clericos saculares ac religiosos etiam Cist. et mendicantium 
ordinum ac hospitalis b. M. Virg. Jerosol. Theotonicorum 
in ipso opido vina, cerevisiam et alios liquores sive potagia 
popularibus in eodem opido degentibus et ad illud se con- 
ferentibus quandoque vendere et laicos ad expensas seu 
ad hospitia vel habitationem in suis domibus recipere in 
detrimentum civium laicorum ipsius opidi, cum hi pro ejus- 
modi potagiis et receptionibus tallias seu dacia solvere 
debeant, illi autem ab eisdem daciis sint immunes, vetat, 
ne amplius clerici saeculares vel religiosi in opido Nurem¬ 
berg degentes talia vel similia attentent. 

„Ad perp. rei mein. Sincere obsequentium vota.“ D. R. P. 
1475. IV. Kal. Febr. anno 5. — L. (Vat. 667 f. 128.) 

511 . Febr. 14. — mandat scolastico eccl. Eysteten. ac officiali 
Eysteten., ut Christophoro Mandel, 1 ) der. Ratisponen. dioec., 
legum doctori et magistro in artibus, qui in universitate 
studii Ingolstat Eysteten. dioec. in jure civili ordinariam 

. 17 * 


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Sixtus IV. 

cathedram regit et ejusdem universitatis camerarius existit, 
assignent parochialern eccl. s. Mauritii in Ingolstat Eysteten. 
dioec. (20 m. a.) vacantem ex eo, quod Georgius Mayr 2 ) 
illam obtinens possessionem perpetuae vicariae parochialis 
eccl. s. Johannis in Lewkental Chiemen. dioec. dudum 
certo modo vacantis, nullo titulo sibi suffragente, propria 
temeritate et de facto apprehendit et scienter se intrusit 
in illam et per biennium et ultra (citra tarnen triennium) 
simul cum parochia eccl. s. Mauritii indebite occupatam 
detinet contra Joannis XXII. decretalem „Exsecrabilis“. 

„Litt, sc., v. ac m. h.“ D. R. P. 1475. XVI. Kl. Mart, 
anno 5. — XXII. Exp. Kl. Apr. anno 5. (Lat. 765 f. 80.) 

‘) Christoph Maudel v. Steinfels ist 1480 Domherr und General¬ 
vikar in Eichstädt (Suttner, VII, VIII). — *) Georg Maier, decr. Dr., 
ist 1480 Pfr. 8. Mauritii in Ingolstadt (Suttner S. 86). 

512 . Febr. 4 . — mandat archiepis Florentin. et Patracen. ac 
officiali Maguntin., ut canonicatum et praebendam eccle- 
siae s. Victoris Maguntin., per obitum Johannis Kindel¬ 
mann vacantes, de quibus Fridericus imperator per nomi- 
nationem Georgio Pfintzing clerico Bambergen, dioec., decre- 
torum doctori, providit, ipsi Georgio apostolica auctoritate 
assignent. 

„Lit. scient., v. ac m. h.“ D. K. P. 1475 pridie Non. 
Febr. anno 5. — XX. (Vat. 573 f. 313.) 

513 . Febr. 21. — Henrico Schonleben der. Herbipolen. dioec., 
magistro in artibus, cui eodem die motu proprio de duobus 
beneficiis ecclesiasticis ad eporuin et caplorum Herbipolen. 
et Bambergen, collationem pertinentibus per alias litteras, 
quas, ac si eas Kl. Januar 147 1 concessisset, valere vult, 
provisum est, concedit, ut in ipsorum beneficiorum asse- 
cutione omnibus antelationum praerogativis uti valeat, quibus 
familiäres sui in simili beneficiorum eccl. assecutione gaudent, 
absque tarnen eorum praejudicio. 

„Litt, scient.“ D. R. P. 1475 X. Kl. Mart, anno 5. — 
Gratis pro antiquo curiali. Exp. VI. Non. Mart, anno 8. 

(Lat. 790 f. 289.) 

514 . Febr. 29. — ad inslantiam raagistrorum civium, proconsu- 
lum et consulum opidi Nuremberg. Bambergen, dioec. ex- 
ponentium, se habere quamplurima privilegia et indulta ac 


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277 


1476. 

litteras apostolicas imperiales et regales sibi concessa necnon 
di versa alia jura et scripturas publicas et privatas, quae 
ad dietas et conventus publicos et privatos transportare valde 
periculosum est, abbati mon. s. Aegidii Nurembergen. 
rnandat, ut ea assistentibus sibi in hoc duobus jurisperitis 
approbet et transsumi faciat, quae transsumpta manu ali- 
cujus notarii publici subscripta et ejus sigillo sigillata illud 
robur et vim habeant, quae haberent ipsae litterae originales. 

„Justis et honestis supplicum votis.“ D. R. P. 1475 
pridie Kal. Mart, anno 5. — L. (Vat. 665 f. 181.) 

515 . Mart. 2. — rnandat Joanni Francisco de Pavinis causarum 
apostolici palatii auditori, ut Jacobo Raw, cui 25. Oct. 1473 
de canonicatu et praebenda eccl. Brixinen, provisum est 
imposito Gasparo Spauer eius adversario super illis perpetuo 
silentio, ipsos canonicatura et praebendara de novo assignet; 
ipse enim Jacobus non solum illos canonicatura et praeben- 
dam, sed etiam decanatum eiusdem ecclesiae per Conradi 
Judenfress obitum vacantes obtinuit. sed, postquam super 
eo contra quendam adversarium coram certo causarum 
auditore aliquamdiu litigavit, tandern diffidens de iure suo 
liti et causae huiusmodi ac omni iuri sibi in eodem decanatu 
seu ad illum competenti cessit aut alias cum illo adversario 
concordavit, certa tune expressa pensione annua super 
certis ecclesiasticis proventibus tune expressis sibi ad tem- 
pus vitae persolvenda reservata, de qua in aliis litteris, 
quibus supradictus Johannes auditor illos canonicatum et 
praebendara eidem Jacobo adiudicavit, nulla mentio facta est. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1475 VI. Non. Mart, anno 5. 
XXVI. — Exp. VII. Id. Mart, anno 5. (Lat. 762 f. 35.) 

516 . Apr. 17. — Henrico Utz perpetuum beneficium „primissa- 
riam“ nuncupatum in Zusmarshausen et b. Mariae in Bey- 
run resignanti confert. perpetuam vicariam ad altare s. Jero- 
nimi 1 ) (4 m. a.) situm in eccl. Herbipolen. et beneficium 
ad altare s. Catharinae (4 m. a.) situm in parochiali eccl. 
Ochsenfurt Herbipolen. dioec. vacantia per liberam resigna- 
tionem Erasmi Nicolai clerici Culmen. dioec., familiaris 
papae, cui beneficia ab illo Henrico resignata confert. — 
Exec.: Decanus Misnen. et Melchior de Meckaw*) canon. 
Brixinen, ecclesiarum ac officialis Herbipolen. 


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278 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

„Aplicae sedis circumspecta benignitas“. D. R. P. 1476 
XV. Kl. Mai anno 5. — Gratis pro Deo. — Exp. XIV. 
Kl. Jun. anno 5. (Lat. 763 f. 65.) 

') = Hieronymus. — *) 1459 in Bologna, 1473 zum Dekan in 
Meissen ernannt (scheint das Dekanat nicht angetreten zu haben), 
1489 Bischof in Brixen, 1503 Kardinal, f 1509 (Knod 340). 

517 . Apr. 18. — confert Ulrico Wreng de Kipfenberg parochialem 
eccl. b. Mariae in Münster 1 ) Herbipolen. dioec. (90 fl. rhen.), 
vacantern per liberam resignationem Johannis de Schaum¬ 
berg per Eberhardum de Rabenstein can. Bamb. in manibus 
suis f'actam. — Exee.: Praepos. b. Mariae in Feuchtwangen 
Augusten, dioec. et Eberhardus de Rabenstein can. Bam¬ 
bergen. eccliar. ac officialis Herbipolen. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1476. XIV. Kl. Mai. anno 5. — 

XII. X. — Exp. XVII. Kl. Jun. anno 5. (Lat. 763 f. 34.) 

') Pfarrei Altenmiinster. 

518 . Apr. 18. — reservat Johanni de Schaumberg can. Eysteten. 1 ), 
per Eberhardum de Rabenstein can. Bambergen., procura- 
torein suum, parochialem ecclesiam b. Mariae in Münster*) 
Herbipolen. dioec. resignanti annuam pensionem 30 fl. rhen. 
super fructibus illias eccl. solvendam per Ulricum Wreng 
de Kipfenberg, cui de eadem eccl. providetur. — Exec.: 
Eberhardus de Rabonstein can. Bamb. et Herbipolen. ac 
Eysteten. officiales. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1476 XIV. Kl. Mai. anno 5. - 

XIII. XI. (Lat. 762 f. 204.) 

') Johannes v. Schaumberg wurde 1464 Domherr in Bamberg 
durch Tausch mit Thomas v. Schaumberg, starb 1485 in Rom; 148U 
war er nicht mehr Domherr in Eichstädt. (Ber. H. V. Bamberg 31. 
85; Suttner VIII); 1473 und 1481 in Ingolstadt, 1182 in Bologna in 
studiis (Knod 483). — 5 ) Altenmünster. 

519 . Apr. 19. — mandat archipresbytero Bononien. et Herbipolen. 
ac Maguntin. officialibus, ut perpetuam vicariam in ecde- 
sia parochiali in Fladungen 1 ) Herbipolen. dioec., per obitum 
Johannis Uebelacker vacantern, Johanni Fabri de Fulda, 
familiari suo, apostolica auctoritate assignent. 

„Grata famil.“ D. R. P. 1476 XIII. Kl. Maii anno 5. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 587 f. 43.) 

*) Fladungen in der Rhön. 


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279 


1476 

520 . Apr. 22. — mandat officiali Herbipolen., ut in causa Fre- 
derici Engel et Johannis Meyer opidanorura opidi Nurem- 
bergen. Bambergen, dioec., qui in recompensationem qua- 
rumdam gravium iniuriarum Barbarae Meyerin mulieri in 
civitate Bambergen, commoranti illatarum primo ab officiali 
Hertnidi de Lapide decani eccl. Bambergen, et deinde a 
Johanne Stiber vicario Philippi epi Bambergen, in spiri- 
tualibus generali, ad quem appellaverant, ad quandam mulc- 
tam pecuniariam solvendam condemnati ad sedem aplicam 
appellaverunt, appellatione remota decernat. 1 ) 

„Humilibus etc.“ D. R. P. 1476 X. Kl. Mai. anno 5. — 
XVI. (Vat. 761 f. 66.) 

*) Vgl. 531. 

521 . Apr. 27. — motu proprio, cum ab aliquibus in dubium verti 
dicatur, an Eberhardus de Rabenstein can. Bambergen, 
et familiaris suus, qui quidem litterarum apost. abbreviator 
existens cum Johanne Horn altero litt, apost. abbreviatore 
in summandis bullis, quae per cameram apost. expediuntur, 
in palatio apost. frequenter laborat, continuo vero in eodein 
non residet neque in tinello apost. comedit, nihilominus 
co.itinuus commensalis papae censeri debeat, declarat, eum 
a tempore, quo obsequiis ipsius papae insistere cepit, sernper 
fuisse et esse suum verum familiärem continuum commen- 
salem et in assecutione beneficiorum eccl. antelationum 
praerogativis, quae ejusmodi familiaribus concessae sunt, 
uti, potiri et gaudere posse. 

„Grata familiaritatis.“ D. R.P. 1476 V. Kl. Mai anno 5. — X. 

(Vat. 669 f. 11.) 

522 . Apr. 30. — supplica'tionibus Johannis 1 ) abbatis monasterii 
s. Salvatoris Fulden. Herbipolen. dioec. 0. S. B. Romanae 
ecclesiae immediate subjecti, de comitum genere, qui vocan- 
tur illustres, ex utroque parente procreati, inclinatus, incor- 
porat parochialem ecclesiam s. Blasii illius opidi (10 m. a.) 
per liberam resignationem Andreae Hesse in manibus suis 
factam vacantera, cui iurisdictio ruralis „arehidiaconatus“ 
nuncupata canonice est annexa, abbatiali mensae ipsius 
monasterii. 



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Sixtus IV. 

„Ad perpetuam rei memoriam. Ad ea quae pro eccliar. 
et monasteriorum. . . . indemnitatibus consulitur.“ D. R. P. 
1476 pridie Kl. Mai. anno 5. — XL. (Lat. 761 f. 89.) 

l ) Johannes Graf v. Henneberg; vgl. oben Nr. 372. 

523. Mai. 4. — concedit Johanni de Wissenbach *) canonico 
Herbipolen. de militari genere ex utroque parente procreato 
et „dilecto“ Alberti ducis Saxoniae, 2 ) ut iitterae apost., 
quibus ei singuli canonicatus cum reservatione praeben- 
darum in Herbipolen. et Eysteten. ecclesiis collati sunt, 
valeant, ac si Kl. Januar. 1472 concessae essent. 

„Nob. gen.“ D. R. P. IV. Non. Mai. anno 5. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 666 f. 13.) 

l ) Kam nicht in den Besitz einer Würzburger Doinpräbende. — 
*) Stammberr der Albertinischen Linie zu Dresden. 

524. Mai. 10. — mandat decanis s. Bartholomei et Montis s. Vir- 
gilii Friesacen. Saltzeburgen. dioec. ac Georgio Althoffer 
canonico Ratisponen., ut beneficium ad altare ss. Viti et 
Udalrici situm in capella extra muros castri Wolffsberg') 
Saltzeburgen. dioec. (8 m. a.) ad collationem epi Bambergen, 
de antiqua consuetudine pertinens, quod per obitum Johannis 
Strubner vacans a Georgio tune epo Bambergen. Jacobo 
Sam praeposito eccl. Montis s. Virgilii Frisacen., decretorum 
doctori, collatum est opponente se Paulo Lascht clerico 
Olomucen. dioec., qui aliquamdin corain magistro Francisco 
Johanne de Pavinis causarum palatii aplici auditore liti- 
gabat, sed postea annua pensione 20 fl. auri de camera 
super fructibus illius beneficii sibi assignata resignavit, illi 
Jacobo assignent. 

„Litt, scient.“ D. R. P. 1476 VI. Id. Mai. anno 5. — 
XXX. Exp. XV. Kl. Jun. anno 5. (Lat. 759 f. 88.) 

*) Kapelle des hl. Vitus im bisch. Bamberg. Schlosse Wolfsberg 
in Kärnten (Weber, Bistum Bamberg S. 234). 

525. Mai. 10. — confert Conrado Scherpe perpetuam vicariam 
ad altare s. Brixii *) situm in aula epali Herbipolen. (8 m. a.) 
vacantem per liberam resignationem Johannis Kungsperg 2 ) 
in manibus suis factam. — Exec.: Archieps Patracen. et 
archipresbyter Bononien. ac decanus in Haugis Herbipolen. 
dioec. 


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1476. 


Frauconica aus dem Vatikan. 


281 


„V. ac m. h.“ D. R. P. 1476 VI. Id. Mai. anno 5. — 
XII. X. — Exp. IV. Id. Mai. anno 5. (Lat. 765 f. 83.) 

') Vikarie s. Brictii im bischöflichen Paiatium oder Kanzleigebäude 
zwischen Dom und Neumünster zu Würzburg, welcher die Pfarrei 
üreussenheim inkorporiert war. Das Paiatium ist seit einigen Jahren 
zur Strasspnerweiterung abgebrochen. — *) Wahrscheinlich — Küns- 
berg oder Königsberg (Regiomontanus ? vgl. Nr. 492!) 

526 . Mai. 10. — dispensat cum Hildebrando de Redwitz 1 ) clerico 
Bambergen, dioec. ex ulroque parente de militari genere 
procreato et in decimo septimo aetatis anno constituto, ut, 
quam primum decimum nonum annum attigerit, quod- 
cumque beneficium eccles. cum cura, etiamsi parochialis 
ecclesia vel perpetua ejus vicaria sit, accipere et retinere 
valeat. 

„Nob. gen.“ D. R. P. VI. Id. Mai. anno 5. — XX. 

(Vat. 667 f. 76.) 

') In der Genealogie bei Biedermann, Gebürg tab. 173 ff. nioht 
verzeichnet. 

527 . Mai. 22. — Conraaus Squerpe (ISchras), 1 ) perpetuus vicarius 

ad altare s. Brictii situm in aula episcopali Herbipolen. 
obl. se pro ann. dictae perpetuae vicariae (8 m. a.) vac. 
per resignationem Joh. Kungsfelder 2 ) apud sedera aposto- 
licam factam. (Ann. d. d.) 

1476 Mai. 2t. solvit 18 fior. (Quidd. 1474/6 f. 180.) 

') Scherpe Vgl. Reg. Nr. 525. 750 — *) = Künaberg oder Königs¬ 
berg, vgl. Nr. 525. 

528. Mai. 24. — cassans litteras apost. Kl. Januar. 1472 Michaeli 
Pulhammer *) de reservatione duorum benef. eccl. ad colla- 
tionem epi et capli Herbipolen. necnon capli Novimonasterii 
Herbipolen. pertinentium datas, reservat eidem Michaeli, 
qui de beneficio ad collationem capli Novimonasterii nullum 
aut parvum fructum sperat, duo beneficia ad collationem 
epporum et caplorum Herbipolen. et Bambergen, pertinentia. 

„V. ac m, h.“ D. R. P. 1476 Id. Mai. anno 5. XXV. 
— Exp. IV. Id. Jun. anno 5. (Lat. 762 f. 64.) 

') = Michael v. Pilhamer. 

529 . Mai. 24. — Johanni Mulner parochialem eeclesiam s. Her- 
molai de Calci Pisan. dioec. resignanti confert parochialem 
eccl. ss. Viti et Catharinae in Wolfriclishausen') Herbi¬ 
polen. dioec. (12 m. a.), quam ipsius Johannis adversarius 



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282 


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Sixtus IV. 

Jason de Paganis der. Mediolanen. indebite occupatam per 
Octunem de Paganis laicum Mediolanen. resignavit. — 
Exeo.: Eppi Urbinaten. et Urbevotan. ac officialis Herbipolen. 

„Aplicae sedis circumspecta benignitas.“ D. R. P. 1476 
IX. Kl. Jun. anno 5. — XII. X. — Exp. III. Kl. Jun. anno 5. 

(Lat. 763 f. 51.) 

') Wülfershausen i. Grabfeld. Vgl. oben Nr. 485. 

580. Mai. 24. — Johannes abbas monasterii s. Salvatoris Fulden. solvit 
llor. 22 per raanus Henrici Riffen 1 ! pro cornpositione ann. paroch. 
eocl. oppidi Fulden. unitae dictae rnensae abbatiali. 

(Quidd. 1474/76 f. 181. — Intr.et ex. Sixti IV. 1476 N.492:25. Mai 1476.) 

') = Ryff (Reiff) vgl. Nr. 448 und Amrhein, Die Prälaten und 
Kanoniker des Stiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg 
(Archiv des hist. Vereins f. Unterfr. und Aschaffenburg Bd. 26 S. 123 
und 285). Vgl. oben Nr. 522. 

531 . Mai. 29. — inandat decano eccl. s. Johannis in Haugis 
extra muros Herbipolen., ut decernat (appellatione remota) 
in causa Barbarae relictae quondam Johannis Meyer senioris 
viduae Bambergen, dioec. contra Johannem Meyer iuniorem 
et Margaretam Meyerin laicos eiusdem dioec., quos arguebat 
quaedam immobilia in eadem dioec. consistentia ac mobilia 
bona ad ipsam Barbaram legitime spectantia indebite occu- 
pata detinere et contra quos iam coram officiali Hertnidi 
de Lapide decani eccl. Bambergen, et, postquam ipsi Jo¬ 
hannes Meyer junior et Margareta ad curiam eppalem Bam¬ 
bergen. appellaverant, coram Johanne Stiber *) vicarioPhilippi 
epi Bambergen, in spiritualibus generali litigabat, qui qui- 
dem partim pro ipsa Barbara et partim contra eam senten- 
tiam tulit, a qua eadem Barbara ad sedem aplicam appellavit. 

„Humilibus supplicum votis.“ D. R. R. 1476 IV. Kl. 
Jun. anno 5. — XIV. (Lat. 762 f. 247.) 

‘) Johannes Stiebar v. Buttenheim, Domherr zu Bamberg. 31. B. 
H. V. Bbg. S. 85: Johannes Stiebar, admissus ad praobendam 1464 
und S. 92: f 1487. Vgl. oben Nr. 520. 

532. Mai. 31. — Otto de Paganis clericus Mediolanensis nomine Jasonis 
de Paganis, rectoris paroch. ecclesiae s. Hormolai de Cacis Pisan. 
dioec., obl. se pro ann. valoris dictae eccl. (70 flor. auri de camera), 
cum paroch. eccl. s. Viti et Catharinae in Wolfershausen (12 m. a.) 
vac. per resign. dicti Jasonis. 1 ) Solvit flor. 37. 

(Quidd. 1474/6 f. 185. — Intr. et ex.Sixti IV. N.493 f. 1.1476 Juni 1). 

J Vgl. oben Nr. 529. 


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283 


1476. 

533. Jun. 11. — ad instantiam magistrorum civium, consulum 
et rectorum-opidi Nuremberg. Bambergen, dioec. exponen- 
tium, in sua terra olivas non crescere et earum oleum nisi 
cum magnis expensis et periculis commode haberi non 
posse, omnibus utriusque sexus infra limites paroch. eccle- 
siarum s. Sebaldi et s. Laurentii constitutis ac magistris 
civium, consulibus et rectoribus praedictis in temporalibus 
subjectis indulget, ut quadragesimali caseo, butyro, ovis 
et lacte dumtaxat et aliis jejuniorum, quibus esus carnium 
prohibitus est, temporibus quibuscumque lacticiniis et ovis 
ac de medicorum et confessorum suorum, quorum super 
hoc conscientiae onerantur, consilio et assensu carnibus 
praeterquam in hebdomada sancta licite et libere uti possint 

,,Ad perpet. rei mein. In sacra Petri sede. D. Campa- 
gnani Sutrinen. dioec.“ 1476 III. Id. Jun. anno 5. — C. 

(Vat. 677 f. 355.) 

534. J un. 11. — certior factus monasteriorum s. Clarae (0. ejusd. 
s. Clarae) et s. Catharinae (0. S. Aug.) secundum instituta 
fratrum Praed. intra ac b. M. Virg. in Pillenreut (O. S. Aug. 
secundum instituta canonicorum regul.) extra muros opidi 
Nurenbergen. necnon in Grindlach*) 0. C. in locis temporali 
dominio illius opidi subiectis consistentium facultates pro 
recipiendis sororibus et monialibus ad ipsa monasteria con- 
ttuentibus congrue non suppetere, statuit et ordinat, quod 
de cetero in eis sorores et inoniales recipi non possint, nisi 
prout eortim facultates suppetant, et quod nonnisi midieres 
indigenae recipi debeant. 

„Ad perpetuam rei memoriam. Inter cetera.“ D. Com- 
pagnani Sutrinen. dioec. 1476 III. Id. Jun. anno 5. —LXXX. 

(Vat. 667 f. 50.) 

*) Kloster Grundiaeh oder Himmelsthron 0. Cist. (Ussermann, 
Episc. Bamb. p. 412.) 

53ö. Juni. 12. — Unum par bullarum pro Alberto Cock, praeposito eccle- 
siae s. Petri et Pauli Bardewicen. Verden, dioec., fuit redditum. 
Obi. so super pensiono 10 floren. auri de cam. assignata super fruc¬ 
tibus paroch. eccl. in Heylprun. (Ann. d. d.) 

') Vgl. obeu Nr. 354 und unten Nr. 537. 

536. Jun. 23. — confert Johanni Parionis familiari suo bene- 
ficium altaris s. Catharinae in Ochsenfurt (4 m. a.) vacans 
per obitum Henrici Utz. 


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284 


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Sixtus IV. 

„Grat, fam.“ D. Vetrallae Viterbien. dioec. 1476 IX. Kl. 
Jun. anno 5. — Gratis de mandato dni n. pp. 

(Vat, 585 f. 140.) 

547. Jul. 13. — mandat offieiali Herbipolen , ut perpetuam vi- 
cariam ad altare s. Annae situm in eccl. s. Johannis in 
Haugis extra muros Herbipolen. (4 m. a.), quam per obitum 
Johannis Rymensnyder apud sedem aplicam defuncti va- 
cantem Stephanus Clingner der. Herbipolen. dioec., fami- 
liaris suus, litteris apost 21. Febr. 1476 datis obtinuit, sed 
litteris super hoc non confectis hodie per Albertum Cock 
canonicum Bremen, decretorum doctorem et litterarum apli- 
caruin abbreviatorem sponte et libere resignavit, Georgio 
Vetlein (Veltlein, Uetlein?) clerico Herbipolen.dioec.conferat. 

„Dign. arb.“ D. Atneiiae 1476 III. Id. Jul. anno 5. — 
XXIII. — Exp. VIII. Kl. Mai. anno 6. (Lat. 790 f. 220.) 

538. Jul. 15. — Johanni Gretzer canonico eccl. s. Johannis in 
Haugis extra muros Herbipolen., cui litteris Kl. Januar. 
1472 datis de canonicatu cum reservatione praebendae 
ipsius eccl. s. Johannis neenon de beneficio ecclesiastico 
cum eura ad collationem epi et capli Eysteten. pertinente 
vacaturo providit et qui vigore illarum litterarum canoni- 
catum et praebendam eccl. Eysteten. obtinuit, sed super 
eorum possessione coram auditore palatii apostolici contra 
quendam adversarium litigabat, concedit, ut in illorum 
canonicatus et praebendae assecutione omnibus praerogativis 
gaudere possit, quibus nonnulli familiäres sui utuntur. 

„V. ac m. h.“ D. Ameriae 1476 Id. Jul. anno 5.— Gratis 
pro Deo. Exp. pridie Kl. Apr. anno 6. (Lat. 764 f. 279.) 

539. Jul. 18. — confert Alexandra Meysterlyn 0 clerico Eysteten. 
dioec. beneficium thuribularii in ecclesia Argentinen. (6 m. 
a.) per obitum Jacobi Pflüger vacans. 

„V. ac m. h.“ D. Narniae 1476 XV. Kl. Aug. anno 5. 
- XII. X. (Vat. 582 f. 142.) 

l ) 1480 plebanus emeritus in Teyning (Suttner, Bistum Eichstätt 
S. 4‘J); D. Schlecht, Päpstl. Urkuuden. S. 54, 57, 72. 

540. Jul. 31. — Una bulla pro reverendo domino Gumperto Fabri prae- 

posito eccl. B. M. et s. Gangulphi Bambergen., sedis apostolicae pro- 
tonotarii, super recopt. in protonotariatum apostolicum sub dat. 
Romae III. Id. Jun. anno 5. (1475 Jun. 11.) (Ann. d. d.) 


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Francomea aus dem Vatikan. 285 

1476. 

541. Aug. 26. — Dominus Honricus Bartholomei canonious eocl. s. Ste¬ 
phani Bambergen., dui cardinalis 8. Petri ad vincula fumiliaris, obl. 
se pro annata canonicatus et praebendae eccl. s. Stephani (7 m. a.) 
per obitum Henrici Beuchlein ') apud sedem apostolicam defuncti 
vacantium et eidem Henrico Bartholomei collatorum Romae VII. Kl. 
Sept anno 5. (1475 Aug. 26.) 

In meliori forma, quin familiaris dni cardinalis. Prom. solvere infra 
6 menses. (Anu. d. d.) 

l ) Soll heissen Beuerlin. Vgl. Nr. 481. 

542. Sept. 10. — ad instantiam magistrorum civium, consulum, 
proconsulum et universitatis opidi Nuremberg. Bambergen, 
dioec. exponentium se speciali devotione ductos nonnullos 
cantores instituturos esse, qui sacratissimum Corpus Christi, 
dum ex ecclesiis s. Sebaldi et s. Laurentii Nuremberg. ad 
infirmos defertur, accensis candelis hymnos devote cantando 
comitari teneantur, omnibus fidelibus utriusque sexus vere 
poenitentibus et confessis, qui ipsum sacratissimum Corpus 
Christi, dum ad infirmos defertur, devote associaverint seu 
pro acquisitione reddituum inter illos cantores distribuen- 
dorurn manus adjutrices porrexerint, quoties id fecerint, 
200 dies de injunctis poenitentiis relaxat. 

„Ad perp. rei mem. Ineffabile sacratissimi Corporis.“ D. 
Pulginei 1476 IV. Id. Sept. anno 6. — XL. 

(Vat. 668 f. 298.) 

548. Sept. 18. — Rudolfo de Lunen. clerico Colonien. dioec., 
familiari suo, qui eodem die capellam s. Pankratii in Gugel 
prope Giech Bambergen, dioec. post obitum Jacobi Raw 
sibi per provisionent apostolicam collatam per Eberhardum 
de Rabenstein can. Bambergen, resignavit, annuam pen- 
sionem 10 fl. rhen. super fructibus partim (6 fl.) canonicatus 
et praebendae Nuemburgen. partim (4 fl.) parochialis eccle- 
siae de Wittenborch Magdeburgen. dioec. solvendam per 
Guntheium de Bünau 1 ) eorum possessorem et cubicularium 
suum, cui illa capella nunc collata est. 

„Grat, fam.“ D. Fulginei 1476 XIV. Kl. Oct. anno 6. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 588 f. 202.) 

') Fehlt bei Biedermann, Gebürg tab. 39 ff. — Er war Domherr 
in Magdeburg und als solcher 1480 und 1481 in Bologna, seit 1505 
Bischof in Samland (Knod 77). 

544. Sept. 24. — canonicatum et praebendam ecclesiae Nuem¬ 
burgen., quos Eberhardus de Rabenstein clericus Bambergen. 


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Sixtus IV. 

dioec. per obitum Georgii Hayn vacantes vigore litterarum 
apost. die 19 Julii 1476 obtinuit sed hodie resignavit, cubi- 
culario suo Gunthero de Bünau confert. — Exec.: Eps 
Vasionen.') et praepositus eccl. in Feuchtwangen ac offi- 
cialis Nuemburgen. 

„Grat, fam.“ D. Fulginei VIII. Kl. Oct. anno 6. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 587 f. 310.) 

') Vaison in Südfrankreich, vorher Bisch, v. Nocera (s. o. Nr. 467). 

."»45. Oct. 26. — Unum par bullarum pro Joh. Schawmberg canonico 
Eysteten. super ])ensione annua 30 fioren. Rhen, assignata super 
fruct. paroch. ecclesiae b. Mariae in Munster. 1 ) (Anu. d. d.) 

') Vgl. oben Nr. 518. 

.>40. Nov. 17. — Sebaldus Tücher, der. Bambergen, obl. se pro aun. eccl. 
s. Sixti et Walpurgis in Puchenbach 1 ) (16 m. a.) vac. per obitum 
Sifridi Plagner. Promisit solvere infra 6 menses. (Ann. d. d.) 

*) Bucbonbacb bei Künzelsau. 

547. Dec. 14. — ad instantiam Alberti ducis Bavariae') et 
comitis palatini Rheni necnon consulum opidi Veldorf pe- 
tentiura, ut ipsum opidum in parochia b. Mariae de Wal¬ 
hing a ) dioec. Eysteten. consistens ab eadem dismembretur 
et capella in opido Veldorf consistens in parochialem eccle- 
siain erigatur, officiali Eysteten. mandat, ut, si rector paro- 
chialis ecclesiae b. Mariae de Walhing (tune Mathias Del- 
mytzer) et abbas monasterii de Waldsassen 0. C. tainquam 
patronus ecclesiae b. Mariae in Walhing consentiant, id 
lieri perinittat. 

„Super dispositionis arbitrio.“ D. R. P. 1476. XIX. 1\1. 
Januar, anno 6. — LXX. (Lat. 773 f. 222.) 

') Herzog Albert IV. der Weise von Oberbayern zu München. — 
s ) Pfarrei Walting, Dek. Weissenburg (Suttner S- 81). 

1477. 

548. Januar. 8. — mandat decano s. Mauritii et Johanni Gais- 
solt canonico maioris Augusten, eccliarum, ut dernant in 
causa Bernardi Arzt praepositi eccl. s. Viti Herriden. Ey¬ 
steten. dioec. contra universos ipsius praepositurae vasallos 
novam investiturain possessionum seu bonorum feudalium, 
quae ab ipsa praepositura tenent, petere recusantes.') 

„Hum. suppl. vot.“ D. R. P. 1476 VI. Id. Januar, anno 6. 
— XII. (Lat. 769 f. 283.) 

') Vgl. Nr. 649. 


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287 


1477. 

549. .Januar. 13. — reservat Johanni Pförtner der. Herbipolen. 
dioec., familiari suo, unum vel duo beneficia ad collationem 
epi et capli Bambergen, pertinentia, dummodo eorum fructus 
annui, si unum, 18, vel si duo, 25 m. a. non excedant. 

„Grata fam.“ D. R. P. Id. Januar. 1476 anno 6. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 668 f. 3.) 

550. Januar. 15. — offidali Herbipolen. mandat, ut Johanni 
Nibeling clerico Herbipolen. dioec. perpetuum beneficium 
„primissariam“ nuncupatum in Gebsattel (4 m. a.) eiusdem 
dioec. per obitum Henrici Neythart vacantem conferat. 

„Dignum arbitr.“ D. R. P. 1476 XVIII. Kl. Febr. 
anno 6. — XX. (Vat. 609 f. 221.) 

551. Januar. 18. — Johanni Bartholomaei, Juliani s. Petri ad 
vincula pbri cardinalis familiari, cui iam litteris Kl. Januar. 
1472 datis de duobus beneficiis ecclesiasticis ad collationem 
epi et capituli Herbipolen. ac capituli eccl. s. Johannis 
Novimonasterii Herbipolen. providit, et qui vigore illarum 
litterarum canonicatum et praebendam ipsius eccl. s. Jo¬ 
hannis et perpetuum simplex beneficium ecclesiasticum ad 
altare ss. Petri et Pauli apostolorum situm in ecclesia ho- 
spitalis opidi Ebern Herbipolen. dioec. obtinuit, sed super 
illis coram certo causarum palatii apostolici auditore contra 
quendam adversarium litigat, motu proprio et mera liberali- 
tate concedit, ut illae litterae valeant, ac si ipse Johannes 
illos canonicatum et praebendam ac beneficium huiusmodi 
minime obtinuisset. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1476 XV. Kl. Febr. anno 6. 
Gratis de mandato. — Exp. pridie Kl. Aug. anno 6. 

(Lat. 777 f. 74.) 

552. Febr. 5. — confert Henrico Ruff alias Reckwil der., mag. 
in art., quandam perpetuam sine cura vicariam ad altare 
s. crucis in eccl. monasterii Fulden. (2 m. a.) possidenti, 
perpetuum beneficium ad altare s. Martini papae situm in 
eadem eccl. (2 m. a.) clericis saecularibus assignari con- 
suetum, quod per obitum Henrici Dilgen vacans Sifridus 
Ruff 1 ) der., opponente se Johanne Lischen, obtinuerat, 
sed per Theodorum Amides der. Bremen, dioec., procura- 
torem suum, resignavit.— Exec.: Praepos. s. Severi Erfurden. 


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288 


Dr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

et s. Cruois in Hunfelt ac s. Caeciliae in Rasdorff Maguntin. 
et Herbipolen. dioec. decani. 

Litt, sc., v. ac m. h. D. R. P. 1476 Non. Febr. anno 6. 
— XIII. XI. — Exp. VIII. Kl. Mai. anno 6. 

(Lat. 771 f. 243.) 

*) = Ryff oder Reiff; vgl. Nr. 448, 530. Reiff Sigfrid, Kanonikus 
am Stift St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg (Amrhein, 
Archiv des hist. Vereins f. Unterfr. u. Aschffbg. Bd. 26 S. 249.) 

553. Febr. 5. — mandat epo 1 ) Eugubin. 2 ) et praeposito eccl. in 
Feuchtwangen, ac officiali Herbipolen., ut capellaniam ad 
altare s. Martini situm in hospitali in Hallis 3 ) Herbipolen. 
dioec. (4 m. a.) primo per obitum Nicolai Walsee et deinde 
per liberam resignationem Laurentii Scheuring clerici Herbi¬ 
polen. dioec., familiaris sui, vacantem Mathiae Kint fami- 
liari suo assignent. 

„Grat, fam.“ D. R. P. 1476 Non. Febr. anno 6. — XX. 

(Vat. 577 f. 247.) 

’) Griffus Leonardus, promotus 1472, translatus ad Benevent 1482. 
— ’) Gubbio in Italien. — a ) Schwäbisch-Hall. 

554. P’ebr. 6. — mandat decano eccl. s. Johannis in Haugis 
extra muros Herbipolen., ut archidiaconatum in eccl. Herbi¬ 
polen. (4 m. a.), quem per obitum Johannis Beyer Nicolai 
papae V. quondam cubicularii extra curiam Romanara de- 
functi vacantem Melchior Truchsess canonicus Spiren., 
acolythus Sixti papae IV., vi litterarum apostolicarum die 
30. Aug. 1476 datarum obtinuit, sed concessionis litteris 
non confectis per Egidium Truchsess clericum Herbipolen. 
dioec. procuratorem suum resignavit, Georgio de Gich *) 
canonico illius ecclesiae, de militari genere ex utroque 
parente procreato, assignet. 

„Dignum arbitr.“ D. R. P. 1476 VIII. Id. Febr. anno 6. 
— XXIV. Exp. Id. Febr. anno 6. (Lat. 772 f. 104.) 

l ) Domherr zu Würzburg, f als Dompropst 8. Mai 1501 (Amrhein, 
Arch. U. F. 33, 76.) 

555. Febr. 10. — concedit Gottfrido Truchsess, 1 ) custodi et archi- 
diacono de Hallis in eccl. Herbipolen., ut duo beneficia 
curata vel aliter invicem incompatibilia recipere et retinere 
valeat. 


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1477. 


Franconica aus dem Vatikan. 


289 


„Nobil. gen.“ D. R. P. 1476. IV. Id. Pebr. anno 6. — 
XXXX. (Vat. 672 f. 348.) 

') Gotfrid Truchsess v. Wetzhausen, f 26. Juni 1489 (Amrhein, 
Arch. U.-F. XXXII,274). Nach Angabe obigen Regestes war er auch 
Domkustos zu Würzburg, als Nachfolger des Martin v. d. Kere; 
allein nach Regest Nr. 590 war letzterer noch am 16. Dez. 1477 
Domkustos; Gotfrid Truchsess muss demnach an einer anderen 
Kirche Kustos gewesen sein. 


556. Pebr. 21. — confert Vito de Rechenberg 1 ) canonico Ey¬ 
steten., de militari genere ex utroque parente procreato, 
decanatum ipsius ecdesiae (160 fl. rhen.) vaeantem per 
liberam resignationem Johannis de Seckendorff") per Hen- 
ricum Schönleben der. Herbipolen. dioec. lactam. --- Exec.: 
Eps Microcomien. 3 ) et Eberhardus de Rabenstein canon. 
Bambergen, ac officialis Augusten. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1476 IX. Kl. Mart, anno 6. — 
XIV. XII. Exp. VI. Kl. Apr. anno 6. (Lat. 771 f. 25.) 

‘) Suttner, Bistum Eichstätt S. VII. — ä ) Johannes v. Secken¬ 
dorf!' senior, der noch 1180 Domherr zu Eichstätt war. — s ) Weih- 
bischof vod Eichstätt. 

557. Pebr. 27. — ea, quae circa ecclesias s. Sebaldi et s. Lau- 
rentii opidi Nuremberg. Bambergen, dioec. litteris 31. Dec. 
1474 datis concessit, et ordinavit, 1 ) renovans ulterius statuit 
et ordinat quaedam de institutione rectorum illarum eccle- 
siarurn; quotiescumque enitn ipsae ecclesiae vacant, a burgi- 
magistris, proconsulibus, consulibus ipsius opidi personae 
idoneae abbati s. Aegidii Nurembergen. praesententur, qui 
eas ipsis ecclesiis praeficiat. 

„Ad perpet. rei mein. Sic decet Romanum pontificem.“ 
D. R. P. 1476 III. Kl. Mart, anno 6. — LX. 

(Vat. 577 f. 207.) 

') Vgl. oben Nr. 461. 

558. Mart. 15. — reservat Marco Hirsfogel elerico Bambergen, 
dioec. annuam pensionem 18 fl. rhen. super fructibus paro- 
chialis eccl. in Tenning Eysteten. dioec. (10 m. a.) *) solven- 
dam per Alexandrum Mavsterlein, cui super huius ecclesiae 
possessione aliquamdiu contra illum Marcum coram certo 
causarum palatii apostolici auditore litiganti ipsa ecclesia 
aplica auctoritate est adiudicata. - Exec.: Lubicen. et 
Bambergen, ecclesiarum decani ac officialis Eysteten. 

• ArohivalUche Zeitschrift. Neue Folge. XV. 19 




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Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1476 Id. Mart, anno 6. — XII. X. 

(Lat. 772 f. 235.) 

*) Teyning (Suttner, B. Eichstätt S. 49). 

559. Apr. 13. — mandat abbati monasterii s. Michaelis extra 
moros Bambergen, et decano eccl. Bambergen, ac officiali 
Bambergen., ut in causa Petri YValtmann perpetui capellani 
ad altare s. Crucis situra in capella B. M. V. opidi Hamel- 
burg Herbipolen. dioec., quem nonnulli eius aemuli Johanni 
Greusing vicario epi Herbipolen. in spiritualibus generali 
falso denuntiantes Conradum Grmner laicum opidi et dioe- 
cesis praedictorum inhumaniter interfecisse dicebant et alias 
super hoc apud graves et bonos homines diffamabant, 
evocatis ipsis aemulis indictaque eidem Petro purgatione 
canonica decernant. 

„Humilibus suppl. votis.“ D. R. P. 1477. Id. Apr. anno 6. 
— XII. (Lat. 773 f. 220.) 

560. Apr. 18. — confert Laurentio Senff de Onolzbach, familiari 
suo, canonicatum cum reservatione praebendae in ecclesia 
s. Gumberti Onolzbacen. et concedit, ut litterae super hoc 
conficiendae sic valeant, ac si Kal. Januar. 1472 concessae 
essent. —Exec.: Archieps Florentin. et Herbipolen ac Ey- 
steten officiales. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1476 XIV. Kl. Mai. anno 6. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 666 f. 403.) 

561. Apr. 18. — Euchario Czentgreff clerico Herbipolen., familiari 
suo, qui vigore litterarum III. Non. Nov. 1474 de collatione 
canonicatus ecclesiae Novimonasterii Herbipolen. cum reser¬ 
vatione praebendae ibidem et alterius beneficii ad collatio- 
nem epi et capli Bambergen, pertinentis concessarum eccle- 
siam parochialem in Puchenbach ’) Bambergen, dioec., super 
qua tarnen contra aliquem adversarium litigat, necnon eccle- 
siain parochialem in Zogl Leodien, dioec., postmodum 
cum vicaria ecclesiae Superioris Monasterii Ratisponen. 
0. S. B. permutatam, obtinuit, reservat loco illius cano¬ 
nicatus unum beneficium ad collationem epi et capli Ratis¬ 
ponen. pertinens, dummodo huius beneficii et illius vicariae 
fructus annui valorem 25 in. a., si cum cura, vel 18 m. a. 
si sine cura sint, non excedant. 


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1477. 


Franconica aus dem Vatikan. 


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„Grata fam.“ D. R. P. 1476 XIV. Kl. Mai. anno 6. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 667 f. 201.) 

') Buechenbach bei Erlangen oder bei Pegnitz. 

562. Apr. 19. — dispensat cum Eberharde de Rabenstein, 1 ) ca- 
nonico Bambergen., familiari suo, ut 3 beneficia invicem 
incompatibilia recipere et retinere valeat. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1476 XIII. Kl. Mai. anno 6. — 
Gratis de mandato d. n. pp. (Vat. 667 f. 200.) 

*) f 1505 in Bamberg; vgl. 31. Jahresber. des hist. Vereins Bam¬ 
berg (1868) S. 87. 

563. Apr. 27. — confert Sebaldo Tücher 1 ) Norimbergen, clerico 
Bambergen, dioec., magistro in artibus, qui 23. annum 
aetatis agens ecclesiam parochialem in Buchenbach *} Herbi- 
polen. dioec. (22 in. a.) possidet, praeposituram ecclesiae 
B. M. V. in Solio 3 ) Salisburgen. dioec. per obitum Pauli 
Mekau vacantem. — Exec.: Archieps Patracen. et prae- 
positus vetoris capellae Ratisponen. ac officialis Salisburgen. 

„Litt, scientia.“ D. R. P. 1477 V. Kl. Mai. anno 6. — 
XXXX. XX. (Vat. 579 f. 97.) 

‘) Sohn des Hans Tücher und der Marg. Hallorin, starb 13. Dez. 
1483 zu Rom (Biedermann, Patr. Nürnberg tab. 496 B). — *) Buchen¬ 
bach bei Künzelsau. — ') Mariasal. 

564. Apr. 29. — confert Georgio Ptinzingk clerico Bambergen, 
dioec., canonicatum et praebendam ecclesiae s. Gereonis 
Colonien. (15 m. a.), quibus camerarii officium annexum est, 
per obitum Johannis de Richtensteil), 1 ) capellani sui, va- 
cantes. — Exec.: Archieps Patracen. et Falco de Sini- 
baldis canonicus ecclesiae s. Petri de Urbe ac officialis 
Colonien. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. III. Kl. Mai. anno 6. — XXX. XX. 

(Vat. 579 f. 253.) 

1 ) Vielleicht „Lichtenstein“ zu lesen. 

565. Mai. 7. — Conradi de Lauberbach J ) praepositi monasterii 
in Holtzkirchen Herbipolen. dioec. 0. S. B. precibus incli- 
natus parochialem ecclesiam in Erelbach Herbipolen. dioec. 
(24 m. a.) vacantem per liberam resignationem Vidroldi 
de Lauberbach *) per Johannem Virding pbrm Maguntin. 
dioec. factam illi monasterio incorporat, dummodo cura 

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Sixtus IV. 

animarum parochianorum per aliquem idoneum sacerdotem 
saecularem vel praefati aut alterius ordinis regulärem ab 
ipsis praeposito et conventu praesentandum exerceatur. 8 ) 

„Ad perpetuam rei memoriam. Urget nos suscepti cura 
regiminis.“ D. R. P. 1477 Non. Mai. anno 6. — XL. 

(Lat. 777 f. 143.) 

’) Amrhein, Archiv d. Hist. Ver. f. Unterfr. 38, 86 — *) Kano¬ 
nikus und Kustos im Stift Peter und Alexander zu Aschaffenburg 
(Amrhein, a. a. 0. 36, 205), bezog 1439 die Universität Heidelberg 
(Toepke 1, 225). — *) Vgl. Nr. 433. 

566. Mai. 14. — ad instantiatn abbatis et conventus monasterii 
in Hailsbrun et coinmunitatis hominum opidi Merkendorf 1 ) 
Eysteten. dioec. exponentium, in ipso opido satis populoso 
et inuro ae fossis cincto parochialem ecclesiam non existere, 
sed ipsius opidanos de parochia opidi in Oberneschenpach*) 
esse, ad quam quidem accessus saepius est valde difficilis, 
et ideo petentiurn, ut capella s. Aegidii in curia monachorum 
dicti monasterii in ipso opido Merkendorf ad temporale 
dominium ipsius monasterii pertinente existens, in qua 
rector parochialis ecclesiae festivis diebus missam celebrare 
tenetur, in parochialem ecclesiam erigatur, epo Eysteten. 
mandat, ut ipsius erectionis concedat facultatem. 3 ) 

„Clreditam nobis desuper.“ D. R. P. 1477 pridie Id. Mai. 
anno 6. — L. (Vat. 586 f. 33.) 

*) Merkendorf, Dek. Obereschenbach. — *) Obereschenbach (Suttner, 
Eichstätt S. 61). — *) Incorporiert dem Kl. Heilsbronn; vgl. Nr. 807. 

567. Mai. 19. — vult, ut litterae aplicae Johanni duci de Ba¬ 
varia, 1 ) canonico Eysteten., die 7. Maji 1477 super colla- 
tione praepositurae s. Cassii Bonnen, concessae litteris, 
quibus Johanni Baptistae tit. s. Anastasii cardinali eadem 
praepositura collata est, praevaleant; (illi Johanni duci jam 
28. apr. 1471 ipse papa beneficium ecclesiasticum ad archiepi 
et capli Colonien. collationem pertinens reservavit). 

„Ad fut. rei. mein. Rom. decet pontif.“ — D. R. P. XIV. 
Kl. Jun. anno 6. (Vat. 550 f. 19.) 

') Pfalzgrnf Johann, Sohn dos Pfalzgrafen Otto 1. von Mosbach. 

568. Jul. 4. — mandat praeposito eccl. s. Crucis in Hunfelt 
Herbipolen. dioec., ut praeposituram eccl. s. Caeciliae in 
Rostorff 1 ) Herbipolen. dioec. (5 m. a.), per obituin Adae 


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Franconica aus dein Vatikan. 


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1477. „ 

Limburg vacantem, Johanni Renck der. dictae dioec., si 
eum per examinationem ad hoc idoneum esse reppererit, 
conferat. 

„Dignum.“ D. R. P. 1477. IV. Non. Jul. anno 6. — 
XXX. — IV. Id. Januar, anno 7. (Lat. 777 f. 29.) 

') Rasdorf. 

569 . Jul. 7. — dispensat eum Johanne Balkmacher 1 ) rectore 
ecclesiae paroeh in Weyer*) Bambergen, dioec., magistro 
in artibus, ita ut praeter illam ecclesiam alterum vel ea 
dimissa duo alia beneticia etiam curata vel alias, invicem 
incompatibilia, recipere et retinere valeat. 

„Litt, scientia.“ D. R. P. 1477 Non. Jul. anno 6. 

(V. 670 f. 359.) 

*) Johannes Balkmacher, decanus s. Jacobi in Bbg., obiit 1502. 
13. Jun. Hist. V. Bbg. 7. B. S. 195 u. 21. B. S- XXV. — Mag. Jo- 
lmnnes Balkmacher, Pfarrer in Weyer. Looshorn, Gesch. d. Bist. 
Bbg. 4. Bd., S. 333. — ’) Marienweyer im Kapitel Kronaeh. 

570 . Juli. 12. — concedit Eberhardo de Rabenstein canonico 
Bambergen, et Friederico Eltlein clerico Herbipolen., fami- 
liaribus suis, ut beneticia, quae possident, ad libitum per- 
mutare vel resignare valeant. 

„Grata fam.“ D. R. P. IV. Id. Jul. anno 6. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 581 f. 100 et 107.) 

571 . Jul. 21. — reservat Johanni Kautsch ') clerico Eystetten., 
22. annum aetatis agenti, unum beneficium Eystetten., dum- 
modo eius fructus annui valorem 18 m. a. non excedant. 
Exec.: Praepositus eccl. in Feuchtwangen, et Eberhardus 
de Rabenstein canonicus Bambergen, ac officialis Eystetten. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. XII. Kl. Aug. 1477 anno 6. 
Gratis pro paupere. (Vat. 669 f. 260.) 

') Hin älterer Johannes Kautschen war 1464 Pfr. in Weymersham 
(Suttner, Eichstätt S. 81). 

572 . Jul. 24. — confert Henrico Ryff alias Reckwyll, mag. in 
artibus, praeposituram eccl. s. Crucis in Hunfelt Herbipolen. 
dioec. (24 fl. auri de cainera), vacantem per liberam resi- 
gnationem xVelchioris Truchsess per Egidium Truchsess 
der. Herbipolen. factam. ~ Exec.: S. Severi Erfforden. 
Maguntin. dioec. et s. Johannis Novimonasterii intra muros 
Herbipolen. praepositi ac decanus s. Caeciliae in Rastorff 
eiusdem Herbipolen dioec. ecclesiarum. 


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Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

„Litt, sc., v. ac m. h.“ D. R. P. 1477 Non. Kl. Aug. 
anno 6. — ’XV. XIII. — Exp. V. Non. Aug. anno 6. 

(Lat. 775 f. 209.) 

573. Jul. 26. — Melchiori Truchsess archidiacono de Tettelbach 
in eeclesia Herbipolen. acolytho suo, qui super decanatu 
ipsius ecclesiae per obituni Ludoviei de Weyers 1 ) vacante 
et per provisionem apost. sibi collato contra Guilelmum 
Schenk de Limpurg 2 ) ipsius decanatus occupatorem ali- 
quamdiu litigabat, sed nunc liti cessit, pensionem annuam 
40 fl. auri super fructibus eiusdem decanatus per illum 
Guilehnum consentientem solvendam reservat. — Exec.: 
Decani Aurien. et s. Johannis Maguntin. ac s. Pauli Wor- 
rnatien. eccl. 

„Grat, fam.® D. R. P. 1477 VII. Kl. Aug. anno 6. — 
Gratis de mandato. (Vat. 610 f. 97.) 

‘) Starb 9. Sept. 1473. — *) War Domdechant von 1473—1481 
(Amrhein Arch. d. Hist. Vor. f. Unterfr. 33, 47.) 

574 . Jul. 31. — ad instantiam Ludoviei coinitis palatini Rheni 
et ducis Bavariae ‘) statuit et ordinat, quod studii in Ingol- 
stat Eysteten. dioec. duo vel tres in theologiae et medi- 
cinae neenon quattuor vel quinque in iuris canonici et 
civilis facidtatibus iam insigniti doctores scolares habiles 
et idoneos (debitis solemnitatibus ad hoc adhibitis et rigo- 
roso praecedente examine) in eisdeni facultatibus promo- 
vere et insigniis decentibus decorare valeant et sic promoti 
eisdein privilegiis uti et gaudere possint, quae promotis 
•in studiis Bononien. et Salamantin. sunt concessa. 

„Ad perp. rei mem. In eminentis sedis apostolicae spe- 
cula.“ D. R. P. 1477 pridie Kl. Aug. anno 6. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 550 f. 94.) 

') Herzog Ludwig d. Reiche in Landshut. 

575. Aug. 2. — mandat praeposito eccl. in Feuchtwangen et 
Eberhardo de Rabenstein canonico Bambergen, ac officiali 
Herbipolen., ut perpetuam vicariam ad altare s. Nicolai 
situm in eeclesia maiori Herbipolen., vacantem primo per 
obitum Henrici Utz et deinde per resignationem Johannis 
Parionis clerici Cameracen. dioec., fainiliaris sui, Jodoco 
Trebesmulner l ) clerico Bambergen, apostolica auctoritate 
assignent. 


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Franconica aus dem Vatikan. 295 

1477. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1471 IV. Non. Aug. anno 6. 
— Gratis de mandato. (Vat. 586 f. 149.) 

') Ueber Trebesmulner siehe Mitteilungen des Histor. Vereins 
der Pfalz XVIII. B4 n.321, 329. 

576. Aug. 5. — mandat praeposito ecclesiae s. Severi Erforden. 
et decano ecclesiae s. Johannis in Haugis Herbipolen. ac 
J. Stieber canonico Bambergen., ut. archidiaconatum Herbi¬ 
polen. per resignationem Theodori tit. s. Theodori diaconi 
cardinalis vacantem, cuius fructus annui 3(X) fl. auri valorem 
annuura non excedere dicuntur, Guielmo Wolfskel *) cano¬ 
nico Herbipolen., qui jam ecclesiam parocliialern in Kungs- 
felt *) Bambergen, dioec. (120 fl. a.) possidet, apostolica 
auctoritate assignent. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1477 Non. Aug. anno 6. — XXXV. 

(Vat. 580 f. 278.) 

*) War seit 1466 Domicellar in Wiirzburg und später (ieneral- 
vikar des Bischofs Lorenz von Bibra, zugleich Domherr in Eichstätt 
und Bamberg, f 31. Mai 1497 (Amrhein Areh. U.-F. 33, 158.) — 
*) Königsfeld. 

577 . Aug. 5. — reservat Theodoro 1 ) s. Theodori diacono car- 
dinali annuam pensionem 100 fl. super archidiaconatus 
Herbipolen. necnon 40 fl. super parochialis ecclesiae in 
Kungsfelt Bambergen, dioec. fructibus solvendam perGuilel- 
mum de Wolfskeel, qui eodem die illum archidiaconatum 
obtinuit et hanc ecclesiam iam diu possidet. 

„Dum exquisitum“ D. R. P. 1477 Non. Aug. anno 6. — 

(Vat. 583 f. 236.) 

‘) De Monteferrato. 

578. Aug. 13. — Dominus Eberhardus de Rabenstein canonicus Bam¬ 
bergen. ecclesiae, dni nostri papae familiaris, obl. se pro facultate 
resignationis simpliciter vel ex causa pormutationis concessa per 
bullam dni Sixti papae IV. RomaelV. Idus .Jul anno 6 (1477 Juli 12). 

Promisit notiflcare. (Ann. d. d.) 

579 . Aug. 26. — confert Georio Lawr canonicatum et praeben- 
dam eccl. s. Johannis Novimonasterii Herbipolen. (7 m. a.), 
vacantes per liberam resignationem Johannis Stumpff in 
manibus suis factam. — Exec.: Archieps Patracen. et s. Jo¬ 
hannis in Haugis extra muros Herbipolen. ac s. Mauritii 
Augusten, ecclesiarum praepositi. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1477 VII, Kl. Sept. anno 7. 
— XII. X. Exp. pridie Id. Sept. anno 7. (Lat. 780 f. 196.) 


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296 


Dr. Theodor J. Soherg. 


Sixtus IV. 

580. Sept. 3. — mandat ofticiali Eysteten., ut parochialem eccl. 
in Rechling 1 ) Eysteten. dioec. (4 in. a.), per obitum Petri 
Eabri vaeantem et a Wilhelmo epo Eysteten. Nieolao Luttel 
der. Ratisponen. ab abbatissa monast. s. Walburgis Ey¬ 
steten. 0. S. B. praesentato eollatam ipsi Nicolao dubitanti, 
illas praesentationem et institutionem viribus non subsistere, 
aplica auctoritate conterat. 

„Dignum arbitramur.“ 1). R. P. 1477 III. Non. Sept. 
anno 7. — XX. — Exp. XVIII. Kl. Mai. anno 7. 

(Lat. 782 f. 282.) 

') Rebling, Röchling im Dekanat Monheim (Suttner S. 45). 

•VSl. Sept. 6. Wilhelmus Wolffskel canonicus Herhipolen. ohl. se pro 
ann. archidiaconatus eccl. Herhipolen. (300 floren. auri de camerai 
vac. per cessionom coinmendae Theodori tit. s. Theodori cardinalis 
diaconi eiusdeni commendatarii apud sedem apostolicani factam: 
Super fructibus dicti archidiaconatus assiguatur pensio 100 flor. auri 
de cainera dicto d. cardinali occasione dictae cessionis. Promisit 
solvere infra 4 rnenses. (ln margine.) Loco mercatoris 1477 Sept. 6: 

Kgidius Truchsess, rector paroch. eccl. in Luttenstetten obl. se 
pro dicta ann. et promisit solvere infra 4 rnenses 100 flor. Residuum 
debet solvere, quando cessabit pensio. Dicta die promisit dictus 
Wolffskel solvere 50 flor. post cessationem pensionis. 4. Apr. 1478 
solvit 100 flor. per manus de Paganis [R. 1477 Aug. 5.] 

(Ann. d. d.) 

.">8)2. Sept. 12. (ieorgius Lawr, canonicus eccl. Novimonasterii Herbi- 
polen. obl. se pro ann. canonicatus et praebendae praedictorum 
(7 m. a.) vacantes per rosignationem Job. Stumpff apud sedem apo- 
stolicam factam. Promisit solvere infra 4 rnenses- Dicta die Jacobus 
de Spinis mercator Klorentinus promisit solvere fl. 17. [R. 1477 Aug. 26 ] 

(Ann. d. d.) 

583. Oct. 16. — Ruperte Storch canonicatum et praebendam 
eccl. Eysteten. resignanti confert perpetuam vicariam paro- 
cbialis eccl. opidi Peylngris 1 ) Eysteten. dioec. (8 in. a.), 
tjuani Henricus Schonleben eodetn die permutationis causa 
cum illo canonicatu in inanibus suis resignavit. — Exec. : 
Decanus eccl. Eysteten. et Eysteten. ac Ratisponen. officiales. 

,,Aplicae sedis circumspecta benignitas.“ D. R. P. 1477 
XVII. Kl. Nov. anno 7. — XII. X. - Exp. X. Kl. Nov. 
anno 7. (Lat. 780 f. 54.) 

') Beiingries, Dekanat Berchiug. 

584. Oct. 16. - Henrico Schonleben perpetuam vicariam paro- 
chialis eccl. opidi Peylngries Eysteten. dioec. resignanti 


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1477. 


Franconica aus dem Vatikan. 


297 


confert canonicatum et praebendam Eysteten. (8 m. a.), 
quos Rupertus Storch, postquam aliquamdiu super iis contra 
quemdam adversarium coram certo causarum palatii aplici 
auditore litigabat, permutationis causa in manibus suis resi- 
gnavit. — Exec.: Praepositus eccl. Caminen. et Eysteten. 
ac Ratisponen. officiales. 

r Aplicae sedis circumspecta benignitas.“ D. R. P. 1477 
XVII. Kl. Nov. anno 7. — XII. X. — (Lat. 780 f. 265.) 

585 . Oct. 18. — mandat praeposito ecclesiae Herbipolen. et de- 
canis Bambergen, ac Frisingen. ecclesiarum, ut Johanni 
Neff 1 ) parochialem ecclesiam in Rewtpach*) (4 m. a.) Herbi¬ 
polen. dioee., per obitum Petri Sibenhor vacantem, assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1477. XV. Kl. Nov. anno 7. — 
Gratis pro Deo pro paupere presbytero; juravit. 3 ) 

(Vat. 597 f. 215.) 

*) Ein Johannes Neffe war 11. Nov. 1512 Altarist in Buttendorf 
(A. B. O- W. Urk.-Abt. Al. — a ) Reubach im Kapitel Crailsheim. 
>) Cfr. 478. 488. 

586 . Nov. 18. — mandat praeposito eccl. ss. Petri et Pauli 
Czicen.') Nuemburgen. dioec. et Herbipolen. ac Bambergen, 
officialibus, ut parochialem ecclesiam „plebaniam“ nun- 
cupatam in Bibersveit 3 ) (3 m. a.) ac capellaniam ad altare 
s. Johannis Evangelistae situm in parochiali eccl. s. Catha- 
rinae in Haitis Herbipolen. dioec. (1 m. a.) per obitum 
Conradi Metehnons vacantes Joachimo Keller 3 j pbro eius- 
dem dioec. assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1477. XIV. KI. Dec. anno 7. 
Gratis pro paupere. (Lat. 781 f. 175.) 

l ) Zeitz. — *) Bieberfeld, Pfarrkirche s. Margarethae im Kapitel 
Hall in Württemberg. *) Ein Joh. Keller war 22. Dez. 1505 Pfr. 
in Mittelfisohach im Kap. Hall (A. B. 0. W. Urk.-Abt. A). 

587. Nov. 26. — absolvit Georgium Pfinzing praepositum eccl. 
B. M. V. ad gradus Maguntin., decretorum doctorem, ab 
excommunicationis sententia et dispensat cum eo super ir- 
regularitate, quas incurrit, eo quod in arce quadam Wor- 
matien. vel Maguntineu. dioec cum Georgio Ritesei 1 ) laico 
aplica auctoritate per destinatum iudicem excommunicato 
loquendo, comedendo, bibendo aliasque commuuicavit nec- 
non in eiusdem capella portis apertis absente tarnen ipso 
excommunicato missam celebravit. 


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298 


Dr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

„Solet aplicae sedis.“ D. R. P. VI. Kl Dec. anno 7. — 
XXXVIII. (Vat. 668 f. 35.) 

*) Georg Riedesel v. Brackenburg, hessischer Rat, f 1488 (Bieder¬ 
mann RhönsWerra tab. 127 B). 

588. Dec. 2. Dominus Lucianus Cole') oanonicus Firmanus Ronianam 
curiarn soquens nomine Nicolai de Castillione clerici Mediolan. obl. 
se pro ann. canonicatus et praebendae eccl. s. Stephani Bambergen, 
et parochialis eccl. in Karlstat Herbipolen. dioec. (24 m. a.) vaca- 
turorum per deolarationem privationis’) contra quendam Theodori- 
cum Morung eidein Nicolao collatorum per bullam Romae X. Kl. 
Jul. anno 4. (1475 Jun. 22.) 

Prom. solvere infra 6 menses. (Ann. d d.) 

‘) Jänig, Liber confraternitatis B. Mariae de Anima S. 259: Ein 
Verwandter war Joh. Cole iustitor Romanarn curiarn sequens et 
Elizabeth eius uxor. — J ) Jedenfalls wegen Nichtzahlens der Pen¬ 
sion; vgl. Nr. 287. 

589. Dec. 15. Dominus Benedictus Mansella de Ponte corvo reveren- 
dissinii cardinalis Montisferrati capellanus obl. se pro pensione annua 
40 fl. auri de camera eidem cardinali assignata super fructibus paro¬ 
chialis ecclesiae in Kungsfeld per bullam dat. Romae Non. Aug. 
anno 6. (1477 Aug. 5). — In eadem bulla pensio 10t) duc. oxistit 
assignata eidem cardinali super fructibus archidiaconatus ecclesiae 
Herbipolen. Est soluta annata de archidiaconatu. (Ann. d. d.) 

590. Dec. 16. — dispensat cum Martino de Kere, custode *) 
ecclesiae Herbipolen., ita ut tria beneficia invicem ineom- 
patibilia recipere et retinere valeat. 

„Nob. gen.“ D. R. P. XVII. Kl. Januar, anno 7. — LX. 

(Vat. 669 f. 273.) 

') Vgl. Regest Nr. 555. 


147S. 

591. Jan. 2. — mandat s. Johannis de Celano Marsican. dioec. 
ets. Johannis in Haugis extra muros Herbipolen. ecclesiarum. 
praepositis ac. officiali Herbipolen., ut parochialem ecclesiam 
in Hassfurt Herbipolen. dioec. (42 nt. a.), quae Martino de 
Kere der. Herbipolen. dioec. jam certo modo est collata, 
eidem, qui dubitat, illam collationem ex certis causis juribus 
non subsistere, aplica auctoritate de novo conferant et 
assignent; ipse önim Martinus, volens capellam b. Mariae 
in Weschausen olim sibi collatam cum eccl. paroch. in 
Hassfurt, quam Johannes Institoris 0. Erem. s. Aug. pro- 


■V 


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Franconica aus dem Vatikan. 


299 


1478. 

fessor, in basilica principis apostolorum de Urbe poeniten- 
tiarius minor, olim a Pio II., cujus familiaris tune erat, 
sibi collatam possidebat, permutare, resignavit illam capellam 
sicut Johannes saepedictus hanc ecclesiam in manibus Bal- 
thasaris de Kere canonici Herbipolen., qui istis resignatio- 
nibus receptis vigore quarundam litterarum aplicaruni ipsam 
ecclesiam, olim praepositurae eccl. Herbipolen. ad tempus 
vitae Prancisci*) s Eustachii diae. cardin., ejus possessoris, 
incorporatam, sed eo consentiente ab ipsa nunc dissolutam, 
ipsi Martino contulit. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1477 IV. Non. Jan. anno 7. — 
XXX. — Exp. III. Non. Jan. anno 7. (Lat. 785 f. 121.) 

') Wetzhausen bei Hofheim oder Westhausen bei Kobtirg. — 
s > Piccolomini (= Papst Pius III.) als Card. 1460 Mart. 5, Papst 1503 
Sept. 22-Okt. 18. 

592. Januar. 2. — ratum et gratum habens, quod Kilianus de 
Bibra, qui olim parochialibus ecclesiis s. Nicolai in Eysfelt 
et s. Bartholomaei in Volkach dimissis praeposituram eccle- 
siae Novimonasterii Herbipolen. ac parochialem ecclesiam 
in Eysfelt obtinuit et insimul archidiaconatum de Merget- 
heim et de Ochsenfurt, possidet, hunc archidiaconatum cum 
praepositura ecclesiae Herbipolen. (1000 fl. rhen.) olim Fran¬ 
cisco tit. s. Eustachii diacono cardinali in commendam con- 
cessa permutet, eidem ipsam praeposituram confert. 

,,Apostolicae sedis circumspecta benignitas. D. R. P. 
1477 IV. Non. Jariuar. anno 7. — XXIV. XX. — Exp. IV. 
id. Januar, anno 7. (Lat. 785 f. 124.) 

593. Januar. 3. Friedericus Eltlein clericus Herbipolen., familiaris papae, 

obl. se pro facultate resignandi simpliciter vel ex causa permutationis 
omnia et singula beneficia cum cura vel sine cura, quae obtinet et 
obtinebit. Conc. per bullam papae Sixti IV. (Ann. d. d.) 

594. Jan. 5. Ginolfus de Castro Ostheriis, 1 ) lit. apost. scriptor, obl. se 
nomine Martini de Kere 1 ) clerici Herbipolen. pro ann. par. eccl. in 
Hassfurt (42 m. a.) vacantis per resignationem Joh. Institoris in 
rnanus ordinarii extra R. curiam factam. — 7. Januar, solvit flor. 
76 per manus societatis de Pnganis, de qua promisit solvere, post- 
quam pensio cessit assignata cardinali Senensi.’) 

(12. Febr. bulla portata est et reddita). (Ann. d. d.) 

l ) „tertio“ Nr. 606. — s ) Amrhein. Archiv des Hist. Vereins f. 
Unterfr. u. AschfTbg Bd. 33 S. 26. — s ) Cardinalis Senensis tit. s. 
Eustachii; Franciscus Piccolomini (vgl. Nr. 591), wurde 1501 Dom¬ 
propst in Würzburg, resignierte 1502 (Amrhein a. a. 0. 326). 


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300 


Dr. Theodor J. Scherg. 


Sixtus IV. 

595. Januar. 6. Unum par hullarum pro Joh. Institoris fratre 0. Here- 

mitarum s. Augustini super pensione 100 flor. Rhen, eidem aposto- 
lica auctoritate assignata super fruct. par. eccl. in Hassfurt. (Red- 
dita de mandato, quia est soluta annata.) (Ann. d. d.) 

596. Januar. 7. — indulgentias a Pio II. ad instantiam Johannis 
epi Herbipolen. omnibus capellam b. M. V. in Birklingen 
infra limites parochialis ecclesiae s. Martini opidi Iphoven 
Herbipolen. dioec. sitam et propter miracula inibi ex divino 
munere corruscantia magna populi frequentia celebrein visi- 
tantibus et ad eius structuram, perfeetionem, conservatio- 
nem manus adiutrices porrigentibus ad 20 annos concessas 
elapso hoc temporis spatio ad alios 20 annos ad instantiam 
Rudolf! epi Herbipolen. prorogat. 1 ) 

„Ad fut. rei mem. Gloriosus Deus.“ D. R. P. 1477. VII. 
Id. Januar, anno 7. — XL. (Vat. 668 f. 223.) 

') Vergleiche hierüber den Aufsatz des P. Bonvenut Stengcle irn 
Sulzbacher Kalender für kath. Christen 1887 S. 95 ff. 

597. Januar. 7. — ad instantiam Kiliani de Bibra canonici et 
archidiaconi maioris ac praepositi s. Johannis Novimonasterii 
Herbipolen. ecclesiarum neenon Pauli Rieter 1 ) opidani opidi 
Nurembergen. Bambergen, dioec. exponentium, se ad fide- 
lium erga praetiosissimum sacramenlum excitandam augen- 
damque devotionem desiderare, ut in parochiali ecclesia 
s. Petri in villa de Freyenstat 2 ) Eysteten. dioec. sacra 
eucharistia singulis diebus jovis ac in nativitatis et resur- 
rectionis D. N. 1. C. neenon Penteeostes ac beatorum Petri 
et Pauli apostolorum eiusdemque s. Petri ad vincula et 
cathedrae festivitatibus in aliqua pixide cristallina cum 
decentibus ornamentis publice teneatur et per eandem 
ecclesiam ab ipsius rectore vel alio idoneo sacerdote hono- 
rifice deferatur et, ut id commodius et decentius fieri ac 
suum salutare desiderium in hac parte facilius adimpleri 
possit, de bonis sibi a Deo eollatis pro suae et pro- 
genitorum successorumque suorum et aliorum fidelium ani- 
marum salute aliquamcongruam portionemelargiri proponere, 
concedit, ut fiat, sicut petitur. 

„Ad perp. rei mem. Etsi mirabile.“ D. R. P. 1477 Vll. 
Id. Januar, anno 7. — XXXX. (Lat. 779 f. 21.) 

') Paul Rieter v. Kornburg, Sohn des Hans Rieter und der Cuni- 
gunde Harsdorfferin, war geboren 1430, wurde 1464 Senator zu 


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301 


1478. 

Nürnberg, starb 1487. Er war vermählt mit der Nürnberger Patri¬ 
zierstochter Catharina Volkmarin. S' ine Tochter Crescentia Rieter 
v. Kornburg war die Gemahlin des bekannten Willibald Pirkamer. 
(Biedermann Altmühl 75, wo die oben bezeichnete Stiftung zu 
Freyenstadt Erwähnung lindet.) — *) Freystadt im Kapitel Hilt- 
poltstein (Suttner, Eichstätt S. 25). 

598. Januar. 12 Kiliauus de Bibra, 1 ) praepositus eeelesiue Herbipolen., 

obl. se pro ann. par eccl. s. Kiliani in Mellerstadt (130 flor.) unitae 
in forma gratiosa praepositurae ecclesiae Herbipolensis cedente vel 
deeedente ipsius ecclesiae rectore. Promisit solvere infra 0 menses 
a die habitae possessionis computandos; 1481 Juni 26 solvit Melchiori 
Truchsess collectori; 1481 Octob. 5 solvit hic lß flor. Rhen, per 
inanus Alberti de Bibra.*) (Ann. d. d.) 

') Amrhein, Arohiv des Hist. Vereins f. Unterfr. u. Aschffbg. 
Bd. 33 S. 21. Kilian von Bibra war demnach schon vor 1480 Dom¬ 
propst. ' — ’) Amrhein a. a. 0. 257 und unten 14. Okt. 1484- 

599. Januar. 12. Kiliauus de Bibra praepositus eccl. Herbipolen. obl. 
se pro ann. maioris valoris dietae praepositurae (1000 fl. Rhen.) vac. 
per resignationem cardinalis Seueusis ‘) apud sedem apostolicam 
factam ex causa permutationis cum archidiaconatu Mergentheim 
(200 fl.) vac. per resignationem dicti Kiliani apud sedem apostolicam 
factam. — Eadem die (12 Jan.i solvit dictus Kiliauus flor. 100 pro 
oompositione ann. maioris valoris per manus de Spanochis (Quidd. 
1476/9 f. 127). Infra 4 menses promisit solvere residuum. 

(Ann. d. d.) 

') Piccolomini Franz (nachmals Papst Pius III.). 

600 . Jan. 13. Abbas et Conventus monasterii s. 8ixti in Holtzkircheu 
O. S. B. solv. pro parochialibus ecclesiis in Helmstat 21 flor. et in 
Erlenbach 8 fl. rh. (dicto monasterii unitis) per manus de Spanochis. 

(Quidd. 1476/9 f. 126.) 

001 . Januar. 13. Henricus Rill 1 ) clericus Herbipolen. nomine Conradi 
de Lauberbach praepositi monasterii de Holzkirchen obl. se pro 
ann. eccl. paroch. in Erlebach (24 m. a.) vacautis per resignationem 
Vidroldi de Lauberbach’) dicto monasterio unitae. (Ann. d. d.) 

Pridie solverat 54 fl. (Introitus et Exitus Sixti IV. Nr. 496.) Solvit 
per manus societatis de Spanochis pro compositione ann. paroch. 
ecclesiarum Erlebach et Helmstat 29 flor. (Quidd. 1476/9 f. 126.) 

') Riff = Ryff = Reiff, Verwandter des .loh. Ryff, Nr. 448. 
S. Amihein, Archiv d. histur. Ver. f. U. u. A. Bd. 26 S. 123, 285. 
— *) Wiedoroldus Rau von Lauerbach war Kanonikus und Kustos 
in Aschaffenburg. S. Amrhein, Die Prälaten und Kanoniker des 
ehemal. Kollegiatstiftes St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg. 
Archiv des Histor. Ver. v. Unter!, u. Aschaffenb. XXVI, 122. Vgl. 
auch XXXYFII, 88 Anm. 1. 


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302 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

602. Januar. 13. Henricus Riff nomine Joh. Renk clerici Herbipolen. 
obl. se pro ann. praepositurae eccl. s. Caeciliae in Rastorff (5 m. a.) 
vacantis per obitum Adae Limpurg extra curiam defuncti. 

(Ann. d. d.) 

Pridie solverat 11 llor. per manus de Spanochis. 

(Quidd. 1476/9 f. 126.) 

603. Januar. 18. Unum par bullarum pro cardinali Senensi pro pon- 

sione annua 500 flor. concessa super fructibus praepositurae Herbi¬ 
polen. (Ann. d. d.) 

604. Januar. 23. Unum par bullarum fuit redd. sine obl. pro decano et 

capitulo ecclesiae s. Cruois in Hunfold super unione custodiae dictae 
ecclesiae (3 m. a.) fabricae dictae ecclesiae cedente vel decedente 
custode. (Ann. d. d.) 

605 . Januar. 27. — concedit Alberto Reyn der. Herbipolen., 
farniliari suo, ut benefioia, quae possidet, ad libitum resi- 
gnare vel permutare valeat. 

„Grata fam.“ D R. P. 1477. VI. Kl. Febr. anno 70. 
— Gratis de mand. dni n. pp. (Vat. 587 f. 82.) 

606. Januar- 29. Ginolfus de Castro tertio') scriptor ap. lit. et fami- 

liaris cardinalis Senensis eiusque capellanus nomine dicti d. car- 
dinalis obl. se pro ann. praepositurae Herbipolen. (1000 fl.) in com- 
meudam dicto cardinali vigoro cuiusdem regressus concessae, quando 
habebit effectum. (Ann. d. d.) 

‘) „Ostheriis“ Nr. 594. 

607 . Febr. 7. — reservat Johanni Opilionis derico Treviren. 
dioec., farniliari Juliani tit. s. Petri in vinculis cardinalis, 
qui liti super primissaria in Grevenreynfelt Herbipolen. 
dioec. cedit, annuam pensionem 6 fl. super fructibus ipsius 
primissariae Martino Reichert *) collatae, qui illatn pensionem 
annuatim in feste Nativitatis B. M. V. in opido Franco- 
furden. solvere debet. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1477 VII. Id. Febr. anno 7. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 588 f. 122.) 

') Ist 19. Juni 1497 Frühmesser in Grafenrheinfeld u. Altarist in 
Schweinfurt, letzteres noch 18. Febr. 1506, am 21. Februar 1491 
auch als Pfarrer in Rieneck erwähnt. (A. B. O. W. Urk.-Abt. A). 

60S. Febr. 12. Unum par bullarum pro Francisco tit. s. Eustachii 
cardinalis super pensione 50 flor Rhen, super fructibus dictae paro- 
chialis ecclesiae in Hassiurt. (Ann. d. d.) 

6ft!>. Febr. 18. Unum par bullarum pro Erhardo Scheuman clerico 
Herbipolen. super pensione annua 20 flor. rhen. super fruct. paroch. 
eccl. in Kocherdorn. 1 ) (Ann. d. d.) 

‘) Kocherdürn bei Neckarsulm. Dekanat Weinsberg. 


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303 


1478. 

610 . Febr. 26. — indulget Georgio de Got.zfeld *) canonico Bam¬ 
bergen. et Augusten., de militari genere ex utroque parente 
procreato ac olim Petri tit. s. Vitalis presbytri cardinalis 
et epi Augusten. 2 ) familiari, ut illos canonicatus et alia 
beneficia eccl., quae obtinet, cum aliis similibus beneficiis 
commutare valeat. 

„Nob. gen.“ D. R. P. 1477 IV. Kl. Mart, anno 7. — XXX. 

(Lat. 791 f. 82.) 

') Starb 17. Nov. 1491 (Amrhein, Archiv U--F. 33, 63). Am 
11. Nov. 1444 bezog er als Kanonikus im Dom und in St. Mauritius 
zu Augsburg die Universität Heidelberg, wo er eingetragen ist als 
Georius Gotzfelder de Augusta. S. auch Looshorn 4,333: „Georg 
v. Gotzfeld, Dekret. Doktor und Domkanoniker in Bamberg.“ — 
*) Peter v. Schaumberg, creatus 1439 Dec. 18, j 1469 Apr. 4. 

611 . Febr. 28. — mandat magistro de Belencinis causarum palatii 
apostolici auditori, ut causam inter Eberhardum de Raben¬ 
stein der. Bambergen, dioec., qui vigore litterarum aposto- 
licarum parochialem ecclesiam in Riedt 1 ) Eysteten. dioec. 
per obitum Johannis Goppolt vacantem sibique collatam 
obtinuit, et Casparutn de Eyb, 2 ) qui huic collationi se 
opponebat, verteiltem decernat. 

„Honestis supplicum votis.“ D. R. P. 1477 pridie Kl. 
Mart, anno 7. — Gratis de mandato dni n. pp. 

(Vat. 669 f. 324.) 

l ) Grossenried im Kapitel Obereschenhach. — 3 ) Kaspar v. Eyb, 
Domherr zu Eichstädt von 1475—1484 auch zu Bamberg ^Suttner 
S. 59 u. Bericht d. H. V. Bamberg 31, 90). Vgl. Nr. 694, wo Gabriel 
als Bewerber genannt ist. 

612 . Mart. 5. — ratum et gratum habet, quod abbas monasterii 
s. Aegidii 0. S. B. Norimbergen. Bambergen, dioec. tam- 
quam patronus ’) Georgio Pfinzing decretorum doctori per 
proconsulem et consules illius opidi praesentato praeposi- 
turam parochialis ecclesiae s. Laurentii Norimbergen per 
obitum Petri Knor 2 ) clerici camerae apostolicae vacantem 
contulit. 

„Litt, seient.“ D. R. P. III. Non. Mart. 1477 anno 7. 
— XXXV. (Vat. 587 f. 92.) 

') Vgl. oben Ni. 557. — *) Am 22. Mai 1478 wurde in der apo¬ 
stolischen Kammer bestätigt, dass der von Nikolaus V. i. J. 1454 
zum Kammerkleriker ernannte Peter Knorr singula iocalia entrichtet 
habe (Div. cam. 39 f. 203.) 


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304 


Dr. Theodor J. Scherg. 


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Sixtus IV. 

613 . Mart. 17. — Friderico Eltlein clerico Herbipolen., familiari 
suo, eui litteris 12. Mai 1476 datis canonicatum ecclesiae 
s. Johannis in Haugis Herbipolen. contulit et alterum bene- 
ficium ad coli, abbatis et eonventus monasterii de Comburg 
Herbipolen. dioec. pertinens reservavit, loco huius beneficii 
alterum ad epi et capli Bambergen, coli, pertinens reservat. 

„Grata fam.“ Ü. R. P. 1477. XVI. Kl. Apr. anno 7. 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 669 f. 192.) 

614 . Mart. 26. — cum Gasparo Marschalk. 1 ) rectore parochialis 
eccl. in Gnotsheim 2 ) Eysteten. dioec. in universitate studii 
Bononien. actu studente, qui illam parochialem ecclesiam 
citra unum annum et canonicatum ac praebendam eccl. 
Eysteten. inter alia obtinet, dispensat, ita ut litterarum 
Studio, ubi id viget generale, actualiter insistendo seu apud 
ecclesiam Eysteten. residendo int'ra septennium ratione 
praedictae parochialis ecclesiae ad diaconatus vel presbyte- 
ratus ordines promoveri se facere minime teneatur, dum- 
modo inf'ra primum ipsius septenuii annum ad subdiaconatus 
ordinem sit promotus. 

„ V. ac in. h.“ D. R. P. 1477 VT. KI. Apr. anno 7. XVI. 

(Lat. 784 f. 187.) 

') Von Pappjnheim; vgl. oben Nr. 469. — *) Gnotzbeim im De¬ 
kanate Wussertrüdingon, Patronat der Graten von Oettingen, aber 
dem Grafen von Pappenheim verpfändet (Suttner S. 69). 

615 . März 26. — mandat decanis Aschaffenburgen, et Franco- 
furden. ecclesiarum ac officiali Herbipolen., ut parochialem 
ecclesiam Geyssmar Herbipolen. dioec. (3 m. a.), per Tilonis 
obitum vacantein, Wigando Herrmani clerico Herbipolen. 
apostolica auctoritate assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. VII. Kal. Apr. 1478 anno 7. 
Gratis pro Deo; juravit. 1 ) (Vat. 669 f. 424.) 

*) Vgl. Anm. zu Nr. 478. 

616 . Apr. 1. — mandat praeposito eccl. Bambergen., ut paro¬ 
chialem ecclesiam in Pintloch *) Bambergen, dioec. (50 fl. 
rhen.) per liberam resignationem Johannis Witich(?) 8 ) per 
Johannem Offinam clericum Herbipolen. dioec. procuratorem 
in manibus suis factam vacantem Johanni Hader 3 ) clerico 
Bambergen, dioec. conferat. 


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1478. 


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305 


„Dignum arbitr.“ D. R. P. 1478 KI. April, anno 7. — 
XXVI. — Exp. XIV. Kl. Mai. anno 7. (Lat. 787 f. 127.) 

*) Pintloch im Dekanate Kronach (Weber, Bamberg S. 76 u. 107.) 
’) Ultsch vgl Nr. 626. — s ) Ein Johann Hader, vicarius s. Martini 
in ecclesia s. Gangolfi, starb 1498 Aug. 10 (Siebenter Bericht des 
H. V. Bamberg S. 252). 

617 . Apr. 3. — mandat praeposito eccl. Bambergen., ut canoni- 
catum et praebendam ecclesiae s. Jacobi extra muros Bam¬ 
bergen. (4 m. a.) vacantes per liberam resignationem Jo¬ 
hannis Groscher per Martinuin Inderclingen der. Herbi- 
polen. dioec. procuratorem factam Georgio Heit 1 ) der. Bam¬ 
bergen. in nono aetatis anno constituto, si eum per exa- 
minationem idoneum reppererit, conferat. 

„Laudabilia .... puerilis aetatis indicia.“ D. R. P. 
1478 III. Non. Apr. anno 7. — XX. — Exp. X. Kl. Mai. 
anno 7. (Lat. 785 f. 103.) 

') Georg Heit, Kanonikus u. Scholaster in St. Jakob, f 18.Nov. 1547. 

618 . Apr. 7. — mandat decano eccl. b. Mariae in Tewerstat 
extra muros Bambergen., ut praeposituram eccl. s. Gum¬ 
berti in Onoltzpach Herbipolen. dioec. (35 m. a.), quae de 
iure patronatus Alberti marchionis Brandenburgen., sacri 
Romani imperii electoris, ac eius heredum et successorum 
existit, et cui archidiaoonatus in Rangow in ecclesia Herbi¬ 
polen. perpetuo est annexus, per obitum Petri Knor vacan- 
tem Henrico ex comitibus de Henneberg canonico Bam¬ 
bergen. conferat. 

„Dignum.“ D. R. P. 1478 VII. Id. Apr. anno 7. — 
XXX. - Exp. XVIII. Kl. Mai. anno 7. (Lat. 782 f. 57.) 

619. Apr. 12. — mandat magistro Johanni Prioris auditori cau- 
sarum palatii apostolici, ut causam inter Melchiorem Truch¬ 
sess canonicum Spiren., acolytum suum, et Fredericum 
Vilant, qui super capellania s. Margarethae in ecclesia 
castelli Werneck Herbipolen. dioec. per obitum Wilhelmi 
Schenk de Limpurg') vacantem litigant, decernat eamque, 
si invenerit neutri ad eam ius competere, illi Melchiori 
Truchsess aplica auctoritate conferat. 

„Grata devotionis et familiaritatis.“ D. R. P. prid. Id. 
Apr. 1478 anno 7. — Gratis de mandato. (Vat. 607 f. 65.) 

') Derältere Wilhelm Schenk v. Limpurgseit 1426Domherr zu Bam¬ 
berg, Bruder des Bischofes Gottfried Schenk v. Limpurg zu Würzburg. 

Archivalisohe Zeitschrift. Noue Folgo. XVII. 20 


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Sixtus IV. 

620 . Apr. 15. — mandat decano ecclesiae s. Johannis in Haugis 
extra muros Herbipolen.. ut canonicatum et praebendam 
eccl. Herbipolen. (10 m. a.), quos per obitum Georgii de 
Elrichshau$en') vacantes Johannes Stumpff clericus Herbi¬ 
polen., familiaris suus, vigore quarundam litterarum aposto- 
licarum obtinuit, sed possessione non habita hodie in mani- 
bus suis resignavit, Johanni Czolner, clerieo*) eiusdern 
dioec., de militari genere prooreato, conferat. 

„Dignum.“ Dat. Rom. ap. s. Petr. 1478 XVII. Ivl. Maii 
anno 7. — XX. — Exp. VIII. Kl. Mai. anno 7. 

(Lat. 791 f. 8.) 

■) Starb 4. März 1478 (Amrhein, Arch. U--F. 82, 273). — ’) Johannes 
Zöllner ist nicht näher zu bestimmen; wahrscheinlich kam er nicht 
in den Besitz der Präbende. 

621. Apr. 15. Dominus Eberhardus de Rabenstein der. Bambergen., 

Sanctissimi dni nostri papae familiaris, obl. se pro annata capellae 
s. Georgii in Stafelstein (7 m. a.) vacantis per obitum Alberti de 
Eybe eidom Eborhardo collatae Romae XII. Kl. Sept. anno 4. 
(1475 Aug. 21). (Ann. d. d.) 

1479 Jul. 8 solvit. 

622 . Apr. 18. — confert Melchiori Truchsess acolyto suo, de 
nobili genere ex utroque parente procreato, qui archidiaco- 
natum de Teitelbach in eccl. Herbipolen per eiusdern eccle¬ 
siae canonicos etiam actu capitulares obtineri solitum iuter 
alia obtinet, canonicatum et praebendam eiusdern eccl. 
(4 m. a.), vacantes per liberam resignationem Marci ex 
marchionibus Baden 1 ) per Egidium Truchses der. Herbi¬ 
polen., procuratorem, in manibus suis factam. — Exec.: 
Abbas inonasterii s. Savini Placentin. et Anicien. ac Spiren. 
ecclesiarum decani. 

,,Grata devotionis obsequia.“ D. R. P. 1478 XIV. Kl. 
Mai. anno 7. — XII. X. — Exp. VIII. Kl. Mai. anno 7. 

(Lat. 782 f. 80.) 

*) Dieser Markus, Markgraf von Baden kam nicht in den Besitz 
einer Präbende im Dom zu Würzburg, und Melchior Truchsess erst 1485. 

623. Apr. 18. — Melchiori Truchsess canonico Herbipolen., aco¬ 
lyto suo, qui inter alia archidiaconatum in Tettelbach obtinet 
et hodie canonicatum et praebendam eccl. Herbipolen. per 


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1478. 

liberam resignationem Marci ex raarchionibus de Baden 
vacantes per provisionem apostolicara obtinuit, in cuius 
quidem provisionis litteris non mentio facta est, ei insuper 
unam 40 fl. super decanatu ecclesiae Herbipolen. et alteram 
25 fl. rhen. super certis canonicatu et praebenda eiusdem 
ecclesiae fructibus pensiones annuas aplica auctoritate assig- 
natas esse et fructus annuos praefatorum canonicatus et 
praebendae non 4 m. a., sed 8 m. a. valorem non excedere, 
quare timet, ne illae litterae de surreptionis vitio notari 
possint, concedit, ut istae litterae valeant, ac si de pen- 
sionibus praedictis mentio facta et cum ipso Melchiore, ut 
illas unacum canonicatu et praebenda collatis ac archidia- 
conatu praedicto percipere possit, dispensatum necnon ex- 
pressum esset, illorum canonicatus et praebendae fructus 
8 m. a. (loco 4 m. a.) non excedere, et insuper cum eodem 
Melchiore pro potiori cautela dispensat, ita ut super deca¬ 
natu ad terapus vitae et super canonicatus et praebendae 
praedictorum fructibus ad biennium dumtaxat pensiones 
annuas recipere valeat. 1 ) 

„Grata dev. obs.“ D. R. P. 1478 XIV. Kl. Mai. anno 7. 
- XX. (Lat. 791 f. 107.) 

*) Vgl. Nr. 656, 666, 691, 766, 787. 

624. April. 18. Jacobus de Bugomotis de Luca, institor societatis de 
Franciottis in Romana curia, obl. se nomine Henrici ex comitibus 
de Hennonberg 1 ) canonici Bambergen, pro ann. praepositurae eccl. 
s. Gumperti Onolzpacen., quae inibidignitasprincipalis existit(35m.a.) 
vacantis per obitum Petri Knor. (Ann. d. d.) 

Eodem die solvit 79 flor. (Quidd. 1476/9 f. 151.) 

') Amrhein 1. c. 32, 275. Vgl. oben Nr. 618. 

(>25. Apr. 21. — concedit. Melchiori Truchsess 1 ) praeposito eccle¬ 
siae s. Julianae in Mosbach Herbipolen. dioec., collectori 
apostolico in provincia Maguntin., ut archidiaconatus Tettel- 
bacen. (60 fl. aur.) ab ipso iam obtentus cum supradicta 
praepositura (90 fl. auri.) ad tempus eius vitae uniatur. 

„Ad futuram rei mein. Ex adiuncto nobis.“ D. R. P. 
1478 XI. Kl. Mai. anno 7. — Gratis de mandato dni n. pp. 

(Vat, 608 f. 318.) 

') Vgl. (. Bericht des H. V. Bamberg S. 191 und 24. Jahrgang 
des H. V. für Schwaben und Neuburg S. 52. 

626. Apr. 28. Henricus Sohenleben canonicus Eysteten. eccl. nomine 
dni Job. Hader clerici Bambergen, dioec. obl. se pro ann. parochialis 

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Sixtus IV. 

ecolesiae in Pintloch (50 ü.) vaeantis per liberum rosignationem 
Joh. Ult8ch eidem Hader collatae Romae Kl. Apr. anno 7 (1478 Apr. 1). 

(Ann. d. d.) 

Solvit fl. 17 eodem die per manus dioti Henrici. 

(Quidd. 1476/79 f. 153.) 

627 . Mai. 2. — ad instantiam magistrorum civium opidi Nuren- 
bergen. statuit et ordinat, ut iuxta monasteria monialium 
0. S. Clarae et S. Doininici Nurenbergen. et in Bildenreuth ’) 
0. S. Aug. canon. regul. ac Grindlach 0. Cist. Bambergen, 
et Eysteten. dioec. singulae domus construantur pro reci- 
piendis et in bonis moribus int'orinandis mulieribus, quae 
vita inhonesta, quam ducebant, relicta poenitere et honeste 
vivere volunt, non obstante, quod oliin ob penuriam facul- 
tatum illorum monasteriorum statutum sit, ut in ipsis 
monasteriis sorores et inoniales recipi non possent, nisi 
prout illorum facultates suppeterent. 2 ) 

„Ad perp. rei mein. Sineerae de.votionis affectus.“ D. 
R. P. 1478 VI. Non. Mai. anno 7. — LXXX. 

(Lat. 778 f. 38.) 

*) Pillenreuth. — 2 ) Vgl. Nr. 534. 

628 . Mai. 2. — ad instantiam Rudolf! episcopi et totius capituli 
ecclesiae Herbipolen. ad quindecim annos omnibus Christi- 
fidelibus vere poenitentibus et confessis, qui ipsam eccle- 
siam Herbipolen. sub beatorum Kiliani et sociorum ejus 
martyrum invocatione fundatam in proximo festo ejusdem 
s. Kiliani et duobus diebus illud immediate sequentibus et 
successive de quinquennio in quinquennium in eisdem festo 
et diebus devote visitaverint et, ut ipsa ecclesia in suis 
structuris et aedificiis conservetur, manuteneatur, augmen- 
tetur, manus adjutrices porrexerint, illam indulgentiam et 
peccatorum remissionem, quam visitantes ecclesiam s. Marci 
Venetiarum in festo Ascensionis D. N. J. C. necnon eccle¬ 
siam monasterii s. Mariae ad Ileremitas *) 0. S. B. Con- 
stantien. dioec. in festo Exaltationis s. Crucis annis, quibus 
festum ipsum in die Dominico occurrit, consequuntur, 
concedit. 2 ) 

„Unigenitus Dei filius.“ D. R. P. VI. Non. Mai. anno 7. 
— CL. (Vat. 669 f. 480.) 

*) Einsiedeln in der Schweiz. — s ) Vgl. Nr. 683. 


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1478. 

629 . Mai. 3. — Eberharde» de Rabenstein eanonico Augusten., 
familiari suo, qui litteris apostolicis 2 Martii 1473 datis 
exspectantiam ad ununi vel duo beneficia ad collationem 
epporum et caplorum Bambergen, et Eysteten. pertinentia 
impetravit et harum litterarum vigore praeter parochialem 
ecclesiam in Riedt Eysteten. dioec. canonicatum cum prae- 
benda ecelesiae Eysteten. obtinuit, propter quos tarnen 
contra alium litigat, quum de reservatione beneficii Bam¬ 
bergen. vix ullam spem habeat, reservat alterum beneficium 
ad epi et capli Herbipolen. collationem pertinens et cano¬ 
nicatum Augusten. 

„Grata fara.“ D. R. P. 1478 V. Non. Mai. anno 7. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 669 f. 49.) 

630 . Mai. 5. — Mathiae Carnificis clerico Herbipolen., familiari 
suo, qui vigore litterarum apostolicarum 1 ) 1. Januar. 1472 
sibi concessarum de exspectandis uno vel duobus beneficiis 
ad collationem capitulorum maioris et s. Bureardi ecclesia- 
rum Herbipolen. pertinentibus parochialem ecclesiam in 
Breitenbach 2 ) Herbipolen. dioec. obtinuit, de beneficio autem 
ad collationem capli ecelesiae s. Bureardi pertinente nihil 
sperat, loco eius reservat beneficium ad collationem epi et 
capli ecelesiae majoris Herbipolen. pertinens. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1478 III. Non. Mai. anno 7. — 

(Vat. 670 f. 125.) 

l ) Vgl. Nr. 455, mit Vordatierung auf 1.1. 1472. - ’) Burgpreppach. 

631 . Mai. 14. — quosdam defectus in litteris aplicis 2. Maii 1474 
datis, quibus Eberhardo de Rabenstein *) elerico Bambergen 
familiari suo, unum vel duo beneficia ad collationem epo- 
rum et caplorum Bambergen, et Eysteten. pertinentia re- 
servata sunt, supplet. 

„Ad fut. rei mein. Ad Romanum spectat pontificem.“ 
D. R. P. 1478 pridie Id. Mai. anno 7. — Gratis de man¬ 
dato dni n. pp. (Vat. 668 f. 85.) 

*) 31. Bericht des H.V. BambergS. 87: admissus ad praebendum 
1471, f 1505 Febr. 6. 

632 . Mai. 15. — reservat Eberhardo de Rabenstein eanonico 
Bambergen., familiari suo, annuam pensionem 8 flor. rhen. 
super fructibus arehidiaeonatus de Eckelsheim in eedesia 


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Sixtus IV. 

Bambergen., quem sibi 8. Maii 1478 collatum hodie resig- 
navit, solvendam a Mathia de Schaumberg, 1 ) qui eum nunc 
obtinet. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1478 Id.’ Mai. anno 7. — Gratis 
de mandato dni n. pp. 

>) Domherr zu Hamberg 1466, f 1510 Juni 20. (31. Bericht des 
H. V. Bamberg S. 86). 

833 . Mai. 15. — confert Eberhardo de Rabenstein familiari suo 
primissariam in ecclesia parochiali in Kronach Bambergen, 
dioec., vacantem per liberam resignationem a Mathia de 
Schaumberg 1 ) in manus suas factam. — Exec.: Archieps 
Patracen. et praepositus eccl. in Feuchtwangen, ac offi- 
cialis Bambergen. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1478 Id. Mai. anno 7. — Gratis 
de mandato dni n. pp. (Vat. 587 f. 183.) 

l ) Matthias v. Schaumberg, admissus 1466, ft 1510 Juni 26, cauo- 
nicus et archidiaconus Bbg. (31. B. H. V. Bbg. S. 86). 

634 . Mai. 22. — confert Georgio Neuwirt de Rot perpetuam 
vicariam ad altare s. Arsatii *) situm in sepultura domino- 
rum annexa ecclesiae Eysteten., quam Stephanus Klinger 
familiaris suus per procuratorem Math. Kint hodie in manus 
suas resignavit. — Exec.: Praepositus eccl. in Feuchtwangen 
et Eberhardus canonicus Bambergen, ac officialis Eysteten. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1478 IV. Kl. Jun. anno 7. 

(Vat. 670 f. 301.) 

■) Vulgo „s. Annao“ (Suttuer, Eichstädt S. IX.) 

635 . Mai. 28. — declarat litteras aplicas, quibus Kiliano Stein 
beneficium ad coli, capituli ecclesiae s. Burchardi extra 
muros Herbi polen, pertinens reservatum est, quin in eis 
defectus natalium, quem patitur de coniugato genitus et 
soluta, mentio facta esset, perinde valere, ac si ipsius de¬ 
fectus inentio tune facta esset.“ 

„V. ac m. h.“ D. R. V. 1478. — Gratis pro Deo. — 

(Vat. 660 f. 352.) 

636 . Mai. 29. — Petro de Ferrara capellano suo et eausarum 
palatii aplici auditori mandat, ut defuncto Sebaldo Tücher, 
cui per provisionem aplicam ecclesia paroch. in Hallstadt 
Bambergen, dioec. (25 m. a.) per obitum Petri Knor 1 ) 
vacans collata est opponente se huic collationi Bertholdo 


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1478. 

e comitibus de Henneberg, 1 ) qui se gerit pro clerico, ita 
ut super ea lis mota esset in curia Romana, in iure et ad 
ius, quod ille Sebaldus ad praedictam ecclesiam habebat, 
Gunterum de ßünau clericura Nueraburgen. dioec., decre- 
torum doctorem et familiärem suum, substituat. 

„Grata fam.“ D. R. P. 1478 IV. Kl. Jun. anno 7. — 
Gratis de mandato dni n. pp. (Vat. 588 f. 161.) 

l ) Bruder des Fuldaer Fürstabtes Johannes v. Henneberg-Schleu- 
siugen, f 20. April 1495 zu Strassburg. 

637. Mai. 30. — ad instantiam Annae viduae Conradi Castner 
laici Eysteten. dioec. exponentis ipsum Conradum, dum 
viveret, in ultima sua voluniate inter alia ordinasse, ut in 
parochiali ecclesia opidi Weissenburg Eysteten. dioec., cuius 
incola fuit, unum sine cura beneflcium erigeretur, et illud 
dotasse redditibus annuis 40 fl. rhen., ordinationem autem 
huiusmodi commode impleri non posse, et ideo petentis, 
ut illi redditus convertantur ad erigendam parochiam in 
villa Hertingen x ) adhuc filialem parochialis ecclesiae Hausen 
Eysteten. dioec. existente, cuius collatio ad abbatem et con- 
ventum monasterii in Wiltzburg patronum ipsius ecclesiae 
in Hausen pertineat, decano Eysteten. mandat, ut, si sibi 
de praemissis constiterit et parochi in Hausen Consensus 
accesserit, capellam in villa Hettingen existentem in eccle¬ 
siam parochialem erigat.*) 

„Etsi ex debito.“ D. R. P. 1478. III. Kl. Jun. anno 7. 
— XX. (Vat. 590 f. 76.) 

*) Hettingen, Filiale der Pfarrei Hausen (Weipoldshausen) im 
Kapitel Weissenburg (Suttner Eichstätt S. 77.) — *) Vgl. Reg.-Nr. 830. 

638 . Jun. 1. — mandat officiali Bambergen., ut perpetuam vi- 
cariam ad altare s. Catharinae situin in ecclesia parochiali 
in Volkach Herbipolen. dioec., vacantem per obitum Burg- 
hardi Ott 1 ) presbyteri Herbipolen. dioec.' apud sedem apo- 
stolicain defuncti, Georgio de Schoenefels a dicto Burghardo 
specialiter reconnnendato assignet. 

„Dign. arb.“ D. R. P. 1478 Kl. Jun. anno 7. — Gratis 
pro Deo.; juravit. (Vat. 670 f. 560.) 

') Archiv des Hist. Vereins f. Unterfr. u. A. Bd. 2 S. 44. 151. 
Hienach lebte Ott nach 1481. — Vgl. Reg. Nr. 917, laut welchem 
am 30. April 1884 Annata bezahlt wird für eine durch den Tod des 
Burcard Ott erledigte „Mittelmesse“ in der Pfarrkirche zu Sulzfeld. 


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Sixtus IV. 

639. Jun. 1. — mandat decano ecclesiae s. Johannis in Haugis 
extra muros Herbipolen., ut parochialem ecclesiam in Dungen¬ 
tal ') (24 duc.) Herbipolen. dioec., quam per obitum Henrici 
Utz vacantem Johannes Langer der. Augusten, dioec. 
vigore litterarum apostolicarum 18. Dec. 1476 datarum ob- 
tinuit, sed ipsis litteris non confectis hodie sponte resignavit, 
Georgio Widemann *) der. Herbipolen. dioec. conferat. 

„Dignum arbitr.“ D. R. P. 1478 Kl. Jun. anno 8. — 
XX. — Exp. VII. Kl. Januar, anno 8. (Lat. 784 f. 19.) 

*) TUngenthal im Kapitel Hall. — *) Am 28. Aug. 1515 noch Pfarrer 
in TüDgentbal und Altarist im Spital zu Hall, letzteres noch 11. Ja¬ 
nuar 1516 (A. B. 0. W. Urk.-Abt. A). 

640 . Juni. 2. — reservat Fabiano de Wirsberg 1 ) der. Bam¬ 
bergen. dioec. unum vel duo beneficia ad collationem eppo- 
rum et caplorum Eystetten. et Ratisponen. pertinentia, 
dummodo eorum fructus, si cum cura, 25, si vero sine cura, 
18 m. a. valorem annuum non excedant. — Exec.: Con- 
radus Sinzenhofer et Laurentius Thum 2 ) Ratisbonen. ac 
Stephanus de Caciis Vercellen. canonici. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1478 IV. Non. Jun. anno 7. — 
Gratis de mandato. (Vat. 669 f. 283.) 

*) Ist in der Genealogie bei Biedermann (Gebiirg 382) nicht ver¬ 
zeichnet. — *) 1446 in Leipzig, 1449 in Wien, 1463 und 1464 in Bo¬ 
logna und daselbst 1467 Dr. decret., 1490—1496 als Goneralvikar in 
Bamberg genannt, 1463 Canonikus in Feuchtwangen (Knod 678); 
nach obigem Regest war er auch Kanonikus in Regensburg. 

641 . Jun. 10. — coufert magistro Melchiori Meckau 1 ) scriptori 
et familiari suo ecclesiam parochialem „praeposituram“ 
nominatum s. Laurentii Norimbergen., Bambergen, dioec. 
(90 m. a.), vacantem per obitum Georgii Pfinzing. 

„Grata dev. et fam. obs.“ D. R. P. 1478 IV. Id. Jun. 
anno 7. (Vat. 596 f. 143.) 

') Wird 1482 Koadj. und 1489 Bischof v. Brixen, 1503 Kard., 
t 1509 Mai 2. 

642. Jun. 27. — dispensat cum Bernardo Adelman') canonico 
Eysteten., 2 ) in 19. aetatis anno constituto, ita ut duo bene¬ 
ficia curata seu alias invicem incompatibilia recipere valeat, 
dummodo eorum fructus ultra 24 fl. auri de camera non 
ascendant. 


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1478. 


Franconica aus dem Vatikan. 


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„V. ac m. h.“ D. R. P. 1478 V. Kl. Jul. anno 7. — L. 

(Lat. 786 f. 174.) 

') Von Adelmannsfelden. — ’) Scheint nur Titularkanonikus ge¬ 
wesen zu sein; war 1480 nicht mehr Domherr zu Eichstädt; er 
wurde Domherr zu Augsburg, wo er 1520 noch lebte (Kirchenlexikon 
X. S- 1160); als Kanonikus von Eichstädt immatrikulierte er sich 
30. Juni 1472 in Heidelberg (Toepke I. 338). 

643 . Jul. 10. — motu proprio epum Bambergen, et alios, qui 
Eberhardum de Rabenstein canonicum Bambergen, impe- 
diunt, quominus possessionem capellae s. Pancratii in Gugel') 
prope castrum Giech Bambergen, dioec., quae per obiturn 
Jacobi Rawe apud sedem apost. defuncti vacans ei per 
provisionem apost. collata est, apprehendat, monet, ut infra 
12 dierum spatium, postquam notitiam praesentium habue- 
rint, in ipsam possessionem eum admittent. 

„Ad fut. rei mem. Pontitiealis auctoritas. D. R. P. 1478 
VI. Id. Jul. anno 7. — Gratis de mandato dni n. pp. 

(Vat. 669 f. 148.) 

■) Gugel (Gügel) war eine auf steilom Felsen erbaute Kapelle 
beim Schlosse Giech, */> Stunde von Schesslitz entfernt. (Bundschuh, 
Lexikon II S. 320). 

644 . Aug. 8. — Andreae Valker scolari Herbipolen. dioec., filio 
Johannis Valker laici, Alberti marchionis Brandenburgen. 
secretarii, in 10. aetatis anno constituto et militiae cleri- 
cali adscribi desideranti, consideratione ipsius marchionis 
indulget, ut, postquam clericali caractere rite insignitus 
fuerit, canonicatus et praebendas recipere valeat. 

„Laudabilia tuae puerilis aetatis indicia.“ D. R. P. 1478 
IV. Id.anno 7 *)• - XIV. (Lat. 784 f. 161.) 

') Die Angabe des Monates fehlt. Im Hinblick auf die nach¬ 
folgende Nr. wurde „August“ angenommen. Es könnte aber auch 
irgend einer der vorausgehenden sein, sogar bis Sept. 1477, da 
Sixtus IV. gekrönt wurde am 25. Aug. 1471. Später als 24. Aug. 1478 
kann das Datum nicht sein; denn sonst müsste es heissen „anno8“ 

645 . Aug. 26. — ad instantiam abbatis et conventus monasterii 
in Lauchheim *) O. Cist. Dioec. Bambergen., cui monasterio 
olim parochialem ecclesiam in Altenkunstat a ) ejusd. dioec. 
incorporavit, ita ut ei per vicarium perpetuum deserviretur, 
deinde autem indulsit, ut hac vicaria suppressa ipsa eccle- 
sia per monachum illius monasterii sacerdotem ad nuturn 
abbatis ponendum et amovendum regeretur et cura in ea 


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314 


Dr. Theodor J. Soherg. 


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Sixtus IV. 

exerceretur, quutn ipse papa postinodum Hieronymum 
monachuin ipsius monasterii illam ecclesiam sic regentem 
in episcopum Naturen.®) (et suffraganeum 4 ) epi Bambergen.) 
promoverit et ei praedictam ecclesiam in commendam con- 
cesserit, declarat, eo (in episcopum adhuc tantum electo) 
cedente vel decedente vel alias illam ecclesiam dimittente 
omnia indulta dicto monasterio circa eam concessa valere, 
ac si ipsa numquam in commendam, ut praefertur, concessa 
esset. 

„Benigno decet Romanum pontificem.“ „D. Brachiani 
Sutrin. dioec. a. 1478 VII. Kl. Sept. anno 8.“ — XX. 

(Lat. 789 f. 295.) 

') Langhoim. — ’) Altenkunstadt, Dekanat Weissmain. — ’) Alhyra 
bei Konstantinopel. — 4 ) Hieronymus v. Reitzenstein; cf. Jäck, 
Denkschrift für das .Jubelfest der Buchdruckerkunst, Erlangen 1840; 
S. 130 f„ und Dr. Nik. Haas, Geschichte der Pfarrei St. Martin zu 
Bamberg; Bbg. 1845, S. 588; ferner ebendaselbst die Beilage Nr. 100 
u. 7. Bericht H. V. Bbg. S. 137: Todestag des Weihbischofs 19. März 
1484, nach Dr. Haas, C c. 16. Juli 1503, ebenso Jäck. 

646 . Aug. 28. — mandat Vito Truchsess 1 ) praeposito eccl. Bam¬ 
bergen., ut perpetuum benefieiutn ecclesiasticum „primissa- 
riam“ nuncupatam in parochiali ecclesia s. Gertrudis *) ext ra 
muros Bambergen. (4 m. a.) per obitum Francisci Lemlein 3 ) 
et ex generali reservatione vacantem ex eo, quod ille Fran- 
ciscus, dum viveret, fructuum et proventuum camerae apo- 
stolicae debitorum in illis partibus subcollector erat, Jo¬ 
hanni Krontall der. Ilerbipolen. dioec., si eum per exami- 
nationem idoneum reppererit, conferat. 

„Dign. arbitr.“ D. R. P. 1478 V. Kl. Sept. anno 8. — 
XXII. — Exp. XII. Kl. Aug. anno 8. 4 ) 

(Lat, 796 f. 39.) 

l ) v. Pommersfelden. — *) Siehe Hais, Martinspfarrei Bamberg 
S. 84—94 u. 750. — *) ebenda S. 92: Franz Lemlein, Kaplan und 
Johann Krontall Frühmesser in der St. Gertrudenkapelle. — *) 1479 
Juli 23. 

647 . Sept. 7. — mandat praeposito eccl. in Feuchtwangen 1 ) et 
deeano ac officiali Bambergen., ut perpetuam vicariam in 
ecclesia s. Jacobi extra muros Bambergen., per obitum 
Eberhardi Swall vacantem, Eberhardo Kadmer 2 ) clerico 
Bambergen., magistro in artibus, assignent. 


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1478. 


Franconica aus dem Vatikan. 


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„Litt, scientia.“ Datura Brachiani dioec. Sutrin. 1478 VII. Id. 
Sept. anno 8. — Juravit. Gratis pro Deo. (Vat. 670 f. 561.) 

') Dr. Jakobi, Feuchtwangen. 1833 S. 212: Johann Horn 1472 
und 1477, Georg von Sohaumberg 1482; ersterer scheint gemeint 
zu sein. — *) Eberhardus Kadmer, ex holvelt oriuudus, Dr., prae- 
positus s. Gangolfi, scriptor et abbreviator apostol., can. s. Stephani, 
obiit 1507, Jan. 1. — 7. Bericht d. H. V. Bbg., S. 89. 

648 . Sept. 19. — mandat epo Alexandrin. 1 ) et Eberhardo de 
Rabenstein canonico Bambergen, ac officiali Herbipolen., 
ut canonicatum et praebendam ecclesiae s. Johannis in 
Haugis extra muros Herbipolen. (8 m. a.) vacantes per 
obitum Antonii Zeller 2 ) et ex eo, quod Henricus Caroli 
clericus Herbipolen. eos postmodura vigore nominationis 
per Fridericum imperatorem factae obtentos sponte resi- 
gnavit, Philippo Ditmari clerico Bambergen, apostolica auc- 
toritate assignent. 

„V. ac m. h.“ D. R. P. 1478 XIII. Kl. Oct. anno 8. — 
Gratis pro Deo. (Vat. 590 f. 113.) 

*) Johannes Antonius de s. Georgio. auditor s. palatii, promotus 
1478 Apr. 14, translatus ad Parmen. 1499 Sept. 6., Card. 1492 
Aug. 31, f 1509 Mart. 14. — ’) Magister Antonius Zeller starb 1478 
Juni 1 (Arch. des Hist. Vereins f. Unterfr. u A. 29, 282. 283, Nr. 130). 

649 . Sept. 19. — confirraat eoncordiam inter Bernardum Arczt 
praepositum eccl. s. Viti de Herrieden Eysteten. dioec. et 
nonnullos ipsius praepositurae vasallos, corafti Johanne 
Gossolt canonico et archidiacono Eysteten. judice ab apo¬ 
stolica sede deputato litigantes, cum consensu Wilhelmi epi 
et capituli Eysteten. factam, scilicet: 

„quod praepositus dictae ecclesiae pro tempore existens, 
qui eandem praeposituram alias quam per obitum vacantem 
assecutus fuerit, ab ipsius ecclesiae vasallis pro tempore 
existentibus pro acceptis ab ea feudis nihil petat nec ipsi 
vasalli pro feudis huiusmodi aliquid solvere teneantur; 
ille vere praepositus pro tempore existens, qui eandem prae¬ 
posituram per obitum vacantem assecutus fuerat, id, quod 
consuetum est pro feudis huiusmodi dari, dumtaxat recipere 
ac vasalli id sibi solvere teneantur.“ 1 ) 

„Ad perpetuam rei memoriam. Illius licet immeriti vices 
gerentes.“ D. R. P. 1478. XIII Kl. Oct. anno 8. — XL. 

(Lat. 788 f. 294.) 

‘) Vgl. Nr. 548. _ 

Fortsetzung und Register folgen. 


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Bücherbespreehung. 

Wolf, Gustav, Einführung in das Studium der neueren 

Geschichte. Berlin, Weidmann. 1910. gr. 8°. xxvj; 

793 Seiten. 

Von diesem Werke, das von hervorragendem Verständnis 
für die Bedürfnisse und das Fassungsvermögen der Studierenden 
zeugt, gehören in das Berichterstattungsgebiet der Archiv. Zeit¬ 
schrift nur die Seiten 644—729, auf denen der Verfasser unter 
dem Obertitel „Geschichte eines einzelnen Aktenstückes“ in je 
5 Paragraphen über „Das Aktenstück im laufenden Dienst“ und 
über „Das Archivwesen“ handelt. Der Archivar von Fach wird 
in den Literaturangaben nichts Wesentliches vermissen und nur 
wenig — etwa auf S. 668 einen nochmaligen Hinweis auf Trübners 
Minerva oder auf S. 712 zu Anm. 1 den Vortrag von Lulvks 
über die Verwaltung der Staatsarchive Italiens (Korrespondenz 
blatt d. Ges.-Ver. 56, 430—446) — nachgetragen wissen wollen. 
Noch mehr: die treffenden Bemerkungen über die passive Wider¬ 
standsfähigkeit gegen Fortschritte im Archivwesen vonseiten 
der „Elemente, welche ... in ihm bequeme Versorgungsan¬ 
stalten erblickten“ (S. 702), über die Ursachen der häufig be¬ 
liebten Durchbrechung des Provenienzsystems (S. 721) und über 
die schwerwiegenden Gründe gegen vollständige Umordnung 
eines Archives (S. 723) zeigen, dass sich der Verfasser, wenn 
er nicht etwa selbst unter tüchtiger Leitung zum Archivar aus- 
gebildet worden ist, jedenfalls einen tieferen Einblick in die 
ärchivalische Praxis verschafft hat als zahlreiche andere Univer¬ 
sitätslehrer der Geschichte. In den sehr ins Einzelne gehenden 
Ratschlägen für Archivbentitzer vermisse ich den Hinweis aut 
die jetzt fast überall zulässige Archivalienversendung und auf 
die Erwägungen, die besonders den Anfänger abhalten sollten, 


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davon übermässigen Gebrauch zu machen, — Dinge, über die 
ich mich auf dem Karlsruher Archivtage eingehender geäussert 
habe (Korr.-Bl. Ges.-Ver. 55, 391 409). Das bayerische Archiv¬ 

wesen ist nach Wolf „sehr verwickelt“ (S. 705), und er be¬ 
gründet diese Anschauung zunächst mit der grossen Zahl der 
nebeneinander bestehenden Archive. Seine Aufzählung ist nicht 
einmal vollständig; denn er vergisst das ganz unter militärischer 
Leitung stehende Kriegsarehiv und scheint die neueste Schöpfung 
nicht zu kennen: das im Anschluss an das Nürnberger Verkehrs¬ 
museum gegründete Archiv für Akten aus dem Geschäftskreise 
des Verkehrsministeriums — eine Gründung, die meines Wissens 
ohne Gutachten oder Beirat archivalischer Fachleute erfolgt ist 
und die die Verwirrung deshalb noch mehr steigert, weil die 
älteren Verkehrsakten aus dem Ministerium des Aeussern, dem 
Post und Eisenbahn früher unterstanden, ins Staatsarchiv ge¬ 
langt sind. Weiter beklagt Wolf, dass die Scheidung zwischen 
den einzelnen bayerischen Archiven nicht konsequent durch¬ 
geführt sei. Es konnte ihm nicht bekannt sein, dass an der 
Beseitigung dieses Mangels zielbewussst gearbeitet wird. Allein 
der richtige Ausgleich erfordert natürlich Zeit, viel Zeit, und 
so wie Wolf seinen Lesern das System darstellt, wird es ihnen 
kaum recht verständlich sein, eine genauere Fassung der gelten¬ 
den Grundsätze muss gefordert werden. Auseinanderlegungen 
nach dem Gesichtspunkt „lokalgeschichtlich oder nicht?“ haben 
nie stattgefunden. Man merke: Von den Verwaltungsakten, 
einschliesslich Justiz und Finanzen gehören die der bayerischen 
Zentralbehörden ins Zentral-(„Reichs“-) Archiv; dasselbe beher¬ 
bergt ebenso alle Urkunden bis 1400 und die altbayrischen und 
schwäbischen sämtlich mit geringen Ausnahmen; die fränkischen 
und das pfälzische Kreisarchiv nehmen insofern eine Sonder¬ 
stellung ein, als sie für ihre Gebiete das gesamte Urkunden- 
und Aktenmaterial von 1400 ab enthalten; alle Dokumente, die 
sich auf Hoheitsrechte der ehemals reichsunmittelbaren Teile 
des Königreichs beziehen und mit diesen Rechten auf den bay¬ 
rischen Staat übergegangen sind, sollen im Reichsarchiv ver¬ 
wahrt werden. Konsequent liess sich allerdings auch das letztere 
Prinzip nicht durchführen, da ihm bei den mediatisierten Fürsten 
die Rheinbundsakte entgegenstand. Durchbrochen ist es in ge¬ 
wissem Sinne bei Nördlingen, dem der grösste Teil seines Ar- 


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chivs, freilich unter Eigentumsvorbehalt, zurückgegeben worden 
ist. Muss somit die Kritik an einzelnen Schattenseiten des 
bayrischen Archivvvesens teilweise als berechtigt anerkannt wer¬ 
den, so erschiene es andrerseits nur als billig, wenn der Autor 
auch der Lichtseiten gedacht und wenigstens, ähnlich wie auf 
S. 679 bei Preussen, so auch bei Bayern, die hier im Bereich 
der Landesarchive herrschende, schier schrankenlose Liberalität 
in Benützungsangelegenheiten erwähnt hätte. Schliesslich noch 
ein kleiner Wunsch pro domo: möge die auf S. 694 geäusserte 
Ansicht, dass die Arehivalische Zeitschrift „einen allgemeinen 
Sammelpunkt der in ihr Bereich fallenden Studien für ganz 
Deutschland abgab“, für die Zukunft mehr den Tatsachen ent¬ 
sprechen als für die Vergangenheit! Ist es doch der Redaktion 
trotz aller Bemühungen nicht gelungen, ausserbayrische Kollegen 
in grösserer Anzahl und auf längere Zeit zur Mitarbeit zu ge¬ 
winnen. J. Strdgr. 


Nachträge zu Band XYI, 1909. 

Von 0. Rieder, K. Reichsarchivrat. 

S. 236 Z. 22. Nach gütiger Mitteilung des Herrn Biblio¬ 
thekars Johannes Traber am Cassianeum in Donauwörth be¬ 
findet sich Karls V. Wappenprivileg v. J. 1530 doch im städ¬ 
tischen Archive daselbst (Original, Siegel verloren gegangen). 

S. 242—245. Der Fiirstl. OettingensWallerstein’sche Archiv¬ 
rat Herr Dr. A. Diemand, dem auch an dieser Stelle für seine 
Teilnahme an der Sache bestens gedankt sei, suchte aus eigenem 
Antrieb im Fürstl. Archive zu Wallerstein nach und entdeckte 
eine Urkunde vom 1. September 1318 (Urkk. I, 4759), Verzicht 
eines Donauwörther Bürgers für das Kloster St. Ulrich und Afra 
in Augsburg auf alle Rechte an der Vogtei über dessen Hof 
zu Erlingshofen, mit einem etwas beschädigten Donauwörther 
Stadtsiegel, welches auf dem Rücken das h und als besondere 
Eigentümlichkeit einen Horizontalstrich über dem eingedrückten 
Kreise zeigt; dadurch ist der siegellose Zeitraum 1309 — 1321 
um drei Jahre verringert. Eine andere Urkunde im Waller¬ 
steiner Archive von 1281 (I, 4755), die Vogtei über den sogen. 
Osterhof zu Erlingshofen betr., hat ein Siegel, in dessen Hinter- 


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seite drei parallele Linien, nach Art des Siegels in der Kais- 
heimer Urkunde von 1308, eingepresst sind. 

Im Hinblick aut das merkwürdige h sei zunächst ein Ge¬ 
danke wiedergegeben, den Dr. Johannes Lahusen in seiner 
gleichfalls absprechenden Kritik „Ein angebliches Diplom Hein¬ 
richs VI. für Donauwörth“ in den Mitteilungen des Instituts für 
österreichische Geschichtsforschung, Band XXXI, Innsbruck 1910, 
S. 117, ausgesprochen hat: „In der Stadtmauer lag — wie es 
scheint erst seit 1312 — das 1030 gegründete Kloster Heilig 
kreuz. Sollte nicht sein Name und die bei ihm verwahrte Kreuz¬ 
partikel den Anlass gegeben haben, den Buchstaben H in einem 
Rücksiegel zu führen, ähnlich wie wir gelegentlich den Schutz¬ 
patron der Pfarrkirche in Städtesiegeln wiederfinden?“ — Dr. 
Di ein and dagegen gab in seiner freundlichen Zuschrift an mich 
der Meinung Ausdruck: Jener Buchstabe könnte vielleicht der 
Anfangsbuchstabe des damaligen Ammann Hartmann von Höch- 
städt (Hartman von Höhsteten) sein, welcher Buchstabe später 
sinnlos beibehalten wurde. Letzterer Erklärung steht entschieden 
die grössere Wahrscheinlichkeit zu Seite. Dieser Ansicht ist auch 
Joh. Traber, Die Herkunft der selig genannten Dominikanerin 
Margareta Ebner, herausgegeben vom Historischen Verein für 
Donauwörth und Umgegend, 1910, S. 26 Nr. XXI (Regest der 
Urkunde vom 1. Sept. 1318); auch ihm ist das Rücksiegel „wahr¬ 
scheinlich das Zeichen Hartmanns von Höchstätten, der 1318—20 
als Stadtammann Donauwörths beurkundet ist“. Vgl. dazu ebd., 
S. 20 Nr. VUI. (Urk. vom 23. Okt. 1281). 

S. 249 Z. 10 lies statt 1362: ca. 1350. 


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ARCHIVALISCHE 



i 


ZEITSCHRIFT. 


H E‘R AUS GEGEBEN 

DURCH 

D\S BAYERISCHE ALLGEMEINE REICHSARCHIV 

IN MÜNCHEN. 


NEUE FOLGE. ACHTZEHNTER BANU. 


MÜNCHEN 

THEODOR ACKERMANN 

KÖMGI.IL'HKK HOF-BÜCHHÄNULER 

1911 . 


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I li 


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I 


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Inhaltsanzeige. 


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Seite 

Bayerns Heerwesen nnd Mobilmachung im 1&. Jahrhundert. Von 

Wilhelm Beck, k. bayr. Oberst a. D. . . .. 1 

Das neue Kreisarchiv in Arnberg. Von Dr. Ivo Striedinger, 

k. Reichsarchivrat.223 

Das Archiv der Stadt Füssen. Von Otto Geiger, k. Kreisarchivar 

in Neuburg a. D.•.269 

BQcherbesprechungen: Chroniken der Stadt Bamberg II; Livi, Ar- 
chivio Datini; Annuario d. Archivio di Milano; Marzi, Con- 
oellaria Fiorentina; Böhm, Tiroler Landesarohiv.309 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung 
iin 15. Jahrhundert. 

Von 

Wilhelm Beck, k. bayr. Oberst a. D. 


I. Feldheer und Festungsbesatzungen. 

Einleitung. 

Chambray findet, daß die militärischen Einrichtungen 
mit innerer Notwendigkeit dem Zustande der Gesellschaft, 
der bürgerlichen Verfassung entsprechen. L. Ranke. 1 ) 

Zwischen den Zeiten zunehmenden Verfalles des mittel¬ 
alterlichen L e h e n s - Kriegsdienstes 2 ) und der späteren Schaf¬ 
fung stehender Heere liegt eine lange Übergangszeit, die 
etwa vom Ende des 13. bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahr¬ 
hunderts reicht, sohin mehr als dreieinhalb Jahrhunderte um¬ 
faßt. 3 ) Der Beginn dieser Periode fällt sohin für Deutsch¬ 
land ungefähr in die Zeit der Abrundung der fürstlichen Terri¬ 
torien und des beginnenden Zusammenschlusses der Stände, sie 
endigt mit der Einführung stehender Heere. Als Übergangs¬ 
zeit wird sie vor allem dadurch gekennzeichnet, daß sich auf 
dem Gebiete des Kriegswesens eine Reihe von Bildungen 
gleichzeitig nebeneinander findet; hier besteht das aus der 

’) Hist.-polit. Zeitschr. 2, 781 (Berlin 1833—1836). Chambray, 
Les deux derniers chapitres de ma pliilosophie de la guerre. (Chap. 9: 
Des institutions militaires dans leurs rapports avec les constitutions 
politiques et avec les institutions civilcs.) 

-) Beispiele ausschließlicher Ritter- und Reiterschlachten: Schlacht 
auf dem Marchfelde 1278, bei Göllheim 1298. Schon um die Mitte 
des 13. Jahrhunderts war eine vielversprechende Verjüngung der ver¬ 
alteten Feudalheere eingetreten durch die Verwendung der landesherr¬ 
lichen Ministerialen (Spangenberg 472), die ein wirksames Gegen¬ 
gewicht gegen die wachsende Sclbstherrlichkeit der Lehensträger bildeten. 
Mit ihnen war den Landesherren wesentlich besser gedient als mit der 
anspruchsvollen Schar der Lehensmannen. • 

:i ) S. a. Lindner, Weltgeschichte 4, IV. 

Arohivalische Zeitschrift. Nmio Folge. XVIII. 1 


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2 


Wilhelm Beck. 


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Ritterzeit überkommene Lehensaufgebot zunächst noch fort; 
daneben aber treffen wir die Aufgebote der Städte und der 
Märkte, sodann Söldner, die auch dem Bauernstände entnommen 
werden, Kräfte des eigenen Landes vom Standpunkte des 
Territorialstaates. Als die Territorien nach und nach zu 
schärfer gezogenen Grenzlinien fortgeschritten waren, mußten 
sich die Blicke der Landesherren von selbst über die nunmehr 
geschaffenen Grenzen hinaus richten und dort Umschau halten 
nach Kräften, mit denen die an sich auf den Umfang des Terri¬ 
toriums beschränkte Kriegsmacht verstärkt werden könnte. Auf 
dem Wege der Gegenseitigkeit, des Bündnisses, hatte man 
solche Verstärkung schon früher zu erreichen gewußt, wie denn 
die Kriegsdienstverträge auch des 14. Jahrhunderts noch in 
freien Formen abgeschlossen wurden, die bisweilen Bündnissen 
sehr nahe kamen. 4 ) Bald aber gewann ein weiteres Mittel an 
Bedeutung: die Fortschritte der Geldwirtschaft ermöglichten 
die Heranziehung fremder Kriegsleute um Sold in weit aus¬ 
gedehnterem Maße als bisher. Da die Städte die ersten 
waren, die sich der Geldwirtschaft zur Hebung ihrer Kräfte 
auf allen Gebieten mit großem Erfolge bedienten, mußte auch 
ihr Kriegswesen, besonders das der freien und Reichsstädte, 
zuerst von den Vorteilen der Geldwirtschaft Nutzen ziehen ; 
einzelne städtische Kriegseinrichtungen wurden sehr bald vor¬ 
bildlich für die fürstlichen Heere. 5 ) 

Durch die Befestigungen der Städte und durch den Burgen¬ 
bau bot sich allenthalben in den Landen das eigenartige Bild, 
daß in Abständen von meist nur wenigen Kilometern überall 
Befestigungen und sturmfreie Posten aufragten, deren Mauern 
vollen Schutz gegen etwaige Überfälle boten, aus denen man 


*) Spangenberg 481. 

5 ) Das Umsichgreifen der Geldwirtschaft konnte nach zwei Rich¬ 
tungen zur Verstärkung der heimischen Wehrkraft nutzbar gemacht 
werden: indem man sich der Dienste von Kriegsleuten aus dem Adel 
und aus den Ständen anderer, benachbarter Territorien schon von langer 
Hand durch Dienstverträge versicherte — Diener von Haus aus —, 
und indem man dienst- und herrenlose Kriegsknechte, die allenthalben 
im Lande in Tafernen zehrten und auf Gelegenheit zur Annahme von 
Kriegsdiensten warteten, bei Ausbruch eines Krieges gegen Monats- oder 
Wochensold einstellte — Söldner im eigentlichen Sinne. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 3 

aber anderseits rasch ausfallen konnte, um benachbarte Gebiete 
zu verwüsten, Gefangene zu machen und sich wieder hinter 
den schützenden Mauern in Sicherheit zu bringen. Auf den 
Befestigungen aber beruhte eine weitere Vorkehrung zur Ver¬ 
stärkung der Kriegsmacht, indem der Landesherr feste Plätze 
jenseits der Grenzen seinen eigenen Zwecken dadurch dienst¬ 
bar machte, daß er Adelige vertragsmäßig verpflichtete, ihm 
ihre Schlösser als „offene Häuser“ im Kriegsfälle zur Verfügung 
zu stellen. Daß die Schlösser des eigenen landsässigen Adels 
im Kriegsfälle dem Landesherrn offen gehalten werden mußten, 
bedurfte naturgemäß keines besonderen Vertrages; das war eine 
selbstverständliche Pflicht, die die Vasallen und die Landsassen 
gegen den Landesherrn zu erfüllen hatten. 6 ) 

Der großen Zahl solcher festen Schlösser entspricht es, 
daß die geschichtliche Bedeutung der einzelnen Festen mit 
seltenen Ausnahmen völlig belanglos war. Besonders zahlreich 
erhoben sie sich an Flußtälern oder auch an Gebirgsrändern, 
wo sich ihnen günstige Geländeverhältnisse boten. Einer wei¬ 
teren Ausdehnung des Burgenbaues durch den Adel war die 
erstarkende Landeshoheit genötigt entgegenzutreten ; es bedurfte 
ausdrücklicher landesherrlicher Genehmigung, wenn ein Adeliger • 
eine neue Befestigung errichten wollte. 7 ) 

G ) In dem kleinen Bezirke Riedenburg erwähnt Apians Topographie 

auf einem Raume von 20 km Länge und von nur wenigen Kilometern 

Breite zwölf Schlösser: Rietenburg, Tahenstein, Rabenfels, Hexenaeker, 
Neuen-Hintznhausen, Sanderstorf, Eggensperg, Altmülmünster, Flügels- 
perg, Prun, Wildenstein, Braitenegk. Apian 179 — 182. — Dagegen ist 
das oberbayerische Gebirgs- und Hügelland trotz der günstigen Örtlichkeit 
verhältnismäßig arm an Schlössern. — Zum oben folgenden Satz s. Piper 

(2. Aufl.) 30. — Das oben Gesagte schließt nicht aus, daß bei erst¬ 

maligen Belehnungen auch der Landesherr ausdrücklich auf die Pflicht 
der Offenhaltung des verliehenen Schlosses im Lehensbriefe hinwies. Als 
die oberbayerischen Herzoge Ernst und Wilhelm am 27. 6. 1408 die 
Veste Valey im aiblinger Gericht ihrem Kammermeister „dem vesten 
Mann“ Veiten dem Aheimer zu Lehen gaben, wird im Lehensbrief be¬ 
merkt: „so haben wir uns gedinget und ausgenomen, das die obgenant 
vesten unser und unser erben ewigs offnes haus sein soll, als oft uns 
das not beschicht wider allermänigklich und zu aller unser notturft, 
doch in on allen schaden.“ Allg. R.-A. Akten des obersten Lehnshofs. 
Oberbayer. Lehensbuch No. 1 Bl. 42. 

7 ) Seit dem statutum in favorem principum vom Jahre 1231 stand 
dem König das Recht, von Reichswegen Burgen anzulegen, nur noch 

1 * 


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4 


Wilhelm Beck. 


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Für eine erschöpfende, auf alle deutschen Territorien aus¬ 
gedehnte Betrachtung des eingangs umschriebenen Zeitraumes 
von mehr als drei Jahrhunderten ist nun die bisherige For¬ 
schung nicht genügend weit fortgeschritten. Die vorliegende 
Untersuchung erstreckt sich daher auf das größte hier in Be¬ 
tracht kommende Territorium, beschränkt sich aber im wesent¬ 
lichen auf das 15. Jahrhundert, das der Neuzeit und dem 
ohnehin genügend erforschten Jahrhundert der Landsknechte un¬ 
mittelbar vorangeht. 

Der Regierungsantritt zweier Fürsten mit modernen Regie¬ 
rungsgrundsätzen — Ludwigs des Reichen 1450 und Albrechts 
des Weisen 1465 scheidet für die altbayerischen Gebiete 
das 15. Jahrhundert in zwei Hälften. Beide Fürsten waren 
ausgesprochene Vertreter des Territorialitätsprinzips; beide 
strebten ihre Herzogtümer abzurunden vor allem durch die Er¬ 
werbung von Gebieten, die den geschlossenen Zusammenhang 
des Landes unterbrachen; 8 ) mit ihrem Regierungsantritte setzte 
daher auch auf militärischem Gebiete regere Tätigkeit ein. 

Durch die Hussitenkriege sodann ist wieder die erste Hälfte 
des 15. Jahrhunderts in zwei Teile geschieden. Die ersten 
Jahrzehnte sind von Kriegen und Fehden der wittelsbachischen 
Fürsten gegeneinander erfüllt; hier hebt sich besonders die 

auf Reichsboden zu. Schröder (1. Aufl.) 500. — Über die landes¬ 
herrliche Genehmigung zum Burgenbau gibt eine Urkunde im Personen- 
selekt „Roienstein“ Aufschluß; sie erläutert zugleich den Begriff „Burg¬ 
stall“, worüber auch die Ausführungen bei Piper, Burgenkunde (2. Aufl.) 
17 nachzusehen wären: Zu Diessenhoven im Thurgau — östlich von 
Schaffhausen beurkundet Herzog Liupolt von Österreich am 15.7.1323, 
„daz wir dem ersamen manne Cunrad von Rotenstain und allen seinen 
erben gelihen haben unser burgstal ze Worringen und dri mark geltes 
darzu zu ainem rechten burglehen . . ., das er zwai huscr uf daz selb 
burgstal sol buwen und swenne diu selben huscr gebuwen werdent, so 
sol ir aines [unser] sin, swelhes wir wellent und sol im und sinen 
erben daz selb unser hus und swas zu dem burgstalle gehöret, es sien 
lut oder gut, stan zwainzig und fünf hundert mark silbers, der wir 
im vor schuldig sint ... So haben wir im und sinen erben daz ander 
hus gelihen und dri mark geltes darzu zc ainem rehten burglehen als 
vor geschriben ist.“ Woringen liegt 8 km südlich von Memmingen. 
Im Jahre 1400 bezeichnet sich ein Ulrich von Rotenstain als „seßhaft 
zu Woluingen“. Personenselekt wie oben. 

«) Döberl 1, 324. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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unruhige Gestalt Ludwigs des Gebarteten ab. Diese Fehden 
verhindern auch eine ernstlichere Beteiligung der bayerischen 
Fürsten an den Hussitenkriegen. Unmittelbar nach diesen Krie¬ 
gen aber treffen wir auf erfolgreiche Anfänge, die Streit¬ 
kräfte des Landes zu organisieren — Niederbayern 1434 — ; 
allmählich gelangt neben der Reiterei, den Raisigen, auch das 
Fußvolk wieder zur Geltung; die Organisation einer Feld¬ 
artillerie wird im Jahre 1458 eingeleitet. 

Einem tieferen Eindringen in die nicht immer einfachen 
Heeresverhältnisse jener Zeit war die bisherige, wenig zutref¬ 
fende Unterscheidung zwischen einem Offensiv- und einem De¬ 
fensivheere der Territorialfürsten ganz besonders ungünstig. 9 ) 
Wenn wir den Landsturm, der nach Riezler nichts war als 
ein tumultuarisches Aufgebot, zunächst völlig ausschalten, bietet 
sich für die kriegerischen Kräfte, die den Territorialstaaten des 
ausgehenden Mittelalters zu Gebote standen, die Unterscheidung 
in solche des eigenen Landes und in jene, die für die 
eigenen Kriegszwecke außerhalb der Landesgrenzen 
sichergestellt waren. 

In allen einschlägigen Abhandlungen wird zwar stets be¬ 
tont, welche hervorragende Bedeutung den befestigten Städten 
und den Schlössern für die damalige Kriegführung zukommt; 
nirgends aber findet sich die wohl unumgängliche Folgerung 
gezogen, daß diese in einem engmaschigen Netze über das ganze 
Land ausgebreiteten sturmfreien Posten eine besondere Art des 
Krieges hervorrufen mußten, den jene Zeit treffend den „täg¬ 
lichen Krieg“ oder auch einfach „den Krieg“ zu nennen pflegte. 

Im Lande selbst treffen wir bei näherem Zusehen 
kriegsgeschulte Kräfte nicht nur in den Reihen des landsässigen 
Adels sowie der Bürger, ihrer Gesellen und Knechte in den 
Städten und Märkten, sondern auch, was besonders hervorzu¬ 
heben ist, auf dem platten Lande beim Bauernvolke, das 
nicht in dem Umfange waffenlos und w a f f e n un¬ 
geübt war, wie vielfach angenommen wird. Wenn 
Herzog Otto von Bayern im Landfrieden vom Jahre 1244 den 

Bauern das Tragen von Panzer, Eisenhut, Goller, dicken Jop- 

—- 

u ) Sie findet sich bei Lamprecht und jüngst wieder bei dem 
Wiener v. Frisch. 


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pen, welschen Messern — Qnippen — verbietet und ihnen nur 
den Reutel, den kurzen Eisenstab zum Säubern des Pflugbrettes 
gestattet, so zeigt eben gerade dieses Verbot, daß die Bauern 
Kriegswaffen besaßen ; die Landfriedensgebote werden sie aber 
kaum veranlaßt haben, sich solchen Besitzes zu entäußern, be¬ 
sonders wenn ihnen nur das Tragen derartiger Waffen ver¬ 
boten wurde. 10 ) 

Jenseits der Grenzen der Territorial-Fürstentümer 
sitzen als wertvolle Verstärkung der heimischen Macht vor 
allem die „Diener von Haus aus“, die ebenfalls in ihrem 
Wesen bisher nicht genügend erkannt sind. 

Außerdem finden wir über den ganzen Umfang des Reiches 
und seine Nachbargebiete, so besonders Böhmens, in dünner 
Schicht ausgebreitet jene müßigen Kriegsleute, die im 
Lande herumzogen oder in den Wirtshäusern und in den Ta- 
fernen der Städte und des platten Landes zehrten, bis sich eine 
Gelegenheit bot, bei irgend einem Herrn gegen den her¬ 
kömmlichen Sold Kriegsdienste zu nehmen. Mit ihnen 
befaßt sich schon der oben erwähnte Landfriede, den Herzog 
Otto von Bayern im Jahre 1244 mit dem Erzbischof von Salz¬ 
burg, den Bischöfen von Bamberg, Eichstätt, Freising, Passau 
und Regensburg sowie mit den sämtlichen Großen seines Her¬ 
zogtums schloß. 11 ) Die Art der Fassung dieser immer wieder¬ 
kehrenden Bestimmungen gegen die müßigen oder „ledigen“ 
Knechte läßt unzweifelhaft erkennen, daß noch jahrhunderte¬ 
lang kein Grund vorlag, auch gegen Fußknechte solche Vor¬ 
schriften zu erlassen; sie bildeten gegenüber den raisigen 
Knechten offenbar eine verschwindende Minderheit. 12 ) Erst 

10 ) Auch im Landfrieden Herzog Heinrichs von Niederbayern vom 
November 125f> ist bestimmt: „Dehein gebour sol tragen pantzir oder 
isenhut oder pukrames bambeis oder gnippen.“ — buckeram, steifes, 
aus Ziegen- oder Bockshaaren gewebtes Zeug. Lexer. 

11 ) Art. IQ: Item de hiis qui vulgo dicuntur ysenchnappen sic est 
institutum, ut ubicunque tales invcniantur, iudex vel comes, in cujus 
sunt comitia, ipsis diem prefigat infra tempus statutum, ut vel militent 
vel ab hoc resiliant errore (= Herumziehen). Rockinger, Denkmäler 
des bayer. Landrechts 2, 43 (München 1891). 

12 ) Noch das auf dem nürnberger Reichstage erlassene Friedens¬ 
gebot vom 14. 3. 1431 erwähnt nur die „ledigen raisigen Knechte“, 
v. Bezold 3, 109. — Eine Zusammenstellung der von den Raisigen und 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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in der königlichen Reformation des Jahres 1442 werden auch 
„ander Knecht“ erwähnt, die nicht Herren haben. 13 ) Von diesem 
Jahre an erscheinen auch die ledigen Fußknechte ständig neben 
jenen zu Roß in den Landfriedensgeboten. 14 ) 

Es wird sich zeigen, daß das nach der Seite des Kriegs¬ 
wesens bisher wenig gewürdigte 15. Jahrhundert militärisch 
sehr wichtig ist, da sich gerade in diesem Jahrhundert auch 
für die Heereseinrichtungen der Übergang zur neueren Zeit 
deutlich erkennen und verfolgen läßt; das 15. Jahrhundert ist 
das Bindeglied zwischen Neuzeit und Mittelalter. Die Zeit der 
Landsknechte, die besonders in das 16. Jahrhundert, sohin in 
die Neuzeit 13 ) fällt, hat in Geschichte, Roman, Lied und Bild 
stets eine besonders liebevolle Behandlung erfahren ; die ganze 
vorbereitende Arbeit des 15. Jahrhunderts liegt im Dunkeln. 

Hier stehen die ersten Jahrzehnte bis zu den Hussiten¬ 
kriegen noch vollständig im Zeichen des Mittelalters; sie 
kommen daher für unsere Zwecke weniger in Betracht. Die 

von den Fußknechten handelnden Stellen in Landfrieden u. a. vom Jahre 
1244 bis zu den Artikeln 47 der Bambergensis und 39 der Karolina bei 
Knapp, Das Ühersiebnen der schädlichen Leute (Berlin 1910) S. 67 
und 85. 

13 ) Landfriedensgebot Kaiser Friedrichs III.: „Geben czu Franck- 
furth und versigelt . . . 1442 an unser lieben frauen abend assump- 
cionis (14. 8. 1442). . . . Item es sol auch furpas kain raysiger 
knecht sein, der sein aygen pfärd hab, er hab dann ainen herrn oder 
junck herrn oder er sey ainer stat dyener, des oder der gedingter 
knecht er sey. Und ob der knecht ichtz tat wider dise vor und nach 
geschriben stuck, das sol seine herrschaft verantworten und widerkeren. 
Und was sunst raisiger knecht wären dye aygen pfärd heften und nit 
herren heften als vor geschriben stet, dye sollen vnd auch ander 
knecht, die nit herren hetten, oder herren hetten, dve ir czum rechten 
nit mächtig wären, süllen nvendert frid, trost noch gelait haben.“ 
Cgm. 507, Bl. 528b. 

14 ) Krenner 2, 107, Landfriede vom 3. 8. 1444: „Es sollen auch 
weder Ritter, Knechte, noch anders niemand in unsern Landen keinen 
Knecht, er sei zu Roß oder zu Fuß, aufnehmen noch halten, er wisse 
denn davon zu antworten und sei dessen zu Recht mächtig, ob er darum 
angelangt würde.“ 

15 ) Unberücksichtigt muß hier bleiben, daß einige die Neuzeit für 
das Kriegswesen mit der Schaffung stehender Heere oder gar erst mit 
der französischen Revolution beginnen lassen wollen. 


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traurigen und beschämenden Erfahrungen der Hussitenkriege 
aber haben auch auf das militärische Gewissen der deut¬ 
schen Stände gewaltig eingewirkt; vor allem haben sie auf die 
hohe Bedeutung einer leicht beweglichen Feldartillerie 
hingewiesen. Schließlich waren es die Schweizer, die den 
entscheidenden Fortschritt brachten ; bei ihnen bildete sich zu¬ 
erst wieder ein Fußvolk mit taktischem Körper, den man auch 
in dem Einzelkriegertum der Ritterzeit gänzlich vermißt, ein 
Fußvolk, das den schwer gerüsteten Rittern sogar im freien 
Felde mit Erfolg entgegenzutreten willens war. Den endgülti¬ 
gen Zusammenbruch des mittelalterlichen Kriegswesens er¬ 
kennen wir in der Niederwerfung der zum Höhepunkt mittel¬ 
alterlicher Entwicklung emporgediehenen Macht des burgundi- 
schen Herzogs durch eben diese Schweizer. 16 ) Auch für den 
militärisch vortrefflich veranlagten und dabei vielgeschäftigen 
König Maximilian I. war im Laufe des 15. Jahrhunderts das 
Feld vorbereitet worden, auf dem er mit gutem Erfolge im 
Sinne einer neueren Zeit weiter zu wirtschaften berufen sein 
sollte. 

Land und Leute. 

In der Periode der Bildung der Territorien waren die bayeri¬ 
schen Herzoge mit Glück und Geschick für die Mehrung und 
Abrundung ihres Territoriums tätig gewesen. 17 ) Dazu schufen 
sie schon frühe — wohl mit als die ersten Territorialfürsten — 
Ordnung in der inneren Verwaltung der zusammengebrachten 
Landesteile durch die Ämterorganisationen der Jahre 1224 und 
1270. 18 ) Auch hatten sie — im Gegensätze zu dem Fehler des 
Königtums, das dadurch enteignet wurde — vermieden, die an¬ 
gesammelten Grafschaften durch Weiterbelehnung in den erb¬ 
lichen Besitz adeliger Standesgenossen zu bringen ; sie 
hatten vielmehr die Verwaltung dieser Grafschaften in die 
Hände von Männern gelegt, die von ihnen abhängig und auf 

i<>) Vergl. Delbrück 3, 667. 

17 ) Döberl 1, 253, 254, 264 verzeichnet die Mehrungen vom Ende 
des 12. bis zum Beginne des 14. Jahrhunderts. 

18 ) Die beiden über diese Organisation Aufschluß gebenden Urbare 
sind abgedruckt in den Mon. Boic. Bd. 36; zur Zeitbestimmung s. Bau¬ 
mann in der münchner Archiv. Zeitschr. N. F. 10, 35. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Ruf und Widerruf an gestellt waren. 19 ) Als Herzog 
Otto III. im Jahre 1253 starb, erstreckte sich das wittels- 
bachische Gebiet über Ober- und Niederbayern einschließlich 
des Innviertels und des Kufsteiner Ländchens, über Teile des 
Nordgaus und über die Rheinpfalz. 

Mit wenigen Worten muß an dieser Stelle auch des folgen¬ 
schwersten Ereignisses in der inneren Geschichte Bayerns ge¬ 
dacht werden: der landständischen Verfassung. Um 
die Wende des 13. und 14. Jahrhunderts wurde der Grund ge¬ 
legt zu neuen bevorrechteten Bevölkerungsklassen, den Ständen, 
damit aber zugleich zu einer Beschränkung des Herzogs in der 
Ausübung seiner landesherrlichen Rechte durch eben diese Privi¬ 
legierten. Die finanzielle Bedrängnis der Herzoge führte zur 
Anerkennung des Einigungsrechtes und des Steuerbewilligungs¬ 
rechtes dieser Stände, da die Herzoge dadurch die Zusage einer 
außerordentlichen Steuer zu erlangen gedachten. 20 ) An den 
militärischen Verhältnissen des Landes rührte das weitere Zu¬ 
geständnis der niederen Gerichtsbarkeit und der Polizeiverwal¬ 
tung an die Grundherren auf ihren zusammenhängenden Gütern, 
den Hofmarken ; diese Gerichtsbarkeit erstreckte sich auf alle 
in der Hofmark seßhaften Personen, auf die Eigenleute sowohl 
wie die Vogteileute, wobei die Hofmarksherren eifersüchtig über 
den erworbenen wichtigen Rechten wachten und besonders dann 
sofort Einspruch erhoben, wenn der Versuch gemacht wurde, 
ihre Hofmarksleute durch herzogliche Beamte „mustern“ 21 ) zu 
lassen, da sie dieses Recht für sich allein in Anspruch nahmen. 
Damit waren innerhalb des erst vor kurzem geschlossenen her¬ 
zoglichen Territoriums wieder neue Fremdkörper entstan¬ 
den, die die staatliche Wirksamkeit einengten und unterbrachen 
und mit ihren zahlreichen Mißbräuchen bis in das Jahr 1843 
fortlebten. 22 ) 

19 ) Döberl 1, 254. Vergl. auch Keutgen S. 547: „Ein Be¬ 
amter, dessen Existenz von der Zahlung seines Gehalts in regelmäßigen 
Fristen abhängt, liegt ziemlich fest am Draht. Der Beamte dagegen, 
der durch Überweisung eines Landgutes entlohnt wird, empfängt sein 
Gehalt für sein ganzes Leben in einer Summe vorausbezahlt und kann 
nun tun, was ihm selbst vorteilhaft erscheint.“ 

2») Döberl 1, 271. 

21 ) Wegen Feststellung der Tauglichkeit für den Kriegsdienst. 

2 -’) Döberl 1, 272. 


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Außer diesen Hofmarken bildete einen weiteren, die Ver¬ 
waltung wesentlich erschwerenden Zustand die Streulage 
des Besitzes. Aus den Musterungsakten und aus den Steuer¬ 
büchern geht zwar deutlich hervor, daß man im 15. Jahrhundert 
und schon früher genau wußte, wo der Verwaltungsbezirk des 
Pflegers, und wo innerhalb der Pflegen in den „Ämtern“ der 
Machtbereich des Amtmanns 23 ) aufhörte und der des Nach¬ 
bars anfing; unbedeutende Qrenzzwiste können nur die Regel 
bestätigen. Aber sowohl in den herzoglichen Pflegämtern wie 
in den Hofmarken lagen zu beiden Seiten, die bestehenden 
Grenzlinien verwischend, einschichtige Güter des Adels und 
andere Höfe in großer Zahl, die zu dem benachbarten Gebiete 
jenseits der Grenze gehörten und zu einer Quelle häufiger 
Zweifel wurden. 24 ) Diese Verhältnisse mögen zwei Beispiele 
erläutern, deren eines vom Jahre 1433 die Zugehörigkeit der 
„armen Leute“, der Bauern, im Gerichte Schärding zeigt; die 
drei im Gerichtsbezirk gelegenen Hofmarken: Prechenbank, 
Chasten und Münchskirchen bleiben dabei unberücksichtigt. 

In den beiden das Gericht bildenden Herrschaften Schär¬ 
ding und Königstein 25 ) saßen 2876 Bauern „mit eigenem 

2a ) In Weiterbildung der Schcrgenämter von 1224 und 1270 waren 
schon vor dem 15. Jahrhundert alle größeren Pflegen in eine Anzahl 
von Ämtern oder Gebieten eingeteilt worden, denen Amtleute vor¬ 
standen. Daß sich die Grenzen der Pflegeämter im Laufe der Zeit nur 
unerheblich änderten, zeigt die von der k. Akademie der Wissenschaften 
in Berlin im Jahre 1766 herausgegebene Karte von Ober- und Nieder¬ 
bayern — vier Blätter im Maßstabe von etwa 1: 260 000 — „Mappa 
electoratus et ducatus Bavariae . . .“, deren Amtsgrenzen gegen die des 
15. Jahrhunderts nur unbedeutende Änderungen erkennen lassen. 

24 ) Die Zahl der eigentlichen Hofmarken war nicht so groß, wie 
es nach der von Riczler 3, 702 zitierten Äußerung Herzog Albrechts IV. 
scheinen könnte. Nach K renn er 9, 329 forderte der niederländische 
Adel die Hofmarksgerichtsbarkeit auf allen seinen Gründen, worauf 
der Herzog erwiderte: Wenn er darauf eingingc, hätte er im ganzen 
Niederlande an einem Richter genug; denn es wären (bei diesem Zu¬ 
geständnis auch für die Einzelgüter) unter 600 Hofmarken nicht. — 
Eine vollständige Übersicht der Hofmarken im Rentmeistcramt München 
um die Mitte des 16. Jahrhunderts findet sich im Hundtischen Sammel¬ 
band, AIlg. R.-A. Altbayer. Landschaft A II No. 2 und 3. Die ober¬ 
bayerischen Hofmarken im Jahre 1430/42: Ger. Lit. Dachau, Grenz-, 
Güter- und Volksbeschreibung Bd. 1. 

25 ) Gerichtsliteralien. Ld.-G. Schärding. Grenz-, Güter- und Volks- 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Rauch“; davon gehörten: der Geistlichkeit 1252 = 43,5 o/o, 
dem Adel 1306 = 45,4 o/ 0 , einzelnen Bürgern von Passau und 
Schärding 157 — 5,45 o/ 0 ; des Äspans Bauern waren 13 = 
0,45 o/o und auf frei Eigenem saßen 118 = 4,1 o/ 0 ; der Landes¬ 
herrschaft selbst gehörten nur 30 Bauern = 1,0 o/ 0 . In den 
geistlichen Besitz teilten sich: der Bischof von Passau, die 
Chorherren und die Klosterfrauen zu Passau, 7 Pröpste und 
Äbte, 14 Pfarrer und Gotteshäuser. Vier Bauern gehörten dem 
Herzog von Österreich, 25 dem Markgrafen. 25 *) Die große Zahl 
der als Besitzer von Bauerngütern in Betracht kommenden 
Adeligen teilte sich in drei Gruppen: solche, die im Gerichte 
Schärding selbst ansässig waren ; ferner Edelleute aus andern 
bayerischen Gebieten, sodann österreichische Adelige. Die drei 
Amthöfe mit ihren „Mairn“ zu Weichflorian, Taufkirchen und 
Andorf haben zusammen 21 Bauern. In einem der sechs 
Ämter 26 ) sitzen sieben Vogtleute. „Teuffl in der Au gehört 
der Herrschaft und sitzt in des Pamanspergers Ambt“. 27 ) 

Das andere Beispiel betrifft das Gericht Maurkirchen ; 28 ) 
hier verteilt sich im Jahre 1458 die Gesamtsumme von 1176 
Bauern wie folgt: auf des Herzogs Bauern treffen 361 — 
30,7 o/o, auf die Prälaten und Pfarrer 315 = 26,8 o/o, auf der 
Ritterschaft Bauern 444 = 37,7 o/ 0 , auf die Bauern der Bürger 
40 = 3,4 o/o ; 16 Bauern saßen auf freien Gütern = 1,3 %. 

Der Kriegsherr. 

Nach diesem kurzen Ausblick auf Land und Leute wenden 
wir uns der Person des Territorialherrn als Kriegsherrn zu. 

Das Recht Kriegsdienste zu fordern ist ein Recht der 

beschreibung Bd. 1 Bl. 1 — 92. Der Bezirk war bei der Vierteilung des 
straubinger Landes im Jahre 1429 an die ingolstädtische Linie gefallen. 

25 *) A. a. O. S. 65b: „marg’raffen in des Jorgen am Wald ambt“. 
Eigenartige Bezeichnung von Bauern, da im Jahre 1433 ein „Markgraf“ 
in jener Gegend nicht nachweisbar ist. 

26 ) Ambdorf, Taiskirchen, Taufkirchen, Antissenhofen sind die vier 
Ämter der Herrschaft Schärding; „am Schärtenberg“ und Östernberg 
heißen die zwei Ämter der Herrschaft Königstein. 

27 ) „Teufls-Au“ erscheint hundert Jahre später als eines der vier 
„freien Kastengüter“ im Gerichte Schärding. 

28 ) Ger.-Lit. Maurkirchen. Grenz- usw. Beschreibung Bd. 1 Bl. 1. — 
Im Gerichte waren 33 Ritter und Knechte ansässig. 


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obersten Gewalt. Da aller Kriegsdienst ursprünglich entweder 
Königsdienst oder Fehde war, der Königsdienst aber auf 
dem Grund und Boden haftete, mußte mit der Ausbildung der 
Landeshoheit das Recht, zum Königsdienste aufzubieten, auf 
die Reichsfürsten übergehen: die Landesherren nahmen die 
Königsdienste nicht mehr namens des Königs, sondern im 
eigenen Namen und für sich selbst in Anspruch. 29 ) Lediglich 
auf mittelalterlichem Herkommen beruhte es, wenn auch der 
Adel und die Städte sich wenigstens das Fehderecht zubil¬ 
ligten. 30 ) 

Das Recht der Territorialherren, unter sich Krieg zu 
führen ohne Kaiser und Reich zu befragen, wurde auf dem 
Hoftage zu Mainz im Jahre 1188 ausdrücklich anerkannt und 
durch eine Konstitution geregelt. 31 ) Von einem früheren un¬ 
bedingten Verbote der Fehde, das Friedrich 1. erlassen hatte, 
wurde abgegangen, indem man rechtzeitige Bekanntgabe, 
„Widersagung“ — mindestens drei Tage vor der Eröffnung 
der Feindseligkeiten — vorschrieb. Der Mainzer Reichsland¬ 
friede Friedrichs II. gestattete sodann die Fehde nur für den 
Fall der Rechtsverweigerung nach vorheriger rechtzeitiger Wider¬ 
sagung. Ein Reichslandfriede Albrechts II. vom Jahre 1438 
sollte die Fehde dauernd beseitigen ; aber erst der ewige Land¬ 
friede vom Jahre 14Ü5 schaffte hier endlich Wandel. 32 ) 

Die Territorialherren boten die Landsassen und Untertanen 
zum eigenen landesherrlichen Heeresdienste ganz ebenso auf, 
wie sie es sonst für den Reichsdienst tun mußten. Demgemäß 
erging das herzogliche Aufgebot zur Rüstung nicht allein an 
die landesherrlichen obersten Bezirks- und Lokalbeamten, die 
Pfleger und die Landrichter, sondern auch an die geistlichen 

29 ) v. Maurer 3, 377. 

Zur Geschichte des deutschen Fehdewesens und Fehderechtes 
s. v. Zailinger in den Mitt. d. Inst. f. österr. Geschichtsforschung 
Ergänzungsband 4, 443. 

3I ) Eccardus 1, 307. 

*-) Ober Landfrieden s. Schröder (5. Aufl.) 668. Bayerische 
Landesfreiheitserklärung vom Jahre 1508, 25: „dass kein Landmann 
(Landsasse) den andern in dem Fürstentum mit Absag und fehdlicher 
Tat gewaltiglich angreifen noch beschädigen soll“. Frh. v. Lerchen¬ 
feld 246n u. 210. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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und an die weltlichen Grundherren, die Prälaten und die Edel¬ 
leute, sowie an die Städte und an die Märkte. 33 ) 

Eine Einschränkung des Rechtes des Landesherrn zur 
Kriegserklärung versuchten die bayerischen Landstände in den 
Jahren 1458 und 1461, 34 ) doch drangen sie damit zunächst 
nicht durch, da jede im Herkommen oder im Rechte begründete 
Voraussetzung zu solcher Einmischung der Landschaft fehlte, 
in dem von Herzog Albrecht von Oberbayern erlassenen Frei¬ 
heitsbriefe vom 16. August 1458 ist daher dieser Punkt völlig 
übergangen. 35 ) So verblieb das wichtige Recht den bayeri¬ 
schen Herzogen vorläufig ungeschmälert bis zum Jahre 1553. 3,; ) 
Wenn freilich eine größere Machtentfaltung die Erhebung einer 
besonderen Steuer notwendig machte, dann mußten sich die 
Herzoge zuvor der Zustimmung ihrer Stände auf einem Land¬ 
tage versichern. Zuweilen aber scheinen politische oder prak¬ 
tische Erwägungen dahin geführt zu haben, daß sich die Her¬ 
zoge trotz ihrer sonst grundsätzlich abweisenden Haltung hinter 
die angeblich notwendige Zustimmung ihrer Landschaft wegen 
der Teilnahme an einem auswärtigen oder unbequemen Kriege 
verschanzten, so im Jahre 1462, als die oberbayerischen Her¬ 
zoge Johann und Sigmund ihrem Vetter Ludwig von Landshut 
die zum Zuge gegen Württemberg erbetenen vierhundert Pro- 

33 ) v. Maurer 3, 451, 452. Solche Ausschreiben bei Krenner 
z. B. für das Jahr 1468 zum Zuge gegen das degenbergische Schloß 
Siildenburg a. a. O. 7, 237—242; im Januar und Juli 1488 gegen den 
schwäbischen Bund ebenda 8, 517; 12, 185; 12, 188. Die Antwort 
Herzog Albrechts IV. auf das Schreiben Herzog Georgs vom Juli über¬ 
brachten Gesandte mündlich; ihre Instruktion: Fürstenakten No. 261 
(undatiert). 

34 ) Krenner 1, 270, Beschwerdepunkte der münchner Landschaft 
vom August 1458: „Itein keinen Krieg anfangen ohne Rat Land und 
Leut. 1, Ferner für Niederbayern Krenner 7, 101: 30. 4. 1461: „Item 
ob fürbas Ew. Gnaden und Landen sich begeben würde, daß dadurch 
Aufruhr oder Krieg beschehen möchte, so soll doch E. Gn. keinen 
offenen Landskrieg anfangen ohne der Landschaft Rat.“ — Vergl. 
Rockinger, Einleitung 281. 

3 - r ’) Krenner 1, 279 und Frh. v. Lerchenfcld 103. 

36 ) Landesfreiheitserklärung vom Jahre 1553: Teil 3, Artikel 2: 
Wir sollen auch keinen Landkrieg anfahen, dann nach Rate unser Land¬ 
herren, Ritter und Knecht, Städt und Märkt. Frh. v. Lerchenfeld 246 
und 210 Anm. 19. — Zu den Landherren zählen die Grafen und die 
Herren im Lande, soweit sie landständisch waren. 


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viantwägen abschlugen: „so tun wir keinerlei Hilfe außerhalb 
unserer Landschaft“. 37 ). Dagegen hörte man z. B., als im 
September 1481 zu einer Reichshilfe wider die Ungläubigen 
und wider den König von Ungarn auch von den bayerischen 
Herzogen kleinere Kontingente gefordert wurden, die Landschaft 
wegen der auf ein volles Jahr für diese Söldner notwendigen 
Geldmittel; sie lehnte in diesem Falle die Hilfe wegen der 
bedrohten Lage des eigenen Landes ab. 38 ) Durch bayerische 
Gesandte wird dem Kaiser die abschlägige Antwort übermittelt: 
„zuvoran dieweil wir es bei unsern Landschaften nicht in Rat 
finden, angesehen daß wir die Hilfe ohne ihre Hilfe und Bei¬ 
stand nicht verbringen mögen“. 

Anderseits, wenn die Landschaft wegen der Geldbewilligung 
vor einem Kriege einberufen wird, geschieht dies in einer Form, 
die erkennen läßt, daß der Krieg schon fest beschlossen war, 
bevor man die Landschaft hörte. So ergeht im April 1485 an 
die Adeligen des Ausschusses der oberbayerischen Landschaft 
die ,Weisung: „wollest auch wohlgerüstet und erzeugt, zum 
Ernst geschickt auf bestimmten Tag kommen als Du stärkest 
mögest, darnach gerichtet bei uns zu bleiben, solange wir Deiner 
notdürftig sind.“ 39 ) 

Wir dürfen daher annehmen, daß das Recht der Kriegs¬ 
erklärung von den Herzogen ohne Einschränkung durch die 
Landschaft bis zum Jahre 1553 selbständig ausgeübt wurde. 

Die Kriegführung. 

Grundsätze für die Führung des großen Krieges sind 
bis zum Ende des Mittelalters nur spärlich überliefert; eine 
Reihe theoretischer Werke, die sich mit dem Kriege beschäfti¬ 
gen, leiden trotz tieferer Sachkenntnis der Verfasser unter der 
Unklarheit der Darstellung. 1 ) Um so wertvoller ist ein im 

S7 ) Krenner 7, 114. 

a8 ) Krenner 8, 361. — Herzog Albrecht sollte 134 Mann zu Roß 
und 132 Mann zu Fuß, Herzog Georg 200 zu Roß und 200 zu Fuß 
stellen. 

3 ») Krenner 8, 430. 

') Über Seidenecks und Herzog Philipps von Cleve Ordnungen 
vcrgl. Jäh ns 1, 323 und 339. Sie stammen zwar von erfahrenen 
Kriegsleuten, geben aber trotzdem kein klares Bild der Fechtweise des 
15. Jahrhunderts. — Zu Jäh ns wären zu vergleichen die sorgfältigen 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Jahre 1428 auf bayerischem Boden erwachsenes 
Schriftstück aus der Feder eines Wittelsbachers, 
dem die Praxis des Krieges aus langjähriger Erfahrung gründ¬ 
lich vertraut war. Vor dem Ausbruche einer Fehde zwischen 
Ludwig dem Jüngeren von Ingolstadt und dem Adelsgeschlechte 
der Zenger fragte der Sohn den Vater, Ludwig den Gebarteten, 
um Rat, wie er den Krieg treiben solle. Aus der Antwort des 
Vaters ist zu ersehen, daß der 24jährige Herzog ganz be¬ 
stimmte Fragen gestellt hatte, die der ebenso geschäfts- wie 
kriegskundige Vater am 31. Juli 1428 mit eigener Hand be¬ 
antwortete. 2 ) 

„Loys etc. Hochgeborner fürst, lieber sun! Als du uns 
rates fragest wie du deinen chrieg gegen unsern veinden treiben 
sullest, da künden wir dir: noch niemant uberwund aus ge¬ 
raten ; der krieg wierdet dich lernen wie du den treiben solt. 
Auch die kriegsleut und dein haubtleut werdent dir wol sagen, 
was notdurft ist. Sünder dreu dingk hat mir oft wol geraten. 

Das erst, wer wol chriegen wil, der acht umb gut kunt- 
schaft und vil und menigerlai. Doch solt du in nicht getrauen, 
das du in sagest, was willen du habest zu tun auf ir chunt- 
schaft. 

Das ander, das du vil leut oft fragest, waz mon zu tun 
hab, vnd iedlichen besunder; daz tu ninter, das es ainer von 
dem andern, noch vil leut hören. Albeg nim eins ieden anslag 
in geschrift besunder, wie er es vor im hab, das er es enden 
well, und sieze dann alain über si all und nim daraus ainen, 
zwen oder drei, die zu enden sei, und die endt dann nach rat, 
dem du getrauest. 

Ausführungen von Escher im 101. Neujahrsblatt der Feuerwerker- 
Gesellschaft in Zürich auf das Jahr 1906 S. 17 und 41. Dort werden 
Jäh ns einige Lesefehler nachgewiesen, die einzelne seiner Folgerungen 
aufheben. 

2 ) Die Abschrift findet sich im N. K. B. 26, 74. Der Auszug bei 
Lang, Geschichte Ludwigs des Bärtigen 139, genügt nicht und ent¬ 
hält sinnstörende Lesefehler, die Würdinger 1, 232 übernommen hat. — 
Die Zengerfehde erwähnt Würdinger 1, 233. — Ludwig der Gebartete 
galt den Zeitgenossen als Autorität auf allen Gebieten ritterlichen und 
höfischen Wesens. Er war daher auch seinerzeit am französischen Hofe 
mit der Würde eines „Hofmeisters von Frankreich“ bekleidet worden. 
Gefl. Mitteilung des Herrn Reichsarchivrates Neudegger. 


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Das dritt: halt all dein sach in grosser gehaim und getrau 
deins kriegs leuten als du mynst mügest, waz du willen zu 
tun habst. 

Dann ob du dein gesellen tailen sullest oder bei einander 
ligen, da chan ich dir nicht aus geraten, wann du solt deinen 
khrieg oft verkeren: zwen tag, drei oder vier all bei einander, 
drei tag oder vier von einander tailen. Nymer solt du deinen 
chrieg ainerlai treiben, sunder in der vvochen oder in ainem 
monet dreistund oder vierstund verkeren und oft halden 3 ) 
lassen und wolreitend knecht ausschicken, ob si unser veind 
ergreifen mügen. 

Sunder haiß dein gesellen allen Zengern zustund entsagen 
und allen seinen wissenlichen belfern, auch allen andern unsern 
veinden. 

Das schreiben wir dir auf dein verpessern. Geben und 
mit unser hand geschriben an samcztag vor vincula petri anno 
xxviij 0 .“ (31. Juli 1428.) 

Die liier entwickelten Grundsätze über Kriegführung, wenn¬ 
gleich für eine Fehde, die Zengerfehde, niedergeschrieben, lassen 
trotzdem erkennen, daß Ludwig der Gebartete auch in die Psy¬ 
chologie des großen Krieges tieferen Einblick gewonnen hatte. 
Überdies läßt sich dieselbe, dem inneren Wesen des Herzogs 
entsprungene Taktik auch in den zahllosen, meist aber erfolg¬ 
reichen Prozessen erkennen, die Herzog Ludwig in langen 
Jahren mit Fürsten, Adel und Geistlichkeit zu führen hatte. 

Über die Gefechtsführung im 15. Jahrhundert ver¬ 
mag am besten der zweite Abschnitt aus der Abhandlung des 
böhmischen Heerführers Wlczek von Czenowa Aufklärung zu 
schaffen. Hier finden sich vor allem Aufschlüsse über das 
Zusammenwirken der Waffen und über das Verfahren mit einem 
Gegner, der hinter Feldbefestigungen den Angriff erwartet, 
fertig zu werden, ohne dessen Verschanzungen angreifen zu 
müssen ; auch der Angriff eines festen Platzes wird kurz be¬ 
rührt. 1 ) 

:| ) Auch im Sinne von „Hinterhalt legen“; Ausnützen des Gelän¬ 
des, besonders der Waldungen, zur Deckung gegen Sicht. 

4 ) Toman S. 431, Ziff. 23 38; S. 435, Ziff. 46 und 47 Mey- 
nert 1, 92 und 96. Toman weist der Ordnung ihren richtigen Platz 
zwischen 1433 und 1444 an (S. 192), im Gegensätze zu Mevnert 1, 89, 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


17 


Weitere brauchbare Erörterungen enthält der französische 
Roman „Le Jouvencel“ von Jean de Bueil, auf den 
Delbrück aufmerksam macht. 0 ) Wir treffen dort voll¬ 
kommen richtige Anschauungen über die Bedeutung und die 
Aufgaben der Reserve, über Sicherungsdienst u. a.; bezeich¬ 
nend ist die Warnung, daß eine Fußtruppe nicht zum Angriffe 
übergehen solle; sie habe vielmehr stehenden Fußes in guter 
Ordnung den Angriff des Gegners zu erwarten. Der mühsam 
geordnete vier- oder fünfseitige Haufe hatte noch nicht ge¬ 
lernt, sich auf dem Gefechtsfelde zu bewegen, als Jean de Bueil 
zwischen den Jahren 1461 und 1466 seine Darlegungen nieder¬ 
schrieb. 

Das Kampf verfahren rechnet bis zu den Burgunder¬ 
kriegen in erster Linie noch mit der spaltenden Wirkung des 
Keils, 0 ) zu der sich beim Angreifer die Wucht der Vorwärts¬ 
bewegung des Haufens gesellte. Den „Druck“ und „Gegen¬ 
druck“ als ein Nachdrängen der rückwärtigen Glieder aufzu¬ 
fassen w r ird man sich hüten müssen. Der Erfolg wäre ein 
unentwirrbarer Knäuel gewesen, in dem sich niemand mehr hätte 
rühren, geschweige denn die Waffen hätte gebrauchen können. 
Die Abstände mußten im Gegenteil tunlichst erhalten bleiben ; 
es handelt sich sohin nicht um einen physischen Druck, son¬ 
dern um einen rein psychischen Vorgang: den Vordersten eben¬ 
so wie jedem andern im Haufen, ihnen allen war bewußt und 
klar, daß es kein Ausweichen nach irgend einer Seite gebe. 
Die sorgfältig geordnete Masse hatte sich möglichst gleich- 


der sie „nach dem J. 1490“ datiert. Die Wagenburgordnungen des 
15. Jahrhunderts, auch die des Markgrafen Albrecht Achilles und Sei¬ 
denecks (Toman 441, 449 und 452), sind damit auf das Muster des 
Böhmen Wlczek zurückzuführen. — Da Würdinger die Ordnungen 
Albrechts nicht vollständig wiedergegeben und überdies überarbeitet 
hat, so sei auf die Quelle: ein Quartheft im Bambergcr k. Kreis¬ 
archiv „Wagenburg und Veldtzugen“ hingewiesen. — Die Frankfurter 
Urkunde vom 3. 10. 1444 mit ihren 1000 Wägen (Toman 438) ent¬ 
stammt wohl einem kaiserlichen Ausschreiben zu Rüstungen des Reichs. 

5 ) Delbrück 3, 675. 

6 ) Vergl. für Reiterei 1388: Die zu Gemünd beschlossene Ord¬ 
nung der schwäbischen Städte „drei sullen die spicz anrennen, di 
sullen zu in neinen fumfzikch mit glen“. Lindner, Z. Gesch. d. 
Schwäb. Städtebundes in den Forsch, z. d. Gesch. 19, 49 ff. (1879). 

Archivalische Zeitschrift. Neue Folge. XVIIL 2 


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Wilhelm Beck. 


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mäßig gegen den Feind zu bewegen ; das war die scharf um- 
rissene Aufgabe jedes einzelnen. War es gelungen, des Feindes 
Ordnung zu zertrennen, dann traten die Stärke und die Ge¬ 
wandtheit der Tapfersten und Bestgerüsteten, die die Um¬ 
rahmung des Haufens bildeten, in ihre Rechte. Das Verhalten 
beim Einbruch selbst läßt sich weder für Reiterei noch für 
Fußvolk — heute ebensowenig wie damals — in Vorschriften 
bringen. Überdies konnten nur die äußersten Glieder die 
Spieße wirklich gebrauchen, da zur Waffenführung vor allem 
auch freies Gesichtsfeld gehört. 

Die Schilderungen des Kampfes geschlossener Fußknechts¬ 
haufen bei Wilwolt von Schaumburg 7 ) lassen nur soviel 
ersehen, daß beim Zusammentreffen zweier Haufen die Leute 
in ganzen Gliedern, zwei bis drei, offenbar meist ohne Ver¬ 
wundung zu Boden geworfen wurden oder stürzten; die Ver¬ 
blüffung hierüber konnte sofortige Flucht des Restes des Hau¬ 
fens zur Folge haben, was aber durch entschiedenes Eingreifen 
des Hauptmanns hintangehalten werden konnte: „der haubt- 
man schrei die knecht an, sie solten drücken, das si die veint 
zurück drüngen und wider zu stich kamen. Da gaben si (die 
Feinde) von stunt an die flucht.“ Ein verlässiges Bild läßt 
sich aber auch aus diesen Erzählungen nicht gewinnen, wie der 
„historischreiber“ selbst gestehen muß. 

Für das von Delbrück so scharf zurückgewiesene Vor¬ 
kommen der Keilform auch beim Fußknechtshaufen spricht 
neben dem herrschenden Gedanken des Zertrenn ens der 
feindlichen Ordnung die ausdrückliche Vorschrift für die Ordner 
des Haufens — da sich der Keil wohl nur auf eine zuerst her¬ 
zustellende Mittelachse aufbauen ließ — , die Rotten stets in 
ungeraden Zahlen zu bilden. 8 ) 

Ein Verfahren für die taktische Verwendung der Feuer¬ 
schützen war im Laufe des 15. Jahrhunderts nicht gefunden 


7 ) S. 71 Kampf in freiem Feld, S. 113 Kampf in einem Engnis 
von 6 Mann Breite (Dorfstraße). 

8 ) Gründliche und sachgemäße Ausführungen über diesen Gegen¬ 
stand bringt Escher in den Züricher Neujahrsblättern No. 100 102. — 

Später, als man exerzierte, erscheint wegen des Duplierens der Reihen 
und Glieder ebenso bestimmt die Forderung gerader Rottenzahlen. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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worden; dies zeigt eine Stelle bei Busteter, 9 ) der — wenn 
auch nach älteren Quellen — noch im Jahre 1532 schreiben 
konnte, daß man den gevierten Haufen seitlich mit Schützen 
„behencken“ solle, die gliederweise vor die Front schwenken, 
dort ihre Rohre abschießen und an der andern Seite zur Ladung 
hinter den Haufen „vorteilig abweichen“. 10 ) 

Nach diesen einleitenden Bemerkungen zur Kriegführung, 
zum Gefecht und zum Kampfe wenden wir uns dem eigent¬ 
lichen Gegenstände unserer Betrachtung, dem täglichen 
Kriege zu. Er war eine besondere Art mittelalterlicher 
Kriegführung, vor allem bedingt durch die übergroße Zahl von 
Befestigungen, auf die er sich stützte. Die Bezeichnung wurde 
bisher meist in dem Sinne mißverstanden, als ob damit der 
eigentliche und Hauptkrieg gemeint sei. 11 ) 

9 ) Busteter, Ernstlicher Bericht 31 Zeile 4-9. — Rudolf und 
Berchtold von Busteten sind im Jahre 1447 mit der Feste Maisenburg 
belehnt; über die Ruine s. Piper, Burgenkunde (2. Aufl.) 668. Der 
Wappenschild des Siegels zeigt einen Schrägbalken, belegt mit einem 
vierfach gefiederten Pfeil. Allg. R. A. M. Pers.-Selekt Baustetten. 

10 ) Zu vergl. „Mobilmachungsplan 1477“ S. 21: „doch, sollen di 
schüzen nicht zuglich an di finde rinen und abschissen, alvve in ein 
ratgen lassen umbher gehen, wen ein teil abgeschossen, das der ander 
häufe wider wort hawe und mit schissen gereidt“. Der Anschlag des 
Kurfürsten Albrecht Achilles ist vom Spätherbste des Jahres 1477; 
er betrifft den während des Winters zu führenden „täglichen Krieg“ 
(S. 17) und die Kriegsvorbereitungen für den Feldzug 1478 gegen 
die Pommern und den Herzog Hans von Sagan (S. 12). Nur in losem 
Zusammenhänge damit steht der zweite Teil (S. 21); er stammt von 
einem kundigen Kriegshauptmann, der erst nach Beendigung des Feld¬ 
zuges von 1478 — vergl. S. 26 „nehstmals im felde gehabt“ seine 
Erfahrungen dem Kurfürsten unterbreitet. Die Schrift enthält mit allen 
Einzelheiten Vorschläge zur Gliederung eines Heeres von 3000 Pferden 
und 10 000 bis 12 000 Fußknechten samt einer Wagenburg für die 
Feldschlacht, ferner Ratschläge für die Erkundung des Feindes un¬ 
mittelbar vor der Schlacht (S. 26) sowie für den Sicherungsdienst 
auf dem Marsche (S. 25) und im Lager (S. 27); endlich eine ganz 
modern anmutende Bemerkung über die Vorbereitung des Angriffs durch 
das Geschütz (S. 27). — Der Kurfürst hofft den Krieg im nächsten 
Sommer (1478) durch einen Friedensschluß — Richtung zu be¬ 
endigen „uff das man des teglichen kriegs darnach . . . dester ee 
mog übrig sein, so man ein löblich richtigung erlangt“. (S. 11.) 

") v. Bezold 1, 91; seiner Ansicht folgen die Redaktion der 
Reichstagsakten und Riezler 3, 281: „zum täglichen Krieg d. h. zu 

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Seit Stenzei 12 ) die Meinung vertreten hat, als sei der 
Grenzschutz gegen die Hussiten und damit der tägliche Krieg 
durch stehende Truppen durchgeführt worden, ist diese An¬ 
schauung erhalten geblieben. Würdinger kommt einmal dem 
richtigen Sachverhalte ziemlich nahe, indem er zum täglichen 
Kriege angeworbene Söldner von den zum Zuge selbst auf¬ 
gebotenen Mannschaften trennt ;- 13 ) wenige Seiten später ent¬ 
fernt er sich wieder vom richtigen Wege und meint, die im 
Jahre 1422 zum täglichen Kriege gegen die Hussiten aufge¬ 
botenen Mannschaften sollten so lange beisammen bleiben, bis 
die Ketzer unterdrückt wären; 14 ) der tägliche Krieg bedeute 
stets verfügbare Truppen. 15 ) Obwohl immer und immer wieder 
die geringe Zahl der zum täglichen Kriege verwendeten Truppen 
auffiel, hat auch v. Bezold, der den täglichen Krieg häufig 
erwähnen mußte, dessen Wesen nicht erkannt, wenn er die 
Erklärung gibt: 1 ' 1 ) „auf einen täglichen Krieg ... d. h. auf 
ein geworbenes Heer kriegskundiger Soldknechte, welches bis 
zur Niederwerfung der Hussiten im Feld zu bleiben hatte“. 17 ) 
Dieser Anschauung hat sich Kerl er unter Hinweis auf v. Be¬ 
zold angeschlossen. 18 ) Jäh ns macht an einer Stelle 19 ) die 
kurze, aber für eine Seite des täglichen Krieges zutreffende Be¬ 
merkung: „täglichen Krieg d. h. den unmittelbaren Landesschutz 
und die Grenzhut“. Der Herausgeber der „Vorbereitungen zum 

steter Verfügung“, womit das Wesen dieser Art von Kriegführung 
nicht zutreffend bezeichnet ist. 

>2) S. 260. 

”) 1, 1 50 n. 
i*) 1, 155. 

,f ’) 1, 161 z. J. 1425: . . . „Diese Tatsachen waren es auch, die 
hauptsächlich das Verlangen nach stehenden, zum täglichen Kriege 
verwendbaren Truppen, und da diese aus dein Kriege ein Geschäft 
machen müßten, die Notwendigkeit besoldeter Krieger hervorriefen“, 
eine Erklärung, die unrichtig ist, und bei der Würdinger tiefere 
Einsicht in die Heeresverhältnissc des ausgehenden Mittelalters ver¬ 
missen läßt, 
i«) 1, 91. 

'") Vergl. Würdinger 1, 155. — Zutreffend fährt v. Bezold 
fort: „es sollte von den antihusitischen Städten oder von eigenen Lagern 
aus die Gegner unaufhörlich in Atem halten“, 
i«) R. T. A. 8, 107. 

19 ) Jähns, Handbuch 981. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Feldzuge des Kurfürsten Albrechts Achilles gegen den Herzog 
Hans von Sagan 1477“ 20 ) erläutert zunächst richtig: „Unter 
täglichem Krieg verstand man die Unternehmungen, die zur 
Sicherheit der bedrohten Landesgrenze ausgeführt werden muß.- 
ten.“ Im nächsten Absätze aber bezeichnet er unzutreffend 
die weitaus ältere Einrichtung als aus den Hussitenkriegen 
herrührend. 

Wertvolle Auf c chlüsse über den Charakter des Täglichen 
Krieges, wenn auch nicht in dessen vollem Umfange, bietet 
Hänselmann. 21 ) Seine Einleitung legt in anschaulicher und 
überzeugender Weise die Gründe dar, die zu den endlosen 
Fehden zwischen dem Adel und den Städten führten: „den 
chronischen Zuckungen, unter denen ein untergehendes und ein 
anbrechendes Weltalter des feudalen und des bürgerlichen 
Staates nach dem Ausgleich ihrer Ansprüche und Kräfte rangen“. 
Er greift damit wenigstens eine Erscheinung des täglichen 
Krieges richtig heraus. 

Der tägliche Krieg unterschied sich in nichts Wesentlichem 
von der Fehde; trotzdem muß er als eine besondere Form 
mittelalterlicher Kriegführung bezeichnet werden, da er auch 
mit dem großen Kriege im engsten Zusammenhänge steht. 
Bedingt ist er, wie schon erwähnt wurde, durch das Vorhanden¬ 
sein der zahlreichen Befestigungen — Städte und Schlösser 22 ) — 
sowie durch die Eigenart der Wehrverfassung, die 
nicht gestattete, mit den Vasallen, Beamten, Dienern und 
Söldnern Kriege von längerer Dauer bis zur endgülti¬ 
gen Entscheidung ohne Unterbrechung durchzuführen; weder 
das Reich noch die Territorialfürsten waren finanziell in der 
Lage, Heere längere Zeit zusammenzuhalten, wie besonders 
auch die Hussitenkriege zeigen. War der eigentliche Feldzug 
im Herbste beendet, so mußten an die bedrohten Grenzen 
Truppen in beschränkter Anzahl gelegt werden, die in der 

20 ) Kriegsgcsch. Einzelschr. 3, 31. 

21 ) Benützt ist der Separatabdruck aus den Braunschweigischen 
Anzeigen, Juli 1882. 

22 ) Wie diese sich gegenseitig beschädigten, so konnte die Fehde 
auch gegen Teile eines fürstlichen Territoriums gerichtet sein. — Ober 
die Führung des täglichen Kriegs durch die bayerischen Herzoge im 
Dienste des Kaisers (Spätherbst 1376) gegen die schwäbischen Städte 
s. Riezler 3, 114 und Städte-Chron. 1, 35. 

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Wilhelm Beck. 


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Zwischenzeit den Grenzschutz in der Form des täglichen 
Krieges so lange übernahmen, bis im nächsten Frühjahre oder 
Sommer wieder Heere ins Feld gestellt werden konnten. Die 
Kriegführung während dieser Zeit kennzeichnet sich durch Aus¬ 
fälle aus den befestigten Grenzstädten, etwa auch aus beson¬ 
deren Grenzbefestigungen und Lagern mit Sengen und Brennen 
im Feindesland, Gewinnung von Gefangenen und Beute. 23 ) 

Die Bestallungen lassen keinen Zweifel, daß es sich um 
eine besondere Art der Kriegführung handelte, für die wegen 
der hohen Kosten nur geringe Kräfte aufgestellt werden konn¬ 
ten. Es waren dem Charakter dieses täglichen Krieges ent¬ 
sprechend fast ausschließlich Reiter, die dazu eine Reihe von 
Monaten im Dienste gehalten werden mußten, d. h. wesent¬ 
lich länger als die für den eigentlichen und Haupt-Feldzug 
benötigten Truppen; denn deren Soldverträge lauteten meist 
nur auf zwei bis drei Monate oder auch auf zwölf bis dreizehn 
Wochen, während die Söldner für den täglichen Krieg häufig 
auf ein ganzes Jahr bestellt waren. So verschreibt Kaiser Sig¬ 
mund — Nürnberg 12. September 1422 — dem Johann Jano- 
wicz von Swainberg „für vierczig pferde, die er zu teglichem 
krieg zu Behaim“ zwölf Monate lang halten will, einen Sold 
von 2160 rheinischen Gulden, sohin 54 Gulden für jedes Pferd 
in einem Jahr; 24 ) Wigelais vom Degenberg und Erascm Satel- 
boger zu Lichteneck verpflichten sich am 7. November 1429 
gegen die oberbayerischen Herzoge Ernst und Wilhelm, Degen¬ 
berg mit achtzehn, Satelboger mit dreißig geraisigen Leuten 
und Pferden, für ein ganzes Jahr wider die Ketzer zu Beheim 
in Kötzting und Arnsclnvang zu liegen. Ihre Bestallungen ent¬ 
halten ausführliche Festsetzungen wegen der Gefangenen und 
wegen der Beute. Der Jahressold beträgt für jedes Pferd sech¬ 
zig rheinische Gulden ; die Auszahlung geschieht monatlich im 
voraus mit fünf Gulden für das Pferd. Wird im Laufe des 
Jahres mit den Ketzern Frieden geschlossen, so steht den Her¬ 
zogen das Recht der Kündigung des Vertrages zu. 25 ) 

23 ) Zu vergl. „Mobilmachungsplan 1477“ in den kriegsgescli. Ein- 
zelschr. 3, 10 n. 

24 ) Holienaschauer Archiv, Urk.-Regest. No. 533. 

25 ) Ger. Urk. Herrsch. Degenberg Fasz. 16 und Landgericht Kötz¬ 
ting Fasz. 1. — Degenberg und Satelboger gehören zu den bei Wür- 



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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15 . Jahrhundert. 23 


Den weit zurückliegenden, mit der Ausbreitung des Burgen¬ 
baues und der Städtebefestigung zusammenhängenden Anfängen 
jener wenig sympathischen Kriegführung in früheren Jahr¬ 
hunderten nachzuforschen ist hier nicht beabsichtigt. Von 
älteren Zeugnissen sei nur eine Urkunde König Ludwigs 
des Bayern, Trient 20. Februar 1327, erwähnt, in der er 
seinem Oheim Herzog Heinrich in Kärnten verspricht, „daz 
wir noch vor phinxten . . . sullen sein mit unsers selbs leibe 
und mit aller unserer mäht, deutsche und walhen, . . . auf 
des Hundes schaden . . . und sollen auch dahin ziehen, da 
wir in allerharagist beschädigen mugen“. Auch Herzog Hein¬ 
rich oder sein Hauptmann soll den Hund beschädigen „so er 
pest mach“. „Wir sullen auch ze rat werden, an swelher stat 
wir zeeinander ziehen sullen, da ez uns peiden erlich und nuez- 
lich sei und dem Hunde allerschaedlichest. Wir haben im auch 
mer verheizen, ob daz were, daz der Hund auf seinen (des 
Herzogs) schaden ziehen wolte, swen daz ist, so sullen wir 
mit unsern helfern, dienern, deutsch und walhen schaffen, daz 
si hin wider auf des Hundes schaden ziehen, so si best mugen 
und in des hindern und irren so si best chunnen vnd mugen, 
er ziehe auf unsers oheims schaden in fride oder an friden.“ 20 ) 

Besonders klar tritt das Wesen einer Gattung des täg¬ 
lichen Krieges nebst dem sich im Frühjahre anreihenden reiten¬ 
den Kriege — den Formen des kleinen Krieges zwischen 
den Hauptoperationen zweier Kriegsjahre — hervor in dem 
schon oben kurz erwähnten Vertrage der bayerischen Herzoge 
Ernst, Wilhelm und Johannes vom 21. Oktober 1429, 27 ) die sich 

dinger 1, 172 unten erwähnten Raisigcn. — Zu einer täglichen 
Hilfe wider die Ketzer zu Beheim verpflichten sich die Herzoge Ernst 
und Wilhelm 100 Pferde gen Runding, Arnschwang und Kötzting, Her¬ 
zog Johann 100 Pferde gen Cham, Neunburg und Pleistein zu schicken 
21. 10. J42Q: Al lg. R. A M. Bayerns Verhältnisse zum deutschen Reich 
Fasz. 4. — Soldquittungen des Satelbogers v. J. 1429/30 im Pers.-Sel. 
Satelboger. 

26 ) K. Ludwigs-Selekt No. 335: Vidimus vom 20. 3. 1327 — 
Hund ist der Führer der Ghibellinen in Verona: Canis della Scala. — 
Auch in den Städte-Chroniken wird der tägliche Krieg erwähnt; so in 
Bd. 1, 35 Zeile 27 und 1, 37 Zeile 23 (1376); 1, 46 Zeile 9 (1388). 

27 ) Bayerns Verhältnisse zum deutschen Reich Fasz. 4; Reg. boic. 
13, 163 und Clm. 1569: Vacchierys Regesten 4, 172. — Eine zweite 
Ausfertigung der Urkunde im k. Geh. Hausarchiv München 2/3, 491. 


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24 


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„vereinet haben einer teglichen hilfe wider die ketzzer zu Be- 
heim, damit wir uns selbs und unser lant und lüte dester basz 
erweren und zu teglichem kriege ausgehalten mögen ; also das 
wir herzog Ernste und herzog Wilhalm hundert geraisige pferd 
haben und legen sullen gein Runting, Arenswanck und gein 
Kötzting, und wir herzog Johanns auch hundert geraisige wir- 
liche pferd haben und derselben legen sullen sibenzig geraisige 
pferd gein Camb mitsambt unserm pfleger daselbst, das di 
stete zu Camb ligen zu der teglichen hilfe, und di andern sullen 
wir legen und di haben zu Neunburg und zu Pleistein oder wo 
di zu tegliche kriege wider die ketzzer zu Beheim allerfuglichst 
ligen mögen, di ketzzer teglichs zu beschedigen. 

Und wir obgenant herren sullen denselben unsern luten 
an iglicher stat haubtlute zufugen, di darzu gehorn und tug- 
lichen sein. 

Es sullen auch dieselben unser lute ein ganz jare nach 
datum dits brieves an den obgenanten steten zu teglichem kriege 
unabgevordert bleiben und ligen und all aneinander getrulichen 
raten und helfen und di feinte beschedigen nach allem irem 
vermögen nach rate und heissen unser haubtlute, di wir zu 
bederseiten darzu bescheiden werden, und das auch die ob- 
genanten haubtlüte mitsambt den zeuge, den wir also zubeder- 
seiten legen werden, allzeit der ketzzer schaden trachten nach 
allem irem vermögen, getrulichen, ongeverde. 

Wir sullen und wellen auch von beiden teilen mit den¬ 
selben unsern luten schaffen und ordenlichen bestellen, das si 
unsern haubtluten von unsern wegen an den obgenanten steten 
und an allen enden, wo si von unsern wegen ligen oder raisen 
werden, gehorsam, gevolgig und untertenig sein, und das si 
auch an unser haubtlute willen und wissen niendert raisen oder 
reiten, und das es einer gein dem anderm nit anderst halte, 
dann ob si all eins hern under uns diener weren. 

Und ob dheinerlei Unwille zwischen den unsern geschee, 
des sullen si allzeit bei uns und unsern haubtluten beieiben, 
si darumb zu entscheiden. 

Und ob das were, das di ketzzer heraus raisen und unser 
lant beschedigen wollten, welcher haubtman oder harsch des 
vor dem anderm inne wurde und den andern haubtluten und 
harschen das zuschribe und si ermante zu im zuziehen, so sullen 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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dieselben auch auf sein und zuziehen, wie si des dann zurate 
werden, das es am besten sei. 

Ob si auch ichts einig wurden oder anslugen zu unserm 
besten, als si uns dann schuldig sein, das si raisen wollten auf 
die feinte, des sullen di obgenanten unser lüte und härsche 
denselben unsern haubtlüten gehorsam und gevolgig sein. 

Unser haubtlute sullen auch denselben unsern härschen und 
lüten nit gestatten oder gönnen dheinerlei rauberei zuthun an¬ 
derst dann den feinten ; welch es aber darüber theten, zu dem¬ 
selben sullen wir greifen und rechtens gestatten nach ausweisung 
unser einunge, di wir vor miteinander verschriben haben. 

Ob auch yemant anderst in unsern landen were, der über 
walt reiten wollte on unser haubtlute willen und wissen, des 
sullen unser haubtlute nit gestatten; welch es aber darüber 
theten, den sullen si es wieren und nach denselben greifen, wo 
si mögen, und di darumb strafen. 

Auch sol man verbieten, das niemant über walt dheinerlei 
kost, speisz oder dheinerlei kaufmanschatz fure; welch aber 
darüber theten, zu den sol man greifen und in das wieren. 
Und wer sulch gut begreifet, der oder dieselben sullen das 
behalten, und wir mögen und sullen sulch, di es schicken oder 
furen, an iren leiben und guten strafen. 

Wir obgenant herren sein auch einig worden, wenn es nu 
zu wetertagen komt, nach liechtmeß, das wir bed obgenant 
parthei ieder funfzik pferde legen sullen zu den obgenanten 
harschen, wo des dann not thut und man di am besten ge- 
nutzzen mag und als man dann zurate wirdet. 

Zu urkund haben wir obgenant herren unser iglicher sein 
insigel an den brief gehencket, der geben ist zu Straubing an 
freitage der einlef tausent maid tage nach cristi gebürt virzehen- 
hundert und in dem neunundzwainzigsten jarn.“ 

Das „Beschädigen“ des Gegners ist für die Ausübung des 
täglichen Krieges, der vor allem „Nahm (Wegnahme) und 
Brand“ bedeutete, der auch im 15. Jahrhundert gebräuchliche 
Ausdruck. 28 ) Die Offenhäuser werden dieser Abart des 

2S ) Als eine Fehde, die der niederbayerische Landsasse Warinund 
Rottauer gegen den oberbayerischen Herzog Albrecht führte, schließlich 
am 28. 11. 144-1 gütlich beglichen wurde, bekannte Warinund R.: 
„Als ich vor etlicher Zeit dem Fürsten und Herrn, Herrn Albrechten 


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26 


Wilhelm Beck. 


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Krieges besonders dienstbar gemacht, wie eine Reihe von Ver¬ 
trägen zeigt. 29 ) Im Jahre 1386 erneuern z. B. die österreichi¬ 
schen Grafen Heinrich und Ulrich von Schaumberg, Vater und 
Sohn, ein Bündnis mit den bayerischen Herzogen Stephan, Fried¬ 
rich und Johannes, 30 ) denen sie mit allen ihren Schlössern 
helfen wollen: „wär auch, das unser obgenant gn. H. wollten 
kriegen von unser egenanten slossen, die sollen jr leut, die 
sy darein Iegent und schickent, besorgen mit kost und mit 
andern Sachen uns ... an allen schaden“. Hanns vom Stain, 

. . . Grafen zu Voburg etc. ein veintschaft zugeschriben, auch die seinen 
mit narn und prand beschädigt hab . . .“ Pers.-Selekt Rotau. — Rott- 
aucr zu Madau im Gericht Griesbach s. Krenner 12, 4-tO. — Friedrich 
von der Pfalz an Ludwig von Niederbayern, Heidelberg 4. 5. 1461: 
„Wiewol wir in den negst vergangen kriegen mit herezog Ludwigen, 
grafen zu Veldencz, gcricht worden sin ... hat der benant herezog 
Ludwig zustund nach solher richtung . . . die unsern mit name, brandt 
und merklicher anderer beschedigung belestiget und teglich zu tund 
understeet . . .“ N. K. B. 23, 336. — Bisweilen zeigen schon die Dienst¬ 
verträge selbst eine ganz persönliche Spitze gegen einen „Feind“. Diet- 
helm Schilter von Konstanz wird am 8. 1. 1461 Diener der Münchner 
Herzoge Johann und Sigmund: „das ich her Wilhalmen von Honburg 
(Homburg bei Stahringen, Baden), der irer gnaden veint worden ist, 
bei tag und nacht nachstellen und . . . allen vleiss fürkern sol, ob 
ich denselben von Honburg ernider werfen, irn gnaden vahen oder . . . 
sunst an seinem leib schaden zufügen . . . oder jm sein sloss an¬ 
zugewinnen, zu verprennen und jm und seinen helfern ander veintlich 
tat zuzefügen, wie ich das jm und den seinen zu schaden auf das aller¬ 
strengest fürnemen mag“. Pers.-Selekt Schilter. 

!0 ) Waitz 8, 202n führt als wohl ältestes Beispiel der Burgen¬ 
öffnung eine Urkunde v. J. 1110 an: „ut si quando nobis sive nostris 
succcssoribus pro qualibet necessitate vel ex proprie voluntatis arbitrio 
manere placeret in Castro, absque omni contradictione aditus ibi nobis 
pateret et mansio“. — Als sich die Grenzen der Territorien bestimmter 
abhoben und die Territorialherren an fingen für ihren Kriegsdienst 
auch fremde Edelleute zu gewinnen, war die Vorbedingung dazu 
zunächst wohl der Besitz einer Burg, durch deren Öffnung der dienst¬ 
bereite Adelige ein Kriegsdienstverhältnis in einer mehr passiven Form 
einging. Eine Übergangsfortn bildet sodann die vertragsmäßige Ver¬ 
pflichtung, im eigenen eng begrenzten Gebiete, d. h. im nächsten Um¬ 
kreise der Burg dem fremden Territorialherrn „mit ganzer Macht“ zu 
dienen, woraus sich später unter Fortbestand der älteren Formen die 
aktive Form des Zuzugs mit . der vertragsmäßigen Anzahl von Pferden 
als „Diener von Haus aus“ entwickelt haben mag. 

*o) N. K.B. 109, 243. 


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Raverns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 27 


der vom Michaelstage 1434 auf ein Jahr Diener von Haus aus 
der beiden Herzoge Ludwig, Vater und Sohn, von Bayern-Ingol¬ 
stadt geworden war, will ,,mitsambt seinem Teil der Vest Wart¬ 
hausen“, die ihr offen Haus sein soll, den beiden Herzogen mit 
sieben geraisigen Pferden dienen; „und wär, daz es zu krieg 
kam, so sol ich iren gnaden noch siben gewappent und siben 
geraisige pfärd darzu füren, damit sy und ander ir diener iren 
krieg ein und auß meinem vorbenanten tail des gesloß Wart¬ 
hausen und anderswo treiben mügen“. 31 ) Der böhmische Dy¬ 
nast Heinrich von Colobrath, Herr zu Liebenstain, verpflichtet 
sich im Jahre 1452 den Herzogen Albrecht und Ludwig von 
Bayern für drei Jahre als Diener von Haus aus mit seinen 
Schlössern und allem seinem „Vermögen“: 32 ) „Ob auch ir 
gnad . . . Öffnung meiner geslösser . . . begern wurden, so sol 
irn gnaden . . . Öffnung nicht versagt werden . . . doch sollen 
ir gnad das oder die sloß, da sy der Öffnung also begerten, mit 
kost und ander notturft fursehen und bewaren.“ Graf Conrad 
zu Helfenstein, der im Jahre 1460 Herzog Ludwigs Rat und 
Diener von Haus aus auf drei Jahre geworden war, nimmt die 
Öffnung seines Schlosses Wellenheim, 33 ) das in den Kriegen 
Ludwigs mit dem Markgrafen Albrecht Achilles von Wert sein 
konnte, für die beiden Fürsten besonders aus. Auch in der 
Bestallung des Grafen Albrecht von Hohenlohe vom 15. Mai 
14 7 7 34 ) wird „der Krieg“ ausdrücklich genannt: Hohenlohe hat 
sich verpflichtet, Herzog Ludwig dem Reichen seine Schlösser, 
Städte, Märkte und Befestigungen zu öffnen und ihn der ge¬ 
brauchen zu lassen „es sev zu krieg oder ine ander weg . . . 
doch auf unser (des Herzogs) kostung und schaden“. 

Bei der Erneuerung des Kelheimer Bundes vom Sittich von 
1414,35) (ji e j m j u |j 1415 erfolgte, versprachen sich die be¬ 
teiligten Fürsten jeden Beistand „mit täglichen kriegen, 


si) Pers.-Selekt Stein. Warthausen liegt nördlich von Biberach. 

32 ) Geh. St. A. M. Urk. Käst, rot 10/141; 4. 10. 1452. — Ver¬ 
mögen = Kräften. 

33 ) Wellheim n. w. von Neuburg a. D. — Bestallung Helfensteins 
v. 20. 2. 1460: N. K. B. 81, 62. 

3 Ö N. K. B. 81, 280. 

85 ) Riezler 3, 231. — Der Bundesvertrag von 1415 im N. K. B. 
26, 62. Abgedr. in: Fisch°r, Kleine Schriften 2, 124. 


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hilf und ziigen“ gegen die Übergriffe Ludwigs des Gebarteten 
von Ingolstadt. Dem Angegriffenen sollte jeder Bundesgenosse 
innerhalb eines Monats fünfzig Spieße, jeden mindestens zu 
zwei Gewappneten und drei Pferden, in das nächstgelegene 
Schloß schicken, wo er über diese Spieße für seine Zwecke ver¬ 
fügen konnte, sie aber verpflegen mußte. Die Spieße sollen 
bei dem, der die andern aufgemahnt hat, bleiben „zu teglichem 
krieg . . . die feind anzugreifen und zu beschedigen, auf si zu 
reiten und zu tun, was dann der obgenant, dem si zu hilf ge¬ 
sandt werden . . . mit in schaffen wird.“ Der Aufmahner soll 
mindestens auf so viele Spieße, als die andern geschickt hatten, 
„zu teglichem krieg wider den obgenanten Herzog Ludwig, 
grafen zu Mortanj, und sein helfer . . . statiges bei im ligen 
haben ... Es sollen auch unser jeglichs sloß und stat den 
andern under uns offen sein, sich daraus und darein wider . . . 
Herzog Ludwigen ... zu behelfen, und unser jeglicher sol 
auch bestellen mit den seinen, das man dem andern und er 
uns . . . allezeit . . . redlich kauf geben (soll) von kost und 
andern Sachen, der mon notdurft ist und das umb einen czeit- 
lichen pfenning . . .“. 

Ähnliche Bestimmungen kehren wieder in der Bestallung 
des Grafen Friedrich von Helfenstein vom 10. Oktober 1463; 3fi ) 
er will persönlich und mit seiner Herrschaft dem Herzog Lud¬ 
wig von Landshut helfen wider die Grafen Oswolt von Tier¬ 
stein und Walther von Königsegk ; „wir wollen auch sein gnade 
und dj sein halten in unsern slossen Hiltenburge, Reussenstain 
und Wisenstaig der stat. Es mag auch unser genediger herre 
ainen hauptman mit etwa manigen reiter gein Wisenstaig legen, 
die den kriege helfen trevben . . . Darvon begern wir 
dhainen vortail, was an name und gefangen geschafft wirdet, 
dann was uns und unsern gesellen ain peut zustan sol. . . . 
Es sol auch kain gefangner mit dem rechten getott werden, wo- 
bej wir oder vnser gesellen sein . . . Dann ob ain gefangen 
niderläge, der den krieg richten mocht, des sol unser genadiger 
Herr Hertzog Ludwig macht haben . . .“ 

Auf täglichen Krieg weist auch die Bestallung des Heymran 
Nothaft vom 11. November 1428 hin, der an diesem Tage zu 


•■»«) N. K. B. 82 2 , 39. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


29 


einem Söldner auf ein Jahr bestellt wird, nachdem er wenige 
Wochen vorher, am 29. September 1428, Diener von Haus aus 
geworden war. 37 ) Wenn bei Eintritt der kälteren Jahreszeit 
Söldner auf ein volles Jahr in Dienst genommen wurden, ist 
dies in den meisten Fällen für Verwendung im täglichen Kriege 
geschehen; Bestallungen vom Termin Martini müssen daher 
stets von diesem Gesichtspunkte besonders geprüft werden. 

Dem täglichen Kriege nahe verwandt ist der „reitende 
oder raisige Krieg“, der im Frühjahr vor dem Beginne 
des eigentlichen Feldzuges einsetzt, sich sohin dem täglichen 
Krieg unmittelbar zeitlich anschließt oder auch neben ihm be¬ 
trieben wird. Nach einem Briefe an die schlesischen Stände, 
Brünn 29. Januar 1422, will König Sigmund gegen die Hussiten 
einen reitenden Krieg bestellen, bis die bessere Jahreszeit den 
eigentlichen Feldzug ermöglicht. 38 ) Sieben Jahre später war 
die Eröffnung des Feldzuges auf den 14. Juni 1429 festgesetzt 
worden ; vorher aber sollte der reitende .Krieg seinen Anfang 
nehmen. König Sigmund begründet dieses Vorhaben in einem 
Schreiben an die Bayernherzoge vom 10. April 1429 dahin, 
„das man die keczer die zeit damit bekümer und ir feld damit 
breche bis in unser feld“. 39 ) 

Auch auf dem Reichstage zu Nürnberg im Mai 1430 wurde 
ein täglicher und raisiger Krieg gegen die Ketzer vereinbart, der 
am 25. Juli mit dem Ablaufe des Waffenstillstandes, den die 
Hussiten den Franken und Oberpfälzern gewährt hatten, be¬ 
ginnen sollte. 40 ) 

Die österreichische Aufgebotsordnung vom Jahre 1432 
befindet sich in voller Übereinstimmung mit dem oben Gesagten, 
wenn sie den täglichen Krieg so geführt wissen will, daß „die 
veint mit prant und andern beschedigungen werden angriffen 


3') N. K. B. 187*, 317b u. 319b. 

38 ) v. Bczold 1, 77. — S. auch die Heeresordnung v. J. 1427, 
kurz vor dem 4. Mai, wo für das Herausziehen aus Böhmen vor- 
geschricben wird, böhmische Schlösser und Städte zu besetzen „zu täg¬ 
lichem Kriege, also das den Ketzern kein fürderung geschehe, not- 
durft zugelegt oder zugeführt werde“. R.T. A. 9, 36; Artikel 27. 

39 ) v. Bezold 3, 9. 

40 ) v. Bezold 3, 69. Der auffallend niedere Anschlag erklärt sich 
aus der Art des beabsichtigten Krieges. 


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auf das höchst und pest so man müg, und nicht darüber zu- 
sagung von veinten aufnemen“. 41 ) 

Als der schwäbische Bund mit Herzog Friedrich zu Sachsen 
im Jahre 1500 auf zwölf Jahre einen Vertrag zur Durchführung 
des wormser Landfriedens vom 17. August 1495 schloß, ver¬ 
pflichtete sich der Bund — ganz ähnlich wie dies in dem oben 
erwähnten bayerischen Bündnis im Jahre 1415 geschehen 
war — , dem Herzog binnen Monatsfrist Reiter zum täglichen 
Krieg in einen seiner Flecken zu schicken. „Es sollen auch 
die selben unser geschickten . . . seinen haubtleuten mit an¬ 
dern den seinen auf die veint zu reiten und die zu beschedigen 
gehorsam sein.“ 42 ) 

In den vielen Kriegen Ludwigs des Gebarteten von Bayern- 
Ingolstadt, besonders gegen seine Vettern und andre Grenz¬ 
nachbarn spielte der tägliche Krieg eine hervorragende Rolle. 
Eine Aufzählung der Verwüstungen im Jahre 1420 bei Lang 43 ) 
gibt ein Bild, das über die Folgen solch unmenschlicher Krieg¬ 
führung keinen Zweifel zuläßt. Und doch dürfen wir die Schuld 
an all diesen Zerstörungen nicht auf Ludwigs des Gebarteten 
Person allein abladen; die Hauptschuld trugen die unglück¬ 
seligen Grenzverhältnisse seines Landesanteils. Wo hätte Lud¬ 
wig ein Heer sammeln sollen, um in der sonst üblichen Art 
den großen Krieg zu führen? Mit Recht spricht der ältere 
Kremier von dem „ganz eigenen und widerlich geographischen 
Verhältnis der ingolstädter Landesportion“. 44 ) Mit gutem Blick 
hatte Ludwig in seinen an der Donau, am Lech, am Inn und im 
Nordgau verzettelten Gebieten schon frühzeitig der Befestigung 
der Städte besonderes Augenmerk zugewendet. Auf diese 

41 ) Erben, Z. Gesell, d. öst. Kriegswesens im 15. Jahrh. Mitt. 
des Heeresmuseums in Wien 2, 28. 

4S ) Geh. St. A. M. Käst, scliw. 219/1 Bl. 26. — Herzog Sigmund 
von Österreich will der Gesellschaft St. Jörgenschild 100 Gewappnete 
zu Roß für den täglichen Krieg nach Radolfzell, Stockaeh oder Engen 
legen. Villingen 26. 8. 1-168. Geh. St. A. Käst, scliw. 265/9. 

43 ) Lang 103. — Zu Ludwigs des Gebarteten Persönlichkeit und 
Charakter siehe die Bemerkungen bei Kluckhohn 7. Ein milderes und 
vielleicht zutreffenderes Urteil fällt Häutle: Obb. Archiv 28, 208. Zu 
vcrgl. Riezlcr 3, 218. 

44 ) v. Krenner Anleitung 43. Die Ämter des Ingolstädter Landes¬ 
anteils vor 1429 werden S. 45 ebenda mit Namen aufgeführt. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


31 


Städte — er hatte nur wenige, die nicht Grenzstädte gewesen 
wären — stützte er später seine Kriegführung, die freilich da¬ 
durch zu einer besonders landverderbenden wurde. 

Hier zeigt sich der tägliche Krieg als eine selbständige Form 
der Kriegführung zwischen Landesherren, während 
er sonst die typische Erscheinung in den Fehden der 
Städte und des Adels bildet, wo beiderseits von den Be¬ 
festigungen aus die „Beschädigungen“ des feindlichen Gebietes 
gründlich vorgenommen wurden. 4 -') ln einer dritten Form 
sehen wir ihn vor und mit dem „raisigen oder reitenden Krieg“ 
die Zwischenzeit zwischen den eigentlichen Feldzügen, die tun¬ 
lichst in die bessere Jahreszeit gelegt wurden, mit „Nähme 
und Brand“ ausfüllen. Der ursprüngliche Zweck der Burgen 
und Stadtmauern, in Kriegsnöten auch dem Landvolk für sich 
und seine Habe Schutz und Unterkunft zu gewähren, war so 
ziemlich vergessen und vielfach grausam verkehrt worden. 40 ) 
Daß der tägliche Krieg zur Handhabung des Landfriedens aus¬ 
nahmsweise auch gute Dienste leistete, darf nicht mit Still¬ 
schweigen übergangen werden. 


Im Anschlüsse an den täglichen Krieg mag auch des 
„Sühnedienstes“ gedacht werden, der meist durch Schieds¬ 
spruch auferlegten Verpflichtung zum Kriegsdienste für eine 
bestimmte Zeit, wodurch entweder irgend ein Vergehen ge- 

4; ') Einblick in die Verhältnisse und den Verlauf eines längere Zeit 
währenden „täglichen Krieges“, der sich allerdings nicht auf altbayeri¬ 
schem Boden abspielte, gewährt die anschauliche Schilderung Schür¬ 
stabs über den Kampf des Markgrafen Albrecht Achilles mit der 
Stadt Nürnberg in den Jahren 1449 und 1450 (Städte-Chroniken 2, 
148—230). „Es war der kleine Krieg, der über ein Jahr lang 
weit und breit alles zerstörte . . ., es waren lauter kleine Raub- und 
Streifzüge, die den Feind aufschreckten oder in seinen gleichartigen 
Unternehmungen störten.“ (Einleitung von Friedrich v. Weech: Städte- 
Chroniken 2, 95.) — Vergl. auch die ungeschminkten Erzählungen an 
einzelnen Stellen der Selbstbiographie des Ritters Oötz von Berlichin- 
gen, den wir überdies als einen durchaus frommen und gottesfürchtigen 
Mann kennen lernen, eine merkwürdige, aber für jene Zeit charakteri¬ 
stische Verschmelzung von Gegensätzen. 

4C ) Eccardus 1, 358. 


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32 


Wilhelm Beck. 


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sühnt oder ein Ausgleich für die Schädigungen durch einen 
„täglichen Krieg“ geboten werden sollte. Da auf Sühnedienst 
häufig gegen Landesuntertanen erkannt wurde, liegt hier einer 
der wenigen Fälle vor, wo über den Kriegsdienst einzelner 
Untertanen, die keine Ämter bekleideten, schriftlich und ziffer¬ 
mäßig bestimmt wurde. Schon aus dem Jahre 1303 ist ein 
solcher Fall bezeugt: Ritter Ulrich der Ältere von Mur, ein 
eichstättischer Ministeriale, soll dem Bischof von Eichstätt mit 
zwei geraisigen Pferden dienen „nomine satisfactionis et emende 
pro commisso in hac parte excessu“. 47 ) 

Im Jahre 1404 berichtigte Herzog Heinrich von Nieder¬ 
bayern die „stöss, krieg und zwiträcht“ zwischen Hans dem 
Truchtlichinger nebst seinen Söhnen zu Peugen und Oswald 
dem Törringer zu Stain, Wilhelm von Wonns und Heinrichs 
des Fröschels Kindern „und umb das verhandeln, das wir (die 
Truchtlichinger) wider unsers herrn gnad darinne getan haben, 
darumb sullen wir mit dem haus zu Peugen wider in und sein¬ 
gnad nicht sein“. 48 ) 

Die Gebrüder Peter und Simon Virgeol sollen ihrem Lan¬ 
desherrn Herzog Ludwig von Niederbayern „von der Geschieht 
wegen, so sie an dem Amtmann zu Pfarrkirchen begangen 
haben, so sie seine Gnade ermahnen würde“ 16 oder 18 raisige 
Pferde einen Monat ganz aus „auf ihre eigene Kostung“ füh¬ 
ren. 49 ) 

In einer Fehde zwischen dem Herzog Otto von Neumarkt 
einerseits und den Böhmen Herrn Hindersich von Colowrat, 
Herrn zum Liebenstain, und denen von Taust anderseits wur- 


*■) Mon. Boic. vol. 49. Neue Folge 3, 502. Eystet 15. 8. 
1303. Ein anderes, österreichisches Beispiel: Ruprecht v. Lechsberg 
war in Herzog Albrechts von Österreich Ungnade. Nach Aussöhnung 
verpflichtet sich Ruprecht, dem Herzog mit seiner Feste Lechsberg 
und 6 Helmen zu dienen. Innsbruck 5. 12. 1354. Reichsarchiv M.: 
Tirol (fürstl. Archiv aus Innsbruck) Fasz. 15. 

48 ) N. K. B. 26, 158. Mehrere dieser Adclssitze liegen in den ehe¬ 
maligen niederbayerischen Gerichten Traunstein und Reichenhall; Kren- 
ner 12, 457. 

«) N. K. B. 81, 239b. Um 1475. — Ähnlich schon im Jahre 1450 
Thoman Pirchinger mit 20 geraisigen Pferden ein ganzes Jahr und 
Dietrich Ramelstainer mit 32 Pferden „inner der vier vväld“ auf ein 
Jahr und ein Monat. N. K. B. 82, 2 , 225. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 33 

den im Jahre 1451 der Pfleger von Neunburg, Ritter Hans 
vom Wolfstain, und Sebastian Pflug zu Schwarzenburg um Ver¬ 
mittlung angegangen. Sie entschieden zu Cham wie folgt: 50 ) 
Herzog Otto soll Herrn Hindersich von Colowrat 300 rheini¬ 
sche Gulden geben „vor solichen schaden, so den von Taust 
und den seinen aus und in unsers gn. h. Herzog Otten und 
der seinen sloß und stette gescheen ist“. Wegen des Scha¬ 
dens aber, der dem Herzog Otto „an prande und nome“ durch 
Colowrat und Taust geschehen ist, „soll her Hindersich seiner 
gnaden dyener sein und ein jare . . . gewarten und treulich 
dienen, ußgenomen wider unsern gn. h. marggrave Albrechten 
und wider die Cron zu Peheim soll er ime nit schuldig sein 
zu dienen; und wann sein gnade ine in der zeit vordert zu 
dienen und volge zu thun, so soll er ime und den seinen futter 
und koste geben und für redlichen schaden steen als andern 
seinen dienern“. Für solchen Dienst erhält Colowrat 100 rhei¬ 
nische Gulden. Damit soll aller Unwille, Fehde und Feind¬ 
schaft gerichtet und geschlichtet sein „es sej mit prande, nome, 
totsiege und anders“. Alle Gefangenen auf beiden Seiten sollen 
auf „siecht urfehde“ ledig und los sein „und alle schatzunge, 
atzung und prantschatzunge und alle ungeben gelte, es sei 
verpurget oder unverpurget, ab sein und nit geben werden“. 

Der zum Sühnedienst Verpflichtete war nach Umfluss der 
festgesetzten Zeit seines Dienstes ledig, auch wenn er nicht 
gefordert worden war. 

Die Bestandteile des Feldheeres im Frieden. 

Als eine Art von aktiver Wehrmacht können für den 
spätmittelalterlichen Territorialstaat im Frieden gelten: das 
Hofgesinde des Fürsten, die höheren äußeren Beamten mit 
ihren Geraisigen, denen sich andere Bedienstete mit nur einem 
Pferde zugesellten, ein großer Teil des landsässigen Adels, 
endlich eine Anzahl von berittenen Söldnern, die in den Städten 
und auf den Schlössern, zwar in geringer Zahl, aber ständig 
unterhalten werden mußten zum unmittelbaren Schutze dieser 


so ) Fehde- und Friedmachungsbriefe. Fasz. 2. 22. 2. 1451. 

Ähnlich Warmund Rottauer gegen Herzog Albrecht von Oberbayern; 
München 28. 11. 1444. Pers.-Selekt Kotau. 

Archivalische Zeitschrift. Neue Folge. XV1IL 3 


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festen Plätze gegen Überfall sowie zur Erhaltung der allge¬ 
meinen Sicherheit und des Landfriedens ; der zweiten der oben 
genannten Aufgaben suchte man durch Streifen im Vorgelände 
gerecht zu werden. Der eigentliche Wachdienst in den festen 
Plätzen war davon völlig getrennt; er oblag in den Städten 
besonderen Wächtern, in den Schlössern den Stuhlknappen, Tor¬ 
warten und Türmern. 1 ) Mit Ausnahme des landsässigen Adels, 
dessen Lehensbriefe, sofern es sich um Manns-Ritterlehen han¬ 
delte, wegen des Kriegsdienstes nur die Verpflichtung für den 
Belehnten enthielten, 2 ) „das Lehen zu verdienen“ oder „mit 
sein selbs Leibe zu verdienen“, sind für die übrigen oben an¬ 
geführten Gruppen die Bedingungen des mit dem Landesherrn 
persönlich abgeschlossenen Privatvertrages für den Kriegsdienst 
in den zahlreich erhaltenen Bestallungen 3 ) niedergelegt, deren 
Würdigung in einem gesonderten Abschnitte erfolgen wird. 

‘) Ludwig der Reiche erließ am 29. 10. 1471 eine Ordnung für die 
Stuhlknappen, Torwarte und Wächter in Burghausen; N. K. B. 26, 224. 

2 ) Lehenbriefe bei den Gerichtsurkunden, vereinzelt auch in den 

Lehenbüchern. — Als rechte Lehen galten auch andere Lehen, so z. B. 
Burglehen und Erblehen; hier enthalten die Lehenbriefe nichts von 

Treueid oder vom Verdienen des Lehens; so verleiht, Diessenhofen (im 

Thurgau) 15. 7. 1323, Herzog Luipolt von Österreich „dem ehrsamen 
Manne Cunrad von Rotenstain“ — bei Grönenbach, Illertal — den 

Burgstall zu Worringen — Woringen s. v. Memmingen — zu 
einem rechten Burglehen. Herzog Heinrich von Bayern-Landshut ver¬ 
leiht, Burghausen 8. 4. 1403, die Feste Fridburg „Hannsen und 
Conraten Gebrüdern den Kuchlern, ihren Erben und Nachkommen, Söh¬ 
nen und Töchtern, zu einem rechten Erblehen“. Pers.-Sel. Rotenstein 
und Fürstentome 2, 35. — Etwas wesentlich anderes als das Burglehen 
ist die Burghut, die nicht durch Lehensbrief, sondern in der Regel 
als Geldsumme für das Halten raisiger Pferde entweder neben der 

Pflege durch Bestandsbrief, oder selbständig durch Kriegsdienstvertrag 
bewilligt wurde. Pflege und Burghut s. N. K. B. 124, 15: Reicherts- 
hofen 1485; 124, 17: Gerolfing 1473; 124, 80: Neuburg an der Kam- 
lach 1486. Burghut allein: einem militärischen Befehlshaber unter 
dem Pfleger s. Pers.-Sel. Aichberger 1432, Wartter 1432. — Vergl. 
dagegen die Belehnung des Ritters Schenck zu Reicheneck bei Hers- 
bruck mit bisherigem, an den König von Böhmen verkauften „Eigen¬ 
gut“ „widergegeben zu einem ewigen burchlehen mit dinst, die zu 
verdienen, auf dem Rotenberg“ bei Schnaittach. Ger. Urk. Herrschaft 
Rothenburg. Fasz. 1. 21. 2. 1363. 

3 ) Gerichtsurkunden, Personenselekt, Neuburger Kopialbücher, Für¬ 
stentome, Haus- und Familiensachen. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 35 


Der territoriale Lehenskriegsdienst. 

Vor der Besprechung der einzelnen Teile der aktiven Wehr¬ 
macht Bayerns muß ein kurzer Blick auf den immer mehr ver¬ 
fallenden Lehenskriegsdienst geworfen werden, da er trotz 
allem im 15. und auch noch im 16. Jahrhundert ein immerhin 
beachtenswertes Kontingent zum Kriegsheere stellte. 

Das Lehenswesen, dessen Anfänge noch über die karolin¬ 
gischen Zeiten zurückreichen, hatte für die Kriegsverfassung 
schon vor unserer Periode allmählich Zustände gezeitigt, die 
die feste Zusammenfassung der Streitkräfte in der Hand des 
Königs unendlich erschwerten und dadurch nicht immer jene 
Leistungen erzielen ließen, die man von Heeren, die sich aus¬ 
schließlich aus Qualitätskriegern zusammensetzten, hätte er¬ 
hoffen dürfen. 

In den Territorialstaaten war überdies, schon seit der 
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bemerkbar, durch die Er¬ 
hebung der in freier Einung erstarkten Stände ein Dualismus 
eingetreten, dessen ungünstige Einwirkung auf das Heerwesen 
sich alsbald äußerte. Die starke Lockerung des Untertanen¬ 
verbandes mußte gerade auf diesem Gebiete, wo der straffsten 
Unterordnung grundlegende Bedeutung zukommt, besonders ver¬ 
hängnisvoll werden. 4 ) 

Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ging die Brauchbar¬ 
keit des Lehensverhältnisses als Grundlage für den Kriegs¬ 
dienst in solchem Maße zurück, daß die Fürsten vorzogen, 
sich an Stelle ihrer anspruchsvollen Vasallität der Dienste frem¬ 
der Adeliger und sonstiger Kriegsleute durch den freien 
Soldvertrag in weit ausgedehnterem Umfange als früher 
zu versichern. 

Der Adel war zum großen Teile auch wirtschaftlich 
nicht mehr imstande, aus eigenen Mitteln den Anforderungen 
des Kriegsdienstes zu entsprechen, da die Naturalwirtschaft, 
abhängig vom gegebenen Grund und Boden, aus den ihr da¬ 
durch eng gezogenen Grenzen nicht herauszutreten und den 
Forderungen der durch solche Schranken nicht gebundenen 
Geldwirtschaft nachzukommen vermochte. Die wirtschaftliche 
Lage der Adeligen verschlechterte sich in demselben Maße als 

*) Spangenberg 474. 

3* 


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Wilhelm Beck. 


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der Reichtum der Städte, die von der Geldwirtschaft den glück¬ 
lichsten Gebrauch machten, in die Höhe ging. Wo Adel und 
Bürger auf wirtschaftlichem Gebiete zusammentrafen, waren 
die Edelleute stets der schwächere Teil; ob sie als Verkäufer, 
oder ob sie als Käufer auf den Markt traten, der größere Ge¬ 
winn fiel stets den Bürgern zu. 5 ) 

ln den bayerischen Herzogtümern steht im 15. Jahrhundert 
ein Teil des landsässigen Adels wie anderwärts im Hofdienste 
als Hofgesinde des Landesherrn oder er nimmt die höheren 
äußeren Ämter besonders als Pfleger ein. Häufiger Wechsel 
bringt immer wieder neue Kräfte in den Hofdienst wie in die 
Reihen der höheren Beamten an Stelle der Ausscheidenden, die 
sich auf ihre Besitzungen zurückziehen. Wir treffen daher viel¬ 
fach im Lande auf Adelige, die im Verwaltungsdienste ebenso 
erfahren sind wie im Hof- oder Kriegsdienste. 6 ) 

Im Heere spielte der Adel immer noch die erste Rolle. 
Obwohl er nicht mehr der ausschließliche Kriegerstand 
war, 7 ) bildete er doch auch fernerhin den festen Kern des 
Heeres, in dessen Mitfelpunkt der Landesherr mit seinem Hof¬ 
gesinde stand. 

Wie schon oben erwähnt wurde, enthielten die bayerischen 
Lehensbriefe nur eine allgemeine,, niemals eine zahlenmäßig ab¬ 
gegrenzte Verpflichtung zum Kriegsdienste. 8 ) Die Leistung des 

'■>) Hä nselmann 5. Zu vergl. die rechts- und wirtschafts- 
geschichtlichcn Erörterungen bei Neudegger, Zur Oesch. der Reichs¬ 
herrschaft Laber S. 85 ff. 

6 ) Neudegger, Beiträge 3, 47n. 

") Ein Teil des Adels hatte sich überdies — der Not gehorchend — 
dem Anbau seiner Güter zugewendet, um nicht gänzlich dem wirt¬ 
schaftlichen Ruin zu verfallen. 

8 ) Daß es trotz der Übernahme von Lehen aus der Hand mehrerer 
Lehensherren Vasallen gegeben hätte, die dabei mehr als einem Herrn 
gegenüber eine persönliche Verpflichtung zum Lehenskriegsdienste 
eingegangen wären, ist unwahrscheinlich. Wennschon ein Vasall in 
einem doppelten Verhältnis stehen konnte: als Belehnter eines Fürsten, 
in dessen Gebiete er Landsasse war, und als Inhaber eines Lehens in 
einem andern Territorium, so konnte er doch persönlich nur einem 
Herrn zum Lehenskriegsdienste verbunden sein. Es lag weder im 
Interesse des Vasallen selbst noch auch des Fürsten, das Lchensverhältnis 
auf solche Weise unklar zu gestalten. Ein außerhalb des Territoriums 
gelegenes Lehen, dessen Verleihung einem andern Lehensherrn zustand 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Lehensadels beruhte vielmehr auf seinem freien Ermessen, das 
sich nach Standesrücksichten, nicht aber nach der wirtschaft¬ 


als dem ursprünglichen Landesfürsten, mußte w'ohl in anderer Form 
als des mit persönlicher Kriegsdienstverpflichtung verbundenen rechten 
Manns-Ritterlehens verliehen werden. Es dürfte sich daher kaum irgend 
ein Fall nachweisen lassen, wo einun und demselben Vasallen von zwei 
oder mehreren Lehensherren Lehensbriefe ausgestellt wurden, in deren 
jedem die Verpflichtung enthalten gewesen wäre, „das Lehen mit sein 
selbs Leibe zu verdienen“. Man konnte nicht unmögliche Zustände 
zum beiderseitigen Schaden schaffen. Als Regel wird anzunehmen 
sein, daß der persönliche Lehenskriegsdienst jenem Lehensherrn zu leisten 
war, in dessen Territorium der ständige Wohnsitz des Belehnten lag, 
wofür die Bemerkung im Register der „Ungehorsamen“ vom Jahre 
1460 (N. K. B. 23, 272a) spricht: „Item Schenck von Stegen bey Diet- 
furt ist meins herren (Herzog Ludw’igs des Reichen) lehenman und 
wil meines herren leut nit einlassen; ist Marggrävisch.“ — Ver- 
wickeltere Verhältnisse lösten sich im übrigen von selbst, indem der 
auswärtige Lehensmann, sobald er zur Fehdeerklärung gegen seinen 
Lehensherrn veranlaßt war, mit dem „Absagebriefe“ zugleich das Lehens¬ 
verhältnis aufsagen mußte; vergl. Cgm. 2517 (Formularbuch der Stadt 
Augsburg um 1462) Bl. 51b. Nachdem die Stadt Augsburg dem Kaiser 
ihre Hilfe wider Herzog Ludwig von Niederbayern zugesagt und dem 
Herzog ihren Absagebrief überschickt hat, stellt sich ein „inwonender 
gesw'orner mitbürger“, der zugleich Lehensmann des Herzogs ist, ganz 
auf die Seite der Stadt, kündigt daher dem Herzog die Lehenspflicht 
auf und setzt sich in des Kaisers „frid, unfrid und schirm“. — Daß 
man schon sehr früh der Kriegsdienstverpflichtung gegen mehrere Herren 
entgegenzutreten suchte, zeigt die Constit. de exped. Romana (Fälschung 
um 1160) M. O. LL. Sect. 4, 662 Abs. 5: „Si autem forte, quod absit, 
accidat, ut idem milites diversos dominos propter diversa acquirant 
beneficia . . .“ — Auch in den Kriegsdienstbestallungen findet sich bei 
den „Ausnahmen“ in der Regel nur ein Lehensherr aufgeführt; weitere 
Ausnahmen beziehen sich zumeist auf ein Diener-, nicht auf ein Lehens¬ 
verhältnis. Vergl. dagegen Ger.-Urk. Grafschaft öttingen Fasz. 22: 
Landshut 4. 4. 1486, woselbst zwei Lehensherren ausgenommen werden. 
Der Lehenstreue gegen den ersten, ursprünglichen Herrn vor allem 
durfte sich niemand ohne gesetzlichen Grund entschlagen. — Dem Ver¬ 
kaufe von Allodialgütern durch ihre Landsassen an auswärtige Landes¬ 
herren aber, um sie von diesen als Lehen wieder zurückzuempfangen, 
strebten die Landesherren sicher mit allen Mitteln entgegen. Wenn 
unter Kaiser Ludwig dem Bayern die Grafen zu Schwarzenburg, die zu 
Orlamünde und die zu Honstein eigene Güter an Ludwig übergeben und 
sie von diesem w'ieder „von der Herrschaft zu Baiern wegen“ zu Lehen 
empfangen, so war das wohl nur durch die doppelte Stellung Ludwigs 
als Kaiser und als Territorialherr möglich. Arroden hat in seiner 


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Wilhelm Beck. 


liehen Lage des einzelnen richtete. Das Herkommen war ma߬ 
gebend für die Anzahl der zum Hof- oder Kriegsdienste zu 

„summarischen Registratur Lit. A No. 16 Bl. 11“ folgendes Regest 
überliefert: „Günther, Graf zu Schwartzenburg, des Arnstadt ist, und 
Herman, Graf zu Orlamündt und Herr zu Wimar, geben Rudolstadt, 
Bernhard, Dietrich und Ulrich, Vettern, Grafen und Herren zu Hon¬ 
stein, geben Utinrode, die ihre eigenen Güter waren, in des Kaisers 
Hand und empfahen die wieder von ihm von der Herrschaft zu Baiern 
wegen zu rechtem und redlichem Lehen. Darum verspricht ihnen und 
ihren Erben der Kaiser 900 Mark etc., 300 auf St. Walpurgen, 300 auf 
Martini, 300 von Martini über ein Jahr. Als lang sie zu Feld liegen, 
ist ihnen der Kaiser nichts schuld g zu geben als Bier und Brot. In 
den Festungen soll er sie mit Kost versorgen. Wollt er sie brauchen 
außer Lands, soll er ihnen ihren Willen machen. Was sie gewinnen, 
geben sie dem Kaiser. Was sie von ihren Städten verluren, soll ihnen 
der Kaiser helfen gewinnen und seine Söhne Herzog Ludwigen, Mark¬ 
grafen zu Brandenburg, und Herzog Stephan dahin halten, daß sie 
noch vor dem Obristen über diesen Vertrag ihre Brief aufrichten. Datum 
Würzburg am Mitwochen nach Galli (20. 10.) 1344.“ — Im Gegensätze 
zu vorstehendem vergl. Lamprecht 1, 2 , 1297. Hier findet sich der 
Satz: „es wurde Sitte mehrerer Lehnsherren Vasall zugleich zu sein. 
Einer Kollision suchte man durch vertragsmäßige Ausnahmen innerhalb 
der allgemein bindenden Dienstpflicht auszuweichen.“ Wird jedoch für 
das 15. Jahrhundert eine scharfe Trennung zwischen „Vasallen“ und 
„Dienern von Haus aus“ durchgeführt, so muß das Verhältnis in etwas 
anderem Lichte erscheinen. - Wo in den altbayerischen landständischen 
Freibriefen die Bezeichnung „dinstman“ noch im 15. Jahrhundert und 
darüber hinaus zu finden ist (s. z. B. den 47. u. 48. Freibrief v. J. 
1506 u. v. J. 1508 bei Frh. v. Lerchenfeld S. 119 u. 123), dürfen 
wir annehmen, daß ausschließlich der persönliche Kriegsdienst den 
Grund bildete, wenn einem Lehensträger, der das Lehen „mit sein selbs 
leibe“ zu verdienen hatte, und wohl nur diesem immer noch der ver¬ 
altete Name „dinstman“ anhaftete. Vergl. dazu Rockingers Ein¬ 
leitung S. 184n. 452 u. Kluckhohn, Die Ministerialität in Siidostdeutschl. 
S. 28. Nachdem sich von den beiden grundlegenden Merkmalen der 
Ministerialität, dem Verwaltungsdienste und dem Kriegsdienste, der erste 
vom Lehenswesen abgezweigt und schließlich, im besoldeten Beamten¬ 
tum auf Ruf und Widerruf, selbständig und vom Lehenswesen unab¬ 
hängig gemacht hatte, blieb für die allmählich abgehende Kategorie der 
„Dienstmannen“ als einziges wesentliches Merkmal nur der Kriegsdienst 
übrig. Wer also in späterer Zeit Landstand und Kriegsmann war, 
ohne einer der Adelskategorien anzugehören, fiel unter die herkömmliche 
Bezeichnung „Dienstmann“. Da im Laufe des 15. Jahrhunderts stand¬ 
schaftsberechtigte Hofmarksherren auch aus den Reihen des städtischen 
Patriziats hervorgingen, bezeichnete man diese nichtadeligen Landstände 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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stellenden Pferde, und diese Zahl mußte der Vornehmheit des 
einzelnen, die ungeschriebene Standesgesetze regelten, ent¬ 
sprechen. So schwankte die Zahl der zu stellenden Gewapp¬ 
neten und Pferde im 15. Jahrhundert zwischen 32 und zwei 
Pferden; wenn das Gefolge eines Ritters nur aus einem ein¬ 
zigen berittenen und gewappneten Knechte bestand, hatte dieser 
wohl die Obliegenheiten des persönlichen Dieners mitzuver¬ 
sehen. Eine listen- und ziffermäßige Festsetzung und Zuferti¬ 
gung durch den Landesherrn wäre nach den herrschenden Stan¬ 
desbegriffen unmöglich gewesen. Das schließt jedoch nicht 
aus, daß die herzogliche Kanzlei für sich Übersichten anlegte, 
aus denen die ungefähre Zahl der Pferde, auf die man rechnen 
zu dürfen glaubte, zu ersehen war. Die Grundlage bildete 
sohin die Erfahrung früherer Leistungen, wohl auch — vor¬ 
sichtig eingezogene — Erkundigungen der herzoglichen Pfle¬ 
ger, in deren Amtsbereiche die Adeligen saßen. 9 ) Entschuldi¬ 
gungen und direkte Absagen der Pflichtigen im Bedarfsfälle 
beeinträchtigten aber die Verlässigkeit solcher Voranschläge 
ganz erheblich. 10 ) Eine der wenigen Zusammenstellungen, die 

als „Dienstmanncn“, wenn sie, wie ich vermute, zugleich zu persön¬ 
lichem Lehenskriegsdienste verpflichtet waren; vergl. a. Frh. v. Ler¬ 
chenfeld 97 „edln u. dinstleuten“. 

Zum Vergleiche mag eine Stelle hier Platz finden, wo noch im 
alten Sinne der Dienstmann den Grafen und Freien als „Ministeriale“ 
angereiht wird: „doch sullen den gottesheusseren, graven, freven und 
dinstmannen ihre rechte bleiben an ihren dorfgerichten und wer 
die ze recht hat von alter gewonheit“: Oefele, Script, rer. B. 2, 119, 
abgedr. bei Krenner, Land- usw. Gerichte S. 53, z. J. 1293. 

9 ) Herzog Heinrich der Reiche von Niederbayern machte zwar schon 
im Juni 142S den Vorschlag: „daß jeder Pfleger alle Ritter und Knechte, 
Reiche und Arme, zu sich beschicke, um zwei aus ihnen zu wählen; 
mit diesen soll er auf jeden Ritter und Knecht eine Anzahl ge- 
raisiger Pferde legen nach Vermögen, darüber Zettel fertigen und die 
nach Hof schicken. Ist einer zu alt, so soll er seinen Sohn schicken.“ 
Frh. v. Freyberg 1, 407. Der Herzog wird aber mit diesem, dem 
eingewurzelten Herkommen zuwiderlaufenden Vorschläge bei seinen Land¬ 
ständen schwerlich durchgedrungen sein; der „Anschlag zu einem Krieg“ 
vom Sommer 1434 enthält wenigstens nur vereinzelte Zahlen für die 
von den Edellcuten zu stellenden Pferde und begnügt sich sonst mit 
der Forderung, daß die Pfleger oder Richter „mit allen Rittern und 
Knechten“ ihres Bezirkes zu erscheinen haben. Mil. 47, 13 ff. 

,0 ) Ein besonderes Register „vermerkt die Ungehorsamen“, die sich 


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über die Leistung eines ganzen Territoriums Aufschluß gibt, 
betrifft Niederbayern im Jahre 1443, sohin vor der Einver¬ 
leibung des ingolstädter Gebietes; in dem etwa auf die Hälfte 
von ganz Altbayern zu schätzenden Niederbayern werden 1134 
Pferde der Edelleute ausgewiesen. 11 ) 

Gegenüber den nicht seltenen Anschlägen, die nur auf den 
Bedarf einer bestimmten kriegerischen Unternehmung zuge¬ 
schnitten sind, 12 ) dürfen wir hier eine Einschätzung der Ge¬ 
samtleistung an Adelspferden vermuten. 

Eine undatierte, in Form eines Vorschlages gehaltene 


bei der Mobilmachung gegen den Markgrafen Albrecht Achilles im März 
1460 auf die Aufforderung des Herzogs Ludwig von Niederbayern nicht 
stellten. N. K. B. 23, 271. 

11 ) Mil. 48, 69—91. Von der Gesamtheit der bei den Gerichten 
aufgezählten Pferde (1272) sind die mitaufgeführten Pferde der Pfleger 
(138) abzuziehen. Wie schwankend je nach ihrem Zwecke diese 
Kanzleiaufstellungen waren, zeigen die Zahlen bei Riezler 3, 718, die 
einer im gleichen Aktenbande unmittelbar vorher eingebundenen Über¬ 
sicht vom gleichen Jahre entnommen sind und nur 395 auf einen Bruch¬ 
teil der Ritterschaft entfallende Pferde ausweisen. — Im Jahre 1488 
scheint man zum erstenmale den Versuch gemacht zu haben, bei den 
Edelleuten selbst anzufragen, „wie stark ein jeder gerüst zu Roß in 
ein Feld kommen will“. N. K. B. 90, 202. Leider sind in dem für den 
ganzen Umfang des niederbayerischen Landesanteils angelegten Verzeich¬ 
nis die Zahlen für die Pferde nicht durchweg ausgesetzt. Bezeichnend 
ist die Erklärung des Moriz Sandizeller aus dem Gericht Schrobenhausen: 
„hat sich auf Herzog Georgen verwilligung zu Herzog Sigmunden mit 
dinsten verpflicht; so es aber seinen gnaden (dem Herzog Georg) ge¬ 
meint were, wolte er solhen dinst aufschreiben und im Lande mit vier 
pferden gewartend sein.“ Linhart Gumppenperger im Gerichte Rain 
„wil mit fünf oder sechs pferden kumen und auf begern bey funft- 
zehen fußknechten bringen“. 

12 ) Für Niederbayern Nieder- und Oberland — werden im Juni 
1458 an Geraisigen von Rittern und Knechten, die nicht Amt haben, 
259 Pferde aufgeführt, die man wohl zur Hilfe für den Pfalzgrafen in 
Aussicht genommen hatte. N. K. B. 36, 132. — Eine undatierte Über¬ 
sicht, wohl vom August 1461: „Ludwig etc. Vermerkt, wen wir für¬ 
genommen haben zu schicken unserm Vettern dem Pfalzgrafen“, weist 
550 Pferde aus, unter denen sich aber auch solche aus dem Hofgesinde 
und von Dienern von Haus aus befinden. N. K. B. 36, 140. — Etwa in 
das Jahr 1444 gehören drei Anschläge auf 200, 400 und 740 Pferde, 
bei denen die Adeligen ohne Amt ebenfalls nicht besonders ausge¬ 
schieden sind. N. K. B. 87, 263. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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Mobilmachungsvorarbeit, wahrscheinlich vom Herbst 
1458, bemerkt wegen des geraisigen Zeugs u. a.: Die Pfleger 
und Amtsleute müssen jederzeit ihre Anzahl Pferde bereit haben. 
Die andern Ritter und Knechte aber sollen gefragt werden, 
wieviel Pferde der einzelne ständig halte; darauf wäre jeder 
zu ersuchen, nicht bloß diese Zahl ständig für den Krieg be¬ 
reit zu halten, sondern auch noch etliche Pferde dazu. Auf 
jedes dieser übrigen Pferde solle man zehn Pfund Pfenning „in 
das Haus heim“ geben. So käme man mit wenig Geld zu 
einer großen Zahl guter Leute, über die man im Ernstfälle 
auch wirklich verfügen könne. Wenn dann andere Herren sähen, 
daß man so mit guten Leuten in Bereitschaft sei, werde man 
ohne Zweifel um so weniger „angesucht“ werden. 13 ) Die „Be¬ 
stellung auf Rüstgeld“, die sich im Jahre 1459 findet, ist wohl 
auf diesen Vorschlag zurückzuführen, 14 ) der im übrigen nicht 
vor dem Jahre 1488 reif für den Vollzug werden sollte. 

Trotz des unaufhaltsamen Niederganges des Lehenskriegs¬ 
dienstes scheinen die Lehensmannen in Bayern der Leistung 
des Kriegsdienstes in natura auch während des 15. und 16. Jahr¬ 
hunderts noch keine grundsätzlichen Schwierigkeiten entgegen¬ 
gestellt zu haben. 15 ) Mit der Geschlossenheit der Grenzen des 
Gesamtterritoriums verband sich hier in glücklicher Weise die 
gefestigte Autorität der Landesherrschaft, die mit starker Hand 
da Zugriff, wo es nottat. Den Ansprüchen der Lehensmannen 
auf vollen Unterhalt und Ersatz der Kriegsschäden auch bei 
Diensten innerhalb des Landes, Ansprüchen, die wie ander¬ 
wärts, 16 ) so auch in Bayern frühzeitig hervortraten, wurde da¬ 
bei stets entgegenkommend Rechnung getragen. 

») N. K. B. 87, 251. 

u ) S. im Abschn. „Hie Diener von Haus aus“ gegen den Schluß. 

16 ) Schwierigkeiten boten sich ohnedies genug durch die Abwand¬ 
lung der allgemeinen Verhältnisse, wie oben ausgeführt wurde. 

16 ) Als Sühne für irgend eine Missetat will der Ritter Ulrich der 
Ältere von Mur dem Bischof von Eichstätt mit zwei geraisigen Pferden 
dienen innerhalb des Burghutbezirkes seines Sohnes „seu spacium sex 
miliarium sub periculo et expensis propriis . . . ; si vero ultra ex- 
pressum hujusmodi spacium laborare forsitan aut procedere me contin- 
get, extunc expensarum provisio et periculorum refusio michi, 
sicut aliis suis servitoribus mecum procedentibus, qui militaris 
condicionis fuerint, per ipsum dominum episcopum resarciri cum integri- 


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Ein Ausschreiben Herzog Albrechts vom 24. Januar 1488 
an die Lehensleute läßt aus dem rein geschäftlichen Tone er¬ 
kennen, daß man auch in den letzten Jahren des Jahrhunderts 
mit keinen Schwierigkeiten bei der Gestellung der Lehensleute 
rechnete; 17 ) ein späteres Schreiben Albrechts, 29. März 1504, 
beim Ausbruche des Landshuter Erbfolgekrieges zeigt gleich¬ 
falls den gewohnten Kanzleistil. 18 ) 

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde, wenn 
auch schließlich nur auf dem Papiere, an der Natural¬ 
gestellung der Lehenspferde festgehalten, wie aus einem Gut¬ 
achten des kurfürstlich bayerischen Lehenhofes vom Juli 16Q3 lf> ) 
hervorgeht, daß nach Lehenrecht jeder Vasall, der ein Ritter¬ 
lehen inne hat, von dem in Veränderungsfällen nur die Re- 
kognition „des Ritter-Schießzeug-Tax“ entrichtet wird, verbun¬ 
den ist, das Lehen, wenn es die Defension des Vaterlandes 
erfordert, mit seinem selbst Leibe zu verdienen und zu solchem 
Ende auf ordentliche Aufforderung mit einem gerüsteten 
Pferde zu erscheinen, „allermaßen die Lehenspflicht und die 
Lehenreverse expresse dahin eingerichtet, das Lehen getreulich 
zu verdienen“. Der Lehenhof vermag aber aktenmäßig festzu¬ 
stellen, daß schon im Jahre 1632 bei dem Einfalle der Schweden 
an Stelle eines Lehenpferdes 50 Gulden gefordert worden seien, 


täte dcbebit.“ Evstet 15. 8. 1303. Mon. Boic. vol. 49. N. F. 3, 
501. — Auf einem oberbaycrischen Landtage zu Straubing, 10. 5. 1437, 
wurde für zehn Jahre vereinbart: „wann wir (Herzoge Ernst und 
Albrecht) unsere Ritterschaft bedürfen werden zu raisen oder zu be¬ 
setzen inner oder ausser Lands, das länger dann einen Tag währen 
würde, so wollen wir die Ritterschaft mit Gezeug, auch Kost und andere 
Sachen, die Fürsten zugehören, zu bezahlen und auszurichten ohne 
Schaden halten.“ Krenner 2, 59. 

17 ) „so ermahnen wir dich deiner Lehenpflicht uns gethan, ernst¬ 
lich begehrend dich zu rüsten und gerüstet zu halten und mit Wehre, 
Harnasch und sonst also darnach zu richten, wann wir dich nächst . . . 
in ein Feld . . . erfordern, daß du alsdann förderlich ... zu kommen 
geschickt . . . seiest.“ Krenner 8, 528. 

,8 ) Krenner 9, 553. 

,9 ) Die interessanten Ausführungen des Lehenhofes und der Hof¬ 
kammer, München 25. 7. 1693, finden sich im Cgm. 1822a S. 549 ff. 
..Der bairischen Lehnvasallen Defensionspflicht“; Seite 567 folgt ein 
Rechtsgutachten wegen der Umwandlung des Ritterdienstes in einen be¬ 
stimmten Geldbetrag. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 43 

während die Hofkammer anfügt, daß der Lehen-Ritterdienst mit 
einem Pferde das letzte Mal im Jahre 1684 in Anspruch ge¬ 
nommen worden sei. Billigerweise müßte man bei der jetzigen 
Kriegsgefahr ebenso verfahren, „allein weilen das persönliche 
Aufbot oder Stellung eines gerüsten Reiters etwa inkon¬ 
venient zu sein scheinet und es eine unanständige Sache wäre, 
wenn einer von Adel, welcher in Person erscheinen würde, neben 
einem gemeinen Kerl, den ein anderer stellen könnte, reiten 
und dienen sollte, neben dem, daß in solchem Fall eine ganz 
ungleiche Bewehrung und Rüstung herauskommen würde, also 
halten wir dafür, daß vielmehr auf einen Geldbeitrag das Ab¬ 
sehen zu machen sei, dergestalt, daß für ein zu stellen schul¬ 
diges Pferd soviel zu erfordern sei, als zu Werbung und Mun- 
dierung eines Reiters erfordert wird. Nun kommt dieser Zeit 
ein Reiter auf die sechzig Reichsthaler oder neunzig Gulden.“ 
Besondere Rücksichten lassen es als genügend erscheinen, wenn 
von jedem Vasallen sowohl „in als außer Landes“ für diesmal 
nur fünfundsiebzig Gulden für ein Pferd erfordert würden. 20 ) 

Doch wenden wir uns von diesen Äußerungen eines lang¬ 
andauernden Hinsiechens zu unserem eigentlichen Gegenstände, 
zu der Besprechung der einzelnen Teile der aktiven Wehr¬ 
macht Bayerns im 15. Jahrhundert. 

Das Hofgesinde. 

Als Überrest aus den Zeiten der Naturalwirtschaft, wo 
die reichen Naturaleinkünfte an den verschiedenen Lieferorten 
aufgezehrt werden mußten, zählten in Bayern bis zum Jahre 
1293 alle „Grafen, Freien und Dienstmannen und alles Land¬ 
volk“ (Landsassen) in gewissem Sinne zum Hofgesinde. 21 ) Von 


20 ) Über eine weitere Verschleppung der längst veralteten Ein¬ 
richtung bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts vergl. Staudinger 2, *, 
852. — v. Hoffmann 4. Inf.-Rgt. S. 5 erwähnt als eine der letzten 
Aufforderungen zur Erlegung der Geldgebühr für Lehen- oder Ritter¬ 
pferde die vom 30. 8. 1741. 

21 ) Die Hofordnung vom Jahre 1293 bezeichnet in Bayern das 
Ende der alten „familia“ der Herzoge, bis dahin aus der Gesamt¬ 
heit ihrer Ministerialen bestehend, die sich aus dem früheren Stande 
teilweiser Unfreiheit zum niederen Adel umgebildet hatten. Die neue 
familia, das „Hofgesinde der Ordnung v. J. 1293“, wird durch den 


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nun an wurden nur die ausdrücklich Eingeladenen bei Hofe 
beherbergt und verpflegt; alle übrigen sollten unaufgefordert 
nicht mehr zu Hofe kommen ; wer freiwillig erschien, hatte auf 
eigene Rechnung zu zehren. 22 ) Ein Personaletat vom folgen¬ 
den Jahre, der auch die Zahl der am Hofe zu verpflegenden 
Pferde enthielt, bildete die Grundlage für alle nachfolgenden 
derartigen Etats, die, wie es scheint, genau eingehalten wur¬ 
den. 23 ) Dem Streben nach einem geordneten Hofhalte traten 
freilich die späteren Teilungen, die mehrere getrennte Hof¬ 
haltungen mit sich brachten, immer wieder störend entgegen. 
Man unterschied das ritterliche Hofgesinde, zu dem auch die 
Räte zählten, von den für nicht ritterliche Dienstleistungen be¬ 
stimmten niederen Dienern. Eine Dreiteilung des Hofgesindes 
lassen die Tisch- und Sitzordnungen bei Hofe erkennen, wo¬ 
nach rangweise auf Silber, Zinn oder Holz gespeist wurde. 
Die Bestimmung, daß man niemandem ein Pfandlos geben solle 
außer an der Schmiede, läßt schließen, daß die Schmiede als 
Lehen vergabt war und außerhalb der Hofverwaltung stand. 

Noch im 15. Jahrhundert war das Hofgesinde mit wenigen 
Ausnahmen vollständig für den Dienst im Felde gerüstet und 
bereit, bei allen Anlässen mit dem Herzoge auszuziehen. Die 
Zahl der „laufenden Knechte“ wurde daher durch die Etats 
aufs äußerste beschränkt. Neben den Viztumen und dem Hof¬ 
meister hatte der Marschall die Einhaltung der etatsmäßigen 
Zahl solcher unberittenen Knechte zu überwachen, was wohl 
vor allem im Interesse einer ständigen Marschbereitschaft des 


Personaletat des folgenden Jahres ziffermäßig genau abgegrenzt nach 
dem tatsächlichen Bedürfnisse des Hofhaltes. Die Geldwirtschaft zwingt 
zur Sparsamkeit; die üppigen Zeiten der Naturalwirtschaft mit ihrem 
Überfluß an Naturalabgaben sind endgültig vorbei. 

3ä ) v. Maurer 2, 351. Die Hofordnung von 1293 in Qu. u. Erört. 
fi, 13, der Personaletat von 1294 ebenda 6, 53; erläutert bei Neudeg- 
ger 3, 35 ff. 

-■') Ein oberbayerischer Etat vom Jahre 1464 bei Neudegger 3, 
42. Wie genau man zuweilen verfuhr, zeigt die Aufnahme eines ein¬ 
spännigen Knechtes ins Hofgesinde. Er kam aus dem Dienste des 
Grafen Wolfgang von Schaumberg mit zwei Pferden ; da aber für einen 
Einspännigen bei Hof nur ein Pferd etatsmäßig war, erhielt er nur 
den Sold auf ein Pferd von 16 rh. Gulden. N. K. B. 79, 81b. Lands¬ 
hut 25. 11. 1484. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 45 


Hofgesindes geschah. 24 ) Verzeichnisse aus den letzten Regie¬ 
rungsjahren Heinrichs des Reichen von Bayern-Landshut weisen 
gegen vierzig „Räte“ und etwa ebensoviele Personen als „stäti- 
ges Hofgesind“ aus; 25 ) für dieses allein, ohne die Räte, sind 
etwas mehr als 100 Pferde vorgetragen. Nimmt man aus einem 
Verzeichnisse von 144 3 26 ) die Pferde der Räte bei Hof, nach 
Abzug der im Lande sitzenden, hinzu, so ergibt sich ein Stand 
von gegen 300 Pferden, die ständig bei Hof verpflegt wurden. 

Im ersten Jahre der Regierung Ludwigs des Reichen (1451) 
finden sich als Hofgesinde gleichfalls gegen achtzig Personen, 
jedoch mit nur etwa 200 Pferden; 27 ) es ist daher eher eine 
Verminderung als eine Mehrung des Standes eingetreten. Ihnen 
reihen sich an: 62 Räte „im Lande gesessen“, 28 ) darunter sieben 
auch beim Hofgesinde aufgeführte mit dem Marschalk Herrn 
Oswald von Törring. Es folgen 5 Räte „außer Lands“, 18 „Die¬ 
ner außer Lands“, endlich 10 „gelehrte Räte inner und außer 
Landes“. Der Rat bestand aus einer Anzahl Gelehrter, darunter 
einzelne Dekane, und Adeliger; die zuletzt genannten hatten 
wohl durchweg schon früher Gelegenheit gehabt, sich im Rats¬ 
dienste am bayerischen oder an einem anderen Hofe vorzu¬ 
bereiten und zu bewähren. 29 ) 

Die Aufnahme in das Hofgesinde galt, aus denselben Grün¬ 
den wie heutzutage, auch im 15. Jahrhundert als ehrenvoll und 
erstrebenswert. Wir finden daher nicht selten vornehme Adelige, 
die ohne Sold bei Hofe dienen oder unter Vermeidung des 
Wortes „Sold“ einen Jahresgehalt „von Gnaden wegen“ be- 


24 ) Einem laufenden Knecht, der über dem Etat betroffen wird, 
sollen beide Ohren abgeschnitten werden. 

«) Um 1447: Mil. 48, 42; um 1448: N. K. B. 87, 285. 

26 ) Mil. 48, 51. 

27 ) Von der Summe von 240 sind 33 Pferde für Räte außerhalb des 
Hofes abzuziehen. Die eigenen Pferde des Herzogs sind nicht aufgeführt. 

28 ) Bei diesen im Lande sitzenden Räten finden sich auch der Hof¬ 
meister Alban Klosner und der Kammermeister Wilhelm Fraunberger; 
beide fehlen dagegen vorne beim „Hofgesinde“. N. K. B. 34, 404: Herzog 
Ludwigs Räte und Hofgesind 1451. 

29 ) Daß die Pfleger nicht an sich schon herzogliche Räte waren, 
zeigt ein Bestallungsvermerk vom 22. 4. 1478: N. K. B. 81, 313: Wil- 
halm Rottauer, Pfleger zu Vilshofen, ist heut zu Rat aufgenommen wor¬ 
den; Landshut an Mittwoch nach Sonntag Cantate 1478. 


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Wilhelm Beck. 


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ziehen. 30 ) Aber auch die materielle Versorgung mag manchen 
in den Hofdienst gezogen haben, wo Verpflegung, Unterkunft 
und Pferdefutter, dazu ein- oder zweimal im Jahre ein Hof¬ 
kleid 31 ) gewährt wurden. 

Trotz der sonst genauen Einhaltung des Etats scheinen 
doch bisweilen Leute, die besondere Kenntnisse oder Fertig¬ 
keiten besaßen, über den Etat aufgenommen worden zu sein ; 
so heißt es am 16. November 1478 von einem Böhmen An- 
dreschko: 32 ) „Derselb Knecht ist ein Jahr zu Diener bestellt; 
soll in dem Hof sein und zwei Pferd haben ; man soll ihn auch 
sunst halten wie ander Zwirüsser. Er soll zu Qebäuen wohl 
können.“ Für jedes Pferd erhielt er 16 Gulden Jahressold und 
eine „Pesserung nit über 8 Gld.“. Als Anstellung über den 
Etat wird es zu betrachten sein, wenn Utz Künyng am 17. Mai 
1469 „zu Diener auf ein Jahr bestellt wird, am Hofe zu 
s e i n“. 33 ) 

In der nächsten Umgebung der Herzoge finden wir nicht 
etwa die höchsten Ämter des Hofmeisters und des Kanzlers, 
sondern die Ho f r i 11 e r, 31 ) meist fremde, fahrende, viel er¬ 
zählende, Kurzweil und auch Kriegskunst treibende Herren, 
die sich im Hauptamte als Repräsentationsfiguren darstellen. 
Als Ritter von Beruf konnte ihnen außerdem die Heranbildung 
der etatsmäßig am Hofe weilenden jungen Adeligen, der Hof- 
junker, in den ritterlichen Fertigkeiten und für die Hofämter 
übertragen sein. 

Im Kriegsfälle verstärkte sich das Hofgesinde teils durch 
Erhöhung der Pferdezahl aus den eigenen Ställen einzelner 
Adeligen, teils durch die Pfleger mit ihrem Gefolge, sodann 
durch die Diener von Haus aus ; die beiden zuletzt genannten 
Kategorien bilden sohin im Frieden einen engeren und einen 

30 ) Caspar Nothaft wird am 12. 3. 1462 mit sieben Pferden zu 
Hofgesind aufgenommen und erhält auf jedes Pferd jährlich 10 Gulden 
„von Gnaden wegen, nit in Soldes Weis“. N. K. B. 81, 69b. 

31 ) Gewährung von Kleidern zweimal im Jahre schon im Kölni¬ 
schen Ministerialenrechte (XI, um 1160), abgedr. i. d. Mitt. a. d. 
Stadtarchiv v. Köln, hrsg. v. Höhlbaum l, 3 , 4 ff. Köln 1883. 

3S ) N. K. B. 81, 316. 

33 ) N. K. B. 81, 79. 

34 ) Hofritter in der Ordnung von 1294. Über ihre Verwendung s. 
Neudegger, Beiträge 3, 121. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


47 


weiteren Ring um den Kern des Hofgesindes, mit dem sie im 
Mobilmachungsfalle verschmelzen. Im 16. Jahrhundert warnt 
der Hofmarschall Pankraz von Freyberg 35 ) den Herzog nach¬ 
drücklich, Leute als Hofgesinde zu erhalten, die nur in Frie¬ 
denszeiten am Hofe, im Falle der Not aber bei anderen 
Herren 30 ) wären. Praktischen Blickes fügt er bei: „Doch da 
man sich anhaims nit zu besorgen hat, ist nit bös, daß denen, 
so von Ehren und Erfahrung willen einen Zug tun wollten, 
mit Gnaden und guter Befurderung erlaubt wurdt.“ 

Im weiteren Sinne zählten zum Hofgesinde die Hauspfleger 
und die Einspännigen 37 ) auf den von solchen Pflegern ver- 


ib ) Hohenaschauer Archiv: Albrechts V. Hofstaat 1557 (im Reichs¬ 
archiv). 

36 ) Das Aufgebot des Lehensherrn zum Kriegsdienste ging jedem 
anderen Dienste vor. Freyberg weist daher mit seiner Warnung den 
Herzog darauf hin, auch zum Hofgesinde nur Landsassen des eigenen 
Landes zu bestellen. 

i ~) Vom Einspännigen in des Wortes allgemeiner Bedeutung, dem 
Soldreiter mit einem Pferde, der entweder nur über einen unberittenen 
Buben verfügte oder sein Pferd selbst versorgen mußte, ist der inner¬ 
halb des Etats für das Hofgesinde ausdrücklich als „Einspänniger“, 
als „einspänniger Knecht“ oder auch als „Einspänniger am Hof“ an- 
gestellte herzogliche Diener zu unterscheiden. Wir finden ihn schon 
im Hofetat vom Jahre 1294 als „Einrüsser“. Diese Einspännigen am 
Hofe schieden sich in junge Herren vom Adel und in gewöhnliche 
Soldreiter, die jedoch, nach ihrer Verwendung zu schließen, beson¬ 
ders gewandt und findig sein mußten. Nähere Aufschlüsse enthält die 
Bestallung des Wilhelm Schenckh, der am 1. 2. 1565 zu Herzog 
Albrechts V. „haubtinan über unsere jetzige und künftigen ainspennigen 
an unserm hof allhie“ in München angenommen wurde. (Pers.-Sel. 
Schenck überhaupt.) Die Einspännigen sollen „in bede weg als ain 
spiesser oder schütze zu gebrauchen wolgerüst“ sein. Der Hauptmann 
soll „da dann wir oder die unsern im zug über land sein werden, die 
rechten wege und Strassen auch furten ordenlichen füern, das vor- und 
nachtraben bestellen, und wo not sein will, die höhen und vortl im 
ziehen einnemen, die landsarten und halten besichtigen, beschaid nemen 
und geben lassen . . ., volgend in unsern nachtlegern die ordenliche 
wacht . . . bestellen und daneben sich selber, auch unsere ainspenigen 
in den herbergen in gueter gewar, nichtrigkait und aufmerkung er¬ 
halten ; im fall der noth alsbald bei unserm losament oder herbergen 
zu erscheinen . . . über das als hauptman darob sein, das sich unsere 
ainspenigen jederzeit gegeneinander rueblichen und fridlichen erzai- 
gen . . .“ Bei den Vorarbeiten für den Hofetat des Jahres 1574 


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Wilhelm Beck. 


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walteten, sohin nicht als Lehen vergabten herzoglichen Schlös¬ 
sern, wie Isareck. 

Das gesamte Hofgesinde, auch in den untersten Stellen, 
unterscheidet sich dadurch von allen andern durch Vertrag Be¬ 
stellten, daß es der Regel nach Anspruch auf die Verpflegung 
aus der Hofküche hatte, auch im Felde. Wo eine Hofküche 
nicht „aufgeschlagen“ war, wie in den herzoglichen Schlössern, 
mußten besondere Vereinbarungen mit den dort angestellten 
Dienern getroffen werden. 

ln gewissem Sinne kann das Hofgesinde als Vorläufer 
der stehenden Truppen betrachtet werden. 38 ) 

Die äußeren Beamten. 

Wie das Hofgesinde, so waren die äußeren Beamten durch 
freien Dienstvertrag, der auch die militärischen Leistungen 
regelte, der Person des Herzogs verbunden. 

Im 42. Freibriefe 39 ) gesteht Herzog Albrecht von Ober¬ 
bayern seinen Ständen zu, fernerhin mit keinem Gast weder 
Rat, Pfleg noch Amt zu besetzen, etwa zwei bis drei ausgenom¬ 
men nach der Landherren und Räte Rat, doch daß sie das Land 
nicht regieren helfen. „Aber zu Hofgesind mögen wir Gäst 
wohl aufnehmen und haben.“ 


(Fürstenakten Fasz. 29 No. 364) heißt es: „Die Ainspenigen seindt 
notwendig zu erhalten. — Man möeht mit 20 oder 21 auskommen; 
dann die sollen auf unsern gnädigen Fürsten und Herrn auf den Straßen 
und in Legern warten, zum Für-, auch Hin- und Wiederschicken, mit 
den Räten, die verschickt werden, ze reiten, zum Straifen und andern 
dergleichen Ritten, wie die jederzeit auskommen, . . . gebraucht werden.“ 
Bis zur Aufstellung einer eigenen berittenen Leibgarde im Jahre 
1592 verrichteten sohin die Einspännigen deren wesentliche Dienste. — 
Vergl. eine ganz ähnliche Bestallung, wie oben, für Brandenburg 1572 
bei Jany 20. 

3B ) Die Errichtung der ersten stehenden Truppe in Bayern 
fällt in das Jahr 1592, als neben den Trabanten auch eine berittene 
Leibgarde: „die Schützenreiter“ oder „Schützenpferde“ aufgestellt wurde; 
die älteste Namensliste in: Fürstenakten Fasz. 35 No. 419. Das von 
Staudinger 1, 52 übernommene Errichtungsjahr 1580 ist nicht nach¬ 
zuweisen. 

39 ) München am Mittwoch nach unser lieben Frauen Tag ihrer 
Schiedung (16. 8.) 1458; Frh. v. Lerchenfeld 103 und Rockinger 
Einl. 279. 



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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


49 


Auf Verzeichnisse, besonders der oberen äußeren Beamten, 
der Pfleger, treffen wir nicht selten in den Archivalien des 
15. Jahrhunderts, leider nicht durchweg unter Angabe der im 
Kriegsfälle zu stellenden Pferde. 40 ) Für die sämtlichen äußeren 
Beamten Niederbayerns sind im Jahre 1443 303 Pferde ver¬ 
merkt. 41 ) Erst im Jahre 1488 findet sich wieder ein Verzeich¬ 
nis, 42 ) das die Leistung fast sämtlicher Beamten der fünf 
nieder bayerischen Kreise — Oberland, Landshuter, Burg¬ 
hauser, Wasserburger, Weidner Teil — ersehen läßt; für diese 
Beamten mit Einschluß der Fürsprechen, Förster, Überreiter, 
Wolfsjäger 43 ) und Schergen sind etwa 530 bis 550 Pferde 
ausgewiesen ; wird zur Ergänzung der Lücken, wo Zahlen fehlen, 
eine annähernd zutreffende Erhöhung um 30 Prozent angenom¬ 
men, so ergeben sich für alle Beamten etwa 700 gerüstete 
Pferde im Kriegsfälle. Diese Zahlen lassen jedenfalls inner¬ 
halb vierzig Jahren keinen Rückgang in den vertragsmäßigen 
Leistungen der Beamten erkennen, wie denn auch kein Grund 
vorlag, bei den Dienstbestallungen in den Forderungen für den 
Kriegsfall nachzulassen. 

Eine Übersicht der von den oberbayerischen Beamten 
zu stellenden Pferde um das Jahr 1504 ergibt für das Oberland- 
München 95 Pferde, für den Nordgau 46 Pferde, für das Nieder¬ 
land-Straubing 96 Pferde, sohin zusammen 237 Pferde. Außer 
den Pflegern und Richtern sind nur einzelne Kästner, Ungelter, 
Förster und einspännigen Knechte aufgeführt. 44 ) 

40 ) Niederbayern 1426: N. K. B. 1872, 313b; 1428: Fürsten¬ 

akten No. 1667 2 , 21b; N. K. B. 187 2 , 316; 1435: Mil. 48, 30; 1443: 
Mil. 48, 53 u. Mil. 48, 74 u. N. K. B. 87, 222; um 1446: N. K. B. 86, 
19 (unvollständig); 1450: N. K. B. 82, 157; 1502: N. K. B. 82, *, 

178 — 189; zur Ergänzung dieser Beamtenlisten muß auch das unvoll¬ 
ständige Bestandsbuch, 1449 bis 1523, im N. K. B. 124, 9—480 heran¬ 
gezogen werden. — Straubing 1427: N. K. B. 1, 32b u. 1872, 336b; 
1428: N. K. B. 187*, 316. — Oberbayern um 1479: Mil. 47, 72; 
1492: Mil. 47, 148. — S. a. Neudegger, Beiträge 3, 152 —175. 

41 ) Mil. 48, 53; benützt von Riezler 3, 718. 

42 ) N. K. B. 90, 202—289; es fehlt nur die Markgrafschaft Burgau. 
Die Namen der Edelleute dieser Markgrafschaft im N. K. B. 82, l , 258. 

43 ) Die Bestallung je eines Wolfsjägers im Neumarkter und Teis- 
bacher Gericht im N. K. B. 26, 153b (um 1431). 

44 ) Mil. 47, 148. Eine Reihe von Namen dieser Beamten aus dem 
Jahre 1493 Mil. 47, 370. 

Arohivaliache Zeitschrift. Neue Folge. XV11L 4 


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Wilhelm Beck. 


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Fürs Feld konnte die volle Anzahl dieser Pferde niemals 
in Betracht kommen, da in den Schlössern, auf denen die 
Pfleger saßen, jedenfalls einzelne Raisige Zurückbleiben mu߬ 
ten, schon, um die Kriegsbesatzung einzuweisen oder auch zu 
befehligen. Überdies wurden in den seltensten Fällen alle 
Beamten gleichzeitig aufgeboten, wie zwei Ausschreiben des 
Herzogs Albrecht von Oberbayern, beide vom Jahre 1485, 
zeigen. 45 ) Bei der zweiten dieser Rüstungen im April sollte 
die Versammlung in Straubing stattfinden. Als Hauptmann der 
Raisigen wurde der Pfleger zu Kötzting, Hanns Pretsdorfer, 
bestimmt. Aufgemahnt wurden: der Pfleger zu Falkenstein, 
der die Bewachung des Schlosses dem Richter zu übertragen 
hatte ; der Pfleger zu Haidau, der zur Verstärkung der Schlo߬ 
besatzung zwei bis drei Fußknechte aufnehmen soll; der Pfleger 
zu Neuramsperg, der „auf fürstliche Kostung“, wie hier aus¬ 
drücklich bemerkt wird, gleichfalls zwei bis drei Fußknechte 
in das Schloß zu legen hat. Den Kirchhof zu Kötzting soll der 
Richter bewahren, den zu Eschelkam der Sohn des Pflegers, 
der zwei bis drei Fußknechte aufnimmt. Den Sitz des Pflegers 
im Viechtreich Kolmberg soll der Kästner bewahren. Weiter 
werden aufgeboten die Pfleger zu Peilstein und zu Deggen¬ 
dorf und die herzoglichen Diener Heinrich Nothaft und Hanns 
Satelboger. 4t; ) Der Richter zu Mitterfels soll daheim im Schloß 
bleiben, ebenso der Hauptmann zu Furt und der Pfleger zu 
Neukirchen. Der Hauptmann vor dem Walde soll unterdessen 
auf der Hut sein, daß von Böhmen heraus nichts Widerwärtiges 
vorgenommen werde, ln den Ämtern soll sich jedermann „an¬ 
heims und gerüst halten“. 

Beide Rüstungen, die gegen Landsberg im Februar und die 
im Straubinger Teil im April, folgten rasch aufeinander. 47 ) 


* 5 ) 5. 2. 1485 zum Zuge gegen Landsberg: Mil. 47, 96; abgedr. 
bei Krenner 8, 411. 2. 4. 1485 neue Rüstungen: Fürstentome 11, 
338, die vor dem Vertrage von Erding (20. 4., Krenner 8, 460) wieder 
eingestellt wurden. 

4e ) Beide sind Diener von Haus aus nach einem Ausschreiben vom 
30. 1. 1485 bei Krenner 8, 409. 

4T ) Beide Male handelte es sich um bewaffnete Zurückweisung der 
Ansprüche des Herzogs Christoph. Zu vergl. Fürstentome 11, 352, 
Schreiben an den Pfleger von Wartstein. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


51 


Dabei wurde von den zur ersten Unternehmung aufgebotenen 
Beamten keiner zur zweiten aufgemahnt, wie ein Vergleich der 
beiden Ausschreiben vom 5. Februar und 2. April ergibt. 18 ) 

Das Verfahren, nur die jeweils dem kriegerischen Unter¬ 
nehmen zunächst wohnenden Beamten aufzubieten, ergab sich 
von selbst aus den Teilmobilmachungen, wie sie für innere 
Fehden und kleinere Unternehmen nach außen genügten. Anders 
mußte sich das Bild gestalten, wenn ein mächtiger Gegner zu 
bekämpfen war, wie von Herzog Ludwig der Markgraf Albrecht 
Achilles im Jahre 1460. Ende Juni, nach der Rother Richtung, 
waren die niederbayerischen Streitkräfte wieder entlassen wor¬ 
den. Infolge eines neuerlichen Bündnisses der Gegner, das 
diese am 4. August abschlossen, 40 ) war aber Ludwig der Reiche 
genötigt, im August nochmals zu rüsten; 50 ) in solchen Fällen 
konnte ein Wechsel in der Gestellung der Beamten, wie er 
oben gezeigt wurde, nicht durchgeführt werden. 

Die Mobilmachung. 

Allgemeines. 

Die Überführung der oben besprochenen, über das ganze 
Land verteilten aktiven Streitkräfte auf den Kriegsfuß wäre an 
sich einfach gewesen; es hätte nur einer Aufmahnung, der 
Bestimmung des Versammlungsortes und der Ernennung der 
obersten Führer bedurft, um diese Kräfte in wenigen Tagen 
verwendungsbereit zur Hand zu haben. Verschiedene Umstände 
aber brachten erhebliche Verzögerungen ; zunächst war die Frie¬ 
densbereitschaft nie so hoch gespannt, als man nach den Dienst¬ 
verträgen u. a. hätte annehmen müssen, sodann bildeten die 
Bereitstellung der Pferde und die Mobilmachung 
der Fahrzeuge schon damals die Hauptarbeit in der Mobil¬ 
machungszeit. In- den seltensten Fällen hielt der nicht mit 
Ämtern begabte Landadel ständig jene Anzahl von Pferden auf 


48 ) Krenner 8, 411 u. Fürstentome 1 1, 338. 

49 ) Kluckhohn 154. Riezler 3, 400. 

5 «) N. K. B. 23, 284: Ingolstadt 9 . 8. 1460: 33 Ritter und 

Knechte und 22 Hauptleute der Städte „haben meines herrn gnaden ge¬ 
raten hie zubeleiben, sy zu schicken dem pfalzgrafen, und das sein gnad 
ein ander gewerbe fürneme“. 

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Wilhelm Beck. 


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der Streu, mit der er im Kriegsfälle — selbst zu kleineren 
Unternehmungen — zu erscheinen gedachte. Aber auch bei 
den Beamten hatte die Bereitschaft gegen das Ende des 
15. Jahrhunderts etwas nachgelassen, wie ein Ausschreiben 
Herzog Albrechts vom 21. März 1484 an die Beamten im Nord¬ 
gau und im Niederland-Straubing zeigt. 1 ) Die beiden Rent¬ 
meister werden beauftragt, bei ihren regelmäßigen Umritten 
im Bezirke wegen der vorgeschriebenen Zahl von Knechten und 
Pferden und wegen der Ausrüstung der Beamten nachzusehen 
„und welchen er nit dermassen findt, dem kein Burghut 2 ) ze- 
geben“. Für die Rentmeister ist die Mahnung beigesetzt, auch 
sich selbst nach Schuldigkeit gerüstet zu halten. Der Land¬ 
sasse Jörg Salier zu Meylenhoffen in der Herrschaft Mainburg 
entschuldigt sich auf die Mahnung Herzog Albrechts, unver¬ 
züglich wohlgerüstet und erzeugt zu ihm zu kommen, am 
30. März 1485: ,,nu hab ich etwas mangels an pferden und 
harnasch, deshalb ich wesorg, so kurz ich nicht körnen müg.“ 3 ) 

Zur Ergänzung der Kräfte des eigenen Landes, der 
Lehenträger und Beamten, auf den Kriegsfuß dienten in erster 
Linie die Diener von Haus aus, Rittermäßige, die von 
ihren Sitzen außerhalb des Landes dem kriegführenden Terri¬ 
torialherrn mit der von langer Hand durch Vertrag bestimmten 
Anzahl von geraisigen Pferden zuzogen, später zum Teil aber 
auch, und zwar schon zur Zeit der Hussitenkriege, die Ver¬ 
pflichtung übernahmen, „Söldner“ zu Pferd und zu Fuß 
nach Bedarf zuzuführen. Mit den Pferden der Diener von 
Haus aus sollte es gehalten werden wie beim Hofgesinde, zu 
dessen Verstärkung sie dienten; wurde aber ein Diener von 
Haus aus zugleich als Soldunternehmer in Anspruch genom¬ 
men, so erstreckten sich die Bedingungen des mit dem Diener 

') Mil. 47, 89. — In der gleichen Angelegenheit scheinen wieder¬ 
holt Ausschreibungen ergangen zu sein, so am 11./13. 1. 1499: Mil. 
47, 237. 

2 ) Entlohnung in Geld oder Naturalien für die Kriegsbereitschaft 
in der Burg, besonders für das Halten raisiger Pferde. 

3 ) Mil. 47, 107. Riezler 3, 494 erwähnt von den Rüstungen nichts, 
die Herzog Albrecht im März und April 1485 wegen seines Bruders 
Christoph zu verfügen veranlaßt war; sie wurden durch den Vertrag 
von Erding am 20. 4. — Krcnner 8, 460 — überflüssig und einge¬ 
stellt. Fürstentome-Rcgestenbd. 3, 1049. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 53 


von Haus aus abgeschlossenen Vertrages nicht auch auf die 
von ihm als Soldunternehmer gestellten „Söldner“, die viel¬ 
mehr wie alle andern „Gäste (Nichtbayern) oder Söldner“ be¬ 
soldet wurden und vor allen für ihre Verpflegung aufzukommen 
hatten, deren Betrag daher in ihrem Solde inbegriffen war. 

Söldner zu Pferde und zu Fuß konnten außerdem teils 
aus dem eigenen Lande, teils aus benachbarten Gebieten un¬ 
mittelbar gewonnen werden. Um aber zur Annahme als Söldner 
geeignet zu sein, mußte der Mann kriegsmäßige Ausrüstung 
und Bewaffnung, sowie eine gewisse Kriegsfertigkeit besitzen. 
Wir können ohne weiteres voraussetzen, daß auch auf dem 
platten Lande alle jenen Bauern, die über eine kriegsmäßige 
Ausrüstung verfügten, diese auch zu gebrauchen verstanden. 
Daß junge unternehmungslustige Leute in den Dörfern leicht 
Gelegenheit fanden, sich von gedienten Fußknechten in den 
notwendigsten Elementen der Kriegskunst unterweisen zu lassen, 
bedarf keines Beweises. Urkundliche Nachrichten darüber wer¬ 
den sich freilich wohl kaum erhalten haben. Hatte aber der 
junge Mann einmal an einem kriegerischen Unternehmen teil¬ 
genommen, so war er ein erprobter Knecht und jedem Rott¬ 
meister zur Annahme als Söldner willkommen, falls er nicht 
von seinem Landesherrn in Landesnot oder zu Belagerungen 
im Lande als Söldner benötigt war und aufgeboten wurde. 

Im Gegenhalte zu den dem Hofgesinde angegliederten Die¬ 
nern von Haus aus hatte, wie oben erwähnt wurde, der Söld¬ 
ner, gleichviel, ob zu Pferd oder zu Fuß, für die Verpflegung 
selbst aufzukommen. 4 ) 

Das Söldnermaterial verteilte sich gleichmäßig über 
das ganze deutsche Reich, zu dem ja auch die als Raisläufer 
für Bayern wesentlich in Betracht kommenden Böhmen und 
Schweizer gehörten. Allenthalben im Reich lassen sich bei 
diesem Material zwei Schichten von sehr verschiedener Mächtig¬ 
keit unterscheiden: die stärkere, bodenständige in Schlössern 

*) Pers.-Sel. 1430: Hofer v. Lobenstein. 1434: Stein. 1436: 
Sedlitz. 1436: Bebenburg. 1456 u. 1458: Reuß von Plauen. Da¬ 
gegen 1459: Kratzin, der die Söldner auf des Herzogs „Pfenning und 
Kostung“ bestellen und führen soll. — N. K. B. 81, 62: 1460 Graf 
Konrad v. Helfenstein. — Pers.-Sel. Käppler 1468. — N. K. B. 103, 
110b: 1499 Heinrich v. Hympyß. 


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Wilhelm Bcck. 


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(Adel), Städten, Märkten (Stadt- und Marktvolk) und auf dem 
platten Lande, die andere wesentlich schwächere, sich wie ein 
leichter Schleier über das ganze Land ausbreitend, aus den 
fahrenden, müßigen, ledigen Kriegsknechten bestehend, die von 
der Scholle losgelöst auf der Landstraße ziehen und in den 
Tafernen zehren. Wenn wir heutige Bezeichnungen auf jene 
weit zurückliegenden Zeiten, die noch keine stehenden Heere 
kannten, übertragen wollen, so erkennen wir: Freiwillige, 
Landwehr und Landsturm. 

Nach den verschiedenen Zwistigkeiten der Herzoge unter¬ 
einander zu Anfang des 15. Jahrhunderts treffen wir im Jahre 
1431 die erste größere Mobilmachung in Bayern, die 
sich gegen die Hussiten richtet. 5 ) Die oberbayerischen Herzoge 
Ernst und Wilhelm fordern am 1. Mai 1431, auf Grund des 
königlichen Ausschreibens vom 18. März 1431, ihren Adel auf, 
sich zu dem Zuge zu bereiten „nach Vermügen mit Hengsten 
und Harnasch“ und dazu auch von den Bauern der Hofmarken 
den zwanzigsten Mann aufzubieten. 6 ) Die daheim bleibenden 
Bauern haben die ausziehenden und die Wagenpferde zu ver¬ 
pflegen ; die Herzoge aber wollen den Geraisigen Wein und 
Brot und dem Fußvolk Brot geben. Durch die Auswahl des 
zwanzigsten Mannes wurden dem Bauernvolke nur kriegstüch¬ 
tige Söldner entnommen, die auch die gute Bewaffnung und 
Ausrüstung wirklich besaßen, die der herzogliche Erlaß vor¬ 
schrieb, und in deren Gebrauch sie genügend geübt waren. 7 ) 


Ä ) Riezler 3, 720. v. Bezold 3, 114. Das Aufgebot des Adels 
in Ger.-Urk. Herrsch. Degenberg Fasz. 17. — Die österr. Aufgebots- 
ordnung, die dem königlichen Ausschreiben vom 18. 3. entspricht, ist 
am 28. 4. erlassen; abgedr. in den Mitt. des k. u. k. Heeresmuseums 
in Wien 2, 19. 

fi ) „Du solt auch von allen deinen pauren den zwainczigisten man 
ausfuren haissen, . . . auch ye zechen mannen ainen wagen ordnen. —“ 
Ger.-Urk. Herrschaft Degenberg Fasz. 17. 

7 ) Die Panik von Taus dürfte ihren Grund nicht allein in der bis¬ 
her stets zu stark betonten Kriegsungeübtheit eines Bauernheeres gehabt 
haben, sondern in dem vorausgehenden wüsten Treiben auf böhmischem 
Boden, das die Mannszucht in bedenklicher Weise gelockert hatte, und 
in der unsicheren ängstlichen Haltung des obersten Hauptmanns, der 
vorzeitig Maßnahmen für den Rückzug, die auch dem Heere erkennbar 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 55 


Von den Herzogen, die ihre Qerichtsleute in derselben 
Weise aufboten, rückte nur der jugendliche Albrecht ins Feld, 
dessen unmittelbares Gefolge, mit dem er von München ab¬ 
ritt, eine erhaltene Namens'iste ausweist; 8 ) neben den adeligen 
Namen und dem Richter von Ilmmünster finden sich auch die 
nötigen niederen Diener in diesem Gefolge, so mehrere Ein¬ 
spännige, der Schirrmeister, ein Marstaller, ein Sänger; ferner 
Geistlichkeit, ein Arzt und mehrere Köche, im ganzen 67 Namen 
mit mehr als 200 Pferden. Der junge Herzog selbst nahm zehn 
Pferde mit ins Feld. Die Herzoge Ernst und Wilhelm dagegen 
beteiligten sich an diesem Kriegszuge nicht. 9 ) 

Eine straffere Organisation der Kräfte des 
eigenen Landes für den Kriegsfall war nach den 
Hussitenkriegen dringend geboten und mußte in nicht allzu¬ 
ferner Zeit ins Leben treten. Darüber verstrich freilich noch 
mehr als ein Vierteljahrhundert; erst am Martinstage des Jahres 
1458 10 ) ergingen für Niederbayern zwei herzogliche Erlasse, 
die diese Organisation einleiteten. 

Herzog Ludwig verfügt zunächst die Aufstellung einer ver¬ 
lässigen Landtafel, indem er, um bestimmte Anhaltspunkte 
für die Mobilmachung zu gewinnen, von den Pflegern Register 
einfordert über die in ihren Pflegbezirken wohnenden Ritter 
und Knechte; 11 ) gleichzeitig verlangt der Herzog summarische 

werden mußten, getroffen hatte. Dazu kam die allgemein verbreitete 
abergläubische Furcht vor den Hussiten, die wohl auch einzelne der 
bei Taus zur Erkundung vorgesandten Ritter geteilt haben mögen. 
Ihre Meldungen konnten alsdann davon nicht ganz unbeeinflußt bleiben ; 
wurde di? eine oder andere überdies in unnötig hoher Gangart zurück¬ 
gebracht, so waren wesentliche Vorbedingungen für den Ausbruch einer 
Panik gegeben. — Vergl. auch v. Bezold 3, 148, 151; wegen des Ver¬ 
haltens der Bavern Riezler 3, 287. 

«) Mil. 47, 93. 

n ) Wiederholte Klagen der Ritterschaft wegen Nichtbezahlung der 
in Böhmen erlittenen Schäden erwähnen stets nur den Herzog Albrecht: 
Krenner 2, 48 (19. 3. 1434); Fürstentome 4, 228 u. 229 (10. 4. u. 
19. 4. 1435). 

‘») N. K. B. 26, 7 u. 8. 

11 ) Außer dem Register für das Landgericht Maurkirchen ist mir 
kein weiteres bekannt geworden: Ger.-Lit. Grenz-, Güter- u. Volksbeschr. 
Bd. 1. Es weist 33 Ritter und Knechte mit 26 Sitzen aus. Sollten sich 


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56 


Wilhelm Beck. 


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Übersichten der Bauern unter besonderer Bezeichnung 
der zurzeit „mannbaren und fechtbaren“ in folgender Gruppie¬ 
rung: des Herzogs, der Prälaten und Pfaffheit, der Ritterschaft, 
„der Bürger“ Bauern, endlich der Bauern, „die selbsteigene 
Güter haben und darauf Freisassen sind“. Der Hauptteil des 
zweiten Erlasses, der nur an die Städte und Märkte gerichtet 
ist, beschäftigt sich mit der Organisation einer Feldartil¬ 
lerie und wird dort zu betrachten sein. Die im gleichen Er¬ 
lasse angestrebte Hebung des Schießens mit Handbüchsen soll 
im Abschnitte „Fußvolk“ Erwähnung finden ; hier sei nur der 
Bestimmung gedacht, daß sich die Handwerker und andere junge 
Leute in den größeren Städten untereinander mustern und in 
vier Teile „rottieren“ sollen, wobei für jeden Teil der Haupt¬ 
mann zu bestimmen ist. Vor allem aber sollen die Städte 
darauf halten, daß jedermann mit seiner Kriegsausrüstung und 
Wehre „nach dem Besten zugerichtet werde“. 

Des weiteren bringt das gleiche für die Organisation der 
Wehrkräfte so wichtige Jahr 1458 grundlegende Mobil¬ 
machungsvorschläge: eine Matrikel für ganz Nieder¬ 
bayern auf 1000 Söldner zu Fuß nebst den für die Soldbezah¬ 
lung zu leistenden Geldbeiträgen. 12 ) Die Vorschläge, die, ihrem 
Werte entsprechend, im Wortlaute folgen, stehen in so engem 
Zusammenhang mit dem Organisationsstatut für eine bayerische 
Feldartillerie vom 11. November 1458, daß der undatierte „An¬ 
schlag auf Tausent“ nur kurz vor diesem Tage aufgestellt sein 
kann. 

Aus den Einzelvorträgen der Vorlage sind die Summen 
hier übersichtlich zusammengestellt, wodurch auch ein rascher 
Vergleich mit dem Überschläge des Jahres 1470 ermöglicht 
ist. 13 ) 


noch weitere Register finden, so ließe sich auch eine Landtafel nach 
dem Stande vom Jahre 1458 aufstellen. — Über die aus dem 15. Jahr¬ 
hundert erhaltenen Landtafeln s. den „Anhang“. 

12 ) N. K B. 87, 243. 

1S ) S. im Abschnitt „Söldner“. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 57 


Angeschlagen sind: 

Per- 

sonen- 

an- 

schlag 

Geld¬ 
an¬ 
schlag 
% dn 

Rais- 

wägen 

31 Prälaten im Niederland 

137 

734*/a 


16 Klöster im Oberland . . . 

63 

335 


Städte und Märkte. 




38 im Rentmstr.-A. Landshut . 

136 

733'/« 


15 „ „ Burghausen 

86 

452 1 1 


4 „ „ Wasserburg 

34 

179 


21 „ Oberland ...... 

113 

603 


Landgerichte. 




29 im Rentmstr.-A.'Landshut . 

137 

772 

46 

23 „ „ Burghausen 

138 

709 

33 

5 „ „ Wasserburg 

31 

155 


16 „ Oberland. 

108 

548 

26 

Summe 

1000 

5226 

105 


Bemerkung 


DiedreiSchluss- 
summen ent¬ 
sprechen der 
Vorlage; sie 
decken sich aber 
nicht ganz ge¬ 
nau mit der 
Rechnung; die 
vielen Korrek¬ 
turen in der Vor¬ 
lage haben wohl 
zu der Unstim¬ 
migkeit geführt. 


Der Geldanschlag entspricht mit ungefähr 5 Pfd. dn für 
einen Mann der Kopfzahl des Personenanschlags bei einem Zu¬ 
schläge von etwa 4 Prozent. 

Für die Städte und Märkte scheint etwa der 30. Mann, 
für die Landgerichte etwa der 50. Mann veranschlagt zu sein, 
berechnet auf die Zahl der Haushaltungen, nicht etwa der männ¬ 
lichen Bevölkerung oder der Kriegsdiensttauglichen. 14 ) 

„Der vorgemelten yeden person aine sol haben ain haubt- 
harnasch, zway ächselin, ain krebs ; mer von were ain armbst 
oder ain puchsen oder ain gute helmparten, dorczu ain gutes 
swert oder langes messer. 

Wie lang auch ainer mit speis versehen sein, das sol jm 
am anfank auch zugeschriben werden. 

Di were sol auch dermassen under dem vorgeschriben fuß- 
volk ausgetailt und angeslagen werden, domit sy nit all ainerlai 
were pringen, und solhs sol man jn auch im anfank zuschreiben. 

Es tut auch not, das man ain anslag mache, wo man zu 
den herczügen zimerleut und ander hantwercher aus den steten, 
märkten und lantgerichten neme, di mit irem zeug in ain velde 
gericht sein. 

14 ) Annähernde Schätzung auf Grund einiger Musterregister; stati¬ 
stisch nicht verwertbar. 


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Wilhelm Beck. 


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Anslag der raiswägen auf di vorgeschoben anczal Volkes 
ye auf zehen person ain wagen gerechent, di man aus den 
hernachgeschriben lantgerichten nemen sol. 15 ) 

Nota yeder wagen sol haben ain bedackten hobel, ain gute 
eysnene ketten vnd zwai seitenpreter; bei dem selben wagen 
sullen auch sein zwen starck für- und wagenknechte, der yeder 
sol haben an seiner seiten ain guts längs messer. Auf dem 
wagen sullen sein ain gute drischl mit eysnen züken, auch sunst 
nach notturft beslagen, und dorbei ain guter alater spies, vier 
helmparten; mer ain hauen, ain schaufl, ain hacken und ain 
eysner stickel. 16 ) 

Nota nach dem vorgeschoben anslag mag.man fürtter ain 
anslag durch das land gancz aus machen, auf wievil leut man 
dann zu ainem yeden furnemen bedarf, als nämlichen: ist man 
2000 mann notturftig, so hat man jn nur zu zwißpiln ; wär man 
dann vierstund sovil person bedürfend, so mag man an ein 
yedes ende vierstund sovil leut anlegen als vorgeschoben stet 
etc., oder sovil man der mer haben müste, nach dem selben wär 
di anczal ainem yeden zuczeschreiben. 

_ Mer so ist auch zugedenken, wann man ain merklichen 

15 ) Es folgen die einzelnen Anschläge mit der Schlußsumme 105. 

16 ) Die in der Wagenburg außerdem auch mitgeführten „Streit¬ 
wagen“ (Feldartillerie) trugen entweder leichtere Geschützrohre oder 
zwei Hakenbüchsen (Wallbüchsen auf Böcken); vergl. Cgm. 356, Bl. 44; 
„Item also rüst dein wegen zu, die an der wagenpurg sullen gen, als 
du dan das muster sichst (die Zeichnung ist vorhanden): auf yetlichen 
wagen gehört ein s°nß und ein sichel und ein behemische dritschel mit 
zancken, und hauen und schaufei und schlegel und ein holczhacken und 
ain beihcl; bavesen sein vor do; und voraus 2 hackenbuchsen.“ — Zu 
vergl. die Abb. auf Bl. 93b des Cgm. 734 (Mitte des 15. Jahrh.): Ein 
hochbordigcr Brückenwagen (Sichelwagen) ist besetzt mit einem Büchsen- 
und einem Bogenschützen, einem Hellebardierer und einem am Boden 
des Wagens hockenden Gewappneten. Der Wagenknecht treibt vom 
Wagen aus die zwei Pferde mit einer kurzstieligen Peitsche an; am 
äußeren linken Eck des Wagenbordes neben diesem Knecht ein Schild und 
ein mit Nägeln beschlagener Morgenstern. Auch der Wagenknecht hat 
Eisenhut, Brustblech und Armrohre, wohl auch den Rückenharnisch, der 
nur beim hockenden Knecht sichtbar ist. - Abb. des Wagenzubehörs 
(Schaufel, Beil usw.) und einer „gut bavesen“ in Cgm. 356 S. 64 und 
65. Über die Besetzung eines Streitwagens unter Albrecht Achilles 
1478 s. Allg. Archiv f. d. Gesch.-Kunde des preuß. Staates hsg. von 
Ledebur 1, 260 (Berlin 1830). 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 59 


zuge furnimbt zethun, das man doran ansiahen muß haubt- 
und ander puchsen und zu denselben gehorn von den clostern, 
auch den pfarrern und zehentnern, darczu von den Schergen 
und den paurn zu Ergolting, Essenpach, Watenpach und Alt- 
haim, do man dann pfligt grosse roß zu haben, di ziehenden 
starken pfard anczuslahen. 

Item und auf das man auch in ainem veld destpas mit 
zeug als wagen- und stainpüchsen versehen war, so tät vast 
not, das man ainer yeden stat der selben puchsen ettlich zu¬ 
haben anslüge, dj man in ain velde mit fürät mit aller zu- 
gehörung. 

Item das man auch den namhaftigisten steten püchsen- 
maister zu ordnät als gut hantwercher, den ain vortail von jn 
getan würde mit frey siezen und anderm, domit so bedorft 
man nit albeg umb gut puchsenmaister und puchsenschuczen, 17 ) 
wann man irer bedorft, irre geen, sunder man het si alberait. 

Und auf das man auch gut armbst- und püchsenschiiczen 18 ) 
in steten und markten überkäme, so war not, das man di hant¬ 
wercher dorczu hielt, jn auch an dem veirtag etliche clainat 
außgeworfen und dorjn ain vortail von ainem rate getan würde, 
das sy dorumb schüssten ; domit so beliben sy in statiger Übung. 

Ains geraisigen zeugs halben, domit man den in solhen 
leuffen, als laidcr etliche zeither verhanden gewesen und noch 
sind, allezeit wolgeschikt hi et, wär auch ain Ordnung fürcze- 
nemen in hernachgeschriben masse : 19 ) 

Des ersten, das man den pflegern und amptlüten ir auf- 
geseezte anczal pfärde allezeit zu haben seezte. 

Dann der andern ritter und knecht halben war ain solh 
maynung fiirczunemen, das ain veder gefordert und gefragt 
würde, was er stätigs von pfärden hiet; um dieselb anczal 
wär er zu ersuchen dj furan in den leuffen auch stätigs und 
dorczu noch etliche pfärd zu halten ; und auf der übrigen pfard 
ains solt man ir yedem 10 Pfd. dn in das hauß haim geben; 
und also überkäm man mit ainer geringen summa gelcz vil 
guter leut; und dj mocht man auch, wann man ir bedorft, 

17 ) Artilleristen 

,8 ) Handbüchsenschützen. 

,9 ) Dieser Ordnung wurde bereits im Abschnitt „Bestandteile des 
Feldheeres im Frieden“ gedacht. 


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60 


Wilhelm Beck. 


allezeit in acht tagen zusamen bringen. Und so ander herrn 
sähen, das man also mit guten leuten auch in Ordnung geschickt, 
wär onczweivel, man wurd daentgegen destmynder angesucht. 

Dorczu auch ain gerüstes hofgesind. 

Der speis halben zu ainem herczuge oder veldgleger gehört 
in sunderhait ain Ordnung, und darüber getreue Ieut fürcze- 
nemen, dj darob sein, das mit solher speis von und zum here 
zebringen ordenlichen umbgangen werde.“ 

Wir haben einen wohldurchdachten Vorschlag vor uns, der 
sich auf Oeraisige, Fußvolk, Belagerungs- und Feldartillerie, 
Raiswägen und Verpflegung erstreckt. Daß die Vorschläge auf 
fruchtbaren Boden fielen, zeigen das Ausschreiben vom Novem¬ 
ber 1458 wegen der Feldartillerie, die Einführung einer Be¬ 
stellung der Diener von Haus aus „auf Rüstgeld“ im Jahre 
1459 und ein wahrscheinlich dem Jahre 1460 zuzuweisender 
Personal- und Geldanschlag auf 100 Geraisige und 500 zu 

Fuß.so) 

Der Anfang zu einer Organisation der Kräfte 
des eigenen Landes für den großen Krieg ist ge¬ 
macht und zwar in einem vollkommen neuzeit¬ 
lichen Sinne unter besonderer Heraushebung des 
Fußvolks. Die schwer bewegliche Belagerungsartil¬ 
lerie wird bereits von einer leichteren Feldartillerie ge¬ 
trennt. Das Gefecht der drei verbundenen Waffen ist organi¬ 
satorisch angebahnt. 

Die Diener von Haus aus und die Provisioner. 

Die Territorialgewalten nahmen ihrer geschichtlichen Ent¬ 
wicklung entsprechend den Königsdienst als ein selbstverständ¬ 
lich auf sie übergegangenes Recht in Anspruch, ohne dabei 
auf Widerspruch zu stoßen ; der Landesherr verfügte über alle 
im Territorium Ansässigen vom Prälaten und Adeligen bis her¬ 
unter zum Bauern nicht bloß für die Zwecke der Landesvertei¬ 
digung, sondern auch für Kriege außerhalb der Landesgrenzen, 
wobei im zweiten Falle für Sold und Verpflegung besonders 

so ) Kren ner 7, 82. Der Geldanschlag ist allgemein so aufge¬ 
stellt, daß für einen Raisigen 15 Pfd. Pfg., für einen Fußknecht 8 Pfd. 
Pfg. zu erlegen wären. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 61 


vorzusorgen war, wennschon Bürger- wie Bauernaufgebote stets 
Lebensmittelvorräte für eine in jedem einzelnen Falle be¬ 
stimmte kürzere Zeit auf Wägen mitzuführen hatten. Nur für 
das verstärkte Hofgesinde wurden diese Lasten von der 
herzoglichen Kammer übernommen. Bei den Bauern hatten die 
Zurückbleibenden für die Ausziehenden zu sorgen. Die Städte 
und Märkte regelten diese Angelegenheiten innerhalb ihrer Ge¬ 
meinwesen. 

Mußte der Landesherr sein Heer über das angedeutete 
Maß hinaus verstärken, so konnte das nur durch Zuzug von 
außen geschehen. Feste Bestallungen von „Dienern von Haus 
aus“ sicherten diesen Zuzug schon in Friedenszeiten; 21 ) solche 
Diener waren keine Landesuntertanen, saßen vielmehr in ge¬ 
ringerer oder weiterer Entfernung von den Grenzen des Terri¬ 
toriums, für dessen Fürsten sie sich zum Dienste verpflichte¬ 
ten ; von dort „von ihrer Behausung aus“ 22 ) zogen sie zu, so¬ 
bald sie von ihrem Dienstherrn „gefordert“ wurden ; vereinzelt 
findet sich daher auch der Ausdruck „Diener auf Forderung“. 23 ) 

Dieses für das ganze 15. Jahrhundert und schon früher 24 ) 

21 ) Die Bemerkung bei Würdinger 2, 225n, sie seien die Vor¬ 
läufer des stehenden Heeres gewesen, ist unzutreffend; vergl. S. 48. 

2 -) N. K. B. 79, 2a: Am 6. 1. 1479 wird Oswald von Seckendorf 
von Tcttelsau „zu einem Diener ein Jahr von Haus oder meiner Herberg 
aus mit sechs Pferden“ zu warten bestellt. 

23 ) 1436: Pers.-Sel. Bebenburg. 

24 ) Solche Kriegsdienstverträge konnten erst abgeschlossen werden, 
als die Territorien zu einer gewissen Abrundung ihrer Grenzen und 
zu einigem Ausbau im Innern fortgeschritten waren; sie werden daher 
nicht erheblich über die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreichen 
können, aus welcher Zeit derartige Verträge erhalten sind. So er¬ 
wähnt Lorenz bei Kriegsdienstverträgen aus den Jahren 1250 und 
1252 z. B.: Ego Ulricus de Lichtenstain . . . promitto domino Philippo 
Salz, ecclesie electo suisque successoribus prestare auxilium per terras 
Stirie et Karinthie cum centum armatis, versus forum Julii, Austriam 
vel Bavariam plurium armatorum subsidio, contra omnem hominem, 
quandocunque super tali servicio fuero requisitus eo excepto, qui Im¬ 
perium de jure regere dinoscitur seu quem ecclesia verum Cesarem esse 
reputat, excepto eciam vero domino terre Stirie, qui ad hoc legitime 
fuerit institutus ... 4. Jd. Mai 1250. Orig. Geh. Staatsarchiv Wien; 
abgedr. (Wiener) Jahrb. 108, 161. Lorenz S. 15. — Ulrich von 
Lichtenstein wird, wenn man die erst im 15. Jahrhundert auftretende 
Bezeichnung schon hier anwenden darf, Diener von Haus aus des Er- 


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Wilhelm Beck. 


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geltende Verhältnis wurde nach der Vereinigung von Ober- und 
Niederbayern — etwa vom Jahre 1507 ab — dahin abgeändert, 
daß sich auch Landsassen als Diener von Haus aus aufnehmen 
lassen konnten. Man wollte denen, die sich die Qualität zum 
Kriegsdienste zu Pferd noch gerettet hatten, wirtschaftlich aber 
die sehr beträchtlichen Lasten dieses Dienstes nicht mehr zu 
tragen vermochten, durch den Jahressold eine Beihilfe vor allem 
für die Kriegsausrüstung zukommen lassen. Im Jahre 1519 
versprachen die Herzoge Wilhelm und Ludwig ihrer Landschaft, 
die geschicktesten und wohlgerüstetsten aus ihr in einer treffen- 
lichen Anzahl jährlich von Haus aus zu bestellen, zunächst 
wohl mit der Absicht, sie zur Gewährung der Geldmittel für 


wählten von Salzburg. Er bekennt sich dabei als steierischer Ministe- 
riale, der in sSinem engeren Bezirke von Steiermark und Kärnten mit 
hundert Bewaffneten, in der weiteren Umgebung gegen Friaul, Öster¬ 
reich und Bayern gleichfalls mit einer Anzahl Gewappneter »elfen will, 
wenn er gefordert wird, gegen jedermann, den Kaiser und den eigenen 
Lehensherrn ausgenommen, („pluriuin“ steht hier wohl im Sinne von 
coinplurium.) Vergl. dazu die Ausführungen Kluckhohns, Ministe- 
rialität S. 104. — Dem Verhältnis der „Diener von Haus aus“ ähnlich 
erscheinen die Kriegsdienstverträge aus dem 11. und 12. Jahrhundert, 
die besonders junge Ministerialensöhne mit fremden Herren eingehen 
durften (militet cui vult), wenn sie vom eigenen Herrn vorläufig ein 
beneficium nicht erlangen konnten (Bamberger Dienstrecht: vergl. 
Kluckhohn, Minist. 25). Ausdrücklich wird hier vorgeschrieben 
(Jaffe, Bibi. rer. Germ. 5, 51; Berlin 1869), daß sie sich nicht durch 
Annahme eines beneficiums bei den fremden Herren fest binden lassen, 
sondern nur einen freien Vertrag abschließen dürfen „non beneficiarius 
sed libere“. Es möchte auch der Vertrag des Edeln Liudolf (Span- 
nagel S. 50) mit dem Bischof von Paderborn nicht als Lehensvertrag, 
sondern als Soldvertrag aufzufassen sein, in dem der Sold unter dem 
Titel „beneficium“ in der Überlassung von 30 aratra Landes besteht. 
Bei einem Lehensverhältnis müßte für den Fall der Nichteinhaltung der 
Lehensverpflichtung Strafe, mindestens Lehensentziehung angedroht 
sein, was hier nicht geschieht; Liudolf kann vielmehr den Dienst als 
miles, als Raisiger einfach aufgeben, indem er seinen Vertrag löst: 
„si a servitio se unquam alienaret, 30 aratra redderet“. Doch liegen 
diese Verhältnisse zu weit zurück und beruhen auf wesentlich anderer 
rechtlicher Grundlage, als daß sie mit unsern „Dienern von Haus aus“ 
in unmittelbaren Zusammenhang gebracht werden dürften. Immerhin 
ergeben sich so viele Anklänge, daß eine Weiterbildung des Ministe¬ 
rialenrechtes des 11. und 12. Jahrhunderts zum Dienstvertrag des 13., 
14. und 15. Jahrhunderts nicht ausgeschlossen erscheint. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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den Krieg mit Württemberg willfähriger zu machen ; im Jahre 
1532 wurde angesichts des drohenden Krieges die mangelhafte 
Ausrüstung des Adels gerügt: besonders im Hinblick auf die 
deH Adeligen bewilligten Vorrechte der Steuerbefreiung seien 
sie verpflichtet sich raisig zu halten. Zudem müsse die Land¬ 
schaft doch selbst zugeben, daß die meisten vom Adel ganz 
anders als früher mit Dienstgeld in den Häusern, 25 ) 
mit Besoldung an den herzoglichen Höfen und mit Ämtern be¬ 
gnadet seien; die Herzoge erböten sich, auch fernerhin die 
eigenen Landsassen vor den Ausländern mit Dienstgeld zu be¬ 
denken. 

Die Bezeichnung „Diener von Haus aus“ läßt sich 
verlässig nur bis zum Jahre 1428 zurück verfolgen; 20 ) bis 

25 ) von Haus aus; vergl. Neudegger, Beiträge 3, 96—98. 

2ti ) Am Montag nach Ulrici (5. 7.) 1428 wird ein gewisser 

Erwinpeck als Diener von Haus aus von Herzog Heinrich von Nieder¬ 
bayern bestellt. N. K. B. 18 l /2» 316b; andere am Michelstage 1428 Be¬ 
stellte ebenda 319b und Fürstenakten No. 166 1 / 2f 34b. — Um einen 
„Diener von Haus aus“ handelt es sich aber auch, wenn im Jahre 1421 
Hanns Ödenberger von Herzog Ludwig dem Gebarteten mit zwei Pferden 
auf ein Jahr, auf jedes Pferd fünfzehn Gulden Jahressold, „zu Haus¬ 
söldner“ bestellt wird. N. K. B. 86 Bl. zwischen 220 und 221; ferner 
wenn Herzog Johann von Straubing-Holland im Jahre 1424 durch seinen 
Verweser in Niederbayern Herrn hvan von Cortenbach elf Diener mit 
einem Pferde bis zu sechs Pferden, die entweder 10 Gulden ungarisch 
oder 15 Gulden rheinisch für jedes Pferd erhalten, auf ein Jahr be¬ 
stellen läßt, sind Diener von Haus aus gemeint, die zwar dem strau- 
bingischen Gebiet angehören, aber, für Holland bestimmt, dort Aus¬ 
länder sind. N. K. B. 1, 17b. — Ein Verzeichnis von 38 Dienern von 
Haus aus, die Herzog Heinrich von Niederbayern um das Jahr 1426 
dienten, im N. K. B. IS 1 /») 312: „Nota die nach geschriben sind meins 
Herren Diener auß dem Niderlande“. — Daß die Einrichtung der Diener 
von Haus aus schon im 14. Jahrhundert bestand, zeigt eine Reihe von 
Bestallungen der Herzoge Ernst und Wilhelm von Oberbayern aus dem 
Jahre 1398: Märk von Reikershoffen (Bayern-Ingolstadt) wird z. B. 
als Diener aufgenommen und soll ein ganzes Jahr dienen „als er best 
mag wider allermenichlich, wenn wir des bedürfen“; dafür erhält er 
60 Gulden ungarisch. Ger.-Urk. Reichertshofen Fasz. 3. — Einen älteren 
Beleg für dieses Dienstverhältnis bietet auch eine Urkunde bei (Scheidt) 
Bibi. hist. 1, 193, Schloß Neunburg 30. 1 1. 1271, in der sich die 
Grafen Rapoto und Dipold von Murach verpflichten, Herzog Ludwig 
dem Strengen von Bayern mit ihrem Schloß Murach, ihren Leuten und 
ihrer eigenen Person zu dienen „contra quemlibet hominem in mundo, 


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64 


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dahin — aber auch noch in den dreißiger Jahren — wurden die 
außer Landes auf ein Jahr oder auf mehrere Jahre bestellten 
Diener einfach als „Diener“ bezeichnet, wie eine Reihe von Be¬ 
stallungen ersehen läßt. So werden in einem Landshuter Diener¬ 
verzeichnis des Jahres 143 5 27 ) nach den Beamten zwei „Diener“ 
genannt, die eben Diener von Haus aus sind: Ulrich von Laber 28 ) 
und Wilhelm Auer, dieser wohl oberbayerischer Landsasse. Da¬ 
gegen finden sich in einem Anschläge auf geraisige Leute, Burg¬ 
hausen 12. Juni 1443 2y ) unter der Überschrift „Diener und etlich 
unser Räte von Haus aus“ zwölf Namen nebst der Anzahl der 
im Kriegsfälle zu stellenden Pferde. Keiner dieser zwölf zählt 
zum niederbayerischen Adel; so gehörte z. B. Zaitzkofen, der 
Sitz eines Fraunbergers, damals noch zum Ingolstädtischen Pfleg¬ 
amte Kirchberg; die Stadt Mühldorf, der Wohnsitz Tumpergers 
und des Pauls Stein, zum Hochstifte Salzburg. Durch diese zwölf 
Diener ist die immerhin stattliche Zahl von 301 gerüsteten Pfer¬ 
den für den Kriegsfall sichergestellt. 30 ) In einem anderen Ver- 


ad omnia loca, que sue placuerint dominationi, ab hinc usque ad natalem 
Domini proxime venientem ct ab indc per duos annos continuos“. Der 
geringe Sold von 100 Pfund Regensburger Pfennigen für die zwei Jahre 
schließt die Annahme eines ständigen Dienstes aus; die Grafen sind 
bereit, wenn sie gefordert werden. — Ein Grenznachbar der bayerischen 
Herzoge, Bischof Albrecht von Eichstätt, hat am 14. 2. 1348 mit seinem 
Schwager, Herrn Burchard von Säkkendorf, ein Abkommen getroffen 
„daz er uns warten und dienen schol mit zehen helmen von dem weissen 
suntag . . . über ain jar wider allermänichlich, on wider sein selbs 
herren“. Ptrs.-Sel. Seckendorf, Fasz. I. — Auch das „Verständnis* - , 
mit dem Herzog Ludwig von Niederbayern im August 1453 die Ver¬ 
einung von St. Jörgenschild in Schwaben an der Donau gegen Kriegs¬ 
dienstleistung in seinen Schutz und Schirm nahm, gehört im weiteren 
Begriffe hierher. N. K. B. 34, 442b. 

«) Mil. 48, 33. 

se ) Er war schon vor der Erwerbung der Herrschaft Laber durch 
Herzog Heinrich von Niederbayern im Jahre 1435 als „Diener“ be¬ 
stellt: Ger.-Urk. Laber Fasz. 3. 

29 ) Mil. 48, 50; gedr. bei Krenncr 4, 105. 

30 ) Die unrichtig gezogene Summe — 151 statt 301 — läßt sich 
aus einer anderen Ausfertigung dieser Dienerliste aufklären, N. K. B. 87, 
221b: Truchseß von Waldburg mit 100, Fraunberger mit 14, Waldauer 
mit 40 Pferden sind dort wieder gestrichen oder durch den Beisatz „dt“ 
als abgegangen bezeichnet; die Schlußsumme verringert sich damit auf 
147 Pferde. — Ein in dieser Liste genannter bekannter Raisläufer Jörg 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 65 

zeichnisse aus dem Jahre 1443 kehrt die nämliche Bezeichnung 
wieder: „Unser Diener und Rät außerhalb unsers Landes von 
Haus mit ihren Sölden“. 31 ) Während das erste Register nur 
Kriegsleute enthält, finden sich im zweiten auch andere Persön¬ 
lichkeiten, so ein „Rat, Meister Peter Rentz“, ferner als „Hof¬ 
gesinde“ zwei junge böhmische Adelige „Rosenberg“ und 
„Schwanberg“, die wohl das Recht hatten, jederzeit mit ihrem 
Gefolge am niederbayerischen Hofe zu erscheinen, um dort Hof¬ 
dienst und Krieg kennen zu lernen; auch ist anzunehmen, daß 
sie bei besonderen Anlässen die Zahl und die Pracht des her¬ 
zoglichen Gefolges erhöhen helfen sollten. Daß bei entsprechen¬ 
den Qualitäten oder durch fürstliche Gunst allein der „Diener 
von Haus aus“ die Übergangsstufe zu einem herzoglichen höheren 
Amte bilden konnte, zeigen aus dem zweiten Verzeichnisse Ulrich 
von Rechberg und Hans von Parsberg. Sie sind seit 1445 
Diener von Haus aus und werden beide im Jahre 1447 als Pfleger 
angestellt, Rechberg in Höchstädt a. d. Donau, Parsberger in 
Neuburg a. d. Donau, sohin beide in den von Heinrich dem 
Reichen übernommenen Besitzungen Ludwigs des Gebarteten. 32 ) 
Auffallend ist die Erwähnung des Marschalls Oswald Törringer 
unter diesen Dienern von Haus aus; er hat sich wohl zeitweise 
vom aktiven Hofdienste, von dem er ah „Rat und Diener von 
Haus aus“ abging, auf seine Besitzungen zurückgezogen. 33 ) 

von Ähenheim führte seinen Namen von Enheim zwischen Uffenheim und 
Marktbreit und saß in Oeyern bei Weißenburg i. B. 

31 ) Mii. -48, 45. Das Verzeichnis reicht bis zum Jahre 1440 zu¬ 
rück und ist bis 1447 fortgeführt. Beide Verzeichnisse sind voneinander 
unabhängig; das zweite enthält von den zwölf Namen des ersten nur 
sechs. 

32 ) Bei dem im 15. Jahrhundert bestehenden Mangel an studierten 
Beamten war man für die Besetzung höherer Stellen fast ausschließlich 
auf den Adel angewiesen; die Adeligen waren die geborenen Beamten; 
manche unter ihnen hatten sich überdies auf auswärtigen Hochschulen 
die höhere Bildung jener Zeit angeeignet. 

33 ) Das N. K. B. 82, 2 , 205 enthält z. B. eine Bestallung für Tör¬ 
ringer als Rat und Diener von Haus aus vom 28. 7. 1448. Fast 
am gleichen Tage — 25. 7. 1448 — wird der bisherige Pfleger von 
Teisbach Jörg Aheimer zum Marschall ernannt; eine ähnliche Ab¬ 
lösung schon in früheren Jahren ist nicht ausgeschlossen. — Daß sich 
unter den zu fürstlichen Räten berufenen Dienern von Haus aus auch 
schon im 15. Jahrhundert Landsassen befanden, sei hier ausdrücklich 
betont (Rat und Diener). 

Arohivalisohe Zeitschrift. Neue Folge. X\ III. 6 


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Wilhelm Beck. 


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Dieses Räte- und Dienerverzeichnis vom Jahre 1443 läßt 
bereits verschiedenartige Verwendungen der Diener und Räte 
von Haus aus erkennen; neben den Kriegsleuten finden sich 
gelehrte Räte, neben Hofleuten Räte und Kriegsmänner zugleich, 
wie Dietrich der Stauffer. 31 ) 

Eine äußere Veranlassung, die bis dahin als genügend er¬ 
achtete Bezeichnung „Diener“ durch den Zusatz „von Haus aus“ 
schärfer zu fassen war durch das Aussterben der Linie Strau¬ 
bing-Holland gegeben, als nach den wiederholten Länderteilungen 
auch einmal eine Landeseinverleibung in Aussicht stand. Die 
drei übrigen bayerischen Landesteile hatten wie in anderen be¬ 
nachbarten Territorien so auch im Straubinger Lande Kriegs¬ 
dienstverträge mit Adeligen abgeschlossen, die mit der end¬ 
gültigen Verteilung dieses Landes nicht mehr Diener vom Haus 
aus sein konnten, sondern unmittelbar Landsassen und Lehens¬ 
mannen der verbleibenden drei bayerischen Herzogtümer wur¬ 
den. Wir finden daher in einem besonders vollständigen und 
sorgfältig geführten niederbayerischen Verzeichnis aus dem 
Jahre 142 8 35 ) „Diener aus dem Niederland“ noch von früheren 
Jahren her, 36 ) während andere zum Termin Michaeli 1428 neu 
bestellte Diener nunmehr als „von Haus aus“ bezeichnet werden, 
eine Benennung, die fortan bestehen bleibt. 

Bald nach dem Landshuter Erbfolgekrieg erscheint die Be¬ 
zeichnung „P rovisioner und Diener von Haus au s“, 37 ) 
eine Neu- und Doppelbenennung, die mit der Berufung des 

34 ) Hier schließt zeitlich ein Verzeichnis an: „Räte, Diener und 
Söldner“ aus Heinrichs des Reichen Zeit: N. K. B. S2, 2 , 200b ff. Um¬ 
fassende Dienerverzeichnisse aus Ludwigs des Reichen Regierung: N. K. B. 
41; 81; S2, 1 u. 2 ; eine Übersicht von 22 Räten und Dienern von Haus 
aus mit 80 Pferden bei der Mobilmachung im August 1468: N. K. B. 
90, 71b. Aus Georgs des Reichen Zeit: N. K. B. 79 u. 103 und Fürsten¬ 
sachen No. 261 */* Varia Tom. 4, Bl. 58. 

35 ) Fürstenakten No. 16672, 20 — 35. Als Schlußsumme aller nieder¬ 
bayerischen Raisigen werden auf Bl. 35b 1367 Pferde angegeben ein¬ 
schließlich der Diener aus dem Niederlande (101 Pferde) und der Söldner 
auf ein Jahr; letztere 17 Raisige mit 31 Pferden. 

m) 1426: s. N. K. B. 1S 1 /», Bl- 312. 

«) N. K. B. 92, 157 (1507) und 81, 161 (1508). — Noch im Jahre 
1502 ergeht eine Aufforderung Georgs des Reichen an „alle Diener von 
Haus aus“: Krenner 13, 349; in diesem Jahre war sohin die Bezeich¬ 
nung „Provisioner“ noch niclu üblich. 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 67 

württembergischen Landsassen Dietrichs von Plieningen 
in bayerische Dienste Zusammenhängen dürfte. 38 ) Die Neue¬ 
rung hatte wohl darin ihren Grund, daß nunmehr, nach der 
Vereinigung des Landes, auch Landsassen als Diener von Haus 
aus angenommen und bezeichnet wurden, ein Verhältnis, das 
sich in einer Anzahl von Fällen aus der Vereinigung der beiden 
Landesteile von selbst ergab; für sie schuf man eine neue Be¬ 
zeichnung nach württembergischen Vorbilde, da man zunächst 
noch nicht gewöhnt war, „Diener von Haus aus“ im eigenen 
Lande zu bestellen. Die alte und die neue Benennung laufen 
nebeneinander her, ohne daß eine Ausscheidung nach Landsassen 
und Dienern außer Landes zu erkennen wäre. Erst nach län¬ 
gerer Zeit scheint eine solche Ausscheidung erfolgt zu sein, bis 
im 17. Jahrhundert die Bezeichnung „Provisioner“ den „Diener 
von Haus aus“ gänzlich verdrängte. 39 ) 

38) Vergl. Neudegger, Beiträge z. Ges , 'h. d. Behördenorganisation 
3, 55; 88; 89. — Auch Al lg. Deutsche Biogr. „Plieningen“. — D. von 
Plieningen, Ritter und Doktor, wird am Luzientag (13. 12.) 1507 als 
Rat und Diener Herzog Albrechts auf 10 Jahre mit 200 Gulden Jahres¬ 
sold bestellt; er hat seinen Wohnsitz in München zu nehmen und vier 
gerüstete Pferde zu halten. Fürstensachen No. 261 */ s , Bl. 68b. (Varia 
Tom. 4.) 

39 ) S. Staudinger 1, 26. — In den bayerischen Akten findet man 
meist „Provisoner“ geschrieben. — Als im Jahre 1544 Jobst von Per- 
liching zu Geltolfing aus dem ständigen Hofdienstc „in Ansehung der 
Jahr, die auf ihn gewachsen“ ausscheidet und „Diener von Haus aus“ 
wird, sagen ihm die Herzoge Wilhelm und Ludwig seiner Knechte 
und Pferde halber zu, daß es im Dienste wegen Schadenersatz und 
anderem bleiben solle „wie mit andern u :sern Dienern und Provi- 
sonern“. Pers.-Sel. Berlichingen. — v. Stadlinger, Gesch. d. würt¬ 
tembergischen Kriegswesens, erwähnt S. 231 u. 264 Provisioner aus 
den Jahren 1546 und 1554, die den Dienern von Haus aus in Bayern 
entsprechen, da sie Hofkleidung erhalten und auf mindestens ein Jahr 
bestellt sind. Unter den Namen auf S. 264 erscheinen sowohl Land¬ 
sassen wie Adelige außer Landes. Während die „Reiter“ auf Monats¬ 
sold geworbene Söldner waren (S. 231), sind wohl die Provisioner in 
erster Linie für Befehlshaberstellen bestimmt gewesen. — Pätel 67n 
führt nur kurz an, daß der Name Provisioner in Philipps von Hessen 
Heere nicht angewandt worden sei. Bei einer Würdigung des Verhält¬ 
nisses der Diener von Haus aus auf S. 64 und 175 glaubt er das „von 
Haus aus“ auf ein engeres Verhältnis dieser Diener zur Person dfs 
Landesherrn, zum landgräflichen Hause deuten zu sollen. Durch diese 
auch anderwärts vertretene Auffassung gelingt es nicht, die richtige 

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Wilhelm Beek. 


Trotz aller Verschiedenheiten im einzelnen ist aus den Be¬ 
stallungen für die Diener von Haus aus wie für die späteren 
Provisioner zu erkennen, daß sie, sobald sie sich zum Dienste 
zu stellen hatten, dem Hofgesinde gleich gehalten wurden und 
vor allem die Verpflegung am Hofe empfingen; bei dem vor¬ 
wiegend militärischen Chr.rakter sind solche Diener — die 
Räte von Haus aus bleiben hier außer Betracht — als eine 
Verstärkung des Hofgesindes im Kriegsfälle aufzufassen, sei es 
um das unmittelbare militärische Gefolge des Kriegsherrn zu er¬ 
gänzen, 40 ) sei.es um Anführer für die Söldner zu ge¬ 
winnen. Als Führer des raisigen Aufgebotes konnten wohl 
nur Adelige des eigenen Landes verwendet werden; auch die 
„Wehrlichen“ der Städte und Märkte, sowie die aus der Land- 

Lösung zu finden, daß es sich um Diener handelt, die im Frieden „von 
Hause aus“ bestellt sind und erst, wenn sie „gefordert“ werden, von 
dieser ihrer Behausung aus zuziehen, wie Rosenthal 1, 570—572 zu¬ 
treffend ausführt. — Die Zurückweisung der irrigen Annahme Wür- 
dingers, daß man den Namen Provisioner in Bayern erstmals im 
Jahre 1526 antreffe, bei Neudegger, Beiträge 3, 58n. Die an dieser 
Stelle von Neudegger gegebene Unterscheidung zwischen Dienstleuten 
und Provisionern steht mit den vorstehenden Ausführungen nicht mehr 
im Einklänge. — Aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (1570) 
ist ein ausführliches Verzeichnis bayerischer Provisioner erhalten „so 
Dienstgeld, auch Ratssold außer Hofs haben“; Fürstenakten Fasz. 29 
No. 363. Sie scheiden sich in solche, die in den vier Rentämtern 
München, Landshut, Straubing, Burghausen, sowie im Bezirke von Ingol¬ 
stadt sitzen, und in Provisioner außer Landes. Während die im Lande 
ansässigen Provisioner, soweit sie als Kriegsleute Pferde zu halten 
haben, mit zwei bis sechs Pferden verpflichtet sind, wechselt die Pferde¬ 
zahl bei den Provisionern außer Landes zwischen einem Pferde und 
24 Pferden. 

40 ) In einem „Memorial, wie der fürstlich Hofstaten von neuem 
zu beratschlagen und in bessere Ordnung zu bringen sein möchte“ 
äußert sich der Hofmarschall Herzog Albrechts V. von Bayern, Pan- 
kraz von Freyberg, in dem Abschnitte „Raisigen; Grafen, Herren, vom 
Adel und andere Raisigen am Hof betreffend“, daß man eine beständige 
Anzahl gerüsteter Pferde am Hofe unterhalten solle, einhundert oder 
zweihundert Pferde; „zu dem je mehr man gerüster Pferd am Hof 
hätt, je weniger bedörft man Provisoner, wären jederzeit in gewisser 
guter Rüstung — da man der Provisoner halben in Zweifel stan 
muß — bei der Hand zu Verwahrung unsers genädigen Herrn und 
Fürsten Leib und Reputation“. Hohenaschauer Archiv: Albrechts V. 
Hofstaat 1557 (im Reichsarchi ). 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 69 


bevölkerung ausgehobenen kriegstüchtigen Söldner stan¬ 
den unter einheimischen Führern. 

Eine kurzfristige Bestellung „auf Wartegeld“, die Pätel 
für Hessen schildert (S. 65 ff), läßt sich für Bayern im 15. Jahr¬ 
hundert nicht nachvveisen. Hier reiht sich den Dienern von 
Haus die Klasse jener an, die auf „Rüstgeld“ bestellt sind. 
Ähnlich wie die Diener von Haus aus sind auch sie — und 
zwar gegen einen Sold von zehn Gulden jährlich für jedes 
Pferd — zum Kriegsdienste verpflichtet. Im voraus erhalten sie 
jedoch für jedes Pferd drei Gulden zu Rüstgeld, das für die 
herzogliche Kasse verloren ist, falls es in dem laufenden Jahre 
nicht zum Kriege kommen sollte; anderseits aber unterbleibt, 
wenn es nicht zum Kriege kommt, die Bezahlung des bedunge¬ 
nen Jahressoldes, auf den im Kriegsfälle die drei Gulden Rüst¬ 
geld angerechnet worden wären. 41 ) 

Die in den bayerischen Bestallungen des 15. Jahrhunderts 
bisweilen vorkommende Bezeichnung „Dienst- und Wartgeld“ 
oder „Wartgeld“ deckt sich stets mit dem den Dienern von Haus 
aus bewilligten Jahressold. 42 ) 

41 ) Zu vergl. der „Anschlag auf Tausend“ vom Spätherbst 1458 
im vorigen Abschnitt. Diese Art der Bestallung durch einen bedingten 
Vertrag wurde bisher nirgends erwähnt; es erscheint auch fraglich, ob 
sie das Jahr 1459 erheblich überdauert habe. Trotzdem soll die eigen¬ 
artige, im N. K. B. 82,', 315a erhaltene Formel hier im Wortlaute 
folgen: „Vermerkt den Form, den man einem jeden fürhält, der auf 
das Rüstgeld bestellet wirdet, inmaß als hernach folget: Item meins 
Herrn Gnaden gibt dir auf ein jeds Pferd zu Rüstgeld drei Gulden 
rheinisch und bestellt dich darauf also auf ein Jahr mit der Unter¬ 
scheide: Gehet der Krieg an, so solltu das benannt Jahr mit deiner 
bestellten Anzahl Pferden meins Herrn Gnaden von Haus aus dienen 
und warten wider manniglichen, niemands ausgenommen, umb den Solde 
auf ein jeds Pferd zehen Gulden rheinisch, nach des Hofs Gewohnheit 
zu bezahlen. Und das Rüstgeld wirdet auch alsdann an solichem Solde 
abgehn, darauf du auch zu Ausgang des Jahrs deines Soldes ganz be¬ 
zahlt sollt werden. Sein Gnad gibt dir auch auf dein bestellte Anzahl 
Pferd, so er dich zu seiner Gnaden Notdurft fordert, Kost und Fütte¬ 
rung, als ander seiner Gnaden Dienern und steht für redlichen Schaden 

• nach Gewohnheit des Hofs. 

Wär aber, daß der Krieg nit anging, so ist sein Gnad des Soldes 
müssig und dir den nit schuldig zu geben, und verleust sein Gnad das 
Rüstgeld, so du itzo empfangen hast.“ 

42 ) Dienst- und Wartgeld z. B. in der Bestallung des Jörg von 


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Wilhelm Beck. 


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Nur selten 43 ) findet sich eine einschränkende Vertragsbe¬ 
stimmung, die einige Ähnlichkeit mit den Ausführungen bei 
Pätel aufweist; so wird am 20. Mai 1459 von Herzog Ludwig 
dem Reichen Wolfgang Maußheimer von Mündraching, ober¬ 
bayerischen Gerichts Haidau, mit drei Pferden „auf den Form 
des Rüstgelds“ aufgenommen. „Also laßt man ihn in den nächst¬ 
folgenden zwain Monaten den Dienst auf das Jahr an- oder 
abwissen.“ Der Herzog wahrt sich sohin zwei Monate lang 
ein einseitiges Kündigungsrecht; erst dann tritt der Vertrag end¬ 
gültig in Kraft „ob man sy doch das ganz Jar aus brauchen well 
oder nit“. 

So stehen die Diener von Haus aus des 15. Jahr¬ 
hunderts und die späteren Provision er als eine eigenartige 
Gruppe neben dem Hofgesinde, den Landesaufgeboten und den 
geworbenen Söldnern, 44 ) von den Aufgeboten dadurch unter- 

Rechberg von Hohenrechberg, gesessen zu Stauffeneck, vom 19. 7. 1487 
als Diener von Haus aus: N. K. B. 79, 102a; Wartgeld in zwei Be¬ 
stallungen vom Jahre 1504: N. K. B. 103, BI. 141 u. 143. — In ein¬ 
zelnen Fällen könnte die Erwähnung eines „Wartgeldes“ auch dahin 
zu deuten sein, daß dem Bestallten die Verleihung eines Amtes in 
Aussicht gestellt war? 

«) N. K. B. 82 ,i, 316 u . 323. 

44 ) Verzeichnisse aus dem Jahre 1459 unterscheiden: „Behem von 
Haus aus zu Diener bestellt“; „Diener von Haus aus und etlich zu 
Hofgesinde bestellt in deutschen Landen“; „die auf Rüstgeld bestellt 
sind worden“; „Söldner“: N. K. B. 82,*, 293, 298, 320. — Noch im 
Jahre 1596 treffen wir auf einen „Obristen von Haus aus“. Herzog 
Wilhelm bestellt, München 1. 2. 1596, für sich und seinen Sohn Maxi¬ 
milian „von heut dato ein Jahr lang und hienach bis auf unser Wider¬ 
rufen“ den Heinrich (Christoph) Roeswurmb (Rusworm) zum Obersten 
von Haus aus „dergestalt, daß er sich außer unsers Vorwissen 
und Verwilligen in keines andern Herrn Dienst begeben oder 
einlassen solle“. Al lg. R. A. M. 30 j. Kr. Tom. 1 Bl. 8. Bestal¬ 
lungsrevers. Der Herzog versichert sich der Person eines kriegs¬ 

erfahrenen Obersten, der nicht mehr wie im 15. Jahrhundert zugleich 
an der Spitze eines bewaffneten und gerüsteten Gefolges erscheint. 
Ein besonderer Berufsoffizierstand hat sich unterdessen gebildet, der 
die im Kriegsfälle erforderlichen Führerstellen einnimmt. — Eine Etappe 
auf dem Wege der Entwicklung vom kriegskundigen Ritter mit seinem 
Gefolge zum Berufsoffiziersstand lassen bayerische Landtagsverhand¬ 
lungen aus der Zeit des schmalkaldischen Krieges erkennen. Bei dem 
heimischen Kriegerstande, den immer noch die adeligen Landsassen ver¬ 
körperten, fehlte es mehr und mehr an persönlicher Tauglichkeit und 


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Bayerns Heerwesen und Mobilmachung im 15. Jahrhundert. 


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schieden, daß sie — wenigstens im 15. Jahrhundert — aus¬ 
schließlich aus Ausländern in dem engeren Sinne der damaligen 
Territorialstaaten 45 ) bestanden, von den eigentlichen Söldnern 
aber dadurch, daß sie schon in Friedenszeiten für mindestens 
ein Jahr auf feste Bestallungen gegen ein Dienstgeld aufgenom¬ 
men waren, während die Söldner wegen der hohen Kosten, und 
weil man sie im Frieden nicht verwenden konnte, erst bei un¬ 
mittelbar bevorstehendem Kriege gegen Wochen- oder Monats¬ 
sold, selten länger als auf zwei bis drei Monate angenommen 
wurden. 46 ) 

an feldmäßiger Rüstung, besonders aber an der Freudigkeit der Ge¬ 
stellung, die nicht zuletzt durch den wirtschaftlichen Tiefstand des 
Adels beeinträchtigt war. Der bayerische Landhofmeister Haug von 
Montfort, Leonhard von Eck und andere von der Regierung brachten 
damals den Antrag ein, falls die nötigen Führerstellen aus dem 
Adel des eigenen Landes nicht besetzt werden könnten, solle der Herzog 
ermächtigt sein „auch andere geschickte Personen zu obern (und) untern 
Haupt- und Befehlsleuten über Raisige und Fußvolk aufzunehmen“. 
Ob Landleute (Landsassen) oder Ausländer, sollen sie alle aus der 
gemeinschaftlichen Kriegskasse bezahlt und dem Herzog oder seinem 
Statthalter zu Gehorsam verpflichtet werden. Ncudegger, Beiträge 3, 
104. — Schon im Jahre 1522 auf dem Reichstage zu Nürnberg wegen 
der Türkenhilfe bekundeten zwei niederösterreichische Kriegsräte tief¬ 
gehendes Verständnis durch den trefflichen Vorschlag, das Kriegsvolk 
ständig zu üben und tüchtige Hauptleute, an denen es mangele, heran¬ 
zubilden. R.T. A. jüng. R. 3, 76. — Vergl. dazu Kaiser Maximilians I. 
Entwurf einer beständigen Reichskriegsverfassung vom Jahre 1510 und 
die späteren Bestimmungen der Reichsexekutionsordnung des Jahres 1555. 

45 ) Wenn der „römische König“ Maximilian I. am 29. 3. 1492 
den reichsunmittelbaren Grafen Heinrich zu Fürstenberg als Diener 
von Haus aus bestellte, so konnte ihm dazu nur seine Stellung als 
Territorialfürst, nicht aber die als römischer König, Veranlassung bieten. 
Regest im Fürstenbergischen Urk.-B. 4, 142. 

4S ) Schon im 15. Jahrhundert ging man daran, wie bereits kurz 
angedeutet wurde, die Diener von Haus aus für die Anwerbung von 
Söldnern zu Roß und zu Fuß auszunützen. Dazu eigneten sich 
vor allem die Diener aus Böhmen und aus der Schweiz, da in beiden 
Ländern das Raislaufen in weitgehender Weise gestattet war; doch 
finden sich auch Beispiele aus Österreich. Belege für Böhmen und 
Österreich enthält z. B. aus dem Jahre 1436 Pers.-Sel. Sedlitz, aus dem 
Jahre 1459 N. K. B. 41, 28 ff., für die Schweiz — hier für Fuß- 
knechtc von Haus aus — aus dem Jahre 1477 N. K. B. 81, 265. — 
Aber auch aus den an das Territorium zunächst angrenzenden Reichs¬ 
gebieten sicherte man sich auf diesem Wege den Zuzug von Söldnern 


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Wilhelm Beck. 


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Die Söldner. 

„S ö 1 d n e r“ hat es auch in Deutschland wohl zu allen 
Zeiten gegeben, da wir stets von fahrendem Volke hören, das 
neben Bettlern, Jokulanten u. a. auch dienstlose, gartende Kriegs¬ 
leute umfaßte. Der zuletzt genannte Teil dieser lästigen Be¬ 
völkerungsschicht war zuweilen verschwindend klein, zu anderen 
Zeiten wieder verdichtete er sich derart, daß dagegen vorge¬ 
gangen werden mußte, wie der Vertrag zwischen Kaiser Fried¬ 
rich I. und König Ludwig VII